mit den bulgarischen Truppen in sich birgt, ernste Zwischensälle herbeiführen kann und womöglich einen Zustand schafft, der an und für sich und durch die vielfachen ernsten Rückwirkungen da- Werk der Gerechtigkeit und deS Friedens, daS die Mächte unternommen haben, noch schwieriger machen kann.
Sofia, 17. August. Die Regierung hat ihre Gesandten bei den Großmächten angewiesen, gegen daS Vorrücken der Türken auf Gümüldjina zu protestieren.
Aus > und Ausland.
Berlin, 17. August.
Der Kaiser unternahm, wie auS Bad Homburg gemeldet wird, am Sonnabend nachmittag gegen 5 Uhr im Automobil eine AuSsahrt nach dem großen Tannenwald, wo er den Leopoldstein, den seiner Zeit die Bewohner der Landgrafschaft Hesten-Homburg auS Anlaß deS Heldentodes deS Prinzen Leopold bei Großgörfchen errichtet hatten, besichtigte. Von hier auS suhr der Kaiser Über die Saalburg wieder in daS Königliche Schloß zurück. — Die Kaiserin begab sich kurz nach 7 Uhr mit dem Prinzen Alexander Ferdinand, dem Sohn der Prinzenpaares August Wilhelm, im offenen Hofwagen nach dem Hauptbahnhof, von wo aus der kleine Prinz durch seine Erzieherin nach Berlin gebracht wurde. — Prinz OSkar ist gestern von Bad Homburg abgereist.
Ungefähr 96 000 Beamte derReichSpost- und Telegraphen-Verwaltung erhalten am 1. Oktober eine Erhöhung ihres Gehaltes. DaS dieser Tage vollzogene ReichSgesetz über Aenderungen der BefoldungS- ordnung sieht neue Gehaltsstufen vor für die Bureaubeamten zweiter Klaffe, die Lagerverwalter und Bauschreiber, die Ober- postaffistenten, Ober-Telegraphen-Astistenten, Postoffistenten, Telegraphenassistenten und Postverwalter. Sie steigen künftig auf 3 600 statt 3 300 Mk. ES bedeutet dies eine Aufbesserung um 50 biS 300 Mk. für den einzelnen. Die Stufen für die Unterbeamten die Schaffnerklasse gehen statt von 1100 bis 1700 auf 1200 bis 1800 Mk., für die Unterbeamten bei den Ober-Postdirektionen und verschiedenen Berliner Aemtern sind sie von 1200 bis 1700 auf 1300 bis 1800 Mk. erhöht. Bei etwa 54 000 Unterbeamten wird daS Gehalt um 100 Mk. erhöht.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Am kommenden Montag, 18. August, beginnt der letzte Sitzung-- abschnitt der S t r a f r e ch t S k o m m i s s i o n. Die Arbeiten sollen mit allem Nachdruck weiter gefördert werden, und man hofft, daß der Schluß der Sitzungen Ende Oktober erfolgen kann, worauf dann die Auflösung der StrafrechtSkommffsion zu gewärtigen ist. Zur Aufstellung deS endgültigen Straf- gesetzbuchentwurss wird voraussichtlich eine kleinere Kommission berufen werden, der nur Vertreter der beteiligten Dienststellen angehören werden, nicht auch außerhalb der beteiligten RessortS und Ministerien stehenden Fachgelehrten und Juristen.
Auf dem Schlachtfelde an der Katzbach fand am Sonntag eine Jahrhundertfeier der schlesischen Jugend statt, an der über 10 000 Jugendliche mit etwa 1000 Führern teilnahmen. Prinz OSkar von Preußen wieS aus die Bedeutung der Feier hin und brächte daS Kaiserhoch auS. Regierungspräsident Freiherr v. Seherr-Thoß erwiderte mit einem Hoch auf den Prinzen. Der Prinz schritt die Reihe sämtlicher Vereine ab und nahm sodann deren Vorbeimarsch entgegen. Die für den Nachmittag vorgesehenen Volks- und Iugendspiele fielen wegen deS ununterbrochen strömenden Regens auS.
Zu der Meldung deS TempS, nach welcher ein angeblicher früherer U n t e r o s s i z i e r s ch ü l e r der Unteroffizierschule PotSdam, namenS Müller, während seines dortigen Aufenthaltes unmenschlich behandelt sein soll und insolgedeffen sich in Chalonstur-Saone zur Fremdenlegion gemeldet habe, hat daS Generalkommando jetzt der Post eine Zuschrift zugehen lassen, in der eS heißt: Wenn der Inhalt der französischen Nachricht auch bei jedem deutschen Leser von vornherein daS Gepräge der völligen Unwahrheit in sich schließt, möchte daS Generalkommando nicht unterlassen, festzustellen, daß weder ein Müller noch überhaupt ein anderer Unteroffizierschüler in den letzten Jahren sich von der Unter- offizierschule PotSdam entfernt hat. Sämtliche Angaben deS Artikels sind unwahr.
