Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.80 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Kerzseldn

für den Kreis Hersfeld

KleiuM

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 120.

Donnerstag, den 2. Oktober

1913.

Noch fortwährend

können Bestellungen auf dasHersfelder Tageblatt" bei der Geschäftsstelle, bei den Austrägern, Briefträgern und der zuständigen Poststelle gemacht werden.

Bezugspreis vierteljährlich 1.40 Mk. bei Abholung, 1.50 Mk. bei freier Zustellung ins Haus, 1,60 Mk. bei

Bezug durch die Post.

Aus der Heimat.

*(DerAndrangzumLehrerberuf.) Man konnte seither beobachten, daß der Beruf eines Lehrers von jungen Leuten so geschätzt wurde, daß fast stets ein Ueberangebot vorhanden war. Wenn man eine Nachricht aus Schlüchtern als Symptom eines Allge- meinzustandes auffassen darf, so scheint sich hierin ein Wandel vollzogen zu haben, denn der Andrang zum Lehrerberuf beginnt abzuflauen. Zu der Aufnahme­prüfung für die Präparantenanstalt des Schlüchterner Lehrerseminars, zu der sich sonst in der Regel 40 bis 50 junge Leute stellten, während nur 30 ausgenommen werden konnten, haben sich Heuer nur 19 junge Leute gemeldet.

* (Auch der September zu kalt.) Die Schönwetterperiode wiederholte sich und hatte gegen Mitte des Monats eine längere Unterbrechung. Aehn- lich wie im August kamen jedoch die heiteren Tage in der Temperatur nicht zum Ausdruck. Obgleich der Monat nur sechs verregnete Tage brächte, war es nur an sieben Tagen zu warm, an allen übrigen Tagen war es kälter als normal. Infolgedessen fchließt auch der September mit einem Wärmeminus von zirka 0,7 Grad ab. Die Ursache lag darin, daß . wir größtenteils Luftzufuhr aus östlichen und nord­östlichen Gegenden erhielten, wo bereits am 21. September der Winter durch Ueberschreiten des Null­punktes feine Visitenkarte abgegeben hatte. Er­wähnenswert ist noch, daß die Gewitter wieder an Neumond- resp. Vollmondtag eintraten. In den ersten Tagen des Oktober ist trübes Wetter wahrscheinlich, jedoch wird auch dieser Monat eine Schönwetterperiode bringen, mutmaßlich kurz nach Mitte des Monats. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß es in diesem Jahre schon vor Weihnachten richtig kalt wird, ob von längerer Dauer, läßt sich erst in einigen Wochen beurteilen.

* Warnung vor der Uebernahme von Filialen). Eine neue Art schwinöelhafter Filral- treiberei erregt in letzter Zeit die Aufmerksamkeit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen in Lübeck, Parade Nr. 1. Personen, die sich einige Tausend Mark erspart haben und das Geld nunmehr nutzbringend anlegen wollen, lassen sich durch über­mäßige Versprechungen verlocken, gegen sofortige Zahlung von mehreren Tausend Mark oder Hin­gabe von kurzfristigen Wechseln an irgend einem Platz eine Filiale zu übernehmen, derart, daß das ganze Warenlager in ihr Eigentum übergeht und der Bereits gezahlte oder noch zu zahlende hohe Betrag als Kauf­preis für das Warenlager gilt. Der Ausgang ist nicht selten der, daß die Filiale inbezug auf Geschafts- umsatz und Verdienst den gehegten Erwartungen nicht entspricht, daß aber der Filialleiter nicht mehr loskommt, weil er die Waren ja gekauft hat. Muß er sich dann doch zur Verwertung der Waren ent­schließen, etwa weil Unkosten und Lebensaufwand nicht mehr zu erschwingen find, dann zeigt es sich, daß die Waren zum allergrößten Teil viel zu teuer einae kauft sind, und daß sie nur mit großem Verlust verkauft werden können. Es kann daher nicht dringend genug vor der Uebernahme von Filialen, in die der Uebernehmer nicht einen ganz genauen Einblick hat, gewarnt werden. Beschwerden wolle man der ein­gangs erwähnten Zentralstelle vortragen.

