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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 96.

Sonnabend, den 16. August

1913.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 12. August 1913.

An die Echulvorstände der Kreise-.

Die Herren Verband-vorsteher in Eitra, Friedlos, Heringen, KerSpenhausen, MalkomeS, RanSbach, Sorga und Unterbaun und die Herren Bürgermeister in Ger-dorf, KalkobeS, Kleba, Kleinensee, Kohlhausen, Oberhaun, Tann und WipperShain sind mit der Einreichung der Schulrechnung sowie die Herren Gemeinde-Aeltesten in SchenklengSfeld mit der Vorlage b(t Schul- und Gemeinderechnung für dar Rechnungsjahr 1912 zur Prüfung immer noch im Rückstände.

Unter dem Hinweis aus meine Verfügungen vom 26. März 1909 I. 3229 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 37/1909 und vom 25. v. MtS. I. 7917 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 89/1913, bringe ich die Einreichung der vorbezeichneten Rechnung mit Frist bis z u m 1. k. M t S. nochmals in Erinnerung.

I. 7917. Der Landrat.

Wefsel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 12. August 1913.

Nach den Jahresberichten der Hessischen Brandversicherungs» Anstalt findet eine nicht geringe Zahl der Brandunglücke ihre EntstehungSursache in dem Spielen der Kinder mit Streich­hölzern und sonstigen Zündstoffen.

Ich sehe mich daher veranlaßt, jetzt wo beim Hüten deS VieheS die Kinder Streichhölzer bei sich führen, um der ver­derblichen Sitte gemäß im Felde resp. auf dem Weideplätze Feuer anzumachen und Kartoffeln rc. zu braten, an die Be­wohner deS Kreises die dringendste Aufforderung zu richten, die Streichhölzer doch so auszubewahren, daß sie unverstän­digen Kindern nicht zugänglich sind, denn eS sind Fälle vor­gekommen, daß Kinder ebenso wie im Freien, in Wohnräumen, Scheunen rc. ein Feuerchen angezündet haben, wodurch dann große Schadenfeuer entstanden sind.

Daß auch die Herrn Lehrer ihren Einfluß in dieser Hin­sicht aus die Schulkinder zur Geltung zu bringen wissen werden, setze ich als selbstredend voraus.

Die Herrn Bürgermeister deS Kreise- ersuche ich, die vor­stehende Bekanntmachung wiederholt in der Gemeinde zu veröffentlichen.

I. 9326. Der Landrat.

3. A.:

Weisel, KreiSfekretär.

Bestimmungen über die Wohltaten des Potsdamschen Großen Militär-Waisenhauses.

Die Stiftung gewährt bedürftigen ehelichen Kindern ver­storbener Soldaten vom Feldwebel abwärts

ktlelmlsr.

Novellette von Erwin von Waldenburg.

(Schluß.)

Beim Dörschen Stechelberg verengt sich die Straße in einen schmalen Bergsteig. Hier mußte man die Wagen ver­lassen. LiSbethS Mutter und die älteren Teilnehmer an der Partie, denen die dreistündige Bergtour zu anstrengend war, blieben hier, während daS junge Volk den Weg nach dem oberen Eteinberg einjchlug. , , .

Lisbeth und Miß Lucy wetteiserten munter nutemander, ihre Kunst alS Bergsteigerinnen zu zeigen, und sie sahen reizend au- mit dem Alpenstock in der Hand und den kurzen Kleidern, die die zarten Füßchen sehen ließen.

Nicht so schnell! Nicht so schnell! riesen die Gesährten; im Anfang muß man die Kräfte sparen, wenn man ohne Ermüdung oben ankommen will." Doch daS Hals nichts. Wie zwei Gemsen kletterten sie munter empor, dab« bald recht-, bald links Alpenblumen pflückend, mit denen, sie ihre Hüte schmückten. Ihre Gefährten, unbekümmert um d,e Brombeersträucher, an denen sie sich die Hände zerrissen, brachten um die Wette ganze Hände voll herbei.

Und daS Edelweiß?" fragte plötzlich Miß Lucy;gibt eS hier kein Edelweiß?"

