haben, die bei ihnen nicht mehr vorgefunden wurden. Wie weiter mitgeleilt wird, find von den amtlichen Stellen sogleich nach Empsang der Nachricht Nachsorschungen eingeleitet worden, um nähere Einzelheiten über daS Verbrechen sestzustellen.
Bei Nanking haben in den letzten zehn Tagen heftige Gefechte zwischen den chinefischen RegierungStruppen und den Revolutionären stattgesunden. Nach den letzten Nachrichten haben die nordchinesischen Truppen unter General Changshun die Stadt eingeschlossen und den Purpurberg, der den Schlüssel zu Nanking bildet, erobert. Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist eS gestern abend zwei Kreuzern der Regierung ge- lungcn, stromauswärt- nach Nanking vorzudringen. Nachdem dann ein lebhaftes Artillerieseuer eingesetzt hatte, hat sich die Stadt, wie die Petersburger Telegraphenagentur meldet, den Nordtruppen ergeben.
Jini Provinz n. Nachbargebiel.
* Eine überreiche Kartoffelernte steht nach den Feststellungen der Vertrauen-leute der einzelnen Land- wirtschosts-Kammerbezirke Hessen-Nassau und Hesien sür dieses Jahr bevor. Schon jetzt werden die Märkte der Großstädte mit einem Angebot versehen, baß die Nachsrage bei weitem übersteigt. Die Knollen sind trotz der langwöchigen regnerischen Witterung durchaus gesund und wohlschmeckend.
* Zur Wetterlage schreibt die Wetterdienststelle Weilburg: Seither zogen die Tiesdruckwirbel aus Nordeuropa über die Ostsee nach Südrußland, sodaß wir auf ihrer Westseite lagen und kühle nordwestliche Winde hatten. Endlich ist jetzt die Wetterlage wieder normal geworden. Die Wirbel ziehen vom Ozean über Irland nach dem Nordosten. Düse Wetterlage pflegt im August und September meist eine beständige zu sein. Danach könnten wir jetzt mit länger anhaltender heiterer Witterung rechnen, die auch späterhin höchstens von vereinzelten leichten Regenfällen oder nur örtlich auftretenden Gewittern unterbrochen werden dürfte. Bei kühlen Nächten und häufigem Morgennebel würde dann die Temperatur am Tage stets kräftig ansteigen.
q. Hersfeld, 28. August. (Blühende Heide.) In voller Pracht blüht jetzt das Heidekraut (Calluna vulgaris), von dem berühmten Naturforscher Linnä aber Erica genannt, und damit nähert sich der Sommer seinem Ende, wenn daS auch kalendermäßig erst gegen Schluß deS Monats September und zwar in diesem Jahre am 23. September, geschehen soll. In manchen Heidereichen Gegenden wird daS Heidekraut zu Strauchbesen verarbeitet und heißt deshalb auch Besenheide. Der braune, verzweigte Stengel ist dünn, holzig und biegsam, aber hart. Die sehr kurzen und schmalen Blätter stehen in vier Reihen an den jungen Zweigen so dicht gedrängt, daß sie sich dachziegelartig teilweise bedecken. Am Ende des Zwügcs btfinbet sich die blütenreiche, rosarote aufrechte Traube, die ihre Blüten fast alle nur nach einer Seite hin wendet. Die Krone stellt eine kleine Glocke dar, deren Saum vierlappig ist; länger aber alS die Krone sind die vier gleichfalls rot gefärbten Kelchblätter. Den unfruchtbarsten Sandboden, aus dem nur knapp einige Krüppelkiesern, ein wenig Gras, Moose und Flechten gedeihen, sucht sich unsere Erika mit Vorliebe zum Standort aus und macht ihn mit einem Male zum bunten Teppich. Blühende Heide verleiht dem Waldboden ein rosiges Aussehen und schafft ein reizendes, bezauberndes Landschaftsbild. Dem Bienenzüchter sind die Heidekrautblüten sehr willkommen, da die fleißigen Tierchen aus ihnen viel Honig saugen. DaS Heidekraut war die Liebling-blume
