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herssel-er Krmblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 100. Dienstag, den 26. August 1913.

Amtlicher Ceil.

Cassel, den 12. August 1913.

Der Deutsche Werlmeisterverband zu Düsseldors hat in einem Rundschreiben an die LandeS-Versicherung-anstalten mitgeteilt, daß noch häufig Unklarheiten über die BerficherungS- Pflicht derWerkmeister" beständen. Insbesondere komme folgender Tatbestand in zahlreichen Fällen vor. Personen, die den TitelWerkmeister" haben, in Wirklichkeit aber im versicherungSrechtlichen Sinne nicht zu der Beruf-gruppe der Werkmeister, sondern zu derjenigen der Gehülfen oder Lohn­arbeiter zählen und infolgedessen auch nicht der Angestellten­versicherung unterliegen, stellten ohne weiteres mit U'ber- schreitung einer JahreSarbeitSverdiensteS von 2000 Mark die Verwendung von Invalidenversicherung-marken ein und machten allenfalls zwecks Aufrechterhaltung der Rentenanwartschaft von dem Rechte der freiwilligen Weiterversicherung Gebrauch.

Wir ersuchen daher im Interesse der Versicherten und zur Meidnng von Bestrafungen der Arbeitgeber auf solgendeS in geeigneter Weise ausmerksam zu machen:

1. In verlicherungsrechtlichem Sinne bildet der Ökrhmeifttr eine JMittelstufe zwischen dem Betriebe­beamten und dem ßewerbegehilfen (Vorarbeiter, Lohn­arbeiter) in der die betriebeleitende und die anf eigener körperlicher ftlitwirkung gerichtete Tätigkeit sich un­gefähr die ölagsAale halten. Ueberwiegt dagegen die letztgenannte Tätigkeit erheblich die erstere, oder sehlt jene die betriebSleitende überhaupt, so gehört die betreffende Person nicht zu der Gruppe derWerkmeister" und zwar auch dann nicht, wenn ihr diese Bezeichnung vom Arbeit­geber oder von den ArbeitSkameraden beigelegt wird. Solche Personen, die nur dem Manien, nicht aber in Ver- sicherungSrechtlichem Sinne dem Sielen nach »MerK- meister sind, unterliegen der Jnvalidenverstcherunge- pflicht ohne Rücksicht auf die Söhc dee ^abree- arbeiteverdienstes; sie bleiben also auch der Jnvalibrn- verficherungSpflicht unterworfen, wenn sie mehr alS 2000 Mark jährlich verdienen.

- 2. Die wirklichen Werkmeister unterliegen, sofern ihre Be­schäftigung alS solche ihren Hauptberus bildet, sowohl der VersicherungSpflicht nach den Bestimmungen über die Jnvaliden- und Hinterbliebenen- als auch über die Angestelltenversicherung. Sofern der JahreSarbeitSverdienst mehr als 2000 Mark er­reicht hat, hört der Invalidenversicherung-zwang auf, und eS besteht sodann nur noch die VersicherungSpflicht auf Grund des BersicherungSgefetzeS für Angestellte. Mit Erreichung eines JahreSverdiensteS von mehr als 5000 Mark hört auch der BersicherungSzwang nach dem AngestelltenverficherungS- gesetz auf. In beiden Fällen steht den Versicherten dar in ihrem Interesse liegende Recht zu, die erworbene Anwartschaft auf Rente durch freiwillige Versicherung ausrecht zu erhalten. Der Vorstand der LandeS-Versicherung-anstalt Hcffen-Naffau.

I. 1330. In Vertretung: (Unterschrift).

2mi Bolden.

Preisgekrönter Roman au- der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.

(Fortsetzung.)

Sie blieben stehen. AlleS war still. Hatten sie sich ver­hört? Wer war im Schuppen? Freunde? Feinde?

Sie lauschten mit geschärften Sinnen. Wieder begannen die Stimmen. Aus einmal lachte Eugen leise aus.

Reisekamerad, bist du eS?" rief er halblaut. Ein Pfiff kam zwischen seinen Lippen hervor, ein Pfiff, den daS ganze Freikorps kannte, und dem eS gehorchte.

