Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld

SnsWn Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“ Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 134. Dienstag, den 7. Oktober 1913.

Die Nartenschlägerin

betitelt sich der spannende Roman, der in unserer wöchentlichen Romanbeilage „Nach Feierabend" be­gonnen hat. Allen noch neu hinzutretenden Abonnenten wird der Anfang des Romans nachgeliefert.

Hus der Heimat« Rennen des Hersfelder Retter- vereins.

):( Hersfeld, 6. Oktober.

Ueber dem gestrigen Rennen des Hersfelder Reitervereins waltete auch in diesem Jahre ein günstiger Stern. Nach dem strömenden Regen, der vom Sonnabend Abend bis zum Sonntag vormittag niederging, trat noch trockenes Wetter ein, welches den ganzen nachmittag über anhielt. Trotzdem ließen sich viele von dem Besuche der Rennen abhalten, so daß leider der Besuch gegen die früheren Jahre etwas geringer war. Immerhin wurde der herrlich gelegene Rennplatz am Eichhof, der mit seinem im schönsten Herbstschmuck prangenden Laubwald im Hintergründe ein prächtiges Bild bot, von einer großen Menge belebt, unter denen sich sehr viel Auswärtige befanden, ein Zeichen, daß unsere Rennen immer mehr an Be­deutung gewinnen. Die Rennbahn selbst war in bester Verfassung, so daß die durchweg gut, besetzten Rennen einen glatten Verlauf nahmen. Ein vorzügliches Pferdematerial, wie man es an vielen größeren Renn­plätzen nicht besser finden dürfte, lief auf der Bahn, so daß der Verlauf der einzelnen Nennen von dem Publikum stets mit größter Spannung erwartet wurde.

Um 2.30 Uhr nachm. nahmen die Rennen mit dem

Sankt Lullus-Jagd-Rennen ihren Anfang, welches über eine Entfernung von 2400 Meter führte. Am Start waren 6 Pferde erschienen. Der Verlauf war äußerst interessant und zeitigte einen scharfen Kampf. Trotz bedeutender Konkurrenz gelang es Herrn A. Rechbergs dunkel­braunem Wallach Luftikus unter Herrn Hauptmann Weidermann (Feld Art. 53) gleich wie im Vorjahre doch wieder als erster durchs Ziel zu gehen. Zweiter wurde Herr Carl Baumann auf seiner dunkelbraunen Stute Erda, dritter Herr Leutnant Graf Fugger (Drag. 26) auf seiner Schimmelstute Ethel und vierter Herr Leutnant Prinz Hohenlohe (Drag. 8) auf Herrn Rechbergs Fuchswallach Trojan.

Zu dem nächsten Rennen, dem

Eichhof-Flachrenne«

waren vier Pferde gesattelt, unter denen sich ein äußerst spannender Kampf abspielte. Geschlossen ging das Feld über die Bahn und nur wenig Distanz lag im ganzen Verlauf des Rennens zwischen den einzelnen Reitern. Zwischen dem ersten und dem zweiten Reiter, Herrn Leutnant Gallo (Train 18) auf seiner Fuchsstute Verba und Herrn Leutnant von Westernhagen (Jäger zu Pferde) mußte das Los ent­scheiden, da beide Reiter dicht nebeneinander das Ziel passierten. Der erste Sieg fiel hierbei auf Herrn Leutnant Gallo, der zweite auf Herrn Leutnant von Westernhagen und der dritte auf Herrn Oberleutnant Sardemann (Feld Art. 47) auf seiner braunen Stute Coco.

Es folgte nun das dritte Rennen um den Preis der Stadt Hersfeld.