DaS neue Marineluftschiff „8 2", daS in den nächsten Tagen in Friedrich-Hafen aufsteigen und nach JohanniSthal bei Berlin übergeführt werden soll, wird vor der Abnahme durch die Marinebehörde eine 50stündige Dauerfahrt auSzuführen haben. DaS Luftschiff soll infolge der bedeutend größeren Ausmessungen und der Steigerung der Motoren
„Ja, sie ist ein mutiges Mädchen. Aber als ich sie damals von den Verwandten abholte, jenseits der Oder, da zeigte sie mir lächelnd einen Silberstreifen in ihrem Haare."
„Wirklich? Wirklich? In dem schönen dunkeln Haar? Weil sie sich um meinen Sohn geängstigt hatte?" fragte der General bewegt. „Ich glaube fast, Prediger, alter Freund, unsere Kinder lieben sich? WaS meinen Sie?"
„Ich zweifle nicht daran," entgegnete Pseiffer ruhig.
„Da- gefällt mir, Prediger, Ich sage Ihnen, da- gefällt mir," rief der General aufgeräumt, „Ich erinnere mich übrigen-, daß die beiden als Kinder schon immer zusammen- steckten. ES ist klar, daß sie vom Himmel süreinander bestimmt find, und waS Gott zusammengesügt hat; soll der Mensch nicht scheiden. Hör mal, Lydia, meine Tochter," tief er dem jungen Mädchen zu, daS eben den Garten betrat, „sag mir mal ehrlich, hängt dein Herz an meinem Eugen?"
Eine helle Röte stieg Lydia biS in die Schläsen. Aber sie schlug die Augen gerade und offen zu dem General auf.
„Ich liebe Eugen, Herr General," sagte sie fest.
»So, so! Und er? Mein Sohn?"
„Er liebt mich auch," antwortete Lydia zuversichtlich.
„Und dumm wäre er, wenn er eS nicht täte," sagte der General schmunzelnd. „Bist ein Blitzmädel, ein Edelstein. Wohl dem Manne, der dich in seine Krone setzen darf. Lydia, wenn Gott gibt, daß Eugen auS diesen tollen Kämpfen un- versehrt hervorgeht und mit heiler Haut zurückkommt, so heiratet ihr."
„Ein französischer Kapitän wünscht den Herrn General zu sprechen," meldete Johann. „Er sagt, daß er Nachricht bringt vom Leutnant Eugen"
„Bon Eugen?" rief der General aufgeregt. „Ein Franzose? WaS bedeutet dar? Doch wohl nicht- anderes als Gefangenschaft?"
„DaS glaube ich nicht," sagte Lydia.
„Führe ihn her, Johann," besaht der General.
Im nächsten Augenblick erschien Kapitän HugueS vor den Freunden und verneigte sich tief.
„Ich habe die Ehre, dem Herrn General bereit- bekannt zu fein," begann er ehrerbietig.
kräfte einen größeren Aktionsradius, nämlich von 72 Stunden, erhalten. Der Durchmesser des Luftschiffs wurde von 13 auf I6V2 Meter erhöht, und der GaSinhalt beträgt 27,000 Kubikmeter, also 5000 Kubikmeter mehr als daS erste Marinelust- schiff. Eine erhebliche Steigerung der Eigengeschwindigkeit wird durch vier eingebaute Motoren mit zusammen 900 Pserde- stärken erreicht. Im Hinblick aus die längere Dauer der Fahrt wird eine Schlafeinrichtung für die Besatzung eingebaut.
Die Handwerksfreundlichkeit der Regierung betont die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", indem sie offiziös schreibt: „Auf dem am 12. August in Halle statt» gehabten Handwerks- und Gewerbekammertage ist von verschiedenen Seiten die schon oft gehörte allgemeine Behauptung aufgestellt worden, daß sich die auSsührenden Behörden um die daS Handwerk in wohlwollender Weise berücksichtigenden VerdingungSerlaffe nicht kümmerten. Wir ersahren, daß man an zuständiger Stelle auf Grund der Prüfung der bisher ein» gegangenen Beschwerden und nach den Ergebnissen eingehender örtlicher Erhebungen durch Ministerialkommissare jene Behauptung nicht als berechtigt ansieht. Solche allgemeinen und durch Tatfachen nicht belegten Beschuldigungen der auSsührenden Beamten sind nur geeignet, die guten Beziehungen zwischen dem Handwerke und den verdingenden Behörden zu trüben."
