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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld

Sersjelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 135.

Mittwoch, den 8. Oktober

1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Hus der Heimat«

* Schulversäum nisse von Fort­bildungsschülern betrifft eine jetzt ergangene Entscheidung des Kammergerichts, in der sich der höchste Gerichtshof darüber ausspricht, wer berufen erscheint, in Fortbildungsschulen die Unterrichtszeiten festzusetzen. In L. besteht eine kaufmännische Fort­bildungsschule. Auf einem Sonntagnachmittag um 5 Uhr setzte der Leiter der Schule unter Zustimmung des Schulvorstandes eine Kaisersgeburtstagsfeier fest, und er wies die Schüler darauf hin, daß sie erscheinen müßten. Ein Handelslehrling erschien nicht und wurde in eine Geldstrafe genommen. Er und sein Vater beantragten richterliche Entscheidung. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten als Be­rufungsgericht, weil er es trotz des weiten Weges vom Elternhause zur Schule (ein Weg von 1 Stunde) hätte einrichten können, daß er an der Feier teilnahm. Und er habe auch die nötige Einsicht in die Straf- barkeit seines Verhaltens gehabt. Auf die Revision des Angeklagten und seines Vaters hob das Kammer­gericht das Urteil der Strafkammer auf und sprach den Lehrling frei. Nach dem Ortsstatut von L. müßten alle Handlungslehrlinge und Lehrer an dem vom Magistrat festgesetzten Unterricht teilnehmen und ebenso an allen sonstigen Veranstaltungen der Schule, wie Prüfungen, Feiern usw. Eine solche Bestimmung könne als Zwangsvorschrift nur dann Anwendung finden, wenn man die Feiern als Teil des Unter­richtes ansehe (§ 120 der Gewerbeordnung). Ob hier die Feier als Teil des Unterrichts anzusehen war, könne jedoch dahingestellt bleiben. Denn auch wenn man es annehme, so sei ihre Festsetzung nicht in der gehörigen Weise erfolgt. Denn nach dem auf der Novelle vom 27. Dezember 1911 beruhenden letzten Absatz des § 120 der Gewerbeordnung würden die Unterrichtszeiten von der hierfür auf Landesrecht zuständigen Behörde festgesetzt und bekanntgemacht. Als derartige Behörde komme aber nicht der Schul­leiter in Betracht, der hier die Feier festgesetzt habe, sondern der Magistrat.

* (Zum 18. Oktober.) Durch eine kaiserliche Kabinettsorder ist bestimmt worden, daß am 18. Ok­tober, dem hundertjährigen Gedenktage der Völker­schlacht bei Leipzig, alle Reichs- und Staatsgebäude zu beflaggen sind.

):( Hersfelb, 7. Oktober. Der diesjährige ordent­liche Gauturntag des Oberfulda-Werra- g a u e s findet am Sonntag den 30. November im Saale des Turnvereins zu Lispenhausen statt.

-h- Hersfeld, 7. Oktober. (S e h r wichtig für Imker.) Dieses Jahr ist fast überall der Imker mit der Fütterung der Bienen noch im Rückstände, da die Bienen dieses Jahr infolge der schlechten Tracht sehr viel benötigen. Eine Verdeckelung der mit Zuckerwasser gefüllten Waben ist aber kaum noch möglich. Jedoch kann man den Tierchen die Arbeit erleichtern, indem man leere Waben nimmt, diese in oder über einen Topf legt und das erwärmte Zucker- waffer dünn über der Wabe herführt und dann die Wabe so einhängt. Unter diesen Umständen können die Bienen sich die paar warmen Sonnenstrahlen noch zu nutze machen und den noch vereinzelt stehenden Blümchen Veröeckelungsstoffe entnehmen. Auch.finden Räuber nicht so leicht Gelegenheit, sich in den Futter­napf stürzen zu können, wenn ersteres befolgt wird.

