Amerikas neuer Zolltarif.
, For-erungen der Zeit.
Die Annahme der Tarifbill, die nunmehr nach man- cherlei Schwierigkeiten nach vielen Strichen und Aenderungen und nicht ohne regstes Interesse der gesamten Handelswelt erfolgt ist, bedeutet zweifelsohne einen Markstein in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, der eine neue Aera einleitet. Die bisherige Zollpolitik, die unter der Herrschaft des mächtig erstarkenden Großkapitals stand, uuö eine enorme Verteuerung der allgemeinen Lebenshaltung zur unausbleiblichen Folge hatte, mußte zu Grabe getragen werden. Die Interessen der Verkäufer, die bisher als allein entscheidend galten, wichen numehr den berechtigten Rücksichten auf Käufer und Verbraucher. Der ängstlich von gewissen Kreisen gehütete Gedanke, daß der europäische Markt die amerikanische Industrie erdrückest müsse, wenn um diese nicht eine starke, schier unübersteigbare Mauer gebaut sei, mußte fallen.
Wenn auch im Hin und Her der Verhandlungen viele Punkte der Vorlage so starke Aenderungen erfuhren, daß die Bill zum Teil ein anderes Gesicht erhielt — die eine leitende Idee wurde krampfhaft festgehakten, daß eine Preisermäßigung für die großen Volksmassen einsetzen, daß somit in erster Linie die Willkürherrschaft der Trusts mit ihren verderblichen volkswirtschaftlichen Folgen gebrochen werden müsse. Und das Beschreiten dieser Bahnen bedeutet sicherlich mehr, als lediglich vom Standpunkt jenes Zolltarifes aus übersehen werden kann: Es ist das Zeichen einer neuen Zeit für die Vereinigten Staaten, die in den Herbsttagen des Jahres 1912 ihre Schatten vorauswarf.
Es wäre zuviel verlangt, wollte man von dem neuen Solltarif makellose Vollkommenheit verlangen. Der löb- che Eifer, die Bill so rasch als möglich der Erledigung entgegenzuführen, hat vielfach eine Durchpeitschung der Vorlage verursacht, die bald eine Besserung mancher Fehler erheischen dürfte. Doch ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß sich die Regierung in Washington auch noch die Beseitigung jener Fehler wird angelegen sein lassen. Die Grundlagen sind heute schon verständlich und durchaus klar: Die Lebensmittelzölle sind bedeutend erniedrigt, zum Teil ganz aufgehoben worden, Luxuswaren werden scharf herangezogen. Zucker und Rohwolle sollen im Laufe der nächsten Jahre allmählich ganz zollfrei werden. Kanada oder das übrige Ausland ist also im Stande, jederzeit die Preise zu regulieren, während bisher die Spekulation jede derartige Gefahr bei ihren Berechnungen ausgeschaltet wußte.
. Gleichwohl aber ist auch der großen Masse der rührigen Produzenten, den Fabrikanten, die Fertigfabri- kate herstellen, der Wettbewerb auf dem Weltmarkt erleichtert, wobei ferner nicht vergessen werden darf, daß durch Verbilligung der Lebenssiihrung die Kaufkraft des amerikanischen Volkes bedeutend wachsen wird. So greift die Umgestaltung der Zollpolitik tief in das Wirtschaftsleben em. Erst nach der Einführung des neuen Tarifes wird der amerikanische Handel voll und ganz in der Lage sein, seine Werte wirklich auszunutzen, und derjenige Teil der Kaufmannswelt, dem bis jetzt durch die Monopolisierungstaktik der Hochschutzzöllner die Hände gebunden waren, kann sich frei entfalten. Sie Tatsache aber, daß die Bill weitere finanzpolitische Reformen im Gefolge haben wird, beweist, daß man in Washington alles daran setzt, in großzügiger Weise den Forderungen der Zeit zu gehorchen.
Schule und Mitkirlauglichleit.
Mehr Tangliche aus den höheren als aus den Volksschulen.
Es wurden jüngst Erhebungen über die Militärtauglichkeit der Einjährigen und der Volksschüler ver- anstaltet. Es wird nun von Interesse sein, das Verhältnis der Militärtauglichen, welche die Volksschule besucht haben, zu den Militärtauglichen, die Schüler höherer Lehranstalten waren, insbesondere der Einjährig- Freiwilligen, festzustellen. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß im allgemeinen die Besucher höherer Lehranstalten nicht so militärtüchtig sind, wie die Schüler aus den Volksschulen, da diese nicht so lange Zeit auf der Schulbank gesessen haben. Wie der Korrespondenz „Heer und Polstik" von milstärischer Seite geschrieben wird, ist diese Annahme aber irrig. Im Gegenteil, im letzten Bericht, der nach den Zählkarten über die Militärtauglichkeit im allgemeinen gewonnen ist, wurde festgestellt, daß der Prozentsatz der Schüler höherer Lehranstalten, die sich für den Militärdienst als tauglich bewährt haben, höher ist, als der Prozentsatz der übrigen Wehrpflichtigen.
