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Berufenen, die Großes leisten am Krankenbett, und Unrecht war es von mir, sie ihrem heiligen Amt zu entziehen," gesteht er sich.

Als der Kleine zum ersten Male außer Bett ist, sagt sein Vater bewegt zu der blassen Frau, die ihn im Arme hält:

„Leonore, ich versäumte es, dir an unserm Hochzeits­tage eine Morgengabe zu reichen; laß es mich heute nachholen."

Er übergibt ihr ein Dokument, mit schwimmenden Augen liest sie es. Es macht sie zur Eigentümerin eines Hauses und Kapitals zur Gründung einer Frauen- und Kinderklinik, der sie als leitende Aerztin vorstehen soll.

„Du bist größer, als andere Frauen," sagt er unter ihren Dankesküssen. „Vielen kannst du zum Segen gereichen. So tue es und sei trotzdem mein höchstes Glück."

FranzWche Urteile Wer die Zevveline für Flotte und Heer.

In den Herzen aller deutschen Baterlandsfreunde zittert noch die Trauer um den Verlust des Marine­luftschiffes L 1. und so vieler braver Seeleute nach. Ehre diesen tapfern Leuten, die den entfesselten Ele­menten, gegen die der Mensch machtlos ist, zum Opfer gefallen sind, mag der Verlust aber auch noch so groß und schmerzlich sein, nie wird er uns davon abhalten können, auf dem betretenden Wege weiter fortzu- schreiten. Ebensowenig, wie die größten Schiffs­katastrophen die Menschheit abgehalten haben zur See zu gehen, oder die gräßlichsten Unglücksfälle auf der Eisenbahn den Verkehr irgend wie gemindert haben, so werden auch derartige Ereignisse, wie das Unglück bei Helgoland am 9. September, dem Kampf des Menschen mit der Luft kein Ziel fetzen. Daher hören wir denn auch .schon wieder, daß L 2 im Be­griff ist, die Fahrt an seinen neuen Bestimmungsort an der Nordsee anzutreten. Wir Deutschen wissen ja, was wir an der genialen Erfindung unseres Grafen Zeppelin haben, und wenn nun auch noch das Ausland in der rückhaltlosen Bewunderung der Luft­kreuzer mit uns übereinstimmt, so ist das hoch er­freulich und muß uns ein Gefühl der Befriedigung und Sicherheit verleihen.

In einer französischen Fachzeitschrift äußert sich ein fachverständiger Offizier über die deutschen Luft­schiffe, und kommt zu dem Ergebnis, daß von allen bis jetzt erbauten Luftfahrzeugen nur das vom Grafen Zeppelin erbaute einen wirklichen Kriegswert für Flottenzwecke hat. Es gäbe kein ähnlich brauch­bares Erkundigungsmittel in der Luft, das hätten einwandsfrei die großen Erkundungsfahrten der „Viktoria Luise" bewiesen. Aber auch für die Ver­teidigung zur See seien diese Luftschiffe von un­schätzbarem Werte, wenn sie mit Maschinengewehren und einer ausreichenden Menge von Explosivstoffen ausgerüstet seien. Dabei hätten sie in ihrem Elemente so gut wie gar keinen Gegner zu fürchten. Ihnen wäre doch nur von oben beizukommen, hiergegen feien sie aber durch ihre große Schnelligkeit geschützt, mit der sie sich in die Höhe erheben könnten. Sie hätten aber noch außerdem den großen Vorteil für sich, daß ihre großen und zahlreichen Propeller einen Wirbelwind erzeugten, der einen Raum von un­gefähr 1 Kilometer Länge und 200 bis 300 Meter Höhe für jedes Flugzeug, das das Luftschiff etwa über­fliegen wollte, unpassierbar mache. Außerdem könnten

