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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld

SetsjeWet Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Krischlutz Nr. 8

Nr. 117. (Erstes Blatt)

Sonntag, den 38. September

1913.

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durch ein Probeabonnement von dem vielseitigen auf Grund neuster Nachrichten beruhenden Inhalt des Hers­felder Tageblatt. Ein Versuch wird zum dauernden Bezüge führen. Probenummern auf Verlangen gratis.

Bezugspreis vierteljährlich 1.40 Mk. bei Abholung,

1.50 Mk. bei freier Zustellung ins Haus.

Hus der Heimat.

Eine neue Laufbahn im Forstdienst.

Die seit kurzem geltenden neuen Vorschriften des Landwirtschaftsministers über die etatsmäßige An­stellung und Ausbildung der Forstschreiber und Forst­schreibergehilfen haben den staatlichen Forftbeamten eine neue Laufbahn eröffnet. Die etatsmäßigen Forstschreiberstellen können endgültig nur Förstern verliehen werden, deren Befähigung zur Abgabe rechnerischer Bescheinigungen anerkannt worden ist. Die Besetzung der neu überwiesenen oder frei gewordenen etatsmäßigen Forstschreiberstellen erfolgt auf Grund besonderer ministerieller Ermächtigung für jeden Fall durch die Regierung. Förster, denen die Befähigung zur Abgabe rechnerischer Bescheini­gungen noch nicht zuerkannt worden ist, können in etatsmäßigen Forstschreiberstellen ein Jahr auf Probe angestellt werden. Durch die Ernennung zum Förster unter Verleihung einer etatsmäßigen Forstschreiber­stelle sind die Versorgungsansprüche der Anwärter des Forstschutzdienstes im Sinne der Bestimmungen über Vorbereitung und Anstellung in diesem Dienst in gleicher Weise wie durch die Ernennung zum Förster ohne Revier als erfüllt zu betrachten. Die Einberufung und Uebernahme eines nichtetatsmäßigen Forstschutzbeamten in den Schreibdienst als Forstschreib­gehilfe soll erst nach bestandener Förfterprüfung erfolgen. Die Dienstbezüge des als etatsmäßiger Forstschreiber angestellten Försters sind in jeder Be­ziehung denen des Försters mit Revier gleich.

* (Eisenbahnverkehr.) Die Schnellzugver­bindung BerlinFrankfurt am Main wird ab 1. Mai 1914 eine bedeutende Verkürzung erfahren. Bis dahin soll der Bau des Tunnels bei Elm fertig werden. Durch diesen neuen Schienenweg wird die Fahrzeit von Berlin nach Frankfurt erheblich abgekürzt. Frühestens am 1. Mai 1914 wird ferner die Ab­kürzungskurve bei Bebra fertig sein, wodurch eine abermalige Beschleunigung des Zugverkehrs eintritt. Die Züge BerlinFrankfurt am Main werden dann nur noch in Halle und Erfurt halten. Der Zug, der um 2.15 von Berlin abgeht, soll bereits 9.07 Uhr in Frankfurt eintreffen, was einer Fahrtdauer von 6 Stunden und 43 Minuten entspricht.

* (Vers ich erun'gsp flicht der Treiber u n ö H i l f s p e r s o n e n.) Jagdpächter seien daran erinnert, daß die zu Jagden angenommenen Treiber und Hilfspersonen, die für den Tag im Dienste des Jagdbesitzers stehen, zur Alters- und Jnvaliöitäts- Versicherung anzumelden sind. Bei Unglücksfüllen tritt, falls diese Anmeldung unterlassen worden ist, nach dem Gesetz Bestrafung, unter Umständen bis zu einigen hundert Mark, außerdem Haftpflicht für den Unternehmer ein.

