ziehen könnte. In Bezug auf die Meldung, daß der griechische Ministerrat unter Vorsitz von VenizeloS beschlossen habe die Mächte um Regelung dieser Frage zu ersuchen, ist man der Meinung, daß sich die Mächte wohl kaum bereit erklären werden, zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen. Man hoffe, daß die beteiligten Mächte die noch bestehenden Unstimmigkeiten von selbst beseitigen werden.
PariS, 4. Sept. Wie der „TempS" aus Konstantinopel erjährt, wird die Pforte bei den Verhandlungen mit Bulgacicn mit aller Entschiedenheit darauf sehen, ganz Ostthrazien mit Adrianopel und Kirkilisse zu erhalten. DaS Schicksal dieser beiden Städte sei untrennbar miteinander verknüpft, da sie die Eckpfeiler der Verteidigungslinie von Konstantinopel bilden. Die Türkei wird eine Grenzlinie vorschlagen, die nördlich von Adrianopel und Kirkilisse der alten türkisch-bulgarischen Grenzlinie folgt. Von Mustapha Pascha auS verläuft sie sich dann in die gerade Linie bis Dimotika, um dann dem Laufe der Maritza bis zum Aegäischen Meere zu folgen. Die Pforte ist der Ansicht, daß der Verzicht auf ausschließlich türkische Gebiete um Gümüldschina eine genügende Entschädigung für Bulgarien bildet.
Aus > nnd Wand.
Berlin, 4. September.
Zu Berlin im Sternsaal deS Königlichen Schlosse? hat Kaiser Wilhelm II. die schwedische Sonder- m i s s i o n empfangen, die ihm anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als schwedischer Admiral einen Ehrensäbel überreichte. Der schwedische Admiral Dyrffen hielt bei Ueber« reichung des EhrensäbelS eine Ansprache, in der er auSführte eS sei für die schwedische Marine ein sehr wichtiger Tag gewesen, alS Seine Majestät schwedischer Ehrenadmiral geworden sei. Jetzt hätte sich daS OffizierkorpS der schwedischen Marine in allgemeiner Begeisterung zusammengetan, um dem Kaiser den Ehrensäbel zu stiften. Der Sprecher gab dabei der Bewunderung Ausdruck, die die schwedische Marine für die Großtat deS Kaisers, die Schaffung der deutschen Marine, empfinde, und der Dankbarkeit für sein Wohlwollen gegenüber der schwedischen Marine. Diese hoffe, daß sie sich auch im Ernstfälle ihres EhrenadmiralS würdig erweisen werde. Der Kaiser erwiderte, indem er aus die Vergangenheit der schwe' bischen Marine hinwieS, die lang und ruhmreich sei. Er äußerte sich überaus wohlwollend und schmeichelhaft über daS OffizierkorpS und die Flotte Schwedens. Wie eS ihn erfreut habe, daß er damals Ehrenadmiral geworden sei, so freue es ihn jetzt, daß die schwedischen Marineoffiziere dieses JubiläumS- tageS gedacht hätten.
Verschiedene Berliner Blätter wollen wissen, daß im Laufe des Sommers alle Vorbedingungen zu einer schnellen Erledigung der braunschweigischen Thronfolge- trage erfüllt worden seien, daß ferner daS neue HerzogSpaar bereits im November nach Braunschweig übersiedeln würde. Dazu ist festzustellen, daß die braunschweigische Frage vorläufig ruht und daß in Berliner politischen Kreisen von einem Zeitpunkt der Uebersiedelung deS neuen HerzogspaareS nicht? bekannt ist.
