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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Wlber

für den Kreis Hersfeld

Rteisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 116. Sonnabend den 37. September 1913.

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Bus der Heimat«

* Für den Obstvers and sei auf einige wesent­liche Bestimmungen hingewiesen, über die vielfach noch Zweifel bestehen: Sämtliches zum Versand nach dem Jnlande gelangende Obst unterliegt vom 1. Oktober bis 1. April dem Frankaturzwang,' nach dem Auslande müssen die Obstsendungen das ganze Jahr hindurch frankiert werden. Als Frachtsatz gilt der Betrag für einfaches Frachtgut, obgleich das Obst als Eilgut befördert wird und auch ein Eilgutfrachtbrief ausgefüllt werden muß: als Jnhaltsbezeichnung muß entweder Kern- oder Steinobst angegeben werden,' die Vorschreibung des Transportweges empfiehlt sich nicht, weil die Eisenbahnbehöröe so wie so den kürzesten Weg wählt und danach auch den Frachtsatz berechnet.

):( Hersfeld, 26. September. Zu Ehren des in den Ruhestand tretenden seitherigen Direktors unseres Gymnasiums, Herrn Studienrates Dr. Steiger, fand gestern abend im großen Saale der Gesellschaft Verein" eine Abschiedsfeier statt, an dem äußer- sämtlichen Herren des Lehrerkollegiums auch eine große Anzahl Herren ans der Bürgerschaft, sowie Vertreter anderer Behörden teilnahmen. Herr Professor Dr. S ch a a f f gedachte in herzlichen Worten des aus dem Amte scheidenden Herrn Direktors, der leider Hersfeld verlassen wird, um seinen Wohnsitz nach Marburg zu verlegen.

):( Hersfeld, 26. September. Der Landespraktikant W ö h n e r am hiesigen Landkrankenhaus wurde zum Sekretär daselbst ernannt.

):( Hersfeld, 26. Sept. Der Landesausschuß hat in seiner Sitzung vom 22. d. Mts. aus Dotations­mitteln zur Erleichterung der Armen- uud Wegelasten dem Kreise Hersfeld eine Unterstützung in Höhe von 3 375 Mk. bewilligt.

§ Hersfeld, 26. September. Zur Wetterlage wird von der Weilburger Wetterdienststelle geschrieben: Ueber Nordost- und Mitteleuropa hat sich jetzt ein größeres Hochdruckgebiet ausgebreitet. Ueber dem westlichen Europa verlaufen die Isobaren ziemlich genau von Süden nach Norden. Bei dieser Wetterlage pflegen Tiefdruckwirbel, die vom Ozean herankommen, sich nicht nach Mittel- oder Nordeuropa zu wenden, sondern nördlich nach Island hin abzuziehen, so daß das europäische Hochdruckgebiet bestehen bleibt. Wir haben also Grund, anzunehmen, daß die jetzt ernge- tretene heitere und trockene Witterung bei ziemlich kalten Nächten, aber verhältnismäßig warmen Mit­tagen noch für längere Zeit bestehen bleibt.

):( Hersfeld, 26. September. Für die am Sonntag, den 5. Oktober ö. Js. stattfindenden landwirt­schaftlichen Rennen hat der Kreis Hersfeld in dankenswerter Weise in diesem Jahre die Summe von 200 Mark an Preisen bewilligt, während früher diese Summe 150 Mark betrug. Hierdurch ist es möglich die einzelnen Preise zu vermehren. Es kommen nun­mehr folgende Preise zur Verteilung: 1-Preis 60 Mk., 2. Preis 40 Mk., 3. Preis 30 Mk 4 $retS 25 Mk 5. Preis 20 Mk., 6. Preis 10 Mk., 7. Preis 5 Mk. Außerdem erhält der Sieger noch ein Andenken im Wertze von 10 Mark.

):( Hersfeld, 26. September. Um den Arbeitern des Landeckeramtes Gelegenheit zu geben, am n ä ch st e n Sonntag morgen nach den Zucker­fabriken, in denen sie beschäftigt sind, fahren zu können, hat der Vorsitzende des Kreisausschusses, Herr Landrat von G r u n e l i u s, in entgegenkommender Weise die Einlegung eines Sonderzuges aus der HersfelderKreisbahn angeordnet, dawekannt- lich der fahrplanmäßige Frühzug nur an Werktagen führt. Durch diesen Souderzug ist es aber auch den Bewohnern des Landeckeramtes, welche zur Taufen d- jahrfeier nach Cassel fahren wollen, möglich, den An­schluß an die Frühzüge nach Bebra zu erreichen. Der Sonderzug fährt wie folgt:

Ab Schenklengsfeld 4.40 Schenksolz 4.48 Malkomes 4.5i Sorga 5.oo an Hersfeld 5.w

Der Sonderzug fährt dann von hier um 543 Uhr

nach Schenklengsfeld wieder zurück und erreicht dort den Anschluß an den fahrplanmäßigen Zug 5.40 Uhr nach dem Werratal. Hierdurch ist für Touristen eine günstige Gelegenheit gegeben, bei dem jetzigen herr­lichen Herbstwetter nochmals einen Ausflug nach dem schönen Werratal zu machen.