Um diesen bewarben sich 5 Pferde, und auch hier war der Verlauf von Anfang bis zu Ende ein spannender. Herr Leutnant Gallo nahm von Anfang an auf seiner Schimmelstute Jda die Führung über die ganze 3000 Meter betragende Bahn und wurde erst dicht vor dem Ziele durch Herrn Dahl-Düsseldorf auf seinem Fuchs­wallach Flastight eingeholt, doch konnte dieser Herrn Lt. Gallo den ersten Preis nicht mehr streitig machen, denn mit zwei Längen Vorsprung ging dieser durchs Ziel. Zwischen Herrn Dahls Pferd und Herrn A. Rechbergs Luftikus mit Herrn Hauptmann Weidermann int Sattel entspann sich um den zweiten Platz ein heißer Kampf, in dem bald das eine bald das andere Pferd führte. Herr Dahl siegte schließlich mit einer Länge, Herr Hauptmann Weidermann wurde dritter. Den vierten Platz belegte Herr Oberleutnant Sarde­mann mit seinem braunen Wallach Tessin.

Das vierte Rennen

Preis der Landgräfin von Hessen war nur für Offiziere des Fuldaer Artillerie-Regi­

ments 47 offen. 8 Herren hatten sich dazu am Start eingefunden. Bei den ersten 900 Metern lag das ganze Feld dicht geschlossen bis bei der ersten Hürde dann Herr Leutnant Kortes mit seinem Pferd stürzte, glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen. Das reiter- lose Pferd machte das Rennen bis zum Ziel mit. VielHeiterkeit erregten hierbei zwei einandergekoppelte Foxterriers, die ihrem Hüter und Beschützer entwischt waren, und das Rennen mitliefen. Nach einem wunderbaren Endspurt konnten sie dann wieder ein­gefangen werden. Als erster Sieger ging nach einer Entfernung von 2400 Meter Herr Oberleutnant Knetsch durchs Ziel, ihm folgte als zweiter Herr Oberleutnant Sardemann, dritter wurde Herr Leut­nant Schulz und vierter Herr Leutnant Aichmeyer.

Es folgte nun das Landwirtschaftliche Rennen um den

Preis des Kreises Hersfeld.

Hierzu hatten sich 6 Teilnehmer gemeldet, welche die ca. 700 Meter lange Strecke in einem äußerst flotten Tempo zurücklegten. Den ersten Preis mit 60 Mark errang ein Pferd des Herrn Schlotzgutspächters Dootermann aus Hattenbach unter seinem Reiter Herr Wyneken, der noch einen Spazierstock erhielt. Der zweite Preis (40 Mark) errang Herr Vetter-Unter- haun, den dritten Preis (30 Mark) Herr Quentel- Hersfeld, den vierten (25 Mark) Herr Rüger-Hers- feld aus einem Pferde des Herrn Peter Wolff, den fünften Preis (20 Mark) Herr Quentel-Hersfeld. Bei diesen Rennen wäre eine regere Beteiligung unserer Landwirte sehr zu wünschen.

Um den Sieg im

Kurpark-Jagdrennen

bewarben sich nur zwei Reiter. Als erster siegte wiederum Herr Leutnant Gallo, mit seiner Fuchsstute Verba, während Herr Leutnant Graf Fugger auf Herrn Carl Baumanns Fuchsstute Jnczi zweiter wurde.

Zum Schluß fand dann noch ein

Trost-Jagdrennen für die in den vorhergegangenen Rennen unplaziert gebliebenen Pferde statt. Drei Herren stiegen hierzu in den Sattel. Als erster siegte von diesen Herr- Leutnant Prinz Hohenlohe auf Herrn A. Rechbergs Fuchswallach Trojan, zweiterwuröe Herr Oberleutnant Volkmann (Feld Art. 47) und dritter Herr Leutnant von Maubeuge (Huf. 6).

Anschließend an dieses Rennen wurde sofort die Preisverteilung durch Herrn Hauptmann Weider- m a n n vorgenommen. Die Preise wurden den Siegern durch Frau Oberstleutnant G r a u p - Hersfeld und durch Frau Oberstleutnant Landauer - Fulda über­reicht.

Während der Rennen spielte das Trompeterkorps des Feld-Artillerie-Regiments 47 aus Fulda.