Ziffermäßig dargestellt stellt sich das Verhältnis wie 64,7 % : 57,3 %. Das heißt, von sämtlichen Schülern höherer Lehranstalten sind 64,7 % als militär- tauglich befunden worden, während von den übrigen Wehrpflichtigen nur 57,3 % geeignet wären. Interessant ist fernerhin der Nachweis, daß ein längerer Schulbesuch militärtauglicher macht. Denn während die Gymnasiasten und Realschüler, welche ihre Lehranstalt bis zum 19. Lebensjahre besuchten, in den weitaus meisten Fällen militärtauglich waren, stellten diejenigen Schüler höherer Lehranstalten, welche die Schule schon mit dem 16. Lebensjahre verließen, den größten Teil der
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Immer auf dem Posten.
Erzählung aus Frankreichs Vergangenheit von Klara Reichner.
U) (Nachdruck verboten.)
Dort zwischen dem großen Felsen und dem Strande befand sich eine kleine Passage, ein enger Paß, der — war er dem Engländer bekannt — von demselben durch geschicktes Manövrieren noch erreicht werden konnte, aber anscheinend wußte er nichts von diesem Mittel zur Rettung. Trotzdem wollte der Fregattenkapitän sicher gehen. Er schickte also ein Boot ab, bemannt mit einem Offizier und so viel Soldaten, als es fassen konnte, um für alle Fälle zur Verfolgung bereit zu sein.
Da tauchte drüben auf dem flachen, felsigen Gestade einer Geistererscheinung gleich, eine lichte Gestalt aus dem leichten Nebelschleier. Das weiße Gewand flatterte im Winde, wie eine Signalflagge, mit den dunklen Lockenhaaren um die Wette.
„Angelika l" wollte der junge Offizier im Boot entsetzt aufschreien, doch die unerbittliche, eiserne Pflicht schloß ihm gebieterisch den Mund.
Und nun erhob sich eine weiße Hand und winkte und wehte mit dem Tuche. Galt dies dem Geliebten ein Gruß? Wollte sie ihm nahe sein in der Stunde der Gefahr?
Allch der Schmuggler aber schien das lichte Tuch gesehen zu haben, das gerade nach der Richtung des einzigen Rettungsweges hin wehte, und mit der Geschwindigkeit des Blitzes versuchte er sich in den Paß zu
Militäruntauglichen. Die Untauglichkeit war also nicht in der Schule erworben worden, sondern trat zumeist erst ein, nachdem die Militärpflichtigen die Schule bereits verlassen hatten. Daraus geht die interessante Tat- Se hervor, daß der lange Schulbesuch nicht in dem ße gesundheitsschädlich ist, wie man bisher annahm. Wenn auch die Kurzsichtigkeit durch den längeren Schulbesuch stark gefördert wird, — von den Abiturienten waren 58 Prozent kurzsichtig, — so werden doch die anderen Organe durch die strenge Zucht auf der Schule, welche auch das Privatleben der Schüler bewacht und vor Ausschweifungen bewahrt, gesund erhalten.
Von den Wehrpflichtigen, welche nur die Volksschule besucht haben, waren 9 Prozent, von den Bauern sogar nur 3 Prozent km'zsichtig. Trotzdem aber war das Verhältnis der Militüruntauglicheu hier viel größer, da besonders in der Stadt die Militärpflichtigen vielfach Schaden au ihrer Gesundheit genommen hatten. Es läßt sich iiid)t verkennen, daß die Schuld daran nur die verhältnismäßige Freiheit der Lebensführung tragen mag, die den schulentlassenen Jünglingen im allgemei- nen möglich gemacht wird.
Die künftigen Aussichten der Militöranwärler.
