Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld SmWn WW Sreisitott
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 122. Sonnabend, den 4 Oktober 1913.
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Bus der Heimat.
Wann sollen die Kinder die Schularbeiten machen?
Die Schularbeiten sind den Kindern, die gewohnt waren, den Nachmittag mit Spielen und in freier Zeit zuzubringen, lästig und störend. Nun kommt es darauf an, wann die Kinder mit den Schularbeiten beginnen, und die Mutter oder die Erzieherin wird dafür Sorge zu tragen haben, daß die Schularbeiten den Kindern nicht zur Last werden, sondern, daß sie sie gern und freudig erfüllen. Gerade davon hängt es ab, wie die Kinder sich in der Schule zurechtfinden, und wie sie ihre Pflichten später im Leben auffassen, und darum ist in der ersten Zeit alles, was mit der Schule zusammenhängt, von großer Bedeutung und Wichtigkeit. In vielen Familien herrscht der Brauch, die Kinder die Arbeiten sogleich machen zu lassen, wenn sie aus der Schule kommen. Die Mutter selbst ist es oft, die sie dazu antreibt, denn sie sagt ihnen, daß sie alsdann den ganzen Mittag zum Spielen frei haben. Doch diese Auffassung ist falsch. Die Kinder bedürfen, wenn sie die Schule verlassen haben, zuerst der Erholung. Sie sollen sich dann im Freien tummeln, oder aber sich zu Hause irgend wie nützlich machen. Auch nicht unmittelbar nach dem Essen sollen die Kinder zur Schularbeit getrieben werden, sondern erst mindestens eine Viertelstunde Erholung zur Verdauung haben. Nur muß man die Kinder anhalten, sehr intensiv bei der Arbeit zu sein, und die Arbeiten hintereinander zu machen. Kinder, die schwer auswendig lernen, sollen die Arbeiten einmal niederschreiben, das Niedergeschriebene bleibt weit leichter im Gedächtnis haften als das, was sie nur durch das Ansehen lernen. Auch auf eine Wiederholung des Gelernten muß man achten. Man gewöhne das Kind daran, seine Arbeiten ordentlich zu machen, und nur im Bewußtsein, gut gelernt zu haben, zur Schule zu gehen. Daß so viele Kinder die Schule zuerst hassen und nicht zur Schule gehen wollen, ist lediglich ein Fehler, der auf häuslichem Gebiet liegt.
):( Hersfeld, 3. Oktober. Im Monat September wurden durch das Königliche Landratsamt dahier 22 Jahresjagdscheine und ein Tagesjagdschein ausgestellt.
):( Hersfeld, 3. Oktober. Ueber ganz hervorragende Kartoffelernten wird aus der Altmarkt berichtet. Auf den Morgen kommt fast durchweg der ansehnliche Ertrag von 130—150 Zentner. Die Preise sind infolgedessen auch sehr niedrig und betragen zur Zeit pro Zentner nur 1.25 bis 1.50 Mk., Futterkartoffeln nur 70—80 Pfg.
):( Hersfeld, 3. Oktober. Die Einwohnerzahl des Kreises Hersfeld betrug nach der Personenstandsaufnahme vom 16. Oktober v. Js. insgesamt 38 912 Personen, gegen 38 227 im Jahre 1911 und 37 288 nach der Volkszählung im Dezember 1910. Die Zunahme in der Zeit vom Dezember 1910 betrug somit 1624 Personen oder 4,32 Prozent. In der Zeit vom 1. Dezember 1905 bis dahin 1910 betrug der Bevölkerungszuwachs in unserm Kreise 6,27 Prozent. Nimmt die Personenzahl in den Jahren 1913 bis 1915 ebenso zu, wie in den Jahren 1911 und 1912, so wird dieser Prozentsatz voraussichtlich erheblich steigen. Bei den 17 Standesämtern des Kreises wurden im Jahre 1912 1145 Geburten, 302 Eheschließungen und 594 Sterbefälle beurkundet. Die Durchschnittszahl betrug in den letzten fünf Jahren bei den Geburten 1148, bei den Eheschließungen 291 und bei den Sterbefällen 594. Die Zahl der Geburten war also im Jahre 1912 zurückgegangen, dagegen war bei den Eheschließungen eine Zunahme zu bemerken. An Ausländern zogen in 1912 74 Arbeiter aus Rußland, 576 aus Oesterreich-Ungarn, 56 aus Jtalieu und 26 aus sonstigen Ländern in unserm Kreise zu.
