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hersselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Snschlutz Nr. 8

Nr. 99.

Sonnabend, den SS. August

1913.

Zweites Blatt.

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShaufen.

(Fortsetzung.)

„Allerdings, ich gestehe, daß die Abschrift etwas anders lautete," sagte der Vorsitzende und wars einen vernichtenden Blick aus Kapitän HugueS.

„Sie geben zu, Kapitän, daß Sie Fehler in der Abschrist gemacht haben?"

HugueS wußte sich kaum zu beherrschen vor Zorn. Er sah kreideweiß auS.

„Ich gebe es zu," sagte er heiser.

„Noch eins, Mademoiselle," wandte sich der Vorsitzende an Ly^ia. „In dem Briefe wird von einer Tante und einer Lydia gesprochen, die den Schreiber einstmals vor dem Feinde verborgen haben. Damit find Sie jedenfalls und Fräulein von Hirschseld gemeint?"

„Jedenfalls, Herr Kommandant."

„Nun, wie verhält sich das?"

„Darauf können weder Fräulein von Hirschfeld noch ich Antwort geben. Soll ein Beweis gegen uns geführt werden, so werden wir unS verantworten."

„Ein kühnes Mädchen, bei Gott, außerordentlich kühn!" dachte der Kommandant. „Wahrhaftig, mir fehlt alle Lust, die Sache weiter zu verfolgen."

„Lassen wir die Angelegenheit auf sich beruhen." sagte er laut. „Stimmen wir jetzt über den General von Hirsch­feld ab."

Die Offiziere zogen sich zur Beratung zurück. Nach wenigen Minuten hatten sie entschieden. Der General wurde fecigesprochen und mit den Damen in großer Höflichkeit ent­lassen.

Zwölftes Kapitel.

Der Uebersall von Krassen.

Friedrich und Hilda von Saher ritten an einem Hellen, frostigen Februartage in der Nähe von Krossen über daS winterliche Feld. Sie waren zur „Aufklärung" vorauSgeschickt, denn ein Bauer hatte Eugen von Hirschfeld benachrichtigt, daß in der Nähe ein Regiment Franzosen mit einem großen Transport Gewehre gesehen worden fei.

Vorsichtig prüften die jungen Leute. Sie ließen ihre Pferde einen schlanken Trab anschlagen, und in kurzer Zeit erblickten sie von der Höhe der Wege-, die sie eben erreicht hatten, den Zug. Der Bauer hatte wahr gesprochen. Sofort machten die Gatten kehrt und sprengten zu dem FreikorpS zurück, daS ihnen langsam gesolgt war.

„ES ist ein günstiger Umstand, daß die Landbewohner uns treu sind und unS gern unterstützen," sagte Saher. „Schon manch ein Fang ist uns dadurch geglückt."

„Und doch verlieren sie das Leben, wenn es herauSkommt. ES steht Todesstrafe daraus," sagte Hilda.

„Todesstrafe, weil ein BaterlandSfreund dem anderen bei- steht! Ist eS nicht die umgekehrte Welt? Wie lange soll dieser unselige Zustand noch dauern?"

„So ganz unselig ist er nicht," meinte Hilda schelmisch.

Er erwiderte ihren strahlenden Blick.

„Nein, eS ist eine Lust, Seite an Seite zu kämpsen mit seinem Weibe. Besser alS wir kann man eS in FledenSzeiten nicht haben."

„Und trotz Kampf und Arbeit bleibt manch eine Stunde für unser persönliches Zusammenleben."

„Bist du müde, Hilda?" Du bist den ganzen Morgen im Sattel gewesen."

Sie lachte übermütig.

„Einen ganzen Morgen! WaS will daS heißen? DaS ist nur ein Anfang. Jetzt gebt ja die Hauptarbeit an. Da kommt Georg. Er will wiffen, war wir gesehen haben. Wahrscheinlich ist Eugen schon voller Ungeduld."

In kurzen Worten teilten sie dem Führer ihre Be- obachtungen mit. Sosort setzte sich daS ganze Freikorps in Galopp, und nach zehn Minuten hatten sie den feindlichen Zug erreicht.