die Luftschiffe in jedem Hafen, sogar auf hoher See ver­ankert werden. Dagegen hätten sich die Wasser­flugzeuge nur bei völlig ruhiger See bewährt. Bei bewegter See seien sie unbenutzbar, wie es bisher vielerlei Versuche bewiesen hätten. Ferner sei es für die Flugzeuge unmöglich, sich bei stürmischem Wetter von dem schlingernden und stampfenden Schiffe zu erheben, oder auf ein solches niederzugehen. Auch die Strecken, die ein Flieger zurücklegen könne, seien immer noch für die Verhältnisse des Seekrieges nicht ausreichend. Zum Schlüsse rät der Verfasser Frank­reich seine Flotte mit gleichen Luftschiffen auszurüsten, wie sie Deutschland hat, sonst könnte es im kommenden Kriege böse Ueberraschungen erleben.

Auch der frühere Generalissimus, Louroix, äußert sich in einem englischen Blatte aus Anlaß desHelgo- länder Unglücks über die Zeppeline. Es sei die höchste Zeit, daß Frankreich und England den gewaltigen Borsprung, den Deutschland durch seine Luftkreuzer erlangt habe, einzuholen sich bemühten. Die Flug­zeuge Frankreichs könnten die außerordentliche Be­deutung der Zeppeline nicht ausgleichen. Letztere könnten eine große Menge von Explosivstoffen mit sich führen, sie könnten bei Tage und bei Nacht fliegen, zur Nachtzeit beinahe noch sicherer, da gewöhnlich die Luft nachts ruhiger sei. Das alles sei bei den Flug­maschinen nicht der Fall, die weder Angriffs-, noch Verteidigungskraft besäßen und eigentlich nur für Aufklärungszwecke verwendbar seien. In der Nacht wären sie überhaupt nicht zu gebrauchen. Das sei aber gerade sehr wichtig weil den Luftschiffen die Möglichkeit gegeben sei, sich unter dem Schutze der Nacht dem Feinde zn nähern und Schrecken und Ver­wirrung in seinen Reihen zu verbreiten. — Nebenbei gesagt, der Herr General scheint nicht daran zu denken, daß sich die Luftschiffe stets durch das Knattern ihrer Motore und durch das Surren ihrer Propeller ver­raten werden. — Zu allen Vorzügen aber kommt auch der Umstand, daß die Luftschiffe von der Erde aus kaum zu bekämpfen seien. Die Konstruktion der Ballonabwehrgeschütze stecke zunächst noch in den Kinderschuhen, und dann könnten sich die Luftschiffe ihrer großen Schnelligkeit wegen der Wirkung der Geschosse leicht entziehen. Ferner, so meint der General, könnten Abwehrkanonen gegen Luftschiffe nicht in so großer Zahl hergestellt werden, daß sie überall, wo sie nötig wären, gleich zur Hand seien. — Hierzu ist zu bemerken, daß der Herr General noch nichts davon zu wissen scheint, daß man solche Abwehr­kanonen auf ganz besonders starke und schnelle Kraft­fahrzeuge fetzt, die befähigt sind, das öahineilenöe Luft­schiff zu verfolgen. — Der General kommt zu dem Schlüsse, daß die deutschen Zeppeline jederzeit die französische Grenze überschreiten, die Truppenver- sammlungen auskundschaften, und die Befestigungs­anlagen von oben zerstören könnten, ohne daran irgendwie gehindert zu werden. Erst durch eine gleich­wertige Luftflotte könne dieser Gefahr begegnet werden. Aus den Schlußfolgerungen, die beide Offiziere aus der gegenwärtigen Lage ziehen, ersieht man, daß die Notwendigkeit einer brauchbaren Luftflotte von Frankreich durchaus erkannt wird und der Ruf nach ihr immer dringender erschallt. Nur schade, daß es mit der Erfüllung dieser Forderung doch noch recht bedenklich zu hapern scheint.

