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Keine neue Gefahr für den Frieden.

Betrachtungen zur albanischen Frage.

Die Kinderkrankheiten im jungen Staatswesen Albanien werden vorläufig in maßgebenden Wiener Diplomatenkreisen ohne Zeichen der Nervosität betrach­tet, und man steht auf dem Standpunkt, daß es sich bei den letzten Verwickelungen auf dem Balkan um eine rein Innerserbische Angelegenheit handelt. Daß Serbien an seinen jetzigen Grenzen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben werde, war klar vorauszusehen. Früher oder später mußte es zwischen den neuen serbischen Her­ren und den freiheitsgewohnten albanischen Bergstäm­men zu Reibereien kommen, die auch auf jene Gebiete, die in London fein säuberlich dem Fürstentum Albanien angekleistert wurden, Hinüberzugreifen vermochten. Eu­ropa brauchte sich um jene Streitigkeiten nicht zu küm- mern und konnte es den Völkern selbst überlassen, schlecht und recht miteinander fertig zu werden, wenn eben nicht die Balkanhalbinsel von jeher einem Ge­wässer vergleichbar wäre, in dem der kleinste Stein weite Wellenkreise zieht. Trotz der ruhigen Auffassung am Ballhausplatz ist eben zwischen Belgrad und Wien nicht alles so, wie es sein sollte. Die serbische Regierung beschuldigt merkwürdigerweise Oesterreich, an den Al- banieraufständen nicht ohne Schuld zu sein. An der Donau aber setzt man sich nach wie vor für den Lon­doner Vertrag ein.

Aus der Berliner Wilhelmstraße ist nun ein freund­schaftlicher Wink nach der Donau erfolgt, die Vorfälle auf dem Balkan auch weiterhin mit aller Ruhe anzn- sehen, da von einem Grund für Besorgnis keine Rede sein könne. Der dringliche Wunsch ist in ganz Deutsch­land lebendig, daß auch dieses Mal in Oesterreich das Schwert in der Scheide bleiben möge, und daß sich der Bundesgenosse nicht neuerdings zu kostspieligen Mobil­machungen verleiten lasse. Die Gefahr einer neuen Be­unruhigung Europas, das sich endlich von den lange- dauernden Sorgen erlöst glaubte, und das Ende der Stockungen im Handel, der Zurückhaltung des Kapitals erhofft, steht im engsten Zusammenhänge mit dem Ver­halten Oesterreich-Ungarns. Wenn man Deutschlands Interesse fragt, und der Meinung ist, unt österreichische Diplomatenkunst Hütte man sich an der Spree nicht zu kümmern, die Fehler der schwarz-gelben Politiker hätte man allein an der Donau zu büßen, so ist das ein Standpunkt, der die gegenwärtigen Verhältnisse durch­aus verkennt. Wenn des Nachbars Haus brennt, so handelt es sich immer auch um die eigene Sache! Und Oesterreichs Existenz ist enger mit der nnfrigen ver­knüpft, als diejenigen glauben wollen, die die Bundes- freurrdschaft auf die leichte Achsel nehmen und für er­setzbar halten.

Bekannt ist Bismarcks Wort: Im Interesse Deutsch­lands müsse ein starkes Oesterreich geschaffen werden, wenn es nicht ein solches gäbe. Durchaus mitbeteiligt sind wir also an dem Tun und Lassen österreichischer Auslandspolitik. Eine Neuorientierung der österreichi­schen Balkangrundsätze würde durchaus auch in Deutsch­land begrüßt werden, und es wäre zu wünschen, wenn man sich in Wien den deutschen Freundesworten nicht verschließen würde. Wie die Dinge heute tu Albanien stehen, ist es kaum zu erwarten, daß Serbien die Ge­legenheit benutzen wird, um die Beschlüsse der Groß­mächte umzustotzen. Die Serben dürften wohl trotz al­ler Abenteurerlust kriegsmüde geworden sein, und die vielfachen wirtschaftlichen Maßnahmen, die sie in letzter Seit erst getroffen haben, sprechen dafür, daß man in erbien gewillt ist, sich dem Friedenswerk zu widmen. Andererseits aber handelt es sich bei den Albaniern nicht um wohldisziplinierte und organisierte Truppen- massen. Trotz bester Bewaffnung werden sie den serbi­schen Herren kaum lange Stand halten wollen. Für die Mächte entfällt bis jetzt also jeder Anlaß zu Drohungen und Protesten, die nur geeignet sind, eine bisher nicht bestehende Gefahr heraufzubeschwören.