* (Kriegsmäßige Reserveübungen.) Das Scharfschießen der kriegsstarken Reservedivision des 4 und 11. Armeekorps hat am Mittwoch auf dem Truppenübungsplatz sein Ende erreicht. Am Donners­tag haben die Truppen den Uebungsplatz verlassen und' sich in das Manövergelande zwischen Ohrdru - Helgersburg-Meiningen und Suhl begebeu. Bis zum 29. September finden große Märsche statt mit Auf- klärungs-, Vorposten- und Gefechtsübungen gegen markierte Feinde. Am 30. September zieht die ganze kriegsstarke Division unter dem Befehl des komman­dierenden Generals des 11. Armeekorps, Frelherrn von Scheffer-Boyadel (Cassel), gegen einen markierten Feind in das Feld. Die Verpflegung erW am 29. und 30. September durchweg mit fahrbaren rveld- küchen, die auch sonst in Anspruch genommen werden, sobald die sonstige Verpflegung der Truppen auf Schwierigkeiten stößt. Am 30. September stauet das Schlußmanöver und daran anschließend der transport der Truppen statt.

):(Hersfeld, 27. September. Einen imposant e n F a ck e l z u g brachten gestern abend die Schüler des Gymnasiums ihrem scheidenden Direktor, Herrn Ge- heimen Studienrat Dr. Steiger, dar. In langer Reihe bewegte sich der Zug, an dessen Spitze die Gymnasiasten-Kapelle und das Trommlerkorps mar­schierte, durch die Straßen der Stadt. Von den

kleinsten Schülern mit ihren bunten Lampions bis zu den größeren fackeltragenden Schülern nahmen alle an der Veranstaltung teil, um so ihrem verehrten Herrn Direktor ein Zeichen ihres Dankes zu beweisen. Vor­der Wohnung des Direktors wurden Ansprachen gehalten, auf welche der Gefeierte erwiderte.

):( Hersfeld, 27. September. Eine ehrendeAus- zeichnung wurde dem Gemeinderechner der Ge­meinde Unterweisenborn, Herrn Georg Deitz, zu teil. Demselben wurde für seine treue und zu­verlässige Amtsführung, die er bereits seit 44 Jahren in der Gemeinde Unte rw e i s e n b o r n mit größter Gewissenhaftigkeit ausübt, das Allgemeine Ehren­zeichen verliehen. Die Auszeichnung wurde dem Genannten, der trotz seiner 78 Jahre noch mit seltener Rüstigkeit fein verantwortungsvolles Amt versieht, heute morgen durch Herrn Landrat v o n G r u n e l i u s hier überreicht. Herr Deiß ist der einzige Gemeinde­rechner unseres Kreises, der diese Auszeichnung be­sitzt.

):( Hersfeld^ 27. September. Das diesjährige Rennen verspricht ein besonders interessantes zu werden. Außer den sehr wertvollen Silbersachen und den Geldpreisen, die der Hersfelder Reiterverein selbst vergiebt, haben auch Freunde und Gönner des Sports auf dem grünen Rasen prachtvolle Ehrenpreise gestiftet. Eins der Rennen ist wieder für das Artillerieregiment in Fulda ausschließlich reserviert, auch wird die Fuldaer Regimentsmusik auf dem Rennplatz sowie des Abends bei dem Essen des Reitervereins im Kurhotel konzer­tieren.

Niederaula, 25. Sept. Der beim Bahnbau nach Alsfeld an der Altenburger Brücke mit Schachtarbeiten beschäftigte Arbeiter Ruppel aus Alsfeld wurde von plötzlich nachgebenden Erbmassen verschüttet und konnte nur mit schweren inneren Verletzungen und einem Beinbruch geborgen werden.

Gräfenhain, 26. September. Hier erhängte sich der Bursche eines Offiziers. Wie man hört, soll der Bursche eine Satteltasche verloren und dafür drei Tage Arrest erhalten haben. Infolge dieser Strafe hat er, nachdem er erst zwei Tage Burschendienste tat, sich das Leben genommen.

Göttingen, 26. September. Der Schneider Kulle erschoß hier soeben die 13jährige Marie Henze. Der Täter wollte angeblich seinen Schwiegervater töten, die Kugel ging aber fehl und traf das Mädchen. Der Täter wurde verhaftet.

