Gedeihen meiner treuen Provinz und ihrer Bewohner. Die Provinz Schlesien Hurra, Hurra, Hurra!
Breslau, 30. August. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind um 10 Uhr 15 Minuten mit Sonder- zug nach Berlin abgereist. Aus dem Wege zum Bahnhof wurden die Majestäten von andauernden stürmischen Kundgebungen des Publikums begleitet. Die Ankunft in Be-lin erfolgt morgen früh 7Vs Uhr. Die meisten hier anwesenden Fürstlichkeiten verlassen BreSlau ebenfalls im Laufe der Nacht. Der Reichskanzler reist am späten Abend nach Hohenfinow zurück und gedenkt, sich einige Tage später inS Gebirge zu begeben.
Gedenkfeiern in Zopten und Teplitz.
Zobten, 31. August. In der Stadt Zobten wurde heute in Gegenwart des Kronprinzen daS Denkmal deS betenden LützowerS enthüllt. Der Feier ging ein Gottesdienst in der Kirche in Rogau voraus, in der die Lützower Freifchar vor 100 Jahren für den Kampf gegen Napoleon geweiht worden ist. Zu dieser Feier hatten sich Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen auS Camenz, der Oberpräsident von Schlesien Dr. von Guenther, sowie viele hohe Offiziere eingesunden. Nach einem Chorgesang sprach Pastor Voigt auS Zobten die Eingangsliturgie. Dann hielt Generalsuperintendent Nottebohm die Festpredigt. Die Schlußliturgie hielt Pastor Peters aus Lobendau, der Enkel deS Pastors, der vor hundert Jahren die Lützower Freischar eingksegnet hat.
In der Stadt Zobten fand dann die Enthüllung deS Denkmals deS betenden LützowerS statt, das von Professor von Gosen errichtet wurde. In dem Ehrenzelt, daS für den Kronprinzen ausgestellt war, erwarteten Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der Oberpräsident von Schlesien Dr. von Guenther, General der Infanterie von Seckendorff, Gros von Pückler-Rogau sowie viele hohe Offiziere den Kronprinzen, der kurz vor 11 Va Uhr aus OelS eintraf. Nach der Begrüßung deS Kronprinzen, der vom Publikum stürmisch bejubelt wurde, sang zunächst ein Männerchor: „Vater, ich rufe Dich". Dann hielt Gras von Pückler die Festrede, in der er ein anschauliches Bild von den Taten der Lützowjchen Freischar gab und die heutige Generation mahnte, der Taten der Väter würdig zu sein. Darauf fiel die Hülle deS Denkmals. ES stellt ein Lützower hoch zu Roß im Gebet vor der Schlacht dar. Nach einem Vortrag deS LiedeS: „LützowS wilde verwegene Jagd" übernahm Bürgermeister Kraus aus Zobten daS Denkmal in die Obhut der Stadt und brächte das Hoch auf den Kaiser aus. Nun defilierte der historische Festzug auS der Zeit der Befreiungskriege. Die Innungen und 4500 Mann Jugendwehr schloffen sich dem Festzug an. Während deS ZugcS hielt Professor Dr. Preuß aus BreSlau eine patriotische Ansprache an die Jugend und brächte ein Hoch aus den Kronprinzen auS. Nach Passieren deS glänzenden ZugeS verließ der Kronprinz unter den Ovationen des Publikums im Automobil die Stadt, nachdem er sich anerkennend über das Fest und daS Denkmal ausgesprochen hatte. Nachmittags und abends fanden auf der Festwiese Vorstellungen deS vaterländischen Schauspiels: „Die schwarze Schar" statt.
Teplitz, 31. August. Erzherzog Karl Franz Josef traf in Begleitung der Statthalters Fürsten Thun und der deutschen Offiziere von Kulm gestern hier ein. Angesichts der heutigen feierlichen Grundsteinlegung zur Erinnerung an die Monarchenzusammenkunst am 30. August 1813 fand gestern abend im Stadttheater eine Festvorstellung statt, in der Wallen- steinS Lager gegeben wurde. Nach der Vorstellung gab der Stadtrat im Kaiseipark ein Bankett. Erzherzog Karl Franz Josef brächte den ersten Trinkspruch auS, in dem er sagte: Von Seiner K. K. Apostolischen Majestät, meinem Aller- gnädigsten Herrn und Kaiser zu Allerhöchst Dessen Vertretung bei der heutigen Feier allerhuldreichst berufen, obliegt eS mir, rückblickend der Helden jenes Tages gedenkend, der in den an Ruhmesblättern so reichen Annalen unserer Armee als SiegeStag von Kulm und Nollendors aus ewige Zeiten mit goldenen Lettern verzeichnet erscheint. Der wuchtige Schlag, der hier gegen den Feind geführt wurde, war eine glänzende Vorbereitung der späteren Krönung deS Werkes auf dem Schlachtselde von Leipzig. So blicken wir denn stolz und dankerfüllten Herzens zurück aus die glorreichen Krieger, die aus der Wahlstatt von Kulm und Nollendorf jür Gott, Herrscher und Vaterland Leben und Blut gelassen haben. Vor allem drängt eS mich aber auch bei diesem Anlässe der
Die Seinen fochten mit beispielloser Tapferkeit. Hilda an SaherS, Marie an Werders Seite. Georg hielt sich in in der Nähe deS Führers, der sich immer verwegener den Angriffen der Feinde auSsetzte.
