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Die Trinksprüche in Paris.

Worte artiger Höflichkeit.

Nun sind in Paris die mit einiger Spannung er­warteten Trinksprüche zivischen dem König von Grie­chenland und dem Präsidenten der Republik gewechselt worden, und die Pariser können befriedigt aufatmen. Am Sonntag vormittag hatte König Konstantin den Mi- nister des Aeußeren Pichvn empfangen und hatte mit ihm eine Unterredung gehabt, die etwa vierzig Minu­ten dauerte. Hierauf frühstückte der König im Etysee, wo ihm militärische Ehren erwiesen wurden. Es wurde die Königshymne gespielt. Der König überreichte dem Prä­sidenten Poincaree das Großkreuz des Erlöserordens. An dem Frühstück nahmen u. a. der Ministerpräsident, die Minister des Aeußeren und des Krieges und Ge­neral Eydoux, welch letzterer in Griechenland als In­strukteur geweilt hatte, teil. Im Verlaufe des Früh­stücks im Elysee brächte Präsident Poincaree einen Trinkspruch aus, in dem er sagte: Indem ich Eurer Majestät die besten Willkommwünsche darbringe, habe ich das große Vergnügen, der edlen hellenischen Nation vor ihrem erhabenen Herrscher den Ausdruck der Gefichle Frankreichs zu erneuern. Nichts, was das tapfere griechische Volk berührt, hat Frankreich jemals gleichmütig gelassen. Es freut sich, zwischen Ihren Offizieren und den unsrigen enge Bande der Kamerad­schaft sich knüpfen 51t sehen. Es hat dem Heldenmut und dem Erfolge der schönen Truppen Eurer Majestät Bei­fall gezollt. Es nahm an Ihrer Trauer wie an Ihrer Freude teil und gestern noch betrauerte es mit Seiuer Majestät und mit dem ganzen Griechenland den grau­samen Verlust des Herrschers, dessen treue Freundschaft es erfahren hatte, und der mir im letzten Jahre so lie- venswürdig selbst für die tätige Anteilnahme dankte, von der Frankreich ihm wiederholte Beweise gegeben hatte. Ich bitte Eure Majestät zu glauben, daß Frauk- veich, denen Gefühle unveränderlich sind, für Griechen­land der loyale und sichere Freund bleibt, der es war.

König Konstantin antwortete u. a.: In guten wie in bösen Tagen ihrer Geschichte ist die griechische Nation immer auf die Sympathie und die Unterstützung der großen französischen Nation gestoßen. Neuerdings noch hat Frankreich während zweier Kriege großmütig die Mission übernommen, über die Sicherheit meiner Landsleute zu wachen, und in dem Augenblick, wo schwere Fragen sich erhoben, welche die Lebensinteressen Grie­chenlands berührten, war es Frankreich, das, immer be­reit die Sache der Gerechtigkeit und der Freiheit zu unterstützen, die Initiative ergriff, die Rechte meines Volkes zu verteidigen. Dank der unermüdlichen Sorge meines verewigten Vaters, dessen Gedächtnis Sie in Worten erwähnt haben, die mich tief gerührt haben, ist Griechenland, ungeachtet so vieler Schwierigkeiten, auf Dem Wege des Fortschritts und der Gesittung weiter gegangen. JmBewutztsein seiner Kräfte und seiner Rech­te hat es sich vorbereitet für den Kampf, aus dem es grö­ßer und geachteter hervorgegangen ist. Und in dieser letz­ten Vorbereitung hat es noch einmal die Hilfe Frank­reichs genießen dürfen. Die Regierung der Republik hat die Freundlichkeit gehabt, Griechenland eine aus her­vorragenden Offizieren aller Waffen zusammengesetzte Mission zu bewilligen, die unter der Leitung des Gene­rals Eyöoi^ mit Sachverständnis, Arbeitseifer und hin­reißender Begeisterung an ihre Aufgabe gegangen ist, und der meine Hochachtung zu bezeugen mir ganz beson­ders angenehm ist. Ich bitte Sie, Herr Präsident, zu glauben, daß ich die Gefühle tätiger Anteilnahme, von der Frankreich Griechenland so viele Beweise gegeben hat, höchlich schätze, und daß ich den größten Wert lege aus die Erhaltung und die Entwicklung der Bande tradi­tioneller Freundschaft, welche die beiden Länder einigen.