I unseres großen BiSmarck. Die Briefe, die er an seine Braut
I und Gattin gerichtet hat, find reich an Bezugnahmen aus daS schlichte Heidekraut, und wenn der gereifte Mann in den späteren Jahren, da deS Dienstes ewig gleichgestellte Uhr ihn im steten Gleise hielt, der goldenen Jugendzeit oder der ländlichen Gespielen in Kniephof und Schönhausen gedachte, da war es ihm nach seinem eigenen Geständnisse immer zumute, „wie Heidekraut und Wiesenblumen." Auch in der üppigen Pflanzenpracht deS Südens gedachte er deS schlichten Wald- krauteS, seiner Erika, als der von ihm „geliebten Pflanze." In einem Briefe an die Gattin aus Bordeaux, dem er einige- Heidekraut beigelegt hatte, schreibt er: „AuS beiliegenden Proben von Heidekraut wirst du nicht mehr erkennen, wie purpurn die von mir geliebte Pflanze dort blüht", und in einem andern Briese auS Bayonne heißt eS: „Die Pracht, in der daS Heidekraut hier seine violett-purpurnen Blüten entwickelt, ist überraschend." DaS Heidekraut war dem gewaltigen Manne eine sichtbare Verkörperung deS WaldgeheimniffeS, in besten Frieden er nun ruht, und wie er ein Feind alles Gemachten, alles Prunkes und Scheine- war, so konnte ihm Line noch so prächtige Blume deS Gartens so zu Herzen sprechen, wie daS schlichte, prunklose Kind unseres WaldeS, da- Heidekraut.
);( Hersfeld, 27. August. Wie wir gesehen haben, ist der Weg HerSfeld — Rotenburg jetzt mit weißer Farbe gezeichnet (Balken). DieS ist die Teilstrecke der Tour Carl-hafen—HerSfeld, wie die MarkierungSschilder angeben. Da der Weg so gut gezeichnet ist, so ist ein Jrrgehcn jetzt vollständig ausgeschlossen. Allen Wandersreunden dies zur Nachricht. — Ebenso ist der Weg HerSfeld —Eisenberg jetzt neu gezeichnet (Strichpunkt). ES ist dies ein Teil der Wanderstrecke Wrexen—HerSfeld. Auch hier ist ein Irr- gehen ausgeschlossen, wie wir am vergangenen Sonntag gelegentlich der Einweihung deS BorgmannSturmeS seststellen konnten. — Dem Touristenklub sei hier herzlicher Dank ausgesprochen sür seine Mühe im Interesse der Allgemeinheit. Fulda, 25. August. Die h efige Turngemeinde wird ihr 65jShrigeS Stiftungsfest am 12. Oktober d. I. im „Stadtsaal" feiern. Zur Aufführung gelangt ein vaterländisches Festspiel, ferner sollen turnerische Darbietungen zur Verschönerung der Feier beitragen.
Fulda, 25. August. Eine nette SubmissionSblüte ist von hier zu berichten. Für den Bau eines WagenhauseS der Artillerie-Kaserne deS 2. Kurhess. Feldartillerie-Regiment- Nr. 47 gingen für die Maurerarbeiten nur sieben Angebote ein. Niedrigster Fordernder war die Firma KlemenS Hendl« (Fulda) mit nur 32 421,91 Mk., Höchstsordernder die Firma Bügler u. Kaiser (Caflel) mit 55 376,05 Mk., somit eine Differenz von 22 954,14 Mk.
