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mung und den Zweifel ausdrückt, diesem Grundsatz zu widersprechen scheint. Und dann und mehr noch wegen einer gewissen Nachwirkung, die sich leicht aus einer halben Verurteilung ergeben kann. Es wäre näm­lich nicht sehr erfreulich, wenn nun in den Kreisen der Liebenden die Auffassung entstände, jeder, der sich von einer aufdringlichen Klette, einem eifersüchtigen Tyran­nen oder einem von ekliger Leidenschaft besessenen Ver­folger durch ein paar Revolverschüsse befreie, käme mit zwet Jahren Gefängnis davon. Solche Ansicht könnte )u bedenklichen Konsequenzen führen, und man käme dahin, denMord aus Leidenschaft,, nach Pariser Mu- ster gelinde zu taxieren."_________________________________

Gericht und Recht«

Erst Kinbesmorb dann Tanzvergnügen! Vor dem Görlitzer Schwurgericht hatte sich die 19jährige Fabrikarbeiterin Selma Preutz aus Getbsöorf wegen Kindesmordes zu verantworten. Sie hat ihr unehe­liches Kind unmittelbar nach der Geburt mit dem Kovfe gegen eine Treppenstufe geschlagen und schließlich auf dem Kopf herumgetreten. Dann legte sie die Leiche in den Reisekorb und ging aus den Tanzboden. Die An­geklagte wurde zu nur drei Jahren Gefängnis verur­teilt. Noch milder kam eine andere Kindesmörderin davon, bei der es sich allerdins um eine Verzweiflungs­tat handelte. Ein Plätterin in Leipzig war schon vor der Geburt ihres unehelichen Kindes von ihrem Ge­liebten verlassen worden. Er bezahlte nichts, auch er­hielt sie von seiner Mutter grobe Briese. In ihrer Verzweiflung beschloß sie, mit ihrem Kinde zu sterben. Sie sprang eines Abends in die Pleiße. Als sie wieder hochkam, erwachte der Lebensörang in ihr und sie hielt sich an einem Aste fest und rief um Hilfe. Gerade als diese herbeikam, brach der Ast. Mutter und Kind stürz- ken von neuem ins Wasser. Nur die Mutter konnte ge­rettet werden. Sie wurde nur wegen fahrlässiger Tö­tung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

In der Notwehr. Gegen den Arbeiter Brandenburg in Stettin, der am 5. Juni vor der Zichorienfabrik von Weiß in Frauenöorf den streikenden Arbeiter Kühn durch Messerstiche so schwer verletzte, daß dieser einige Minuten später starb, wurde am Mittwoch unter großem Andrang des Publikums vor dem Stettiner Schwurge­richt verhandelt. Der Angeklagte erklärte, er habe sich durch den Arbeiter Kühn bedroht gefühlt und nur in der Notwehr gehandelt, als er auf seinen Angreifer losstach. Der Staatsanwalt gab der Meinung Ausdruck, daß Brandenburg, der zu einer Schar von Arbeitswilli­gen gehörte, die sich dem Streik nicht anschlietzen woll­ten, in der Notwehr handelte, diese aber überschritten habe. Die Geschworenen verneinten alle Schuldfragen, sodatz der Angeklagte freigesprochen wurde.

