In zahlreichen Städten könne man sehen, wie einfach und den Verkehr nicht hindernd die Netze angelegt seien. Schließlich
> einigten sich die Stadtverordneten dahin, Herrn Direktor Lautemann für die Mehrausgaben noch 300 M. zu bewilligen.— Die Rechnung der GaS- und Wasserwerk- war von .«in» Kommission geprüft worden. Die Rechnung deS Wasserwerks schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 47 956,60 Mk. Der Reingewinn, der an die Stadtkaffe abgeliefert wurde, hatte d e ansehnliche Höhe von 18021 Mk. erreicht und damit den Voranschlag um fast 8000 Mk. übertroffen. Zu berückst chtrgen ist jedoch hierbei, daß eS sich um daS sehr trockene ^ahr 1911 handelt, in welchem an manchen Tagen ein Tagesverbrauch von 100 Liter pro Kopf der Bevölkerung sestgestellt wurde. — Die JahreSrechnung deS GaSwerke- betrug in Einnahme und Ausgabe 177 806,39 Mk. die Ab- lieserung an die Stadtkaste 40 554,33 Mk. Hierbei hatte die Kommission bemerkt, daß alle Gegenstände, soweit dies möglich sei bei hiesigen G.schäftSleuten gekauft werden sollten und nicht auSwärtS. Der Magistrat soll ersucht werden, entsprechend zu verfügen. Ferner wurde beanstandet, daß bei Einrichtung von GaS« automaten zu teure Lampen verwendet würden, wodurch die Anlage unrentabel würde. Demgegenüber erklärte Herr Beigeordneter Auel, daß die GaSautomaten einen recht guten Gewinn erbringen, ganz abgesehen von den sonstigen Annehmlichkeiten für die Verwaltung, wie leichtes Einkassieren der Gelder, kein Verlust usw. Nach längerer Aussprache beschloß die Versammlung eine Kommission mit Prüjung der Angelegenheit zu betrauen. Der letzte Punkt der Tagesordnung bctras den mit der Firma Gebr. Dietrich in Fritzlar abgeschlossenen Vertrag mit der HerSselder Brunnen- gesellschaft. Sowohl vom Magistrat wie auch von den Herrn Gebr. Dietrich sind noch einige Abänderungen gewünscht worden, über die eine Einigung erzielt wurde. Nachdem über die fraglichen Punkte noch eine eingehende Besprechung statt« gesunden hatte, erklärte sich die Stadtverordnetenversammlung mit den Aenderungen einverstanden. Wie Herr Kommerzienrat Rechberg bei dieser Gelegenheit mitteilte, hat der Wasser- Versand ganz bedeutend zugenommen, so baß jetzt durchschnitt« lich im Monat 14000 Flaschen verkauft werden, während srüher der ganze JahreSversand ca. 40000 Flaschen betragen habe. ES bestehe aber die berechtigte Hoffnung, daß der Versand im nächsten Jahre noch bedeutend steige. — An die öffentliche -Sitzung schloß sich noch eine geheime Beratung an. -h- Zimmersrode, 3. September. Die durch Ministcrial- erlaß vom 1. Juli d. I. an aufgelöste israel. Elementarschule soll durch Gemeindebeschluß in eine Privatelementarschule um- gewandelt werden. Der vorigen Samstag zum Probe- gotteSdienst berufene SchulamtSbewerber Lehrer Nußbaum aus ManSbach, Kreis Fulda, ist von der Gemeinde als Lehrer gewählt worden.
-h- Jesberg, 3. September. Einen recht bedauerlichen Unfall erlitt die Witwe Platte von hier. Sie fiel von einem mit Grummet beladenen Wagen so unglücklich, daß sie einen Armbruch davontruo.
Fulda, 1. September. Die hiesige Bahnhofswirtschaft wird zum 1. Oktober pachtfrei. Nicht weniger wie 64 Bewerber meldeten sich. DaS niedrigste Gebot war 6000 Mark, das höchste 18 000.
Marburg, 2. Gept. Große Heiterkeit erregen hier die Pferde vor den städtischen Leerwagen, die neuerdings in Hoffn umherlausen, die man ihnen zum Schutze gegen die heißen Teerspritzer gegeben hat.
-h- Schönstem, 3. Sept. Der beim Dreschen verunglückte Maschinenbesitzer Fenn» auS Gilserberg ist nicht, wie gemeldet an seinen Verletzungen gestorben, sondern befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung. Er dürste bald daS Bett wieder verlassen.