Ueber die künftigen Aussichten der Militäranwärter wird uns auf Grund einer Statistik geschrieben: Es zeigt sich, daß die Einberufungsaussichten für Militär- anwürter hinsichtlich des mittleren Dienstes sich in der Regel recht ungünstig gestalten. Die Bewerber werden zwar, ganz gleich, ob es sich um Reichsbehörden oder um Kommunalbehörden handelt, regelmäßig und richtig vornotiert, es zeigt sich aber, daß eine Einberufung in absehbarer Zeit vielfach für die Anwärter ausgeschlossen ist. In der Regel dehnt sich die Wartezeit bis auf drei und vier Jahre aus, ehe der Anwärter von einer Behörde zum Antritt der Probedienstzeit aufgefordert wird. Wenn der Anwärter dann die Probedienstzeit absolviert hat, folgt gewöhnlich eine ebenso lange dauernde Dienstzeit als Diäter, und dann erst erfolgt endlich die etats- mäßige Anstellung.
Etwas besser sind die Verhältnisse im mittleren nichttechnischen Eisenbahudienst. Hier dauert die Zeit von der Vornotierung bis zur Einberufung im Durchschnitt VA bis 2% Jahr. Daran schließt sich eine Ausbildungszeit von zwölfmonatlicher Dauer, und dann folgt, vorausgesetzt, daß die Prüfung bestanden wird, eine drei- bis vierjährige Dienstzeit als Aspirant, sodaß also in der Regel 5% bis 6x> Jahre von der Notierung bis zur endgültigen Anstellung vergehen.
Einzelne Fälle haben sich z. B. so gestaltet, daß ein Anwärter, ein Büroassistent, bei einer Regierung vom 5. Oktober 1908 bis zum 29. Juni 1912 von der Vor- notierung bis zur Einberufung warten mußte. Ein Anwärter auf eine Kreisassistentenstelle wartete vom 19. Oktober 1909 bis zum 1. August 1912. Bei den Eisenbahndirektionen dauert die Wartezeit durchschnittlich etwa zwei Jahre, es gibt allerdings auch Ausnahmen, in denen die Anwärter nur wenige Monate oder gar nur wenige Wochen zu warten brauchen, in letzteren Fällen handelte es sich aber meist um Anwärter auf Posten im Fahrpersonal, die im allgemeinen um vieles schneller in eine sichere Stellung gelangen, als ihre Kollegen, die auf Anstellung im nichttechnischen Eisen- bahnötenst warten.
Politische Rundschau«
Kein Besuch des Kaisers in Schönbrnnn. Die Meldung des Wiener „Deutschen Volksblattes", wonach in Wien an zuständiger Stelle von einem Besuch Kaiser Wilhelms in Schönbrunn gelegentlich der Jagdreise nach Konopischt nichts bekannt ist, wird an Berliner unterrichteten Stellen bestätigt.
Wieder einmal die mecklenburgische Verfassungs- frage. Wie die Neustrelitzer Landeszeitung mitteilt, ist von den beiden Großherzögen von Mecklenburg die Wiedereröffnung der Verhandlungen des außerordentlichen Landtages auf den 20. Oktober festgesetzt worden. Die Verhandlungen finden wieder in Schwerin statt und betreffen die bekannten Verfassungsvorlagen des Frühjahres.
Bevorstehender Rücktritt des elsatz-lothringischen Statthalters? Wie die „Rhein.-Westf. Ztg." meldet, wird ein Wechsel in der Person des Kaiserlichen Statthalters von Elsaß-Lothringen in absehbarer Zeit spruchreif werden. Doch sollen es keinerlei Gründe politischer Natur sein, die Graf Wedel bestimmen, sich ins Privatleben zurückzuziehem Es sei lediglich sein hohes Alter und ein schweres Augenleiden seiner Gemahlin, das diesen Schritt vollkommen begreiflich erscheinen lasse. Ueber die Persönlichkeit des zukünftigen Statthalters könen jedoch heute noch keine zuverlässigen Angaben gemacht werden. Immerhin kommt die Person des Herzogs Albrecht von Mecklenburg ernstlich in Frage.
Nochmals die Welfenfrage. unter Berufung auf „durchaus zuverlässige Mittelungen erster Welfenfüh- rer" haben die „Frankfurter Nachrichten" Angaben über angebliche Vorgänge vor und nach der Vermählung des Prinzen Ernst August von Cumberland mit der Prinzessin Viktoria Lurse verbreitet, Angaben, denen durch die Wiedergabe von ersichtlich erfundenen Aeutze-
„Angelegt!" ertönte seiner Instruktion gemäß die Kommandostimme des jungen Offiziers, der, leichenblaß, aufrecht mitten im Boote stand — „Feuer!"
