Der Vorbeimarsch der Truppen dauerte bis nach 10 Uhr. Dann hielt der Kaiser Kritik ab und sührte unter dem Jubel des Publikums die Feldzeichen nach dem Schlosse zurück. Aus dem Schloßhose nahm der Kaiser zunächst militärische Meldungen entgegen, ferner aus den Händen einer Deputation deS OffizierkorpS deS 1. Garde-Feldartillerie-RegimentS anläßlich seines 25jährigen ChefjubiläumS eine Ehrengabe. Darauf h!elt der Kaiser ein Gespräch mit den Schiedsrichtern über die bevorstehenden Kaisermanöver. Im Sternensaale deS Königlichen Schlosses empfing der Kaiser daraus die schwedische Eonderkommiffion, welche ihm anläßlich deS 25jährigen Jubiläums als schwedischer Admiral einen Ehrensäbel überreichte. ,
Wie die „Tägl. Rundsch." hört, ist daS Schicksal deS neuen KaligesetzeS, daS dem Reichstage schon in der bevorstehenden Tagung vorgelegt werden sollte, sehr fraglich geworden. Ueber eine Reihe der wichtigsten Bestimmungen deS neuen GesetzeS bestehen unter den Bundesregierungen erhebliche Meinungsverschiedenheiten und eS ist vorerst keine Aussicht aus Einigung vorhanden. Vor mehreren Wochen hat in Berlin eine Besprechung von Vertretern der Bundesregierungen stattgesunden, die die Kalisrage zum Gegenstand hatte. Die anwesenden BundeSratSvertreter wurden mit dem vom ReichSamt deS Innern ausgearbeiteten Entwurf vertraut gemacht. Eine Reihe wichtiger Bestimmungen fand aber starken Widerspruch und man kam überein, aus dem Wege weiterer Verhandlungen eine Einigung zu versuchen.
Wie verlautet, sollen Verhandlungen zwischen der deutschen und der amerikanischen Regierung gepflogen werden, die eine Abänderung der Entschließung Deutschlands, nicht an der Ausstellung in San FranziSko teilzunehmen, herbeizuführen versuchen. Dieses Gerücht wird in Berliner diplomatischen Kreisen für salsch eiklärt. Deutschland habe seinen Standpunkt erklärt und sein Entschluß, an der Ausstellung nicht teilzunehmen, sei unabänderlich.
Wie von militärischer Seite mitgeteilt wird, hat der landwirtschaftliche Unterricht im Heere auch neuerdings erfreuliche Erfolge aufzuweifen. Insbesondere beteiligen sich die Soldaten in den Großstädten immer mehr an dem Unterrichte. So haben beispielsweise in Berlin fast 2000 Soldaten an dem Lehrgänge teilgenommen; auch in Hamburg, BreSlau, Franksurt, Hannover und Danzig sind ähnliche erfreuliche Erscheinungen zu bemerken gewisen.
Gegen eine mechanische Abänderung der ReichS- tagSwahlkreise sprechen sich die rechtSnationalliberalen „Jtzehoer Nachrichten" auS: „Würde man die Kreise rein mechanisch hinsichtlich der Einwohnerzahl gleich groß machen, so würden davon naturgemäß die Großstädte, die flit 1871 weitaus am raschesten gewachsen sind, am meisten profilieren, und den Vorteil hätten davon, wie die angeführte Slatistik nachweist, ausschließlich die Sozialdemokraten. Denn der Rückgang der konservativen Stimmen in den Großstädten ist nicht dem Liberalismus, sondern ausschließlich der Sozial- demokratie zugute gekommen. Gewiß wird eS wünschenswert sein, die infolge der Verschiebung der Bevölkerung im letzten halben Jahrhundert eingetretene allzu große Ungleichheit der Wahlkreise abzuschwächen, aber eine vollkommene Gleichmacherei wäre eine schwere Schädigung nicht nur sür daS Platte Land, daS zu völliger politischer Bedeutungslosigkeit herabgedrückt werden würde, sondern auch sür die Interessen des gesamten Bürgertums. Mögen Konservative und Liberale in ihren Auffassungen auch noch so weit auseinandergehen, mögen sie sich gelegentlich auf daS schärfste befehden, so dürfen sie doch daS Eine nie vergessen, daß sie beide verloren sind, wenn sie der Sozialdemokratie die Vorherrschaft im Parlament gewähren und eS ihr dadurch ermöglichen, einen Teil der Gesetzgebungs- maschine lahmzulegen."