Ehe dieser nur Zeit hatte, sich zum Wiederstande zu ordnen, war die kleine Schar in seiner Mitte. Die Wucht der Angriffs war so gewaltig, daß die bestürzte Begleitung deS Transports kaum dazu kam, sich zu verteidigen. Die meisten wurden zusammengehauen, nur einzelne entkamen, die Gewehre im Stiche laffend.

Das ganze Gefecht hatte nicht länger alS zwanzig Minuten gedauert. Glücklicherweise wurden auch einige Borräte erbeutet, die dem Korpr sehr zugute kamen.

Und die erbeuteten Gewehre?

„Fort damit, in die Oder," gebot Eugen. „Wir haben ihrer genug. Aber erst zählen, damit wir unS der Mast« freuen können."

„E- ist eine bedeutende Anzahl, alle Wetter I" sagt« Max, der seinen Kops in die Transportwagen gesteckt hatte.

Sie zählten 16 000 Gewehre. DaS überstieg die kühnsten Erwartungen.

Die Oder war nur eine kurze Strecke von hier entfernt. Dahin begleitete daS Freikorps die Transportwagen.

„Wofür waren die Gewehre bestimmt?" fragte Eugen einen der wenigen Gefangenen.

„Für die Erhebung in Polen." war die Antwort.

„Ein empfindlicher Verlust für den Feind," freute sich Saher. „Wenn wir so weiter machen, wird er unS bald bedeutende Beachtung schenken."

„Wo ist Georg Wilhelm?" fragte Hilda.

Er war nicht zu erblicken.

„Wird sich schon heranfinden," beruhigte Marie.

Jetzt alle Mann angesaßt, hurtig!" rief Max Werder. „Man weiß nicht, wie lange wir in Ruhe gelassen werden."

Am Rande der Oder hielten die Wagen. Alle griffen unter die Wagenhallen, und der ganze Vorrat der Gewehre wurde in den Fluß geworsen.

Aber wo blieb Georg von Wilhelmi?

Da sprengte er heran mit verhängten Zügeln. Schon von ferne winkte er mit den Händen.

„Der Feind, der Feind!" schrie er mit aller Kraft der Lungen. „General Montbrun ist hinter unS!"

Zu den Pferden und auffitzen war «inS. Aber schon schwärmten die feindlichen Reiter von allen Seiten herbei. AuS d«n kahlen Wäldern, hinter den Abhängen hervor jagten sie. ES war unmöglich, dieser dreifachen Umarmung zu ent­gehen. Kämpfen galt «S, kämpsen umS Leben; denn die Franzosen waren in mehr alS dreifacher Ueberzahl.

Und sie kämpfte, diese wackere kleine Schar, sie kämpfte mit einer Wucht, daß die Massen deS Feindes an einzelnen Punkten zurückwichen. Jeder verdoppelte seine Kraft, nach rechts und links schlugen sie auf den Feind. Sollte eS denn gestorben sein, so mußte daS Leben wenigsten- teuer verkauft werden.

Hier sochten Werder I und ll Schulter an Schulter und versuchten sich durchzuschlagen. Dort wehrte Saher II sich verzweifelt gegen drei andringende Feinde. Hilda hatte die Kopfbedeckung verloren, daS Blut floß ihr in Strömen am Halse herunter. Ihre schönen kurzen Locken flogen um daS bleiche Gesicht, auS dem die blauen Augen mutig hervor- leuchteten. Ihr Arm erlahmte bereit-; nur mechanisch noch wehrte sie die Angriffe ab.

Die Franzosen merkten ihre Ermattung.

„Herunter mit dir, Milchbart, mit deinem Puppengesicht!" schrie dir eine. „Ich werde dir dein seiner Lärvchen ein wenig verderben."

Er holte zum Hiebe au-. Hilda sah e-, aber sie hatte keine Kraft mehr, auSzuweichen,

Aber waS war daS? Täuschte sie ihr stimmender Blick, oder sah sie in Wahrheit ben erhobenen Arm de- Angreifer-, von einem Säbelhieb getroffen, zu Boden fliegen? Sin stöhnender Aufschrei, und der KS.per solgte nach. Zuglerch wurde ihr Pferd am Zügel gefaßt und fortgeriffen.

