Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für^ersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. tq
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herrftl-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 105
Sonnabend, den 6. September
1913
Unter dem Titel hnsstliiel ÄgÄott
wird vom 1. Oktober ab das seitherige Hersfelder Kreisblatt erscheinen.
Jede Nummer des Hersfelder Tageblatt wird einen aus dem neuesten Material des Tages zusammengestellten ltichey Lesestoff
bieten.
Ferner wird ein wöchentliches Illustriertes
Sonntagsblatt mit vorzüglichen Romanen, alle 14 Tage eine Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage und der Amtliche Anzeiger, der sämtliche Bekanntmachungen, Verordnungen usw. des Königlichen Landratsamtes und anderer Behörden enthält, gratis beigegeben.
Der Abonnementspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1.50 Mk., durch die Post bezogen 1.60 Mk.
Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein
Verlag des Sersselder Tageblatt (Kreisblatt).
• Amtlicher teil.
Cassel, den 22. August 1913.
Schon seit einiger Zeit haben wir einen großen Teil der uns von Kreisverwaltungen und Gemeinden zugegangenen DarlehnSanträge mangels verfügbarer Mittel ablehnen müssen.
Zur Vermeidung weiterer vergeblicher Anträge teilen wir deshalb ergebenst mit, daß inzwischen über unsere sämtlichen Mittel bis zum Frühjahr 1915 bereits versügt und die Uebernahme neuer Zahlungsverpflichtungen vor dieser Zeit ausgeschlossen ist.
Wir ersuchen ergebenst, dieses auch zur Kenntnis der Gemeinden Ihres Kreises zu bringen. (I. Nr. 1381.)
Der Vorstand der LandeSversicherungSanstalt Hessen-Nassau, gez.: Frhr. R i e d e s e l, Landeshauptmann.
HerSfeld, den 1. September 1913.
Wird veröffentlicht.
I, 9975. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 28. August 1913.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 31. Juli d. JS., I. B. Nr. 3793, im KreiSblatt Nr. 94, bestimme ich hrerdurch noch Folgendes:
Zur Herbeiführung eines einheitlichen Verfahrens haben die OrtSpolizeibehörden bei Erteilung der Genehmigung zum Beginn der Putzarbeiten bei den zu Gruppe II gehörigen Bauten den sonst üblichen Termin von sechs Wochen nach der Abnahme grundsätzlich einzuhalten. Soll mit dem Verputz bereits früher begonnen werden, so ist hierzu, unter Angabe der Gründe, meine Genehmigung einzuholen.
Bei Stall- und Wirtschaftsgebäuden, Schornsteinanlagen und baulichen Herstellungen, die keine menschlichen Wohn» und Schlasräume, Küchen und Werkstätten und dergleichen betreffen, ist eine sechSwöchentliche Frist bis zum Beginn der Putzarbeiten nicht nötig. In diesen Fällen bleibt es den OrtSpolizeibehörden überlassen, hierfür einen früheren Termin zu bestimmen. . „ . t
In den Bauabnahmescheinen ist stets ein Vermerk darüber aufzunehmen,^ wann mit den Putzarbeiten begonnen werden
In denjenigen Fällen, in welchen nach der Rohbauabnahme die Abstellung von Baumängeln zu kontrollieren ist, welche nach Beginn der Putzarbeiten nicht mehr nachzuprüfen sind, ist in dem Abnahmeschein zu vermerken, daß mit den Putz
arbeiten erst nach Abstellung der betreffenden Baumängel begonnen werden darf.
Ich erwarte, daß diese Anordnungen künftig genau beachtet werden.
I. B. Nr. 4017. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
PolitischeHöchenbericht.
Dieser Jahr ist für unS ein Jahr nationaler ErinnerungS« feiern. Da steht der S e d a n t a g, den wir in der BerichtS- woche wiederum gefeiert haben, nicht wie sonst vereinzelt da. Ein strahlender Kranz von Gefährten, Katzbach, Großbeeren, Dennewitz, Leipzig, umrahmt ihn. Doch vermag diese Fülle gleichartiger Feierlichkeiten den Sedantag keineswegs herabzu- drücken und feinen Glanz zu mindern, sie verleiht ihm vielmehr nur noch ein erhabeneres Relief und eine erhöhte Bedeutung. Ein innerer Band verknüpft die Jahrhundertfeier mit Sedan. WaS sich in den Herzen der Kämpfer von 1813, 14 und 15 erst leise regte, die stille Sehnsucht nach dem nationalen Ein- heitSstaate, daS schattenhafte Traumbild alter Barbarofsaherrlich- keit, der Gedanke an Kaiser und Reich, eS ist auf der blutigen Wahlstatt von Sedan saß- und greifbare Wirklichkeit geworden. Die Jahre 1870 und 71 haben vollendet, waS in den Jahren 1813 bis 15 angebahnt und vorbereitet worden ist. Erst mußte die Ehre gesunkener Fahnen wiederhergestellt, erst mußte der vaterländische Boden von dem Unkraut der Fremdherrschaft gereinigt werden, ehe er fähig war, die Saat nationaler Einheit aufzunehmen und zur Frucht auSreisen zu lassen. Leipzig und Sedan, sie gehören zusammen wie stützende Grundmauern und ragender Turm. Die Erkenntnis dieses Zusammenhanges ist in den diesjährigen Scdanfeiern vielfach zum Ausdrücke gekommen und hat ihnen eine besondere Stimmung und Färbung geliehen. Höher noch als sonst gingen die Wogen patriotischer Begeisterung, und tiefer denn je hat sich daS Bewußtsein gefestigt, daß der Sedantag unser Nationalfest ist und bleiben muß.
