Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger MIMer
5$^ für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im MlVlSÜluII amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erfcheint jeden Werktag nachmittags.
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Fernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 115.
Freitag, den Ä6 September
1913.
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Hus der Heimat«
Was der Reservist wissen muß.
In diesen Tagen kehren Tausende junger Krieger in die Heimat zurück. Nach einigen Tagen der Ruhe fängt dann der Ernst des Lebens wieder an, es geht wieder hinaus in den Kampf ums Dasein. Aber selbst als Zivilist ist der junge Reservemann immer noch Soldat, nur daß er jetzt nicht mehr zu den Aktiven, sondern zu den Mannschaften des sog. Beurlaubtenstandes gehört. Als solcher hat er eine Reihe von Vorschriften insbesondere über das militärische Meldewesen zu beachten, die bei Nichtbeachtung sogar Freiheitsstrafen nach sich ziehen können. So haben sich z. B. die Mannschaften, die aus dem aktiven Dienst entlasten werden, spätestens 14 Tage nach ihrer Entlassung bei der Kontrollstelle (Hauptmeldeamt, Meldeamt, Bezirksfeldwebel) anzu- melden. Diese Meldung ist auch dann erforderlich, wenn der Entlaffene an dem Standorte seines bisherigen Truppenteils bleibt. Mannschaften, die innerhalb des Kontrollbezirks ihren Aufenthaltsort wechseln, haben dies innerhalb 14 Tagen zu melden, desgleichen ist jede veränderte Wohnungsbezeichnung als Folge geänderter Straßennamen und Hausnummern innerhalb 14 Tagen zu melden. Wer aus einem Kontrollbezirk in einen andern verzieht, hat das wiederum mit einer Frist von 14 Tagen anzuzeigen. Beurlaubte, die im Auslande ihren Aufenthaltsort nehmen, haben geeignete Vorkehrungen zu treffen, daß dienstliche Befehle ihrer Vorgesetzten und namentlich Gestellungsbefehle ihnen jederzeit zugestellt werden können. Die An- und Abmeldungen können mündlich oder schriftlich erfolgen. Im Frühjahr findet im Monat April für alle Reservisten und im Herbst meist im Monat November eine Kontrollversammlung statt. Die zu Kontrolloer- sammlung berufenen Mannschaften stehen für den ganzen Tag, an dem die Kontrollversammlung statt- findet, unter den Militärgesetzen. Jeder Reservist ist zur Teilnahme an zwei Uebungen bis zur Dauer von je 8 Wochen verpflichtet. Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontrollversammlungen hat Arrest zur Folge. Die Nichtbefolgung der Einberufung zu Uebungen wird als unerlaubte Entfernung hart bestraft. Nach der Entlastung aus dem aktiven Militär- dienste können Ansprüche auf Jnvalidenoersorgung nur auf Grund erlittener Dienstbeschädigung erhoben werden. Bei Anbringen dienstlicher Gesuche und Beschwerden sind die Mannschaften des Beurlaubtenstandes verpflichtet den vorgeschriebenen Dienstweg einzuhalten. Gesuche an den Kaiser und König dürfen von Unteroffizieren und Soldaten des Beurlaubtenstandes nicht unmittelbar, sondern nur durch Vermittlung des Bezirksfeldwebels eingereicht werden. Wer seinen Paß verliert, hat sogleich bei feiner Kontrollstelle mündlich oder schriftlich die Ausstellung eines neuen zu beantragen und dafür 50 Pfennig zu vergüten.