Cafsel, 4. September. In ElmShagen bei Hoof im Landkreise Cassel ist am Dienstag abend eine schwere Bluttat verübt worden. Der auS russisch Polen stammende landwirtschaftliche Arbeiter Wolsynczick, der während der Sommermonate mit seiner Frau und einer Anzahl Landsleute aus dem Rittergute ElmShagen in Arbeit stand, hat seiner Ehe- srau deS Abends an der HauStüre ausgelauert und ihr von hinten mehrere tiefe Messerstiche in den Rücken beigebracht. Die schwer verletzte Frau brach mit lautem Aufschrei bewußtlos zusammen. Dr. med. Wietnighoff auS Niederstem liefe der Schwerverletzten die ersorderliche ärztliche Hilft angedeihen und ordnete ihre Ueberführung in daS Landkranken- hauS nach Gaffel an.
Alsfeld, 3. September. Der 40jährige Formdreher Heinrich Geiß auS Windhausen bei AlSfeld taufte sich am Sonntag abend ein kleines Räuschlein. Er ging am Main spazieren und alS er die Meßbuden gewahr wurde, glaubte er, er sei zu Hause. Da GeiS Echlas verspürte, zog er sich völlig auS und hängte seine Kleider ordnungsmäßig an verschiedenen Nägeln, die auS der Meßbude herauSstanden, auf. Paffanten wurden auf den Schläfer im Adamskostüm ausmerkjam und holten einen Schutzmann. Dieser war aber nicht im Stande, den Schlaftrunkenen aufzuwecken, obwohl der Mann die Pflastersteine alS Kopskiffen und den Sternenhimmel als Zudecke benutzte. Schließlich mußte man die Rettungswache rufen, die den völlig vom Regen durchnäßten Mann in Decken wickelte und in den Rettungswagen brächte. Als er nach einigen „Wiederbelebungsversuchen" zum Bewußtsein zurückkehrte, frug man ihn nach seinen Stiefeln, die man nicht gefunden hatte. „Die müssen unter meinem Bette stehen, denn bei mir herrscht Ordnung," war die Antwort. Man sand diese auch unter dem „Bett", d. h. unter einem Brett der Meßbude.
Hanau, 4. September. Die 12 Jahre alte Schülerin Böhm schoß heute mit einem Militärgewehr eine Platzpatrone ab. Der Schuß zerschmetterte dem 7jährigen Sohne deS Heizers Vieland, der die Hand vor den Gewehrlauf hielt, die linke Hand. Die verletzte Hand mußte dem Knaben abgenommen werden. Wie eS heißt, hat daS Mädchen die Platzpatronen auf der Straße gesunden. Eine Untersuchung ist eingeleitet, Der Fall ist umso tragischer, alS dem verunglückten Knaben schon die rechte Hand verkrüppelt ist.
Herbsleben, 2. September. Aus der Dorfstraße wurde gestern Abend die siebenjährige Tochter der Witwe Keidel von einem Erntewagen, der hinter einem anderen befestigt und wohl deshalb von dem spielenden Kind nicht bemerkt worden war, überfahren. Die Räder gingen dem Mädchen über den Kops, so daß der Tod sofort eintrat.
Erfurt, 4. September. DaS OberkriegSgericht fällte heute abend nach zweitägiger Verhandlung gegen die Reservisten und Landwehrleute daS Urteil. ES erhielten: Hagemeyer zwei Jahre und einen Monat Gefängnis, See zwei Jahre und einen Monat GesängniS, GorgeS 1 Jahr 9 Monate, Kolbe vr» Monate Gefängnis, Schirm» 2 Jahre 1 Monat GffängmS. Den Angeklagten Hagemeyer, See, GorgeS und Schirm» wurden je 9 Wochen, Kolbe 5 Wochen Untersuchungshaft ungerechnet. Kolbe wurde von der Anklage deS militänschen Aufruhrs freigesprochen und nur wegen Bedrohung verurteilt,
Eisenach, 4. September. Beim Abbrennen von Feuer- werkSkörpern hat sich hier ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Dem 11 Jahre alten Knaben Geoig Thörner sprang ein brennender FeuerwerkSköipcr in die offene Matrosenbluse, in der er einen anderen FcucrwerkSköiper aufbewahrt hatte. Dieser explodierte und der Junge erlitt an Brust, Unterleib und Händen lebensgefährliche Brandwunden. Er liegt im Krankenhaus hoffnungslos darnieder.
Darmstadt, 3. September. Ein seltsamer Anblick bot sich heute mittag dem Darmstädter Publikum. Major Eiegert von der Fliegertruppe, welcher von Metz hier eintraf, wurde aus dem BahnhosSplotz durch ein Flugzeug abgeholt und nach der Fliegerstation gebracht. Der bekannte Fliegerleutnannt v. Hidessen steuerte die Euler-Maschine trotz aller Sonnen- böen über die Häuser und Straßen hinweg zum Ziel.
