fielt wolle. Weinend bestätigte die Frau diese Vermutung des Richters und zog sich zurück. Das Urteil gegen Bierwagen lautete sehr milde auf acht Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust wegen Körperverletzung mit Todeserfolg.
VermiFdites«
Zum Verschwinden des Dr. Diesel. Das Geheimnis des Verschwindens Dr. Diesels ist noch völlig unaufgeklärt. Auch die Versammlung der Aktionäre der Diesel-Gesellschaft hat den Schleier nicht gelüftet. Der Direktor Ellis erklärte, er habe die traurige Pflicht, den Aktionären mitzuteilen, daß ihr Kollege, der Erfinder Dr. Rudolf Diesel, auf geheimnisvolle Weise verschwunden sei. Wir können kaum hoffen, ihn wieder zu sehen. Er versicherte seiner Gattin und Freunden die tiefste Teilnahme der Versammelten. Der englische Direktor der Gesellschaft Sidney Whitmann erklärte in einer Unterredung, Dr. Diesel sei durchaus nicht der Mann, der sich mit Selbstmordgedanken tragen könne, solange er bei Verstand sei. Es sei jedoch denkbar, daß sich sein Geist plötzlich umnachtet habe. Auch andere Freunde des Verschwundenen sagen, daß man vor einem vielleicht nie zu lösenden Rätsel stehe. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles sei sehr gering, da die See ruhig und die Fahrt absolut glatt war. Jedenfalls stehe es fest, daß der Erfinder in Harwig nicht von dem Schiff stieg, sodaß entweder ein Unfall oder Selbstmord in einem Anfälle schwerer geistiger Umnachtung die allein mögliche Erklärung für fein plötzliches Verschwinden bilde. Dr. Diesels Angehörige in München versichern, daß der Erfinder öfter von Herzkrämpfen befallen wurde. Vielleicht ist er während der Nacht, als er auf Deck war, davon betroffen worden und ins Meer gestürzt.
Ueber ein furchtbares Familiendrama wird aus Prag geschrieben: Hier hat sich in den letzten Tagen eine Familientragödie abgesprelt. die das größte Aufsehen erregte. Der bekannte Direktor einer Handelsschule Franz Hlavacek hat seine Frau und seine beiden erwachsenen Kinder getötet, ein drittes Kind tödlich verletzt und sich dann selbst erschossen. Gegen sieben Uhr morgens vernahm der Hauswart aus der Wohnung des Direktors das Knallen von Schüssen. Er eilte hinauf und traf auf der Treppe den ältesten Sohn des Wirtes, der ihm mit den Worten entgegenkam: „Vater hat auf Mutter und uns geschossen!" Dem jungen Mann strömte das Blut aus einer Wunde in der Brust. Als der Hauswart mit dem schnell geholten Arzt in die Wohnung eilte, fand er im Schlafzimmer die Frau des Direktors mit einer Wunde im Hinterkopf tot vor, neben ihr die 20 Jahre alte Tochter, deren Kopf vollständig zerschmettert war. Im Nebenzimmer lag die Leiche des jüngeren Sohnes auf dem Boden, und daneben der Täter selber, der sich, wie seine Opfer, gleichfalls durch einen Schuß in den Kopf getötet hatte. Man setzte die Polizei in Kenntnis, die den Tatbestand auf- nahm. Der Mörder hatte aus zwei Revolvern die töd- ichen Schüsse abgegeben. Nur zwei von sechs abge- chossenen Kugeln waren fehlgegangen. Ueber die Ur- äche des Dramas wurden die folgenden erschütternden Feststellungen gemacht: Der Direktor war in pekuniäre Schwierigkeiten geraten, aus denen er keinen Ausweg fand. Seine Handelsschule, die früher von mehreren hundert Schülern besucht wurde, war in der letzten Zeit stark zurückgegangen, und andere Geldquellen standen ihm nicht zur Verfügung. Zu diesem Motiv kam noch als zweites die Tatsache, daß die drei Kinder des Direktors sämtlich von Geburt an etwas schwachsinnig waren. Der Direktor hatte dies als einen schweren Schicksalsschlag empfunden, der ihn sehr niederdrückte, besonders als es sich herausstellte, daß seine Kinder, als sie erwachsen waren, nicht zur Ausübung eines Berufes taugten. Diese Zustände im Zusammenhang mit seinen Geldsorgen nahm sich Direktor Hlavacek so zu Herzen, daß er eines Morgens zur Waffe griff und dem Leben seiner Familie und seinem eigenen kurz entschlossen ein Ende machte. Seine Motive gehen klar aus einem hinterlassenen Schreiben an den Sekretär der Handelsschule hervor, in dem er sagt, daß er die Kinder vor Leid in der Zukunft bewahren wolle.