Durch einen Nachtrag zum Reichshaushaltsetat auf daS Rechnungsjahr 1913 ist der Betrag von 240 000 Mk. bereitgestellt zu Aufwandsentschädigungen an solche Familien, von denen bereit? drei Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht im ReichSheer oder in der Marine als Unteroffiziere oder Gemeine genügt haben oder noch genügen, und zwar in der Höhe, von 240 Mk. für daS Jahr während der gleichen gesetzlichen Dienstzeit eines jeden weiteren Sohnes in denselben Dienstgraden. Aus diesem Anlaß lausen bereits jetzt bei den Behörden zahlreiche Gesuche um Gewährung dieser Aufwandsentschädigung ein. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß derartige Anträge zurzeit zwecklos sind, da Bewilligungen auS dem'Fonds erst dann erfolgen können, wenn seitens deS Bundesrats die erforderlichen AuSführungSvorschriften erlassen sind. Diese AuSführungS- Vorschriften, in denen auch insbesondere darüber Bestimmung getroffen werden wird, an welche Stellen die Anträge zu richten sind, befinden sich in Vorbereitung und werden dem BundeSrat bei seinem nächsten Zusammentreten zur Beschlußfassung vorgelegt werden.
Die „NorddeutscheAllgemeine Zeitung" schreibt: Günstige Aussichten für tüchtige Aerzte bieten sich zurzeit in D e u t s ch - O st a f r i k a. An eine private Niederlassung von Aerzten ist allerdings an einzelnen Orten einstweilen noch nicht zu denken, obwohl vereinzelt gewisse Vereinigungen, z. B. Pflanzerverbände wie auch daS Gouvernement sich zur Gewährung von festen Zuschüssen oder zur Garantierung eines Mindesteinkommens für Privatärzte verpflichtet haben. Im allgemeinen ist die europäische Besiedelung der Kolonie noch zu gering, sind die Entfernungen der einzelnen Niederlassungen noch zu groß und die VerkehrSverbindungen noch zu unvollkommen, als daß ein Privatarzt ohne solche Garantien hier sein Auskommen finden könnte. Demgegenüber ist die pekuniäre Lage deS beamteten Arztes, deS sogen. Regierungs- arzteS, eine durchaus günstige zu nennen. Nach den bestehenden BefoldungSvorschriften kann den Regierung-ärzten, denen die Ausübung von PrivatpraxiS gestattet ist, ein über daS AnfangSgehalt der übrigen höheren Beamten erheblich hinauSgehendeS Gesamteinkommen von 9600 Mk. vom Besinn ihrer Tätigkeit an garantiert werden. Das Dienst- einkommen steigt allmählich bis zu einem Endgehalt von 13 400 Mk. Dazu treten die durch das Kolonialbeamten- gesetz geregelten PensionS- und VersorgungSansprüche, die durch die Aussicht aus eine ansehnliche Tropenzulage besonders günstrg gestaltet sind. Die RegierungSärzte unterstehen nicht Den lokalen Verwaltungsbehörden, sondern unmittelbar dem Gouverneur, wodurch ihnen eine weitgehende Selbständigkeit gestiert ist. Dre Anzahl der RegierungSarztstellen in Deutsch- Ostasuka wird voraussichtlich in den nächsten Jahren erheblich vermehrt werden.
der Aushebung deS deutschen Kons.ulateS S a " h 6 a r wird geschrieben: Zu der Meldung der ,TrmeS," daß die deutsche Presse in Ostafrika den Vorschlag mache, daS deutsche Konsulat in Sansibar durch eine Konsularagentur zu ersetzen, berichtet der Berliner Vertreter, diplomatischen Kreisen darauf verweise, daß die ReichSregierung stets den Standpunkt vertreten habe, es sei nötig im Interesse der deutschen Reichsangehörigen eher für eine Vermehrung der Konsulate zu sorgen, als die be- stehenden, noch dazu ein so wichtiger, wie dar in Sansibar, aufzuheben. '
Die französischenManöver anderdeutschen Grenze haben heute begonnen und zwar zwischen Nancy, Luneville und Blamont. Der sie befehligende General Poline hat außer den vier Regimentern der Division von Nancy 2 Regimenter Jäger zu Pferde, zwei Regimenter Dragoner, ein Regiment Artillerie und vier Bataillone Schützen zu feiner
Verfügung. Die Manöver dauern 14 Tage und finden, worauf die Pariser Presse besonder- hinweist, in unmittelbarer Nähe der Grenze statt. Als vor einigen Wochen deutsche Truppen unweit der Grenze aus dem Hoheneck übten, konnte man sich nicht genug über diese teutonische Provokation ent- rüsten.
