oeü Wiens bereits alle esten Speisen ohne Beschwer- An hcm^Onfoen^ lütte Verdauung. wie vom Magen nichts wehr vorhanden ist, und wie der Barnumbret aus her Speiseröhre direkt in den Dünndarm fällt Zm Eilen Falle war die Patientin vor der Operation bis^um M gtt abgemagert, sie wog nur noch 60 Pfund Nach der Operation nahm sie in kurzer Zeit 52 Pfund an Ge-
unt Krebs, sondern
L^b gesund aus. Bemerkens- baß sie nach dem Essen kein ei- gentliches Gefühl der Sättigung mehr habe. Sie ge= nietzt alle Speisen, ohne im geringsten auf die leichtere oder schwerere Verdaulichkeit Rücksicht zu nehmen.
Gericht und Recht«
Das Urteil gegen den Landesverräter Wölkerling. Das Oberkrtegsgericht des 3. Armeekorps in Berlin verurteilte am Freitag den Sergeanten Wölkerling vom Gouvernement Thorn unter teilweiser Aufhebung des früheren Urteils wegen Landesverrates an Rußland auf Grund der 88 1 und 3 des Reichsgesetzes vom 3. Juli 1893 zu 15 Jahren Zuchthaus, Entfernung aus dem H^re, zehn Jahren Ehrverlust, Zulässigkeit von Polizeiaufsicht, 14 000 Mark Geldstrafe oder noch acht Mo- naten Zuchthaus, Beschlagnahme aller bet dem Ehepaare Wölkerling gefundenen Gelder, Sparkassenbücher und Hypetheken und Beschlagnahme der beim Angeklagten gefundenen Photographischen Apparate und Zeichnungen. Bei der Begründung des Urteils wurde, wie bei der Verhandlung, die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen. Das erste Urteil des Oberkriegsgerichts hatte auf 15 Jahre Zuchthaus, Ausstoßung aus dem Heere und 15 000 Mark Geldstrafe, ferner auf Einziehung des etwa 75 000 Mark betragenden Vermögens gelautet.
Vermitttes«
Das „Bankinstitut" im möblierten Zimmer. Grelle Schlaglichter auf das Berliner Schiebertum warf eine
Verhandlung vor der dritten Kammer des Berliner
Kaufmannsgerichts. Ein junges Mädchen klagte dort gegen ein „Bankinstitut", das sich „Große Berliner Central-Crebit-Gesellschaft" nannte und in der Köthe- ner Straße 27 seinen Sitz haben sollte. In Wirklichkeit haben die Gründer dieser „Bank", die Herren Steinbock und Genossen, längst ihren „Sitz" im Moabiter Gefängnis. Dann setzte ein gewisser Krüger das Bankunternehmen fort, das sich nach dem Briefbogenkopf als „Bankgeschäft für Privatkredite, Hypotheken, Erbschaften usw." bezeichnet. Die Räumlichkeiten bestanden aus zwei möblierten Zimmern, die sich an die „Dienstwohnung" des Herrn Bankdirektors anschlossen. Auf ein
Stellenangebot meldete sich die Klägerin und fand dort zwei Herren vor, die beide mit ihr konferierten und sie auch beide anstellten. Es war Direktor K. und P. Als aber der Monatserste kam, wollte keiner zahlen. In der Verhandlung erklärte der Beklagte P., er sei überhaupt der Klägerin nichts schuldig. Der Beklagte K.
hingegen wollte, daß von den 40 Mark jeder die Hälfte bezahlen sollte. Als aber der Vorsitzende der Klägerin riet, sich mit 20 Mark zufriedenzugeben, wenn sie sie sofort bekomme, zog K. seinen Vorschlag zurück,' er hätte nicht--so viel Geld bei sich. Es wurden darauf beide Verklagte solidarisch verurteilt, der Klägerin 40 chlen. Die Gehilfin kann jetzt bei beiden
beide Verklagte solidarisch verurteilt, der Mark zu zahlen. Die Gehilfin kann iebi Direktoren vollstrecken lassen. Hoffentlich hat sie wenigstens bei einem Erfolg.
