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und wendet sich hauptsächlich gegen die häufig zu Tage tretenden Bestrebungen, die ganze französische Grenze durch einen geschlossenen Festungsgürtel zu schützen, worauf die Berenger'ichen Vorschläge schließlich doch nur hinauSliefen. Solche Besestigungen könnten doch immer nur der Verteidigung dienen, und mit dieser habe noch niemand einen Krieg zu glücklichem Ende geführt. DaS wichtigste sei der Angriff. Für diesen müsse man die Armee vorbereiten und nicht für ein Verkriechen hinter Besestigungen. Der Armee müsse ein guter Geist eingeflößt werden, um sie fähig zu machen, Erfolge in der offenen Feldschlacht zu erringen. Könne sie daS, so werde sie einen vorübergehend über die Grenze gedrungenen Feind mit blutigen Köpfen heimschicken und den Krieg in Feindesland tragen.

So unanfechtbar diese Sätze sind, so scheint man in Frankreich doch noch andere Gründe für diesen plötzlichen MeinungSumschwung zu haben; denn bis jetzt hat man doch wahrlich nicht mit Befestigungsanlagen an der Westgrenze gespart. Aber die Einführung der dreijährigen Dienstzeit stellt so riesige Anforderungen an den französischen Geldbeutel, daß man vorläufig den Heereshaushalt nicht noch mit anderen Dingen belasten will. Für uns ist eS ja schließlich von keiner allzugroßen Wichtigkeit, ob die Franzosen die Maßhöhen an ihrer Nordostgrenze befestigen oder nicht. ES ist nur von Wichtigkeit, immer wieder festzustellen, wie jede Gelegenheit benutzt wird, um gegen den verhaßten östlichen Nachbarn zu hetzen. Fortgesetzt wird ihm die Absicht eines hinterlistigen Ueberfalles mitten im Frieden angedichtet, und jedes deutsche FriedenSmanöver, daS in der Nähe der Grenzen abgehalten wird, benutzt man, um auf die große Gefahr hinzuweisen, in welcher sich Frankreich befinden soll.

-I« M- und Jlnsland

Berlin, 9. September.

Ueber die Kämpse im Kaisermanöver am Dienstag wird aus Freiburg berichtet: Der Kaiser, in der Uniform der KönigSjäger zu Pferde/ passierte um 7 Uhr früh Freiburg in Begleitung deS KönigS der Hellenen und beobachtete die Manövervorgänge zuerst vom Kieferberg südwestlich Kunzendorf, später von der Ernestinenhöhe südöstlich Kunzendorf. Sämtliche Fürstlichkeiten waren im Gelände erschienen. DaS Wetter war nachts kalt und klar, am Morgen wieder sehr schön. Ungeheuer viele Zuschauer halten sich auS den umliegenden Städten und Dörfern zu Fuß, zu Rad und zu Wagen aufgemacht. Die Flieger waren vom frühen Morgen an tätig. Beide Parteien brachen sehr zeitig auf. Die Spitzen stießen östlich und nord­östlich von Freiburg zeitig auseinander, woraus beide Gegner sich sofort entwickelten, so daß von 7 Uhr ab ein Gefecht in Gang kam, das bald nach 8 Uhr zu einer großen Schlacht aus der ganzen Linie wurde. DaS rote 6. Armeekorps ging auS der Linie Schweidnitz und südwestlich davon gegen Nord- westen vor, die 12. Division aus dem linken, die 11. Division aus dem rechten Flügel. Die 12. Division hatte Kunzendorf überschritten, als sie bei Mühlberg aus Blau stieß und sich nach rechts entwickelte. Die rote 11. Division war mit der rechten Kolonne, der 22. Brigade, biS zum Pfaffenberg zwischen Neu- und Altjauernick gelangt, wo diese mit großen Verlusten zurückgeworsen wurde. Die linke Kolonne (21. Brigade) besetzte flache Hügel nordwestlich von ArnSdorf und war hier anfangs im Vorteil, wurde aber dann mitgerissen. Die rote Kavallerie war vorgezogen und attackierte bei Arns- dorf in der Richtung auf Mühlberg anfangs erfolgreich, ging aber dann zurück. — DaS blaue 5. Armeekorps ging mit dem linken Flügel (9. Division) gegen Altjauernick vor, süd­westlich davon mit der 10. Division auf Zirlau und ArnSdorf, mit dem rechten Flügel (43. Division) auf Freiburg. Die 10. Division und Teile der 43. Division, soweit sie heran waren, drückten bei Mühlberg auf den linken Flügel von Rot, der sich aber ziemlich lange halten konnte. Die 10. Division ging zuletzt über Kunzendorf vor. Sie entwickelte sich auS dem Nonnenbusch heraus und schlug die rote 11. Division Deren 22. Brigade hielt sich dann noch eine Weile in Auf- nahmestellung mit eingegrabener Artillerie bei Tunkendorf, zog sich dann aber auch auf Schweidnitz zurück. DaS Ober­kommando der roten Armee gab den Befehl zum Rückzug auf die Linie Pilzen-LeutmannSdors, südöstlich Schweidnitz. — Der Kaiser erhielt am Montag vormittag, während er die Kämpfe an der Zerle beobachtete, eine Meldung deS Grasen Zeppelin. Dieser war früh um 4 Uhr nach Liegnitz gefahren und hatte von dort die Fahrt auf dem „Z. 1/ mitgemacht. Die Meldung wurde in der Nähe deS Kaisers abgeworfen. Der „Z. I." war am Gebirge entlang gefahren, hatte bei Reichenbach den roten Flughafen zerstört und wurde bei

