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lichkeit und in Wagemut eingetreten waren, um dem deutschen Handel, der deutschen Industrie und den deutschen Erzeug­nissen einen Platz in der Welt zu sichern, um den unS andere Etaaten beneiden könnten.

Vor hundert Jahren lag die Hand deS Korsen schwer über der Stadt. In diesem Jahre feiern überall Städte, Dörfer und Provinzen, Vereine und daS ganze Volk die Zeit der Erhebung und der Befreiung vom Druck deS Eroberers. ES ist eine Fügung deS Himmel-, daß er eS so gewandt hat, daß Mein Jubiläum in dieselbe Zeit fallen mußte, und die Feiern, die ich bisher mitgemacht habe von Königsberg bis jetzt, haben einen Zusammenklang der Herzen deS gesamten Volkes zum Ausdruck gebracht, der schöner nicht denkbar ist. Und ich meine, daß der heutige Abend einen würdigen und schönen Stein in der Kette dieser Edelsteine deS Gedenken- bildet. Dankbarkeit für alle- daS, was die Vorsehung für unser Vaterland getan hat in schweren wie in glücklichen Tagen, ist heute abend in der alten Hansakirche Lübecks zum Ausdruck gekommen, und eS bedarf keiner großen Phantasie, wenn man den Blick durch die hohen Gewölbe der Kirche schweifen ließ über die alten Epitaphien, wenn man den mächtigen Tönen der Orgel und deS ChoreS lauschte, sich in die Zeit zurückzuversetzen, wo im Mittelalter in glücklicher und schwerer Zeit die RatSmannen und die Bürgerschaft mit ihren Frauen und Mädchen in der Kirche sich versammelten. Wie ein Bild auS den Meistersingern entwickelt sich der heutige Abend vor Mir. Wir haben FriedenSzeit, und waS wir dieser zu danken haben, daS sehen wir, wenn wir beobachten, wie im Südosten unseres Kontingents schwere Kämpfe gebraust haben, die durch GotteS Fügung unS unberührt ließen.

Ich bin hier vor Ihnen, meine Herren, in dem Gewände deS Seemannes, daS ist daS Kleid deS Kindes Meiner Schöpfung, und was dazu dienen kann, jetzt und in Zukunft dem deutschen Kaufmann, der vom Hansageist beseelt im Aus­lande daS Deutschtum vertritt und für Deutschland arbeitet, die nötige Stärkung und den nötigen Schutz zu verleihen, damit er den ihm zustehenden Platz an der Sonne behauptet, daS soll geschehen. Ich schütze den Kaufmann. Sein Feind ist Mein Feind. Und Gott gebe, daß der deutsche Handel, wie bisher, auch künftig unter seinem Schutz in FriedenSzeit sich entwickeln möge!"

Fortdauer der Gegensätze im Orient.

Der Friedensschluß zwischen den Balkanstaaten, der in Bukarest, Belgrad und Athen so große Freude verursacht hat, und von welchem man nach der Natur der Dinge annehmen müßte, daß nun auch die gefährlichsten Gegensätze zwischen den Balkanstaaten beseitigt erscheinen, hat leider für die Ruhe im Orient nicht die Bedeutung, die man von ihm erhofft hat. ES war vielleicht auch zu viel verlangt, daß der etwas gewaltsam herbeigeführte Friedensschluß dieses Ziel überhaupt erreichen konnte, denn die Gegensätze zwischen den Balkan- staaten sind ja säst noch größer als zwischen den Balkanstaaten und der Türkei. Die Hauptsrage ist jetzt, ob Oesterreich und Rußland an ihrer ursprünglichen Forderung, den Frieden von Bukarest zu revidieren, festhalten oder ob sie unter dem Ein­flüsse der übrigen Großmächte aus die Revision verzichten.

Wie eS scheint, wollen Oesterreich und Rußland den Bulgaren die Hafenstadt Kavalla am Aegifischen Meere noch zugesprochen wissen. Merkwürdigerweise zeigt sich in dieser Frage auf einmal ein Gegensatz zwischen Rußland und Frankreich, denn Frankreich betont, daß Kavalla griechisch bleiben müsse, weil eS größtenteils von Griechen bewohnt sei. Die führenden französischen Blätter erklären sogar, daß Bulgarien bei dem Friedensschlüsse nicht zu kurz gekommen sei, indem Bulgarien Ländergebiete empfange, in welcher nach der Statistik säst eine halbe Million Bulgaren wohnen. Auch die Serben können zufrieden sein, da Serbien außer Alt- Serbien mazedonische Gebiete bekomme, in welchem neben Serben auch viele Griechen, Bulgaren und Türken wohnen. Am schlechtesten schneide nach dem NationalitätSprinzipe eigentlich Griechenland ab, denn Griechenland habe von den 1 500 000 Griechen, welche noch unter der türkischen Herrschaft gestanden hätten, nur etwa die Hälfte zurückerhalten, während 225 000 Griechen noch unter der Türkei blieben, 450 000 Griechen bulgarische und 125 000 Griechen serbische Unter­tanen würden.