Den Posener Kaisertagen haben sich die BreSlauer K a i s e r t a g e angereiht. Stärker noch als anderswo um« rauschte den Kaiser in BreSlau den Flügelschlag der Geschichte. Ist doch BreSlau die Stätte, wo daS Banner der nationalen Erhebung zuerst ausgepflanzt wurde, und von wo der Sturmwind auSgegangen ist, der den deutschen Boden reingefegt hat von den fremden Eroberern. In der feinsinnigen und geistvollen Weise, mit der Kaiser Wilhelm II. geschichtliche Zusammenhänge auszudecken und zu würdigen weiß, hat er den großen BreSlauer Traditionen in seiner Ansprache warm- empfundenen Ausdruck geliehen. Auch Schlesien ist wie Posen wenigstens teilweise von der slawischen Flut umbrandet und bedroht. Möge die Erinnerung an ihre einstige Vorkämpjer- stellung vor hundert Jahren SchlesienS Söhnen und Töchtern ihre nationale Widerstandskraft stählen und stärken.
Unter den auswärtigen Angelegenheiten hat daS Balkanproblem, daS die öffentliche Meinung Europas elf Monate hindurch in Atem'gehalten hat, mit dem Abschluß des Bukarest« Frieden? feinen akuten Charakter verloren. Auch die Verhandlungen, die zwischen der Türkei und Bulgarien stattfinden, haben gute Aussicht, zu einer Verständigung zu führen, die den Türken Adrianopel und den Bulgaren eine bessere Grenze in Thrazien sichert, alS sie nach dem großen Umschwung und der selbstverschuldeten Verschlechterung ihrer Stellung erwarten dursten. Ob freilich mit dem gegenwärtgen Ruhepunkt die Reihe der Konflikte im nahen Orient ihren endgültigen Abschluß erreicht haben dürfte, ist eine Frage, die wir unS nicht in bejahendem Sinne zu beantworten getrauen. Vielmehr wird bei der Unsumme von Haß, den die voraus- gegangenen Ereignisse in den beteiligten Völkerschaften zurückgelassen haben, daS Wort von dem Balkan als dem Wetterwinkel Europas auch wohl in Zukunft seine Gültigkeit behalten.
Während da? Interesse an den Balkankriegen offenbar im Abflauen begriffen ist, wendet sich die Aufmerksamkeit in steigendem Maße den Beziehungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten zu. Präsident Wilson kann e? nicht über sich gewinnen, Huerta alS Präsidenten in Mexiko anzuerkcnnen, weil an dessen Händen da? Blut de? früheren Präsidenten Madero klebt, der bekanntlich von Huerta gefangen genommen war und bei einem BesreiungSversuche erschossen wurde. Diese Feinfühligkeit scheint etwa? weitgehend, wenn man bedenkt, daß Madero seinerseits den Bürgerkrieg entfesselt, und den um die Entwickelung Mexiko? wohlverdienten Porfirio Diaz verdrängt hat. Man wird sich daher auch wohl nach einem anderen Grunde sür da? Verhalten Wilson? umsehen müssen, und dieser dürfte in dem Jmperiali?mu? oder Weltmachtstreben der Vereinigten Staaten zu finden sein. Wir haben e? hier ohne Zweifel mit der Anwendung der sogenannten Monroedoktrin zu tun, und zwar in der erweiterten Auslegung, die diese unter dem Präsidenten Roosevelt ersahren hat. Hiemach beansprucht die Union da? weitgehendste Ein- mischungSrecht auch in die inneren Angelegenheiten der übrigen
Staaten des amerikanischen Kontinent?. In der Tat kann man die Einmischung nicht gut weiter treiben, al? e? Wilson Mexiko gegenüber augenblicklich tut. Man darf gespannt sein, ob Huerta sich den Ansprüchen der Vereinigten Staaten unterweisen und damit die politische Selbständigkeit Mexiko- preiSgeben wird, oder ob er eS zum Kriege kommen läßt. Ein solcher Krieg dürfte zwar mit einem schließlichen Siege der Union enden, ober zugleich äußerst langwierig sein und ungeheure Opser an Gut und Blut kosten.
In China ist Nanking, dessen Einnahme schon mehrfach verfrüht gemeldet worden ist, nunmehr tatsächlich den Regierung-truppen in die Hände gesallen. Damit haben die Ausrührer ihr letztes Bollwerk verloren, und die chinesische Revolution darf alS endgültig gescheitert betrachtet werden. Noch kurz vor diesem rühmlosen AuSgange hatten sich die Revolutionäre bei einem durch nichts gerechtfertigten Angriffe aus ein deutsche- Kriegsschiff eine tüchtige Abfuhr geholt, die von neuem beweist, daß wir allen Grund haben, auf unsere Marine stolz zu sein.