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. T r o m m e r S h a u f e n.

(Fortsetzung.)

Wenn irgendwo, so war in Küstrin die Anteilnahme an dem Geschicke deS Freikorps lebhaft gewesen. Bei Küstrin waren die kühnsten Handstreiche vollsührt, und mit lebhaftem Jubel hatten die Küstriner jeden Erfolg begrüßt, jeden Miß­erfolg bedauert. Alle Taten deS Korps wurden von den Küstrinern als Ereignisse betrachtet, die jeden persönlich an- gingen. Darum wirkte die Kunde von der Gefangennahme wie ein Donnerschlag. Vor allem bedrückte die Bürger KüstrinS das dunkle Gerücht über Wilhelmi und Saher. ES schwirrte von HauS zu HauS, von Mund zu Mund.

Gewaltsam zog Ermentrud die Schwester mit sich fort durch die Berliner Straße. So viel als möglich wollte sie ihr die Worte ersparen, die bald hier, bald dort fielen, und die nichts anderes betrafen als die Frage: welches Schicksal erwartet die beiden Offiziere?

„Ich kann eS nicht ertragen, die Reden zu hören," flüsterte Hilda bebend. „WaS sollen wir tun? WaS sollen wir tun?"

Ermentrud sah bange umher. Wenn sie nur Quartier hätte sür sich und Hilda I

Da bemerkte sie in der Tür eines niedrigen Hauses, in dem ein Bäckerladen war, eine kleine, rundliche Frau mit gutherzigem Gesicht. Vielleicht gab eS da eine Wohnung. Rasch trat sie heran.

„Gute Frau, könnten wir wohl auf ein paar Tage bei Ihnen Unterkommen finden?" bat sie leise.

Die weiche Stimme, die schönen sanften Augen bewegten die brave Bäckerfrau mächtig.

„Bei mir ist nichts frei," antwortete sie unentschlossen. „Ich würde Sie gern ausnehmen, ja, gewiß recht gern; aber die Franzosen haben über meine sämtlichen Räume verfügt."

„Wir nehmen mit jedem Eckchen vorlicb."

Reichenbach durch Flieger verfolgt, die ihm aber nicht bei­kommen konnten. .