Ohrdruf. 25. September. Gestern ist ein Land­wehrmann, der zur kriegsmäßigen Reserveübung beim 11. Armeekorps eingezogen ist, auf dem Marsche nach Gräsenroda in der Nähe des Ortes Krähwinkel infolge der Anstrengungen vom Herzschlag getroffen und ge­tötet worden. Auch ein zweiter Landwehrmann soll am Herzschlag gestorben sein.

Zeulenroda, 26. Sept. Nach neueren Nachrichten unterliegt es jetzt kaum noch einem Zweifel, daß der flüchtige Direktor Stock vorn hiesigen Bankverein in die Fremdenlegion eingetreten ist. Den Kredit, den er widerrechtlich einer Jenaer Firma, der man am dortigen Platze kein Geld gegeben haben würde, ein­geräumt hat, beziffert sich aus etwa 300 000 Mark. Die Erregung ist deshalb hier in weitesten Kreisen groß. Hinter den flüchtigen Direktor Stock hat jetzt die Staatsanwaltschaft in Greiz einen Steckbrief erlassen.

Langensalza, 26. September. Heute nachmittag 1/44 Uhr brach in Wallstedt in dem Arbeiterwohn- gebäude eines Gutes Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit verbreitete und in einer halben Stunde sechs Gebäude in Brand setzte.

Bad Wildnnge», 25. September. Prinz Waldemar von Preußen traf gestern nachmittag in Begleitung der Herren Kammerherr v. Usedom, Geh. Regierungs­rat Budde und Landrat v. Laer im Auto hier ein. Der Prinz und seine Begleitung nahmen im Hotel zur Post Wohnung. Fast zu gleicher Zeit waren von Hannover die Herrn Oberpräsidialrat Kriege, Ober­baurat Muttray und Regierungsrat Hüttenhain einactroffen, die heute den Prinzen und seine Be­gleitung nach der Edertalsperre geleiteten, die besichtigt wurde.

Frankfurt a. M., 26. September. Der angebliche Bergwerksunternehmer und -Direktor Adolf Schmidt aus dem Wiesbadener Vorort Sonneberg wurde unter dem Verdacht betrügerischer Manipulationen von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden in Haft genommen. Ueber die Machenschaften des Verhafteten erführt die Frankfurter Zeituug u. a. folgendes: Schmidt war in den Jahren 1901 und 1902 in China Lagerhaus­verwalter der Schantnuggesellschaft, wurde aber wegen verschiedener Verfehlungen entlassen. Danach hielt er sich vielfach im Auslande auf und wußte unter

der Vorspiegelung, Bergwerksdirektor von Gruben in Südamerika und Westfalen zu sein, Geldbeträge von deutschen Finanzleuten und Magnaten im Be­trage von 20 000 bis 60 000 Mk. zu erschwindeln. 1907 begab sich Schmidt wieder ins Ausland und hielt sich längere Zeit in einem Schweizer Sanatorium auf. Im März d. Js. leistete er in Berlin den Offen­barungseid, infolge der Klage eines Mineningenieurs, den er für rund 10 000 Mark für sein Bergwerk engagiert hatte. Schmidt setzte seine Werbungen fort und suchte wieder namhafte Beträge für die Aequator Mining und Development Corporation in London zu erlangen, von der er als deutscher Agent ebenfalls wegen Unregelmäßigkeiten entlassen worden war. Die Aktien, die Schmidt noch von dieser Gesellschaft besaß, sollen auf Grund des Urteils eines englischen Gerichts mit Arrest belegt sein. Die Schädigungen durch Schmidt, die sich über ganz Deutschland erstreckten, gehen in die Hunderttausende. Schmidt, der aus kleinen Verhältnissen stammt, hatte außerordentliche Gewandtheit und sicheres Auftreten. Schon am 5. November 1910 wurden in einem Inserat eines Münchener Rechtsanwalts alle diejenigen gesucht, die mit Schmidt wegen Gründung von Bergwerksgesell­schaften und sonstigen Unternehmungen in Verbindung getreten waren.