Kin ntntr mittlerer

Uns geht folgendes zu:

Die Wochenschrift der Eisenbahnassistenten schreibt:

Während der Verband mittlerer Post- und Tele- graphenbeamten eifrig damit beschäftigt war, einen neuen Feldzug gegen die Eisenbahn-Assistenten ein- zuleiten und zur Ausführung zu bringen, hat sich in die eigenen Reihen die Uneinigkeit eingeschlichen. Ein Bund mittlerer Reichs-Post- und Telegraphen­beamten der Zivilanwärterlausbahn ist in Berlin gegründet worden. Der neue Verbandsvorsitzende Postsekretär Schneider führte, um die neue Gründung zu rechtfertigen, folgende Momente an:

„Die Postzivilanwärter, insbesondere die Post­assistenten, besäßen zwehStandesvertretungen, in denen sie ihre Interessen vertreten könnten: den Deutschen Postverband und den Verband von Deutschen mittleren Beamten aus dem Zivilanwärterstande. Schon vor Jahren habe ersterer (der bekannte „Post- affistenten"-Verband) den berechtigten Interessen einzelner Beamtenklassen, die jeweils noch eine Minderheit im Verbände bildeten, verständnislos gegenübergestanden, sie scharf bekämpft, ihre Forde­rungen gebranömarkt und vielfach als letztes Mittel die Vertreter solcher Bestrebungen lächerlich zu machen versucht. Besonders in letzter Zeit sei die Art des Auftretens der Vertreter der herrschenden Richtung für jeden einsichtigen und ehrlich strebenden Kollegen unerträglich geworden. Eine Zunahme der Bevor­mundung und Unduldsamkeit gegen früher sei klar zu erkennen. Gleich den Postverwaltern und geprüften Sekretären, die nachgewiesenermaßen nach ihrer Ab­sonderung vom Postverbande einen größeren Einfluß als vorher auf ihn ausgeübt hätten, bliebe allen vor- gebildeten Postzivilanwärtern gar nichts weiter übrig, als eine solche ungastliche Stätte zu verlassen und sich auf die eigene Kraft zu stellen. Nur wenn der alte Postverbanö seine Existenz bedroht sehe, werde er zur Einsicht gelangen.

Andererseits genüge die jetzige Form der Post­beamtengruppe im Zivilanwärterverband nicht der vorwärtsdrängenden Entwicklung. Die Erfüllung der der Postzivilanwärter harrenden Aufgaben erfordern eine festere Zusammenfassung der Mitglieder, eine einheitliche und straffere Verwaltung und Gliederung alsoSelbständigmachung und Herausgabe einer eigenen Zeitschrift. Ohne Rücksicht auf den Ausschlußpara­graphen, der für den alten Postverband bezeichnend sei und unbeirrt durch die in den eigenen Reihen vorhandene Aengstlichkeit müsse derZivilanwärterbund gegründet werden.

Nach mehrstündiger Ansprache, in der das Für und Wider eingehnd erörtert wurde, schritt man zur Abstimmung, die mit 4a Stimmenmehrheit zur Bundes- gründung führte."

Daß diese neue Spaltung der mittleren Post­beamten für ihren alten Verband einen großen Schaden zur Folge haben wird, ist klar, da die Zivilanwärter bei ihnen zahlreicher sind als die Militäranwärter (V? gegen 3/?) und da sich in den Statuten der mittleren Post- und Telegraphenbeamten eine Bestimmung befindet, nach der jedes Verbandsmitglied ausgeschlossen wird, das einem anderen Verbände mittlerer Post­beamten beitritt. Es steht also zu erwarten, daß demnächst ein großer Auszug aus dem Verbände mittlerer Post- und Telegraphenbeamten stattfinden wird. Vielleicht wird diese innere Kalamität dazu beitragen, daß sich die stolze Ueberhebung und der glühende Tatendrang, den die Herren seit Jahren gegen die Eisenbahnassistentenschaft betätigen, ein wenig abkühlen und bescheideneren Empfindungen und Erwägungen Platz machen wird.

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