Zu den wechselnden Gerüchten über die militärische Zukunft deS Kronprinzen teilt man aus gutin- formierten militärischen »reifen mit, daß diese Gerüchte auf müßigen Kombinationen beruhen, auf die näher einzugehen, eS sich nicht verlohne.

Im Interesse der Landesverteidigung haben die Militär­behörden nach eingehenden Beratungen beschlossen, Maßnahmen zu treffen, um diejenigen ausländischen Flieger strafbar zu machen, die den Weg über verbotenes Gelände, insbesondere über FestungSanlagen, nehmen. In den schwebenden Spionagegesetzentwurf werden Bestimmungen eingefügt, auf Grund deren man gegen solche Flieger vorgehen kann, während zur Zeit der Nachweis beabsichtigter Spionage geführt werden muß.

Der KolonialstaatSsekretär Dr, Golf traf auf seiner Kamerunreise am Sonntag von der Automobilfahrt im Kautschukdistrikte von Lolodorf, Jaunde und Ebolowa wieder in Kribi ein. Er wohnte einer Sitzung der Handels­kammer bei, in der die Mitglieder erneut die Ursachen der gegenwärtig schwierigen Lage' deS Südkameruner Kautschuks da,legten. ' Staatssekretär Dr. Solf zeigte den vorgetragenen Wünschen gegenüber Entgegenkommen. Insbesondere gab er seine Zusicherung einer energischen Förderung der Oelpalmen- und Kakaokulturen seitens der Eingeborenen. Er versprach die beschleunigte Ausscheidung von Eingeborenenreservaten in den hinzugekommenen Gebieten von Neukamerun. Die Deckung der Kosten für den Ausbau deS Südkameruner Wegenetzes durch Schaffung von Straßen für Lastautomobile soll durch erhöhte Einfuhrzölle erfolgen. Am Abend wurde zu Ehren deS Staatssekretärs ein allgemeiner Bierabend ver- anstaltet, an dem Dr. Solf in feiner Rede über die Verdienste deS Kameruner SüdhandelS sprach.

Ueber einen französischen Protest gegen die Rede König CoustantinS in Berlin wird auS PariS geschrieben: Die deutschfeindliche „PariS Midi" beginnt den Reigen der offenen Proteste gegen die Rede König ConstantinS von Griechenland in Berlin, in welcher dieser den Sieg der griechischen Armee den Ersahrungen zuschreibt, die die griechischen Offiziere im preußischen Heere und in der Kriegsakademie erworben haben. DaS Blatt erachtet diese Aeußerung als eine direkte gegen Frankreich und speziell gegen General Eydoux gerichtete Beleidigung und verkündet, daß dieser General wahrscheinlich nicht mehr als Chef der französischen Mission nach Griechenland zurückkehren werde. Die Erklärung zu dieser Haltung deS KönigS Constantin sieht man in den verwandt­schaftlichen Beziehungen zum preußischen Herrscherhaus. Die Abendblätter wenden sich gleichfalls in äußerst scharfen Aus­drücken gegen den König Constantin in Berlin. Der „TempS" bemerkt: „Wir können nur wünschen, daß eS dem König Constantin gelingen wird, auf seiner Reise nach Frankreich den Eindruck zu verwischen, den er durch seine Manifestationen in Berlin hervorgerufen hat. DaS erscheint unS um so nützlicher, alS die deutsche Presse versucht, den Sinn der Rede noch zu verschärsen. Die als deutsch-feindlich bekannte „Liberte" entrüstet sich bei dem Gedanken, daß der König nach dem Vorgkfallencn noch wagen könne, nach PariS zu kommen und schreibt: Die französische öffentliche Meinung fragt sich mit Recht, warum König Constantin seine so bezeichnende Berliner Reise nach PariS verlängern will.