WaldkaPPel, 25. August. Dem hiesigen Apotheker wiederfuhr dieser Tage ein eigenartiges Mißgeschick. Er war in sein r Apotheke beschäftigt, da suhr plötzlich durch daS Fenster eine Wagendeichsel, faßte ein hohes Regal mit Büchsen I und Gläsern und warf eS um, den erschrockenen Apotheker I unter sich begrabend. Er trug eine kleine Kopfwunde davon. Schmalkalden, 25. August. In Näherstille in der Ge- markung Ringberg wurde der 20 Jahre alte Schlosser Winzer erschossen ausgesunden. Am vorigen Montag abend hatte W. aus Eifersucht den gleichaltrigen Schlosser Richard Endter durch einen Schuß schwer verletzt und war geflüchtet. WingeS I hat ohne Zweifel Selbstmord begangen.
1 «affel, 27. August. Am gestrigen Abend lief hrer
die Trauerkunde ein, daß in Bad Brückenau der Chef der hiesigen Oberpostdirektion, der Oberpostdirektor Geheime Oberpostrat Emil Hoffmann gestorben ist. Der Herr Geheimrat befand sich auf einer Dienstreise in der Rhön, alS er von einem Gallensteinansall betroffen wurde. Er suchte deshalb daS naheliegende Bad Brückenau auf und starb dort an einer hinzugetretenen Lungenentzündung. Der Heimgang diese- ausgezeichneten ManneS wird in Caffel und im ganzen Ober- postdirektionSbezirkc tief betrauert werden, vor allen Dingen von seinen Beamten und Untergebenen, die ihm vom ersten bis zum letzten Mann hoch verehrten. Für sein gesamte- Beamtenpersonal hat Hoffmann jederzeit in geradezu aufopfernder und väterlicher Weise gesorgt.
Holzminden, 26. August. Einen Mord- und Selbstmordversuch unternahm heute vormittag der angebliche Delikatessenwarenhändler Fratscher, der sich hier vorübergehend aushielt und anscheinend Kaution-schwindeleien betrieb. Er versuchte sich Kautionen von jungen Mädchen zu verschaffen, die er als Verkäuserinnen anstellen wollte. Vor einigen Tagen war er Plötzlch unter Hinterlassung von Schulden verschwunden. Gestern abend kehrte er nach hier zurück und heute vormittag suchte er daS Kolonialwarengeschäft der Firma Rittenberg auf, wo er die Schwester der Frau, die Verkäuferin bei ihm werden sollte, um eine Kaution ansprach. Als daS Mädchen sich weigerte, schoß er ihm eine Kugel in den Kops und verletzte sich dann selbst durch zwei Schüsse dicht unter dem Auge. Beide wurden in schwerverletztem Zustande nach dem Krankenhause gebracht.
Göttingen, 23. August. Im benachbarten RittmarS- Hausen erkrankte durch den Genuß von unreifem Obst daS achtjährige Kind deS Obergehilfen Wagner.' Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe verstarb daS Kind nach einigen Tagen.
Marburg, 25. August. Am Sonnabend fanden Badende in der Nähe deS städtischen Freibades in der Lahn eine menschliche Hand, an der sich auch noch ein Teil deS ArmeS befand. Der Fund wurde der Polizei abgeliefert, die nun eifrig bemüht ist, die mysteriöse Angelegenheit auszuklären.
Eckweisbach (Rhön), 26. August. In dem Steinbruch bei Rupsroth geriet der 20jährige Arbeiter Alb. Klüber von Liebhard unter einen Förderwagen und erlitt derart schwere Verletzungen, daß er alsbald starb. >
Gensungen, 26. August. Nach einem hestigen Wort- Wechsel hatte ein Schmiedegeselle dem Weißbinder K. dahier ein glühende-, spitzes Eisenstück in die linke Seite gestoßen. Schwer verletzt wurde K. mit der Eisenbahn nach Cassel transportiert, um nach dem LandkrankenhauS übersührt zu werden.