DaS türkische große Linienschiff. Redscha - dieh" ist am Mittwoch aus der englischen Werft VickerS vom Stapel gelaufen. Der „Redschahdieh" der jetzt da? stärkste Schiff der Welt ist, erhält zehn 13V-zöllige Geschütze, die paarweise, in fünf Barbetten, zwei vorn, eine mittschiffs und zwei hinten, aufgestellt sind. Die 30Va Zentimeter starke Panzerung reicht von weit unter der Wasserlininie big zum obersten Deck. Ferner erhält der „Redschahdieh" sechz'hn sechSzöllige und zahlreiche kleinere Geschütze, sowie Torpedorohre für einundzwanzigzöllige Torpedos. DaS Schiff ist 160 Meter lang, hat 8Va Meter Tiefgang und 23 000 Tonnen Wasserverdrängung. Seine Geschwindigkeit beträgt 21 Knoten.
Der russische Torpedojäger „Novik", dessen Deplacement 1400 Tonnen beträgt und der nach den Plänen der Vulcan-Werke in Hamburg und Stettin gebaut und mit einer von den Vulcan-Werken hergestellten Turbinen- und Kesselanlage ausgerüstet ist, erzielte bei der offiziellen Meilen- fahrt mit vorschriftsmäßiger Belastung eine mittlere Geschwindigkeit von 37 Knoten. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 37.3 Seemeilen in der Stunde. Während der ganzen Fahrt zeigte sich an den Schornsteinen der durchwegs mit Heizöl gefeuerten Kessel nicht die geringste Rauchentwicklung. Auch im übrigen verlief die Fahrt, bei welcher trotz der enormen Geschwindigkeit die Maschinen und Kessel durchaus nicht bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beansprucht wurden, ohne jede Störung und zur größten Zufäeden- heit der Abnahmekommission, die sich au? einer Anzahl hoher russischer Seeoffiziere und Marinebeamten zusammensetzte. Hiermit hält der „Novik" den Weltrekord al? schnellste? Schiff.
Unsere deutsche M i l i t ä r s l i e g e r t r u p p e hat abermals eine schwere Katastrophe zu beklagen. Zwei Offiziere, die am Donnerstag vormittag mit einer „Taube" zu einem Probefluge aufgestiegen waren, find infolge AuS- hakenS einer Tragfläche auS bedeutender Höhe abgestürzt und sofort getötet worden. Ueber den tragischen Vorfall, der nur geeignet ist, die Achtung vor der Unerfchrockenheit, mit der unsere Offiziere sich dem Fliegerdienst widmen, zu erhöhen, wird gemeldet: Die zur Fliegerabteilung kommandierten und der 11. Division zugeteilten Flieger Leutnant Eckenbrecher vom 18. Dragoner-Regiment und Leutnant PrinS vom 83. Infanterie-Regiment unternahmen gestern vormittag 10 Uhr auf dem Haidauer Exerzierplätze bei Brieg einen Probeflug mit einer Rumpler-Taube, nachdem der Apparat unmittelbar vorher wieder aufmontiert worden war. In einer Höhe von hundert Metern hakte die linke Tragfläche auS. Der Apparat überfchlug sich und stürzte zur Erde. Beide Offizieren waren sofort tot. Der Apparat wurde zertrümmert.