Der Leitung der Hersfelder Rennen gebührt un­eingeschränktes Lob, daß sie es versteht, unsere Rennen zu einer immer mehr wachsenden Bedeutung zu führen. Selten, daß eine Stadt in der Größe von Hersfeld etwas derartiges auf dem grünen Rasen bieten kann wie das hier der Fall ist. Deshalb sollte auch den Rennen von allen Seiten die größte Unter­stützung zu teil werden, damit diese Einrichtung, um die uns manche größere Stadt beneidet, erhalten bleibt.

Die wertvollen Preise, welche zum Teil gestern in der Westphalschen Buchhandlung ausgestellt waren, erregten allgemeine Bewunderung und wurden von den Herren Heinrich Lauf er und Ernst Andree geliefert. ___________

* (Freie Schulstelle n.) Im Regierungs­bezirk Cafsel werden gegenwärtig nicht weniger als 48 freie Schulstellen ausgeschrieben. Es handelt sich um 45 Lehrerstellen, 1 Hauptlehrerstelle, 1 Rektorstelle sowie 1 Lehrerinnenstelle. Der Konfession nach werden 41 evangelische und 7 katholische Lehrkräfte gesucht. Die meisten freien Stellen entfallen auf die folgenden Kreise: Gelnhausen (6), Hersfeld (6), Hünfeld (4), Herrschaft Schmalkalden (4) und Witzenhausen (5). Die Posten sind durchweg sofort zu besetzen, mit Aus­nahme einer Lehrerstelle an der Gestütsschule zu Beberbeck im Kreise Hofgeismar, für die zum 1. Januar 1914 eine geeignete Kraft gesucht wird.

):( Hersfeld, 6. Oktober. Anläßlich des gestrigen Rennens waren auch eine große Anzahl Offiziere aus verschiedenen Garnisonstädten hier anwesend. Von diesen hatten u. a. Se. Durchlaucht Prinz von Croy-Düllmen, Se. Durchlaucht Prinz von Löwen st ein und Graf von Scha esbe rg bei Herrn Hoflieferanten R e i n h n r ü K n i e s e im Hotel Stern Wohnung genommen.

):( Hersfeld. 6. Oktober. Gestern fand auf den Vereins-Schießständen ein Wett schießen des Hersfelder S ch ü tz e n ver e i n s 1884 um den diesjährigen Meisterschafts-Stern statt Herr Georg M ö l l e r errang den ^tern mit 140 Ringen (mit 10 Schuh Freihand aus 175 Mieter).

):( Hersfeld, 6. Oktober. Gestern abend traf Ihre Königliche Hoheit die Infantin Eulalia von Spanien, die Tante des Königs von Spanien, hier bei Fräulein Anna und Herrn Arnold R e ch b e r g zu Besuch ein. Ihre Königliche Hoheit besichtigte das Atelier des Herrn Bildhauers Arnold Rechberg, sowie die Tuchfabriken der Firma A. Rech- berg und Georg Braun. Die Abreise des hohen Be­suchs erfolgte heute mittag.

-l- Gittersdorf, 6. Oktober. In einer der letzten Sitzung faßte unsere Gemeindevertretung den ein­stimmigen Beschluß eine Gemeindewasser­leitung anzulegen, was von allen Bewohnern hier freudigst begrüßt wurde. Ist es doch schon über ein Jahr her, daß das Projekt schwebt und nur dem un­ermüdlichen Bemühen unseres Herrn Bürgermeisters Croll ist es zu danken, daß es nunmehr zur Aus­führung gelangt. Immer mehr sehen die Gemeinden unseres Kreises den Segen einer Wasserleitung ein. — Die hiesige Jagd wurde zum Preise von 245 Mark an eine Hersfelder Jagdgesellschaft verpachtet.

-h- Jesberg, 4. Oktober. Zwischen hier und Gilserberg verunglückte an einer abschüssigen Straßen- stelle ein von Frankfurt a. M. kommendes und nach Hamburg fahrendes Auto. Letzteres fuhr gegen einen Baum und wurde so stark beschädigt, daß es am Gilserberger Bahnhof verladen werden mußte. Per­sonen sind nicht verletzt worden.

