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mit oder ohne Fluggast auSgeführt werden, eine Reihe von Preisen auSzusetzen. AuS den Bestimmungen seien hier die folgenden wiedergegeben:

1. Die Fernflüge müssen von Fliegern deutscher StaatS- angehörigkeit auf Flugzeugen, die einschließlich ihres Motors in Deutschland hergestellt sind, auSgeführt werden. An dem Wettbewerbe können sich mit Genehmigung der Heeres- und Marine-Verwaltung Militärflieger beteiligen. Die — ge- gebenensallS auch nachträgliche — Genehmigung der zuständigen Stelle ist in jedem einzelnen Falle nachzuweisen.

2. ES müssen als Tagesleistung mindestens 1000 Kilo­meter, und davon mindestens 500 Kilometer in einer Richtung zurückgelegt werden. Der Flug kann außerhalb Deutschlands begonnen und beendet werden.

3. Für die sechs weitesten Flüge werden auSgesetzt: 60 000 Mk. alS 1. Preis, 50 000 Mk. als 2. Preis,

40 000 Mk. alS 3. Preis, 25 000 Mk. als 4. Preis, 15 000 Mk. alS 5. Preis und 10 000 Mk. alS 6. Preis.

4. Wird zur Zeit der weiteste Fernflug von PariS nach CacereS mit einer Länge von 1600 Kilometer durch innerhalb diese- Wettbewerbes auSgesührte Fernflüge übertroffen, so wird sür den weitesten Flug ein NationalflugpreiS von 100 000 Mk. verliehen. Die übrigen Preise fallen in der angegebenen Reihenfolge den folgenden sechs weitesten Flügen zu.

5. Zwischenlandungen sind sreigestellt.

6. Der Flug muß mit demselben Flugzeug durch denselben Flieger auSgeführt werden. Ein Wechsel deS Flieger-, deS Flugzeug- oder deS Motors innerhalb der zu wertenden Tagesleistung ist nicht gestattet. Führt derselbe Flieger mehrere Fernflüge mit demselben oder mit einem anderen Flugzeug auS, so wird nur sein weitester Flug bewertet. Werden von verschiedenen Fliegern aus demselben Flugzeug Fernflüge auS- geführt, so wird jeder einzelne Flug selbständig gewertet.

7. Die Preise werden den Besitzern der Flugzeuge auS- gezahlt.

Die Militärflieger werden, wie eine weitere Bestimmung besagt, selbstverständlich anstelle der Geldpreise Ehrenpreise er­halten. Außerdem sollen ihnen die persönlichen AuSlagen er­stattet werden. ES ist erfreulich, daß die Leitung der National- flugspende jetzt in so großzügiger Weise sich die Förderung deS nationalen Flugwesens angelegen sein läßt. Gerade die Beschränkung, daß die Teilnehmer an den Wettbewerben nicht nur deutsche Staatsangehörigen sein müssen, sondern nur deutsche Flugzeuge und deutsche Motoren zur Konkurrenz zu» gelassen werden, dürfte recht zweckentsprechend zu nennen sein. Mon darf die sichere Hoffnung auSsprechen, daß das Flug- Wesen unseres Vaterlandes aus dieser neuen Preisstiftung einen hohen Gewinn erzielen wird, einen Gewinn, der namentlich im Hinblick auf das AuSland mit besonderer Freude zu be­grüßen sein wird.

Am In- und Ausland.