Aus einmal sah Georg, wie Eugens Sattel zur Seite rutsche und er selber kopfüber vom Pferde stürzte.
„Donnerwetter, mein Sattelgurt ist geplatzt!" schrie er erzürnt, und wehrte mit Säbel und Pistole die Franzose»» ab, aber vergebens, die feindliche»» Reiter umringten ihn. Eugen V. Hirschfeld war gefangen.
Die Franzosen erhoben ein Triumphgeschrei.
„Heran, heran I Helft mir Hirschfeld befreien !" schrie in diesem Augenblick Georg den Freunden zu.
Saher, Hilda, Marie, Werder hörten ihn. Sie warfen ihre Pferde herum und sprengte»» mit einer solchen Gewalt in den Knäuel, der Eugen in der Mitte hielt, daß dieser einen Augenblick sich einschüchtern ließ und auSeinanderprallte. So- glrich hieb Eugen mit großer Geistesgegenwart nach rechts und links um sich und machte sich freie Bahn. Jetzt waren die Freunde bei ihm. Georg riß Eugen an der Schulter mit sich fort. Mit einem Hieb schlug er einen Franzosen derartig auf ben Kops, daß der Getroffene ohne einen Laut vorn Pferde sank. Eugen ergriff den Zügel deS PferdeS, im Nu hatte er sich hinaufgeschwungen und sprengte wie der Blitz davon, den Säbel t iamphierend in der Faust schwingend.
AlS er sich nach den Freunder» umschaute, wäre»» sie mitten in einem Knäuel feindlicher Reiter verschwunden.
„Sie werde»» sich heraushauen, sie sind zu vieren," dachte er und jagte seiner Truppe nach, um sie zum Kampf anzu° feuern und ihnen die Richtung zur Flucht zu bezeichnen.
Immer mehr, immer neue feindliche Reiter. Wie ein Heuschreckenschwarm brachen sie hervor und flogen auf die kleine Schar. Aber trotz der ungeheuren Ueberzahl gelang eS ihnen nicht, sie zu überwältigen. Bald ließen Eugen und die Seinigen auf ihren schnellen Pferden die Verfolger hinter sich zurück. Die meisten waren gerettet, nur Saher I und II, Werder II und Georg v. Wilhelmi nebst zwanzig Mann blieben in der Hand des Feindes.
Nach Christianstadt wurden die Gefangener» gebracht. Als
erhabenen Monarchen zu gedenken, die als treue Freunde und Bundesgenossen Schulter an Schulter zusammenstehen. Der Erzherzog schloß darauf seine Rede mit einem Hoch aus den Deutschen Kaiser und Kaiser Franz Joses, in daS die Anwesenden begeistert einstimmten. Den nächsten Trinkspruch brächte der Vertreter deS Deutschen Kaisers, Generaloberst von Kessel, aus, welcher sagte: Seine Majestät, mein Allergnädigster Herr und Kaiser hat mich beaustragt, Ihn Allerhöchst bei der EnthüllungSfeier deS Denkmals in Kulm zu vertreten. Ich und die preußischen Offiziere sind mit dem größten Vergnügen hierher gekommen. Ich fühle mich verpflichtet, für den freundlichen Empfang seitens der Stadt Teplitz sür die preußischen Offiziere den herzlichen Dank auSzusprechen.
Redner gedachte sodann der ruhmreichen österreichischen Armee und ihres ritterlichen Offizier'orpS, wieS darauf hin, daß sich in der siegreichen Schlacht insbesondere das Dragoner- Regiment Erzherzog Johann mit unsterblichem Ruhm bedeckt habe, und schloß mit den Worten: Der tapferen österreichischen Armee und ihrem ritterlichen OffizierkorpS bringe ich mein Hurra ! Hurra I Hurra! Der Kommandeur deS neunten KorpS, General von Hortstein, ergriff sodann im Namen deS Kriegsministers daS Wort und erklärte, eS gereiche ihm zur besonderen Genugtuung, Vertreter der deutschen Armee begrüßen zu können. Die Gesinnung der Kameradschaft, welche alle Herzen erfülle, verdolmetsche er im Namen der österreichischen Armee und bringe, indem er die Kameraden der verbündeten deutschen Armee aufS innigste begrüße, ein dreimaliges Hurra auf die deutsche Armee auS.
