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herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" :
Zernsprech-Nnfchlutz Nr. 8
Nr. 103. Sonnabend, den 30. August 1013.
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Amtlicher teil.
Herrfeld, den 22. August 1913.
Vor einigen Monaten hat ein Reisender einer Verlagsbuchhandlung bei den Bürgermeistern des Kreise- die Werke „Deutschland zur Sce" und die „Deutsche Flotte" zum An- kaus für die Schule angeboten. Dabei hat der Reisende ein mit meiner Unterschrift versehener EmpsehlungSschreiben — daS vollständig in Maschinenschrift auSgesÜhrt war — vorgelegt, auf Grund dessen die Werke von verschiedenen Bürgermeistern auch bestellt worden sind. Ein solcher Empfehlungsschreiben war aber von mir überhaupt nicht ausgestellt.
Auf den deshalb gestellten Strafantrag ist der Reisende inzwischen rechtskräftig freigesprochen worden, weil die Tat« bestandSmerkmale des Betrugs und der Urkundenfälschung nicht festzustellen gewesen find.
Unter Hinweis auf mein AuSschreiben vom 19. März d. JS. — I. 3625 — abgedruckt im Kreisblatt Nr. 35 — mache ich zur Verhütung weiterer derartiger Vorkommnisse die Herren Bürgermeister und etwaige Interessenten deS Kreises erneut darauf aufmerksam, daß meinerseits die Empfehlung von Werken zur Anschaffung nur im amtlichen Teile deS KreirblattS oder durch Rundschreiben erfolgt.
I. 9595. Der Landrat
von Gruneliuk.
HerSfeld, den 25. August 1913.
Am 1, Dezember 1913 findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen eine Obst- baumzählung verbunden ist.
Hierzu werden verwandt:
1) Die Zählkarte A. über den Viehstand in den Haushaltungen und über die Obstbäume in den Gehöften und HauSgärten.
2) Die Zählkarte A1 über Obstbäume die außerhalb des Gehöft- und deS anstoßenden HauSgartenS stehen.
Gezählt werden Aepsel-, Birn-, Pflaumen-, Zwetjchen-, Kirsch-, Aprikosen-, Pfirsich- und Wallnußbäume und zwar getrennt nach: a) tragsähige, b) noch nicht tragsähige (Trag- fähige Obstbäume find solche, die schon getragen haben).
Obstbaumbefitzer, Verwalter, Pächter usw. wollen sich baldigst die Angaben über die Tragfähigkeit und die Zahl der Obstbäume gesondert nach den Obstarten durch Besichtigung deS Bestandes verschaffen und vrrmerken, damit sie diese Angaben am 1. Dezember 1913 richtig in die Zählkarten ein» tragen können.
I. 9574. Der Landrat
von Gruneliu -.
HerSfeld, den 25. August 1913.
Im Verlage von Karl Villaret in Erfurt find die „wichtigsten Verhaltungsmaßregeln bei Hinzuziehungeine-Poli- zeihundeS" von Robert Gräser in Ersurt-Nord in einem Heftchen erschienen.
Ich mache auf da- Erscheinen deS WerkchenS aufmerksam. Ein Stück kostet 25 Pfennig. Bei Abnahme von 20 Stück ermäßigt sich der Preis aus 20 Pfennig daS Stück.
I. 9759. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher CeiL
Politischer Wochenbericht.
