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Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: »Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschluh Nr. 8
Nr. 97
Amtlicher Ctil.
HerSfeld, den 15. August 1913.
Die Herren Bürgermeister, die meine Verfügung vom 1, dS. Mts. — A. 5879 — KreiSblatt Nr. 93, betreffend Bericht über den Wechsel in der Person der Waisenräte, noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.
Die Erledigung hat nunmehr bestimmt bis zum 20. ds. MtS. zu erfolgen.
Der Dorfitzende des kreisausschuffes:
I. A. Nr. 5879 II. von GruneliuS.________________ HerSfeld, den 13. August 1913.
Bei einem Schweine des Bäckermeisters Hettler hier (Lingg- platz) ist die Schweinepest amtlich festgestellt worden.
I, 9391. Der Landrat.
I. A.:
Weffel, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 16. August 1913.
Die Straße WölferShaufen-Heringen ist von morgen ab wieder für den öffentlichen Verkehr freigegeben.
I. 9524.
Der Landrat von Grunelius.
Der Gaatenstaud Anfang August 1913. Regierungsbezirk Caffel, Kreis Hersfeld.
VegutachtungSziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 — gut,
3 = Mittel, 4 — gering, 5 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. I. —)
ruchtarten usw.
Sommerweizen .
Winterspelz (Dinkel) .
Winterroggen .
Sommerroggen.
Wintergerste Sommergerste .
Vn : : :
Acker- (Sau-) höhnen Wicken
Kartoffeln .
Zuckerrüben Futterrüben WinterrapS u. -Rübsen
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen .
Durchschnitts.
Anzahl der von den
noten für den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat R-S-Bez. Gaffel
2,5 2,7 2,3 2,7 3,0 2,7
2,6 2,6 2,8 2,6
2,8 2,6 2,4 2,5
2,6 2,6 2,6
2,4 2,7
2,3 2^5
2,5 2,4
2,6 2,3
2,3 3,1
2,5 2,7
2,8 2,6 2,7
2,4 2,3 2,4
2,2 2,3
Kgl. Preuß. Statistischer Landesamt.
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Dienstag, den 19. August
1913
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nichtamtlicher teil.
kill irisier Kanzel in Anzenmatz gehört dazu, um auS der verschiedenen Stellung von Berlin und Wien in der Frage der Revision der Bukarester Friedens eine ernste Gefährdung deS deutsch-österreichffch-ungarifchen Bündnisses herzuleiten. Die Frage ist um so mehr neben» sächlicher und untergeordneter Natur, alS über die Art, wie das Revisionkverlangen durchgeführt werden könnte, keine Uebereinstimmung zwischen den nächstbeteiligten Großmächten, nämlich Oesterreich-Ungarn und Rußland, besteht und gar nicht abzusehen ist, wie eine solche unter allen Großmächten zu erzielen wäre.
Man erinnert an daS scharfe Eintreten Deutschlands für Oesterreich-Ungarn im Jahre 1909 nach der Erklärung der Annexion in BoSnien und der Herzegowina und bringt dazu die gegenwärtige Meinungsverschiedenheit in Gegensatz. BeideS läßt sich nicht vergleichen. Damals gab eS noch keine Balkan- kriege und kein Konzert der Großmächte zur Isolierung der Kämpfe, und eS handelte sich um eine eigene große Aktion unseres Bundesgenossen, bei der wir über unseren Beistand keinen Zweifel lassen durften, wogegen daS KriegStheater am Balkan mit der Schlußszene in Bukarest daS Werk der Balkanstaaten war, bei dem die Großmächte nur interessierte Zuschauer bildeten. In der AnnexionSkrife von 1909 konnten und mußten wir helfen, in der Frage deS Bukarester FriedenS hätte die deutsche Unterstützung wenig oder nichts genützt, leicht aber uns nicht nur in Gegensatz zu Rußland, sondern auch zu unserm BundeSgenoffen Italien bringen können. Denn dieses begünstigte d^ russische Bemühen, Kawala her» Griechen zu entwinden, hatte aber kein Interesse an dem, waS Oesterreich- Ungarn wünschte, nämlich den bulgarischen Erwerb im Wardar- thal zum Nachteil SerbienS zu vergrößern.