DaS Großkampf schiff „PrinzregentLuitpold" wird am 19. August in Kiel unter dem Kommando deS Kapitäns z. S. Heuser (Karl) unter die Flagge treten. Damit tritt der 13. Dreadnought und gleichzeitig daS 5. Turbinen- linienschiff in die Front. Nach Beendigung der vorgefchriebcnen Probefahrten wird „Prinzregent Luitpold" voraussichtlich in die 5. Linienschiffsdivision eintreten, die dann auS 5 Turbinen- Linienschiffen sich zusammensetzen wird. Mit diesen 5 Schiffen, die insgesamt über eine Wasserverdrängung von 125 000 Tonnen, eine Maschinenleistung von mehralS 140 000 Wellen- Pferden und über eine Besatzung von 5500 Mann verfügen, wird dann nach Beendigung der Flottenmanöver unter dem Kommando deS Konteradmirals Schmidt daS dritte aktive Geschwader der Hochserflotte gebildet werden.
Anläßlich deS8 3. GeburtStageSKaiserSFranz Joseph, Kaisers von Oesterreich und KönigS von Ungarn am 18. August ist der österreichische Botschafter in Berlin, Gras von Szögyer.y-Marich, mit sämtlichen Herren der Botschaft heute früh nach Jschl gereist. Die „Wiener Abendpost" widmet dem Geburtstag Kaiser Franz Josephs einen Artikel, in dem sie besonders die Fürsorge deS Kaisers für den zeitgemäßen Ausbau einer starken Wehrmacht hervorhebt, die zum Schutze der Werke deS Frieden- unerläßlich sei. „ES war stets daS Bestreben deS Kaisers" — schreibt daS Blatt — „dem Vaterlande den Frieden zu sichern und zu erhalten, und im Verein mit seinen erhabenen Verbündeten glückte eS ihm trotz mancher Fährnisse in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder, dieses kostbare Gut zu bewahren. Deshalb verehrt die Bevölkerung Oesterreich-UngarnS mit der gesamten gesitteten Welt in ihrem Kaiser den Paladin deS Frieden-."
Während sich die französische Presse letzthin einer maßvollen Sprache gegenüber Deutschland befleißigte, bringt ein f r a n zö s i sch e S Bl a t t wieder einmal eine heftige deutschfeindlicheAuSlassung, die eS verdient, als Stimmung-symptom wiedergegeben zu werden. Auch in einer französischen Kirche ist eS gestern zu einer Kundgebung für eine Wiedervergeltung gegen Deutschland gekommmen. Die dem Ministerium deS Auswärtigen nahestehende LibertS enthält einen Hetzartikel von ungewöhnlicher SchSrse/ der mit den Worten schließt: „Wenn den in Elsaß- Lothringen wohnenden ehemaligen Fremdenlegionären der Aufenthalt dort durch behördliche Maßnahmen verleidet werben sollte, so wird man sich in Pari- gegenwärtig halten müssen, daß in Frankreich Tausende von Deutschen wohnen, die nicht in Afrika, sondern anderwärts ihre Militärdienste leisteten." Damit sind die deutschen Reservisten gemeint. Die Libertö glaubt heute, am Gedenktage von Rezonville ein übrige- an ChauviniSmuS sich leisten zu müssen, und sie spricht die Ansicht auS, daß die Fremdenlegionär-Angelegenheit zu „dem großen Zwischenfall" führen könnte, dem Ausgangspunkt eines deutsch-französischen KriegeS. — Bei der Rezonville- Gedenkfeier in der dichtgefüllten Notre-Dame-Kirche in Paris wurde heute der ganz ungewöhnliche Fall dröhnenden Applause- festgestellt. Mit den BeisallSzeichen begannen die Veteranen nach der Kanzelrede deS Abbe Moureaux, der der Hoffnung auf eine glorreiche Revanche Ausdruck gab. ES ist bedauerlich, daß nach einer Zeit der Ruhe erneut der Ruf nach Revanche jenseits unserer Westgrenze laut wird in einer Form und in einem Ton, der in Frankreich ausreizend wirken muß.
Nach Meldungen auS Ceuta griffen zahlreiche Mauren gestern vormittag sowohl die Proviantkolonnen in Rücken der
„Die Erinnerung an unser Begegnen ist keine angenehme", erwiderte der General frostig.