AuS Lübeck, 10. August wird gemeldet: AuS Anlaß deS heutigen Kaiserbesuches zeigt sich Lübeck in prächtigem Festgewande. Die Straßen, die der Kaiser auf der Fahrt zur St. Marienkirche und zum Rathaus durchfahren wird, fallen durch den reichen Flaggenschmuck auf. An der Unter- trave gewinnt daS Bild durch die über die Toppen geflaggten Schiffe einen besonderen Reiz. Die Straßen find mit einer erwartungsvollen und rmpsangssreudigen Menge dicht gefüllt. Vor dem festlich geschmückten Bahnhose hatte eine Ehren- kompagnie deS Regiments Lübeck Ausstellung genommen. Aus dem ganzen Wege zur Marienkirche bilden daS Regiment Lübeck, Kriegervereine, die Lübecker Fischer und Schulen Spalier. Der Kaiser traf um 5 Uhr 37 Minuten mittels SonderzugeS hier ein und wurde aus dem Bahnhose im Namen der Stadt von dem Bürgermeister Dr. Eschenburg, den Senatoren und RegierungSrat Dr. Geise empfangen. Ferner waren zum Empfange auf dem Bahnhöfe General­major v. Morgen und Oberst V. Koppelow anwesend. Nach­dem der Kaiser den Bürgermeister aus daS herzlichste begrüßt hatte und die Vorstellung der zum Empfang erschienenen Herren erfolgt war, schritt der Kaiser, von den Hochrufen einer dicht gedrängten Menschenmenge lebhaft begrüßt, die Front der Ehrenkompagnie ab. Sodann fuhr der Kaiser in Begleitung deS Bürgermeisters Dr. Eschenburg nach der Marienkirche, während in weiteren Automobilen die Herren des Kaiserlichen Gefolges mit den übrigen zum Empfang deS Kaisers erschienenen Herren solgten. Auf dem ganzen Wege wurden dem Kaiser stets erneute Ovationen von feiten deS Publikums dargebracht. In der Marienkirche fand eine musikalische Aufführung statt, die durch ein Präludium ein- geleitet wurde. ES folgten eine Hymne von Fährmann,

stand wie ein schwerfälliges übersättigtes Wesen aus derselben Stelle und sank, sank.

„Heraus," gebot Eugen. „Du kannst ja schwimmen, Lydia. Vielleicht erreichen wir daS User."

Sie sprangen inS Wasser. Eugen nahm den bewußtlosen Fritz auf die Schulter. So schwammen sie und kämpften mit den hochgehenden Wogen.

„Hast du noch Kraft, Lydia?"

Sie antwortete nicht. Tatsächlich verließen sie ihre Kräfte schnell. Mechanisch nur bewegte sie Arme und Beine.

Da winkte daS Ufer. Aber ihr schien eS in weiten, nebel- hasten Fernen zu liegen. Die Augen fielen ihr zu.

Eugen sah eS mit Schrecken.

„Lydia, Lydia, ermanne dich, da ist die Rettung vor unS!" rief er verzweiflungSvoll.

Sie hob die schweren Augenlieder und sah ihn lächelnd an, ein Lächeln, daS ihm durch die Seele schnitt. ES lag kein Bewußtsein darin.

Er faßte fie an der Schulter.

„Lydia, Lydia!" rief er laut, „wach aus, oder wir sterben beide!"

Sie öffnete die Augen wie jemand, der durch einen Posaunenton aus tiefstem Schlafe geweckt wird.

Sterben? Und fie hatte Eugen retten wollen. Nein, er sollte nicht sterben, er durfte nicht.

DaS Blut strömte ihr in die steifen, abgestorbenen Glieder zurück. Die Kraft kam wieder mit dem Willen. Sie stieß Eugen? Hand ab.

„Vorwärts, ich kann."

Und als brächte der Ton ihrer eigenen Stimme dar Leben zurück, sie fühlte sich stark. In kurzen, kräftigen Stößen schwamm sie neben Eugen hin. Da fühlte sie Boden unter den Füßen. Sie hatten das rechte Oderufer erreicht, Hand in Hand kletterten sie hinauf.

„Mein Kamerad," sagte Eugen mit gebrochener Stimme und küßte sie.

„Aber Fritz, waS ist mit Fritz?" rief Lydia und deutete aus den regungslosen Knaben, den Eugen neben sich aus den grasigen Boden gelegt hatte.