Zena Im Urteil der Presse.

Blätterstimmen zum sozialbemokratifcheu Parteitage.

Die Jenaer Tagung der sozialdemokratischen Par­tei hat in der bürgerlichen Presse eine in den Haupt­punkten übereinstimmende Beurteilung gefunden: alle bürgerlichen Blätter stimmen darin überein, daß der Revisionismus Sieger in den Verhandlungen geblieben. Im einzelnen schreibt die konservative Kreuzzeitung: Im ganzen machte die Jenaer Tagung nicht den Ein­druck einer Zusammenkunft wilder Revolutionäre. Der Ton war matt, die Verhandlungen meist langweilig. Es fehlte die dramatische Zuspitzung scharfer Gegensätze. In der Massenstreikfrage standen die Parteien ziemlich auf dem gleichen Standpunkt, die Spaltung ging auch nicht auf der alten Scheidelinie zwischen Radikalen und Revisionisten. Es geht eben heutzutage den Arbeitern leidlich, und das färbt auf die Stimmung des Partei­tages ab. Die freikonservative „Post" schreibt unter der Ueberschrift: „Die Woche der Schwätzer": In seinem Schlußwort meinte der Vorsitzende Ebert: Der Partei­tag hat die Gegner enttäuscht. Herr Ebert irrt: Er hat uns nicht im geringsten enttäuscht. Solange solche

3ml Hirten an einem Stengel

Roman von A. von Lillencron.

D Nachdruck verboten.

Ein strahlender Oktobertag war es, herbstlich schön, im bunten Blätterschmuck erschien der Wald, der von zwei Seiten das Dorf Hennigbach in der Ober-Lausitz umschloß, und auf beffen Stämmen jetzt die Abendsonne glühte. Etwa zehn Minuten vom Dorf entfernt lag ein Basaltsteinbruch, in dem noch fleißig gearbeitet wurde. Das Picken und Hämmern schallte weithin, und dazwischen dröhnte das Prasseln der Steine, wenn sie, von der Wand losgelöst, auf den Boden rollten.

Am Waldrande, da wo der Weg aus dem Städtchen mündete, stand die blonde Kathi aus Hennigbach und stellte eben den schweren Henkelkorb, den sie'getragen hatte, ne­ben sich hin. Es war ihr heiß geworden beim Gehen, und sie lüftete das hellgeblümte Kattuntuch, das sie um den Kopf geschlungen hatte, und strich die häufen Löckchen zu­rück, bie der Wind ihr in die Stirn jagte. Die braunen Rehaugen glitten flüchtig über das Dorf hin und blieben dann nachdenklich an der steilen Wand des Steinbruchs haften. Wie künstlich aufgemauerte Pfeiler drängte sich da Säule an Säule des schwarzen Basalts aneinander, und vom Abendscheine rot überhaucht, bot der Bruch jetzt ein überaus reizvolles Bild. Doch nicht das war es, was oen Blick des Mädchens fesselte, sondern eine schlanke, kraftvolle Gestalt, die die neben ihm arbeitenden Kame­raden fast um einen halben Kopf überragte.

Hans Ruland war es, der Sohn eines kleinen Häuslers aus dem Nachbardorfe Spreewitz, einer der tüch- tigsten und zuverlässigsten Arbeiter im Bruche, dem der Aufseher, trotz seiner jungen Jahre, schon hin und wieder eine gewisse Vertrauensstellung einräumte.