„Ich bedaure lebhaft, daß ich höherem Befehle folgen mußte, alS ich Ihrem Sohn nachforschen mußte," beeilte sich HugueS zu versichern.
„Ihr Bemühen war nicht mit Erfolg gekrönt, Herr Kapitän," versetzte Hirschseld eisig.
„Nein, aber daS Schicksal wollte eS, daß daS launenhafte Glücksspiel deS KriegeS mich ihm letzthin in die Hände spielte."
„Ah!" sagte der General. Er konnte ein Lächeln deS Stolze- nicht unterdrücken.
„Wir hatten ein Gefecht, und er machte mich zum Ge- sangenen," erklärte Kapitän HugueS. „Ich bot ihm an, einen Bries an seinen Vater zu besorgen und mich freizugeben. Er ging gern auf diesen Vorschlag ein."
„Er lügt," dachte Lydia. „DaS Anerbieten ist sicherlich von Eugen ausgegangen."
„Sie haben den Brief?" fragte der General lebhaft.
„Hier ist er."
Kapitän HugueS zog den Bries hervor und reichte ihn dem General.
„Wenn der Franzose dem General nur nicht eine Falle stellt," dachte Lydia. „Ich traue ihm Schlechte- zu."
Auch der General schien nachdenklich. Er schnitt langsam den unbeschriebenen und ungeregelten Briesumschlag aus, zog den Brief heraus, sah nach der Unterschrift und steckte ihn dann sorgfältig ein,
„Ich danke Ihnen für die gütige Besorgung, Kapitän," sagte er zurückhaltend.
ES war klar, daß der Brief in Gegenwart deS Fremden nicht gelesen werden sollte. HugueS sah daS ein.
„Sie erlauben, Herr General, daß ich mich zurückziehe, nachdem ich den Auftrag Ihre- Sohne-, den Brief nur in Ihre Hände zu übergeben, auSgerichtet habe," sagte er höflich. „Ich empfehle mich den Herrschaften."
Niemand hielt ihn zurück. Auch tauschte keiner einen Händedruck mit ihm.
Sobald HugueS sich außerhalb der Bereiche- de- General-
Stellung von Condesa bei Ceuta an, welche 5 Tote und 17 Verwundete, darunter einen Leutnant und einen Sergeanten verloren, alS auch die parouillierende Kavallerie bei Tetumr. Verstärkungen warfen den Feind zurück. — Nach amtlicher Meldung auS C a d i x haben Mauren an der Küste von AlhucemaS ein spanisches Handelsschiff genommen und vollständig auSgeplündert, sodaß ein zu Hilfe eilende- Kanonenboot sich darauf beschränken mußte, daS Schiff zu versenken.
Keine Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung in San Francislo.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Einladung der Vereinigten Staaten von Amerika zur Beteiligung an der Weltausstellung in San FranciSko ist deutscherscitS nunmehr abgelehnt worden, nachdem eine von der Reichs- Verwaltung veranstaltete Umfrage ergeben hat, daß sich die deutsche Industrie und die sonstigen deutschen wirtschaftlichen Kreise in überwältigender Mehrheit von einer Beschickung deS Unternehmens keinen Nutzen versprachen. Bei den guten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, die zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bestehen und deren Ausgestaltung sich da- deutsche Reich weiter angelegen sein läßt, hat die deutsche Regierung, welche die Möglichkeit einer deutschen Beteiligung wohlwollend und ein- gehend geprüst hat, nicht mit leichtem Herzen gefaßt. Sie hätte eS gerne gesehen, wenn sie, wie seinerzeit bei der Ausstellung in Chicago und Samt Louis der amerikanischen Regierung und dem amerikanischen Volk durch die Annahme der Einladung einen neuen Beweis der Sympathie der Freundschaft hätte geben können. Aus der anderen Seite mußte sie mit der Abneigung der deutschen wirtschaftlichen Kreise, die auch aus die in Deutschland herrschende Ausstellung-müdigkeit zurückzuführen ist, alS mit einer Tatsache rechnen, und sie konnte sich mit ihr um so weniger in Widerspruch setzen, al« eine deutsche Beteiligung, die der Bedeutung der deutschen Industrie und deS deutschen Wirtschaftslebens nicht entspräche, dem Ansehen deS Reiches schädlich wäre und somit den deutschen Interessen zuwiderlaufen würde.