Die österreich-ungarische Presse erkennt mehr und mehr, daß die Ergebnisse deS BeutekriegS auch mit diplomatischer Unterstützung von deMschrr Seite nicht so zu ändern gewesen wären, wie man eS in Wien wünschte, nämlich durch Ueber-
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lassung von Gebieten in
Zentralmazedonien an Bulgarien, und freundlichen Verhältnisses Rumäniens
Präsident.
daß die Befestigung deS .
zu Deutschland doch dem ganzen Dreibund, namentlich aber Osterreich-Ungarn, zu gute kommt. Bemerkenswert ist insbesondere ein Artikel der dem Thronsolger Erzherzog Franz Ferdinand nahestehenden „ReichSpost", in dem einmal von einem anderen Gesichtspunkt auS, als nur auS dem „serbischen Kellerloch", die Bilanz der Balkankriege für Oesterreich.Ungarn betrachtet wird. ES ergibt sich da, daß weder ein Großserbien, noch ein Großbulgarien, noch eine mächtige Koalition der Balkanslawen, jut Vormacht gelangt, sondern daß vor allem Romanen und Hellenen obenauf gekommen sind, also Völker- schaften, deren Gedeihen den österreichisch-ungarischen Balkan- interessen eher sörderlich alS nachteilich sein kann. Das ist
zugleich die beste Rechtfertigung der Reserve, die von der deutschen Politik in der RevisionSfrage beobachtet worden ist.
* * *
Berlin, 17. August. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Londoner Botschasterversammlung hat mit der zur Zeit möglichen Lösung der albanischen Grenzsragen und der Jnselsrage ihre Ausgabe vorläufig erfüllt. Von Sir Eduard Drey ist ihrer Tätigkeit in beherzigenswerten Darlegungen vor dem Unterhaus« ein eindrucksvoller AuSklang gegeben worden. Der britische Staatssekretär hat als Leiter der Londoner Besprechungen den Dank Europas empfangen, und dieser Dank darf nicht gering sein, wenn man, wie die Gerechtigkeit fordert, die Arbeit der Botschasterversammlung nach dem beurteilt, waS sie Europa erspart hat. Deutschland kann befriedigt darauf zurückblicken, daß eS zu dem Zustandekommen der Londoner Besprechungen mitgewirkt und während ihrer Dauer durch eine vermittelnde Haltung dazu beigetragen hat, manche Ergebnisse zu sichern, darunter namentlich solche, die für unser« Dreibundgenossen nicht ohne Wert sind.
Die Hoffnung ist erlaubt, daß der in London bewährt« gute Wille zur Einigung auch die Aussprache beherrschen wird, die sich für die Regierungen der Großmächte auS ihrer Pflicht zur Stellungnahme zum Bukarester FriedenSvertrag ergeben dürfte.
