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Nachmittage dieses 25. Februar ein Doppelgrab gegraben, am Nordende der Ruhestätte der Toten.

Als eS dunkelte, legte der Totengräber die Schaufel bei­seite. Er war fertig und wartete. Die Augen waren ihm feucht; denn das Schicksal der beiden, die hier ruhen sollten, ging ihm nahe.

Gleich darauf öffnete sich daS Tor des Kirchhofs, und Männer in dunklen Mänteln trugen zwei Särge herein. Sie brachten sie langsam bis an das offene Grab und setzten sie aus der Bahre nieder, die über dem Grabe stand. Dann senkten sie die Särge ein, schaufelten Erde daraus und wölbten einen Hügel darüber.

Nachdem alles vollendet war und die Männer den Fried­hof verlassen hatten, öffnete sich noch einmal die Pforte, und zwei Frauen, in tieseS Schwarz gehüllt, schritten langsam auf daS frische Grab zu.

Prediger Giesel begleitete sie.

Am Hügel legten sie Kränze nieder und knieten dann lange, mit ihrem Angesicht zur Erde geneigt, aus dem frischen Grabe.

Schweigend und ihren Schmerz ehrend, stand der Prediger dabei. Endlich aber berührte er ihre Schultern.

„Wir müssen gehen," sagte er leise.

Sofort erhoben sich beide.

„Tausend Dank für alle Ihre Hülse, Herr Prediger," sagte Ermentrud. „DaS werden wir Ihnen nie vergessen."

„Werden wir ein Kreuz aus dem Grabe errichten dürfen?" fragte Hilda.

„Jedenfalls will ich die Erlaubnis dazu erwirken, sobald Küstrin wieder in preußischen Händen ist. DaS verspreche ich Ihnen," entgegnete der Prediger.

Noch einen letzten, langen Blick warfen die Schwestern aus die Gräber. Dann verließen sie Hand in Hand die Ruhestätte der Toten.

Schluß.

Uerniiscbtes.

— Bern, 17. September. Eine aus drei Herren und einer Dame bestehende Touristengesellschaft unternahm am letzten Freitag eine Besteigung deS Piz Palü in der BcrNinagruppe. Die Kolonne war zuletzt am Sonnabend früh gesehen worden und wurde seitdem vermißt. Nachdem die am Montag auf­gebrochene RettungSkolonne wegen SchneesturmS unverrichteter Dinge hatte heimkehren müssen, brachen am Dienstag zwei neue Führerkolonnen aus, welche alle vier Touristen tot in einer Gletscherspalte fanden. Die Leichen wurden geborgen. Die Toten sind eine Dame und zwei Herren auS Somaden und der etwa 30 Jahre alte Kurgast Franz MilczewSky aus Berlin.

— Ein Beispiel treuer Kameradschaft zweier Hunde zeigt folgender Vorfall: Ein schwarzer Löwenpudel, der daS hohe Alter von 20 Jahren erreicht hatte, litt an Herzkrämpfen. Um daS arme Tier von seinen Qualen zu erlösen, beschloß man, ihn erschießen zu lasten. Das geschah. Sein Kamerab, ein Airedale Terrier, der unter der treuen Obhut deS Pudels aufgewachsen war, trauerte mehrere Tage um den Verlust seines treuen Gefährten. Er verweigerte nicht nur jede Nahrung, sondern suchte dessen Grab aus und blieb dort liegen. In einem unbewachten Augenblick hatte er sogar ein Loch gekratzt und konnte nur mit Gewalt daran gehindert werden, den toten Kameraden auS der Erde zu scharren.

— E i n e S ch r e ck e n S t a t, die durch ihre Nebenum- stände besonders grausig wird, wird auS Homburg gemeldet. Der Schiffer Körner, der sich vor vier Wochen von seiner Frau und seinen vier unmündigen Kindern getrennt hatte und diese im größten Elend zurückließ, wurde von seiner Frau auf der Straße um etwas Geld gebeten, damit sie sür die Kinder Brot kaufen könne. Mit den Worten: „Ich will dir gleich etwas geben," zog darauf Körner einen Revolver und schoß aus seine Frau. Der Mörder floh, wurde aber versolgt und gab, als er keinen Ausweg mehr fah, einen Schuß gegen seine Schläfe ab, der ihn sofort tötete. Der Zustand der Frau ist sehr ernst.