Man sieht daraus, wie schwierig die Lösung der Rassen- frage aus der Balkanhalbinsel ist, und daß sie viel gefährlicher ist, alS die religiösen Gegensätze zwischen dem Christentum und dem MohammedaniSmuS. Man kann sogar behaupten, daß

geboren war und in Schmerzen sortklingen mußte, denn auf dem einen Blatt der jungen Liebe stand Trennung, aus dem andern Kampf.

„Ihr seid entschlossen, zu heiraten, ehe wir gehen?" sragte Marie Hilda.

„Fest entschlossen," war die Antwort

„ES ist der praktischste und vernünftigste Weg; denn nur so kann Hilda Saher begleiten," stimmte Max zu. „WaS aber geschehen soll, muß gleich geschehen. Ich werde den Psarrer benachrichtigen."

„Wird er uns trauen?"

„Selbstverständlich. In solchen Zeiten wird weder lange nach den KonsenS noch nach der Einwilligung der Angehörigen gefragt."

Ermentrud stand aus und legte ihre kleine Hand in Georg von Wilhelmir.

„Bestelle unsere Trauung auch, Max. Ich will sein Weib geworden sein, ehe er in den Kamps zieht," sagte sie»

Georg riß sie stürmisch an sich. Der ruhige Mann war verwandelt.

„Ist eS dein Ernst, Ermentrud?"

„Wenn du willst," entgegnete sie und lächelte unter Tränen.

Um Mitternacht sah man einen matten Lichtschein auS der kleinen Dorfkirche dringen. Auf dem Altar brannten zwei Kerzen. Ihr flackernder Schein beleuchtete geisterhaft die Ge­stalt deS Gekreuzigten. Er fiel auf den Geistlichen im schwarzen Ornat, der vor den Altar getreten war, und er ruhte aus zwei Brautpaaren ihm gegenüber.

Georg von Wilhelmi mit Ermentrud von Hallern und Friedrich von Saher mit Hilda von Hallern wechselten die Ringe zum TreubündniS, bis daß der Tod sie scheide.

Zur Seite stand das Werdersche Ehepaar, der alte Diener deS Hause-, Heinrich und der Küster. Sie waren Zeugen dieses mitternächtlichen Vorganges.

Eine empfindliche Kälte herrschte in dem ungeheizten Raume. Niemand fühlte sie oder achtete darauf. Die jungen Leute waren zur Abfahrt gerüstet, in preußischen Uniformen, die Waffen im Gürtel. Nur Ermentrud machte eine Aus­nahme. Sie war in dunklen Frauenkleidern, der weiße Braut-

es nach dem Friedensschlüsse noch eine griechische Frage geben wird, und daß die nationale Bewegung in dem jetzt wesentlich vergrößerten Griechenland wohl auch bald die griechische Frage wieder anschneiden wird. DaS beste für die Wieder­herstellung eines wirklichen Frieden- wäre, wenn die Groß­mächte und zumal auch Rußland und Oesterreich auf eine Revision deS Bukarester FriedenSvertragS vollständig Verzicht leisten würden, und dieser Fall erscheint wahrscheinlich, da Frankreich, England, Deutschland und Italien von der Revision deS Frieden-Verträge- nicht- wissen wollen und entschlossen sind, den Balkanstaaten die Regelung ihrer An­gelegenheiten selbst zu überlassen. Ueberblickt man den ganzen Verlaus der letzten OrientkrisiS und deS schweren KriegeS, so muß diese Haltung der Großmächte unbedingt als die klügste und politisch richtigste erscheinen, denn alle Proteste der Großmächte haben bekanntlich den AuSbruch deS KriegeS nicht gehindert und alle Warnungen und Ermahnungen sowohl gegenüber den Balkanstaaten als auch gegenüber der Türkei waren vergeblich. Wären aber die Großmächte mit Waffen­gewalt im Orient eingeschritten, so hätte daraus ein wahrer Weltkrieg entstehen können, denn sobald eine Großmacht zum Schwerte greift, wird sie Partei durch die brutale Gewalt deS KriegeS.