Die wandelnde Litfaßsäule. Schwerfällig wackelnd, aber in einem feierlich grotesken Rhythmus kommt sie dahergewandelt; die Buntesten Bilder und Plakate in Riesenlettern leuchten grell von den runden Wänden, die ein kleines Spitzdach bekrönt. Der Eindruck ist in Paris noch so neu, daß alles stehen bleibt und lacht. Aber sie läßt sich nicht stören, die lebende Litfaßsäule; sie wak- kelt weiter und weiter, und nur der aufmerksame Betrachter erschaut die bedächtig ausschreitenden Füße des Mannes, der sich unter der farbigen Säule verbirgt. Etwas Lächerliches und doch zugleich auch Unheimliches hat diese groteske Maskerade, die den neuesten Einfall der Pariser Reklamekünstler öarstellt. Sie hat geradezu einen verblüffenden Erfolg, die wandelnde Litfaßsäule, wo sie in den Straßen auftaucht. Aber bald werden die Leute sich nicht mehr die Seiten halten und die Jungen in Scharen hinterherlaufen,' man wird sich auch daran gewöhnen...
Die glücklichen Frauen von Illinois. Der Staat Illinois hat den Frauen das langersehnte Wahlrecht gewährt, und nun beginnt dort für die Parteien die schwierige und ungewohnte Aufgabe, die gewaltige Armee der wahlberechtigten Frauen zu organisieren und zu überzeugten Anhängerinnen der jeweiligen „guten Sache" zu erziehen. Die Vorbereitungen zu diesen Wahlkämpfen haben schon manche interessante Begleiterscheinung gezeitigt. Die Parteivorstände haben bereits ihren Kriegsrat abgehalten/ hart stießen die Meinungen aufeinander, aber schließlich drang doch. das Programm des Parteisekretärs George McConnell durch, der in der demokratischen Parteiorganisation als ein besonderer Kenner der weiblichen Psyche gilt. Nach den Beschlüssen, die gefaßt wurden, geht der Staat Illinois einer ungewöhnuch fröhlichen und schönen Wahlzeit entgegen. Denn um die Stimmen der Frauen zu erlangen, sind die Berufspolitiker auf die Idee gekommen, in allen Städten und Dörfern in kurzen Zwischenraumen große Tanzfeste zu verunstalten und diese durch die Vorführung exotischer moderner Tänze noch amüsanter zu gestalten. Auch Teekränzchen und Kartenpartien sowie gesellschaftliche Empfänge mit Vorführung, der neuesten Moden sind geplant, kurz, die wahlberechtigten Frauen von Illinois werden sehr auf ihrer Hut sein müssen, wenn sie sich nicht durch alle diese Verlockungen bestechen lassen wollen. „Während des Wahlkampfes," so erklärte der Sekretär McConnell, „wird mindestens einmal in der Woche ein großer Ball abgehalten. Und auch nach den Wahltagen werden zweimal im Jahre große Ballfeste die Wählerinnen unserer Partei zusammeubrin- gen. Außerdem finden Whistpartien statt, an denen nur Frauen teilnehmen dürfen; vielleicht arrangieren mir auch Grammophon-Vorstellungen mit Lichtbildern be- rühmter Schauspieler und Tenöre. Und bei allen diesen Veranstaltungen werden sich günstige Gelegenheiten ergeben, die Wählerinnen für die Politik zu interessieren und litten die Kandidaten vorzustellen." Muß das eine Lust sein, in IBMs W WM.