Der internationale Arbellerschutz.

In Bern bat nunmehr nach langen arbeitsreichen Sitzungen die internationale Arbeiterschutzkonferenz ih­ren Abschluß gefunden. Nachdem bei uns in Deutsch­land in den achtziger Jahren Sozialpolitik eingeleitet worden war, sind wir eine ganze Reihe von Jahren allein geblieben, niemand folgte uns sofort in der Für­sorge für die arbeitenden Klassen, nicht einmal in den freier regierten Staaten, und erst allmählich begann man auch anderwärts an den Arbeiterschutz zu denken, als man die Segnungen erkannte, die aus derartigen Maß­nahmen nicht nur für die Arbeiterschaft, sondern schließ­lich auch für die gesamte Nation erwachsen.

Leider steht zu befürchten, daß die auf der Berner Konferenz gemachten Vorschläge nicht allenthalben zur Durchführung gelangen werden, weil verschiedene Ver­treter die Unterzeichnung der Bestimmungen nur unter Vorbehalt machten, indem betont wurde, daß die betref­fenden Regierungen das Recht der freien Entschließung

Immer auf dem Posten.

Erzählung aus Frankreichs Vergangenheit von Klara Reichn er.

5) (Nachdruck verboten.)

Zunächst fiel es ihm auf, wie es denn über­haupt möglich fei, daß zwischen Nacht und Morgen plötzlich frische Waren anzulangen schienen, ohne daß ein französisches Schiff in den Hafen eingelaufen war. Diese englischen Schleichhändler mußten wirklich Flügel haben oder mit dem Teufel selbst in Bunde stehen, daß sie, trotz der strengen Wachsamkeit der Küstenwächter, trotz aller Streifzüge der wohlbewaffneten Schaluppen, ein förmliches Ahnungsvermögen offenbar dafür be­saßen, wann auch die letzte Fregatte zum Kreuzen aus dem Hafen gelaufen war, um alsdann, in irgend einem sichern Schlupfwinkel der Klippen und Felsen versteckt, zu landen und ihre Waren abzuladen.

Potztausend! wie kommt es nur," fragte Justin Lambert sich selbst,daß diese Schufte von Schleichhänd­lern gerade immer nur dann auftauchen, sobald die be­waffneten Schiffe auf der entgegengesetzten Seite sich be­finden? Und woher können sie so genau den rechten Augenblick der Landung wissen? Abends, wenn Wind und Gelegenheit günstig sind, erscheint das Gesindel, legt bei Nackt und Nebel an, ladet aus und morgens ist längst wieder alles auf und davon, über alle Berge! Dieser vielgepriesene Hafenkommissär hier hätte lieber Gouverneur in Indien bleiben sollen, denn auf Schlan­gen und Tiger mag er besser sich verstehen als auf Schmugglerkniffe l Wäre der große Herr wirklich so streng aus Posten, und so befähigt für denselben, wie Man sagt, so hetzte er den Kerls ganz einfach sämtliche bewaffnete Fahrzeuge zusammen auf den Hals, um ein­mal zu probieren, was wohl eigentlich geschwinder ist: so ein verdammtes Schmugglerschiff oder ein paar ehr­liche Soldatenkugeln, die ihr Ziel sicher nicht verfehlen! Dts S.aÄs W nickt klar. Dahinter steckt etwas, das ich