):( Hersfeld, 3. Okt. Zur F c i e r d e s h u n d e rt- jährigen Gedenktages der Schlacht bei Leipzig soll am Sonnabend den 18. Oktober eine allgemeine Illumination unserer Stadt sowie ein großer Lamp i o nfe stz u g stattfinden, an dem sich alle Vereine, Innungen unb bergt. be
teiligen sollen. Der Magistrat hat nun zur Vorbesprechung über die Ausführung des Zuges die Herren Obermeister der hiesigen Innungen sowie sämtliche Vorsitzenden der Vereine auf nächsten Dienstag abend 8V2 Uhr in das Lokal der Brauerei F. L. Steinweg eingeladen. Ein ausführliches Programm über die beabsichtigte Feier wird noch später veröffentlicht.
):( Hersfeld, 3. Oktober. Von den am nächsten Sonntag zur Entscheidung kommenden Rennen verspricht das St. Lullus-Jagdrennen ein sehr spannendes zu werden. Herr Arnold Rechberg hat hier seinen bekannten Wallach Luftikus engagiert. Luftikus hat, seit er sich im Besitz des Herrn Rechberg befindet, sieben Rennen gewonnen, darunter 1912 das Divisionsrennen in Munster unter Leutnant von Platen, dem inzwischen so bekannt gewordenen Herren- Reiter, der in diesem Jahre das größte deutsche Hindernisrennen, den Kronprinzenpreis in Magdeburg, auf College gewinnen konnte. Dem Wallach des Herrn Rechberg, der unter seinem gewohnten Reiter, Hauptmann Weidermann ins Rennen geht, ist in diesem Jahre ein besonders zu fürchtender Gegner erstanden in der Schimmelstute Ethel, deren Reiter und Besitzer der zur Kriegsschule kommandierte Graf Fugger ist. Die Stute hat bei den letzten Galopps eine ganz ausgezeichnete Form gezeigt. Auch Herr Carl B a u m a n n hat eine sehr schnelle Stute im Rennen. Es bleibt abzuwarten, ob Luftikus, der wegen feiner Erfolge mehr Gewicht tragen muß, als seine Gegner, imstande sein wird, zwei so gute Pferde zu schlagen. Der Komman- deuer des Fuldaer Artillerieregiments, Oberstleutnant Landauer, selbst ein alter. Rennreiter, ist in den Vorstand eingetreten. Auch die Tatsache, daß die Königsulanen in Hannover zahlreiche Nennungen abgegeben haben, beweist, wie die Hersfelder Rennen in immer weiteren Kreisen bekannt und beliebt
en Rennen die Pferde von
werden. Die Preise werden von morgen ab ausgestellt, unter ihnen der Preis Ihrer Königlichen Hoheit der Landgräfin Anna, der des Kommandierenden Generals und der der Stadt Hersfeld. Da bei den lanöavirtschaftlichen Rennen die Pferde von Landwirten, die über 200 Morgen bewirtschaften, ausgeschlossen sind, dürfte gerade in diesem Jahr die Gelegenheit besonders günstig sein, die wertvollen Preise der landwirtschaftlichen Rennen einzuheimsen. Bei
Morgen bewirtschaften, aus
den niedrigen Eintrittspreisen scheinen die Rennen sehr besucht zu werden. Jedenfalls ist die Nachfrage nach den Tribünenplätzen und Eintrittskarten bereits jetzt sehr lebhaft.