Chorgesang von Becker, daS Doppelquartett an EliaS von Mendelssohn. Nach einem abermaligen Präludium sand die Aufführung mit einem allgemeinen Schlußgesang „Nun danket alle Gott" ihr Ende. Der Kaiser wohnte der Musikaufführung mit sichtlichem Interesse bei und unterhielt sich eingehend mit dem Bürgermeister. Von der Marienkirche auS begab sich der Kaiser mit seiner Begleitung zu Fuß nach dem RathauS. Dort hatten sich in dem Audienzsaale eingefunden mit dem Bürgermeister Dr. Eschenburg die Mitglieder deS SenatS, Wortführer der Bürgerschaft und deS BürgerauSschusseS, Ver­treter deS Offizierkorps und andere.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der vom Reichstag beschlosseneGesetzentwurfbetr. AenderungdeSMilitär- st r a f g e s e tz b u ch e S war in der Sitzung deS BundeSratS vom 3. Juli 1913 den zuständigen Ausschüssen überwiefen worden. Nachdem inzwischen sämtliche Bundesregierungen ihre Zustimmung zu dem Gesetzentwurs erklärt haben, ist die Vorlage gestern von Seiner Majestät dem Kaiser vollzogen worden. ES handelt sich um die sog. lex Erfurt, daS Not­gesetz, welcher am 28. Juni dS. JS. im Reichstage von mehreren Parteien beantragt wurde, nachdem am Tage zuvor sieben Landwehrleute vom Kriegsgericht in Erfurt wegen Aus­schreitungen am Tage einer Kontrollversammlung zu lang­jährigen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt waren. Der AbänderungSantrag, der jetzt Gesetz geworden ist, sieht bei einer Reihe von Paragraphen deS MilitärstrasgesetzbucheS mildernde Umstände vor, sobald eine Gefährdung der Dis­ziplin nicht in Frage kommt, fodaß entgegen der bisherigen Bestimmungen aus Gefängnisstrafe statt Zuchthaus erkannt werden soll. DaS Gesetz dürfte zum ersten Male bei der Verhandlung deS Erfurter Falles am Caffeler OberkriegSgericht zur Anwendung kommen.

Tiefgefühlte Teilnahme in weiten Kreisen deS deutschen Volkes hat die erschütternde BootSkatastrophe in Swinemünde hervorgerufen: auch Kaiser Wilhelm hat wiederholt seiner Teilnahme an diesem Unglück Ausdruck ver­liehen, das sich ja gar nicht so weit vom Ankerplatz der kaiserlichen Jacht „Hohenzollern" in Swinemünde ereignete. Die Zahl der Opfer beim Kentern der Boote- „Friedrich Karl" steht noch immer nicht genau fest; bis Freitag abend waren acht Leichen geborgen, doch wurden noch b oder 6 Personen, die sich mit auf dem Unglücksboot befanden und die auch nicht zu den Geretteten gehören, vermißt. Noch nachträglich ein Opfer der Katastrophe ist der Besitzer des Bootes „Friedrich Karl", der Fischer Bauer geworden, er erlag am Freitag vormittag den Aufregungen und Anstrengungen deS UnglückSfalleS. Noch keineswegs völlig aufgeklärt ist auch die Schuldsrage, da sich hierin die Nachrichten über die Swinemünder Katastrophe noch einigermaßen widersprechen.

DaS zur Ausgabe gelangte R e i ch s g e s e tz b l a t t enthält daS Gesetz, betreffend die E n t sch äd i g u n g d e r S ch ösfen und Geschworenen, vom 29. Juli 1913 und die Be­kanntmachung dazu, daS Gesetz zur Abänderungen deS Be­soldungsgesetzes, vom 29. Juli 1913. Die erwähnte Be- kanntmachung setzt für Schöffen und Geschworene ein Tagegeld von 5 Mk. und eine Nachtquartierzulage von 3 Mk. sowie eine Reiseentschädigung von sechs Pfennig für jeden ange- sangcncn Kilometer der Hin- und Rückweges fest, wenn der Weg auf Eisenbahnen, Kleinbahnen oder Schiffen zurückgelegt werden kann, bei anderen Wegen von 20 Pfennig. Bei be­sonderen Umständen können auch höhere AuSlagen ersetzt werden. Die Reiseentschädigung wird auch für die Reisen gewährt, die der Schöffe oder Geschworene während der Tagung nach seinem Wohnort und zurück macht. Sie darf jedoch die Höhe der Bezüge nicht übersteigen, die der Schöffe oder Geschworene erhalten würde, wenn er am EitzungSorte hätte anwesend sein müssen.