Frankenberg, 3. Sept. Im benachbarten Dorfe Mohn- hausen wurde gestern einem 18jährigen Mädchen namenS Christ, daS mit seinen Eltern auf dem Felde mit der Ernte beschäftigt war, von der Mähmaschine ein Fuß abgeschnitten.
Mingerode (Kr. Duderstadt), 4. Sept. Hier wollte ein dreijähriges Mädchen feinet inS Feld gegangenen Mutter Nachläufen. Dabei stürzte eS in einen Bach und ertrank, da eS sich nicht zu erheben vermochte. Aus dem Heimwege sand die Mutter ihren Liebling alS Leiche auf.
Schleiz, 4. September. Der Gutsbesitzer Knoch in MieleSdors wurde heute vormittag gegen 11 Uhr von einem jungen unbekannten Burschen erschossen. Die Kinder deS Knoch hüteten auf einem Felde Gänse, alS sich ihnen zwei Burschen näherten und von den Gänsen eine Wegnahmen. Die Kinder holten schnell den Vater, der die Strolche zur Rede stellte und aufforderte, von der GanS zu lassen. Einer der Burschen erwiderte aber, er werde schießen, wenn sich Knoch nähere. Da dieser der Drohung keine Bedeutung beimaß, ging er aus den Burschen zu. Im selben Augenblick krachte ein Schuß und Knoch fiel, in den Leib getroffen, tot zu Boden. Die Strolche ergriffen die Flucht und sind entkommen. Der Erschossene war 45 Jahre alt, ein Sohn von ihm dient in Straßburg beim Militär.
Göttingen, 8. September, Der auf der Bahnstrecke Göttingen—Friedland beschäftigte Bahnarbeiter Rinbe wurde gestern abend 6 Uhr von dem O-Zuge, der um 5.42 Uhr Göttingen verläßt, erfaßt und auf der Stelle getötet.
Wem viel gegeben.
Novelle von C. Gerhard.
„Weiß Gott, diese Leonore Dornau ist doch ein famoses Mädchen I Ihre goldklare Fröhlichkeit, die wie prickelnder Sektschaum Über der Tiefe ihres WcsenS liegt, wirkt unwiderstehlich."
Der StaatSanwalt Dr. von Lehnen, der mit dem jungen Arzt Dr. Walter Bergmann den Weg nach dem gemeinsamen Hotel in Jnterlaken einschlug, murmelte gezwungen: „In der Tat, sie ist eine sehr liebenswürdige und anziehende Dame."
„Dame, Dame!" wetterte der kleine Doktor. „Lassen Sie mich mit diesem nichtssagenden Sammelnamen zusrieden. Ein Mensch ist sie, ein ganzer Mensch I Himmel, was müßte eS für ein Glück sein, die zur Frau zu haben, speziell wenn man, wie ich, Arzt ist! Eine Klinik könnte man gründen und Wunder verrichten neben dieser Acrztin mit dem scharfen Ver- stande und den weichen Frauenhänden."
Jäh blieb der StaatSanwalt stehen. „Aerztin? Verstand ich Sie recht, Fräulein Dornau ist Aerztin?"
„Nun ja; wußten Sie e- nicht, und hat eS nun Ihre anerzogenen Vorurteile aufgeweckt?" fragte der Doktor geräuschvoll lachend, und da der andere nur stumm den Kops schüttelte, fuhr er lebhaft fort:
„Hut ab vor dieser Aerztin! Anfangs schimpfte ich aus die Konkurrentin, die nach meiner Ansicht doch nur Psusch- werk leisten würde; mit argwöhnischen Blicken beobachtete ich sie, aber wider meinen Willen mußte ich dem tüchtigen, zielbewußten weiblichen Kollegen, der mehr alS seine Pflicht tat, meine volle Anerkennung zollen. Seitdem ich Leonore Dornau nun hier, unter diesen mächtigen Bergen näher treten duifte, wüßte ich mir nicht- Lieberes als sie zum LebenS- kameraden zu gewinnen, aber — keine Hoffnung ! Sie sieht in mir nichts als den Arzt, und ich habe eS mir längst abgewöhnt, Luftschlösser zu bauen. Doch da wären wir ange= langt. Geruhsame Nacht, Herr von Lehnen!"
Flüchtig berührten sich die Männerhände, der StaatSanwalt trat in sein Zimmer, daS der Vollmond in zauberisches Licht tauchte. Aber er beachtete seine Umg bung nicht, er hatte keinen Blick für die silberumwallten Berge, er war erregt, wie kaum jemals in seinem Leben.