Vermischtes«

Ein schwarzer Monat für die Luftschiffahrt. Der Monat September ist ein Unglücksmonat in der Ge­schichte der Luftschiffahrt. Bis Ende August hatte die Aviatik 104 Todesopfer gefordert, und bereits in den beiden ersten Dritteln des September erhöhte sich diese Zahl auf 136. Von den 32 neuen Opfern fanden 16 auf einmal den Tod, es waren dies die Offiziere und Mann­schaften, die bei dem Untergang des Zeppelin-Luftschif­fesL 1" ertranken. Am 11. September verunglückten 6 Personen durch die losgelöste Luftschraube einer Flug­maschine, die bei Büchenbeuren im Hunsrück notlanden mußte. Drei Tage später in Frankreich genau derselbe Unfall aus denselben Gründen mit 5 Schwerverletzten. Die anderen Unfälle waren Stürze mit Flugmaschinen, bei denen die Flieger meist getötet wurden. Der Un­fall bei Vrieg bei Breslau nimmt insofern eine beson­dere Stellung ein, da er in gewisser Beziehung auf das System der Flugmaschine zurückzuführen ist, das sich eben durch diesen Unfall als nicht brauchbar herausstellte. Ein Unfall in Johannisthal foll eine plötzlich eintretende Ohnmacht des Fliegers in Folge zu schneller Aenderung der Höhenlage zur alleinigen Ursache gehabt haben. Ein großer Teil der Unfälle ist übrigens auf die sehr un­günstigen Witterungsverhältnisse des Monats Septem­ber zurückzuführen. Wie ja bekanntlich jede Vervoll­kommnung sich auf Erfahrungen aufbaut, fo werden hoffentlich die schlimmen Erfahrungen dieses Unglücks­monates zur immer fortschreitenden Entwickelung der Luftschiffahrt ihr großes Teil beitragen.

Bier Opfer eines Amokläufers. Am Drenstag abend drang in Liverpool ein anscheinend geistesgestörter junger Mann namens Macdonald in drei Häuser in verschiedenen Vororten der Stadt und verübte dort sinnlose Mordtaten. Das erstemal trat ihm der Haus­herr entgegen. Macdonald schlug ihn mit dem Revol- verkolben nieder und ergriff die Flucht. Es gelang ihm, in der Dunkelheit zu entkommen und auf der Straßen­bahn einen anderen Vorort zu erreichen. Dort betrat er eine alleinstehende Villa, suchte den Besitzer in sei­nem Schlafzimmer auf und schoß ihn nieder. Er ent­kam wieder, um in einem dritten Hause seinen krank­haften Blutdurst zu stillen. Er traf eine alleinstehende Dame an, die er, ohne ein Wort zu sprechen, durch einen Schutz niederstreckte. Die Detonation machte die Nach­barn aufmerksam, und sie machten sich an die Verfolgung des flüchtigen Mörders. Da er sah, daß ein Entkommen unmöglich war, entleibte sich Macdonald selbst durch einen Schutz.

Mißratene Söhne. In Paris wurde der 30jährige Jean Delpache, Sohn eines bekannten Senators, unter dem Verdacht des Einbruchs festgenommen. Der Ver­haftete leugnet das Verbrechen und schiebt alle Schuld auf seinen ehemaligen Schulfreund Girardin, dem zu­liebe er die Wertobjekte, ohne ihren Ursprung zu ken­nen, ins Versatzamt getragen haben will. Delpeches Vater behauptet, es handle sich um eine Jn- trige politischer Gegner, die den Sohn diskreditieren wollten, um den Vater unmöglich zu machen. Seinen eigenen Sohn mußte der Bureauchef Bourdon in Cor- beil (Dep. Seine-et-Oise) der Polizei übergeben, da er von ihm mit dem Tode bedroht und sein Haus von dem Ungeratenen in Brand gesetzt wurde. Bourdon jun. hatte bereits vor zwei Jahren mit seinem Vater L-tret- liakeiten, da ihm dieser kein Geld mehr für seinen leichtsinnigen Lebenswandel bewilligen wollte. Der tunge Mann hatte schon damals eine seinem Vater ge­hörige Scheune angezündet. Man steckte ^u zur Beobachtung seines Geisteszustandes in eine Irren­anstalt. Nach seiner Entlassung versuchte Bourbon jun. verschiedentlich seinen Vater zu ermorden, da ihm dieser immer wieder Geld verweigerte. Endlich verließ der ungeratene Sohn das Hans, drang aber in Abwesenheit seines Vaters in die väterliche Villa ein und versuchte, nachdem er das Haus in Brand gesteckt hatte, unter Mitnahme wertvoller Kunstgegenstande und Juwelen öu entfliehen. Der Polizei gelang es, den verbreche­rischen Sohn zu verhaften.