Manöver.
In den Dörfern gehen die Quartiermacher, umjubelt von der Jugend, von HauS zu Hau- und schreiben mit Kreide an daS Hostor, wieviel Mann oder wieviel Pferde einquartiert werden sollen. Da- ist sür daS Land die große Sensation deS JahreS, die aus dem Rittergute genau so empsunden wird, wie in der Bauernstube, eine imposante Theatervorstellung, die man nur selten erlebt. Für da? Heer aber bedeuten die Herbstmanöver einen der wichtigsten Abschnitte der Ausbildung. Jetzt muß der Soldat in gewaltigen Marschleistungen zeigen, daß er fertig trainiert ist; und der Truppensührer, daß er taktische- Verständnis und frische Initiative besitzt. Also die große Echlußprüfung am Ende eine- militärischen JahreS.
Früher wurden dabei im wesentlichen Bilder gestellt, martialisch anzuschauen, mit viel Pulverdampf und Marsch Marsch Hurrah, dazu einen schönen „Feldherrnhügel," auf dem der Leitende mit seiner — wie e? regelmäßig hieß — glänzenden Suite hielt. Heute glänzt nichts mehr. Und vom Feldherrnhügel mit den heransprengenden Adjutanten sind wir in daS Bureauzimmer mit dem klappernden Telegraphen geraten. AlS Feldmarschall Frhr. von der Goltz, der diesmal als Oberschiedsrichter in da? Kaisermanöver geht, zum letzten Mal selbst eine Armee sührte, kam er drei Tage lang nicht auS seiner Stube im Quartier. Dort saß er über der Karte. Und sie wurde für ihn lebendig durch die Meldungen der Flieger, die Funksprüche der Luftschiff«, die Telegramme der Kavalleriepatrouillen. Blitzschnell kann die neue Entschließung ebenso wieder hinausgehen; wenn eS not tut, daß ein Befehl handschriftlich überbracht wird, geschieht eS durch Kraftwagen.
Also da- Kriegerisch-bunte und Phantastische ist schlicht und nüchtern geworden, genau so wie die Unisormen. Diese Entwicklung durchzusühren, hätte unter dem alten Kaiser, der sich nur schwer von der Ueberlieserung loSriß, große Mühen gekostet; sie ist unter Wilhelm II. zur Wirklichkeit geworden, obwohl gerade ihm nachgesagt wurde, er hänge sein Herz an „Kinkerlitzchen" und Schaugepiänge. Unsere Manöver werden von Jahr zu Jahr kriegSmäßiger. ES werden die „Schlachtfelder" nicht vorher bestimmt, und ebensowenig zieht der Schiedsrichter stets neue „Annahmen" aus dem Ueberrock- Aermel, durch die früher erreicht werden sollte, das wirklich auch derjenige den „Sieg erfocht," für den er vorgesehen war. Die Korpskommandeure haben heute völlig freie Hand. Sie sind auch von den Quartieren unabhängig, bis zu denen man sich früher hindurchsiegen oder hindurchretirieren mußte, um am Ende deS TageSgefechtS keinen allzulangen Heimmarfch mehr zu haben. Alle diese Künsteleien sind gefallen. Man biwakiert einfach aus dem Schlachtselde, ganz gleich wo, und die Verpflegung schaffen die Magazine anstelle der Quartier- wirte. Aus diese Weise ist eS endlich erreicht, daß die großen Herbstübungen wirklich die Schule für unsere künftigen Heerführer werden.
Immer mehr nimmt die Technik überhand ; an der Parade deS GardekorpS haben diesmal Lustschiffer und Flieger deshalb nicht teilgenommen, weil sie längst in olle vier Winde verspritzt und aus die Armeekorps verteilt sind. Trotzdem ist die Bedeutung der bisherigen Aufklärung-waffe, der Kavallerie, eher noch gestiegen. Alle die Kriege der letzten Jahre endeten bei den Unterlegenen mit dem Schrei nach sofortiger Neu- ausftellung von Reiterregimentern, und wir können dem Kaiser dankbar sein, daß er seinerseits nicht erst einen verlorenen Krieg abwartet, sondern von vornherein die Kavallerie zahlenmäßig und in ihren Leistungen verstärkt. Inzwischen sind die alten Lästerer der „kaiserlichen Schau-Attacken" auch verstummt. Heute weiß jedermann, daß unsere Manöver die denkbar beste Vorübung auf kriegerische Lagen sind.
Zur Lage auf dem Baltau.
Berlin, 4. Sept. Wie man von wohl unterrichteter Seite erfährt, glaubt man in Berliner diplomatischen Kreisen nicht daran, daß sich in Bezug auf die Frage von Dedeagatsch von neuem ein kleines Gewitter auf dem Balkan zusammen-