Bom Orient.
Während die bulgarische Presse noch hartnäckig den Standpunkt vertritt, daß Bulgarien mit der Türkei über Adrianopel nicht verhandeln könne, scheint sich doch unter der Hand langsam ein Wechsel in den Ansichten der Sofioter Regierung anzubahnen. Sie hat sich offenbar überzeugt, daß ihre ©in- ladungen an die Mächte, den Londoner Vertrag durch scharses Eingreifen gegen die Türkei und zu Gunsten Bulgariens zur Geltung zu bringen, nirgends auf Geneigtheit stoßen. Die Zurückhaltung, die Deutschland von Anfang an in der Adrianopeler Frage beobachtet hat, entsprach allein der gegebenen Lage. Nach und nach haben sich auch die anderen Mächte stillschweigend diesen Standpunkt zu eigen gemacht. Und gegenwärtig wird man sagen können, daß von keiner Seite mehr daS von den Bulgaren ersehnte Eingreisen zu erwarten ist. Wenn die Türken die Vorteile ihrer Stellung klug zu wahren wissen und nicht durch unbedachte Schritte eine Gegenaktion einer oder der andern Macht herausfordern, so werden sie wohl Herren von Adrianopel bleiben. Aus sich selber angewiesen, können die Bulgaren nichts besseres tun, als möglichst bald den Weg der Verhandlungen zu beschreiten. Je länger sie zögern, desto weniger wird die Türkei zu Entgegenkommen bei der Regelung der sonstigen Grenzfragen zu bestimmen sein. Zur Einleitung solcher Verhandlungen scheinen verschiedene Mächte bereit, ihre guten Dienste zur Verfügung zu stellen.
In den übrigen Balkansragen ist Ruhe eingetreten. Die Vorbereitungen für die Abgrenzung und Organisation Albaniens beschäftigen die Mächte, ohne daß hier eine besondere Hast zu bemerken wäre. Soll etwas Brauchbares zustande kommen, so muß mit Sorgfalt und Umsicht vorgegangen werden. Für den albanischen Thron werden immer wieder Kandidaten aller Art genannt. Für uns hat eS keinen Zweck, an diesem Ratespiel teilzunehmen. Deutschland wird jeden Kandidaten annehmbar finden, über den sich seine näher interessierten Bundesgenossen Oesterreich-Ungarn und Italien einigen werden.
Auch über die Fragen, die in der asiatischen Türkei zu regeln sind, ist wieder allerlei in der Presse geschrieben worden. Ein wesentlicher Gesichtspunkt der deutschen Politik bleibt für diese Fragen nach wie vor, daß nichts über den Kopf der Türkei abgemacht werden kann. DaS gilt auch jür die Eisenbahnfrage, und somit sind auch die Nachrichten der fran- zösischen Presse zu berichtigen, alS sei eine Verständigung zwischen der französischen und der deutschen Regierung über die wechselseitigen Interessen vor dem Abschluß. WaS vor- liegt, ist ein Gedankenaustausch zwischen den deutschen und französischen Bankgruppen, die Interessen in der asiatischen Türkei haben. Später, wenn dieser Gedankenaustausch weiter gediehen ist, wird dann wohl auch der Moment kommen, wo die Regierungen, mit Einschluß der türkischen, ihr Wort sprechen. Aber vorläufig ist eS noch nicht so weit.
sie durch die Straßen kamen, liefen die Bewohner deS Städtchens vor die Türe»» und sahen zu. Zorn und Mitleid standen in ihren Zügen. Die Fäuste ballten sich in der Tasche, sie unterdrückten die Verwünschungen, die sie nicht auSzusprechen wagten. All dieS junge, schöne Preußenblut, all dies blühende Leben gefangen, daS so todesmutig für König und Vaterland gefochten hatte! Und an Befreiung war nicht zu denken. Die Franzosen bewachten ihren Fang scharf. Fünfundzwanzig Mann auS dem Hirschfeldschen Freikorps, das war eine unschätzbare Beute.
Die beider» Offiziere mürben in einen besondere»» Raum gebracht und unter strengste Bewachung gestellt. So maren die Gatten getrennt. Saher II und Werder II blieben zusammen.