, DerBauer, schreck" an der steirisch-niederöster- reichisch^t Grenze. Das musteriöse Raubtier, das schon ^Wochen, wie her htet, die Bevölkerung an der stei- risch-niederösterreichtsa, en Grenze in Angst und Schrek- ken versetzt, ist immer noch nicht zur Strecke gebracht

worden, obgleich die gesamte Gendarmerie der dortigen Gegend hinter ihm her ist und obgleich Kaiser Franz Josef selbü die energische Verfolgung des Raubtieres mit allen Mitteln in die Wege leiten ließ.Der Bau­ernschreck", wie das Raubtier vom Volksmund genannt wird, taucht ganz plötzlich auf, raubt Vieh, fällt Men­schen an und verschwindet dann ebenso schnell wieder, um bald darauf an einer anderen Stelle wieder zu er­scheinen. Immerhin sind Menschen von ihm noch nicht getötet worden; das Tier, das offenbar aus irgendeiner Menagerie entsprungen ist, scheint also den ihm aner­zogenen Respekt vor den Menschen noch nicht ganz ver­loren zu haben. Bewohner einer zur Gemeinde Schäf- fern gHörigen Ortschaft haben das Raubtier bereits seit zwei Wochen gesehen und hielten es für einen Löwen. Am Dienstag spielte sich ein Vorfall ab, der in der ganzen Gegend große Aufregung hervorrief. Ein zwölf­jähriger Volksschüler nahm auf dem Schulwege nach Schäffern einen Hasen mit, den er in Schäffern abliefern sollte. Unterwegs wurde der Knabe von dem Raub­tier angefallen, das ihm den Hasen entriß. Das Kind lief nach Haus und erzählte den Vorfall. Bei der Nach­forschung am Ort des Ueberfalles fand man die Ueber- reste des Hafens vor, der von dem Raubtier verzehrt worden war. Ein ähnlicher Vorfall ist schon am vorigen Sonntag bei Schäffern vorgekommen. Da­mals wurde ein dreizehnjähriger Knabe auf dem Kirch­gang von dem Raubtier verfolgt. Als der Knabe zu laufen begann, setzte ihm das Raubtier ebenfalls in verschärfter Gangart nach, ließ aber von dem Kinde ab, als dieses in die Nähe der Ortschaft kam. Als man dem Knaben einen Tieratlas vorlegte, bezeichnete er den Puma, den südamerikanischen Silberlöwen, als das Tier, das ihn verfolgt habe.

Schwalbenrast auf dem St. Bernhard. Dieser Tage beherbergte das Hospiz vom Großen St. Bernhard selt­same Gäste. Der Abend war bereits angebrochen, und der Schnee fiel in großen Flocken nieder, als sich von Norden her eine ungeheure Schar von Schwalben der Patzhöhe näherte. Die Mönche vom St. Bernhard öffne­ten sofort die Fenster, und bald waren alle Säle, Zellen voll Schwalben. Die armen Tierchen ließen sich die ange­nehme Wärme des gastlichen Hauses gern gefallen und verbrachten ungestört die Nacht. Erst als am nächsten Morgen die Sonne aufgegangen war, wurden die Fenster wieder geöffnet, und Tausende der befiederten Wande­rer verließen ihre Ruhestätte und flogen in einer gro­ßen schwärzlichen Wolke nach dem fernen Süden. Frei­lich waren nicht alle Schwalben so glücklich gewesen, die Gastfreundschaft des Hospizes von St. Bernhard zu ge­nießen. Denn als die Mönche ihren Vormittagsstreifzug unternahmen, sahen sie auf den schneebedeckten Abhän­gen der Berge Hunderte und Hunderte von schwarzen Punkten. Es waren Schwalben, die, von der plötzlich einbrechenden Kälte überwältigt, zu Boden gefallen und erfroren waren.