Aus dem Zuge gestürzt. Die acht Jahre alte Tochter einer polnischen Auswanöererfamilie fiel am Donnerstag abend zwischen Braunschweig und Peine aus dem nach Hannover fahrenden Personenzuge. Das Kind hatte wahrscheinlich an der Tür gespielt. Die Kleine wurde in schwerverletztem Zustande auf dem Bahnkörper liegend aufgefunden und nach Braunschweig ins Krankenhaus gebracht. Die Mutter mit ihren beiden anderen Kindern setzte die Fahrt bis Hannover fort, wo sie in dem Warteraum für Auswanderer weitere Nachrichten über das Ergehen ihres Kindes erwarten will. Sie spricht kein Wort Deutsch, und man hat durch einen Dolmetscher von ihr in Erfahrung gebracht, daß sie nach Amerika will, wo ihr Mann Arbeit gefunden hat.
Die Werbung in der Flugmaschine. Das Herz seiner Braut hat sich der Flieger Dilas aus Chicago buchstäblich im Fluge erobert. Der Flieger hat jetzt seine Verlobung mit Miß Susanne Wharton aus New Jersey veröffentlicht. Er erzählte, daß er um ihre Hand geworben, und ihr Jawort auch erhalten habe, als Miß Wharton seine Passagierin bei einem Flug über den St. Lorenz-Strom war. Miß Wharton hat die unter so
seltsamen Umständen erfolgte Werbung auch angenommen, hat aber daran die Bedingung geknüpft, daß sie ihren zukünftigen Gatten bei allen seinen Flügen begleiten dürfe.
Der Handwerksvursche im Adamskostüm. Auf der
Kirchweih in dem von Gästen stark besuchten Möhren- dorf bei Erlangen erschien abends 7 Uhr, nachdem er am Nachmittag den Ort abgeklopft und wohl auch des Guten zu viel getan hatte, ein Handwerksbursche aus dem Schlesischen in vollem Adamskostüm, nur sein Reisebündel unterm Arm, und spazierte so die Dorfgasse entlang an den dort sitzenden Gästen vorüber, die anfangs ganz baff waren. Endlich nahm man den seltsamen Kirchwethgast fest und sperrte ihn ins Spritzenhaus. Er gab an, seine schäbigen Kleider zerris en und weggeworfen zu haben, um endlich neue Kleider zu be- ommen ^ he* Frau Toselli. Aus Mailand wird ge- meldet: Demnächst findet in Florenz die Erstaufführung der komischen Oper „Die bizarre Prinzessin" statt, die von der ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen, nachmaligen Gräfin Montignoso und jetzigen Frau Toselli geschrieben und von Reni und Enrico Toselli vertont wurde. Die Oper ist im Verlag Sonzogno in Mailand erschienen. Natürlich befinden sich in dem Libretto viele satirische Hinweise auf die Lebensgeschichte der Verfasserin. Von den handelnden Personen ist die Fi- gur des sächsischen Staatsministers Barön Georg Metsch tun schärfsten gekennzeichnet, den die gewesene Kronprinzessin als ihren ärgsten Feind betrachtet und dessen Jntrigen sie ihre Entfernung vom sächsischen Hofe zu- schreibt. Man glaubt, daß Frau Toselli der Premiere ihrer Oper beiwohnen und sich in der nächsten Zeit von
>sen, To-
sächsischen Hofe zu- »selli der Premiere ------nächsten Zeit von ihrer Villa bei Brüssel nach Florenz begeben wird.