Die sämtlichen Karabiner der Soldaten im Boote hatten ihre Schüsse abgegeben, und diese hatten gut, nur zu gut getroffen. Der Schmuggler hatte offenbar sein Teil erhalten, er gab den Widerstand jetzt auf und strich die Segel.
„Es lebe der Kaiser! Es lebe die Kontinental- sperre!" rief die Mannschaft der Fregatte, als man die kostbare Beute in den Hafen bugsierte.
Die Stelle aber, wo eben zuvor die lichte, geisterhafte Erscheinung noch gestanden und die weiße Hand mit dem wehenden Tuche erhoben hatte, war nun leer. Leblos n Boden hingestreckt lag eine helle Gestalt, deren warmes Blut die Felsen rot färbte.
Es war die Tochter des Kommissärs.
Es war ein feierlicher Festakt der Gerechtigkeit, der am nächsten Tag auf öffentlichem Platze sich vollzog Vom Fort ertönten donnernd die Kanonen, die Glocken läuteten von allen Türmen, und herbei in Scharen strömten die Einwohner der Stadt, um die erbeuteten reichen Waren des Schmugglerschiffs, dieses verhaßten Engländers, des französischen Nationalfein- des, in Rauch und Asche aufgehen zu sehen.
Leider war es dem Kapitän des konfiszierten Fahrzeuges auf rätselhafte Weise gelungen, zu entwischen, und seine Leute schienen nicht genügend eingeweiht, um nähere Aufklärungen zu erteilen. Doch die Hauptsache war ja gelungen. Man hatte das Schiff und dessen La- dung und damit teils ein warnendes Beispiel für die
rungen des Prinzen im Wortlaut der Schein intimer- Kenntnis der Singe gegeben wurde. Diese Angaben beruhen, wie versichert wird, durchweg auf haltlosem Klatsch. Auch die Behauptung, der Herzog von Cum- berlaud habe persönlich die Welfenpresse angewiesen, gegen die Deutung des bekannten Schreibens des Prin- 8cn Ernst August an den Reichskanzler als einen Verzicht des Prinzen auf Hannover schärfste Stellung zu nehmen, sei durchaus unrichtig. Die Darstellung der „Frankfurter Nachrichten" gehört zu jenen wölfischen Kundgebungen, die als Ausfluß der verzweifelten An- strengungen von welfischer Seite bezeichnet wurden, in letzter Stunde die Situation soweit als möglich au verwirren und zu verschärfen.
Die angebliche neue Militärvorlage. Die Behauptung eines süddeutschen Blattes, in den maßgebenden Kreisen werde zugegeben, daß eine neue Militärvorlage in beschränktem Umfange in Vorbereitung sei, wird in sonst gut unterrichteten Berliner politischen Kreisen nachdrücklich bestritten. Die Behauptung wird als eine Kombination aus Artikeln militärischer Natur erklärt, die neuerlich in einigen Blättern aufgetaucht sind, aber lediglich die Wünsche außerhalb der Armee stehender Kreise wiedergeben. Selbstverständlich ist unsere Militärverwaltung nach wie vor darauf bedacht, unsere militärische Rüstung zu vervollkommnen, aber von neuen Forderungen in einem Umfange, der die Bezeichnung einer „neuen Heeresvorlage" verdiente, ist keine Rede.
Ein deutsch-französischer Grenzzwischenfall hat sich nach einer offiziösen französischen Meldung, bei Briey, einem Orte an der lothringischen Grenze in der Nähe von Hayingen und St. Privat, dadurch zugetragen, daß deutsches Militär aus Versehen die französische Grenze überschritt. Ein deutscher Hauptmann überritt mit seiner Maschinengewehrabteilung und drei Kavalleristen in Uniform aus Versehen die französische Grenze in der Nähe des Pachthofes Villers aux bois, Gemeinde St. Marcel. Als sie Lereits einige hundert Meter diesseits der Grenze sich befanden, wurden sie von auf dem Felde tätigen Lanöarbeitern darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich auf französischem Gebiete befänden. Der Offizier und seine Leute kehrten darauf im Galopp über die Grenze zurück.
Kleine Hadiriditen«
Ein Reituufall Graf Zeppelins. Nach einer Meldung aus Zürich stürzte Gras Zeppelin am Dienstag abend bet Erlenbach am Züricher See bei einem Ausritt vom Pferde. Die Verletzungen waren zum Glück nur ganz unbedeutender Natur.
Neue Krupp-Stiftungen. Die Firma Krupp hat in Lingen (Hannover) etwa 5000 Hektar Heide angekauft, um dort einen Gutsbetrieb mit Mästerei zur Fleischversorgung ihrer Arbeiter zu errichten. Ferner stiftete die Firma für die neue katholische Kirche in Essen-West 75 000 Mark.