):( Hersfeld, 7. Oktober. Bekanntlich wird der E i l b o t e n l a u f der deutschen Turnerschaft zur Ein­weihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig nicht über Hersfeld-Bebra sondern über Hünfeld-Vacha führen, weil diese Strecke 26 Kilometer kürzer ist. Soweit der Lauf nun den Oberfulda-Werragau be­rührt, beginnnt derselbe in Flieden und endet in Vacha. Diese Strecke wird in 10 Teilstrecken zerlegt, und für jede dieser Teile ein Abteilungsführer be­stimmt. Für den Teil Hünseld-Neuwirtshaus ist dies Herr Balsam-Hersfeld, für Neuwirtshaus-Rav- dorf Herr Bernh. Andree-Hersfeld und Herr Niebling- Philippsthal, für Buttlar-Hüttenrvda Herr FehUng- Hersfeld. Für Hüttenroda-Vacha Herr Rottenbach- Friedewald. Am 12. Oktober soll erst ein Probelauf stattfinden.

):( Hersfeld, 7. Oktober. Gestern ließ Frau Metzgermeister Otto Wwe. hier ein Kalb schlachten, welches das ansehnliche Gewicht von 3 4 6 Pfund hatte. Es war dies das schwerste Kalb, das jemals im hiesigen Schlachthause geschlachtet worden ist.

):( Hersfeld, 7. Oktober. Der diesjährige Obst- m a r k t wird morgen von vormittags 8 Uhr ab auf dem hiesigen Marktplatz abgehalten werden.

§ Hersfeld, 7. Oktober. (Zn den Reserve­übungen im 11. Armeekorps.) Gegenüber den von sozialdemokratischen Blättern wiedergegebenen Gerüchten, wonach bei der Uebung der Reserve-Jn- fanterie-Brigade des 11. Armeekorps eine ganze An­zahl Todesfälle und schwere Erkrankungen durch Ueberanstrengungen vorgekommen seien, teilt das Krtegsministerium auf Grund amtlicher Feststellungen mit: 1. Es ist kein Todesfall vorgekommen. 2. Ueber den Entlaffungstermin (1. Oktober) sind wegen Krank­heit insgesamt 48 Mann zurückbehalten worden. Da­von sind 21 inzwischen entlassen und 27 noch in Be­handlung. 3. Es handelt sich durchweg nur um Leicht­erkrankte, meistenteils Fußkranke. Der Gesundheits­zustand war während der Uebungen durchaus gut. 4. Von Ueberanstrengungen der Leute kann keine Rede sein. Die Anzahl der Fußkranken, der Erkrankten überhaupt ist im Verhältnis zur Gesamtstärke der Jnfanteriebrigade (6000 Mann) eine äußerst geringe.

Fulda, 6. Oktober. Heute früh sind sämtliche Stallungen und Scheunen des GutesKarlshof" ab- gebrannt. Nur das Wohnhaus und die Wirtschaft Zum Karlshof" blieben verschont.

Gemünden a. Wohra, 5. Oktober. In Abwesenheit der Eltern fiel hier das dreijährige Mädchen des Schneiders Henizer rücklings in einen Topf mit heißem Wasser. Der Topf war von einer älteren Schwester vom Herdfeuer abgesetzt und auf den Boden gestellt worden. Das Kind wurde sehr schwer verbrüht und starb alsbald im Krankenhaus.

Alsfeld, 6. Oktober. Im benachbarten Altenburg spielten vor einigen Tagen Kinder mit Bohnen. Dabei gerieten zwei Kindern Bohnen in die Nase, die vom Arzt nicht entfernt werden konnten. Die Kinder mußten darum in die Klinik zu Gießen überführt werden, wo die Bohnen durch Operation entfernt wurden.

Marburg, 6. Oktober. Das Schöffengericht ver­urteilte einen jungen Mann, der seinem Chef einige hundert Mark unterschlug, und dann nach einem lustig verbrachten Tag am andern Morgen sich an Händen und Füßen fesselte und im Bett liegen blieb, zu 2 Monaten Gefängnis. Seinen Angaben, daß ihn dergroße Unbekannte" überfallen und ausgeraubt hätte, schenkte das Gericht keinen Glauben.