):( Hersfeld, 1. Oktober. Der heutigen Nummer liegt der Winter fahrp lan öer H^rsfelder Kreisbahn bei. Einen weiteren Fahrplan über die hier in Betracht kommenden Hauptstrecken der Staatsbahn erhalten unsere Abonnenten in den nächsten Tagen.

):( Hersfeld, 1. Oktober. Unsere israe li tisch en Mitbürger begehen morgen unb übermorgen das Neujahrsfest und am 11. Oktober das 4se 1 - rÄnnoVfet Es sind Sie» die höchsten israelitischen Festtage.

8 Hersfeld, 1. Oktober. Der 1. Oktober bringt wiederum eine ganze Anzahl von Gesetzen, - c» sti mmungen und sonstigen Verand erungen, die für einzelne Erwerbszweige, zum Teil auch für die Allgemeinheit von Bedeutung sind. Da ist zunächst die Aenderung des Reichsstempelgesetzes, das in der

neuen Fassung vom 2. Juli ö. J. Geltung erhält und in vielen Punkten von den bisherigen Bestimmungen abweicht. Die Beamten und Unterbeamten der Reichs­post treten in den Genuß der vom Reichstage be­willigten Gehaltsaufbesserungen, und für die Veteranen gelten ebenfalls günstigere neue Bestimmungen über den Bezug der Beihilfen. Weitgehend sind ferner die Aenderungen in der Organisation des stehenden Heeres, bei dem die Aufstellung zahlreicher neuer Truppenteile erfolgt, die wieder die Versetzung einer Anzahl bereits bestehender Formationen notwendig macht. Hierzu gehört auch der großzügige Ausbau des Luftflottenwesens, das wesentlich verstärkt und neu organisiert wird. Die Angehörigen der Marine erhalten von jetzt an eine freie Urlaubsreise in jedem Jahre zum Besuch der Familienangehörigen,- gleich­zeitig treten auch die veränderten Bestimmungen der Friedens-Sanitätsordnung in Kraft, wonach die Be­förderung von verstorbenen Angehörigen der Armee in die Heimat auf Wunsch kostenlos erfolgt.

):( Hersfeld, 1. Oktober. Heute sind es 15 I a h r e, daß Fräulein Minna Manß aus Reckerode bei Kirchheim ununterbrochen hier bei Herrn Hotelbesitzer Carl Brack in Diensten steht. Bei dem schnellen Wechsel der heutigen Zeit ist dies Zeichen treuer An­hänglichkeit besonders anzuerkennen.

Großenritte, 30. September. Am Sonntag fiel hier ein junges, blühendes Menschenleben einem furcht­baren UnglücksfallzumOpfer. Ein 15jährigesMädchen war am Herde beschäftigt, wobei seine Kleider Feuer fingen. In hellen Flammen stehend, stürzte die Unglückliche auf die Straße. Trotzdem herbeieilende Leute das Feuer sofort erstickten, erlitt die Bedauerns­werte so schwere Brandwunden, daß sie am Montag abend in einem Casseler Krankenhaus, wohin sie überführt wurde, starb.

Gießen, 30. Sept. Der 27 Jahre alte Bahnarbeiter Wagenbach, der vor 14 Tagen seine Frau durch Todes­fall verloren hatte, wurde heute vormittag auf dem Gießener Bahnhof beim Rangieren überfahren. Der Schwerverletzte, dem die beiden Oberschenkel vom Rumpf abgetrennt wurden, ist in der Klinik gestorben. Er hinterläßt zwei kleine Kinder.