Da die Ausstellung in San FranciSko vielsach mit der Eröffnung deS Panamakanals in Zusammenhang gebracht wird, so fei doch daraus hingewiesen, daß Deutschland- Stellung zu diesem welthistorischen Ereignis durch die Entscheidung in der Ausstellung-frage nicht berührt wird. Die feierliche Einweihung deS neuen, die Völker verbindenden Verkehrsweges wird voraussichtlich Gelegenheit bieten, daS Interesse Deutschlands an dieser gewaltigen Errungenschaft, welche die Welt der Tatkraft der Vereinigten Staaten zu verdanken haben wird, in würdiger Weise zu bekunden.
Wie erlangt der Handwerker das Einjährige?
Ueber die Frage, wie die Handwerker für hervorragende Leistungen da- „Einjährige" erlangen können, herrscht noch allgemeine Unkenntnis. ES seien darum hier die vor einiger Zeit abgeänderten Bestimmungen, die durch einen gemeinsamen Erlaß der Kriegsminister- und deS Minister- deS Innern über die Zulassung zur erleichterten Einjährigen-Prüfung festgesetzt wurden, durch welche die Zulassung zu dieser Prüfung für weitere Kreise der Künstler, Kunsthandwerker ganz erheblich erweitert worden ist. Sie besagen, daß die Ersotzbehörden^ dritter Instanz bei besonder- hervorragenden gewerblichen Leistungen in der Schule auch bei ben Schülern der staatlichen oder staatlich unterstützten Baugewerksschulen und kunstgewerblichen Unterricht-anstalten von dem Nachweis der wissen- schastlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst absehen können. Die Schüler dieser Anstalten können — die Erfüllung der sonst gesetzten Bedingungen natürlich vorausgesetzt — zu der erleichterten Prüfung zugelassen werden. Zur Begutachtung der nach den Vorschriften der Wehrordnung (§ 89, 6 a und b) in Betracht kommenden Arbeiten sind vorzugsweise die Regierung-- und Gewerbeschulräte, gegebenen- soll- auch da- LandeSgewerbeamt in Berlin in Anspruch zu nehmen. Die Schüler der Fortbildung-- und Fachschulen sollen auf die neuen Vorschriften ausdrücklich hingewiesen werden. Eine im Zusammenhang mit diesem Erlaß aufgestellte Statistik über die Zahl der erleichterten Prüfung zugelassenen Bewerber und ihre PrüsungSersolge zeigt recht erfreuliche Resultate. Von den insgesamt 736 in den Jahren 1900 biS 1904 mit dem Berechtigungsschein auf Grund der erleichterten Prüfung versehenen jungen Leute waren 261 (26,39 Proz.) kunstverständige Arbeiter und 214 (21,64 Proz.) mechanische
besand, beschleunigte er seine Schritte und ging in die Kommandantur. Dort ließ er sich beim Kommandanten, General Rue, melden. Er wurde sogleich vorgelassen.
„Ich melde mich zurück auS der Gefangenschaft deS Leutnants Eugen von Hirschseld," begann er.
„Hirschfeld mit seinem verdammten Freikorps, der unS unsere Verbindungen nach rückwärts verdirbt?"
„Derselbe."
„Ein toller Kops. Haben Sie Neues über dies Korps erfahren? Ist eS ein starker Trupp?"
„Nicht stark an Anzahl, aber die Mannschaft ist von einem Geiste beseelt, der die Mafle ersetzt und jeder Gefahr mit beispielloser Kühnheit trotzt."
„DaS haben Sie wohl an sich selbst ersahren müssen?" fragte der General mit leichtem Spott.
HugueS errötete dunkel.
„Wir wurden überrascht, Herr Kommandant. Die Verteidigung meiner Mannschaft war musterhaft."
„Wieviele Geschütze haben Sie eingebüßt?"
„Etwa ein Dutzend, Herr Kommandant," log Hugue- dreist.
„Haben Sie sonst noch etwa- zu melden?"
Der Kapitän zog einen Brief hervor.
„Leutnant von Hirschseld gab mir die Freiheit und zugleich einen Brief an seinen Vater. Da ich annehmen konnte, daß die- Schreiben für unS Wichtiges enthalten würde, nahm ich eine Abschrift davon, ehe ich den Originalbrief dem Vater überreichte. Hier ist die Abschrift."
„Hm, ich danke Ihnen. Sehr ehrenhast war ja Ihre Handlungsweise nicht, Herr Kapstän. Aber immerhin — Sie meinten unS etwas schuldig zu sein für die erhattene Schlappe. Ich erkenne da- an."
Der Kapitän wand sich unter den schneidenden Worten, aber er mußte stillhalten.
(Fortsetzung folgt.)