-n- Sieglos, 3. Oktober. (Eingesandt.) Bei der vor kurzer Zeit stattgefundenen hiesigen Jagd- verpachtung blieb der seitherige Pächter mit einem Mehrbetrag von 25 Mk. Höchstbietender gegen hiesige Reflektanten, und wurde infolgedessen von feiten unseres Herrn Jagövorstehers auch die Jagd an den seitherigen Pächter als Höchstbietender abgegeben. Die hiesigen Reflektanten haben nun unter Angabe verschiedener Gründe Einsprüche bei der Jagdaufsichtsbehörde erhoben. In einem dieser Einsprüche, welche der Reflektant undJagdgenosse sogar von einer Tochter, in Abwesenheit des Vaters, in dessen Namen hat unterzeichnen lassen, ist unserm jungen Bürgermeister und Jagdvorsteher ein glänzendes Zeugnis bei seiner Behörde ausgestellt, welches lautet: Die Interessen der einzelnen Genossen sind in keiner Weise berücksichtigt worden, vielmehr scheinen hier persönliche Vorteile mitzusprechen, ja im Gegenteil, die Genossen sind geschädigt. — Wenn das nicht zieht, zieht gar nichts mehr.
Waltershausen, 2. Oktober. Hier wurden sechs Schüler ein Opfer ihres Leichtsinns. Sie versuchten ihre in der Chemie erworbenen Kenntnisse in die Tat umzusetzen. Dabei erfolgte eine Explosion. Dem 14 Aahre alten Schüler Hinsche wurde die rechte Hand abgerissen, die fünf anderen Schüler erlitten erhebliche Verletzungen am Kopf und im Gesicht.
Gudensberg, 1. Oktober. Ein Knecht aus Lohne, der beim Bürgermeister in Oberzwehren bedienstet ist, wurde, als er auf dem Rade nach Oberzwehren fahren wollte, unweit von Dissen von einem Automobil, das nur eine Laterne brannte, umgefahren und erlitt außer anderen Verletzungen einen Schädel- bruch. Die hiesige Sanitätskolonne brächte den Schwerverletzten nach Lohne.
Schmalkalden, 30. Sept. Ein schwerer Fall von Insubordination hat sich gestern früh im benachbarten Näherstille ereignet. Der 25 Jahre alte Reservist Stellmacher Wilhelm Rowolö aus Ellrich a. H., der zurzeit eine Uebung ableistet, befand sich in der Nacht zum Montag in ben Zivilkleidern seines Quartiergebers in Näherstille auf der Kirchweihe. Um vier Uhr früh geriet er mit anderen Gästen wegen eines Mädchens in Streit. Er verließ das Lokal, eilte in
sein Quartier, zog seine Uniform an, pflanzte das Seitengewehr auf und lud das Gewehr mit Platzpatronen. Darauf ging er nach Näherstille zurück. In der Wirtschaft lehnte er sich gegen mehrere Unteroffiziere, die ihn nach Hause verwiefenf^auf. Auf der Straße gab er mehrere Schüsse auf die Unteroffiziere ab, ohne zu treffen. Nun ergriff der Mann die Flucht und irrte in der Umgebung umher, bis er gestern abend von der Polizei verhaftet wurde.
Marburg, 1. Oktober. Heute wurde die Maschinengewehr- und die Radfahrer-Abteilung formiert. Einjährig-Freiwillige traten etwa 55 nftb gelernte Jäger 15 ein. Die gesamten übrigen Rekruten, etwa 400 Mann, treten am 15. Oktober ein. — Das Wintersemester der Universität beginnt am 15. Oktober mit der Einschreibung der Studierenden. Die Vorlesungen nehmen erst eine Woche später ihren Anfang. Die Amtseinführung des neuen Rektors, Geh. Justizrat Prof. Träger, erfolgt Sonntag, 19. Oktober.