Der einstige Bürgermeister von Usedom und jetzige französische Fremdenlegionär Troemel soll sich zurzeit immer noch im Hospital von Oran befinden, wo er auf seinen Geisteszustand beobachtet wird. Seine körperliche Gesundheit soll sonst nichts zu wünschen übrig lassen. Sollte bei Troemel völlige Geisteskrankheit nicht festgestellt werden, so nimmt man doch an, daß ihm schließlich von den französischen Behörden keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, in die Heimat zurückzukehren.
Der Widerstand, den die südchinesischen Rebellen in N a n k i n a leisten, ist verzweifelt und erbittert. Noch ist ein Teil der Stadt in den Händen bet Verteidiger, und die Truppen der Pekinger Regierung, die sich bereits als Herren in der eroberten Festung dünkten, müssen immer noch eine wichtige Position nach der andern einzeln erstürmen. AuS Schanghai wird gemeldet: Infolge der am Montag den ganzen Morgen über andauernden Beschießungen waren die
„Saher II und Werder II," ries Aubert mit seiner dünnen, durchdringenden Stimme.
Hilda und Marie richteten sich aus und blickten nach der Tür. Ihre Herzen klopften hestig. Bedeutete dieser Ruf Gutes oder SchlinzmeS für sie?
Aubert kam zu ihnen heran und bückte sich zu Hilde.
„Sie sind verwundet?" fragte er laut. „Ich habe davon gehört. Sie sollen verbunden werden."
Hilda wagte nicht zu antworten aus Furcht, etwas zu ihrem Nachte l zu sagen.
„Haben Sie Schmerzen?" fuhr Aubert fort.
„Die ganze Nacht hat er gestöhnt," antwortete Marie mit großer Geistesgegenwart an HildaS Stelle.
Aubert ging zur Tür.
-He. Möre Gärard, kommen Sie doch herein! Hier ist ein Verwundeter, der verbunden werden muß."
Langsam und behäbig, sich in den Hüften wiegend, kam M^re Görard herein. Gleichmütig wand sie sich durch die Gefangenen hindurch und ließ sich auf ein Knie bei Hilda nieder.
„Sind Sie der Verwundete? Na, man braucht nicht zu fragen. Schlecht genug sehen Sie aus. Wo sitzt es denn?"
„Er hat einen Schuß in die Seite bekommen," nahm Marie wieder da? Wort. „Die Kugel ist noch drin."
„So, so. Sie sind wohl Werder II? Dann können Sie mir den Menschen hinaustragen helfen. ES ist die höchste Zeit, daß die Wunde untersucht wird. Fassen Sie mit an."
Möre Gärard stützte Hilda auf der einen, Marie auf der anderen Seite, und sie führten sie hinaus.
„Hier in diese Kammer!" befahl die Marketenderin. „Der Arzt wird gleich da sein."
Sie schob Hilda vor sich her, gab auch Marie einen Stoß, der sie mitten inS Zimmer beförderte und riegelte ab.
„Jetzt schnell, ohne langes Fragen!" bestimmte sie kurz. „ES hat sich jemand für euch bei mir verwendet und da — mais c’est 6gal. Kleidet euch um. Ihr seid jetzt Wäscherinnen da liegen die Anzüge. Auch zwei Körbe mit Wäsche sind da, die ihr tragen müßt. Sobald ihr umgeklcidet seid, geht
Rebellen gezwungen, Nanking zu räumen. Die TaipingS und die Truppen deS Generals Tschanghsun rückten in die Stadt. Eine Anzahl von Rebellen entkam, wie bereits gemeldet, durch daS Südtor, aber der Rest der Regiments der „tapferen Krieger" hält aus dem Löwenhügel aus, und der Kampf in den Straßen dauert noch an. — Aus Schanghai, 2. September wird gemeldet: Die Stadt Nanking ist bis jetzt noch nicht gefallen. Die Angriffe aus Hsiakuan sind erfolglos verlaufen. Aus dem Löwenhügel ist gestern die Flagge der Rebellen niedergeholt worden. Hsiakuan ist gestern niedergebrannt. Die Beschießung von Nanking durch Schiffe und die Kämpfe an der Südfront und Ostfront dauern fort.
Kranlenverficherung der Dienstboten.