Der seltsamste Gegensatz im Orient ist auch noch die Frage von Adrianopel. Die bulgarische Regierung hat beschlossen, da- Heer zu entlassen, denn daS so schwer vom Kriege heimgesuchte bulgarische Volk wird die surchtbaren Lasten nicht mehr ertragen können. Bulgarien macht also vorläufig noch keine Miene, mit Waffengewalt die große Stadt Adrianopel wieder in seinen Besitz zu bringen, die ihm im FriedenSvertrage von London zugesprochen wurde. Die Türken sitzen aber nach wie vor noch fest in Adrianopel und haben erklärt, daß sie diese Stadt nicht herouSgeben könnten. Sollen nun die Großmächte mit Gewaltmaßregeln die Türken zur Anerkennung deS Londoner FriedenS zwingen, oder werden die Türken nachgeben, wenn sie die in Pari- ihnen versprochene große Anleihe nicht bekommen werden, bevor sie Adrianopel geräumt haben?

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Köln, 11. August. Die „Kölnische Zeitung" meldet: Durch die Veröffentlichung deS TelegrammwechsclS zwischen Kaiser WilhAm und König Carol und durch die Bemerkung der „Nordd. Allg. Ztg." vom Sonntag früh wird die Stellung Deutschlands zum Bukarester Frieden außer Zweisel gefitzt, Deutschland hat kein Bedürfnis, an europäischen Versuchen zur Aenderung des Vertrages teilzunehmen, und begegnet bei anderen Mächten der gleichen Auffassung. Damit ist ein Vorgehen der europäischen Diplomatie gegen den Friedens- vertrag von Bukarest ausgeschlossen. Soweit die Zustimmung der Großmächte zu dem Vertrage erforderlich ist wird Deutsch­land Mitwirken, um diese Zustimmung herbeizuführen. Die Hoffnung, daß dies auch ohne besondere diplomatische Ver­anstaltung gelingen werde, braucht nicht aufgegeben zu werden. Die „Kölnische Zeitung" meint dann zum Schluß, das Wort der Wiener Reichspost: „Kein Krawall wegen Kavalla" sei kluge Politik.

Köln, 12. August. Die „Köln. Ztg." meldet auS Berlin: Nach Budapest sollen auS Berlin Meldungen gelangt sein, wonach in Berliner amtlichen Kreisen der Widerstand gegen eine RevisionSpolitik gewissermaßen zurückgetreten sei. Dieser Ausdruck ist irresührend. Deutschland sümpft in der Frage der Ueberprüfung nicht gegen andere Mächte, nimmt aber nicht an europäischen Versuchen zur Abänderung deS Bukarester Vertrages teil und verhindert dadurch ein euro­päische- Vorgehen gegen da- mühevoll zustandegekommene FriedenSwerk. Deutschland beteiligt sich nur an solchen Er­örterungen der Mächte, die der Absicht dienen, dem Vertrage die Zustimmung Europa- zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiel, aber wie die Dinge jetzt liegen, lassen sich die bulgarischen Wünsche ohne neue Gefährdung deS FriedenS nicht verwirklichen.

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Der Kaiser begab sich heute morgen um ^T Uhr mit dem Automobil vom kaiserlichen Barackenlager nach dem Truppenübungsplatz Altengrabow, wo eine größere Gefechts­übung deS Kavalleriekorps unter Führung deS Monarchen be­gann. Der Kaiser verlieh unter anderm den Roten Adler- orden dritter Klasse mit Schleife an den Obersten von Bären­sprung von der 1. Garde-Kavalleriebrigade, den Kronenorden zweiter Klasse mit Stern an Generalmajor Grasen von Schmettow von der 6. Kavalleriebrigade. Die Abreise deS Kaisers mittels SonderzugeS nach Mainz erfolgt heute nach­mittag um 6 Uhr.

schleier von Marie war aus ihrem Scheiel befestigt. Kein Myrtenkranz schmückte daS Haar. ES war keine Zeit, Kränze zu flechten.

Nach der Trauung vereinigte sich die kleine Versammlung noch zu einer feierlichen Handlung. Aus der Altardecke standen Brot und Wein. Die Anwesenden knieten nieder, und der Geistliche reichte ihnen daS heilige Abendmahl. So gestärkt wollten sie in den Kamps treten.

Dann verließen sie schweigend daS Gotteshaus. Die Lichter erloschen, Dunkelheit hüllte daS Kirchlein ein.

Vor dem Herrenhause stand ein Schlitten bereit. Heinrich ordnete und besestigte daS Gepäck. Zwischendurch wischte er sich mit dem Aermel die Augen.