Drinnen ward eS lebendig. Zwei Gestalten liefen zum Eingänge des Schuppens.

Eugen du? Komm herein, komm herein. Wer ist bei dir? Wilhelmi? Hochwillkommen alle beide l"

Maria schluchzte aus. Der Uebergang vom Schmerze zur Freude war zu groß.

Sie zogen die Freunde herein.

Sieh da, Werder I und Werder II, daS lasse ich mir gefallen." sagte Eugen heiter.Ihr habt den Schlupfwinkel schon vor unS entdeckt."

Ich dachte, ihr wäret alle tot," murmelte Maria, und ihre Tränen floffen reichlich.

Sie will nicht glauben, daß unser KorpS nur versprengt ist und sich bald wieder zusammenfinden wird," bemerkte Max.

Warten wir eS in Ruhe hier ab," sagte Wilhelmi. Soviel ich gesehen habe, ist der Feind über Krossen nach Süden gezogen, so daß wir keine Entdeckung zu fürchten brauchen."

Sie verteilten die Wachen unter sich. Einer lagerte mit gespannter Pistole am Eingang, während die andern sich dem höchst notwendigen Schlafe Hingaben.

Der Schuppen erwies sich als sehr geeignet sür einen Unterschlupf; er schützte und wärmte die Erschöpften zugleich. Sie blieben auch unbehelligt von jedem Angriff.

An die Herren Vorsitzenden sämtlicher Versicherung-ämter im Bereiche der LandeSversicherungSanstalt Hessen-Nassau.

HerSftld, den 19. August 1913.

Wird veröffentlicht.

Ich ersuche die Ort-polizeibehörden, etwaigen Interessenten von vorstehenden Mitteilungen Kenntnis zu geben.

Königliches Versicherungsamt.

I. V. Nr. 1554. I. A.:

Trost, RegierungS-Lupernumerar.

HerSseld, den 21. August 1913.

Die Herren Bürgermeister, die meine Verfügung vom 1. d. Mt-., I. A. Nr. 5934, KreiSblatt Nr. 92, betreffend Ein- reichung der BestandSnachweifung an deckfähigen Ziegen und angekörten Ziegenböcken noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.

Die Erledigung hat nunmehr bestimmt bis zum 1. September d. JS. zu erfolgen.

Der Vorsitzende des Kreisaussihusies:

I. A. 9lr. 5934 II. von GruneliuS.

nichtamtlicher Ceil.

Sie Schlacht tu her Wach.

Zur Erinnerung an den 26. August 1813.

Die Hauptrolle in dem Befreiung-kampfe fiel der kleinsten der drei Armeen, die die Verbündeten inS Feld gestellt hatten, der schlesischen, zu, in der General, Offizier und Soldat kein andere- Ziel vor Augen hatten, als Napoleon zu schlagen und zu vernichten.

Der Anführer dieses Heere-, der alte Blücher, war von den Patrioten längst alS der rechte Feldherr deS Befreiung-kriege- bezeichnet worden. Niemals in aller Not der letzten schweren sieben Jahre hatte der tapfere Mann an Preußen- Stern gezweifelt, niemals feige der Ansicht gehuldigt, daß Deutsch­land und Preußen mit ihm in der gewaltigen Masse deS nopoleonischen Weltreichs untergehen müffe. Freilich hatte er in feiner rauhen Art seinem Haß gegen den korsischen Eroberer oft fo ungefügigen Ausdruck verliehen, daß Aengstliche vor ihm zurückschreckten. Um so wärmer aber hatten die Stolzen, Starken zu ihm gehalten, und nun bewährte sich, war schon vor Jahren Scharnhorst in neidloser Bewunderung den Waffengefährten gesagt hatte:Sie find unser Ansührer und Held, und müßten Sie unS in der Sänfte vor- und nachgetragen werden; nur mit Ihnen ist Entschloffenheit und Glück."

Und von demselben stolzen, patriotischen Geist erfüllt wie der greise Führer waren seine Mitarbeiter von demfeinen Schlachtendenker", den Generalquartiermeister Gneisenau, und demeisernen" Aork hinab bis zum einfachen Soldaten.