Ein spanisches Lnftzenggeschwader für Marokko. Don Alfonso, ein Vetter des Königs von Spanien, hat gebeten, ihn mit der Führung eines Luftzeuggeschwaders zu betrauen, um damit nach Marokko zu gehen und Aufklärungsdienste zu leisten.
Der Geliebte im Kleiderschrank. In Weisenau bei Ravensberg schoß der Wirtschaftspächter Wetzel dem Liebhaber feiner Frau, der sich in einen Kleiderschrank des Schlafzimmers versteckt hatte, eine Kugel durch den Kopf und versuchte seine Frau durch einen Schuß in die Herzgegend zu töten. Der Schwerverletzte dürfte kaum mit dem Leben davonkommen, während die Verwundung der Frau nicht lebensgefährlich ist. —^ ‘
Der Verband der Aerzte Deutschlands stellt fest, daß die Nachrichten über die Verhandlungen zwischen dem Krankenkassenverband und der Aerzteorganisation mit Vorsicht aufzunehmen seien. Die Gegensätze seien noch nicht überbrückt und man könne noch nicht sagen, wie die Entscheidung auf der einen oder andern Seite fallen würde.
Auf der Rückfahrt von einem Ansflng ins Jsartal verunglückte Freitag abend der 32jährige Besitzer des Bahnhofshotels Deutscher Kaiser in München, L. Schild. Er hatte in der Dunkelheit die Steuerung des Automobils auf einen Augenblick einer befreundeten Dame überlassen. Das Automobil geriet eine Böschung hinab und stellte sich förmlich auf den Kopf. Schild erlitt einen doppelten Schädelbruch und war aus der Stelle tot, während die Same mit einem Nervenchoe davonkam.
Eine Wette mit dem Tode bezahlt. Ein Knabe in Metz war die Wette eingegangen, daß er in fünfzehn Minuten eine neun Kilometer lange Strecke durchlaufen könne. Er legte die Strecke in vierzehn Minuten zurück, sank aber am Ziel tot nieder.
Bei einem Gebirgsübergang der Jnnsbrucker Traindivision über den Karwendelberg scheuten mehrere Pferde, wobei einige Trainsoldaten unter die Wagen gerieten. Ein Soldat erlitt einen Schädelbruch und starb auf dem Platze. Drei andere erlitten zum Teil schwere Verletzungen.
Beamtenstreik in Neapel. Infolge verweigerter Gehaltsaufbesserung sind sämtliche städtische Angestellte Neapels in den Ausstand getreten. Auch das Staudes- amt war von den Beamten verlassen, sodaß einige der festgesetzten Trauungen nicht stattfinden konnten.
________1_____—"gB^”— ---....... - -- k Schleichhändler, teils ein unterhaltendes Schauspiel für . das leicht erregbare Volk.
Dort in der Mitte des Platzes war ein riesiger Scheiterhaufen errichtet,' man harrte nur noch der Ankunft des Kommissärs, um mit der Vollstreckung des Gesetzes zu beginnen.
Jetzt endlich schritt durch die dichten Menschenmaf- sen ein Zug heran: voran der Marinekommissär mit seiner dreifarbigen Schärbe in vollster Gala, eine Fackel in der Hand tragend, hinter ihm sein Gefolge, darunter die ganze Mannschaft der „Schwalbe", in de- deren Mitte — bleich wie der Tod — auch Raoul von Brisson sich befand.
Vor den Scheiterhaufen hintretend, schwang der Kommissär, dessen unbewegten Zügen niemand die Qualen, die in seinem Innern toben mochten, anmerken konnte, die Fackel, indem er mit fester, weithin schallender Stimme rief: „Es lebe der Kaiser! Es lebe die Kontinentalsperre!"
Ein tausendsaches Echo brüllte ihm jubelnd die Worte nach.
Auf einen erhöhten Platz steigend, winkte nun der Kommissär des Kaisers mit der Hand, und als tiefes Schweigen ringsum herrschte, begann er die übliche vorgeschriebene Klausel zu verlesen, die kurz und bündig lautete: „Kaiserliches Dekret. Einziger Artikel. Alle englischen Waren, die sowohl auf britischen Schiffen wie auf solchen, die dieser Macht Befreundet sind, mit Beschlag belegt werden, sind sofort zu verbrennen Gezeichnet Napoleon."
(Schluß folgt.).