Kampf mit Wilderern. Im Gamperdonertal in Tirol, das zu dem wildreichen Jagdgebiet von Nenzing bei Feldkirch gehört, kam es in der Nacht vom Freitag aus den Samstag zu einem folgenschweren Kampf mit Wilderern, bei dem der Jagdaufseher Eingartner getötet und ein zweiter Jäger namens Schneeberger lebensgefährlich verletzt wurde. Die beiden stießen in der Dunkelheit auf zwei Männer, die wahrscheinlich aus der benachbarten Schweiz herübergekommen waren und eine erlegte Gemse auf den Schultern trugen. Auf den Anruf, stehen zu bleiben, schössen die Wilderer, ohne Antwort zu geben, auf die beiden Jagdaufseher und trafen Eingartner, der lautlos zusammensank, in die Brust; ein zweiter Schuß durchbohrte beide Oberschenkel Schnee- bergers, der gleichfalls blutüberströmt zusammenstürzte, sich jedoch später wieder soweit erholte, daß er sich, mühsam am Boden kriechend, in die Nähe einer Almhütte schleppen konnte. Die Wilderer sind in der Dunkelheit, ohne erkannt zu werden, entflohen und dürsten die schweizerische Grenze überschritten haben. Die behördlichen Nachforschungen haben bisher kein Ergebnis gehabt.
Der Ackerknecht als siebenfacher Mörder. Zu der schweren Bluttat in Bas Briace in der Vendee wird noch gemeldet: Der Täter ist der 15jährige Ackerknecht Marcel Redureau. Er hat die ganze Familie des Ackerwirtes Mabit, bei Bern er arbeitete, ermordet, den 40jährigen Ackerer, die 70jährige Großmutter, die 28jährige Frau Mabits und drei kleine Kinder sowie ein 17jähriges Dienstmädchen. Nur das kleinste Kind, das in der Wiege lag, blieb verschont. Dann ging Redureau heim und legte sich schlafen. Nach seiner Verhaftung legte er in Gegenwart seiner Eltern ein volles Geständnis ab. Er sagte: „Um 10 Uhr war ich allein mit Mabit im unteren Hause, um Reben zuzurichten. Der Arbeitgeber sagte zu mir, ich wäre ein verschlagener Bursche und wandte mir den Rücken zu. Ich versetzte ihm mit der stumpfen Seite eines Beiles, mit dem er Reben setzte einen Hieb über den Kopf, kehrte, als er zu Boden stürzte, das Beil um und durchschnitt ihm den Hals. Dann drang ich in das eigentliche Wohnhaus, wo als erste mir Mabits Mutter entgegentrat. Ich ließ ihr garnicht lange Zeit, Fragen zu stellen. Dann kamen Frau Mabit und das Dienstmädchen. Ich machte auch mit ihnen kein Federlesen und schlug sie nieder. Um die verhaßte Bande vollständig auszurotten, schnitt ich auch den drei Kindern den Hals durch. An das letzte Kind dachte ich nicht. Dann ging ich zu meinen Eltern und legte mich schlafen." Bet der Ueberführung des Mörders nach Nantes konnte er nur mit größter Mühe vor dem Lynchen bewahrt werden.