Ganz richtig erkannte Napoleon in diesem meisterlich

AlS der Morgen dämmerte, kamen zwei Reiter vorsichtig an den Schuppen heran. Wilhelmi erkannte sie und pfiff leise.

Sofort stiegen beide ab und kamen auf ihn zu. Es waren Saher I und II. Stundenlang hatten sie in einem Tannen- dickicht verborgen gelegen und nicht gewußt, wohin sie sich wenden sollten, da sie die Richtung deS Feindes nicht kannten. Erst mit dem Morgengrauen hatten sie sich hervorgewagt, um die Freunde zu suchen. .

Zu Tode ermattet, sanken sie beide in dem Schuppen zu einem bleiernen Schloss nieder.

Wir müffen Nahrung haben," sagte Wilhelm,.Ich will sie zu verschaffen suchen."

Sogleich machte er sich auf den Weg. Mit Ungeduld harrten die Kameraden seiner Rückkehr. Schon nach einer Stunde kam er, mit LebenSmitteln aller Art reich beladen.

Die Leute in «rossen riffen sich um die Ehre, unS Hülfe zu leisten," erzählte er.Sie wollten mich hierher begleiten, aber ich litt eS nicht. Sie brauchen nicht zu wissen, wo wir

'Indessen hatte die Gesellschaft im Schuppen sich noch um einige vermehrt. Jeder Ankommende hatte Neues zu berichten über seine Erlebnisse, sein Entkommen, sein Versteck und die Auffindung deS Schuppens. Die meisten hielten ihre Bleibe versteckt, einige hatten reiterlose Renner aufgegriffen und mit sich geführt. So konnten Hirfchfeld und Wilhelmi sofort wieder beritten gemacht werden.

Mt viel zur Neubelebung deS klemen Freikorps, daß sich die meisten wieder zusammenfanden, nachdem sie sich fast für ausgerieben gehalten hatten. ES kam ihnen vor, alS würden sie von einer höheren Macht gel«tet, d.e rhre Ver- nichtuna nicht dulden wollte. Ja, das Gefühl, sie ständen unter gött ichem Schutz. bewegte sie so tief, daß Georgs Vorschlag sie wollten Gott gemeinsam für die gnädige Be- Wahrung danken, die freudigste Billigung fand

AIS sie noch knieten, hob eine Stimme unter ihnen leise an tu fingen: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Eine »weite fiel ein, eine dritte und vierte, und bald sang die «ante Schar mit halblauter Stimme den Choral. Ergreifend klang der volle Chor dieser leise gebrochenen Stimmen:

geführten und von dem besten Geist beseelten Heere den gefähr­lichsten Feind, darum wandte er sich mit der Hauptmacht seines Heeres nach Schlesien, um selbst dem greifen, kühnen Gegner die Spitze zu bieten. Aber Blücher ließ sich zunächst nicht fassen. Schritt um Schritt wich er zurück, denn im Rate der Verbündeten war beschlossen worden: diejenige Armee, die Napoleon selbst angreifen will, weicht zurück, bis die anderen ihm in die Flanke fallen. Wirklich zwang auch nach kurzer Zeit der Einmarsch der böhmischen Armee in Sachsen Napoleon selbst, mit einem Teil seiner Truppen umzukehren; Mai schall Macdonald mit etwa 80 000 Mann blieb in Schlesien, um Blücher in Schach zu halten. Da stellte sich daS schlesische Heer zur Schlacht. Am 26. August überschritten die Feinde die tief eingeschnittenen Täler der Katzbach und der wütenden Neiße und stießen jenseits derselben unvermutet auf die kampf­bereiten Blücherschen Scharen. Zwar schien daS Wetter ein ernstes Gefecht unmöglich zu machen, weil der feit mehreren Tagen in Strömen fallende Regen Gewehre und Munition verdorben hatte, aber den Schlesiern lag nichts am Schießen. Unter brausendem Hurra stürmten sie zum Handgemenge heran und brachen sich mit Säbel, Bajonett und Kolben eine surcht- bare blutige Bahn. Anfangs ertrugen die Franzosen den jähen Anprall in fester Haltung, als aber eines ihrer Bataillone nach dem andern von den grimmigen Fäusten der Landwehr zerschmettert wurde, alS die Schwadronen der Preußen und Russen in den gelockerten Reihen immer sürchterlicher hausten, da stürzten sie verzweiselnd die steilen Talränder zur Katzbach und wütenden Neiße hinab. Die Flucht über diese kleinen Flüssen, die der strömende Regen zu reißenden Strömen angrschwellt hatte, brächte den Ermatteten neue- Verderben: Taufende fanden den Tod in den Wellen. Jenfeit- der Katzbach versuchte der Rest ihres Heeres, sich zu sammeln und zu erholen. Bald jedoch waren ihnen die Verfolger auf den Fersen und hetzten sie, immer ungestört von dem nimmermüden Blücher, der seit jenen Tagen bei seinen Soldaten und bald im ganzen Lande den stolzen NamenMarschall Vorwärts" führte, von Stellung zu Stellung bis tief nach Sachsen hinein.