Er stand auf einem Absätze der Wand und trieb mit wichtigen Schlägen den spitzen Eisenklotz tief in die Fu- ien der BasaltWMd M. Krachend ÄU sich M AM

Köpfe Politik machen, hat es mit dem Zukunftsstaat noch gute Weile. Inzwischen wird es sich empfehlen, weniger auf die Führer zu achten als auf die Ver­führten. Die „Tägliche Rundschau" meint: Die Sozial- oemvkratie befindet sich in einer schweren Krisis, die man von bürgerlicher Seite durch Geschlossenheit und kraftvolle Gegenwehr beeinflutzen. aber durch keinerlei Gewaltexperimente stören sollte. Die liberale „Bossische seiht««" urteilt: Dieser Parteitag ist der erste große ieg des Revisionismus. Es war der erste Parteitag ohne Bebel. Aber selbst wenn dieser große Führer noch gelebt und geredet hätte, es wäre nicht viel anders ge­kommen. Denn auch Bebel hat sich gemausert. Der liberale „Börsen-Courier" schreibt: Die Regierung sollte aus der in Jena besiegelten Entwicklung der Sozial- demokratie zu einem gesetzgeberischen, parlamentarischen Faktor lernen, daß sie diese langsam sich vollziehende Wandlung der „Umsturzpartei" nicht durch Unterstützung reaktionärer Gelüste wieder aufhält oder znrückwtrft und damit die Millionen deutscher Staatsbürger, die nun einmal hinter der Sozialdemokratie stehen, in poli­tisch unfruchtbare Stimmungen hineintreibt Das „Ber- liuer Tageblatt" sagt: Dem entschieden liberalen Teil des Bürgertums ist das taktische Zusammengehen mit der sozialdemokratischen Partei erleichtert, sei es, um den Einfluß der reaktionären Parteien auf Gesetzgebung und Verwaltung einzuschränken, sei es um ein großes Ziel, wie das freie Wahlrecht für Preußen in gemein­samer Front durchzusetzen.

Politische Rundschau«

Durch die neue Heeresvorlage sind am 1. Oktober 1913 insgesamt 38 467 Mann mehr einzustellen, als bis­her und zwar 21835 Mann bei der Infanterie, 4487 Mann bei der Kavallerie, 4533 Mann bei der Feldartil­lerie, 3308 Mann bei der Fußartillerie, 1576 Mann bei den Pionieren, 1544 Mann bei den Verkehrstruppen und 1184 Mann beim Train. Außerdem kommen neu zur Einstellung 8625 Reitpferde und 6070 Zugpferde. Die Gesamt-Etatsstärke des deutschen Heeres wird vom 1. Oktober 1913 betragen: 31459 Offiziere, 2480 Sani­tätsoffiziere, 865 Veterinäre, 1593 Zahlmeister, 1234 mi­litärische Beamte, 107 794 Unteroffiziere, 647 793 Mann, zusammen also 793 288 Mann.

Der sozialdemokratische Parteitag in Jena ist am Sonnabend geschlossen worden. Die Borstandswahl er­gab mit ziemlicher Einstimmigkeit die Wahl Haases und Eberts als Vorsitzende. Angenommen wurde u. a. noch ein Antrag, der die preußische Landtagsfraktion auffor- dert, dahin zu wirken, daß der Austritt aus der Landes­kirche kostenfrei sei. Abgelehnt wurde ein Antrag, daß der Parteitag nur alle zwei Jahre stattfindet, sowie ein weiterer, daß der nächste Parteitag das Thema „Staat und Kirche" auf die Tagesordnung setzen solle. Die Wahl des Ortes für den nächsten Parteitag soll dem Parteivorstand überlassen werden. Danach sprach der Vorsitzende die üblichen Dankesworte. Er benutzte sie, um die Massenstreikresolution dahin zu interpretieren, daß in ihr der feste Wille zum Ausdruck komme: Ent­weder es gibt in Preußen eine Wahlrechtsreform oder es gibt einen Massenstreik.