Er liebte — liebte Leonore Dornau und mußte nun hören, daß sie Aerztin war. Er war weder Freund noch Feind der nach seiner Ansicht mit allzu viel Tamtam inS Leben getretenen Frauenbewegung, er hatte sich einfach um sie nicht gekümmert. Die Mädchen und Frauen, die er kannte, waren nie einen Schritt vom Herkömmlichen abgewichen, und er hatte sich nichts anderes gedacht, als einst seine Frau auS den Händen sorgsamer Eltern zu empfangen.
Und nun hatte er sein Herz an eine Aerztin verloren! Merkwürdig I Wie kam dieses zartempfindende Mädchen dazu, einen so männlichen Berus zu ergreifen? Ihn schauderte, dachte er an manche Konsequenzen desselben.
DaS war ja aber j^t nebensächlich — nur, wie er sich mit der Tatsache abfinden würde! — Da blieb nur ein entweder — oder! Entweder sie entsagte ihrem Beruf oder er — der Liebe zu ihr.
Der Liebe zu ihr entsagen, sie ersticken, töten? Nein, daS konnte er nicht mehr. Zu tief hatte dieses starke Gefühl bereits von ihm Besitz genommen.
Leonore! Er sah sie vor sich in all' ihrem holden Reiz, den der Mensch da, der Doktor, gegen den er ein leiseS eifersüchtiges Empfinden in sich trug, so treffend mit ein paar Worten gekennzeichnet, und fein Herz erzitterte. Wenn sie die Seine würde! Bei dem Gedanken an dieses unermeßliche Glück erstarb jedes Bedenken in ihm. Vielleicht war eS ihr gar nicht so ernst mit ihrem Beruje, da der natürlichste für eine Frau sie erwartete! Sicher, so würde eS fein!
Ihre wahrhaftigen Augen hatten ja heute auf die stumme Werbung seiner Blicke ein deutliches „Ja!" geantwortet, „Leonore, Leonore! Rein und hehr, wie die Berge, die ich an deiner Seite erstiegen, bist du!"
Er trat auf den Balkon, und nun empfing ihn doch der Zauber der Mondnacht und löschte jedes quälende Empfinden in ihm auS.
Am nächsten Morgen empfing er ein amtliches Schreiben; er laS eS, und daS Blut stieg ihm zu Kopf. Er war an die Staatsanwaltschaft nach L. versetzt, der Stadt, in der Leonore lebte und wirkte. Immerhin also würden sich ihr Wege treffen, selbst wenn er seinem Herzen Schweigen gebot.
Aber nein, nein, er wollte eS nicht!
Er eilte, sie zu sehen. Im Gärtchen auf der Bank vor dem schlichten Hause, in dem sie wohnte, traf er sie.
„Sie sind verändert, lieber Freund," sagte sie, ihm die Hand reichend. „Etwa- hat seit gestern Ihren Seelenfrieden gestört I"
„Wie gut Sie mich kennen! ES ist so, doch in Ihrer Gegenwart ist Frieden, ist Ruh.---Leonore, ich kann nicht viele Worte machen, Sie müssen eS ja auch längst gemerkt haben, daß ich Sie liebe! Irre ich in der beglückenden Annahme, in Ihnen ein gleiches Gesühl erweckt zu haben?"
„ES war sein Irrtum," erwiderte sie, während ein warmes Rot ihr edelschöneS Antlitz überflog. „Ich — habe Sie gern, — nein, warum mein Empfinden verkleinern? Ich liebe Sie, und daß Sie mir Ihre Liebe schenken, macht mich sroh und reich. Dennoch —'
„Dennoch? — Leonore, nach diesem Bekenntnis gibt eS kein Zurück."
„Lieber Freund, — ich bin Aerztin.
„Und Sie haben als solche segensreich gewirkt: ich weiß eS fett gestern. Doch nun sie mich lieben, die Mein« sein wollen, — da tauschen Sie einen Berus gegen einen andern nicht minder schönen ein. Nicht wahr, Leonore?"
Er hatte feurig, dringend gesprochen, seine Blick« liebkosten ihr Antlitz, und doch schüttelte sie ernst den Kops.
„Ich habe meinen Beruf schwer erkämpft, er ist mir anS Herz gewachsen, ist mir Lebensinhalt, und außerdem gewährt er mir die Mittel meinem jungen Bruder die Zulagen zu erhöhen, die sein knappes Vermögen erfordert."