Hersfeld,26.September. (DieVersicherungs- karten der Militär Pflichtigen.) Die im Oktober eintretenden Rekruten, welche der Jnvalidi- täts- und Altersversicherungspflicht unterliegen, haben die Quittungskarte der zuständigen Ortsbehörde zur Aufrechnung vorzulegen, weil die Karte ungültig wird, wenn sie nicht innerhalb zweier Jahre nach dem Aus­stellungsdatum umgetauscht oder verlängert wird. Eine Unterlassung kann später Schwierigkeiten und bei einem Anspruch auf eine Rente große Nachteile zur Folge haben.

):( Hersfeld, 26. September. In schwer ver­letztem Zustande wurde gestern mittag ein junger Bursche aus Kleba in das hiesige Landkrankenhaus eingeliefert. Der bedauernswerte junge Mann war in dem Niederaulaer Dampfsägewerk durch eine Säge schwer am Oberschenkel verletzt worden.

§ Heimboldshausen, 25. September. Die Auf­nahme der Kaligewerkschaft Heimboldshausen in das Kalisyndikat ist Ende August erfolgt. Der Versand von Salzen ist ausgenommen und wird vorläufig bis zur Fertigstellung der eigenen Anlagen noch einige Wochen über die Betriebsanlagen der Kaliwerke Hattorf geführt, wo die Salze gleichzeitig zur Ver­mahlung gelangen. Der Ausbau der Anlage macht planmäßige Fortschritte. Zur Bestreitung der erforder­lichen Geldmittel wird der Restbetrag der ausge­schriebenen Zubuße von 500 Ma»k se Kux zum ersten Oktober zur Einziehung gelangen.

-h- Jesberg, 25. September. Ein sehr bedauer­licher Unfall passierte dem hiesigen Tagelöhner K. Derselbe war mit Abtragen von Kartoffeln beschäftigt. Dem auf dem Wagen stehenden Mann, der die Säcke aufrichtete und sie K. zum Abholen zurechtstellte, fiel ein Sack wieder hin. Darauf stieg K. selbst auf den Wagen, um den hingefallenen Sack aufrichten zu helfen. Dabei verlor er den festen Halt und stürzte rückwärts den Wagen herunter und der schwere Kartoffelsack auf ihn. K. mußte sich in ärztliche Be­handlung begeben.

-w- Cassel, 26. September. Die in letzter Nacht stattgehabte Versammlung der Straßenbahner nahm die schon gestern gemeldete Erklärung der Direktion der Großen Kasseler Straßenbahn entgegen und faßte den Beschluß, das Ergebnis der Aufsichtsratssitzung abzuwarten, namentlich mit Rücksicht darauf, daß sich die Straßenbahner im Falle eines Streiks während der Tausendjahrfeier die Sympathien des Publikums verscherzen dürften, die sie sich für den Fall eines später doch noch notwendig werdenden Streiks zu er­halten hoffen.

Cassel, 26. Sept. Die Haupt- und Residenzstadt Cassel hat nun ihr herrlichstes Festkleid angelegt, um in den Tagen vom 27. bis zum 30. September die Feier ihres tausendjährigen Bestehens zu begehen. Da die Betriebe ihre Tätigkeit in den Festtagen fast ausnahmslos auf die Vormittagsstunden beschränken und auch die Schulen feiern, ist die Teilnahme der Bevölkerung eine außerordentliche und eine festlich gestimmte Menschenmenge bewegt sich schon heute, am Vorabende der Festlichkeiten, durch die Straßen. Nahezu alle Gebäude haben geflaggt und aus dem Tauuenschmuck grüßen die Wappen der Residenz und des engeren Vaterlandes die vielen Tausende Kinder unserer Stadt mit Kurhessens, die sich in diesen Tagen aus dem ganzen Reiche wie dem Auslande, ja aus fernsten Weltteilen auf heimatlicher Erde zur Jubel­feier zusammengefunden haben. Namentlich die Stadtteile, durch die sich am Sonntag der kultur­historische Festzug bewegen wird, zeigen ein farben­freudiges Bild. Endlose Tannenguirlanden, gehalten von flaggentragenden Masten, säumen die Straßen, unterbrochen von blumenschmuckgekrönten Pylonen, Ehrenpforten, Tribünen. Die Kasseler Farben blau-weiß dominieren. Als Auftakt der Tauseud- jahrfeier findet heute Abend in der nunmehr fertig- gestellten neuen Stadthalle die Uraufführung des aus dem Wettbewerb siegreich hervorgegangenen Festspiels 1385" von Beuuv von Franken statt, das einem be­deutsamen Vorgang aus der Regierungszeit des Laud- grafen Hermann des Gelehrten, und zwar die Be­lagerung Kassels im Jahre 1385 schildert.