Aus Tetuan wird von einem fünfstündigen Kampf berichtet, den die Kolonne Arraiz am Montag zu bestehen hatte. Den amtlichen Depeschen zufolge sind ein Major, zwei Hauptleute, sechs Leutnant- und 70 Mann ver­letzt worden. Die Depeschen enthalten keine Angaben über die Zahl der Toten.

Die seinerzeit viel besprochenen Vorfälle inNancy, die sich dort, wie gemeldet, in der Lothringer Taverne und auf dem Bahnhof abgespielt und zur Versetzung deS Präfekten geführt haben, werden ein gerichtliches Nachspiel haben. Die beleidigten Deutschen Hryne und Teichmann haben bei der Staatsanwaltschaft von Nancy Klage gegen Unbekannt er­hoben. Der Untersuchungsrichter Paget wurde mit der Führung der Angelegenheit beauftragt.

Nach Depeschen vom amerikanischen Vizekonsulat zu Puertoplata in San Domingo, wo die Revolution im Fortschreiten begriffen ist, ist die Stadt von Kanonenbooten der Regierung von San Domingo beschossen worden, unter Gefahr für Leben und Eigentum amerikanischer Bürger. Der Aufstand, der bisher nicht für ernsthaft gehalten worden war, wird, wie eS heißt, von Hector VelaSquez, dem früheren interimistischen Präsidenten der Republik, geleitet, der die Herrschaft über die ganze Provinz an sich gerissen hat.

Die rundliche Frau sah nachdenklich auS.

„Ich habe ja noch das kleine Räumchen nach dem Giebel — nur eine Kammer."

Ermentrud ergriff ihre beiden Hände. Damit war die Frau überwunden.

„Kommen Sie, folgen Sie mir rasch," sagte sie halblaut. „ES braucht keiner der Franzosen Sie zu bemerken."

Sie lief so schnell die Treppe hinauf, daß die leichtfüßigen Schwestern ihr kaum folgen konnten, und öffnete die Tür zu einem Raume mit einem kleinen, runden Fenster. Allerlei Gerätschaften standen darin.

„So, hier können Sie bleiben," sagte sie. „WaS Sie bezahlen sollen? O, darüber, einigen wir unS schon. Ich tu's Ihnen zu Gefallen, weil ich — nun, weil ich nicht widerstehen kann. Ja, ja, ich spreche ganz ehrlich, wie ich'S meine. Viel Platz ist nicht da, aber man kann die Mulden und Tröge aus der Bäckerei etwas zusammenrücken. Dann reicht eS als Notbehels."

Geschäftig lief sie umher, schob hier zurück, setzte da aus­einander, und wirklich hatten ihre runden Hände im Umsehen dem Kämmerchen ein ganz behagliches Aussehen gegeben.

„ES ist wunderschön, gute Frau," lächelte Ermentrud dankbar.

„Frau Simon heiß ich, Witwe deS seligen Bäckermeisters Johann Simon," ergänzte die runde Meisterin. „Unten ist mein Laden. Von Backwaren ist, Gott fei'S geklagt, in jetziger Notzeit nicht mehr viel die Rede. Aber eS war ein blühendes Geschäft, auf das ich stolz sein konnte. O je, wie ging meine Ware ab I Reißend, reißend kann man nur sagen. Heute — ich bekomme ja kaum mehr daS Mehl zum Backen, kaum für schweres Geld. Alles hat der Krieg verschlungen."

Hilda war anS Fenster getreten. Sie konnte das Plaudern der guten Frau Simon kaum mit anhören und sehnte sich nach Alleinsein mit Ermentrud. Sie kannte aller wieder; denn sie war wiederholt mit dem Hirschseldschen Frei­korps durch Küstrin geritten.

Ermentrud war nie hier gewesen.

„Nicht wahr, daS ist der Marktplatz?" fragte sie, um Frau Simons Redestrom einzudämmen.

Der dreiundachzWe.