Was ein Schnurrbart wert ist. Wie groß ist der Wert eines Schnurrbarts? Diese Frage wird der Gerichtshof von Paris in den nächsten Tagen zu entscheiden haben. Herr X. hat nämlich gegen die chinesische Ge- sandtschast in PgM Äm AAMn^rsatzklaae. von 70
Mark wegen Verlust eines Schnurrbartes eingereicht. Wie ist das zugegangen? Vor einiger Zeit suchte die Gesalldtscbaft einen Angestellten. Herr X. meldete sich und wurde auch engagiert, aber unter der Bedingung, daß er seinen stattlichen Schnurrbart opfere, da dieser nicht mit dem Charakter der Gesandtschaft zu vereinigen sei. So schwer es ihm auch fiel, Herr X. brächte das Opfer. Allein vergebens. Nach kurzer Zeit wurde ihm w eder gekündigt, und er war somit nicht nur seiner Stellung, sondern auch seiner schönsten männlichen Sterile beraubt. Herr X. fand jedoch, daß er nicht so le chtsinnig auf diesen Schmuck verzichten, und daß er mindestens eine Entschädigung wegen gestörter Schönheit beanspruchen dürfe. Das Urteil des Gerichts hat für die ganze Herrenwelt wirklich fundamentale Bedeutung.
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Stöfflers Rückflug Warschau-Berlin. Freitag vormittag 11 Uhr 7 Minuten ist der Chefpilot der Aviatikwerke Paul Stöffler, von Warschau kommend, in Johan- nisthal glatt gelandet. Stöffler war früh 7 Uhr 5 Minuten auf dem Mokotow-Flugplatze bei Warschau aufgestiegen und hat die etwa 600 Kilometer lange Strecke in der Luftlinie in 4 Stunden 2 Minuten durchflogen, in der Stunde somit etwa 150 Kilometer zurückgelegt. Der Pilot hat mit dieser Etappe seinen bedeutungsvollen Flug Mülhausen (Elsaß) -Berlin-Warschau-Ber- lin beendet. Bekanntlich war er schon vor einigen Tagen in Warschau eingetroffen, seine Absicht, nach Petersburg weiter zu fliegen, wurde aber durch widrige Winde und Nebel verhindert. Jetzt ist Stöffler direkt nach Berlin zurückgeflogen. Er sprach sich über die Gastfreundschaft der russischen Offiziere sehr lobend aus und schilderte eingehend seine dreistündige aufregende Nebelfahrt auf der Hinreife kurz vor Warschau. Bekanntlich mußte er, um sich zu orientieren, eine Zwischenlandung vornehmen und landete damals wenige Meter vor einem Pulverschuppen mitten im Warschauer Festungsgelände. Sogleich war er von russischen Offizieren und Mannschaften umringt, mit denen er sich nur mühsam verständigen konnte. Das Flugzeug wurde beschlagnahmt, aber nach kurzer Zeit auf Betreiben des russischen Aeroklubs wieder freigegeben. Voraussichtlich hat Stöffler den Preis der Flugfpende von 100 000 Mark errungen. Bedingung ist allerdings, daß seine Leistung bis zum 31. Oktober ö. I. nicht überboten wird.
Im Ueberfltttz. „Gnädiger Herr, es ist ein Mann draußen, der eine Rechnung bringt." — „Sagen Sie, die können wir nicht brauchen, davon haben wir genug."
Amekikanische Nilliardörslinder.
Das Leben im Ueberflntz.
Die enormen Reichtümer, die vor wenigen Generationen von einzelnen Amerikanern erworben wurden, befinden sich jetzt in den Händen der Kinder jener Männer, die sie mit schwerer Arbeit aufhäuften. Die Kinder haben keine andere Sorge, als ihr Geld aus- zugeben oder es gut anzulegen. Dazu können sie sich tüchtige Menschen mieten, brauchen sich also selbst nicht anzustrengen,' so verfallen sie in ungezügelte Verschwendungssucht, falls sie nicht, was leider nur selten vor- kommt, Interesse für ernste Dinge besitzen. Vor Jahren antwortete einmal der Tabakfabrikant und Sports- • mann Pierre Lorillard auf die Frage, wieviel Geld nötig sei, um wie ein Gentleman zu leben: „Tausend Dollar täglich — und selbstverständlich Spesen. Das ist ein längst überwundener Standpunkt. Die Führer der Neuyorker „Society" würden den Mann auslachen, der mit viertausend Mark täglich auskommen kann. Ein paar Beispiele werden das beweisen.