* (Falsche Goldstücke!) Geschickt gefälschte Zwanzigmarkstücke wurden in verschiedenen Orten - so wurde aus Fulda ein Fall bekannt _— tn der letzten Zeit angehalten. Die Faljchstucke Nudm der Werfe hergestellt, daß echte Münzen quer durchjagt wurden. Dann ist ein Teil des Goldes herausgenommen und durch ein dünnes Kupferblech ersetzt worden. Die Prägeseite ist also echt, und nur am Rande und am Klang sind die Falschstücke zu erkennen. Außerdem haben sie auch beträchtlich leichteres Gewicht als die echten Doppelkronen. ,
* (Keine nervösen Damen im Ersenbalindi e nst.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten erinnert ut einem kürzlich ergangenen Erlasse daran, daß bet der Annahme (weiblicher Arbeitskräfte nur gesunde und durchaus kräftige Personen zu berücksichtigen sind, die den Anforderungen auch in körperlicher Hinsicht in vollem Umfange genügen. Blutarme, bleichsüchtige oder nervös veranlagte Bewerberinnen, sowie solap. mit schwächlichem Körperbau sollen daher grundjatzuch ausgeschloffen werden. ,. . „
* (Dic Land kran kenha user i n Kur - Hessen.) Im Jahre 1912 sind in den Landkranken- Häusern bezw. Jrrenheil- und Pflegeanstalten Kur-
Heffens insgesamt 14167 Personen verpflegt worden. Die Gesamtkosten der Verpflegung ausschließlich der Verwaltungskosten betrugen 1347 791.04 Mk., ersetzt sind hiervon 1436 700 Mk. Gestorben sind hiervon 570 Personen. Die Pfleglinge verteilen sich auf die einzelnen Landkrankenhäuser: Castel 4187, Eschwege 622, Fulda 2780, Hanau 2091, Hersfeld 1186, Rinteln 406, Schmalkalden 651; Jrrenheil- und Pflegeanstalten: Marburg 663, Haina 884, Merxhausen 897.
):( Hersfeld, 25. Sept. Berichtigend teilen wir mit, daß die Herren von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. im Hotel Hohenzollern übernachtet haben.
):( Hersfeld, 25. September. Der Herr Landrat weist wiederholt darauf hin, daß der im Bau begriffene Wegedamm Niederaula — Mengs- hausen sowie die neue Brücke über die Fulda für den Verkehr noch nicht benutzt werden darf. Für Lastfuhrwerke ist die Straße überhaupt gesperrt, mährend für Fußgänger und leichtes Fuhrwerk ein Notsteg vorhanden ist.
§ Hersfeld, 25. September. Die Regierungsbehörden führen Klage, daß von vielen unteren Verwaltungsbehörden und Polizeiverwaltungen, Standesämtern usw. jedem selbständigen Handwerker der M e i st e r t i t e l beigelegt werde, ohne zu prüfen, ob der Handwerker zur Führung des Titels auch berechtigt ist. Es ist deshalb darauf hingewiesen worden, daß die Behörden verpflichtet seien, gegen jede unbefugte Führung des Meistertitels einzuschreiten. Der Meistertitel soll für jeden Handwerker der ihn rechtskräftig erworben ein Ehrentitel sein und nicht mißbräuchlich Handwerkern beigelegt werden, die zur Führung desselben kein Recht haben.
):( Hersfeld, 25. September. Nach einer Bekanntmachung des Herrn Landrats sind die Ortspolizeibehörden unseres Kreises ermächtigt, mit Rücksicht auf die ungünstige Witterung der letzten Zeit am nächsten Sonntag den 28. d. Mts. die Vornahme von Ernte arbeiten, außer während der Zeit des Hauptgottesdienstes, allgemein zu gestatten.