sich ausdrücklich vorbehalten. Besonders eingehende Beratung hatte man der industriellen Nachtarbeit ju­gendlicher Arbeiter gewidmet und die Bestimmung ge­troffen, daß derartige Arbeit bis zum vollendeten 16. Lebensjahr überhaupt verboten sein soll. Die Nacht­ruhe soll eine Dauer von mindestens 11 aufeinander­folgenden Stunden haben, wobei freilich die Bedürf­nisse verschiedener Industriezweige entsprechende Be­rücksichtigung finden müssen. Ferner wurde noch eine Konvention abgeschlossen, wonach die Dauer der Jn- dustriearbeit weiblicher Personen jeden Alters und jnn- ger Leute unter 16 Jahren täglich nicht mehr als 10 Stunden betragen dürfe. Ueberstunden sollen unter ge- wiffen Voraussetzungen stattfinden können, jedoch darf die Gesamtzahl im Jahre 140 Stunden nicht überschrei­ten. Gewisse Ucbergangsfristen für einige Industrien sollen zulässig sein.

Zwischen den Delegierten herrschte die beste Harmo- nie und es machte einen freundlichen Eindruck, als der Vertreter der schweizerischen Regierung besonderen Dank den Päsidenten der beiden Kommissionen abstat- tete, dem deutschen Ministerialdirektor Caspar und dem französischen Delegierten Millerand.

Politische Rundschau«

Eine Reise des deutschen Kronprinzen nach Afrika. Eine parlamentarische Korrespondenz will wissen, daß der deutsche Kronprinz im nächsten Frühjahre die schon oft angekündigte Reise nach den deutschen Kolonien, und zwar nach Ostafrika, antreten werde. Endgültige Be­schlüsse über eine Reise des Kronprinzen nach Deutsch- Ostafrika sind wohl noch nicht gefaßt,- indessen ist be­kannt, daß sich zur Zeit Dr. Oskar Bongard, der auch schon die Kronprinzenreise nach Indien mitgemacht hat, im Berliner orientalischen Seminar die Teilnahme an einer Kronprinzenreise nach Afrika wissenschaftlich vor­bereitet. Daraus wird man wohl den Schluß ziehen dürfen, daß eine solche Reise in der Tat für eine nicht allzu ferne Zeit ins Auge gefaßt ist.

Besuch König Peters in Berlin. Ein englisches Blatt kündigt einen Besuch König Peters von Serbien am Berliner Hofe im November dieses Jahres an. Bis jetzt ist an unterrichteter Berliner Stelle noch nichts ve- kannt. Es wird jedoch keineswegs für ausgeschlossen gehalten, daß der König in der Tat mehrere Höfe, dar­unter auch den deutschen Kaiserhof, besuchen wird.

General nnd Abgeordneter. Das preußische Kriegs­ministerium hat dem Generalkommando des 18. Armee­korps auf dessen Mitteilung über seinen Briefwechsel mit dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Quarck ein Schreiben zugehen lassen, in dem es heißt: Der Reichstagsabgeordnete Dr. Quarck ist nach der Reichsverfassung nicht berechtigt, unter Berufung auf feine Eigenschaft als Abgeordneter Erklärungen von ei­ner militärischen Stelle zu fordern. Ebenso wenig ist diese berechtigt, einem derart begründeten Verlängert nachzukommen. Das Kriegsministerium befindet sich da­her im Einverständnis mit der vom kommandierenden General in der Angelegenheit vertretenen Auffassung. Der Abgeordnete Quarck hatte kürzlich den komman­dierenden General um Auskunft darüber gebeten, wen er mit dem Ausdruckzweifelhafte Elemente" gemeint habe, den er in einer dienstlichen Ansprache bei einem Regimentsjubiläum gebrauchte, als er gegen die Armee gerichtete Angriffe zurückwies.