Fern ab von dem großen Getriebe, in dem mit einem herrlichen Schlosse gekrönten Sigmaringen, beging der junge König Manuel von Portugal seine Hochzeit mit der Zollern Prinzessin Auguste Viktoria, und allgemein fragt man wohl mit den Worten aus „Undine": „WaS wird Dein einstig Schicksal sein?" Wir schreiben „König", denn da Manuel nicht formell auf die Krone Portugals verzichtete, so wird ihm bei den Höfen von London, Berlin, Wien, Rom, Madrid usw. noch alS „König" die Anrede „Majestät" zuteil, und diesen Titel wird auch die Hohenzollern- prinzcß führen, während in Portugal nur noch von einem Dom Manuel de Braganca in den nichtmonarchistischen Zeitungen geschrieben wird.
WMtiFitfiÄ
Kreisbahn,
welcher für die Zeit vom 27. September, dem Tage der Betriebseröffnung, bis zum 31. März 1913 vorliegt, läßt sich ersehen, daß das erste halbe Jahr ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis gebracht hat. Der Betrieb wurde in dem angegebenen Zeitraum ohne jede Störung durchgeführt, in jeder Richtung verkehrten täglich vier Züge. Außerdem war für die in Hersfeld beschäftigten Arbeiter ein besonderer Arbeiterzug eingelegt worden. An Betriebsmitteln besitzt die Kreisbahn zwei dreiachsige Tenderlokomotiven mit je 38,5 Tonnen Dienstgewicht und zwei vierachsige Tenderlokomotiven mit je 60,5 Tonnen Dienstgewicht, 7 Personenwagen 2. u. 3. Klasse, 2 Post- und Gepäckwagen, 2 Bahnmeisterwagen und 12 Güterwagen. An Personal sind 1 Betriebsleiter, 2 Bahnhofsvorsteher, 1 Bahnmeister, 2 Zugführer, 3 Lokomotivführer, 4 Heizer, 1 Schlosser, 2 Stationsarbeiter, 4 Bahnagenten, sowie 2 Rottenführer mit 30 Rotten- arbeitern beschäftigt.
Die Lokomotiven legten in dem halben Jahre seit Betriebseröffnung im ganzen 41753 Kilometer, die Wagen 354302 Kilometer zurück.
Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr betrugen in dem halben Jahre insgesamt 26975,70 Mk., aus dem Güterverkehr 17232,30 Mk., hierzu Nebeneinnahmen 2295,30 Mk., so daß die Gesamteinnahmen 46503,30 Mk. betrugen. Die Betriebsausgaben erreichten die Höhe von 37527,54 Mk., so daß ein reiner Betriebsüberschuß von 8975,76 Mk. verblieb.
Die Einnahmen aus dem Personenverkehr sind wohl als zufriedenstellend zu bezeichnen, dagegen blieb der Güterverkehr hinter den gehegten Erwartungen zurück, was aber auch viel an dem schlechten Ernteausfall des vorigen Jahres gelegen haben mag. Eine weitere wesentliche Steigerung wird für das laufende Betriebsjahr wohl auch der beginnende Kaliversand der Gewerkschaft Heimboldshausen bringen.
Die Einnahmen aus dem Personenverkehr verteilen sich auf die einzelnen Stationen wie folgt: Hersfeld . . . 8845,75 Mk. Sorga . 3306,05 „ Malkomes . . . 1490,95 „ Schenksolz . . . 710,95 „ Schenklengsfeld . . 7067,10 „ Wehrshausen . . 168,45 „ Ransbach . . . 1948,95 „ Heimboldshausen . . 3437,50 „ Der Güterverkehr erbrachte in Hersfeld . . . 3224,40 Mk. Sorga . 1876,60 „ Malkomes . . . 1553,00 „ Schenklengsfeld . . 4524,30 „ Ransbach . . . 2156,20 „
Gewerkschaft Nippa . 3745,00 Mk.
Heimboldshausen . . 152,80 „
Aus allen diesen Zahlen ersieht man, daß die Hersfelder Kreisbahn, welche einen wesentlichen Teil unseres Kreises dem Verkehr erschlossen hat, zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Auch der Touristenverkehr marin diesem Sommer ein außerordentlich reger, so daß an Sonntagen die Züge stets überfüllt waren. Möge das auch in Zukunft so bleiben, denn die von der Kreisbahn berührte Gegend bietet eine Menge der schönsten Touren, die man bis in das angrenzende Thüringen leicht ausdehnen kann.