Niemand hatte welches gesehen.

Düsen Strauß dem, der mir Edelweiß bringt!' fuhr sie fort. Und mit einer koketten Bewegung zeigte sie aus den Strauß, den sie an der Brust trug. Aber die armen Burschen konnten lange suchen: nicht eine Spur von Edelweiß war zu sehen. u ,

In Trachsellauenen wurde haltgemacht, um sich durch einen Trunk frischer Milch zu stärken, dann begann der Aus- stieg vom neuem. Sengende Strahlen sandte dre Sonne herab, so daß der Ausstieg langsamer vonstatten ging. Endlich kam man in den Wald, und die Gesellschaft stieß nnen wahren Freudenschrei aus. Wie romantisch war dreier Wald. An­statt deS PsadeS sührte eine Art von Treppe über dre be­moosten Felsen, beschattet von mächtigen Eichen. Keine Hütte, kein Stall war zu sehen; nur Grün, nichts all Grün.

A. Pslegegeld von jährlich 90 Mk., für Vollwaisen von 108 Mk.

B. Ausnahme in die Erziehung-anstalten: PotSdam (evangelische Knaben im Alter von 812 Jahren), Pretzsch (evangelische Mädchen im Alter von 612 Jahren und evangelische Knaben im Alter von 6 und 7 Jahren), HauS Nazareth zu Höxter (katholische Knaben und Mädchen).

A. 1. Pslegegeld dürfen nur solche Kinder erhalten, deren Vater im Preußischen Heere zur Zeit der Geburt deS Kinde- aktiv diente oder während deS Militärdienstes oder an den Folgen einer Krieg-beschädigung gestorben ist, und die ihrem Alter oder ihrem Gesundheitszustände nach keine Aufnahme in die Erziehungsanstalten finden können.

2. Gewährung von Pflegegeld wird durch Waisengeld, Waisenrente, ErziehungSbeihilfen oder ErziehungSgeld auS> geschloffen.

Nur neben dem aus Grund deS ReichSgesctzeS vom 13. Juni 1895, betreffend die Fürsorge sür die Witwen und Waisen der Personen der Soldatenstandes deS ReichSheereS und der Kaiserlichen Marine vom Feldwebel abwärts, und deS Militälhinterbliebenengesetzer vom 17. Mai 1907 zu­ständigen Waisengelde kann ein Teil deS Pflegegeldes bis zur Erreichung der Beträge von 90 bezw. 108 Mk. bewilligt werden.

3. Pflegegeld wird von dem Monate ab gezahlt, in welchem nach Beibringung der nötigen Ausweise die Be­willigung erfolgt, und zwar längstens bi- zum vollendeten 15. Lebensjahre.

B. 1. Aufnahme in die Erziehungsanstalten wird vorzugsweise den unter A. 1 erwähnten, außerdem aber auch solchen Waisen bewilligt, deren ^ater einen Feldzug mit­gemacht oder nach Erfüllung der gesetzlichen Dienstpflicht längere Zeit weiter gedient hat oder als Invalide aner­kannt ist?)

2. Bedingung der Ausnahme ist, daß vom 1. deS der Ausnahme solgenden MonatS ab bis zum Abläufe deS Ent» laffungSmonatS an die Haupt-Militär-WaifenhauSkaffe abge­führt werden:

a) daS gesetzliche Waisengeld bezw. die gesetzliche Waisenrente aus ReichS-, EtaatS-, Kommunal- usw. Fonds oder aus Mitteln jeder unter öffentlicher Autorität errichteten Ver- sorgungSanstalt,

b) daS gesetzliche KriegSwaisengeld,

c) die gesetzlichen ErziehungSbeihilfen und

d) daS aus dem Kaiserlichen DiSpositionSsondS bewilligte Er­ziehungSgeld.

Erhalten Waisenkinder neben dem Waisengelde noch eine Unterstützung, insbesondere eine AuSgleichzuwendung, dann dars die Aufnahme davon abhängig gemacht werden, daß für die Dauer ihreS Aufenthalts in den genannten Anstalten

*)^AurnähmSweise auch den Kindern noch lebender ehemaliger Soldaten, welche dauernd völlig erwerbsunfähig und ohne ge­nügendes Einkommen sind.