Don Juan in den Lüften oder die rettende Flugmaschine. Bet den Klängen der Militärkapelle promenierte da Mittwoch nachmittag bei der Berliner Herbstflugwoche ein junges, elegant gekleidetes Paar aus Berlin W., das den Vorgängen am Start und in der Luft nur wenig Beachtung schenkte, dafür aber um so eifriger die Vorübergehenden musterte, gleichsam als ob es Bekannte zu finden hoffte oder — fürchtete. Das Flugzeugrennen war gerade zu Ende und die Flieger machten sich zum Dauerflug fertig. Plötzlich tauchte vor den beiden ein bereits angejahrter Herr auf, in dessen Begleitung sich ein Gendarm befand und der auf den jungen Mann weisend, den Beamten aufforderte, die Personalien des jungen Herrn festzustellen. Der ältere Herr mit dem Gendarm war niemand anderes als der Gatte, der sein junges Frauchen mit ihrem Verehrer endlich in Johannisthal erwischt hatte und nun gern den wahren Namen des Jünglings erfahren wollte. Diesem schien aber an der- Feststellung seiner Personalien wenig zu liegen. Als er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, jagte er plötzlich davon, von dem Gatten und dem Gesetzesvertreter verfolgt. Die Jagd ging hinter der großen Tribüne vorbei und in seiner Aufregung stürmte nun der junge Mann an den Aufsehern vorbei auf das Feld. Dort wollte eben einer unserer bekanntesten Flieger aufsteigen. Der Verfolgte eilte auf ihn zu, schilderte ihm in fliegender Haft seine Lage und bat den Flieger, ihm zu helfen. Dieser, der anscheinend viel Verständnis für die Lage des Don Juans besaß, warf ihm eine Brille zu, schob den Zitternden in den Passagiersitz, wo -er junge Mann im Cutaway und Zylinder sich komisch genug ausnahm. Da der Motor bereits lief, ging der Start in wenigen Augenblicken von starten und als der Ehemann, dem man an der Sperre das Betreten des Flugfeldes nicht gestatten wollte, nach langen Verhandlungen den Durchgang endlich erzwungen hatte, sah er seinen „Nebenbuhler" bereits 100 Meter über sich durch die Luft gondeln. Nach einigen schneidigen Kurven und Gleitflügen, die sicherlich nicht das Entzücken des Flüchtlings erregt haben, landete der hilfreiche Flieger schließlich am anderen Ende des Feldes, wo der nunmehr „Gerettete" sich unter tausend Dankesbezeugungen von seinem Helfer verabschiedete und durch einen entlegenen Ausgang das Freie erreichte.
Eine romantische Laufbahn.
Vom deutschen Einjährigen zum Chef der Luftflotte von Gnatemala.
Eine höchst eigenartige Laufbahn kann ein deutscher Adliger aufweisen, der als junger Mann nach Guatemala ging und heute im dortigen Heere eine hervorragende Stellung einnimmt. Baron von Merck sollte Großkauf- mann werden und später in Deutschland das Handelshaus seines Vaters übernehmen, und er ist Diplomat und Offizier und Chef der Luftflotte von Guatemala geworden. Baron von Merck wurde, nachdem er in Deutschland sein Jahr abgedient hatte, von seinem Vater aus Hamburg nach Guatemala geschickt, um die dortigen Ge- schäftsverbindungen des Hamburger Hauses kennen zu lernen. Er wurde dort bald mit den Regierungskreisen bekannt und besonders der Präsident Caörera begegnete ihm mit großer Liebenswürdigkeit. . „
Eines Tages erhielt er ein Angebot, in den Dienst der Republik zu treten, das er annahm. Er erhielt die Charge eines Rittmeisters und wurde 1906 als Mili- tärattachee nach Spanien und Portugal geschickt. Noch im gleichen Jahre nahm er an dem siegreichen Kriege Guatemalas gegen Salvador teil und wurde zunächst zum Major, nach dem Kriege zum Oberstleutnant befördert. In dieser Eigenschaft erfolgte seine Versetzung als Militttrattachee nach Brüssel, wo er dem ersten Belgischen Leibgarderegiment zugeteilt wurde. Im Jahre 1907 war Baron von Merck Sekretär der Delegation seiner Regierung zur zweiten Friedenskonferenz im Haag und Delegierter Guatemalas zu der achten Roten Kreuz-Konferenz in London. Im folgenden Jahre bewies er seinen persönlichen Mut von neuem, als er den Präsidenten Cabrera bei einem auf diesen verübten Attentat rettete. Der Neffe des Präsidenten wurde getötet. Baron von Merck erhiel als Anerkennung die Be- s^^Dte'neueste Etapve stiner Laufbahn bringt ihm eine neue wichtige Aufgabe. Die Regierung von Guatemala will eine militärische Luftflotte errichten und Baron Merck ist mit der Organisation beauftragt worden. Er weilt zum Ankauf von Flugzeugen gegenwärtig in Neu- york, und ä gedenkt, sich bei den Plänen, die er aus
kauf von Flugzeugen gegenwärtig in Neu- gedenkt, sich Bet den Plänen, die er aus-
führen soll, auf die Hilfe der Vereinigten Staaten zu stützen. Er hat bereits eine Reihe amerikanischer Flugzeuge erworben und beabsichtigt, noch sechs weitere an- zukaufeu. Guatemala steht zur Zeit inbezug auf das Flugwesen an der Spitze der Mittelamerikanischen Republik. Baron von Merck gedenkt nicht nach Deutschland zurückzukehren, da er in Guatemala noch eine große Zu- kunft zu haben glaubt.