Am 1. September konnte Blücher seinen braven Truppen triumphierend verkünden, daß 18 000 Gefangene und 103 eroberte Geschütze sich in den Händen der Sieger befänden; MacdonaldS Heer war nahezu vernichtet und ganz Schlesien vom Feinde befreit.

Die Kunde von dem Siege löste in ganz Deutschland un­ermeßlichen Jubel auS, wie man ihn seit dem Tage von Roßbach nicht mehr gehört hatte, und Blücher ward mit einem Schlage, während er bisher nur der erklärte Held und geliebte Führer Preußens gewesen war, zum deutschen Helden und Krieger, zum volkstümlichsten Mann der Welt.

ZM kriWttiiWsftitt in Ktlheim.

Die bayerische StaatSzeitung widmet der Kelheimrr Feier, zu der sich am Montag Seine Majestät der Kaiser und die BundeSfürsten alS Gäste deS Prinzregenten Ludwig begeben

Wer nur den lieben Gott läßt walten

Und Hoffet aus ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem Kreuz und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut.

Dreizehntes Kapitel.

Der Zug nach Schlesien.

Nach einigen Tagen hatte daS versprengte Freikorps, so­weit eS noch vorhanden war, sich wieder zusammengefunden. ES war sogar durch einige neue Freiwillige verstärkt worden.

Die neuen Ankömmlinge brachten einige wichtige Nach­richten über die Bewegungen der Feinde. Zugleich erfuhr Eugen, daß seine Unternehmungen jetzt allen Ernstes als eine wirkliche Gefahr betrachtet wurden und planmäßig gegen sie vorgegangen werden sollte. Verschiedene französische Regimenter, die nach Polen bestimmt waren, wurden angehalten und er­hielten den Befehl, daS Gebiet Napoleons zwischen Krossen und Glogau von den Hirschfeldschen FreilorpSscharen zu säubern.

Auch wurde Kapitän Nidpre auS BreSlau beordert, daS Freikorps auszusuchen; ebenso erhielt General Montbrun den Befehl, daS KorpS zu verfolgen und aufzureiben.

Wenn auch alle diese Nachrichten nicht imstande waren, Eugen und seine Schar einzuschüchtern, so sah der kühne Führer doch ein, daß er auf die Dauer einem an Zahl so überlegenen Gegner zweifellos unterliegen müsse. Er sah ein, daß der einzige Weg. sich und die Seinigen dem Dienste deS KönigS zu erhalten, der war, sich an eine größere Truppen- macht anzuschließen.

Wenn wir unS nach Glatz durchschlagen könnten, dann wäre unS geholfen," sagte er zu den Freunden Wilhelmi, Saher und Werder, als sie in vertraulicher Beratung saßen. Wir könnten unS dem Generalgouverneur Gras v. Götzen in Glotz zur Verfüguug stellen und ihm in der Verteidigung seiner Festung helfen. SS ist aber schwer, sich dahin durch- zuschlagen."