AuS Lustschifferkreisen wird geschrieben:

In PariS macht der Flieger P4goud verblüffende Kunst­stücke: er wirft sein Flugzeug auf den Rücken und saust so, den Kopf nach unten durch die Lüste, um dann wieder den Apparat auszurichten und in normaler Art weiterzufliegen. DaS ist schon beinahe mehr, alS die Vögel leisten; wenn die in der Lust auf dem Rücken liegen, dann hat sich ein Feind in sie gekrallt, und sie stürzen, aber sie schweben nicht. Man hat wegen P6goudS Leistungen den Altmeister Orville Wright interviewt, der reibt sich die Hände und erklärt: „Ganz, wie ich eS vorausgesagt habe!" ES handele sich durchaus nicht um ein Zirkuskunststück, sondern um eine durchaus zulässige Anforderung an jedes Flugzeug, dessen Tragflächen auch nach oben genügend verspannt seien. Außerdem habe der Pariser Vorgang aber einen ungeheuren psychologischen Wert. Wenn bisher ein Flugzeug inS Stürzen kam, habe der Insasse sein letztes Stoßgebet gesprochen und sei mit geschlossenen Augen mit hinuntergesaust. Jetzt aber, wo er wisse, daß er sein Flugzeug selbst dann noch ousrichten kann, wenn eS auf dem Rücken liegend solle, werde er die letzten Sekunden planvoll dazu benutzen.

Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Bisher find die Flugzeuge ständig verbessert worden, aber — obwohl man bereits von automatisch stabilen Maschinen spricht — die TodeSsälle haben fich ständig vermehrt. Am Dienstag früh ist in Berlin-JohanneSthol der junge Chemiker Dr. Riege zu Tode gestürzt — daS 83. Opfer deS FliegenS in Deutschland! Aus unseren privaten Flugplätzen find bisher 403 Fliegerzeugnisse erteilt worden, vielleicht 90 außerdem aus Tr. ppenübungSplätzen, wovon die Oeffentlichkeit nichts erfährt. Zieht man von den Totgestürzten dann auch noch die Passagiere ab, so behalten wir trotzdem daS Resultat, daß bei uns jeder achte Flieger sein Leben lassen muß! DaS sind grauenvolle Zahlen, und in anderen Ländern sind sie ähnlich, sodaß man eS wohl verstehen kann, daß beispielsweise die Vereinigten Staaten von Amerika unter dem Mangel an Offizierfliegern leiden. Nur in Frankreich, Deutschland, England melden sich mehr, alS man einstellen kann.

ES läßt sich aber konstatieren, daß im Durchschnitt die meisten Opser der Schar der Ziv lflieger entstammen, obwohl an sie lange nicht dieselben Anforderungen gestellt werden, wie an die Militärs. DaS spricht für einen gewissen Leichtsinn. Er äußert sich nicht nur in der nachlässigen Revision deS Fahrzeugs und seines Motors vor dem Aufstieg, sondern auch in einem allzu engen Nehmen der Kurven. Neun Zehntel aller Stürze ereignen sich durch Abrutschen bei einer Wendung. Wenn unsere Flieger hier vorsichtiger werden, dann wird sich die Prozentziffer unglücklicher Flüge herunterdrücken lassen. Sowieso ist sie zurzeit in Deutschland am größten. Aus dieses Herunterdrücken aber kommt alles an, denn wir können nicht mehr zurück, sondern müssen eS in der Fliegerei Frankreich gleichzutun versuchen, um nicht im KriegSsalle hülfloS dazu- stehen und unsere Zeppeline abschießen zu lassen. Ein tüchtiger Schritt dazu ist ja bereit- getan: zwei deutsche Flieger haben — endlich — den Weg von Berlin nach PariS gefunden. Wir müssen ihnen dankbar dafür sein und die Zeit herbeisehnen, in der ein solcher Flug nicht mehr gefährlicher fein wird, alS eine Autofahrt in der Großstadt.

flut Provinz n. Vaeddargeblet.