Hn$ Provinz n. DaeNargebiet.
* (DaS Recht ausLuft imCoupee.) Das mehr oder weniger geschlossene Fenster im Zuge hat schon manchen Streit und Aerger verursacht. Meist ist man der Ansicht, daß der luftbedürstige Reisende vor dem Oeffnen eine? Fenster? erst die Erlaubnis der Mitreisenden einzuholen habe; dem ist aber nicht so. Ein Leser teilt der „Frkf. Ztg." mit, daß er sich >n dieser lustigen Frage vor einigen Jahren an die Effeabahnbetriebsinspektion 1 in Berlin gewendet habe, von der er am 10. Dezember 1910 folgenden Bescheid erhielt: „Während der Heizperiode ist bestimmungsgemäß daS teilweise Oeffnen eines Fensters im Abteil bis zur Hälfte gestattet. Ausnahmen hiergegen bestehen nicht. ES muß jedoch jedem Reifenden überlasten bleiben, Rücksicht auf feine Mitreisenden insofern zu nehmen, alS an besonder? kalten und windigen Tagen zeitweise beide Fenster geschlossen gehalten werden. Da? Oeffnen der Fenster aus beiden Seiten des Abteil? ist nach § 22 der EisenbahnverkehrSordnung nur mit Zustimmung aller in demselben Abteil reisenden Personen gestattet." — ES bedarf also zum Oeffnen eines Fensters nicht erst der Ge- nehmigung der Mitreisenden: allerdings werden die meisten wohl aus Höflichkeit die Frage stellen, ob eS erlaubt fei, da? Fenster herabzulassen.
):( Hersfeld, 4. September. Die in diesem Jahre in Aussicht genommenen Schüler-Wettspiele (Frei- Übungen, volkstümliche Uebungen, Wettspiele) von Schulen deS Kreises aus verschiedenen Spielplätzen sollen am Sonntag Nachmittag in Philippsthal, am 7. d. MtS. Beginn 1 Uhr, in Schenklengsfeld, am 14. d. MtS. Beginn lVa Uhr, in Niederaula, am 21. d. MtS. Beginn 2 Uhr auf den neuen Spielplätzen stattfinden.
§ Hersfeld, 5. Sept. Zur Warnung sei folgender Fall mitgeteilt : Der Dienstknecht R. S. zu Niederzwehren hatte seinen Dienstherr« angezeigt, er sei bei dem Füttern der Pferde gefallen und habe sich dabei eine Verstauchung deS linken Armes zugezogen, während er jn Wirklichkeit auf der Treppe zum Tanzjaal hingefallen war. Diese falsche Anzeige hatte er nur gemacht, um sich eine Rente auS der Hessen- Nassanischen landwirtschaftlichen Berufsgenostenschaft zu verschaffen. Infolge dieser Handlungsweise hat daS Königliche Schöffengericht zu Castel den Dienstknecht wegen Betrugs» Versuchs zu einem Monat GesängniS und in die Kosten des Verfahrens verurteilt (§ 263 St. G. B.)
):( Hersfeld, 5. Sept. Einen großen Lustspiel- Abend wird die Herrmannsche Theatertruppe als vorletzte- Gastspiel veranstalten. Zur Aufführung gelangt der tolle Novitäten-Schlager „So'n Windhund." Wer einen äußerst vergnügten Abend verleben will, der sehe sich diese- Stück an.
