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Hers selber Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-elnschlutz Nr. 8

Nr. 131. Freitag, den 3 Oktober 1913.

Noch fortwährend

können Bestellungen aus dasHersfelder Tageblatt" bei der Geschäftsstelle, bei den Austrägern, Briefträgern und der zuständigen Poststelle gemacht werden.

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Bezug durch die Post.

Hus der Heimat

§ Hersfeld, 2. Oktober. (Bauernregeln für Oktober.) In den Bauernregeln für Monat Oktober kehrt fast durchweg der Grundsatz wieder, daß die Witterung des Oktobers maßgebend für die des ganzen Jahres ist. Ein warmer, sonniger Oktober soll einen langen und strengen Winter im Gefolge haben, umgekehrt deutet ein früher, kalter Herbst im Oktober auf gelindes Winterwetter. Regen im Oktober deutet auf Winterstürme im Dezember, ver­spricht aber zugleich günstige Vorbedingungen für das nächste Jahr. All' diesen Wetterprognosen liegt unbewußt ein Befolgen gewisser meteorologischer Grundsätze zu Grunde, und wenn diese Bauernregeln deshalb auch in sehr vielen Fällen wirklich zutreffen, so ist das nicht etwa Zufall, sonst schließlich ganz das­selbe, als ob ein wissenschaftlich geschulter Wetter- kundiger durch Beobachtung von Windrichtungen, Wolkenströmungen u. dgl. zu demselben Resultat ge­langt.

):( Hersfeld, 2. Oktober. (Bericht der All­gemeinen Ortskrankenkasse für den Monat September.) Die Einnahmen betrugen: Gesamtbeiträge (Anteile der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer) zusammen 5262,51 Mk., Ersatzleistungen für gewährte Krankenunterstützurmen 346,28 Mk., Kafsen- vorrat Ende August 1161,29 Mk. Die Ausgaben be­trugen: Für ärztliche Behandlung 319,50 Mk., Für Arznei und sonstige Heilmittel 13,32 Mk., Kranken­gelder an Mitglieder und deren Angehörige 1472,19 Mk., Wöchnerinnen-Unterstützung 5,85 Mk., Sterbe­gelder 54,00 Mk., Kur- und Verpflegungskosten an Krankenanstalten 1369,40 Mk., Anlage bei der Spar­kasse 2700,00 Mk., Verwaltungskosten 131,35 Mk., Sonstige Ausgaben 5,10 Mk.

):( Hersfeld, 2. Oktober. Zu der demnächst be­ginnenden Schwurgerichtsperiode in Cassel wurden die Herren Fabrikbesitzer Hermann Braun hier und Bergwerksdirektor Effertz in Heringen als Geschworene ausgelost.

):( Hersfeld, 2. Oktober. Nachdem die diesjährigen Feldprämirerungen so gute Resultate gezeitigt haben, soll im nächsten Jahre abermals eine derartige Prümiierung stattfinden. Auf Grund des Vorstands­beschlusses des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Hersfeld soll die Feldprämiierung im nächsten Jahre in den Amtsgerichtsbezirken Friedewald und Schenklengsfeld statt- finden. Die Landwirte dieser beiden Bezirke werden daher gut tun, wenn sie schon jetzt bei der Herbst­bestellung ihre Felder darauf einrichten. Zur Prämiie- rung kommen nur Felder von Mitgliedern des Land­wirtschaftlichen Kreisvereins Hersfeld in Frage und werden zu diesem Zwecke jedenfalls größere Geld­mittel wie in diesem Jahre zu Verfügung stehen, wo die zur Verteilung gelangte Summe 300 Mark betrug. Da derartige Prämiierungen für die Hebung der Landwirtschaft von außerordentlicher Wichtigkeit sind, so ist allen Landwirten eine rege Beteiligung sehr zu empfehlen. Auch ist es doch für jeden Landwirt da­durch möglich sich durch eine sorgfältige Bestellung seiner Länder neben einer guten Ernte noch einen erheblichen Geldpreis zu verdienen.