§ Hersfeld, 9. Eept. Durch ausländische Lotterieunternehmer werden auch jetzt noch taufende geschädigt. Trotz aller Warnungen, die kürzlich auch von unS wiederholt sind, trauen noch immer viele den ausländischen Versicherungen, daß die Beteiligung an Spielgesellschaften und der Erwerb von LoSpopieren gegen MonatSzahlungen besonders günstige Gewinnaussichten böten. DieS ist un­richtig. Die Spieler müssen, wenn sie aus MonatSzahlungen kaufen, wucherisch hohe Preise zahlen; spielen sie alS Mit­glieder von LoSgesellschasten, so erhalten sie, waS kaum einer von ihnen auS den geschickt gefaßten Prospekten ersehen hat, von Gewinnen nur den hundertsten (oder fünfzigsten) Teil. Sie setzen sich aber auch der Strafverfolgung auS, sofern durch Bildung von LoSgesellschasten usw. unerlaubter Weise eine Lotterie Veranstalter wird. Bei der Staatsanwaltschaft Cassel laufen Verfahren besonders gegen die in der Presse schon oft genannten Commerce- und Creditbank (auch Effekten- Abteilung oder Inkasso-Abteilung), weiter gegen die Allgemeine Centralbank, Allgemeine VolkSbank, (auch Institut Merkur), Deutsche Effektengesellschaft, Internationale Wechsel- und

„DaS stimmt, Fräulein und da in der Mitte, daS ist daS Rathaus. Da wird wahrscheinlich dar Kriegsgericht über die Gesungenen abgehalten. Sollte eS denn war fein, waS man hört? Herrgott im Himmel, die tapferen jungen Leute! Ist eS nicht ein Jammer? Die Augen möchte man sich auS dem Kopse weinen, wenn man sich vorstellt —"

„Und nach dieser Seite sieht man aus die Berliner Straße, nicht wahr?" unterbrach Ermentrud wieder.

„Ganz richtig. Von da kommen die Gesungenen an," nickte Frau Simon. „Sie werden nach dem Blockhause ge­bracht. DaS ist das sicherste Gewahrsam in Küstrin. Sehen Sie daS dunkle Gebäude, ein Stückchen hinter dem Rathaus, Fräulein? DaS ist daS Blockhaus. Da kommen sie hin."

„Wie heißt die Anhöhe, die man drüben über der Stadt liegen sieht?"

„DaS ist der Gohrin. Der ist in ganz Küstrin berühmt. Unten drunter fließt die Oder. Sehen Sie auch den Turm hinter dem Marktplatz? DaS ist die Garnisonkirche, die FriedenSkirche genannt. DaS Häuschen daneben gehört dem Garnisonprediger Giesel. DaS ist ein feiner, frommer Herr und preußentreu bis auf die Knochen."

ErmentrudS Augen weiteten sich.

„Giesel heißt der Prediger?"

„Ja wohl, Giesel. Den müßten Sie kennen, Fräulein! Aber jetzt muß ich hinunter, sonst räumen mir die Herren Soldaten das letzte Bißchen auS dem Laden, waS ich habe. Die schämen sich ja nicht. Machen Sie fich'S inbeflen nur bequem. Und schließen Sie zu, wenn ich Ihnen raten darf. Zwei so hübsche junge Fräulein wie Sie find niemals sicher in unseren wüsten Zeiten."

Endlich waren sie in einem einsamen Raum allein, eigentlich zum ersten Male feit Christianstadt. Jeder Tag hatte ihnen eine fieberhafte Anspannung aller Kräfte gebracht. Jetzt kam zum ersten Mal ein Augenblick der Ruhe. Zum ersten Male konnten sie über die furchtbaren Ereignisie nach­sinnen, die sie hierher geführt hatten.

Hilda erfaßte ErmentrudS Hand mit ihrer fieberheißen.

„Nun sag mir, war du vorhast."

(Fortsetzung folgt.)