Bad Wilduugeu. 25. August. Beim Getreide- Dreschen geriet hier ein 27jähriger Mann mit dem linken Arm in die Trommel der Dreschmaschine, so daß ihm der Unterarm säst vollständig abgerissen wurde. Der Schwer- verletzte wurde nach Anlegung eines SiotvcrbandeS in- Krankenhaus geschafft.
Aus dem Wohratal, 25. August. In Langendors stürzte gestern abend eine ältere Frau so unglücklich von der Treppe, daß sie einen schweren Schädelbruch erlitt und alsbald verschied.
Neidhardtshausen, 25. August. D« 8jährige Sohn deS Landwirts R. Hahn in Zella hütete zwei Kühe auf jungem Kopcklee. Die Folge war, daß beide Kühe aufblähten, insolgedesien eine Kuh platzte und abgestochen werden mußte, während die andere durch Bansenstich noch rechtzeitig gerettet werden konnte. Die gestürzte Kuh war hochträchtig und hatte einen Wert von etwa 650 bis 700 Mark.
Gemüuden, 25. August. Gestern abend entlud sich über der hiesigen Gegend ein schweres Gewitter. Eine Frau von hier, die bei ihrer in Langendors verheirateten Tochter zu Besuch weilte, war wegen deS Gewitter- aus dem Bette aufgestanden. Als sie im Dunkel auS dem Schlafzimmer ging, kam sie der Treppe zu nahe, stürzte hinab und blieb mit einer schweren Schädelverletzung bewußtlos liegen. Die Ungehörigen hoben die in ihrem Blute schwimmende Frau aus. Nach kurzer Zeit trat der Tod ein, anscheinend infolge Gehirnerschütterung.
Freienohl (Sauerland), 26. August. Einem auf dem Keßlerschen Sägewerk an einer Kreissäge beschäftigten Arbeiter flog ein von der Säge abspringendeS Stück Holz mit solcher Wucht gegen den Unterleib, daß der Arbeiter nach zwanzig Minuten seinen Geist aufgab.
Ziegenrück, 25. August. Im Nachbarorte Sparnberg wollte der Bäckermeister Bechert feinen geistig nicht normalen Schwiegersohn, den Gelegenheitsarbeiter Heinrich Geißler, mit Holzhacken beschäftigen;' alS Geißler seinem Schwiegervater ohne jede Beraulaffung mit der Hacke einen so kräftigen Schlag gegen den Hinterkopf versetzte, daß Bechert besinnungslos zu Boden stürzte. Er erlitt einen so schweren Schädelbruch, daß der Tod deS 67jährigen Mannes auf der Stelle eintrat. Geißler wurde verhaftet und dem hiesigen AmtSgerichtsgesängniS zugeführt.
Rintel«, 25. August. Im benachbarten Obernkirchen ereignete sich ein bedauerlicher Unglückssall. Der in der dortigen Glasfabrik von Schauenstein angestellte Materialienverwalter Vogt geriet in daS Getriebe eines Zahnrades, wobei ihm der rechte Arm vollständig auSgeriffen wurde. Der Verunglückte wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht.
Eisenach, 25. August. Gestern verübte der 22 Jahre alte Metalldrücker Wilhelm Fischer einen Mordanschlag gegen den Besitzer deS GasthofeS „Zur Sonne", Quendt, der ihm sein Lokal verwiesen hatte. Fisch« feuerte auf Quent eine Revolverkugel ab, die jedoch ihr Ziel verfehlte. Dann flüchtete der Attentäter und brächte sich selbst einen Schuß bei. In schwerverletztem Zustande wurde er inS Krankenhaus eingeliefert.
Mühlhauseu, 25. August. Ein schwerer Unfall mit tödlichem AuSgange ereignete sich in der Nacht zum Sonntag vor einem Restaurant der Gierstraße. Der Schieferde^er Wilhelm Gl. kehrte in später Stunde von einem VereinS- vergnügen in Felchta zurück und wollte, indem er an der Dachrinne emporkletterte und die eisernen Stützen des HauS- schildeS als Hakt benutzte, durch Pochen an das Fenster des 2. Stockwnks den Besitzer deS Restaurants aus dem Schlaf wecken. Dabei gaben die E.senhaken nach und Gl. stürzte in die Tiefe. Der unglückliche junge Mann erlag den schweren Verletzungen nach kurzer Zeit.