„WaS für Zeiten, waS für Zeiten!" seufzte er kopf­schüttelnd. „Jetzt ziehen sie wieder hin, und niemand weiß eS, ob sie zurückkommen."

Werders traten aus der Tür, gefolgt von dem Ehepaare Saher. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen. Leise winselnd schmiegte sich der Hofhund an die Knie seiner Herrschaft.

Marie streichelte fein glänzende- Fell.

„Sei wachsam, Pluto," flüsterte sie. „Du hast auch deine Aufgabe zu erfüllen. Vertreib den Feind, locke den Freund. Sei wachsam, mein guter Pluto."

Drinnen in der Halle standen Wilhelmi und seine junge Frau fest umschlungen.

Ermentrud, daS vergesse ich dir nie, waS du heute getan hast, mein Heldenmädchen," sagte er leidenschaftlich. „Nie hatte ich gewagt, dich darum zu bitten. Du hast eS getan auS freiet Entschließung."

„Ganz frei, Georg."

„Und nun bleibst du allein zurück, mein Weib."

„Ich sürchte mich nicht."

Werder erschien an der Tür. „Wir müssen fort. Macht eS kurz. Ermentrud, dir vertraue ich mein Hau- wie schon einmal."

Sie nickte und trat mit Wilhelmi hinnu-.

„Mit Gott für König und Vaterland!" rief Saher vom Schlitten her.

Ein Depeschenwechsel zwischen Kaiser WilhelmundKönigKarolhat anläßlich der Friedens­schlüsse- stattgefunden. König Karol dankte zunächst unserm Kaiser für seine treue Freundschaft und warme Sympathie sowie für seinen tätigen Anteil am Gelingen der Abschlüsse-. Darauf gratulierte unser Kaiser in. den herzlichsten Worten dem König, der in einem Echlußtelegramm nochmals die wirksame Anteilnahme deS Kaiser- betonte. Dem rumänischen Ministerpräsidenten und Minister deS Aeußern TituS MajoreScu zu Bukarest hat der Kaiser das Großkreuz deS Roten Adler- orden- verliehen.

Die Ernennung des König- Konstantin zum Generalfeldmarschall, die unser Kaiser an­läßlich deS Friedensschlusses vollzogen hat, rief in ganz Griechenland sreudigste Genugtuung hervor. König Konstantin hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem er diese Ernennung alS eine außerordentliche Ehrung bezeichnet, die der ganzen Kriegsmacht Griechenlands zu teil werde.

Die TorpedobootS-Neuaufträge sind vom ReichSmarineamt nunmehr vergeben worden, und zwar hat von den für das Rechnungsjahr 1913 bewilligten 12 Torpedo­booten je 6 Boote der Vulkan in Stettin und die Schichau- werft in Auftrag erhalten. Die 12 großen Boote sind im Jahre 1914 zur Ablieferung zu bringen; die neuen Vulkan­boote haben die Bezeichnung „V. 25" bis „B. 30", die Schichauboote „S. 31 bis „S. 36" zu führen. Diese beiden neusten TorpedobootShalbflottillen sind für den Frontdienst auf der Ostseestation bestimmt worden, nachdem die in den Jahren 1911 und 1912 gebauten 24 großen Torpedoboote der Nordseestation überwiesen worden waren. Nachdem England den neuesten großen Torpedoboot-zerstörern bereits eine Wasserverdrängung von 950 Tonnen gegeben hat, soll auch die Wasserverdrängung der weiteren deutschen Torpedo­hochseeboote gesteigert werden; die größte Wasserverdrängung betrug bisher 700 Tonnen.

Die Vertreter der deutschen HandwerkS- und Gewerbekammern haben sich in Halle in großer Zahl unter dem Vorsitz von Klempnerobermeister Plate (Hannover), Mitglied deS Preußischen Herrenhauses, zu ihrer 15. Tagung versammelt. Schon am Montag nachmittag war im großen Saale der StadtschützenhauseS eine geschlossene Vorversammlung abgehalten worden, in der der geschäftliche Teil erledigt wurde. Der vom Vorstand vorgelegte Tätigkeits­bericht fand die einstimmige Billigung der Versammlung. Ebenso der Voranschlag für 1914/15 und der Bericht deS RechnungSprüfungSauSschusseS. ES wurde die Errichtung einer Hauptstelle für daS VerdingungSwesen beschlossen. AlS TagungSort für die nächstjährige Hauptversammlung ist Mannheim bestimmt worden. Die erste öffentliche Haupt­versammlung wurde heute früh kurz nach 9 Uhr von dem Vorsitzenden eröffnet. Er stellte mit Genugtuung fest, daß die Handwerkskammern aus dem Handwerks- und Gewerbe­kammertag, die berufenste Vertretung deS deutschen Handwerks, fast vollzählig vertreten sind. Die Verhandlungen in diesem Jahre seien besonder- bedeutsam. Er erinnere an die bevor­stehende Aenderung der Reich-gewerbeordnung, an die im vorigen Jahre beschlossene Einrichtung einer Zentralstelle für daS VerdingungSwesen und an den Schutz der Arbeitswilligen. Der Redner schloß mit einem begeistert ausgenommenen Hoch aus den Kaiser.