„Leonore, eS würde mit eine Freude machen, deinem Bruder zu helfen."
„Von niemand anders, als von feiner Schwester würde er die Hilfe annehmen. Ich kann nicht anders, ich muß meinem Berufe treu bleiben."
Wenige Minuten stand er im Kampfe mit sich selbst, dann stieß er hinaus: „Wenn auch — Leonore, sei trotzdem mein, ich kann dich nicht lassen I"
„Du zeigst mir ein schönes, verlockendes Ziel," erwiderte sie mit schwankender Stimme. „Mein Herz treibt mich ja zu sagen, und doch zögere ich. Denn nie ertrüge ich eS, wenn du einst bereutest, dich an mich gebunden zu haben. Bedenke, ich kann nicht ganz das sein, was du von deiner Gattin forberft. Mein Beruf wird meine Zeit, meine Gedanken in Anspruch nehmen; hingegeben an ihn, wirst du mich oft schweigsam, grüblerisch finden —"
(Fortsetzung folgt.)
Letzte Fernsprechmeldungen.
Fürchterliches Berbrechen.
M ü h l h a u s e n a. d. Enz, 5. September. Heute früh gegen Va2 Uhr legte der Schwiegersohn eines hiesigen Gastwirts, namens Wagner aus Degerloch, in einem Anfall von Wahnsinn an 4 Stellen des Ortes Feuer an, wodurch mehrere Scheunen in Flammen auf- gingen. Als man den Täter ergreifen wollte, zog derselbe eine Browingpistole und tötete 8 Personen, während 10 schwer verletzt wurden. Der Mörder flüchtete dann in einen Stall, wo er ergriffen und übel zugerichtet wurde, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Man fand noch 250 Patronen in seinem Besitz, Soldaten, die in der Nachbarschaft im Quartier lagen, wurden zur Hülfeleistung herbeigeholt.
Mühlhausen a. d. Enz, 5. September. Als die Staatsanwaltschaft heute morgen die Wohnung Wagners in Degerloch öffnete, fand sie die Ehefrau und 4 Kinder ermordet in den Betten vor. Der Frau war die Kehle durchschnitten, während die Kinder erstochen worden waren.
Mühlhausen a. d. Enz, 5. Sept. Ueber das grauenhafte Verbrechen werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Wagner ist von Beruf Lehrer und in dem benachbarten Degerloch angestellt. Vor mehr als 10 Jahren war Wagner hier Unterlehrer. Vor 4 Wochen kam Wagner auf kurze Zeit hierher und brächte zwei seiner Kinder zu seinen Schwiegereltern. Heute nacht erschien W. unvermutet wieder. Gegen 12 Uhr bemerkten Nachbarn des Schulhauses, daß die Scheune brannte. Sie sahen einen Mann die Brandstelle verlassen und erkundigten sich bei demselben nach der Ursache des Brandes. Statt einer Antwort fiel ein Schuß und einer der Fragenden brach tot zusammen. Der Täter, dessen Person man jetzt erkannt hatte, wandte sich einem anderen Ortsteil zu und zündete im oberen Dorfe eine Doppelfcheune an, von der aus auch noch ein Nebenhaus in Brand geriet. Als auch hier ein Einwohner den Wagner nach der Ursache des Brandes fragte, erhielt er von demselben einen Schuß in den Mund und brach tot zusammen. Im ganzen hat Wagner an vier Stellen Feuer angelegt, u. a. auch in der Wirtschaft zum Adler, die seinen Schwiegereltern gehört. Bei der fünften Brandstiftung wurde der Täter gestellt. In den Händen hielt er zwei große Armeerevolver, mit denen er blindlings in die Menge schoß. Der Polizeidiener erhielt zwei, der Nachtwächter 1 Schuß. Im ganzen wurden 8 Personen getötet und zwar 7 Bürger und ein elfjähriges Mädchen, dessen Eltern schwer verletzt wurden. Die Zahl der Verletzten betrug 11, von denen 6 lebensgefährlich verwundet wurden. Schließlich stürzte sich der bereits verwundete Polizeidiener mit einem Eisenbahnarbeiter auf Wagner, nahmen ihm die Revolver ab und überwältigten ihn. Die aufs äußerste erregte Menge mißhandelte den Mörder schwer, u. a. wurde ihm eine Hand abgeschlagen und schwere Kopfverletzungen beigebracht. Mit Hilfe des inzwischen herbeigeeilten Militärs ging man an die Löscharbeiten^ und wurde des Feuers bald vollständig Herr.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a. M.
Wetteraussichten für Tounabeud den 6. Tept.
Trübe, Regen fälle, kühl, wechselnde Winde.