Nach dem luxemburgischen das Belforter „Loch". Der Pariser „Excelsior" schildert die Lage an der deutsch-französischen Grenze und sagt: Alles deutet darauf hin, daß Deutschland daran denkt, große Trup- penmassen in der Gegend von Belfort anzufammeln. Die Aufmerksamkeit der deutschen militärischen Kreise ist darauf gerichtet, eine französische Offensive im Elsaß zur Unmöglichkeit zu machen. Dort gerade, wo die fran­zösische Armee leicht einfallen und von der eingeborenen Bevölkerung mit großen Sympathien empfangen wor­den wäre, von wo cms^ie die Verproviantierung Süd- deutschlands hätte abschneiden können, dort gerade wird ihr ein Einfall unmöglich gemacht. Das neue 21. deutsche Korps in Saarbrücken ist bestimmt, die Hauptarmee zu werden oder aber den äußersten linken deutschen Flügel (16. und 15. Armeekorps) zu verstärken. Es ist also die allerhöchste Zeit, baß Frankreich mit der Errichtung eines neuen Armeekorps Ernst macht. Es ist dies das unbedingte Mindestmaß, das die Interessen des fran­zösischen Volkes garantieren kann.

Die Armeemanöver des englischen Heeres finden vom 22. bis 26. ö. Mts. in der Gegend südöstlich Bir­mingham statt. Dabei werden nicht etwa gleich starke Parteien gegeneinander, sondern fast alle Truppen ge­gen einen markierten Feind operieren. Dieser wird durch eine Territorialdivision gebildet. Die „Weißen" stellen eine Jnvasionsarmee dar, deren Angriff die markierten „Braunen" abwehren sollen. Die oberste Leitung hat Feldmarschall French in seiner Eigenschaft als Chef des Generalstabes und erstes Mitglied des Kriegsrates. Die angreifende Partei wird auf zwei parallelen Straßen vormarschieren. Besondere Auf­merksamkeit wird dabei dem kriegsmäßigen Nachschub und der Leistungsfähigkeit der Kraftfahrkolonnen zu-

und links die Pfeiler, und eine beträchtliche Anzahl mäch- tiger Steine rollte dröhnen dherab.

„Gelt, das lohnte!" rief der Bursche ben Kameraden zu, und auf seinem frischen Gesicht lag dabei ein Ausdruck stolzer Zufriedenheit; er fühlte sich so glücklich im Bewußt­sein seiner Leistungsfähigkeit und reckte seine geschmei­dige Gestalt.

Das Mädchen drüben am Waldrande schien noch im- mer zu zögern, ob sie ben Weg nach dem Dorf oder nach dem Steinbruch einschMen sollte. Da aber tönte von dort her ein langgezogener lauter Pfiff, ein Zeichen, daß nun Feierabend gemacht werden sollte. Jetzt war auch die blonde Kathi zum Entschlüsse gekommen; rasch hatte sie ihren Korb ausgenommen, und mit den elastischen Bewe­gungen, die ihr eigen waren, eilte sie dem Bruche zu.

Dort kamen eben die Arbeiter heraus, ihr Handwerks­zeug über der Schulter; das Mädchen mäßigte nun den raschen Schritt, und gemächlich, als hätte sie nicht die Sehnsucht hierhergetrieben, wanderte sie den Fußsteig ent­lang, der aus dem Bruch in die Felder führte.

Da überholte sie ein rascher Schritt, und eine Hand griff von hinten nach ihrem Korbe.

Sie wandte sich zurück. „Hans!"

Zwei junge Augenpaare tauchten ineinander und grüßten sich aufleuchtend in heimlicher Freude.

Er wußte wohl, daß sie um seinetwillen den Umweg über den Bruch eingeschlagen hatte, aber er machte keine Bemerkung darüber, denn sie hätte es ja doch nicht zugege­ben; darüber täuschte er sich nicht, er kannte sie ja zu genau. So meinte er denn nur, indem er den Korb in der Hand wog: „Mädel, das ist zu schwer für Dich, ich werde Dir das Ding da nach Hause tragen."