Charles G. Gates behauptet, so erzählt Georg von Hall im „Berl. Lok.-Anz.", daß er jährlich eine Million Dollar allein für Trinkgelder ausgibt. Erst kürzlich gab er einem Kellner in Chicago einen Tausenddollarschein. Er reist nur in Extrazügen und nimmt immer einige Freunde mit. Wenn er ein Restaurant betritt, stürzen sich natürlich alle Kellner auf ihn. Gates war früher der Chef einer Maklerfirma in Neuyork, die „die zwölf Apostel" genannt wurde, weil sie ein Dutzend Teilhaber hatte. Einem Reporter sagte er einmal, er halte es für seine Pflicht, das Geld, das ihm sein Vater hinterlassen, in Umlauf zu bringen. Der Neuyorker C. K. G. Villings hat sich am oberen Ende von Manhattan Island mitten unter Etagenhäusern einen wunderbaren Landsitz angelegt, von dem aus er den Hudson überblicken kann. Er interessierte sich früher für Pferde und gab zur Einweihung feines neuen Hauses das berühmte Diner, bei dem der Speisesaal eines Neuyorker Restau- rauts in einen Stall verwandelt wurde, alle Gäste zu Pferde saßen und die Kellner als Jockeys erschienen. Jetzt hat er seine Stallnngen in eine Garage verwandelt, wo fünfzig Automobile aller Art stets für ihn bereitstehen.
Eine der bekanntesten Persönlichkeiten in Neuyork ist James P. Brady, besser bekannt als „Diamond Jim". Er begann seine Laufbahn als Gepäckträger, wurde dann Reisender für einen Fabrikanten von Eisenbahn- materialien und ist heute der Besitzer großer Fabriken. Auch er reist nur in einem Privatwaggon, ist aber hauptsächlich dadurch bekannt, daß er sich sehr auffallend kleider und so viel Schmuck trägt, daß man ihn für einen ambulanten Juwelenladen halten kann. Brady besitzt einunööreißig verschiedene Garnituren von Schmucksachen, eine für jeden Tag des Monats. Sie sind bei einer Bank untergebracht, und der Diener holt jeden Tag eine von ihnen,' bald sind es Smaragden, bald Rnbinen, bald andere Steine. An dem Diamantentage macht Brady den Eindruck eines wandelnden Leuchtturmes. Er begnügt sich nicht mit Hemden- und Manschettenknöpfen, sondern fügt diesen Krawatten- naöeln, Schuhschnallen und Stockgriffe hinzu, und selbst sein Unterzeug wird mit Edelsteinen befestigt. Zu der Garderobe gehören sogar einunöreißig Regenschirme mit goldenen Griffen, die mit Edelsteinen besetzt sind.
Das schöne Geschlecht steht dem sogenannten stärkeren nicht nach. Frau John Jacob Astor kaufte sich kürzlich eine Garnitur für elektrische Massage, die ganz aus Gold besteht und die Kleinigkeit von dreißigtausend Dollar kostet. Klara Anita Baldwin, die von ihrem Vater zwanzig Millionen Dollar erbte, gibt jährlich eine Million Mark für Schmucksachen und eine Viertelmillion für ihre Garderobe aus. Sie hat sich für eine Million eine Yacht bauen lassen, um gleich nach der Eröffnung durch den Panamakanal zu fahren. Frau Howard Gould, die frühere Schauspielerin Katharine Clemons, hat in acht Jahren zwanzig Millionen Mark ausgegeben,' dann wurde es dem Manne zu viel, und er ließ sich von ihr scheiden. Die Frau des Bankiers Heye beantragte die Scheidung von ihrem Manne und verlangte dreihunderttausend Mark jährliche Alimente,' mit Hilfe von Zeugen suchte sie zu beweisen, daß sie mit weniger Geld nicht auskommen könne, der Richter sprach ihr aber nur hunderttausend Mark zu.