— (Der Wein ist wohl geraten.) In der ver­gangenen Woche find in den meisten Gemarkungen der Psalz die Weinberge geschloffen worden. Der Stand der Weinberge ist durchweg als günstig zu bezeichnen. Die Trauben find gesund und dickbeerig, meist sogar in der Reife soweit voran, daß man nicht nur an Frühsorten, sondern auch an jedem Stock der späteren Trauben reife zum Essen schon jetzt schneiden kann. DaS ist besonders erfreulich, da man ob der Kälte und der Niederschläge während deS Sommers keine großen Hoffnungen hegte. Am reichsten ist der Behang in den Portugiejer Weinbergen. Hier kann man mit einem Vollherbst rechnen. In den Weißweingärten ist die Zahl der hängenden Trauben unterschiedlich. Man dürfte einen Drittel- bis Halb- herbst ernten. Die weitaus günstigen HerbstauSsichten bestehen in der unteren Haardt; auch in der oberen Haardt fällt der Herbst zweifellos gut auS, nur in der Mittelhardt dürfte der Ertrag zu wünschen übrig lassen.

— (W a S A b d u l H a m i d S K o ch e r z ä h l t.) Als Abdul Hamid noch im Aildiz KioSk regierte, hatte er einen russischen Koch, und dieser Russe hat, wie die „Stampa" er­zählt, jüngst Errinnerungen an die Zeit veröffentlicht, wo er in der Küche von Mdiz KioSk Mahlzeiten sür den Sultan zubereitete. Durch eine Empfehlung hatte er seinen Posten bekommen, aber kaum hatte er sein Amt angetreten, alS die Jntrigen gegen ihn begangen. „So ging eS allen," so erzählt er, „die in die Dienste Abdul Hamids kamen. Jeder Neue galt den vielen Schmarotzern, die Abdul Hamid umgaben, als Feind, den man unschädlich machen müsse. So wurde kein Mittel unversucht gelassen, mich zu beseitigen, und die Feind­seligkeiten verbargen sich hinter der MaSke deS freundlichen Lächelns. Zu meiner Zeit waren 400 Angestellte vorhanden, ganz abgesehen von den vielen Dienern, Kämmerern, Inten­danten, Sekretären, Aerzten und Volkostern. Der erste Vor- koster seiner Kaiserlichen Majestät hatte eine heftige Abneigung gegen mich und hätte mir viel schaden können, weil eine Menge Leute von ihm abhängig waren. Er hätte nur einmal nach dem Kosten meiner Gerichte Leibschmerzen vorzugeben brauchen, und ich wäre geliefert gewesen. Im Guten und im Bösen gelang eS mir aber doch, seinen Widerwillen zu besiegen, der nicht nur im Haß gegen mich persönlich, sondern gegen den Neuen in mir wurzelte. Mein Amt war, die Speisen sür den Sultan selbst zuzubereiten, und daS war keine Kleinigkeit. Jeden Morgen mußten vier verschiedene Frühstücke — jedes auS einem Dutzend Gerichte bestehend — bereit stehen, und daS machte eine unheimliche Arbeit, denn eS mußte ein türkisches, ein griechisches, ein französischer und ein albanesischeS Früh­stück hergerichtet werden. Wenn alles zur rechten Zeit fertig werden sollte, mußte ich um 3 Uhr aufstehen, und manchmal schlief ich überhaupt nicht nachtS weil ich immer Neues für den Gaumen des leckeren Sultans erfinden sollte. — Auch der Koch sei ein Dichter.

— (Ein Duell zwischen Riesenschlange u n d K r o k o d i l.) Im Zoologischen Garten zu Moskau spielte sich, nach russischen Berichten, ein grauenhafter Vorgang ab. In dem Zoologischen Garten befindet sich seit kurzer Zeit eine Riesenschlange. In dem daneben liegenden Käfige waren, durch ein Drahtnetz von dem Käfig der Riesenschlange getrennt, mehrere Krokodile, darunter zwei ganz junge. Vor einigen Tagen gelang eS nun der Riesenschlange, die be­reits mehrfach Angriffe auf den Käfig der Krokodile gemacht hatte, daS Netz zu durchbrechen und in den Käfig der Kroko­dile zu schlüpfen. Sie wollte sich auf eins der jungen Krokdie stürzen, wurde aber von einem alten Krokodile das gegen die Schlange furchtbare Hiebe sührte, voll Ingrimm angegriffen. ES entspann sich nun ein aufregender Kampf zwischen den beiden Tieren, in dem die Riesenschlange Siegerin blieb. DaS Krokodil zog sich nach dem Verlaufe einer Viertelstunde schwer verwundet und kampfeSmüde in eine Ecke deS KäfigS zurück. Nun stürzte sich die Riesenschlange aus die beiden jungen Krokodile, von denen sie eines sosort verschlang. DaS andere umringelte sie und zerquetschte eS zu einer langen Wurst. Der Direktor deS Zoologischen Gartens und Aquariums war nun in großer Sorge, ob die Schlange diese Panzer­eidechse verdauen könnte. Seit vier Tagen liegt daS Ungetüm