Veränöerungen auf. 6.52 hier abgeheude
):( Hersfeld, 25. September. Im amtlichen Teil der heutigen Nummer wird der W i n t e r f a h r p l a n derHersfelderKreisbahn, dervom 1. Oktober d. J. bis 31. März n. I. gültig ist, veröffentlicht. Derselbe weist gegen den Sommerfahrplan einige Veränderungen auf. Der nur an Werktagen um 6.52 hier abgeheude Zug kommt iu Wegfall, dafür wird der um 8.00 Uhr abgehende sowohl an Sonn- wie an Werktagen bis Heimboldshausen durchgeführt. Der nächste Zug geht dann um 9.45 Uhr vormittags hier ab, lAtö zwar nur bis Scheuklengsfeld, jedoch nur an Werktagen. Die Abfahrtszeit des Abendznges
6.15 Uhr ist auf 7.35 Uhr verlegt. Dieses wird den Winter über der letzte Zug sein, da der seither um 10.35 abends abgehende in Wegfall kommt. Auch in den Ankunftszeiten auf dem hiesigen Bahnhof sind verschiedene Aenderungen eingetreten. Der seither an Werktagen 5.40 Uhr morgens eintreffende Zug kommt dann um 6.45 Uhr. Der um 4.48 Uhr nach
mittags ankommende Zug fällt weg, wofür um 6.36 Uhr abends ein Zug eintrifft. Der 8.15 Uhr abends in Heimboldshausen abgehende Zug, der um 9.25 Uhr hier eintraf fällt im Winter aus, es wird dafür ein Zug um 9.55 Uhr abends von Heimboldshansen abgehen, der jedoch nur bis Schenklengsfeld führt. — Die Abfahrtszeit des Sonntag Nachmittagzuges um 2.23 Uhr bleibt auch im Winter bestehen.
):( Hersfeld, 25. September. (Schöffengcrich t). Wegen Körperverletzung, begangen an einem alten Arbeiter, erhielt ein hiesiger Fuhrmann 14 Tage Gefängnis. — Ein 15jähriger Bursche aus Friedlos, welcher wegen Sachbeschädigung angeklagt war, wurde wegen Mangel an Beweisen freigesprochen. — Eine andere Sache mußte wegen Nichterscheinens des Angeklagten vertagt werden. — Ein Fabrikarbeiter aus Kalkobes hatte eines Nachts eine große Holzpritsche auf die Straße gelegt, so daß dieselbe für den freien Verkehr ein Hindernis bildete. Hierdurch vernn- glückten zwei Radfahrer. Der Täter erhielt nun wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und groben Unfugs zwei Wochen Gefängnis. — Wegen Diebstahls wurde eine frühere Arbeiterin von einem benachbarten Gute mit 5 Tagen Haft bestraft. — Ein hiesiger Arbeiter wurde wegen Beamtenbeleidigung zu 16 Tagen Gefängnis verurteilt. — Außerdem wurden noch zwei Privatklagesachen verhandelt.
Volkmarsen, 23. Sept. .Heute mittag verunglückte der 23jährige Sohn des Landwirts B. in Kälte. Beim Abladen von Langholz fiel dem jungen Mann eine Tanne auf den Kopf. Der Verunglückte erlitt einen Schüdelbruch und liegt im Krankenhaus zu Arolsen hoffnungslos darnieder.
Runkel, 23. September. In dem Dorfe Schupbach
wurde der 12jährige Knabe Oswald Nickel unter einem Pferde mit zerschlagenem Schädel aufgefunden.
Schmalkalden, 24. September. In Schnellbach brach heute früh 4 Uhr durch Unvorsichtigkeit eines Knechtes im Heuboden des Gastwirts Stabiler Feuer aus. Wirtschaft, Scheune, Stall und Tanzboden Stadtlers sowie die Anwesen des Schmiedes Baumbach und des Ackerers Hessenmüller wurden vollständig eingeäschert. Das Vieh konnte sämtlich, das Mpbiliar größtenteils gerettet werden. Zwei Feuerwehrleute erlitten bei den Löfcharbeiten schwere Verletzungen. Der schuldige Knecht ist geflüchtet. Der Schaden des Feuers beträgt nach vorläufiger Schätzung 70 000 Mark.
Frankfurt a. M., 24. September. In der Nähe der Station Biblis hat sich heute Nacht von einem aus der Richtung von Frankfurt kommenden Zuge das Bahnwärterehepaar Valentin Seys überfahren lassen. Ein Grund für die Tat des Ehepaares ist bis jetzt nicht bekannt.
Berusswahlberatung.