Sie hatte ein flinkes Zünglein, die Kathi Amrum, aber wenn sie dem Hans begegnete, so pflegte ihr im er­sten Augenblick das Herz so gewaltig zu klopfen, daß es ibr dabei ganz kurios zu Sinn lyMe, und sie nicht gleich das 1Ä Wsrt ^M^

gewendet werden. Vier Luftschiffe und vierzig Flugi zeuge sollen, auf beide Parteien verteilt, an den Mw növern tetlnehmen.

Kleine Oadiriditen« ,

Das Marineluftschiff „L. 2", das Sonnabend nach­mittag 4 Uhr 30 Minuten nach erfolgreicher Fahrt in Johannisthal gelandet ist, wurde auf Grund der Probe­fahrtsergebnisse von der Abnahmekommission in den Besitz der Kaiserlichen Marine übernommen.

Bilderschmuck im Eisenbahnwagen. Der erste Btl- derschmuck ist nunmehr in den Eisenbahnabteilen der durchgehenden Züge, die vom Anhalter Bahnhof in Berlin abgelassen werden, angebracht worden. Es han­delt sich in erster Linie um Städtebilder, um Ansichten von Gaffel, Düsseldorf, Heidelberg, Leipzig, Mannheim und Stettin.

Auf beiden Augen erblindet. In Hatda in Böhmen drückte, wie man uns von dort berichtet, ein Schüler eine sogenannte Schreckpistole so nahe am Gesicht eines Kameraden los, daß dieser infolge des Schusses auf beiden Augen erblindete.

Sträflinge als Banknotenfälscher. In Peterhead in der Grafschaft Aberdeen (Schottland) wurden seit eini­ger Zeit falsche Noten der Bank von England in Um­lauf gesetzt. Sie kamen, wie sich jetzt herausstellt, aus der dortigen Strafgefangenenanstalt, wo sich eine An­zahl von Sträflingen eine Notenpresse eingerichtet hatte.

Ein neues Beispiel französischer Disziplin. Wie aus Aurillac gemeldet wird, griffen dort drei Soldaten des 139. Infanterie-Regiments einen auf der Straße promenierenden Herrn ohne jede Veranlassung an und verletzten ihn. Dann stürzten sie sich auf einen Unter­offizier, als dieser sie verhaften wollte. Sie flüchteten und verwundeten schließlich einen sie verfolgenden Gen­darmen, als dieser im Begriff stand, sie zu fesseln. Schließlich gelang es einer Anzahl von Schutzleuten, die drei Soldaten zu verhaften.

Der englische Zeppelin. Das neue englische lenk­bare Luftschiff „Astra Torres" hat in Farnborough seine Probefahrten absolviert und, wie offiziell bekannt ge­geben wurde, einen Schnelligkeitsrekord aufgestellt. Es flog mit einer Geschwindigkeit von 81,76 Kilometer m der Stunde, also 1% Kilometer schneller als der schnellste Zeppelin, und 16 Kilometer schneller als irgend ein anderes britisches Luftschiff. — Nach den bisherigen Mißerfolgen der englischen Lenkbaren wird man die Rekordleistungen des neuen Luftschiffes zunächst noch bezweifeln müssen.

Zirkusrebner und Staatssekretär Bryan. Sonntag abend hat der amerikanische Staatssekretär Bryan seine erste Rundreise mit der Varieteetruppe beendet. Er sagte, er habe 6500 Dollars verdient und fügte hinzu, daß er dieses bekannt gebe, weil sich die Presse so ein­gehend mit ihm beschäftigt habe. Er fügte hinzu, er wie­derhole nochmals, daß er 8000 Dollars zu seinem L-taats- sekretärgehalt jährlich hinzuverdienen müsse und werde sich sofort einer neuen Truppe anschlietzen.

Berliner Spielklubs ausgehoben. In der Nacht zum Sonntag wurden von der Berliner Kriminalpolizei zwei Spielklubs ausgehoben. Geld und Spielapparate wur­den beschlagnahmt und die Namen der Spieler, unter denen sich eine Anzahl als Spieler bekannter Personen befindet, festgestellt. , .