Die Verwüstung der Goldgräberstadt Rome. Nach Depeschen aus Nome (Alaska) brach dort nach dreitägi- Sem Sturm, der wie gemeldet, einen großen Teil der wlögräberstadt in Trümmer legte, Feuer aus und ver­nichtete viele Vorräte an Nahrungsmitteln. Die Ein­wohner, die gezwungen sind, dort zu überwintern, be­finden sich in Gefahr, zu verhungern oder zu erfrieren, da nur ein Minimum an Lebensmitteln und Heiz­material in den wenigen unzerstörten Häusern vor­handen ist. Ob und wieviel Menschen den entfesselten Elementen zum Opfer gefallen sind, steht noch nicht fest; doch sind schon etwa 20 alsvermißt" gemeldet. Die Schilderungen der Neuyorker Presse bringen grauen­erregende Einzelheiten der Katastrophe. Danach wurde ein großer Teil Nomes vom Orkan in den Ozean ge­weht. Gleichzeitig trieb die Sturmflut Massen von Meerwasser am Sonntag abend weit in die unglückliche Stadt hinein. Hunderte von Häusern wurden umgewor- fen; Feuer, das bald aus den Trümmern emporloderte, zerstörte den Rest bis auf einige weiter ins Land stehende vereinzelte Gehöfte. Die Leiden der in der bit­teren Kälte mit den Fluten Kämpfenöen oder in den Trümmern verbrennenden Menschen waren unbeschreib­lich. Die Zerstörung der elektrischen Anlagen und der Warenhäuser mit Lebensmitteln ist besonders verhäng­nisvoll. Angesichts des rasch hereinbrechenden Winters dürfte es kaum möglich sein, Vorräte zur Linderung der Not heranzuführen, zumal der Hafen zerstört ist.

Vom Frauenmöröer in Chikago. Der Massenmör­der Spencer ist offenbar Opiumraucher. Seine Geständ­nisse werden zum Teil für Phantasien seines opium- berauschten Gehirns angesehen. Vier von ihm zuge- stanöene Morde hält man allerdings für glaublich. Auf der anderen Seite aber gibt Spencer so ausführliche Einzelheiten darüber, wie er seine Opfer umbrachte, daß man ihm die meisten seiner Untaten mehr und mehr glaubt. In fast allen Fällen lockte er feine Opfer in das erste Stockwerk seines Hauses, wo er mit einem Hammer auf der obersten Treppenstufe die Begleitung niederschlug, so daß das Opfer die Treppe hinabstürzte und so der Eindruck eines Unfalls erweckt wurde. Schwache Mädchen erwürgte er. Viele lernte er auf dem Tanzboden kennen, lockte sie dann nach Wayne, wo er angeblich eine Tanzschule eröffnen wollte, und beging dort seine Verbrechen. Die an einsame Stellen gelockten Opfer hat Spencer meist erschossen und dann beraubt.

Ein irrsinniger Operateur.

Schreckensszenen in einem Operationssaal.

In der Klinik zu Tschita ereignete sich, den Berichten Petersburger Blätter zufolge, vor einigen Tagen ein schreckenerregender Vorgang. EinHanöwerker war in die Klinik des Dr. Rafomin gebracht worden, da er an einer Blinddarmentzündung schwer erkrankt war, die eine sofortige Operation notwendig machte. Schon am Tage vorher hatte Dr. Rafomin eine Operation begon­nen, aber nicht ausgeführt, da er der Meinung Ausdruck gab, daß er sich in dem Wesen der Krankheit geirrt habe und darum eiue Operation nicht notwendig sei. Seine beiden Assistenzärzte waren zwar der Meinung, daß die Operation durchgeführt werden müsse, widersetzten sich aber der Ansicht des Arztes nicht, da ein Irrtum immer­hin im Bereich der Möglichkeit lag. Als die Blind- darmoperation nun vorgenommen werden sollte unö der Kranke bereits in der Narkose lag, führte Dr. Raso- min eigenartige zynische Reden, die man an ihm nicht gewohnt war.

Der erste operative Eingriff war völlig sachgemäß, sodaß die Assistenzärzte keinerlei Bedenken hegten. Plötzlich lachte aber Dr. Rafomin laut auf und meinte, daß die ganze Arbeit doch keinen Sinn habe. Er wolle lieber aufhören. Seine beiden Assistenten sahen sich er­staunt an, da sie nicht ahnten, daß sie einen Wahnsinni­gen vor sich hatten. Erst, als der Arzt anscheinend scherz­haft äußerte, er könne mit einem Stoß des Messers den Kranken von seinen Leiden erlösen, drängte sich der eine Assistenzarzt zwischen ihn und den Kranken. Nun brach der Wahnsinn offen aus. Der Arzt widersetzte sich dem Dazwischentreten seines Assistenten und wollte auf ihn losgehen. Es begann ein furchtbares Ringen, wo­

bei es dem herkulisch gebauten Assistenten gelang, Sem Operateur das Messer zu entwinden und ihn zu knebeln.