):( Hersfeld, 2. Oktober. Die Zahl d e r Fremden, welche im Monat September in den hiesigen Gasthäusern übernachtet haben, betrug 580.

):( Hersfeld, 2. Oktober. Der Bürger verein begeht seine diesjährige L u l l u s f e i e r am Sonn­abend den 18. Oktober durch einen Unterhaltungs­Abend mit anschließendem Tanz. Für diesen Abend sind die hier rühmlichst bekannten Belzerschen Leipziger- Sänger mit einem erstklassigen Vortragsprogramm verpflichtet worden. Ein recht vergnügter Abend dürfte daher zu erwarten sein. Das datiere wird noch bekannt gegeben:

):( Hersfeld, 2. Oktober. Der Reiterverei n kann auch in diesem Jahre mit dem Nennungsschluß seiner Rennen sehr zufrieden sein. Für vier Rennen, und zwar für das St. Lullus-Rennen, Eich- hvf-Flachrennen, Preis der Stadt Hersfeld und Kurpark-Jagdrennen sind 47 Nennungen eingegangen,

von denen allein 14 auf den Preis der Stadt Hersfeld entfallen. Der Renntag verspricht also nicht nur für Sportsleute sondern auch für das allgemeine Publikum einen interessanten Verlauf zu nehmen. Auch das Rennen des Fuldaer Felö-Artillerie-Regiments wird bei 18 eingegangenen Nennungen sportlich ein sehenswertes Bild abgeben. Der Vorverkauf der Eintrittskarten und der Programms findet von Freitag den 3. Oktober, mittags ab an folgenden Stellen statt: In Hersfeld bei den Herren F. Sauer, W. Bächstädt Nchfl., W. Hirsch­häuser, Hoehlsche Buchhandlung, Westphalsche Buch­handlung und Zigarrenhandlung D. Steinhauer, in Niederaula bei Herrn B. Schuchard Nchfl., in A s b a ch bei Herrn A. Fink und in B e b r a bei Herrn A. Witzel. Die Preise der Plätze sind: Tribüne 2.50 Mk. (Vorverkauf 2.25 Mk.), 1. Platz 1.25 Mk., (Vorverkauf 1.00 Mk.), 2. Matz 30 Pfg. (Vorverkauf 25 Pfg.), Wagenkarten 2.00 Mk.

Vebra, 30. September. Gestern wurde das Ge­meindeobst öffentlich verkauft, wobei sehr hohe Preise erzielt wurden. Trotzdem wurden nur 240 Mk. gelöst gegen etwa 1200 Mk. im vorigen Jahre, södaß für unsere Gemeindekasse ein erheblicher Ausfall entsteht.

Jmmenhausen, 1. Oktober. Als sich der auf der Fahrt nach Cassel befindende Zug Aachen-Eger heute vormittag in der Nähe der hiesigen Station befand, wurde plötzlich die Notleine gezogen, da das fünf­jährige Kind eines Kaufmanns aus Suhl aus dem Abteilfenster gestürzt war. Der Zug fuhr zurück und man fand das Kind, wenn auch stark blutend, doch nur leicht verletzt, auf einem Nebengleise. Kaum war es geborgen, als der D.-Zug aus Cassel vorüber- brauste. Einen Augenblick später und das Kind wäre zermalmt worden. Es erlitt eine schwere Kopfver- verletzung und wurde in das Landkrankenhaus nach Cassel gebracht.