Hanau, 6. Oktober. Gestern und heute tagte im alten, gewerbfleißigen Hanau die aus allen Teilen Hessens und seiner Nachbargebiete stark besuchte 23. Hauptversammlung des Kurhessischen Hanptvereins des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch­protestantischen Interessen. Hanan ist eine gastliche Stadt und entbot dem Bunde durch reichen Flaggen- und Girlandenschmuck freundliches Willkommen. Zwei erhebende Gottesdienste in der Johannes- und Marienkirche gaben den weihevollen Auftakt. Nach Beendigung derselben hielt der Vereinsvorstand gemeinsam mit dem Festausschuß eine Sitzung in der Concordia" ab. Dankbar wurde von ersterem die erfolgreiche Arbeit des Festausschusses anerkannt, die auf Schritt und Tritt zu spüren war. Draußen aber auf den Plätzen der Stadt konnte man es von den Gesichtern der dahinwogenden Volksmenge ablesen, welch hochgespannte Erwartungen die Bevölkerung der Tagung entgegenbringt. Sie sollte sich darin nicht getäuscht sehen. Zu einer machtvollen Kundgebung gestaltete sich die Volksversammlung im großen Saale zn Wilhelmsbad am Sonntag nachmittag.Die Macht des evangelischen Glaubens" wurde dort einer vielhundertköpfigen Menge in anschaulicher, ' hin­reißender Weise vor die Seele gestellt, die Macht des evangelischen Glaubens, wie siezur Zeit der Re­formation" undvor hundert Jahren" siegreich hervor- brach und wie siein der Gegenwart" trotz allem die einzige wirkliche Macht ist. Drei Redner aus Cassel hatten sich in die große Aufgabe geteilt: Pfarrer Lic. Bachmann, Pfarrer D. Saröemann und Geh. Re­gierungsrat Mühlmann. Nicht minder glänzend verlief die Begrüßungsversammlung am Abend im Saale der Turngemeinde. Nach der warmherzigen Eröffnungsan­sprache des stellvertretenden Vorsitzenden, Pfarrers Dr. Preger (Cassel), begrüßte als erster Redner Oberbürger­meister Dr. Gebeschus im Namen der Stadt Hanau die Hauptversammlung. Dann ergriff unter lautloser Stille der geschüftsführeude Vorsitzende des Bundes, Lic. Everling das Wort, um in seiner bekannten, die Herzen zwingenden Weise überpositive und praktische Aufgaben des Evangelischen Bundes" zu sprechen. Wie der erste Verhandlungstag mit dem glänzenden Vortrag Everlings geschlossen hatte, so wurde der zweite Tag und mit ihm die geschlossene Abgeordneten- und Mitgliederversammlung im Evangelischen Ver­einshause mit einer zündenden Ansprache desselben Redners eröffnet. Aus dem sodann von Pfarrer Dr. Preger (Cassel) erstatteten Jahresbericht sei Hervorge- hobeu, daß der Kurheffische Hauptverein abermals

gewachsen ist. Er umfaßt jetzt 20 080 Mitglieder in 192 Zweigvereinen und 39 angeschlossenen Vereinen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der be­deutsame Vortrag des Generalsekretärs des deutsch- evangelischen Sittlichkeitsvereins, Lic. Bohn (Berlin) überGeburtenrückgang und konfessioneller Aufbau des deutschen Volkes".

Haueda, 6. Oktober. Am Sonnabend nachmittag brach in unserem Orte Feuer aus, das in kurzer Zeit nicht weniger als drei Wohnhäuser vollständig ein- äscherte. Von dem Mobiliar konnte fast nichts ge­rettet werden. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unaufgeklärt.

Wiesbaden, 6. Oktober. Heute Nachmittag erschoß der Direktor der Eilboten-GesellschaftBlitz," Rein­hold Krieger, den 20jährigen Eilboten August Ehelt nach kurzem Wortwechsel, der infolge einer Lohn­differenz von drei Mark entstanden war. Der Täter wurde verhaftet und konnte nur mit Mühe vor dem Publikum in Sicherheit gebracht werden.