Die entsetzten Krankenschwestern flohen aus dem Zimmer; nur der andere Assistenzarzt blieb ruhig und unerschütterlich bei dem Kranren und setzte ohne Rück­sicht auf die Szenen im Zimmer, die sich draußen auf dem Korridor fortsetzten, die Operation, die Rafomin begonnen hatte, ruhig fort, um den Kranken zu retten. Der Ringkamps zwischen dem anderen Assistenzarzt und dem Doktor hatte nur wenige Minuten gedauert. Beide Aerzte bemühten sich nun mit vereinten Kräften um den Kranken, und es gelang ihnen, die Operation glücklich durchzuführen. Nach deren Beendigung bekam der eine Arzt, der sich nur mit größter Willensstärke aufrecht erhalten hatte, einen Nervenchok, der ihn auf das Kran­kenlager warf. Die Operation, die unter so furchtbaren Begleitumständen vor sich gegangen war, wurde von bestem Erfolge gekrönt, da der Kranke sich bereits auf dem Wege der Genefung befindet. Dr. Rafomin, der ein starker Trinker war, wurde als unheilbar wahnsin- nig einer Irrenanstalt übergeben.

Blätlerftimmen jur Melsensrage.

Zu der am Mittwoch vom Wolff'schen Telegraphen­bureau veröffentlichten Erklärung zur Welfenfrage sagt dasBerliner Tageblatt": Vorerst wird abzuwarten sein, wie der dem Bundesrat zugehende Antrag über die braunschweigische Thronfolge aussehen wird. Daß die Begründung noch viel neues und unbekanntes brin­gen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Die mittel- parteilicheTägliche Rundschau" äußert: Es ist leider anzunehmen, daß der Bundesrat, wenn sich Preußen zu einem Anträge auf Aufhebung der Behinderung des Prinzen für die Thronbesteigung in Braunschweig ent­schließt, diesem Anträge zustimmt. Sicher ist aber auch, daß dieser Beschluß im Reichs- und im Landtage wie in der Oeffentlichkeit scharfem Widerspruch begegnen wird. Die konservativeKreuzzeitung" meint: Es fragt sich, ob die jetzige Veröffentlichung zwischen den Fürsten des Welfenhauses und der welfischen Agitation den notwen­digen Trennungsstrich zieht. Nach den bisherigen Er­fahrungen haben wir die gewisse Zuversicht darauf nicht. Die freikonservativePost" hält die Mitteilungen für unzulänglich. DieNationalzeitung", das Berliner Or­gan der Nationalliberalen, stellt fest, daß auch diese Er­klärung einem Verzicht auf die Königskrone von Han­nover nicht klipp und klar entspricht. In der liberalen Bossischen Zeitung" heißt es: Die Frage ist nicht, ob der Prinz verspricht, nichts gegen den preußischen Be­sitzstand zu tun, sondern ob er den Ansprüchen auf den hannoverschen Thron für sich und seine Erben ein für alle Mal entsagt.

w neuestes vom Cage«

Das Kaiserpaar in Hnbertusstock.

Berlin, 9. Oktober. Die Kaiserin begab sich heute vormittag vom Neuen Palais nach dem Jagd­schloß Hubertusstock, wo auch der Kaiser seit einigen Tagen weilt.

Deutsch-chinesischer Depeschenwechsel.

^ Berlin, 9. Oktober. Aus Anlaß der Wahl des Präsidenten Juanschikai und der Anerkennung der chine­sischen Republik sind zwischen dem Präsidenten und dem deutschen Kaiser freundliche Telegramme gewechselt worden.