Hilda schloß die Augen. War sie in FeindeShand? War sie eS nicht? ES hatte sich alle- in so rasender Schnelligkeit abgespielt, daß sie mit ihren Sinnen nicht mehr folgen konnte. t

In gestrecktem Galopp sauste sie dahin.

Allein? Nein, ihr fcharse- Ohr hörte deutlich den Huf- schlag von zwei Pferden. Aber die Augenlider waren wie gelähmt, sie konnte sie nicht öffnen. Hinter ihr tobte der Kampf, stampften die Hufe der Pferde, zitterte daS Erdreich unter dem blutigen Abschlachten von Menschen und Tieren. Dann verhallte eS, immer mehr. Nun war eS still.

Die Pferde standen mit plötzlichem Ruck.

Und alS habe si« auf diesen Augenblick nur gewartet, sank Hilda lautlos an der Seite ihres Pferdes nieder, aber sie fiel nicht auf den Boden. Sie wurde von zwei Armen aus­gefangen und sanft darin gebettet.

„Hilda, Liebling, mein Einzige-, stirb nicht, bleib bei mir. Herr Gott, der Preis ist zu hoch. Lebe, H. da. Gib mir nur einen Blick, einen einzigen," flüsterte e.ne le.densch°ft iche Stimme an ihrem Ohre. Sie fühlte Küste aus ihrer Stirn, auf Mund und Augen.

Die Stimme kannte sie doch? Eo gab es nur eine in der Welt. Friedrich von Saher war bei ihr.

Mit Mühe zog sie bie fchweren Augenlider in die Höhe und sah in daS Gesicht ihre- über sie gebeugten Gatten.

Da lächckte sie. Die Kraft strömte in die müden Glieder

JUtÜ%u bist da. Nein, ich sterbe nicht. Wir wollen beide leben," murmelte sie. .

Drüben tobte der Kamps weiter. Aber er war zu ungleich. Eugen sah, wie seine Getreuen tode-mutig der Uebermacht ^Tsettefy^ schrie er gellend über &mDaS^Wor^wjrkte. "sie dachten auf Schutz, auf Rettung

Lebens SS ließ ab vom «ampse, da- kleine KorpS tapferer Streiter, hierhin, dorthin, verfolgt vom Feinde eine kurze Strecke, dann allein gelassen, fort in die Weite, au-em-

andergeristen, jeder nur aus sich bedacht, gleichviel, wohin.

Auch Eugen sann aus Rettung. Wenn er heute unterlag, so konnte er morgen siegen.

Da wurde sein Pferd von einer Kugel getroffen, daS edle Tier, da- ihn auS mancher Gefahr getragen hatte, und ei sank stöhnend in die Knie.

Der Feind jauchzte bei Eugen- Sturz. Aber Eugen dachte nicht daran, sich zu ergeben. Da lag ein Gebüsch zur Seite, — mit einem Sprung war er drin und warf sich zur Erde.

Die Feinde hatten ihn stürzen sehen. Sie zweiselten nicht daran, daß er unter dem zuckenden Leibe deS Pferde- be­graben liege. Sie wälzten eS zur Seite, — Eugen von Hirschfeld war wie vom Erdboden verschwunden.

Die srühen Abendschatten sanken über die Ebene. Der Feind hatte sich nach Krossen begeben. Mancher Mann vom Regiment war gefallen, während daS Freikorps nur wenige Leute eingebüßt hatte.

Nach dem wilden Ringen war alle- wie ausgestorben. Nur ein einzelner Mann zog über das Schlachtfeld. Er glitt langsam weiter, stand hier, bückte sich dort und ging weiter.

„Er muß zu finden sein," sagte er vor sich hin. „Ich sah eS deutlich, wie er mit dem Pferde stürzte und liegen blieb. Halt, hier ist e- gewesen. Da liegt da- Pferd, ich erkenne eS. Nun kann er nicht weit fein.

Weiter bewegte sich die Gestalt mit der gespannten Pistole in der Hand. Langsam betrachtete der Mann jede Stelle im Umkreise bei toten Pferde-, untersuchte jeden Strauch, jede Bertiesung.