Caffel, 2. Oktober. Gestern vormittag gegen ll1/« Uhr wurde in der Wolfhagerstraße Ecke Orleansstraße ein 4jähriger Knabe von einem Automobil über­fahren. Das Kind wurde sofort in den Kraftwagen genommen nuö zum Arzt gefahren. Wie noch mit­geteilt wird, ist das Kind, der 4jährige Willi Herber aus der Wolfhagerstraße, wenige Stunden, nachdem es in das Landkrankenhaus eingeliefert worden war, an innerer Verblutung gestorben. Augenzeugen schildern den traurigen Vorgang wie folgt: An der Unglücksstelle war ein Pferd gestürzt und mehrere Kinder, darunter die beiden Knaben des Schuhmacher­meisters Herber aus der Wolfhagerstraße, sahen den Bemühungen der Fuhrleute zu, das Pferd wieder auf die Beine zu bringen. Plötzlich fuhr das Automobil der Henschelschen Konsumanstalt an. Die Kinder stoben auseinander, während es aber den anderen gelang, sich in Sicherheit zu bringen, wurde der kleine Willi Herber überfahren, indem ihm das linke Hinter­rad des Automobils über den Leib ging. Es wurde schwer verletzt nach dem Landkrankenhause gebracht, wo es inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist.

Caffel, 1. Oktober. Die Festlichkeiten anläßlich der Tausendjahrfeier erreichten gestern ihren Abschluß. Am Vormittag wurden die Endkämpfe der Sportspiele zwischen den Casseler Schulen ausgetragen. Die beiden siegreichen Casseler Bürgerschulen erhielten je eine Schulfahne, die von der Stadt Cassel als Preis gestiftet worden war. Am Nachmittag entwickelte sich in der Karlsaue ein lebhaftes Volksfesttreiben in Gestalt einer hessischen Kirmes. Unter Leitung des Stadt- schulrats wurden den Kindern der Bürger weitgehendste Belustigungen gewährt. Den Schluß der Festlichkeiten bildete eine prächtige Beleuchtung der Karlsaue unterhalb des Hoftheaters. Der ganze Wald erstrahlte im roten und grünen Licht und über den Bäumen entfaltete sich ein Höhenfeuerwerk, wie es Cassel noch nicht gesehen hat. Das Feuerwerk hatte viele Tausende von Menschen nach dem Festplatze gelockt, wo mehrere Militärkapellen konzertierten. Verschiedene Industrielle stifteten noch höhere Summen zu Wohltätigkeits­zwecken. Die Feier wurde insgesamt von über 200 000 Fremden besucht.

Marburg, 30. September. Im festlich geschmückten Rittersaale des Schlosses Landgraf Philipps des Großmütigen wurde heute morgen in Gegenwart von etwa 800 Schulmännern durch den Geh. Regierungs­rat Prof. Dr. Vogt von hier mit einer Begrüßungs­ansprache die 52. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner eröffnet. Als Vertreter des Kultus­ministeriums und im Namen mehrerer Vertreter von Einzelstaaten sprach Geh. Oberregierungsrat Graeber aus Berlin. Der derzeitige Rektor der Universität, Professor Dr. Troeltsch, und Oberbürger­meister Troje begrüßten die Versammlung. Nachdem der Vorsitzende dann von verschiedenen zu der Tagung gemachten Stiftungen Kenntnis gegeben hatte, wurde

die Absendung von Begrüßungstelegrammen an Kaiser Wilhelm und an den Kaiser von Oesterreich beschlossen. Es folgte der Festoortrag des Geh. Rats Prof. Diels aus Berlin überWissenschaft und Technik bei den Hellenen". Nachmittags schloß sich in der Aula der Universität eine allgemeine Sitzung an, in der über die Durchführung des Hamburger Programms beraten wurde. Später fanden Versammlungen der einzelnen Sektionen statt und abends vereinigten sich die Teilnehmer zu einem Festmahl in den Stadtsälen.

Hanau, 1. Oktober. Das aus Schöneberg nach hier verlegte Eisenbahnregiment Nr. 2 traf heute vor­mittag hier ein und wurde auf dem Bahnhof von den Militär- und Zivilbehörden begrüßt. Auf dem Parade­platz hielt Generalmajor Schmiedecke eine kurze An- sprache an das Regiment. Nach einer Rede des Ober­bürgermeisters Dr. Gebeschus dankte Oberst Sommer- feldt im Namen des Regiments.