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— Mülheim (Ruhr), 26. August. Der FuhrwerkS- bcsitz« Dahlen in Mülheim verspielte auf französischen Rennplätzen sein ganzer Vermögen in Höhe von 400 000 Mark. Er erschoß sich jetzt in Chantilly.
— A m Grabe seiner VaterS beging der Buchhändler Ferdinand Lomnitz in DreSden, der erste Vorsitzende deS Verein- der Leipziger Buchhändler, Selbstmord. 3n einem
Brief an seinen Bruder in Leipzig gibt er an, daß er in finanzielle Schwierigkeiten geraten sei und keinen Ausweg mehr gewußt habe.
— (Um ein Stück Brot.) Bei Neunzehnhain in Sachsen ist wegen eines Stückes Brot ein Totschlag verübt worden. Dort erstach der 19jährige Kroate Nicolitsch, der beim Chemnitzer Talsperrenbau beschäftigt ist, einen 20jährigen Italiener, der ihm ein Stück Brot, um das Nicolitsch gebeten hatte, nicht geben wollte.
— (Ein 13j ä h r i g c r T o t s ch ä g e r.) In KottbuS wurde der 13jährige Knabe HaenSchen, der vor einiger Zeit im Verlauf eines Streite- ein 8jährige- Mädchen mit der Axt erschlagen hatte, unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
— (Ein schneidiger Polizeihund.) AuS dem Neuwieder Gefängnis ist der berüchtigte Einbrecher Traufcheid in dem Augenblick auSgebrochen und entflohen, al- er zu einem Verhör durch den Untersuchung-richter vorgeführt werden sollte. Die Polizei und Gendarmerie nahmen sofort die Ber- solgung aus und stellten den Verbrecher in einem Roggenfelde mit Hilfe derselben Polizeihunde?, der ihn bei seiner ersten Festnahme vom Rade herabgerissen und so lange sestgehalten hatte, biS er ergriffen werden konnte. Der Einbrecher suchte sich diesmal durch einen Sprung in den Rhein seinen Ber- folgern zu entziehen, doch der Hund setzte ihm nach, schwamm bis in die Mitte des Strome- und hielt Traufcheid abermals fest, bis die versolgende Polizeimannschast in einem Nachen zur Stelle war und den Entsprungenen abermals festnehmen konnte.
— Schneidemühl, 26. August. Ein schwere- Eisenbahnunglück ist dem V-Zug Dirschau—Berlin, der 11 Uhr 15 Min. in Schneidemühl eintrifft, aus der Station Krojanke zugestoßen. Infolge AchsenbruchS ist der letzte Wagen entgleist und umgestürzt. Eine Person ist tot, zwei andere, ein Herr und eine Dame auS Ncukölln, find schwer verletzt. Sie wurden durch einen von Schneidemühl abgesandten HilsSzug nach dem Schneidemühl« Krankenhaus gebracht. Die Leichtverletzten sind in Krojanke untergebracht worden. Der V-Zug setzte nach einer Stunde die Fahrt fort.
— (DreiArbeiterzuTodeverbrüht.) Gestern nacht ereignete sich in der Papiersabrik BolSthal (Schweizer Kanton Solothurn) ein schwerer Unglücksfall. Von einem Stoffkocherkessel sprang infolge hohen Druckes der eiserne Deckel ab. Durch auSströmende Kocherlauge wurden drei verheiratete Arbeiter derart verbrannt, daß sie wenige Stunden danach starben. Zwei andere Arbeiter wurden lebenSgesährlich verletzt.