22 Millionen Mark für das denische Kriegsflugwe- sen? DieBraunschw. Landesztg." meldet: Für den Ausbau des deutschen Flugwesens für Heer und Ma­rine fordert der neue Reichsetat 22 Millionen Mark.

Zunahme der Auswanderung. Die deutsche über­seeische Auswanderung hat infolge der schlechten Wirt­schaftskonjunktur in diesem Sommer gegen das Vorjahr wieder zugenommen. Im August wanderten über Bre­men und Hamburg 1882 Deutsche gegen 1337 im August 1912 aus. Ueber nichtdeutsche Häfen sind 847 (436) aus­gewandert. An ausländischen Auswanderern wurden im August 1913 besördert 20 867 über Bremen, 16 648 über Hamburg, zusammen 37 515.

««> Abbruch der türkischen Beziehungen zu Griechen­land. Der Petit Parisien meldet, daß die Türkei die Ab­sicht habe, die Verhandlungen mit Griechenland abzu- brechen und nur unter der Bedingung wieder aufzu- nehmen, daß die Inseln Chios und Mytilene zurückge­geben werden. Die Türken sollen vor Chios ein Lan­dungskorps bereit halten.

6-^ Ein japanisches Ultimatum an China. Die Lon­doner Times melden aus Tokio: Der japanische Ge­sandte lenkte die Aufmerksamkeit der chinesischen Regie­rung auf die Tatsache, daß bisher den japanischen For­derungen wegen des Zwischenfalles in Nanking keine Folge gegeben sei. Der Gesandte erklärte, daß, wenn diese Forderungen nicht binnen drei Tagen befriedigt würden, Japan sich für ermächtigt halten würde, alle Maßnahmen zu treffen. Zehn mit Marinesoldaten voll­besetzte Kriegsschiffe warten das Eintreffen der Or­ders ab.

ergründen muß wahrhaftig! so wahr ich Justin Lambert heiße!"

In der Tat gelang es der zähen Ausdauer des alten Soldaten bald, mit seinen fortgesetzten Beob­achtungen so viel zu erreichen, daß zweifellos bei ihm feststand: es müsse unbedingt irgend ein Einverständ­nis zwischen den Einwohnern der Stadt und diesen stets so merkwürdig glücklichen Schleichhändlern herrschen, das heißt, das Geheimnis ihrer rätselhaften, unge­trübten Erfolge könne nur in irgend einem verabrede­ten Zeichen bestehen, durch das der betreffende englische Schmuggler erführe, wann die Zeit zur Landung gün­stig fei, indem alle bewaffneten Schaluppen ihren Lauf in entgegengesetzter Richtung genommen hatten.

Offenbar lavierte das Schmugglerschiff stets draußen so lange, bald vorsichtiger, bald dreister, um­her, bis das bekannte Signal ihm anzeigte, ob es weiter sich entfernen solle, oder ob die Luft jetzt rein sei und es unbehelligt nachher an der Küste in versteckter Bucht anlegen dürfte! Wie und wo aber diese Helfershelfer unter so vielen Tausenden herausfinden?

Bei seinen ausdauernden Beobachtungen hatten die Falkenaugen des alten Lambert indessen auch noch et­was anderes entdeckt, das freilich in keinen Beziehun­gen zu dem verhaßten Schmuggler stehen konnte, trotz­dem jedoch den Alten zu interessieren begann. Es war dies allerdings ein angenehmerer Gegenstand: ein junges und sehr schönes Mädchen nämlich, das Tag für Tag, bei gutem wie bei schlechtem Wetter zu gleicher Stunde mit der Pünktlichkeit einer Uhr weite, einsame Strandpromenaden außerhalb der Stadt zu machen schien den Hafendamm entlang, am Ufer des Meeres hinwandelnd, stets allein, oft die steilsten Felsen, die höchsten Klippen leichtfüßig erkletternd.