Sonneberg, 30. September. Im Nachbarort Hön- bach brach Feuer aus, das durch spielende Kinder in einer Scheune entstanden war und rasch um sich griff. Sieben Bauerngehöfte samt Scheunen und Ernte­vorräten brannten nieder. Der Sturm begünstigte den Brand, der erst heute gegen morgen gedämpft werden konnte. Sämtliche Wehren der umliegenden Ortschaften waren zur Hilfeleistung erschienen. Der Schaden ist bedeutend und nur zum Teil durch Ver­sicherung gedeckt. Personen wurden nicht verletzt.

Heiligenstadt, 30. September. Im Kaliwerk Pöthen stürzten heute zwei Bergleute in einen Schacht. Beide waren sofort tot.

Hana«, 30. Sept. Die aus allen Teilen des Regierungsbezirkes gut besuchte30. Hauptversammlung des hessischen Volksschullehrervereins ist heute nach­mittag 2 Uhr mit einer Vertreterversammlung eröffnet worden.

Hanau, 30. September. Vor einiger Zeit erschien imHanauer Anzeiger" ein Inserat, wonach ein schönes, gesundes Kind guter H

ierkunst gegen eine einmalige Abfindung von"6000 Mark vergeben werden sollte. Die Offerten sollen eingereicht werden an O. Schmidt, Herderstraße 31 in Hannover. Darauf meldeten sich von hier eine größere Anzahl Leute zur Uebernahme des Kindes. Sie erhielten die Antwort von dem angeblichen O. Schmidt, er wolle sich zunächst an Ort und Stelle davon überzeugen ob das Kind auch gut untergebracht würde und er ersuche um Uebersendung einer Geldsumme zur Reise nach Hanau. Auf diesesReisegeld" war es aber nur abgesehen; die Leute sahen weder das Kind noch den angeblichen Schmidt, alles war Schwindel. Jetzt ist es der Polizei in Hannover gelungen, den Betreffenden in der Per­son des Kaufmannes Wilh. Lauvichler aus Berlin zu verhaften.

Marburg, 30. September. Die Zuckerrübenernte hat an mehreren Orten des Kreises lebhaft eingesetzt. Die Ernte ist im allgemeinen recht gut ausgefallen, der Zuckergehalt im Verhältnis recht hoch, sodatz denn auch die Anbauer mit dem Ertrage vollauf zufrieden sind Die große Warburger Zuckerfabrik wird am nächsten Montag mit ihrer diesjährigen Kampagne beginnen.

Göttingen, 30. September. Gegenüber der Blätter- meldung daß der Mörder Romahn vor seiner heute früh erfolgten Hinrichtung ein Geständnis abgelegt und bei der HinrichtungJustizmord!" gerufen habe, sei festaestellt, daß weder das eine noch das andere richtig ist. Romahn hat schweigend die Verlesung

des Urteils angehört und, nachdem er die kaiserliche Unterschrift gesehen, genickt, worauf er enthauptet wurde.

Waltershausen, 30. September. Zwei Kinder der Familie Trott spielten in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern, wobei die Kleidung eines vierjährigen Mädchens Feuer fing. Das Kind eilte, einer Feuer­säule gleichend, in den Hof hinab und alarmierte durch sein Geschrei die Nachbarschaft und Passanten, die alsbald zu Hilfe kamen. Der herbeigerufene Arzt veranlaßte die Ueberführung des Kindes ins Kranken­haus, wo es aber an seinen schweren Brandwunden starb.

Untaugliche Mittel.