Natürlich geht mancher unter, der über seine Verhältnisse lebt und muß dann wieder arbeiten, wie der Vater es getan hat. Der junge Brooklyner Halsey Cor- vin erbte von seinem Vater über eine Million Dollar und war in zwei Jahren damit zu Ende; heute ist er
Billetteur an der Neuyorker Untergrundbahn und bezieht 50 Mark pro Woche. In einem der allerbilligsten Restaurants in Neuyork arbeitet ein Kellner für Kost und Wohnung. Der Mann ist noch nicht dreißig Jahre alt und erhielt bei seiner Mündigsprechung drei Millionen Dollar: er verheiratete sich, und als das Geld zu Ende war, verließ ihn die Frau mit den Kindern. Jetzt ist er nicht nur mittellos, sondern auch unfähig, sich aufzuraffen. Seine Freunde haben versucht, ihm weiterzuhelfen, er ist aber nicht einmal dazu zu bringen, reine Wäsche anzulegen. Wer in diesen Kreisen mitmachen will, muß unerschöpfliche Reichtümer besitzen. Der Tag wird wieder kommen, wo Müßiggang und Verschwendung nicht mehr als ehrenhaft gelten, aber ob sich die Wandlung auf natürlichem Wege oder durch eine Katastrophe vollziehen wird, kann niemand voraussagen.
der „Zuchthaus-Sekordmann"
Ein verfehltes Leben.
Zu nicht weniger als insgesamt 123 Jahren, 7 Monaten und 2 Tagen Zuchthaus- und Ge- fangnisstrafen ist der angebliche Schauspieler Stanislaus Weyreuther von verschiedenen Gerichten in Deutschland verurteilt worden. Er wurde am Freitag aus dem Zuchthause in Lüneburg der 3. Berliner Strafkammer vor geführt, um sich wegen Diebstahls im strafschärfendem Rückfalle zu verantworten. Der jetzt 30jährige Ange- Jagte hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Er lammt aus guter Familie, hat eine höhere Schule beucht und sollte Kaufmann werden. Aus seiner Lehrstelle brannte er mit der Portokasse durch, wurde bestraft und dann von seinen Eltern zu einem Schneidermeister in die Lehre gebracht. Er machte auch hier alle möglichen Streiche und kam mehrmals mit öenr Strafgesetz in Berührung. Schließlich wurde er nach seiner Angabe Schauspieler, hat aber weniger die Bretter, „die öre Welt bedeuten", als die Bretter in den Zellen verschiedener Gefängnisse und Zuchthäuser betreten. Seit einigen Jahren hat der Angeklagte folgenden Lebenslauf zu verzeichnen: Er verübte mehrere Straftaten, wurde gefaßt und eingefperrt, um bald wieder aus dem Gefängnis auszubrechen. Er beging dann von neuem Straftaten und wurde wiederum verurteilt. Bei der ersten besten Gelegenheit gelang es ihm, wieder auszubrechen. Dieses Hin- und Her-pendeln zwischen den Gefängnisien und einigen Tagen Freiheit dauerte längere Zeit. Er wurde von den Gerichten in den verschiedensten Gegenden Deutschlands verurteilt und die gegen ihn erkannten Einzelstrafen erreichten nach und nach die oben genannte Höhe. Diese Strafen sind schon längst auf das gesetzliche Höchstmaß von 15 Jahren Zuchthaus zurückgeführt worden, sodaß der Angeklagte, wenn es ihm gelingt, wieder auszubrechen und neue Straftaten zu begehen, wegen dieser nur auf dem Papier bestraft werden kann. Da der Angeklagte dies weiß, richtet er an die verschiedenen
taten
Gerichte Selbstanzeigen, die natürlich nachgeprüft werden müssen. Hierdurch kommt etwas Abwechslung in sein Zuchthausleben, da er vorgeführt werden muß. Nach seiner eigenen Angabe müßte die Gesamthöhe der gegen ihn erkannten Strafen über 200' Jahre ausmachen, wenn er wegen der sämtlichen Straftaten verurteilt werden würde. — In der jetzt zur Anklage stehenden Sache hatte der Angeklagte, nachdem er aus dem Zuchthause ausgebrochen war, sich bei einer Frau eingemietet und dieser Bücher im Werte von 100 .F gestohlen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu noch einem Jahr Zucht- Hans.________________________________________________
«=* neuestes vom Gage.