-h- Jesberg, 4. Oktober. Vom Mißgeschick arg heimgesucht wurde der auf hiesiger Domäne dienende R. Vor längerer Zeit war seine Frau beim Dreschen verunglückt und in die Klinik nach Marburg gebracht worden. Jetzt, da sie entlassen werden soll, fällt er selbst einem bedauernswerten Unfall zum Opfer. Gerade damit beschäftigt, vor seinem Hause Kartoffeln abzuladen, rasen pU-zlich zwei Pferde, die einem anderen Knechte durchgegangen waren, an seinem Geführt vorüber, so daß die daran befindlichen Pferde scheuten und ebenfalls durchgingen. R. fiel so un­glücklich vom Wagen, daß er einen doppelten Schenkel­bruch erlitt und solche schwere Gesichtsverletzungen davontrug, daß er in das Krankenhaus Hephata bei Treysa gebracht werden mußte.

Looshausen, 4. Oktober. Der Fruchthändler Johann Heinrich Simon von hier ist gestern in einer Wirtschaft am Bahnhof in Marburg von einem großen Hunde überfallen und durch Bißwunden schwer verletzt worden. Der Hund hatte sich so fest gebissen, daß er mit Gewalt losgerissen werden mußte. Der Schwer­verletzte wurde in der Klinik zu Marburg verbunden und nach hier transportiert.

Fulda, 3. Oktober. In der vergangenen Nacht zwischen 11 und 12 Uhr herrschte hier und in der weiteren Umgegend ein heftiges Gewitter.

Dornholzhansen, 2. Oktober. Der geistesgestörte Arbeiter Heinrich Schäfer verübte gestern einen eigen­artigen Selbstmordversuch, indem er sich den Bauch aufschlitzte.

Liebenau, 3. Oktober. Bei einem heute abend über unseren Ort niedergehenden Gewitter wurde ein hiesiger Landwirt mit seinen zwei Pferden vom Blitz erschlagen.

Aus Thüringen, 3. Oktober. Der Luftschiffhafen bei Gotha ist am 1. Oktober d. J. zunächst auf ein Jahr in militärische Verwaltung übergegangen, soöaß nun auch im Bereich des 11. Armeekorps ein Luft­schiffhafen vorhanden ist. Aus diesem Grunde ist nun auch die bisher gestattete Besichtigung der Luftschiff­halle aufgehoben und ein ständiger militärischer Posten aufgestellt worden. Die bisherigen Wirtschaftsräume sind aus der Halle nach der neuerrichteten Kantine verlegt worden. Die Stamm-Mannschaften des Luft- schiffer-Bataillons Nr. 4 haben am 1. Oktober die neuerrichteten Baracken an der Güntersthaler Chaussee bezogen. Die zur Vervollständigung des Bataillons ausgehobenen Rekruten treffen am 15. Oktober in der neuen Garnison ein. Alsdann beginnt für die Mann­schaften ein regelmäßiger Kasernendienst, der sie auch im Schießen und Exerzieren ausbilden wird. Mit dem Tage der Vollzähligkeit des Bataillons wird auch ein besonderer Kommandeur ernannt. Ein Militär­luftschiff wird im Militärluftschiffhafen erst im Februar 1914 stationiert. Bis dahin finden nur Zwischen­landungen von Militärluftschiffen statt.

Rastenberg i Th., 3. Oktober. Beim Muskochen ist hier gestern früh auf schreckliche Weise die Frau Dr. Gröbener verbrannt. Vermutlich hatte sie beim Feueranzünder: Petroleum benutzt, wobei ihre Kleider Feuer fingen. Auf ihren Hilferuf eilten zwar sofort ihre Familienangehörigen und Hausgenossen herbei, aber die Verunglückte war nicht mehr zu retten. Sie erlag alsbald ihren schweren Brandwunden.