Der alte Lambert war, obwohl er Junggeselle ge­blieben, einst in seiner Jugend durchaus kein Veräch­ter des schönen Geschlechts gewesen!

Kleine Radirichfen«

Hunderte von Stare» durch eine Starkstromleitnu getötet. Von einer förmlichen Katastrophe wurde bei Hetdersdorf in Schlesien ein riesiger, nach dem Süden ziehender Schwärm Stare betroffen. Der größte Teil des Schwarms kam mit den Drähten der Ueberlano- zentrale in Berührung, sodatz die Tiere zu Hunderten getötet wurden. Von einem Manne wurden an einer Stelle allein 200 tote Stare aufgefunden.

Auf schieber Bahn. In Berlin wurde ein Medizi­ner, ein Bakteriologe namens Dr. Kuuo Obermüller, der aus Heidenheim (Württemberg) stammt, verhaftet. Nach seinem eigenen Geständnis hat er in Berlin und Charlottenburg Aerzte und Professoren um Darlehen beschwindelt.

Unfall im Waffenladen. Ein eigenartiger Unglücks­fall ereignete sich in Landsberg (Warthe) in einem Waf- fengeschäft. Ein Mann hatte dort einen Revolver ge­kauft, der nicht recht funktionieren wollte. Er trug die geladene Waffe in das Geschäf zurück, um sie nachprüsen zu lassen. Als der Verkäufer nun den Revolver nachsah, entlud er sich. Die Kugel traf die Kassiererin, die ihren Platz in der Nähe hatte, in den Unterleib. Lebensgefähr- lich verletzt brach sie zusammen.

Ncht Kinder verbrannt. Freitag früh brach in Que- beck (Amerika) in einem Mretshause Feuer aus. Acht Kinder eines gewissen Trudel verbrannten, während die Eltern und zwei andere Kinder schreckliche Brandwun­den erlitten.

Todessturz eines deutschen Offizierfliegers. Frei­tag nachmittag stürzte der Oberleutnant Schulz mit ei­nem Eindecker aus etwa 50 Meter Höhe auf dem Flug­platz Johannisthal ab und blieb auf der Stelle tot. Der Flieger hatte einen schweren Schädelbruch und sonstige schwere Verletzungen erlitten. Oberleutnant zur See Schulz saß bei seiner Unglücksfahrt zum ersten Male arrf dieser Maschine, deren Führung er noch nicht ganz beherrschte. Er war in einer Kurve abgerutscht. Schulz hinterlaßt Frau und Kind.

Aufruhr wegen eines neuen Schankgesetzes. Als in Nashville (Tennessee) das Parlament über ein neues Schankgesetz beriet, wurde es von bewaffneten Banden belagert. Beide Parteien machten sich schuß- fertig. Die Abgeordneten wurden mit Revolvern be­droht. Die Mobilisierung der Miliz wird erwartet.

Unfall bei den holländischen Manövern. Im Ma- novergelande bei Holte unternahm eine Reiterpatrouille eine wütende Attacke in den Rücken von 3000 Mann In­fanterie. Ein Jnfanterieleutnant, der sich hinter der Stellung befand, wurde niedergeritten und erlitt eine Gehirnerschütterung. Mehrere Mannschaften wurden durch Säbelhiebe verletzt.

Nach dem Kartenspiel erstochen. Auf der Hochstraße M Wattenscheid tötete der 22jährige Bergmann Paul Steinert den Bergmann Adolf Unterhalt, mit dem er kurz vorher beim Kartenspiel in Meinungsverschieden­heiten geraten war, durch einen Messerstich ins Herz. Der Täter wurde verhaftet.

Todesurteil gegen einen Gattenmörder. Vor dem Schwurgericht in Duisburg hatte sich am Freitag der Dienstmann Nowack aus Marl wegen Ermordung sei­ner Ehefrau zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 8. Mai d. J. seine Frau erdrosselt. Die Geschworenen erkannten den Angeklagten für schuldig des Mordes und verurteilten ihn zum Tode und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit.