Man kann sich unmöglich darüber täuschen, daß es ein aussichtsloses Unterfangen ist, die französische Fremdenlegion und das Zusammenströmen verlorener oder abenteuerlicher deutscher Existenzen unter ihren Fahnen mit Reichstagsresolutionen und dergleichen zu bekämpfen. Mag man die Institution zehn- und hundertmal einen Schandfleck im Schilde eines Kultur­volkes nennen, Frankreich wird auf die Legion nicht verzichten, solange es sie haben kann, und dafür, daß es seine Werbetrommeln in absehbarer Zeit erfolglos rühren werde, spricht wenig äußere oder innere Wahrscheinlichkeit. Es gäbe wohl ein Mittel, das den deutschen Zuzug zur Fremdenlegion, der uns im Grunde doch allein auf der Seele brennt, stark herab­mindern würde,- es ist vor einigen Jahren in einem schlecht geschriebenen aber doch nicht uninteressanten Buche betitelt:Die verlorene Armee" dringend empfohlen und gefordert worden und besteht in dem öfteren Erlaß einer Amnestie für Fahnenflüchtige, Refraktäre u. dergl., denn diese Elemente sind es in erster Linie, welche oi<, Reihen und die Laufgräben der Legion füllen. Aber wirkt dieses Heilmittel nicht schlimmer als das Uebel, zu dessen Bekämpfung es dienen soll? Es ist ein ungeschriebenes aber geradezu heiliges Gesetz, daß fein Vaterland verwirkt hat, wer sich seiner Wehrpflicht böswillig entzieht.Wer nicht will öeichen, muß weichen!" Sollten wir durch über­große Milde auf diesem ernstesten und wichtigsten Gebiet das Gefühl für die Größe und Heiligkeit solcher Verpflichtung noch weiter abstumpfen? Und darauf käme die Eröffnung einer fast sicheren Aussicht aus Begnadigung innerhalb weniger Jahre sicherlich hinaus! Also auch dieses Mittel ist unbrauchbar!

Was bisher auf diesem Gebiet erreicht worden ist und zwar durch diplomatische Verhandlungen, besteht bekanntlich darin, daß Minderjährige nicht angeworben werden bezw. wenn sie trotzdem die Aufnahme in die Fremdenlegion erreicht haben, auf Reklamation wieder entlassen werden. Das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Was noch zu tun bleibt, das liegt im wesent­lichen auf dem Gebiet der nationalen Erziehung eine gräulich hausbackene, wirklich triviale Wahrheit, aber sicher eine Wahrheit! Nehmen wir an, wenn auch wir eine Fremdenlegion hätten oder schaffen wollten: wie viel Franzosen, wie viel Engländer würden wir in ihren Listen finden? Einer Antwort auf diese Frage bedarf es wirklich nicht,- sie würde tief beschämend für uns lauten. Wir sind nun einmal das Volk mit demkosmopolitischen Zug", mit der verfl . . . Neigung, sich ius Lager des Auslandes, ja sogar ins Lager des Feindes zu stellen! Wir sind es Gott sei es geklagt, trotz allem, was in den letzten fünf Jahrzehnten an uns geschehen ist, dank der unheilvollen Tätigkeit vor allem der Sozialdemokratie und ihrer Presse, die unaufhörlich das eigene Nest beschmutzt und nicht müde wird, mit herostratischem Eifer den Bau des Reiches zu unterwühlen. Aber auch die Presse der bürgerlichen Linken hat in dieser Beziehung ein langes und schweres Sündenkonto. Sie gibt der sittlich und intellektuell unreifen Jugend die Schlagworte an die Hand, mit denen sie das Deutsche Reich und seine Einrichtungen schlecht zu machen sich gewöhnt, so daß sie schließlich nichts zu verlieren glaubt, wenn sie das Vaterland aufgibt. Dabei soll nicht geleugnet werden, daß dieses oder jenes auch in positiver Arbeit geschehen, daß manche Härte gemildert werden könnte und sollte, die hin und wieder dazu führt, den bloß Leichtsinnigen und Ge­dankenlosen in die Hände der bewußten Verächter von Sitte, Ordnung und Pflicht zu treiben. Aber in allererster Linie ist es sicherlich diese ruch- und gewissenlose Durchkreuzung der Erziehung zum Vater­land, was ungezählte Opfer deutschen Blutes in den Reihen der französischen Fremdenlegion sterben und verderben läßt.

Wetteraussichten für Donnerstag den 2. Oktober.

Zunächst noch heiter, und trocken, später zu­nehmende Trübung, Erwärmung Morgennebel.