AuS Königsberg i. Pr., 10. August, wird gemeldet: Um 5 Uhr morgens begann der Start zum o st p r e u ß i s ch e n Rundflug. Von den Offizier-fliegern nahmen daran teil: Leutnant Mahncke aus L. V. G. Doppeldecker, Leutnant Geyer aus Aviatik-Pseil-Doppeldccker, Leutnant Pretzel auf AlbatroS-Taube, Oberleutnant Hantelmann aus Rumpler- Taube, Leutnant von Eckenbrecher auf Jeannin-Taube. Von den Zivilfliegern beteiligten sich: Alfred Friedrich aus Dietrich- Taube, Euwelack aus Kondor-Eindecker, Stiploscheck auf Jeannin-Taube, Kühne aus Blbatroß-Eindccker, Caspar auf Gotha-Taube. Für sämtliche Flieger war die Mitnahme eines Fluggastes vorgeschrieben. Zunächst flogen die Offiziere zum Zuverlässigkeit-fluge nach Allenstein (150 km) ab. BiS um 9 Uhr vormittags waren alle bis auf Leutnant Mahnke und Oberleutnant Hantelmann aus dem Allensteiner Flugfelde nach etwa zweistündigem Fluge angekommen. Die Zivilflieger starteten nach Jnsterburg (85 km). BiS um 7 Uhr früh

Eugen befühlte ihn. Da lag Fritz, die Glieder steif von sich gestreckt, die Augen starr und gläsern zum Himmel ge­richtet, eine Wunde an der Schläfe — tot. AuS fein junge-, ungelebteS Leben! — Auch ein Opfer für da- Vaterland.

Neunte- Kapitel.

Jenseit-der Oder.

DaS neue Jahr, da- Jahr 1807, war angebrochen, ein Jahr der Erniedrigung und der Demütigung für Preußen wie daS vorhergehende. Immer tiefer ging er inS Unglück.

Und doch, auS Preußens Fall wuchs die Erhebung. Hoch und niedrig erkannte die Ursache deS Unglück-, die Schuld und die Versäumnisse der Vergangenheit. Die Zeit deS Un- glückS war eine Zeit der sittlichen Läuterung. Die Liebe zum Vaterlande wurde geweckt und eine nationale Begeisterung, sähig, die höchsten Opfer zu bringen.

Eine kleine Gemeinde solcher Patrioten war in diesen Wintermonaten auf Buchwald, dem Gute Max Werder-, ver­sammelt. Buchwald erwieS sich als ungemein geeignet, das Feuer der Vaterland-liebe zu erhalten und zu nähren. Un­gezählte Flüchtlinge aus der Armee fanden hier eine Zuflucht-, stätte, Hilfe und' Weiterbeförderung.

Werder war wohlhabend gewesen, alS der Krieg auSbrach. Selbstverständlich wurde er vom Feinde auSgesogen wie die andern, seine Herden sortgetrieben, seine Kassen geplündert, seine Vorräte verzehrt. Aber Werder war vorsichtig. Ehe er selber mit seiner Frau in den Krieg zog, nahm er seine Gelder von der Bank und verwahrte sie in einem sicheren Versteck seine- HauseS. Außer dem Ehepaar Werder wußte nur Ermentrud und später Hilda um diesen Schatz, der die Quelle bildete für die großartigen Unterstützungen der vaterländischen Interessen, die von dem kleinen Gut auSgingen.

Zuerst war Ermentrud allein mit der Verwaltung und Verwendung der Geldes betraut, dann gesellte sich Hilda ihr zu, und nach einiger Zeit kehrte Max Werder in großer Un­ruhe um seine Frau heim, bi- eine- Tage- die Vermißte von Brandenburg aus zurückkehrte.