Sofia, 17. August. Die Regierung hat den Gesandt- fchasten eine Note überreicht, in der sie die Mächte davon in Kenntnis setzt, daß die türkischen Truppen unter dem Vorwande, die Bevölkerung in den von der griechischen Armee geräumten Gebieten schützen zu wollen, nach der Besetzung von Mustapha Pascha, Dimotika und Sufili den Ort Kujchukavak, 16 Kilometer westlich von der Maritza, erreichten und aus Kirdjalü und Gümüldjina ziehen. Die Note macht darauf aufmerksam, die Tatsache, daß die Türken die erwähnten Gebiete besetzten, noch bevor die bulgarischen Truppen wieder von ihnen Besitz genommen hätten, beweise klar, wie wenig der von der Pforte angeführte Grund den Tatsachen entspreche. Um vor den Großmächten die Wahrhaftigkeit ihrer Erklärung und ihre vollkommene Aufrichtigkeit zu bezeugen sowie um neuen Anklagen vorzubeugen, schlägt die Regierung vor, daß die Wieder- besctzung der fraglichen Gebiete in Gegenwart von Militärattaches stattfinde, welche so lange dort bleiben könnten, wie si« eS für nützlich hielten. Da der Vertrag von Bukarest Bulgarien zur Demobilisierung zwing?, würde eS die höchste Ungerechtigkeit bedeuten, wenn den Türken erlaubt würde, ungestraft eine der Grundbestimmungen des Londoner Friedens zu übertreten und das Gebiet eines StaateS zu verletzen, welcher soeben die Waffen niedergelegt habe. Die Note schließt mit folgender Erklärung: Die bulgarische Regierung ist überzeugt, daß die Großmächte eS sich angelegen sein lassen werden, mit den geeignetsten Mitteln dar Verbleiben ottomanischer Truppen diesseits der Linie Midia—EnoS sowie ihren neuen Vormarsch zu verhindern, der die Gefahr von Zusammenstößen
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. Trommershausen.
(Fortsetzung.)
„Ich bitte Sie, meinem Vater ein Schreiben von mir zu bringen, verlange aber Ihr Ehrenwort, daß Sie eS tun."
„Nichts leichter als das," wollte der Franzose auSrufen, besann sich aber rechtzeitig, daß er eS mit einem schwerfälligen Preußen zu tun hatte. Auf den würde es einen besseren Eindruck machen, wenn er zögerte.
Er schwieg eine Weile.
„Nun, Kapitän?" rief Eugen scharf. „Ein Ehrenwort ist eine ernste 6c
Sache, Herr Leutnant.
Das muß überlegt fein."
„Sie tragen also Bedenken?" ,
„ES können in solchem Schreiben Aufträge, Winke enthalten sein, die unS schädigen."
„Der Bries wird, aus mein Ehrenwort, nur Persönliches enthalten," sagte Eugen gemessen.
„DaS genügt. Dann übernehme ich den Austrag, Herr Leutnant. Ein Franzose weiß dem Gegner zu danken für
die erhaltene Freiheit."
„Gut. Der Brief ist bereits geschrieben; denn ich wartete auf eine Gelegenheit zur Beförderung. Ich füge nur noch den Schluß hinzu."
Eugen zog ein längeres Schreiben auS schrieb einige Zeilen an den Rand und ver vor den Augen deS Franzosen.
„Hier ist daS Schreiben, Herr Kapitän."
Er rief den ortskundigen Max Werder herbe, und beauftragte ihn, den Franzosen bis nach Alt-Küstrinchen ist geleiten.
„Du hast ihm die Freiheit gegeben?" fragte HUda, als
seiner Brieftasche, siegelte den Brief
Eugen zu ihnen zurückkehrte. , ., .
„Nicht umsonst. Er ist mit seinem Ehrenwort verpfändet, einen Brief von mir in die Hände meines Vater- zu legen."
„So viel traust du dem hinterlistigen Franzosen?" rief Saher kopfschüttelnd.
„Leute, denen man Vertrauen entgegenbringt, zeigen sich meist auch vertrauenSwert," versetzte Eugen. „Diese Erfahrung habe ich mit Kapitän Laureat gemacht."
„HugueS ist nicht Laurent," widersprach Marie. „HugueS mißfällt mir in hohem Grade. Er hat einen Ausdruck von Verschlagenheit in seinen Mienen."
„HugueS — HugueS — ich muß den Mann kennen," sann Eugen nach.
„Er ist derselbe, der dem Fürsten Hohenlohe bei Prenzlau vorspiegelte, er sei der Unterhändler MuratS," antwortete Wilhelmi ernst.
„Donnerwetter
Eugen sah betroffen auS.
DaS stimmt. Aber ich habe ihn wo anders gesehen —." Er hielt inne und schlug sich heftig vor die Stirn.