Nach dem KrankenversicherungSgejetz vom Jahre 1883 waren bisher Dienstboten weder dem gesetzlichen noch dem statutarischen VersicherungSzwange unterworfen. Dagegen unterliegen sie vom 1. Januar 1914 ab der VersicherungSpflicht, können auf Antrag deS Arbeitgebers aber von der VersicherungS- Pflicht befreit werden, wenn sie bei Erkrankung Rechtsanspruch auf eine Unterstützung haben, die den Leistungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertig ist. Der Arbeitgeber muß also Nachweisen, daß er sich dem Dienstboten gegenüber zu solchen Leistungen in rechtSverbindlicher Form verpflichtet, und daß dieser von der Verpflichtung Kenntnis genommen hat. Gleichwertig ist die Unterstützung, wenn sie in der vorgeschriebenen Dauer gewährt wird und in ihrem Gesamtwert den Leistungen der Krankenkasse gleichkommt; die Fortzahlung deS LohneS ist als gleichwertig anzusehen. Voraussetzung für die Befreiung von der VersicherungSpflicht ist, daß der Arbeitgeber die volle Unterstützung auS eigenen Mitteln deckt. Abzüge für die Unterstützung bei Erkrankungen dürfen also dem Dienstboten nicht gemacht werden. Der Arbeitgeber kann die Erfüllung des Anspruchs durch einen Vertrag mit einem Dritten, z. B. einer Versicherungsgesellschaft, ficherstellen. Eine weitere Voraussetzung für die Besrriung ist die Leistungsfähigkeit deS Arbeitgebers. Wie sie in jedem Fall sestgestellt werden soll, darüber enthält daS Gesetz keine Vorschriften. Auch unter denjenigen Persönlichkeiten, die an der Gestaltung der ReichSversicherungS- ordnung und ihrer Durchberatung im Reichstage mitgewirkt haben, gehen die Ansichten darüber auseinander, ob die persönlichen Verhältnisse deS Antragstellers auf Befreiung einer Prüfung unterzogen werden müssen, oder ob die Versicherung bei einem leistungsfähigen VerstcherungSunternehmen auS- reicht, sofern die Beitragszahlung des Arbeitgebers sichergestellt ist. Eine einheitliche Regelung in dieser Frage ist nicht zu erwarten. Denn die Rerchsve.sicherungsordnung bestimmt, daß über den Antrag aus Befreiung der Vorstand der Krankenkasse, aus Beschwerde daS Versicherungsamt und aus weitere Beschwerde das Oberversicherungsamt endgültig entscheidet. Ein einheitlicher Grundsatz über die Prüfung der Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers wird daher für daS ganze Reich nicht aufgestellt werden, und eS ist wohl denkbar, daß von feiten der einzelnen OberversicherungSämter verschiedene Entscheidungen ergehen werden.
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von DooterMann, GutSpächter, Hattenbach.
Die Nährstoffversorgung der im Herbst zu bestellenden Aecker möglichst zweckmäßig zu gestalten, ist wohl der Wunsch eines jeden Landwirts. Nehmen doch die Wintersaaten in vielen Wirtschaften einen ziemlichen Teil deS Ackerlandes ein und der Verkauf von Roggen, Weizen, hie und da auch Raps bildet eine nicht unerhebliche Einnahmequelle zur Deckung der im Laufe des JahreS entstandenen WirtschaftSunkosten. Die praktische Erfahrung hat nun gezeigt, daß man bei den Wintersaaten mit Stallmist oder Gründüngung oder beiden zusammen nicht auSkommt. Es bleibt also nichts weiter übrig, als die künstlichen Düngemittel zu Hilfe zu nehmen, um mit einiger Gewißheit die Wintersaaten gut durchzubringen und hohe Körnererträge zu erzielen. AuS diesem Grund sollen in den nachsolgenden Zeilen einige DüngungSmaßnahmen kurz besprochen werden, welche von gutem Nutzen sind, aber oftmals in der Praxis noch nicht genügende Beachtung finden.
Um winterfeste Pflanzen hervorbringen zu können, muß der Boden mit den beiden Pflanzennährstoffen Kali und PhoSphorfäure angereichert werden. Deshalb sollte jedes Ackerstück, welcher mit Roggen oder Weizen oder Raps bestellt wird, recht frühzeitig mit Kainit und Thomasmehl oder mit 40% Kalidüngesalz oder SuperphoSphat gedüngt werden.
mutig aus dem Hause, ohne euch um irgend etwas zu kümmern. Geht die lange Straße nach Norden hinauf, die ihr gestern herunter gekommen seid. Draußen werdet ihr jemand finden, der euch weiterhilst."
„Dank, Dank," riefen die beiden Befreiten aus tiefster Seele.
„Keinen Dank," wehrte Möre @6taib unwirsch ab. „Macht eure Sache ordentlich."
Sie riegelte auf und entfernte sich.
Sobald die Frauen allein waren, stürzten sie sich in die Arme. Dann aber verriegelten sie sorgsam die Tür, warsen in größter Hast ihre Uniformen ab und zogen die Kleider an, die Möre Gärard bereit gelegt hatte. Sie paßten vorzüglich, und beide lachten herzlich darüber, daß sie ihnen so gut standen.