In ersreulicher geistiger und körperlicher Rüstigkeit konnte am DienStag Colmar von der Goltz seinen sieb­zigsten Geburtstag feiern. Mehr al- fünf Jahrzehnte hat er in unermüdlicher Arbeitskraft unserer Armee angehört, neben Häseler und Schliessen galt er, bis ihm sein Abschieds­gesuch vor wenigen Wochen bewilligt wurde, als der geborene Führer im nächsten Kriege. Hat er doch in der Reorganisation der türkischen Armee — deren Versagen nicht auf sein Konto zu setzen ist — bewiesen, welch außerordentliche militärische Begabung in ihm ruht. Und mit dem ganzen Eifer jugend­licher Rüstigkeit, die sich noch eine neue Betätigung sucht, wenn andere sich zur Ruhe setzen, hat er sich jetzt der Jung- deutschland-Bewegung zugewandt, um auch auf diesem Gebiet für einen guten kriegerischen Nachwuchs zu sorgen. Seiner zurückhaltend-bescheidenen Art entsprechend hat er sich den Ehrungen zu entziehen gesucht, aber man hat ihn trotzdem zu finden gewußt. In die Stille deS ScharmützelseeS find ihm zahlreiche Beweise der Liebe und Verehrung nachgesandt. Zu den ersten Glückwunschdepeschen zählte die des Kaiser-, der in warmen Worten der TageS gedachte, ferner hatte der Kronprinz, der König von Sachsen, der Erbprinz von Sachsen- Meiningen und Gemahlin und Prinz Karl von Hohenzollern Glückwünsche gesandt. Auch der türkische Botschafter und viele andere Mitglieder deS diplomatischen KorpS hatten draht-

„Mit Gott!" rief auch Wilhelmi und stieg auf.

Geräuschlos flog der Schlitten über die glatte, harte Bahn. Aus der Schwelle stand regungslos die Frau im bräutlichen Schleier, eine königliche Lilie.

Zehnte- Kapitel.

DaS Hirschseldsche Freikorps.

DaS Freikorps Eugens von Hirschfeld hatte Pommern nach allen Richtungen durchstreift. Wohin diese kühne Schar kam, da arbeiteten die Bewohner ihr in die Hand. Dadurch wurde ihr daS Werk wesentlich erleichtert. Wo nur eine königliche Kasse vermutet wurde, meldeten eS die Bürger oder Landleute dem KorpS, und dieses zögerte nicht, die französische Wache zu vertreiben und sich deS Schatzes zu bemächtigen. Auch Vorrat-magazine wurden auf diese Weise den Franzosen entrissen.

Allmählich zog Hirschseld südlicher. Er wurde immer ver­wegener in seinen Unternehmungen. Seine Absicht war, durch diesen Kleinkrieg den Feind zu beschäftigen, zu beunruhigen und dem verhaßten Kaiser so viel Schaden zuzufügen wie möglich.

Um die Mitte deS Januar 1807 besand sich Eugen mit seiner kleinen Schar in der Nähe von Zehden in der Neu­mark. Er hatte sich in einer Schlucht gelagert, deren enge AuSgänge ziemliche Sicherheit gegen einen Ueberfall boten. An jedem AuSgang war ein Wachtposten ausgestellt. In der Mitte der Schlucht hatten die Leute ein Feuer angezündct. Da lagen sie, wärmten die erfrorenen Glieder und kochten das Mittagessen.

Eugen saß mitten unter ihnen. Seine scharfen Augen beobachteten alles. Er lächelte ein wenig, wenn er daS bunte Durcheinander seines KorpS betrachtete. ES fehlte kaum eine Uniform irgendeiner Waffengattung. Der größte Teil aller­dings bestand aus Blücherschen Husaren, die sich schon in Kolberg mit Blücher- Einwilligung um den talentvollen jungen Führer gesammelt hatten.

(Fortsetzung folgt.)