Bergmannstod. Auf der Zeche „Teutoburgia" bei Gerne in Westfalen wurden drei Arbeiter durch einen Sturz in den Schacht getötet.

Tödlicher Sturz auf der Radrennbahn. Bei dem Radrennen in Halle stiirzte am Sonntag der Rennfahrer Lange und schlug mit dem Kopfe so hart auf den Zement­belag der Bahn aus, daß er sich die Schäbeldecke zer­trümmerte. Er liegt gegenwärtig im Krankenhaus hoff­nungslos darnieder.

Todessturz vom Rigi. Auf einer Tagestour auf den Rigi mit ihrem Bruder stürzte am Heuberg in der Nähe des Rigifirstes eine neunzehnjährige Dame aus Schlett- stadt aus 60 Meter Höhe ab und war sofort tot.

Gericht und Recht«

Für 100- bis 160 000 Mark Aufträge bei 10 Mark Tagesspesen. Der gewiß seltene Fall, daß ein Ange­klagter wegen Unterschlagung von 20 000 Mark nur zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und außerdem aus eigener Initiative von dem Gericht der Begnadigung empfohlen werden konnte, trug sich in einer Verhand­lung zu, die die 10. Strafkammer des Berliner Land­gerichts beschäftigte. Angeklagt war der Reisende Max Scholer. Die Verhandlung entrollt eine Art Leidens­geschichte eines Geschäftsreisenden, der trotz anerkannter Tüchtigkeit und großer Aufträge mit einem so lächerlich geringen Spesenzuschuß auf die Reise geschickt worden war, daß er, um überhaupt tätig sein zu können, sich an den Jnkassogelöern vergriff. Der Angeklagte trat vor 13 Jahren als Handlungsgehilfe bet einer Drogen- engrosfirma ein. Seit dem Jahre 1907 wurde er als

Sie nickte daher auch nur und versetzte erst nach einer kleinen Pause: „Hab schönen Dank, es is allweil sehr fründlich von Dir, daß Du Dich damit schleppen willst. Gelt, Du kommst noch mit bis ins Häusel und schaust bei uns ein?"

Er hatte nicht übel Lust dazu, aber er wollte sich noch bitten lassen. „'s ist schon spät, ich muß selbsten heim. Mutierten zankt, wenn die Tüffken kalt werde, die sie zum Abend gekocht hat."

Das Mädchen blinzelte ihn von der Seite an, ihre Stimme klang schmeichelnd, als sie bat, „kumm nur, wenn Du hernach tüchtig federst, dann kunnst noch bizieten da- hem sin."

Er schmunzelte. „So — meinst?" Und nun sahen sie einander in die Augen — lachend — strahlend, — und das helle Glück jubelte daraus. Der Bursche hielt ihr die Hand hin. „Na, denn man tau, Kathi, schlag in! Wir zwei gehöre doch all'weil zusamme, wie der Schulmeister schon ommer mint, als wir noch so a paar kleine Stifte wäre und die Schulbank drückte."

Sie nickte seelenvergnügt. „Zwei runde Kirschen an inem Stengel, so spaßte er, weil wir beid solch a paar kleine dicke Stöpsel wäre und uns immer bi der Hand hiel­ten." Wie sie das gesagt, lachte sie hell auf, und das klang wie lustiges Vogelgezwitscher. Dann aber reckte sie sich, machte ein ernsthaftes Gesicht und erklärte, „das is nun all vorbi, jetzt sein wir lang und schlank. . ."

„Aber doch noch an inem Stengel," unterbrach er sie, griff nach ihrer Hand, die sie ihm wieder entzogen hatte, und hielt sie fest, während sie im dämmerigen Walde da- hinschritten.

Kathi gab ihm keine Antwort, sie hatte das Gesicht das in Purpur glühte, zur Seite gewandt, aber sie machte jetzt keinen Versuch mehr, ihre Hand aus der seinen zu lösen.