):( Hersfeld, 5, September. Am Mittwoch nachmittag fand im RathauSsaale eine Sitzung der Stadtverordneten statt, zu der sich 17 Mitglieder eingefunden hallen. Vom Magistrat war der 1. Beigeordnete Herr Auel, ferner Herr Kommerzienrat Rechberg, Herr Bauunternehmer Julius Roll und Herr MagistatSaffessor Dr. Schcffer erschienen. Die ersten Punkte der Tagesordnung betrafen eine ganze Reihe von N a ch b e w illi g u n g e n. Für Einlegung der GaS- und Wasserleitung in den unteren Teil der Fuldastraße bis zu einem daselbst errichteten Neubau hat der Magistrat die Kosten in Höhe von ca. 430 Mk. bewilligt, dem die Stadtverordneten zustimmten. — Bei dem ElektrizitätSwerk sind Anmeldungen auf Anschlüffe noch so zahlreich eingegangen, daß weitere 600 Mk. gut Ausführung derselben nötig sind, die bewilligt wurden. Die Anschlüsse werden bekanntlich auf Kosten der Stadt ausgeführt und erfreulicherweise sind bedeutend mehr Anschlüsse gemacht worden wie ursprünglich angemeldet waren. — In den westlichen Flügel der alten Bürgerschule soll die Gasleitung eingelegt werden, da in diesen Räumen die Gewerbliche Fortbildungsschule untergebracht werd n soll. Die Kosten in Höhe von 285 Mk. wurden bewilligt. Bei dieser Gelegenheit bemängelte Herr Stadtverordneter Schimmelpfeng die schlechte Beschaffenheit der Fußböden in den Klassenzimmern, in welchen Dom Herbst ab die Luisenschule untergebracht werden soll. ES müsse unbedingt die Neudielung eines Zimmers vorgenommen werden, zu dem die Stadtverordneten die erforderlichen Mittel bewilligen möchten. Nach einer längeren Aussprache beschloß die Versammlung, den Magistrat zur Vornahme der Neudielung zu ersuchen und bewilligte die entstehenden Kosten. — Für Einlegung der elektrischen Leitung in die Dienstwohnung deS neuen Rektors waren 230 Mk. erforderlich, die ebenfalls bewilligt wurden. — Die Koch- und HauShaltungS» schule, die seither von dem Vaterländischen Fcauenverein unterhalten wurde, ist jetzt von der Stadt übernommen worden. Zur Anschaffung von LebenSmitteln zu Kochzwecken waren vom Magistrat 543 Mk. bewilligt worden. Die Stadtverordneten, welche einstimmig von dem großen Wert einer derartigen Schule überzeugt waren, stimmten diesem Beschlusse zu. — Dem Infanterie-Regiment Nr. 83 in Cassel war auS Anlaß seines 100jährigen Bestehen-, zu dem die Stadt eingeladen worden war, ein Bild vom Magistrat zum Geschenk gemacht worden. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 165,30 Mk., die nachbewilligt wurden. — Bei den an dem alten FruchtmagazinSgebäude vorgenommenen Reparaturarbeitcn war noch ein Posten mit 122,65 Mk. zu begleichen, dem man zustimmte. — Herr Direkto r Laut e mann auS Marburg, der bekanntlich daS Projekt unseres ElektrizitätS- werke- auSgearbeitet hatte, hat den Magistrat gebeten, feine Vergütung von 1180 Mk. auf 2200 Mk. zu erhöhen, da er durch den größeren Umfang der Werke- sowie durch einige nicht vorgesehene Reisen bedeutende Unkosten gehabt habe. Der Magistrat hat beschlossen, die Vergütung um 500 Mk. zu erhöhen, doch war die Mehrzahl der Stadtverordneten hier- für nicht zu haben. ES entspann sich eine recht lebhafte Debatte über diesen Punkt, wobei verschiedentlich bemerkt wurde, daß die Anlage unsere- Elektrizität-werke- viel zu teuer erfolgt sei. Nur der Umstand, daß der StrombezugS« preis für die Stadt ein außerordentlich billiger fei, würde daS Werk rentabel machen. Die ganze Anlage hätte praktischer, billiger und schöner auSgeführt werden können, und gerade die eisernen Masten, die sich in vielen Fällen so Verkehrs- hindernd bemerkbar machten, seien an der Verteuerung schuld.