Hilders in der Rhön, 23. September. Eine nette Submissionsblüte erfolgte bei den Angeboten für die beiden Lose zum Brückenbau der neuen Eisenbahnlinie HildersWüstensachsen. Bei Eröffnung der Offerten, die in diesen Tagen in Fulda erfolgte, ergab sich, daß von den insgesamt 16 abgegebenen Offerten die

niedrigste auf 72 954,15 M., die höchste auf 138187 M. lautete, also eine Differenz von über 65 000 M. zu konstatieren ist.

Geisa (Rhön), 24. September. Im hiesigen Land- krankenhause verstarb der Gastwirtssohn Leopold Winter von Bremen. Ihm war auf der Gewerkschaft Heiligenmühle ein Förderseil auf den Kopf gefallen, hatte ihm die Schädeldecke gespalten, so daß das Gehirn freilag.

Ostheim, 24. September. In Willmars entsetzte sich eine Frau, als ihr auswärts wohnender Sohn plötzlich vor ihr in Erbschaftsangelegenheiten erschien, dermaßen, daß sie tags darauf starb.

Bischofsheim (Hessen), 24. Sept. Heute vormittag zwischen 9 und 10 Uhr geriet der Bahnspediteur Joh. H. Petri in Bischofsheim auf dem Felde beim Kartoffelausmachen mit seinem ältesten Stiefsohn in Streit und erhielt dabei von seinem Gegner einen starken Schlag mit der Hacke auf den Kopf. Petri fiel zusammen, wurde ohnmächtig nach Hause gebracht und ist heute nachmittag nach 3 Uhr an den Folgen der Verletzung gestorben. Anscheinend ist der Schädel zertrümmert. Am Nachmittage weilte die Staats­anwaltschaft an dem Tatort, um die nötigen Er­mittelungen anzustellen.

Hanau, 24. September. Die Strafkammer Hanau hat heute den Kaufmann Phil. Hoffmann aus Bischofs­heim, der als Prokurist der Mainzer Kohlenhandlung W. Perch Kundengelder in Höhe von 14 000 Mark unterschlagen hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Hanau, 24. September. Im benachbarten Groß- laudenbach wurde der 21 Jahre alte Sohn des ehe­maligen Darlehnskassenrechners Rothenbücher durch einen Hufschlag seines Pferdes getötet.

-w- Frankfurt a. M., 25. September. Auf dem Hauptgüterbahnhose wurde in der Feuerkiste einer Lokomotive der mit Ausbefferungsarbeiten beschäftigte Schlosser Josef Wiedinger tot aufgefunden. Es wird angenommen, daß er durch die giftigen Gase den Erstickungstod gefunden hat.

Frankfurt a. M., 24. Sept. Unter den Kandidaten, die am Montag vor der Realschule in Diez a. d. Lahn als Externe das Einjährigenexamen bestanden, be­fand sich auch der Schutzmann Christian Bastigkeit aus Offenbach a. M., der. als einer der besten die Reifeprüfung für Obersekunda bestand. Er beab­sichtigt, auch die Abiturienteuprüsuug abzulegen und sich dann der höheren Polizeilaufbahn zu widmen.

Elbingerode, 23. September. Der von hier gebürtige 24jährige Steinbruchsarbeiter Karl Böhme wurde im KalkwerkKaltental" durch herabstürzendes Gestein sofort getötet. Er hinterläßt eine Witwe und zwei kleine Kinder.

Wiesbaden, 25. September. Die Staatsanwaltschaft verhaftete hier den Bergwerksdirektor Adolf Schmidt, dem betrügerische Manipulationen zur Last gelegt werden.

Schleiz, 23. September. Im benachbarten Neun­dorf starb der 14jährige Sohn des Gutsbesitzers Otto Zeh an einer Blutvergiftung, die sich aus einer gering­fügigen Armverletzung entwickelt hatte.

Untersiema«, (Herzogtum Coburg) 24. September. Der fünfjährige Sohn des Maurers Johann Müller von hier wurde auf der Straße vou einer Sämaschine überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Zwischen Türken und Bulgaren ist der Friede nun perfekt, hoffentlich für immer werden jetzt die Kämpfe aufgesteckt, bei dem Friedensschlüsse hat sich die Türkei zu letzter Frist manches noch zurückerrungen was für sie von Vorteil ist, auf Adrianopel mußte schließlich der Bulgar' verzichten und die Länder, die ihm bleiben, scheinen stark ihn zu verpflichte«, für Bulgariens leere Kassen tat der Frieden deshalb not und sich weise zu beschränken war der Klugheit streng' Gebot. Besser hat im Balkankriege wohl der Grieche abge­schnitten, ohne vieles Blutvergießen sitzt er jetzt im Fette mitten, selbst der Franzmann zeigt sich iicibifd) ob des Griechenlandes Glück und wünscht lieber fast den Zustand wie er früher war zurück, künftig wird am Mittelmeere Griechenland als Großmacht walten und Europas Machtgelüste etwas mehr im Zaume halten, denn der Einfluß der Türkei ist dort ewig jetzt vorbei, darum wird die Lage besser am Aegäischen Gewässer. Walter-Walter.