— (Aus d er Bootfahrt ertrunken.) Fünf beim Anstreichen der Ledabrücke in der Stadt Leer beschäftigte Arbeiter unternahmen aus dem Ledafluß eine Bootspartie. DaS Boot kenterte, und die Insassen stürzten ins Wasser. Zwei konnten sich durch Schwimmen retten. Die Arbeiter Wen, Vater von sechs Kindern, PariS, Vater von drei Kindern, und Fischer sind ertrunken. Die Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden.
— Paris, 26. August. Leutnant Sansever war mit seinem Mechaniker, dem Pionierunteroffizier Laforgue, in Villacoublay ai'fgestiegen. In etwa 200 Meter Höhe geriet der Apparat stark inS Schwanken und sank schnell. Bei 30 Meter stürzte daS Flugzeug und zerschellte. Die beiden Insassen wurden alS Leichen auS den Trümmern geborgen. Alt Ursache deS Unglück- wird ein Bruch der HöhenstruerS angesehen.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 27. August. Gegen zehn Uhr abends erschien gestern der Chauffeur Kurau im Zigarrenladen der Frau Becker in der HeinerSdorfer Straße und verlangte von ihr Zusagen aus Grund deS Verhältnisses, daS die mit ihrem Manne nicht glücklich lebende Frau feit einiger Z<it unterhielt. Als die Frau dem Verlangen deS Chauffeurs Widerstand entgegen- setzte, nahm Kurau eine so drohende Haltung ein, daß die Frau zur Notwehr greifen zu müssen glaubte und auf ihren Bedräng« schoß. Von drei Schüssen schwer in den Kops getroffen, gab Kurau alsbald seinen Geist auf. Die Frau wurde von Hausbewohnern festgenommen und der Polizei übergeben.
Berlin, 26. August. Ueber das Eisenbahnunglück bei Krojanke machte ein Passagier einem Mitarbeit« der „Voss. Z." folgende Angaben: Wir befanden unS in dem letzten Durchgangswagen, der von Passagieren mit dem Ziele Berlin dicht besetzt war. Unterwegs fiel uns schon auf, daß dreimal auf offener Strecke angehalten wurde. Kurz vor Krojanke vernahmen wir ein verdächtiges Surren. Gleichzeitig flogen Steine vor den Fenstern in die Höhe. Ein Herr war im Begriff, die Notleine zu ziehen, alS ein dumpfer dröhnender Schlag erfolgte, durch den ein markerschütternder Schrei der zu Tode erschrockenen Frauen und Kinder hindurchgellte, und der Wagen umkippte. Die Fensterscheiben schauten nur noch alS drohende Scherben aus den Rahmen heraus, die Sitz- bänke waren abgebrochen und die Passagiere lagen in wirrem Knäuel durcheinander.
Wien, 27. August. Der Mörder des Hauptmanns Eisenkolb und der Komtesse Bolza, der Offiziersdiener Jacubowitz, ist noch lange nicht von feinen schweren Verletzungen, die er sich durch den Fenstersturz und 2 Schüsse beigebracht hat, geheilt. Gleichwohl wurde er gestern vom Militärgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. DaS TodeSurteil wird dem Kaiser nicht zur Unterschrift vorgelegt, sondern vom Kapitän der Trabanten-Leibgarde, Karl Grasen AuerSperg, unterzeichnet werden. Der Gnade deS Kaisers wird der Deliquent nicht empfohlen.
London, 27. August. Eine schwere Schiffskatastrophe hat sich auf der Höhe von Falmouth zugetragen. Der deutsche Dampfer „Schwarzwald" stieß in der Nähe deS Leuchtturms von Kap Cornwall mit einem spanischen Dampfer zusammen. Der spanische Dampfer ist gesunken. Nähere Einzelheiten über daS Schicksal der Besatzung fehlen noch.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a M. Wetteransfichten für Donnerstag den 28. August. Meist heiter bis auf Gewitterregen, trocken, warm, ruhig.