Hilda war zuerst wie betäubt. Der Uebergang von dem wilden Kriegsgetümmel in die Stille der Gefangenschaft war zu qroß. Mit einem langen Blick sah sie den gefangenen Offiziere»» nach.
„Was hat Friedrich?" flüsterte sie Marie zu. „Er sieht so düster aus. Vielleicht dauert die Gejangenschaft nicht lange. Em glücklicher Zufall kann eS schneller geben, olS wir denken, daß wir ausgcwechjclt werden."
Marie antwortete nicht. Sie ahnte, was Saher bedrückte. Wenn sich, was Gott verhüten möge, beim Verhör heraus- stellte, daß Saher und Wilhelmi gekämpft hatten, nachdem sie ihr Ehrenwort gegeben, nicht zu kämpsen, so war ihr Leben verwirkt. Hilda dachte »richt an diese Möglichkeit, und Marie hütete sich, durch eine Andeutung sie ihrer Hoffnung zu berauben.
„Wenn wir nur entkommen könnten!" flüsterte Hilda weiter. „Sollte es nicht möglich sein, frei zu werden, wenn wir unS alS Frauen entdeckten?"
„Aber wem?" fragte Marie zurück. „Es wird keine weibliche Person in unsere Nähe kommen, die unS helsen kann."
Maries Vermutung bestätigte sich. Nur ein Unteroffizier mit einigen Soldaten betrat den Raum, in dem die Gefangenen waren, um sie mit dem Notdürftigsten zu verjehcn. Dann wurden sie für die Nacht allein gelassen.
H« In- und Ausland.
Berlin, 31. August.
Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin sind heute morgen um 7 Uhr 25 Minuten aus dem Bahnhose Friedrichstraße eingetroffen. Zu ihrem Empfange war der Kammerherr von Winterfeld erschienen. Die Majestäten begaben sich nach dem Königlichen Schlosse.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Kaiser- manöver dieses JahreS finden zwischen dem 5. und 6. Armeekorps statt. DaS 5. Armeekorps unter dem General der Infanterie von Strantz steht in der Provinz Posen und Schlesien und umfaßt die 9. Division Glogau (Generalleutnant von Welow) und die 10. Division Posen lGeneralleutnant Kosch). Das 6. Armeekorps unter General der Infanterie von Pritzelwitz umfaßt die 11. Division BreSlau (Generalleutnant von Dorre») und die 12. Division Neiße.
Der Termin für dieVermögenSerklärung zum W e h r b e i t r a g ist auf die Zeit vom 4. bis 20. Januar 1914 festgesetzt worden. Als Einkommen im Sinne deS WehrbeitrageS gilt dasjenige steuerpflichtige Einkommen, daS aus den Beitragspflichtigen für das Jahr 1914 veranlagt wird. Die auf Grund der Paragraphen 19 und 20 deS Einkommensteuergesetzes (Kinderzahl usw.) gewährten Ermäßigungen bleiben außer Betracht.
AuS verschiedenen Teilen deS Reiches wurde in den jüngsten Wochen gemeldet, daß Turnvereine, TurnvereinSverbände, Gastwirtsvereinigungen usw. Stellung gegen daS „Berliner Tageblatt" nehmen und eS unter keinen Umständen mehr im Hause dulden wollen. Wenn man sich vergegenwärtigt, waS dieses Blatt dem deutschen Volke schon alles getan hat, dann muß man sich in der Tat wundern, daß es so lange dauert» konnte, daß man eine solche Schreibweise so lange geduldig passieren ließ, ohne mit aller Energie dagegen zu opponieren. DaS „Berliner Tageblatt" durfte ruhig mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache machen, durfte unbedenklich bei Wahlen zur Unterstützung sozialdemokratischer Kandidaten auffordern, durfte ohne Skrupel aller herabziehen, waS Christen heilig ist. Dadurch, daß man sich alles daS geduldig gefallen ließ, mußte den Leitern deS Blattes die Ueberzeugung kommen, daß den gutmütigen Lesern alles geboten werden könne. Nur so ist der Schimpfartikel gegen die großartige turnerische Veranstaltung in Leipzig zu erklären. Erst dieser fraise Vorstoß gegen die Deutsche Turne,schaff brächte das Blut in Wallung, er schlug dem Faß den Boden ein. Jetzt Entrüstung und Empörung in allen Gauen Deutschlands. Aber wie lange wird diese Empörung anhalten? Ob nicht über kurz oder lang, wenn der Sturm der Entrüstung sich gelegt hat, mancher Turner oder Turnfreund im Hotel- »estaurant, Cajs oder aus Bahnhöfen bezw. im Wagenabteil mit dem „Berliner Tageblatt" in den Händen wieder beweisen wird, wie — gutmütig die Deutschen sind?