Bon Feierlichkeiten und Festen Hot unsere heutige Wochenschau an erster Stelle zu melden, aber nicht von Festen, bte dem oberflächlichen Zwecke deS VergnügtseinS zu dienen bestimmt waren, sondern von Festen, deren tiefere Bedeutung für jedermann klar zutage liegt. In K e l h e i m waren die deutschen B u n d e S f ü r st e n, mit dem K a i f e r an der Spitze, versammelt, um auch ihrerseits die Jahrhundertfeier festlich zu begehen. Alle-, waS die Erinnerung an jene große Zeit vor 100 Jahren uns an Gedanken, Lehren und Mahnungen vor die Seele stellt, wurde vom Prinz- rezenten von Bayern nochmals in geistvoller und großzügiger Weise zusammengefaßt. Die Feier klang in ein erhebende- Gelübde zum Festhalten an der Einheit und Einigkeit deS deutschen Vaterlandes aus. Möge daS Gelübde, daS die BundeSfürsten dort in der Befreiung-Halle zu Kelheim erneuert und daS sie seit der Kaiserproklamation zu Versailles 1871 in unverbrüchlicher Treue gehalten haben, auch in den Herzen deS Volkes brausenden Widerhall wecken. Fürsten und Volk, allezeit in Treue um da- Reichsbanner geschart — dann sind wir in Sicherheit geborgen und können getrosten MuteS den Stürmen der Zukunft entgegenblicken. — An die Jahrhundertfeier reihten sich unmittelbar die P o f e n e r K a i s e r t a g e an. Von dem Süden deS Reiche- eilte Kaiser Wilhelm nach der Ostmark, um auch dort den ReichSgedanken wieder einmal sieghaft leuchten zu lassen. 68 erfüllt uns mrt besonderer Freude, daß wenigsten- ein Teil der polnischen
Bevölkerung sich der Teilnahme an den Feierlichkeiten nicht entzogen hat. Vielleicht ist da doch in der verborgenen Stille deS Herzen- bei diesem oder jenem Festteilnehmer der Gedanke gereist, daß sich unter dem weitherzigen Regimente der Hohen- zollern gute preußische StaatSgesinnung und Untertanentreue sehr wohl mit der Pflege berechtigter nationaler Eigentümlichkeiten vereinen lassen. Die Erweckung und Verbreitung solcher Einsicht wäre in der Tat eine überaus wertvolle Frucht der Posener Kaisertage und würde nicht nur unseren polnisch sprechenden StaatSgenossen, sondern auch dem preußischen Gesamtverbande zu bleibendem Nutzen gereichen.
In Metz hat die 60. G e n e r a l v e r s a m m l u n g der Katholiken Deutschland- stattgrsunden. Manch prächtige- Wort ist aus dieser Veisammlung gesprochen worden, so insbesondere daS Wort deS DominikaneipatnS Bonaventura in feiner zündenden Schlußrede: „Wir begrüßen freudig alle jene, die, wenn sie auch nicht in unfern Reihen stehen, doch an den Flanken den gemeinsamen Feind bekämpfen." Diese Betonung der Gemeinsamkeit und Solidarität der christlichen Interessen entspricht in der Tat dem dringendsten Bedürfnisse der Gegenwart. Nur wenn die christlichen Konfessionen daS Trennende zurücktreten lassen und daS Gemeinsame in den Vordergrund rücken, wird da- Christentum imstande sein, siegreich über die christuSftindlichen Zeitmächte deS Unglauben- und der Revolution zu triumphieren.
Sehr Erfreuliche- ist von dem in Leipzig abgehaltenen dritten Reichsdeutschen Mittelstand-tage zu berichten. Hier wurde ein Zusammenschluß der großen ErwerbS- stände unsere- Volke-, der Industrie, der Landwirtschaft und deS organisierten gewerblichen Mittelstände-, in die Wege geleitet. Diese Einigung der produktiven Stände ist dasjenige, waS unserm von weltfremden Doktrinari-mu- und politischem Parteigeiste vielfach irregeleiteten Volke mit am dringendsten not tut. Wichtige Zeilausgaben, wie der Schutz der nationalen Arbeit und die Abwehr der Sozialdemokratie, können nur von der gesammelten Kraft deS «werb-tätigen Bürgertum- erfolgreich gelöst werden. ES ist eine LieblingSidee unseres ersten großen Reichskanzler-, die in Leipzig zur Tal erhoben wurde und da- Wandeln auf BiSmarckfchen Bahnen hat dem Vaterlande noch stet- zum Segen gereicht.
Auf dem Gebiete der äußeren Politik ist die R a t i f i z i e r u n g deS B u k a r e st e r Frieden- die bedeutendste Tatsache. Freilich dürften damit alle Fragen, die der Balkankrieg aufgeworfen und zur Entscheidung gestellt hat, doch noch nicht ihre endgültige Beantwortung und Lösung gesunden haben. Ganz besonder- gilt daS von dem Schicksal Adrianopels. Zwar haben die Londoner Vereinbarungen Adrianopel den Bulgaren zugesprochen, aber die Türkei, die von der Auslieferung Adrianopel- Ungehorsam der Armee und eine Revolution in Konstantinopel sürchtet, sträubt sich mit Hand und Fuß gegen den Londoner Beschluß und ist mit den Bulgaren in Verhandlungen getreten, um gegen anderweitige Zugeständnisse im Besitze Adrianopel- zu verbleiben. Nach den geradezu unmenschlichen Greueln, die von den Bulgaren gegen die Angehörigen fremder Volk-stämme verübt worden sind, wird man eS der öffentlichen Meinung Europa- jedenfalls nicht verübeln können, wenn sie einem eventuellen Uebergange Adrianopel- in bulgarische Hände mit geringer Bchiedigung entgegensieht.