Heiligenstadt, 26. September. Nunmehr liegt das ausfiihrliche amtliche Gutachten über die im Auftrage der Geologischen Landesanstalt zu Berlin durch den Landesgeologen Dr. Siegert vorgenommenen Unter­suchung der beim Bahnbau im Einschnitt der Bahn unweit Kalteneber neu entdeckten Tropfsteinhöhlen vor. Nach eingehender Schilderung der bei der Untersuchung festgestellten vier Höhlen resümiert das Gutachten: Das Muschelkalkgebiet bei Kalteneberistvon zahlreichen Sprüngen und Spalten durchsetzt, die durch Wasser- wirkung vielfach zu Höhlen erweitert sind. Durch den Bahneinschnitt sind einige Eingänge zu einem offen­bar weitverzweigten Spalten-unö Höhlensystem frei­gelegt worden. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich dieses Höhlensystem noch weithin fortsetzt. Dafür spricht der Umstand, daß das niedertropfende Wasser einen Abfluß haben wird, sowie die Beobachtung, daß in der ziemlich weit entlegenen Springquelle infolge der Baggerarbeiten im Einschnitt Trübungen aufgetreten sind. Unentschieden muß dagegen bleiben, ob in der Fortsetzung größere Höhlen auftreten, oder ob die weitere Entwicklungähnlich dem jetzt erschlossenen Höhlen- und Spaltensystembleibt. Ein weitergehender Arbeitsplan für die Erforschung der Höhlen kann von vornherein nicht entwickelt werden. Mit der fort­schreitenden Erschließung müßten die neuen Arbeiten von Fall zuFall bestimmt werden. Es ist deshalb nötig, daß die Erschließung unter ständiger Kontrolle eines Geologen vorgenommen wird, was auch schon im Interesse einer genauen Prüfung aller wissenschaft­lich bedeutsamen Verhältnisse und sachgemäßen Aus­beutung etwaiger Fvssilfunde nötig ist. Inzwischen sind von den in Frage kommenden Behörden die nötigen Vorbereitungen zur weiteren Erforschung der interessanten Höhlenfunde getroffen worden.

Fnlda, 26. September. Heute früh ist der Unter­suchungsgefangene Müller aus Berlin aus dem Ge- richtsgefängnis ausgebrochen (nur mit einem Hemd bekleidet) und vorläufig entkommen. Es sollte heute gegen ihn vor der Strafkammer verhandelt werden wegen Kirchenraubs und Schießens auf den Schutz­mann Croß und auf den Gersfelder Polizeidiener. Müller brach den Zellenofen ab und verletzte den Gefangenwürter, der dem Flüchtling in den Weg trat, leicht.

Wiesbaden, 25. September. In einer hiesigen Pension in der Taunusstraße ereignete sich aber­mals ein tödlicher Unglücksfall beim spielen mit Schußwaffen. Dort erschoß ein junger Bursche beim Hantieren mit einem scharf geladenen Revolver den 17jährigen Liftjnngen Ludwig Schenk.

Erfurt, 26. Sept. Der Kommandierende General des 11. Armeekorps hat gegen das Urteil des Ober­kriegsgerichts Cassel in dem bekannten Prozeß gegen die fünf Reservisten und Landwehrmänner Revision beim Reichsmilitärgericht angemeldet.

Darmstadt, 26. September. Das Schwurgericht in Darmstadt wird am kommenden Montag unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Conradi seine Ver­handlungen mit der Anklage gegen den früheren Rechner Ph. Adam-Niedermodau wegen Verbrechens im Amte beginnen. Adam hat sich bekanntlich auch als Gemeinde- und Kirchenrechner gegen das Gesetz vergangen, aus der Gemeindekasse zirka 13 000 Mk., aus der Kirchenkasse zirka 2000 Mk. sich angeeignet und zum Zwecke der Täuschung Bücher und Urkunden gefälscht.

Wetterausstchten für Sonntag den 28. September.

Tagsüber warm.