„Unsere Uniformen legen wir unten in die Körbe und die Wäschestücke obenauf," sagte Marie. „Etwas muß gewagt werden."
„Selbstverständlich. Wir können die Uniformen ja gar nicht entbehren," sagte Hilda eifrig. „Wir wollen noch manchen Strauß zusammen auSsechten gegen bie Franzosen, meinst du nicht, Marie? Friedrich und Georg werden sicherlich bald ausgewechfelt, glaubst du nicht? Du bist so schweigsam, Marie."
Ihr Ton war immer dringender geworden. Marie hörte die Angst heraus um den Gatten, die Hilda sortscheuchen wollte. Sie hätte sie gern in ihrer Hoffnung bestärkt und wollte doch nicht lügen.
„Erst laß uns frei werden, Hilda, das ist die erste Bedingung. Bist du fertig? Hier, nimm deinen Korb. Die Uniform ist darin, die Wäsche obendrauf. Komm, ich helse dir, den Korb heben. So! Halte ihn mit einer Hand; daS sieht ganz gut aus. Man darf keine Ungeschicklichkeit merken; sonst ist gleich der Argwohn da, daß du nicht bist, waS du scheinst."
„Aber du, Marie, du verstehst die Sache. Wie leicht und sicher trägst du den Korb, ohne ihn zu berühren!" sagte Hilda bewundernd.
„Tas habe ich als Mädchen oft mit unseren Dorsschönen
Man streue 3—5 Zentner Kainit und 2—3 Zentner Thomasmehl pro Morgen, möglichst bald, nachdem die Saatsurche gegeben ist, auf allen leichten und mittleren Böden aus und gebe den zähen Lehm- und Tonböden frühzeitig 1—1V» Zentner 40 prozentigeS- Kalidüngesalz und unmittelbar vor der Bestellung IV2—2% Zentner SuperphoSphat auf den Morgen.
Diese Düngung läßt man wohl fast allgemein den Wintersaaten, welche nach Getreide, nach Rüben oder Kartoffeln stehen sollen, zuteil werden. Sehr häufig aber kann man noch die Beobachtung machen, daß der Praktiker den Wintersaaten, welche nach Lupinen oder Seradella oder Gelbklee, also in Gründüngung, oder denen, welche in Stallmist gebaut werden, die genannten Kali- und PhoSpho säuremengen zu seinem eigenen Schaden vorenthält. Besonders die Sandböden und die moorigen Bodenarten bedürfen wegen ihrer Armut an Pflanzennährstoffen einer starken Kali- und Phosphorsäuregabe. Wurde Gründüngung zu Wintergetreide untergepflügt, fo ist alles, was etwa noch vorher an aufnehmbaren Nährstoffen im Boden vorhanden war, nunmehr in den GründüngungS- Pflanzen festgelegt und steht den jungen Wintersaaten nicht zur Verfügung. Fährt man Stalldung auf die Becker, welche man mit Winterfrüchten bestellen will, so denke man daran, daß trotz deS Stallmistes Kainit und Thomasmehl mit großem Vorteil gegeben werden können, weil diese beiden Nährstoffe, Kali und PhoSphorsäure, zu wenig im Stallmist vorhanden sind.
ES ist erwiesen, daß mit Kali gedüngte Saaten gegen die üblen Einwirkungen der Frostes und gegen Lagern sehr erheblich gesichert sind und hohe Körnererträge bringen. Deshalb dünge man alle Wintersaaten mit Kali. Besonder- reichlich dünge man alle Sand- und Moorböden, weil diese Ackerarten von Natur sehr arm an Kali sind.
Zu einem gesunden Herbstwachstum brauchen tvir aber auch eine Herbststickstoffdüngung in Form von etwa 40 Pfund schwefelsaurem Ammoniak oder Kalkstickstoff pro Morgen, dies gilt jedoch nur für diejenigen Wintersaaten, welche nach Getreide, Rüben oder Kartoffeln ohne Stallmist und Gründüngung gesät werden.
Jini Provinz n. Nackbargebiet.