Die Abteilung der Regierung für Kirchen- und Schulwesen in Düsseldorf hat — wie die Presse kürzlich berichtete — eine nachahmenswerte Verfügung erlassen. Sie hat die Lehrer darauf hingewiesen, sich mit den Schülern der Oberklaffen der Volksschulen wegen ihrer Berufswahl eingehend zu beraten und sie vor allem auf den Handwerkerberuf aufmerksam zu machen.
Es ist zu bedauern, daß derartige Verfügungen nicht schon längst und überall erlassen worden sind, denn es ist höchste Zeit, daß dem widersinnigen Hindrängen nach dem „höheren Berufe" tatkräftig auch von Seiten der Behörden entgegengearbeitet wird. Die Schulbehörden sollten sich aber keineswegs nur darauf beschränken, in den Oberklassen der Schulen Berufswahlberatungen anzuordnen, sondern ebenso wichtig ist eine Berufswahlberatung und gleichzeitige Bekämpfung der Landflucht in den Fortbildungsschulen. Besonders müßte zunächst auf die naheliegenden Ursachen der weitverbreiteten nnd immer mehr überhandnehmenden Arbeitslosigkeit in den Großstädten eingegangen werden. Man müßte dem Fortbildungsschüler klar machen, welches Ungemach den Durchschnittsarbeiter, sobald er älter wird, erwartet, wenn er sich durch den scheinbar hohen Verdienst nach dorthin locken läßt. An der Hand vergleichender Zahlen und Berechnungen muß er erfahren, zu welchen Ausgaben der großstädtische Arbeiter gezwungen ist, die der Landarbeiter nicht zu machen braucht. Es müßten ferner klipp und klar aus der Statistik heraus die Verhältnisse über Wohnungsweise, Gesundheit und Lebensdauer vor Augen geführt, und nicht zuletzt auch die Einkommens- und Verbrauchs- verhältnisse zwischen Großstadt- und Landarbeiter zahlenmäßig verglichen werden. Der Rechenunterricht ist ganz besonders geeignet auch zu solchen Aufklärungen. Zur tieferen Einprägung ins Gedächtnis müßte man die Klasse alle Vergleichsweisen Berechnungen selbst vornehmen lassen. Geweckte Schüler können auch Gelegenheit erhalten, in die einschlägigen amtlichen Statistiken unter Anleitung des Lehrers Einblick zu nehmen. Das stärkt das Vertrauen in die Ausführungen des Lehrers und ist notwendig, denn es läßt sich nicht verhehlen, daß auch schon von unseren Fortbildungsschülern — besonders der Arbeiterkreise — alles, was den Anschein hat, auf Be- kämpfung der Sozialdemokratie und Rücklenkung der Jugend in vernünftige Bahnen hinauszulaufen, mit einigem Mißtrauen ausgenommen wird. Es könnte unserem Volke wahrlich nur zum Segen dienen, wenn der von Staat und Gemeinde beamtete Lehrer den Irrlehren und Begriffsverwirrungen staats- und ordnnngsfeindlicher Hetzer auch in den Fortbildungsschulen entgegentritt und die Tatsachen zahlenmäßig und anfklürend richtig stellt. Wer über Vaterland und Obrigkeit und Ordnung in ernster Weise mit der Begeisterung der Wahrheitsliebe spricht, treibt nicht Politik, ist aber ein getreuer Eckart seiner Schüler.
Wenn sich alle maßgebenden Faktoren zu solcher Arbeit aufraffen und ohne Furcht vor den Angriffen radikaler und revolutionärer Schul- und Partei- männer ihre Arbeit mit Nachdruck nnb Liebe betreiben, dann können unter Mithilfe der inneren Kolonisation die Landarbeiterfrage, die Arbeitslosen- frage und auch die Frage über die Zuwanderung fremdländischer Arbeiter besser gelöst werden, als dies jetzt möglich ist.
Briefkasten.
Herrn S. in H. Ein Abonnement auf eine Zeitung kann vor Beginn des neuen Quartals jederzeit ohne Kündigung abbestellt werden.
Wetterausfichten für Freitag den 26. September.
Meist heiter und trocken, tagsüber warm, stellenweise Nachtfröste, Morgennebel.