Ein amerikanisches Lob Deutschlands.

w> Berlin, 9. Oktober. Bei einem Festessen im amerikanischen Klub, an dem über hundert Mitglieder der amerikanischen Kolonie in Berlin teilnahmen, sagte gestern abend der neue amerikanische Botschafter Gerard: Der Botschafterposten in Berlin sei der ausgezeichnetste, den der amerikanische Präsident zu vergeben habe. Wir Amerikaner haben viel von Deutschland zu lernen. Nie­mand kann durch Deutschland reisen, ohne die Errungen­schaften eines solchen Volkes hochzuschützen, das in der Lage war. aus verhältnismäßig unfruchtbarem Boden das mächtige Werk herzustellen, als das jetzt Deutschland sich uns zeigt.

Tragischer Tod auf einer Automobilfahrt.

Berlin, 9. Oktober. (B. Z.) Die bet ihrem Onkel, dem Gastwirt Müller in Schildow, zu Besuch weilende junge Berlinerin Fräulein Neumann stieg in das Auto­mobil zweier in dem Gasthof abgestiegener Berliner Herren, um eine kurze Strecke mitzufahren. Nach einer Fahrt von wenigen Minuten stieß das Auto gegen einen Steinhaufen. Dabei stürzte das junge Mädchen aus dem Fahrzeug und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß sie auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Die bei­den anderen Insassen blieben unverletzt.

Ein verunglückter Militärdoppeldecker.

^ Bromberg, 9. Oktober. (B. Z.) Ein um 6^ Uhr morgens in Johannisthal aufgestiegener Argo-Doppel- decker ist um 8% Uhr bei Lobsens verunglückt. Das Fahr­zeug ist völlig verbrannt. Bon den beiden Insassen, dem Offiziersflieger Leutnant von Linsingen und dem Argo-Piloten Renus, wurde der eine leicht verletzt. Die Flieger wollten nach Königsberg gelangen.

Doppelselbstmord am Niedermalddenkmal.

Rüdesheim, 9. Oktober. (B. Z.) Am National- öenkmal auf dem Niederwald wurden auf einer Bank ein 30 Jahre alter Mann und ein 24jähriges Mädchen erschossen aufgefunden. Der junge Mann stammt aus Barmen.

Ein Blutbad der mexikanischen Rebellen.

»s* Neuyork, 9. Oktober. Nach einer Depesche aus Mexiko bestätigten Privatberichte das Gerücht, demzu­folge die Aufständischen in der vor wenigen Tagen von ihnen eingenommenen Stadt Torreon ein großes Ge­metzel unter den Spaniern angerichtet haben. Es sollen 150 Spanier von ihnen umgebracht worden sein.

Bündel und Verkehr«

Englische Riesenvermöge«. Auf die zunehmende Anhäufung großer Vermögen in wenigen Händen wirft ein eben erschienener statistischer Bericht ein interessan­tes Licht. Während sich die Lage der arbeitenden Be­völkerung in England im Lauf der letzten zehn Jahre nicht verbessert, sondern infolge des Steigens aller Preise verschlechtert hat, ist das steuerpflichtige Ein­kommen der Nation die Einkommensteuer trifft alle Einkommen über 160 Pfund in derselben Zeit von zirka 880 Millionen auf 1070 Millionen Pfund (21400 Millionen Mark) gestiegen. Das ergibt eine Zunahme von nicht weniger als 3900 Millionen Mark. Im letzten Jahre betrug die Zahl derjenigen, deren Einkommen 60 000 Mark ttbersteigt, 11800; ihr Gesamteinkommen ging über drei Milliarden hinaus und betrug 13,6 % des gesamten steuerpflichtigen Einkommens! Noch be­deutsamer ist die Tatsache, daß von diesen drei Mil­liarden beinahe zwei, nämlich 1900 Millionen, auf nur 4143 Personen entfielen, und daß 66 Personen ein Ein­kommen von über zwei Millionen Mark, zusammen 250 Millionen Mark hatten. Die enorme Anhäufung großer Reichtümer in wenigen Händen illustrieren auch die Nachlatzsteuern. Im letzten Finanzjahr hinterließen 253 Personen nicht weniger als 1830 Millionen Mark.