Heiligenstadt, 1. Oktober. Durch die Schaffung eines besonderen staatlichen Eichsfeldfonds in Höhe von 600 000 Mk., aus dem jährlich 60 000 Mk. aus die Dauer von zehn Jahren den drei obereichsfeldischen Kreisen Heiligenstadt, Worbis und Mühlhausen zur Landesmelioration zufließen sollen, ist eine großzügige Umgestaltung der gesamten Wirtschaftsverhältnisse des Obereichsfeldes vorgesehen, durch die dem immer noch zurückgebliebenen Eichsfeld weite Entwicklungs­möglichkeiten gegeben sind. Es dürfte interessieren, zu erfahren, daß seit dem Jahre 1875 zur Hebung des Eichsfeldes vom preußischen Staat bereits 1381780 Mark ausgewendet worden sind.

Hemfurth, 30. September. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich heute morgen auf der Baustelle der großen Talsperrenmauer. Ein Behälter mit Maurerspeise stürzte um und verletzte den 22jährigen Arbeiter Neuschäfer schwer. Ein Arm und ein Bein wurden ihm gebrochen.

Gießen, 1. Oktober. In dem Prozeß gegen den Hypothekenschwindler Rosenthal wegen Betrugs wurde heute das Urteil gefällt. Rosenthal wurde wegen Betrugs in 12 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren 2 Monaten und Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren verurteilt.

Obervellmar, 1. Oktober. Am Sonntag nachmittag starb unerwartet die 28jährige Ehefrau des Landwirts L. hierselbst. Der hinzugezogene Arzt stellte nach Auspumpen des Magens Vergiftung fest. Die Leiche ist noch nicht zur Bestattung freigegeben.

Frankfurt a. M., 2. Oktober. Der nationalliberale Landtagsabgeordnete Engelsmann ist heute Nacht in Kreuznach im Alter von 70 Jahren gestorben. Engels­mann, einer der bekanntesten Weingutsbesitzer im Nahetal, hat dem preußischen Abgeordnetenhaus 20 Jahre lang bis zu seinem Tode angehört. Besonders in landwirtschaftlichen Fragen hat er wiederholt das Wort ergriffen.

Frankfurt a. M., 30. September. Der Mitinhaber des Dr. Thiesquentschen Ambulatoriums in der Kronprinzenstraße, Apotheker Alfons Meiner, wurde heute wegen vielfacher Betrügereien festgenommen. Er soll selbst hergestellte Pillen vertrieben haben, für die er 50 Mark für die Schachtel nahm, während ihr Wert gleich Null war.

Offenbach, 1. Oktober. Ein schwerer Arbeitsunfall mit tödlichem Ausgang trug sich in der Offenbacher Portlandzementfabrik zu. Dort geriet der in den 30er Jahren stehende ledige Maschinenschlosser Oswald Mann aus der Anrdtstratze 16 bei dem Schmieren einer Maschine in die Transmission, wurde mehrere- male herumgeschleudert und kam noch mit der elek­trischen Starkstromleitung in Berührung. Der Ver­unglückte, der aus Dresden stammt, war sofort tot.

Langensalza, 30. September. Ein räuberischer Neberfall wurde in der Nacht zum Sonntag im be­nachbarten Dorfe Zimmern auf die alleinstehende wohlhabende Witwe B. ausgeführt. Als diese sich zu Bette legen wollte und ihrer Gewohnheit gemäß nach der Neben dem Bette hängenden Taschenuhr faßte, fehlte diese. Die Frau deckte nun das Bett auf. In demselben Augenblicke sprang daraus ein Mann her­vor, stürzte sich auf die Frau, warf sie nieder und versuchte sie mit Betten zu ersticken. In der Dnukel- heit gelang ihm dies aber nicht, die Ueberfallene konnte sich befreien, ans Fenster eilen und um Hilfe rufen. Als gleich darauf Nachbarn herbeieilten, ent­sprang der Räuber. Am anderen Morgen wurde ein Polizeihund auf die Spur gesetzt, der einen der Tat verdächtigen Mann verbellte.

Wetteranssichten für Freitag den 3. Oktober.

Meist trübe, jedoch noch trocken, mild, Westwinde.