Seslerreichischer Manöver-Humor.
Anläßlich der eben in Südböhmen stattgefundenen großen österreichischen Manöver erzählt die Präger „Bohemia" allerhand „Geschichten vom Offiziersstamm- ttsch", von denen einige hier wiedergegeben sein mögen.
Reserveleutnant v. Markhof erzählt: „Vorgestern — es war ein dunstiger Morgen — erhielt ich Befehl, eine Anhöhe im Westen zu besetzen. Wir sitzen also auf und vorwärts. Es war ein Hohlweg zwischen zwei Anhöhen zu passieren. Ich schau hinauf, und mir scheint, als wimmelt es da verdächtig. Schnell Feldstecher her, und richtig, dort ist feindliche Artillerie verborgen. Was sollte ich tun? Ich jage eine Ordonnanz zum welden: „Hohlweg unpassierbar, von feindlicher Artillerie besetzt, bitte um Befehl!" Nach ein paar Minuten ist die Ordonnanz zurück: der Oberst befiehlt sofortigen Weitermarsch und läßt sagen, auf den Anhöhen seien harmlose Zuschauer, Manöverbummler, Publikum. Kaum hatte sich meine Abteilung aber in Bewegung gesetzt, als es auch schon auf den Anhöhen aufblitzt und der nachfolgende dumpfe Donner uns über die Absichten des Gegners nicht mehr im Unklaren läßt. Da laß ich mir die Ordonnanz nochmals kommen und sage: „Reiten Sie zum Herrn Oberst und melden Sie: „Publikum schießt!"
Herr v. Kalman erzählt: „Was mir einmal passiert ist. Unser Rittmeister, der Khuen, schneidiger Soldat, hat ein Herz für die Mannschaft, stramm im Dienst, läßt außerdienstlich so manches durchgehen. Na, reitet also mit seiner Ekadron durch ein Dorf, wo eine Schwadron früher einmal gelegen ist. Da naht sich ihm ein biederer Dörfler, zieht den Hut und fragt: „Haben der Herr Rittmeister nicht einen gewissen Kratochwil in der Eskadron?" — „Ja, dort reitet er," sagt Khuen. „Ah! Herr Rittmeister, meine Tochter hat nämlich ein Kind von ihm gekriegt." — „Ein Kind?!" sagt der Rittmeister, „Eskadron Traaab!" Und fort gings, daß die Staubwolken flogen.
„Ja, wenn die Halunken wüßten, wie gute Witze sie manchmal in aller Unschuld machen, müßt' man sie ja immerfort einsperren. Reitet da vor mir einmal ein Hauptmann von der Fußfanterie, und man merkt, daß er nicht auf dem Pferde geboren ist. Eine Bremse hat sich auf das noch junge Tier gesetzt und macht es noch unruhiger. „Was hat denn der Gaul?" fragt der Hauptmann den hinter ihm reitenden Burschen. Und der prompt: „Bitte gehorsamst, Pane Hauptmann, sitzt sich Viech drauf!"