Plötzlich klatschte Lieschen in die Hände.

O die herrlichen Erdbeeren I" rief sie.

In der Tat färbten Tausende von Walderdbeeren gleich roten Punkten den grünen Teppich. Die ganze Gesellschaft machte sich daran, sie zu pflücken, miteinander wetteifernd, wer die meisten hätte. Am Ufer eines durch daS MooS murmelnden BSchleinS wurde Rast gemacht, und alle waren darüber einig, nie vorzüglichere Erdbeeren gegessen zu haben.

Dann ging eS weiter, und bald war die Gesellschaft an einer Stelle angelangt, wo die Bäume nur noch vereinzelt standen. ES bot sich ihnen eine bezaubernde AuSsicht, ein wunderbares Panorama lag vor ihnen; alle die Bergriesen deS Berner Oberlandes mit ihren schneebedeckten Häuptern.

Aber die Sonne sandte immer glühendere Pfeile vom wolkenlosen Himmel herab, und man mußte unbedingt suchen, in Schatten zu kommen. Die beiden jungen Mädchen hatten ihre frühere Munterkeit verloren und fragten einmal über bal andere, wann man am Ziele sein würde.

AlS der Weg eine Biegung machte, wurde von weitem eine Sennhütte, wie an dem Felsen hängend, sichtbar.

In zehn Minuten würde man dort sein, hatte Herbert gesagt, und die AuSsicht rief die ermatteten Lebensgeister wieder wach. Die Damen sreilich hatte die srühere Schneidig- keit verlassen, nur Miß Lucy schien unermüdlich; mit der Leichtigkeit einer Gemse eilte sie voran. Plötzlich schien sie stehen zu bleiben und rief mit allen Zeichen unbändiger Freude: Edelweiß! Edelweiß I" ,

Alle beschleunigten ihre Schütte, und bald konnten sie am BergeShange blühende- Edelweiß bewundern.

Wie schön! Wie reizend! riesen die Damen.

Schade, daß man nicht hinabgelangen kann, um er zu pflückenI sagte jemand auS der Gesellschaft.

F In der Tat fiel der Abhang in erschreckender Steilheit mehr alS tausend Meter jäh ab. Aber Miß Lucy nahm den Strauß von ihrer Brust, und einen unwiderstehlich schel­mischen Blick aus Herbert werfend, sagte sie:

Meinen Strauß demjenigen, der mir Edelweiß bringt!"

Herbert zögerte keinen Augenblick. Er entledigte sich der Sachen, die er bei sich trug, und schwang sich über den Felsen.

auch der Betrag deS um die Unterstützung oder AuSgleichS- zuwendung erhöhten WaisengeldeS an die bezeichnete Raffe abgeführt wird.

3. Die Ausnahme in die Anstalten findet nur vom Beginn deS 7. bis zum vollendeten 12. Lebensjahre und zwar Ostern und Michaelis statt.

Die Bewerbung um die Wohltaten ist von den Erziehungs­berechtigten (Mutter, Vormund) nicht an das Waisenhaus in PotSdam, sondern an daS Direktorium des Potsdamschen Großen Militär-WaisenhauseS in Berlin W. 66 (Wilhelm- straße 82/85) zu richten.

Dem Gesuche find beizusügen:

1. Die Militärzeugnisse (Militärpaß) deS VaterS,

2. die Sterbeurkunde bei VaterS und bei Vollwaisen auch der Mutter, sowie die standesamtliche GeburtSbescheinigung und der Taufschein bei KindeS, ferner die gerichtliche Be­stallung deS etwa bestellten Vormundes,

3. eine amtliche Bescheinigung der Bedürftigkeit,

4. ein amtlicher AuSweiS über den Betrag der unter B 2 erwähnten Hinterbliebenenbezüge oder darüber, daß daS Kind weder Anspruch noch AuSsicht aus deren Gewährung hat,

5. wenn für Kinder im Alter von 6 biS 12 Jahren Pflege­geld beantragt wird, ein obermilitärärztliche- Zeugnis, daß sie sich nicht zur Aufnahme in ein Militär-Waisenhau- eignen.

nichtamtlicher teil. Politischer Wochenbericht.