Wieder hatte er ein Buschwerk auieinanbergebogen und unterdrückte einen AuSrus. Da lag ein Mann in der preußischen Husarenuniform, regungSloS mit geschlossenen Augen.

„Eugen von Hirschseld, er ist «S! Und er atmet, er lebt l"

Georg von Wilhelmi wars sich neben Eugen auf den Boden, rieb ihm Gesicht und Brust mit Schnee und ließ nicht nach, bis dem Bewußtlosen daS Blut zum Herzen zurückströmte und er die Augen öffnete. Er erkannte Georg von Wilhelmi.

„Du bist gerettet ? Und wo sind die andern?" war fein erstes Wort.

„Ich weiß eS nicht, aber wir werben sie finden," antwortet« Wilhelmi und richtete Eugen aus.

„Ich meinte, daß ich tot wäre," stammelte dieser.

„Du tot? ES ist noch viel für dich zu tun. Steh auf, bie Arbeit wartet," rief Wilhelmi.

Die starke Zuversicht deS Freunde- wirkte Wunder. Eugen stand auf. Von Wilhelmi gestützt, schwankte er vorwärt-. Aber bald festigten sich seine Schritte, und er ging gerade und sicher.

„Ich weiß hier in der Nähe einen leeren Schuppen," sagte Wilhelmi. „Ich bemerkte ihn vorhin, alS ich dich suchte. Dahin gehen wir für den Rest der Nacht."

„Du hast zuerst den Feind entdeckt. ES war eine Un­vorsichtigkeit, keine Wachen autzustellen, während wir die Gewehre versenkten," sagte Eugen.

AlS die Freunde in die Nähe bei Schuppen- kamen, hielten sie die Pistolen schußbereit in der Hand.

„Mir ist, alS hörte ich Stimmen," flüsterte Eugen.

„Ganz recht, eS ist jemand drinnen," gab Eugen zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Sie NIMM der Wickle.

In unserer Zit mit ihrem gegen srüher so gesteigerten Reiseverkehr erlangen auch diejenigen gesetzlichen Bestimmungen eine erhöhte praktische Bedeutung, die darauf abzielen, bai reisende Publikum vor Verlusten zu schützen.

Freilich ganz werden sich solche Verluste auf Reisen nie verhüten lassen. Wenn Jemandem im Eisenbahnwagen von Langfingern sein Gepäck oder gar eine Summe Gelde- gestohlen wird, so ist selbstverständlich die Ersenbahnverwaltung in keiner Weise verpflichtet, für solchen Schaden auszukommen. Anders aber, wenn «twa- dem Reisenden in einem Hotel zustößt. Demjenigen, der gewerbsmäßig Fremde beherbergt, gleichviel, ob e- ein Hotel 1. Range- in der Großstadt oder ein ganz kleine-, bescheidene- Fremdenlogis auf dem Dorfe ist, legt der Gesetzgeber einerseits mit Rücksicht auf die mancherlei Fähr- lichkeiten und Zufälligkeiten, die gerade der Betrieb einer Fremdenbeherbergung mit sich bringt, andrerseits mit Rücksicht aus den erhöhten Verdienst, den die Fremdenindustrie abwirft, eine besonder- strenge Haftung für etwaige Verluste bei Reisenden aus. Der Gastwirt hat seinen Logirgästen den Verlust zu ersetzen, einerlei, ob der Schaden durch den Wirt oder durch seine Angestellten oder durch fremde Leute (z. B. Diebe) verursacht oder überhaupt bloß ein Werk bei Zufall- ist. Während sonst im Rechtsverkehr Voraussetzung für jeden Schadenersatzanspruch der Nachweis eine- Verschulden- ist, tritt bie Ersatzpflicht der Gastwirte selbst dann ein, wenn diese gar kein Verschulden trifft, ja sogar dann, wenn sie von der Existenz der verloren gegangenen Sache oder Summe Gelde- und ihrem Abhandenkommen garnicht einmal Kenntnis gehabt haben. Dieser Fall würde z. B. rintreten, wenn der Reisend«