„Wo hast du ihn gesehen?" fragte Hilde neugierig.
In der Küche meiner Elternhäuser in Brandenburg, als ich die Küchenmagd spielte. Da kam er und suchte mich."
„Und hat den Leutnant von Hirschfeld in der Bauern- dirne nicht erkannt," ergänzte Hilda trocken.
Die Sache ist ernster, alS Ihr denkt," nahm Wilhelm, daS Wort. „Den mißlungenen Fang wird der Herr Kapitän nickt verschmerzt haben. Wer kann wissen, ob er nicht Rache nehmen möchte, und ob er unredliche Mittel dabei scheut?"
WaS qefchehen ist, ist geschehen," rief Eugen, und ferne blauen Augen strahlen von Stolz und Wahrhaftigkeit „Will er mit fchaden, so muß rch eS dulden. Solange ,ch aber keim Beweise von Ehrlosigkeit habe, will ich auch an die Ehrenhaftigkeit einer Gegner» glauben. *
Elfter Kapitel.
Vor dem Kriegsgericht in Magdeburg.
General von Hirschfeld machte «einen gewöhnlichen Abend- fanwroana mit dem Prediger Pfeiffer am Havelufer entlang. S m Stimmung wm jetzt oft verdrießlich. Dies Leben der Untätigkeit, zu dem er verdammt war, steigerte feinen Unmut von Tag zu Tag.
Der Prediger suchte ihn zu trösten und auszuheitern. „Seien Sie froh, daß Sie im eigenen Heim sind und nicht gleich vielen braven Preußen alS Gefangener ein jämmerliches Leben fristen müssen, fern von der Heimat."
„Schöner Trost für einen, der gern sein Blut im Kampfe verspritzen möchte," polterte der General. „Nein, mein lieber Prediger, daS mindert meinen Grimm nicht. Ich muß ihn in mich fressen und die Fäuste in der Tasche ballen. ES wird ja wohl einmal der Tag der Vergeltung kommen. Ich bete zu Gott, daß ich ihn erlebe. Nur nicht vorher sterben und stumm im Grabe liegen, wenn der Sturm kommt und unser Volk aufsteht und die Ketten zerreißt,"
„Gott ist nicht ein Gott der Rache," sagte Pfeiffer bedächtig.
„Nein, aber er ist ein Gott der Gerechtigkeit. Auf den Sturz folgt Erhebung. Wenn ich daS nicht glaubte, würde ich mein Leben fortwerfen."
„DaS würden Sie nicht tun, lieber General," sagte der Prediger und sah dem alten Freund lächelnd in daS Gesicht. Aber darin haben Sie recht: aus die eine oder die andere Weise wird Gott sich unseres Volkes annehmen. Denken Sie daran, wie wunderbar er Ihren Sohn Eugen bewahrt hat. In der Schlacht bei Jena ist er unversehrt geblieben, der Kapitulation bei Prenzlau ist er entgangen."
„Zu seinem und unserem Heile, warf der General ein. „Ich stehe nicht dafür ein, war er getan hätte, wenn er aus Ehrenwort entlassen wäre. — Ich hätte ihn nicht schelten können, hätte er das erzwungene Ehrenwort gebrochen."
„Die Verwundung bei Waren hat ihn nicht getötet," fuhr der Prediger fort. „Er rettet sich durch kühne Flucht, ent- geht in Eurem Haufe den Spähern mit kecker List und ent- kommt über die Oder, während die feindlichen Kugeln ihn umsausen."
„Weiß Gott, Prediger, wenn Sie daS so erzählen, — wahrhastig, eS ist zum Erstaunen, wie oft er am Rande deS Grabes war, mein tapferer, todesmutiger Junge. Aber hören Sie mal alter Freund, Ihre Tochter Lydia steht ihm nicht nach an Kühnheit. Wetter noch ’n mal, ist daS ein Mädel! Allerhand Hochachtung und dreimal Hut ab vor ihr."