DaS landeSväterticheHerzunsere-Kaifer- hat sich bei dem tief beklagenswerten Boot-unglück in Swine- münde wiederum in schönster, äußerst wohltuender Weise bewährt. Kaum halte er die Nachricht von dem schrecklichen Unsall erhalten, so besah! er, daß ein Torpedoboot sofort an Ort und Stelle mit Tauchern und RettungSwerkzeugen zur Hilfeleistung erscheinen solle. Noch spät in der Nacht ließ er sich von dem zuständigen Landrat Bericht erstatten; im frühesten Morgengrauen bereits begab er sich an den unheilvollen Strand, um die Bergungsarbeiten zu bewachen. Den Hinter­bliebenen der Opfer bei UnsalleS ließ er amtlich sein herz­lichstes Beileid, seine innigste Teilnahme auSsprechen, und an den Bahren wurden im Austrage der Majestäten Kränze niedergelegt alS äußeres Zeichen der Trauer und als aufrichtig« Trostspende für die Leidtragenden. Wie weit das zarte Mit­gefühl deS Kaiser- für den Schmerz seiner LandeSkinder geht, zeigt die Tatsache, daß der Kaiser sogar die Musik bei der Abendtasel an Bord derHohenzollern" auS Rücksicht aus daS Unglück auSfallen ließ. So inniges Mitgefühl, so echt menschliches Empfinden muß im Volke dankbaren Widerhall auSlösen und muß eS immer enger an fein Herrscherhaus ketten, denn gerade dadurch wird bewiesen, daß ebenso fest wie daS

Man suchte ihn von seinem Vorhaben zurückzuhalten. Halten Sie ein; eS ist ja Wahnsinn!" rief man ihm zu.

Lieschen, sonst so schüchtern und zurückhaltend, eilte vor­wärts und bat mit flehender Stimme:

Herbert, bleiben Sie! Sie wagen Ihr Leben! Da- dürsen Sie nicht, Sie haben kein Recht dazu!"

Und alS sie bemerkte, daß die Amerikanerin ihm schelmische Blicke zuwarf, fügte sie errötend hinzu:

Denken Sie an Ihre Mutter!"

Aber eS war zu spät. Der junge Mann Wetterte den steilen Abhang hinab, sich am Gestrüpp festhaltcnd.

Alle folgten feinen Schritten mit ängstlichen Blicken.

Nicht so weit! Kehren Sie um!" rief man ihm zu.

Plötzlich sah man ihn schwanken. Ein Strauch, an dem er sich festgeklammert, hatte seiner Last nachgegeben, und Herbert verschwand in der Tiefe.

Ein geller Schrei tönte durch die Luft, und LiSbeth wurde ohnmächtig. Während man sie nach der Sennhütte am oberen Steinberg trug, wollte einer der jungen Herren, einer plötzlichen Eingebung folgend, Herbert zu Hilfe kommen. Diesem aber war el gelungen, sich im Fallen sestzuhalten; mit unglaublicher Geistesgegenwart sich an einem Zweige anklammernd, war er wirklich wieder aus die Füße gekommen.

Komm nicht herab! Ich will eS nicht, daß du herab- kommst!" besaht er dem Freunde. Dann pflückt« er ruhig die ersehnten Blumen, machte davon einen Strauß, den er mit Grashalmen zusammenband, und kletterte, sich am Gestrüpp festhaltend, gewandt wieder empor.

Ein Seufzer der Erleichterung kam auS aller Brust.

Herbert verteilte sein Edelweiß, Die Hälfte davon über­reichte er Miß Lucy, dann, mit suchenden Blicken um sich schauend, fragte er:

Und Lieschen? Wo ist Lieschen?"

Der Entsetzensschrei bei armen KindeS war nicht bis zu ihm gedrungen. Dann wurde ihm daS Vorgesallene mitgeteilt, und eine tiefe Rührung überkam ihn.

Ohnmächtig!" seufzte er,o die arme Kleine.... ohnmächtig!"