*BeiPostkartenundoffenenDrucksachen- satten kommt eS häufig vor, daß der Absender Ausstellung?-, Reklame- und dergleichen Marken auf den rechten Teil der Aufschriftseite neben die Marke oder an die für diese bestimmte Stelle klebt; nicht selten werden sogar Karten in den Handel gebracht, die bereits vom Verkäufer in dieser Weise mit Fest- oder AuSstellungS» usw. Marken beklebt sind. Ein solches Verfahren ist unzulässig. Nach § 3 der Postordnung vom 20. März 1900 darf bei Postkarten und gegen daS Druck- fachenporto zu befördernden offenen Karten der rechte Teil der Ausschrisiseite nicht zum Bekleben mit Ausstellung?- usw. Marken verwendet werden. Karten, bei denen dieS trotzdem geschehen ist, sind nach den postalischen Bestimmungen grundsätzlich von der Beförderung ausgeschlossen. Der rechte Teil der Vorderseite muß bei Karten unbedingt für die Aufschrift und für die sonst nötigen Vermerke, sowie für die Briefmarke sreibleiben. Auch wenn solche ordnungswidrig beschaffenen Karten nach der Brieftoxe frankiert sind, werden sie nicht besördert.
* DaS Armee-VerordnungS-Blatt veröffentlicht eine weite Volkskreise interessierende Aenderung der FriedenS-SanitätS- Ordnung. Danach werden vom 1. Oktober dieses Jahres ab die Kosten der Beförderung der in FriedenSzeiten während der aktiven Dienstzeit oder während einer Uebung verstorbenen UnteroffiziereundMannschaftenzur Beerdigung in der Heimat von dem MilitärfiSkuS getragen. Von demselben Zeitpunkt ab darf den Eltern und nächsten Angehörigen, die zum Besuch eines schwer erkrankten Familienglieds — Unter- offizi-rS oder Gemeinen — in dessen Standort usw. reisen, im Falle der Bedürftigkeit durch die KorpS-Jntendantur, in deren Bezirk der Erkrankungsort liegt, eine Reisekostenvergütung in Höhe der wirklich entstandenen Eisenbahnfahrkosten dritter oder vierter Klasse — ohne Nebenkosten — gewährt werden, sofern die Reise auf Grund der schriftlichen oder telegraphischen Mitteilung deS Garnisonlazaretts usw. über die lebenSgesährliche Erkrankung auSgeführt wird.
* (KriegSmäßigeReserveübungen.) Im Bereich deS 11. Armeekorps werden am 19. September d. JS. über 6000 Mann der Landwehr und Reserve zu einer 14tägigen Reserveübung eingezogen, und zwar 3000 Mann in den thüringischen und 3000 in den hessischen Gebieten deS 11. Armeekorps. Die Einkleidung der Reservisten und Land
bei meinem Vater um die Wette getan. Nun sprich ein Gebet, und fort in GotteS Namen."
Sie schoben den Riegel zurück und huschten hinaus. Niemand als Aubert war zu erblicken. Er sah mit unge- heuchelten Bewunderung aus die beiden hübschen Wäscherinnen. Dann kehrte er ihnen den Rücken.
Jetzt betraten sie die Straße.
Im ersten Augenblick wandelte Hilda ein OhnmachtSgefühl an. Sie glaubte umsinken zu müssen, und taumelte gegen die Wand deS HauseS.
Marie sah eS und griff sie am Arm.
„Nimm dich zusammen, ober ich verlasse dich." raunte sie barsch mit blitzenden Augen.
DaS wirkte. Die Schwäche verschwand. Hilda stand fest auf ihren Füßen. Sie packte ihren Korb mit einem kräftigem Griff und marschierte keck erhobenen Häupter neben Marie her.
Sie wurden kaum bemerkt. Ganz Christianstadt war auf den Beinen und füllte die Straße. Alle wollten die Gefangenen sehen, die in einer Stunde nach Frankfurt an der Oder gebracht werden sollten. Damit allein beschäftigten sich die Gedanken und Gespräche.
„Hast du die beiden Offiziere gesehen?" fragte ein Mädchen ihre Freundin. „Sind die schön! Da kommt doch keiner von den kleinen schmalgesichtigen Franzosen gegen an. Gewachsen wie Tannen, der eine dunkel, der andere blond von Haar."
„Ich freue mich darauf, sie zu sehen," antwortete die andere. „DaS sind tapfere Leute, überhaupt alle von dem Hirschfcldjchen Freikorps."
„Hast du gehört, daß Mädchen in dem Freikorps kämpften? Vielleicht sind welche unter den Gefangenen. Wir wollen achtgeben, ob wir sie herauSfinden. Gewiß kann man sie an den weichen, bartlosen Gesichtern erkennen."
Ein paar Kavalleristen schlenderten ihnen entgegen, die kurze Pfeife im Munde, die SchnopSflafche in der Hand. Ihr Blick fiel auf die hübschen Wäscherinnen. Sofort hielten sie an und stellten sie.
(Fortsetzung folgt.)