dick aufgeschwollen in feinem Käfig, ohne fich zu rühren. ES scheint, als ob ihm diese eigenartige Speise nicht Übel be­kommen wäre, wenn eS auch noch vielleicht wochenlang daran zu verdauen haben wird. Da die ganze Stadt über diesen Vorfall aufgeregt ist, so wollte die Zeitung „GoloS MoSkwy" daS dickaufgeschwollene Ungeheuer photographieren lassen. Der Direktor kam nun mit dem Photographen an den Käfig. Da aber die Schlange zusammengerollt dalag, so hätte eine Photographie wenig genützt. Der Direktor reizte dann die Schlange, um sie zu veranlassen, sich auszurichten. Da schnellte daS Tier plötzlich vor und biß den Direktor in die Hand, der dreifache Bißwunden zeigte. Inzwischen hatte der Photo­graph aber seine Aufnahme von diesem seltsam aussehenden Ungeheuer gemacht.

— (Humor deS Auslandes.) Voraussicht. Der VortragSmeister hat dem ehrgeizigen aber nicht sonderlich be­gabten Schüler eine längere Prosarezitation einstudiert und lauscht nun der letzten Probe. „Wenn Sie mit dem Vortrag fertig sind," belehrt er den Schüler, „verbeugen Sie sich und gehen aus den Zehenspitzen vom Podium." „Auf ben Zehen­spitzen ?" „Ja, und ganz leise um die Zuhörer nicht auszn- wecken." DaS Unausbleibliche. Der Ncffe „Onkelchen, heute nachmitag mußt Du mir aus eine Stunde Dein Auto leihen." „Schön mein Junge, Du bekommst es." „Ja, Onkelchen, aber könntest du mir nicht zugleich etwas vorschießen, um ein oder zwei Polizeistrafen bezahlen zu können? — Ihr Verdienst. Der Vater: „Wie Kind, Du hast ein neuer Gesellschaftskleid?" „Ja, Papa, aber von meinem selbst­verdienten Geld, ich habe eS schon bezahlt — von dem Gelde, daS ich für Deinen vorjährigen Pelz bekam." — Der Nörgler. Er war noch nie im Theater, nun sieht er zum ersten Male, in einer „Volksvorstellung", eine Oper. „Nun natürlich l" sagt er ingrimmig nach den ersten Chören und dem großen Quartett, „sürS Volk ist alles gut genug, nun singen sie alle aus einmal, um früher fertig zu werden." — Die Ueberraschung der Suffragette. „Nun weiß ich endlich, wo mein Mann immerfort seine Abende verbringt!" „Ach? Wo denn?" „Zu Hause, ich ging gestern zufällig nicht auS und dadurch entdeckte ich die ganze Geschichte."

Durch die Lupe.

Etwas vom Herbst in Versen.

Noch einmal hat mit linden Tagen — der Sommer sich uns kundgetan, — nun wird er Abschied von unS nehmen, — schon ist der Herbst auf seiner Bahn, — schon reisen am Spalier die Trauben, — schon eilt zum Stamm­tisch jedermann, — schon zieht man, eben weil eS Herbst ist — den Sommerpaletot sich an. — Braun wird das Laub an allen Bäumen, — die Winde wehen rauh und kalt, — zuhauS der Kognak in der Flasche — wird selten mehr als Wochen alt. — Mit Schnupsen und mit Influenza — schlägt tapfer jeder sich herum — und neue Wntergarderobe — empfiehlt daS Blatt dem Publikum. — Mit Pflaumenmus und Preißelbceren — quält sich die HauSsrau Tag sür Tag, — der Hauswirt zählt mit Leidensmienen — die losen Ziegeln auf dem Dach, — die Miete einer Vierteljahres — geht diesmal drauf, bis aller heil — und dabei werden zum Oktober Wohnungen leer ein ganzes Teil. — Der Kegelklub, der brav geschoben — den Sommer durch mit ManneSkrast, — hält nunmehr Sitzung über Sitzung — von denen jede Kopfweh schafft, — ob Gänse- oder Haseneffen, — daS ist der Punkt, der strittig bleibt, — bis endlich bei der Dorberatüng — die Kegelkaffe schon verkneipt. — Die Kinder lassen Drachen steigen — entlang am Telegraphendraht, — solange, biS mit Rächermiene — der Hüter des GesetzeS naht. — Kartoffeln werden auSgebuddelt, — der Unterricht im Tanz beginnt — und ich beschließe meine Verse, — weilS nunmehr grade 40 find! Walter-Walter.

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