Räuberromantik aus Wildwest. Drei Räuber brachten am Freitag bei Eaglewooö einen Zug zum Stehen und bedrohten Zugpersonal und Reisende mit Revolvern. Nachdem sie fünftausend Dollars geraubt hatten, koppelten sie die Lokomotive los und fuhren auf dieser davon. Andere Banditen hielten einen Schnell­zug in der Nähe von Bibville (Missouri) an, sprengten im Postwagen die Geldschränke mit Dynamit und erbeu­teten 400 000 Mark.

Ein Dienstmädchen als Mörderin. In der Ahrens- burgerstratze zu Hamburg hat das Dienstmädchen Anna Fränke das vierjährige Kind ihrer Dienstherrschaft mit einem Strick erdrosselt und dann mit dem zweiten Kinde die Wohnung verlassen, um, wie sie in einem hinterlassenen Briefe angibt, sich und dem Kinde das Leben zu nehmen.

Winensdioft, Kraft und ftfterahm

Der entbehrliche Magen. Wie weit heute die Chi­rurgie vorgeschritten ist, erkennt man u. a. an den glän­zenden Leistungen, die die Magenchirurgie aufzuweisen hat. Bei Krebs wird der Magen, wenn es nötig ist, gänzlich entfernt, und es kann danach Heilung eintreten. So berichtete kürzlich Dr. Sasse, der Chirurg des Frank­furter Marienkrankenhauses, über zwei von ihm ope­rierte nnd geheilte Fälle von gänzlicher Magenentfer­nung. Bei einem 56 Jahre alten Patienten wurde der ganze Magen, im streng anatomischen Sinne genom­men, entfernt. 3^ Wochen nach der Operation konnte

Als er die einsame Spaziergäugerin zum ersten Male durch sein Fernrohr auftauchen sah und mit ihrem dunklen, flatternden Lockenhaar und dem lichten, blauen Kleide, das der Wind bewegte wie eine Flagge, ent­schlüpfte ihm unwillkürlich der bewundernde Ausruf: Potztausend! welch ein schönes Mädchen!"

Es machte dem alten Franzosen wirklich Spaß, die junge Schöne zu beobachten, die nach seiner Meinung und aller Wahrscheinlichkeit nach diese regelmäßigen weiten Wanderungen hier auf den einsamen Klippen- pfaüen irgend einem hübschen Offizier der Festung zu­liebe unternahm, mit dem sie wohl hinter dem Rücken eines hartherzigen Vaters oder gestrengen Vormunds heimliche Zusammenkunft verabredet haben mochte. Obgleich er niemals so glücklich war. den vermuteten Gegenstand ihrer langen Strandpromenade entdeckn zu können: soviel wenigstens hatte er doch schon ge­sehen, daß sie hier und da mit ihrer weißen Hand und einem weißen Tuche irgend einem ihm unsichtbaren Jemand eifrig, wie grüßend, zuzuwinken schien. -

Drittes Kapitel.

Angelika.

Der Kaiserliche Marinekommissär des Hafens, der Vater der schönen Angelika, war offenbar ein reicher, ein sehr reicher Mann, nach dem Luxus zu schließen, mit dem sein ganzer Haushalt in dem stattlichen, palast­artigen Gebäude, das er bewohnte, eingerichtet war.

Ein Troß beschäftigter und unbeschäftigter Diener in glänzenden Livreen lief und stand überall umher, und doch hatte man heute nur im engen Kreise gespeist. Es war sechs Uhr. Das Diner war eben vorüber, und in dem an den prächtigen Speisesaal stoßenden elegan­ten Salon befanden sich im Augenblick nur zwei Per­sonen: Raoul von Brisson und ein aufallend schönes Mädchen, die Tochter des Kommissärs.