Verhaftung eines Bankkassierers.
w> Dresden, 27. September. Der Bankkassierer Maultesch ist verhaftet worden, als bei einer unerwartet vorgenommenen Revision Unterscfilagungen in Höhe von 200 000 Mark aufgedeckt wurden. Maultesch war Kassierer einer Deposttenkasse einer Bankfirma in Dresden.
Das Programm für den Kaiserbesuch im Rheinland.
w> Trier, 27. September. (B. Z.) Der Kaiser be- gibt sich am Mittwoch, den 15. Oktober von Schloß Lieser des Freiherrn von Schorlemer kommend im Automobil über Daun nach Gerolstein. In Daun besichtigt der Kaiser die Sehenswürdigkeiten. Um 11 Uhr vormittags trifft der Kaiser in Gerolstein ein, wo er der Einweihung der neuerbauten Erlöserkirche beiwohnt. Nach der Einweihungsfeier frühstückt der Kaiser bei dem in Gerolstein wohnenden Freiherrn von Mirbach und begibt sich dann nach Besichtigung der Sehenswürdigkeiten nach Bonn.
Dreizehnjährige Burschen als Eisenbahnattentäter.
o-£ Herne, 27. September. (B. Z.) Auf der Strecke Riemke-Herne war vor kurzem eine Schiene durch Loslösen der Schrauben gelockert worden. Gestern gelang es, die Täter in der Person zweier dreizehnjähriger Burschen aus Riemke zu ermitteln, als sie in Gesellschaft eines dritten gleichaltrigen Gefährten denselben Streich versuchten. Ihre Absicht war, die Schrauben bei einem Althändler zu verkaufen.
Belohnung auf die Ergreifung von Antoattentätern.
»!^ Berlin, 27. September. (B. Z.) Der Kaiserliche Automobilklub hat auf die Ergreifung der Personen, die am 20. September dnrch Spannen von Drahtseilen über die Provinzialchaussee Cöln-Neusund zwischen Melem und Godesberg verbrecherische Anschläge auf Automobile versucht haben, eine Belohnung von tausend Mark ausgesetzt.
Bandei und Verkehr.
* Wöchentlicher Saatenstaudsbericht. Das vorherrschend trübe, kühle und regnerische Wetter war in der letzten Woche für die Kartoffelernte und Herbstbestellung wenig günstig. An der Wetchselmündung überschritt die Niederschlagsmenge sogar 100 Millimeter, in Niederschlesien, Posen und im südöstlichen Bayern 50 Millimeter. Verhältnismäßig am trockensten blieb es im Nordwesten, im nördlichen Mecklenburg und an der unteren Elbe, weiter an der Odermündung und an der Fulda. In den übrigen Gegenden schwankte die Nieder- schlagssumme zwischen 10 bis 30 Millimeter. Fast überall trat eine langsam fortschreitende Abkühlung ein. Die Kartoffelernte ist fast überall im Gange und ergibt einen mittleren bis guten Ertrag. Nur auf den tiefgelegenen und schweren Böden wird noch häufig über kranke Knollen geklagt. Die Rüben haben zwar noch weitere Fortschritte im Wachstum gemacht, doch wird das nasse Wetter wenig zur Erhöhung des Zuckergehalts beigetragen haben. Mit dem Roden der Rüben hatte man stellenweise begonnen. Die Futterpflanzen stehen meistens gut. Die Herbstbestellung, die fast überall im Gange ist, wurde vielfach durch das regnerische Wetter, besonders im Osten, wieder aufgehalten, sodaß die Wintersaat erst zum Teil in der Erde liegt und von einem Stand der jungen Saat noch wenig oder gar nicht gesprochen werden kann.