In China darf hoffentlich mit einem baldigen Ende der Revolution gerechnet werden. Die Neider China- in Ostasien, die auS der chinesischen Revolution Kapital für ihre Zwecke zu schlagen suchten, werden mit dieser Entwicklung der Dinge sicherlich nicht einverstanden sein. Wir in Deutschland aber wünschen, daß im Reiche der Mitte Ruh« und Ordnung dauernd Einkehr halten mögen. Denn nur bei einer solchen Gestaltung der Verhältnisse vermag Ostasien für deutsche Arbeit und deutschen ErwerbSfleiß zu einem wirtschaftlichen Betätigungsfeld- großen Stils zu werden.
Das Kaiferpaar in Breslau.
BreSlau, 28. August. Die Stadt hat ihr schönstes Festgewand angelegt. Die Ausschmückung der EinzugSstraße ist nach den Plänen deS Erbauer- der Jahrhunderthalle in drei Abteilungen Eisenbahn, Provinz und Stadt einheitlich durchgejührt. Am Kaiser Wilhelm-Denkmal, wo die Begrüßung der Majestäten durch die Stadt ersolgt, erreicht der Festfchmuck seinen Höhepunkt. Nach Norden und Süden hin z ehen sich Triumphbogen, die prächtig hergerichtet sind. Im Hintergründe befindet sich daS Standbild Kaiser Wilhelm- deS Großen und eine Ehrenpforte am Palaisplatze schließt die Feststraße ab. , .
Um 12,30 Uhr mittag- traf der Sonderzug mit den Fürstlichkeiten, den Gästen und dem Gesolge hier ein. Zum Empfange waren auf dem Bahnhof u. a. erschienen der Ober- präfident Dr. von Günther und Polizeipräsident von Opprn. Al- erste entstiegen dem Zuge der Kronprinz und die Kronprinzessin, welche die zum Empfange erschienenen Herren auf- freundlichste begrüßten. Reichskanzler von Bethmann Hollweg nahm bald nach der Ankunft an einem Frühstück beim Kardinal Dr. Kopp teil, da- dieser zu Ehren deS bei ihm wohnenden Prinzen Rupprecht von Bayern gab. Der
Kaiser und die Kaiserin trafen um 3,45 Uhr im Sonderzuge hier ein. Aus dem Bahnhose fand großer militärischer Sm- fang statt. Daraus hielten die Majestäten ihren Einzug in die Stadt, der Kaiser und die Prinzen zu Pferde, die Kaiserin mit der Kronprinzessin und der Prinzessin August Wilhelm im offenen Wagen. Mit brausenden Hochrufen wurden die Majestäten bei ihrem AuStritt au- dem Bahnhöfe von den Tausenden von Menschen, die die Straßen füllten, empsangen.
Oberbürgermeister Matting hielt eine längere Ansprache, woraus der Kaiser ihm die Hand reichte und mit einer Ansprache erwiederte, in der er etwa folgende- sagte:
Er danke im Namen der Kaiserin und in seinem eigenen Namen für die oben gehörten Worte deS Oberbürgermeister-, Die Stadt BreSlau habe ihn und die Kaiserin bei ihrem Einzüge einen Empfang finden lassen, der ihn durch seine Warmherzigkeit und Großartigkeit mit dem aufrichtigsten Dank «fülle. Der Oberbürgermeister möge diesen Dank an Stadt und Bürgerschaft übermitteln. ES habe die Majestäten zumal deshalb gefreut, in diesem Jahre nach BreSlau kommen zu können, weil die Stadt ihren ganz besonderen Anteil an den großen Erinnerungen der Zeit vor hundert Jahren habe, denn eS sei der Bürgerschaft BreSlau vorbehalten gewesen, in die Herzen deS unter dem Drucke der Zeit schwer leidenden König- und der Königin den ersten Sonnenstrahl hineinzusühren. Dieser Sonnenstrahl habe daS Feuer angefacht, da- dann durch daS ganze Land gegangen sei: die Erhebung gegen die Fremdherrschaft. Der Kaiser hoffe, daß eS auch ferner gelingen werde, unter dem Schutze deS mächtigen deutschen Heere-, welche- einer der Hauptpseiler deS europäischen Frieden- fei, diesen Frieden dauernd ausrechtzuerhalten und so auch diese Stadt unter den Segnungen deS Frieden- an friedlicher Arbeit teilnehmen zu lassen.