Im Monat Dezember vermehrte sich der Hau-stand wiederum. Georg v, Wilhelmi und Friedrich v. Saher, die den Monat

trafen alle bis auf Kühne und CaSpar nach etwa fünfviertel- stündigem Fluge am Ziel ein.

Der aus Anlaß de-Regierung-jubiläum- ergangeneGnadenerlaß ist nunmehr im wesentlichen durchgeführt. Er hat zu einer sehr großen Zahl von Gnaden« beweisen geführt. Ihre Zahl beläuft sich aus ungefähr 24 000.

Aus Provinz *. Naeddargediet.

* (KaiserparadebeiCassel 1914.) AuS Cassel wird gemeldet: Die Kaifermanöver im nächsten Jahre werden bekanntlich in Kurhessen und Thüringen vor sich gehen. Wie Landrat von Pappenheim in der Sitzung deS Kreistage- mit- teilt, wird au- diesem Anlaß die Kaiserparade über da- 11. Armeekorps aus dem Exerzierplätze in Waldau abgehalten. Zu diesem Zwecke wird der Bau der neuen Fuldabrücke, die mit einem Kostenaufwande von 370 000 Mark errichtet wird, so beschleunigt, daß sie im August nächsten Jahre- benutzt werden kann. Der Kreistag bewilligte die erforderlichen Mittel zum Brückenbau.

* Mit Gültigkeit vom 15. August d. JS. wird ein A u S - nahmetariffürBananenin SendungenvonmindestcnS

10 Tonnen sür den Versand von den deutschen Nord- und Ostseehäfen nach allen Stationen der preußisch-Hessischen StaatSbahnen eingeführt. Der AuSnahmetarif gilt bei einer Mindestents^rnung von 30 km und bietet namentlich bei größeren Entfernungen eine wesentliche Ermäßigung gegenüber den seither in Geltung befindlichen Frachtsätzen.

* (Hessische Brandversicherung.) Die Ge- schäftSergebnisie der Hessischen BrandversicherungSanstalt sind im Jahre 1912 günstige gewesen, da die Entschädigungen für Feuer- und Blitzschäden gegen den zehnjährigen Durch­schnitt um 155 008,86 Mk. zurückgeblieben find. An Ent­schädigungen sind für 642 Schadensälle überhaupt 1405 206,90 Mk. verwilligt worden, während der Jahresdurchschnitt in dem letzten zehnjährigen Zeitabschnitt von 1902 bis 1911 durch­schnittlich für 628 Schadensfälle 1560 215,76 Mk. betragen hat. Die Gesamiversicherungsjumme hat sich im Laufe deS JahreS um 46 892 000 Mk. erhöht. Von diesem Zuwachse entfallen ersreulicherweise, ungefähr im gleichen Verhältnis wir in den Vorjahren, fast drei Viertel auf die besseren Bauart­klassen I und II, und zwar über 22 Millionen auf die Bau- artklaffe I und fast 12 Millionen auf die Bauartklasse II. Zur Förderung deS Feuerlöschwesens sind im Berichtsjahre verwilligt worden: 208 352,88 Mk. Die Aktiva der Hess. BrandversicherungSanstolt betrugen am Schlüsse deS JahreS 1912 6180 652,46 Mk., welchen Passiva im Betrage von 1 524109,27 Mk. gegenüberstanden, fodaß dar Aktivvermögen 4 656 543,19 Mk. betrug. Die Zahl der Brände und Blitz­schläge betrug im Jahre 1912 642, und die hierfür verwilligte Gesamt-Entschädigung einschließlich 26 305,11 Mk. für Löfch- beschädigungen 1405 206,90 Mk.