Sudeck, 1. Oktober. Hier ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Der 13jährige Sohn des Landwirts Carl Weidemann dahier stand auf dem teeren Erntewagen, die Pferde zogen mit einem Ruck an, wobei er herunterfiel, und das Vorderrad ihm über die Brust ging. Im Felde Anwesende mußten den Schwerverletzten nach Hause fahren. Der sofort herbeigeholte Arzt ordnete seine Ueberführung mittelst Auto in die Klinik nach Marburg an, wo eine Operation vorgenommen werden mußte. Der Knabe ist jedoch seinen Verletzungen erlegen.
Hanan, 2. Oktober. In der heutigen Sitzung des Hessischen Volksschullehrer-Vereins wurde der Antrag Eaffel angenommen, der folgenden Wortlaut hat: „Der hessische Volksfchullehrer-Verein möge den Vorstand des Preußischen Lehrer-Vereins ersuchen, an geeigneter Stelle dahin zu wirken, daß bei Ordensauszeichnungen die Ausnahmestellung der Volkschul- lehrer und die Ordensverleihung des Inhabers der Adler des Hausordens von Hohenzollern fallen gelassen wird. — Anstelle des verstorbenen Vorsitzenden Grebe wurde Herr Lehrer Rosenstock aus Cassel zum Vorsitzenden gewählt. Als Ort der nächsten Tagung wurde Sontra bestimmt.
Frankfurt a. M., 2. Oktober. Als gestern der Hausbesitzer Blatt von einem seiner Mieter die Miete einziehen wollte, wurde er von diesem in den Hinterkopf geschossen und schwer verletzt. Dann richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel in die Stirn. Das Motiv zu der furchtbaren Tat ist nicht bekannt.
Weilbnrg (Lahn), 1. Oktober. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich heute nachmittag auf der Weilchaussee zwischen den Dörfern Freienfels und Essershausen. Der in der 30er Jahren stehende, verheiratete Bergmann Jlge aus Edelsberg war im Begriff, mit seinem Fahrrad nach seiner Arbeitsstätte zu fahren. An der Einmündung der abschüssigen Straße von Edelsberg in die Weilstraße konnte Jlge einem die Straße passierenden Frankfurter Automobil nicht rechtzeitig ausweichen, er wurde überfahren und auf der Stelle getötet. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder. Eine Gerichtskommission vom hiesigen Amtsgericht begab sich an die Unfallstelle und stellte den Sachverhalt fest.
Erfurt, 1. Oktober. Zu der Meldung aus Ohr- druf, daß bei Gelegenheit der Uebungen der Reservebrigade zwei Landwehrleute infolge von Hitzschlag gestorben sind, wird von zuständiger Stelle festgestellt, daß unter ben zur Uebung eingezogenen Mannschaften bisher keinerlei Todes- ober sonstige besondere Unglücksfälle vorgekommen sind.
Brocken, 1. Oktober. Am heutigen Tage ist nach 9^ ^monatlicher Bauzeit das neue Brockenobservatorium fertiggestellt. Der Bau zählt zu den höchstgelegenen des ganzen Deutschen Reiches, denn seine Oberkante erreicht eine Höhe von 1148 Meter übex dem Meeresspiegel.
Cassel, 3. Oktober. Ueber den Riesenverkehr bei der Tausendjahrfeier macht die Cass. Allg. Ztg. einige interessante Angaben, die teils auf Schätzung, teils wohl auf amtlichem Material beruhen und erkennen lassen, welchen ungeheueren Fremdenstrom die rührige Propaganda des Stadtverkehrsamtes nach Cassel gelenkt hat. Danach trafen auf dem Casseler Oberstadtbahnhof am Sonntag vormittag allein 63 000 Personen ein. Wie ferner versichert wird, hat eine ungeheure Zahl von Festgästen die Züge auf dem Wilhelmshöher Bahnhof verlassen. Auch die Waldkappeler Züge brachten nach Bettenhausen viele Tausende.
Wetteranssichten für Sonnabend den 4. Oktober.
Wolkig, aber meist trocken, warm, südwestliche Winde.