Sodann bewegte sich der S-d '«ter nach dem Schlosse, wo die Majestäten Wohnung nahmen und alSbald großer Zivilempsang stattfand.
Der Kaiser hat der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen den Wilhelm-orden verliehen, ferner dem Herzog von Ratibor da- Kreuz der Großkomihure deS Königlichen Hau-orden- von Hohenzollern, dem Fürsten von Pleß den Roten-Adlerorden 1. Klaffe und dem Oberpräsidenten Dr. v. Günther den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub.
Die Unruhen in China.
Ti: unsichere Lage im Jangtse-Gebiet hat die Mächte bereits vor längerer Zeit genötigt, zum Schutz der Fremden- niederlasfungen militärische Maßregeln zu ergreifen, die natürlich nur den Charakter einer Polizeiaktion haben. Zu den KSmpsen selber, die nun schon seit Monaten zwischen IuanschikaiS Regierung und den Rebellen deS Süden- hin und her gehen, hat keine der Mächte offiziell Stellung genommen, das schließt nicht aus, daß die Verlegenheiten der Pekinger Regierung der einen oder andern Macht nicht ganz unwillkommen sind. In Peking hat man Besorgnisse wegen fremder Unterstützung der Rebellen ganz offen geäußert. Aus der Gegenseite bestehen wieder Besorgnisse, daß die Pekinger Regierung bei der Niederwerfung der Aufständischen sich europäischen Rückhalt- erfreue. Wie stet- in solchen Fällen, hat man auch Deutschland zu verdächtigen gesucht, und zwar nach beiden Seiten. In Kiavtschou sollten wir Feinden deS neuen Pekinger Regime- auS der alten Mandschuzeit Unterschlupf und Hilfe zu Intriguen gewährt haben. Am Aangtse sollte unsere Marine für dasselbe Pekinger Regime gegen die Rebellen Partei ergriffen haben. EinS ist selbstverständlich so unwahr wie das andere. Deutschland sieht lediglich im Verein mit den anderen Mächten nach dem Rechten, wo eS im Interesse der Fremden, und besonder- der Deutschen, notwendig ist. Schon vor einer Woche hatten sich die Verdächtigungen auf Seiten der Rebellen zu der Anschuldigung verdichtet, daß der deutsche Kreuzer „Emden" sich an der Beschießung ihrer Position aus dem Löwenhügel bei Nanking beteiligt hätte. Der Rebellenführer Hohainin hatte sogar die Unverfrorenheit, dem Konsul in Nanking mit Repressalien zu drohen. Auf die scharse Antwort unsere- Konsuls und da- Erscheinen deS „Scharnhorst" vor Nanking hat er sich aber schleunigst eine- besseren besonnen und unseren konsularischen Vertreter und den Ches deS KreuzergeschwaderS um Entschuldigung gebeten. Jetzt ist eS nun an einem anderen Punkte, bei Wuhu oberhalb von Nanking am Aangtse, der dort noch für Kriegsschiffe besahrbar ist, zum Schießen gekommen.
Die „Emden" war auf einer Fahrt den Iangtst auswärts begriffen und hatte von einem ihr begegnenden chinesischen WaffentranSportdampser die zu Unrecht gesührte deutsche Flagge heruntergeholt. Auf dieser Fahrt ist unser kleiner Kreuzer von einem der alten LehmsortS bei Wuhu beschossen worden und hat selbstverständlich sofort und mit Nachdruck daS Feuer erwidert. Nähere Einzelheiten sind noch nicht zuverläffig bekannt. Insbesondere weiß man noch nichts darüber, waS die Chinesen zu ihrem in jeder Beziehung törichten Angriff veranlaßt hat. Vermutungen, daß auch hier deutsch-feindliche Hetzereien im Spiele gewesen sind, muß man einstweilen auf sich beruhen lassen. Jedenfalls hat daS deutsche Kriegsschiff