Die Frage der Besteuerung derZündholz- e r s o tz m i t t e l wird jetzt in Erwägung gezogen. Anlaß hierzu hat eine auS HandelSkreisen an den Bundesrat gerichtete Eingabe gegeben, in der auf die eingetretene wesentliche Verschlechterung der Lage der Zündholzindustrie und daS Aufblühen der neuen Industrie der Zündholzersatzmittel hinge« wiesen wurde. Bisher hatte sich die ReichSregierung ablehnend verhalten, da daS Reichsschatzamt sich von einer solchen Steuer keinen finanziellen Ersolg versprach. Inzwischen ist auch in Frankreich die Besteuerung der Ersatzjeuerzeuge eingejühlt, so daß man praktische Erfahrungen sammeln konnte, die auch der Besteuerung in Deutschland die Wege ebnen werden. "
Bei der bevorstehenden ErsatzwahlimReichStags-^ Wahlkreise DreSden-Neustadt für dessen verstorbenen seitherigen Vertreter, den sozialdemokratischen Abgeordneten Kaden, werden die bürgerlichen Parteien des Wahlkreises leider getrennt vorgehen. Die wochenlang geführten Verhandlungen zwischen den Konservativen und den beiden liberaler» Parteien wegen einer gemeinsamen Kandidatur bei der bevorstehenden ReichStagSersatzwahl sind gescheitert. Die Fortschrittliche Volkspartei hat eS abgelehnt, für den als gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten vorgeschlagenen Hofrat Behrens, der zur nationalliberalen Partei gehört, zu stimmen, sie will vielmehr an der von ihr ausgestellten Sonderkandidatur Klöppel sesthalten. Diese Zersplitterung unter den bürgerlichen Parteien von DreSden-Neustadt macht eS so gut als gewiß, daß dieser ReichStagSwahlkreiS bei der Ersatzwahl im Besitze der Sozialdemokratie bleiben wird.
Die seit einigen Tagen in diplomatischen Kreisen zirkulierenden Gerüchte vom Rücktritt DelcasfeS vom Petersburger Botschafterposten werden von der ihm nahestehenden „Liberty" bestätigt. Telcasi6 wird seine Tätigkeit in PeterSburg garnicht
Am Abend dieses TageS kam eine junge Bauernsrau vom Lande nach Christianstadt herein. Sie war groß und schlank, mit auffallend feinen Gesichtszügen und wunder schönen.blauen Augen. Unter der landesüblichen Frauenmütze stahlen sich Löckchen von goldhellem Blond hervor. Auf dem Kops trug sie einen Korb mit Eiern.
Sie erkundigte sich bei Begegnenden nach dem Q artier deS Offiziers, der den Gefangenenzug kommandierte. Man wieS sie in daS HauS eines wohlhabenden Bürgers. Die Bauernfrau begab sich in die Küche, nahm ihren Korb her- unter und bot der Hausfrau die Eier an.
Die Wirtin war froh, Eier zu bekommen. Die Eier waren letzthin selten geworden. Zudem forderte die Bäuerin einen mäßigen Preis.
Die Erscheinung der jungen Frau war so angenehm, daß die HauSsrau sich gern in ein Gespräch mit ihr eurließ. Nachdem sie ihre Neugier befriedigt hatte, erzählte sie ihrerseits Von den Gefangenen und gab ihrer Betrübnis um ihr Schicksal Ausdruck.
„Wieviel Gefangene sind eS denn?" fragte die Bäuerin. Und als sie hörte, daß eS zwei Offiziere und dreiundzwanzig Gemeine seien, erkundigte sie sich mit leiser Stimme, ob die Offiziere von den anderen getrennt wären.
„O ja, die Offiziere werden besonders scharj bewacht," war die Antwort. „A»r den andern zusammengenommen liegt den Franzosen nicht so viel wie an den zwei Leutnants. Fehlt Ihnen waS, junge Frau? Sie sehen so blaß auS?"
Die Bäuerin schüttelte ben Kopf.
„Mir tun nur die armen Gefangenen leid," antwortete sie leise. ,
In diesem Augenblick trat eine breitere ältere Frau in die Küche, unverkennbar eine Marketenderin.
(Fortsetzung folgt.)
— Kopenhagen, 31. August. Der zweite der beiden Räuber, die kürzlich einen Ueberfall auf eine Filiale der Kvpenhagener Sparkasse verübten, der Däne Lindorff Larsen ist heute früh mit durchschossener Schläfe tot aufgesunden worden.