Wiesbaden, 6. Oktober. Bei dem Bahnhof Erben­heim ereignete sich heute abend kurz nach sechs Uhr ein Eisenbahnzusammenstoß. Zwei voll besetzte Arbeiterzüge stießen auf der Eisenbahnbrücke, die über die Wiesbadener Straße führt, zusammen. Mehrere Wagen entgleisten. Die Maschinen der beiden Züge wurden stark beschädigt. Der Material­schaden ist groß, mehrere Personen wurden verletzt, darunter eine so schwer, daß sie in das Wiesbadener Krankenhaus geschafft werden mußte.

Darmstadt, 4. Oktober. Wegen Untreue und Unter­schlagung hatte sich heute der 48jährige vorbestrafte Bürgermeistereigehilfe Peter Weber IV. aus Dieburg vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte ist beschuldigt, in den letzten Jahren Ge­meindegelder in Höhe von etwa 2000 Mark unter­schlagen zu haben. Der Angeklagte, der die Beamten­eigenschaft nicht inne hatte und als Beamter auch nicht verpflichtet worden war, hatte keine Berechtigung zum Empfang von Geldern. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust.

liniere afrikanischen Kolonien.

Gegenüber den unausgesetzten Angriffen auf unsere Kolonien, denen von gewisser Seite jede wirt­schaftliche Entwicklungsmöglichkeit abgesprochen wurde, reden die im jüngsten Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich veröffentlichten Zahlen über die Ent­wicklung der Einfuhr und Ausfuhr eine deutliche gegenteilige Sprache. Namentlich die afrikanischen Kolonien befinden sich in einer Aufwärtsentwicklung, die zu den besten Hoffnungen für die Zukunft be­rechtigt. Einzig und allein Süöwestafrika, wo Ein­und Ausfuhr im Jahre 1911 gegen das Vorjahr zu­rückgegangen sind, macht davon eine kleine Ausnahme, die in den eigenartigen Verhältnissen dieser Kolonie begründet sein dürfte. Die Ausfuhr Ostafrikas ist dagegen von 20 805 000 M. auf 22 438 000 M. in den letzten beiden Jahren gestiegen,' von dieser Summe allein gingen 13,5 Millionen an das Mutterland. Auch an der Einfuhr der Kolonie ist in erster Linie Deutschland mit weit über der Hälfte der Gesamtzahl von 45,9 Millionen beteiligt, im Gegensatz zum Jahr vorher, in dem nur die knappe Hälfte der Einfuhr auf Deutschland entfiel.

Kamerun führte 1910 für rund 26 Millionen M. ein, gegen 29 Millionen im Jahre 1911. Hierbei ist die Beteiligung Deutschlands mit 23 Millionen noch weit größer als in Ostafrika. Die Ausfuhr ist eben­falls von 19 Millionen auf 26 Millionen gestiegen, die in der Hauptsache auch in Höhe von 18 Mil­lionen nach Deutschland geht.

Auch unser kleinstes afrikanisches Schutzgebiet, Togo, kaun eine Ausfuhrsteigerung von 2 Millionen Mark verzeichnen, die in Höhe von 6 Millionen Deutschland zu gute kommt.

Sind diese Zahlen im Verhältnis zur Größe unserer Kolonien noch nicht allzu bedeutend, so sind sie doch als ein Zeichen der günstigen Entwicklung unserer Schutzgebiete anzusehen. Geben sie doch den­jenigen Unrecht, die immer behaupten, wir verpulvern in Afrika nur unser gutes deutsches Geld, da Erfolge uns nie beschieden sein würden. Wenn das deutsche Reich auf dem bisher eingeschlagenen Wege, ohne Hast, aber auch ohne Zaudern, fortfährt, so muß feine Politik Erfolge erzielen. Dabei ist aber stets zu be- denken, daß Geld eben so wie zum Kriege, auch zur Kolonisiernug fremden Landes das Allernötigste ist. Wenn es unsern Schutzgebieten nicht fehlt an den nötigen Hilfsmitteln, Bahnen, Wegen, guter Ver­waltung und ausreichendem Schutz durch Truppen, werden sie sich auch weiter vorwärts entwickeln. Dann kann mitunter eine rechtzeitig aufgewandte Million vielfache Frucht tragen.