):( Hersfeld, 11. August. Am Sonnabend morgen kurz nach 7 Uhr erschien unverhofft ein Zeppelinlust­schi s s über unserer Stadt. ES war der aus der Fahrt von Franksurt a. Main nach Gotha begriffene Militärlustkreuzer Z. 5. Derselbe war kurz nach 5 Uhr in Frankfurt auf« gestiegen und ist um 8.23 Uhr in Gotha gelandet. Der Führer deS LustschiffeS war Herr Hauptmann Lange, welcher im Jahre 1895 aus der hiesigen Kriegsschule feine FähnrichS- zeit verlebt hat. AuS diesem Grunde suhr daS Lustschiff wohl auch über daS KriegSschulgebäude, wobei Herr Hauptmann Lange einen Bries folgenden Inhalt- herabwars: „An Bord deS Militärluftschiffs Z. 5. Dem OffizierkorpS und den Kriegsschülern der Kriegsschule HcrSseld sendet besten Gruß von der Fahrt von Frankfurt a/M. nach Gotha. Lange, Hauptmann beim Stäbe Gren. Regt. 12." — DaS Lustschiff flog in geringer Höhe über die Stadt, so daß man alle Einzel­heiten sehr gut sehen konnte und nahm dann seinen Kurs der Bahnstrecke entlang nach Bebra zu. Aus den Straßen wurde der Luftkreuzer von einer schnell zusammengeströmten Menschen­menge bewundert und manch heiteres Bildchen einer un­vollendeten Morgentoillette, besonders beim weiblichen Ge­schlecht, konnte man hierbei beobachten. Leider nur allzu schnell entschwand der seltene Gast in prächtigem Fluge den Augen einer begeisterten Menschenmenge. — Gegen 9 Uhr übe,flog dann eine Flugmaschine unsere Stadt, die auS der Richtung von Bebra her kam.

§ Hersfeld, 11. August. Die Liliputaner, welche zuletzt mit großen Ersolge am Bürgertheater in Meiningen gastiert haben, spielen diese Woche hier im Saale zum Stern. Ueber daS Gastspiel in Meiningen schreibt die Werra-Zeitung: Die vorhergegangene Reklame entsprach streng den Tatsachen und alle Versprechungen wurden im vollen Interesse deS

November bald hier, bald da zugebracht hatten, trafen ein. Mittellos, von innerem Grimm zerwühlt, durch die Kapitu­lation des Hohenloheschen KorpS zur Untätigkeit verdammt, suchten sie ihren Unterhalt durch irgendeine Beschäftigung zu verdienen. Ein Brief von Hilda jedoch, der Saher erreichte, bestimmte beide Freunde, die von Werder- gebotene Gast­freundschaft anzunehmen.

Man ließ sie nicht wieder fort.

„In der Stille bereiten wir alle- vor, damit wir bereit sind, wenn wir dem Vaterlande wieder nützen können," sagte Werder.

Wilhelmi lächelte bitter. Saher lachte schneidend auf.

„DaS sagen Siel Wir aber, wir haben kapituliert, Herr Werder. Hören Sie? kapituliert! Weiter brauche ich wohl nichts zu sagen."

Hilda legte ihm die Hand aus den Mund: „Schweig still, Friedrich, eS wird sich ein Ausweg finden."

„ES gibt keinen," antwortete Wilhelmi trübe.

Werder versuchte einen frischen Ton anzuschlagen.

„Laßt den Kops nicht hängen. Denken wir an daS Nächstliegende. Sie bleiben bei unS, daS steht fest. DaS Weitere findet sich."

Wilhelmi sah auf Ermentrud. Sie nickte ihm zu.

„Max hat recht", sagte sie leise. „Haben Sie Gottver­trauen. Auch daS Unglück steht in seiner Hand und dient zu unserem Besten."

Der Januar brächte Kälte und Frost. Die ermatteten Truppen beider Lager hatten die Winterquartiere bezogen. Eine Festung nach der andern war im Laufe dieser Monate in die Hände der Feinde- geraten, die menigfteh mit ehren­vollem Abzug. Der König mit seiner Familie war in den äußersten Winkel deS Lande- geflüchtet.

(Fortsetzung folgt.)

— B r ü ck i n d e r M a r k, 10. August. Der Flieger Roseler ist mit seinem Flugschüler Stephan heute srüh ab« gestürzt. Beide Flieger sind tot.