Unvermutet geriet das Gefpräch auch auf die ver- schiedentlichen Manöverunfälle, wie sie sich alljährlich ereignen und gewöhnlich in der Oeffentlichkeit nicht weiter bekannt werden. „Da gibts Nasen, ellenlang," klagt ein Major, „aber gewöhnlich triffts nur die Kleinen, und die höheren Herren kommen ledig davon." — Oh, da möchte ich doch protestieren!" sagte eine Exzellenz. „Erinnere mich da noch an einen markanten Fall. Vor ein paar Jahren, da wurde der Adjutant einer fremden Fürstlichkeit von einem scharfen Geschoß getrosten. Natürlich große Untersuchung, und es stellte sich heraus, daß insgesamt 94 scharfe Schüsse abgegeben worden waren. Natürlich wurde der Kompagniechef eingelocht, der Oberst ging in Pension, aber der kommandierende General erhielt einen scharfen Verweis, „weil ein ihrn unterstellter Truppenteil beim gefechtsmäßigen Scharfschießen nur ein Prozent Treffer erzielt habe.
** neuestes Dom Cage.
Talsperren an der Oberspree.
w> Berlin, 2. Oktober. Die königlich preußische Staatsregierung verfolgt den Plan, mehrere Seen im Gebiet der Oberspree durch Anlage von Talsperren in Sammel- und Staubecken umzuwandeln, um dadurch den Wasier-Ueberschuß der Wintermonate zurückzuhalten und für den Sommer gebrauchen zu können. Die Ausführung dieses Projektes ist für die Grundwassergewin- nung im Gebiete des Zweckverbandes und für die Schiffahrt an der Spree von der größten Bedeutung.
Ein Justizrat erschossen aufgefunden.
te Flensburg, 2. Oktober. (B. Z.) Der hier wohnende Justizrat Steemann wurde heute nacht im Walde erschossen aufgefunden. Man vermutet, daß Steemann auf der Jagd verunglückt ist.
Auf den Schienen getötet.
----- Bromberg, 2. Oktober. (B. Z.) Der D-Zug 55 Überfuhr, wie amtlich gemeldet wird, gestern nachmittag vor dem Bahnhof Dvpiewo den Bahnmeisterwagen. Die auf dem Wagen sitzende Frau eines Hilfsweichenstellers wurde getötet und ihr zweijähriges Kind verletzt.
Das Esperanto eine „Diebessprache".
$-$> Wien, 2. Oktober. (B. 33 Der Hauptmann Sephy aus Stuhlweitzenburg untersagte die Abhaltung einer Versammlung der Esperantofreunde mit der Begründung, daß Esperanto eine Diebessprache sei, deren Erlernung er nicht fördern könne.
Griechenland mobilisiert.
$-£ Athen, 2. Oktober. Der Marineminister hat an die Reserven der Jahrgänge 1900 bis 1906 den Befehl erteilt, sich binnen drei Tagen bei den Fahnen einzu- finden. Die verschiedenen Zweige der Landesverteidigung treffen alle Maßnahmen, um für die durch die türkischen Winkelzttae geschaffene Lage gerüstet zu sein.
Die Präsidentenwahl in China.
London, 2. Oktober. Wie die Morningpost aus Schanghai meldet, ist die Wahl des Präsidenten der Republik auf den 5. Oktober, die des Vizepräsidenten auf den 6. Oktober festgesetzt worden. Die feierliche Amtseinführung soll am 10. Oktober erfolgen.
Erdbeben an der afrikanischen Küste.
Tanger, 2. Oktober. Ein heftiges Erdbeben suchte gestern den ganzen Isthmus heim. Es wurden zwei Erdstöße wahrgenommen, von denen der zweite zehn Sekunden dauerte.
Blüten des amerikanischen Räuberwesens.
9-#= Neuyork, 2. Oktober. (B. Z.) Nachrichten aus Neuyork zufolge sind in dem am Hudson gelegenen Pallisadenpark im Staate New Jersey in letzter Zeit verwegene Raubüberfälle verübt worden. U. a. wurde eine der bekanntesten Damen der Neuyorker Gesellschaft, Frau Dea Clapp, von zwei mit Revolvern bewaffneten Männern Überfällen, die ihr Automobil zum Stehen brachten und der Dame zuriefen, sie solle Gold und Juwelen auf die Straße werfen. Die Frau erwiderte, sie besitze weder Gold noch Juwelen, worauf die Verbrecher sie frei ließen.