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Herrselder Armblatt
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Fernfprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 94, Dienstag, den 12. August 1913.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 31. Juli 1913.
Nach der Bestimmung im § 9 Ziffer 11 der Baupolizei- Ordnung III vom 9. August 1911 muß bei allen Bauausführungen dem Bauherrn von der Baupolizeibehörde (OrtS- Polizeibehörde) ein Rohbauabnahmeschcin erteilt werden, nachdem die Rohbauabnahme stattgesunden hat. In diesem Rohbauabnahmeschein wird der Zeitpunkt bestimmt, an welchem mit den inneren Putzarbeiten begonnen werden darf. (Ziffer 12 deS § 9). Der Rohbauabnahmeschein muß auch nach Ziffer 13 daselbst eine Angabe darüber enthalten, ob eine Vchlußabnahme erforderlich ist oder nicht. Ist keine Schluß- abnahme erforderlich, ist anzugeben, wann der Bau in Gebrauch genommen werden darf. Wird dagegen von einer Schlußabnahme nicht abgesehen, so finden nach § 10 der Baupolizei- Ordnung III die vorbezeichneten Bestimmungen sinngemäße Anordnung. Es ist dann über die fristzeitig vorzunehmende Schlußabnahme dem Bauherrn der vorgeschriebene Schlußabnahmeschein zu erteilen, in dem zu bestimmen ist, wann der Bau in Benutzung genommen werden darf.
Ich habe wahrgenommen, daß die vorbezeichneten Bestimmungen nicht überall beachtet werden, und daß die vorgeschriebenen Bauabnahmescheine in den wenigsten Fällen ausgestellt werden. Hierdurch find den Baulustigen wiederholt Unzuträglichkeiten entstanden, was künstig vermieden werden muß.
Indem ich deshalb auf die in Betracht kommenden Bestimmungen erneut ausmerkfam mache, weise ich die OrtS- polizeibehörden deS Kreises an, diese Bauabnahmescheine in allen Fällen auSzustellen. Zur Kontrolle hierüber künstig ist bei Frage 28 der zur Vorlage kommenden Bauabnahmeprotokolle ein Vermerk aufzunehmen, daß der vorgeschriebene Bauabnahmeschein erteilt worden ist, oder aus welchen Gründen daS unterblieben ist.
Ich erwarte, daß diese Anordnung künftig genau beachtet wird, da ich andernsollS gezwungen fein würde, weitere Maßnahmen zu «greisen.
Formulare zu den Bauabnahmescheinen find in der L. Funk'schen Buchdrucker« hier zu haben.
3. B. Nr. 3793. Der Landrat.
3. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Der Bukarester Friede.
Die russische Presse ist mit dem Frieden von Bukarest sehr unzusrieden, weil eS Bulgarien versagt geblieben ist, von den Siegern im Bentekriege erhebliche Zugeständnisse zu erlangen.
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.
(Fortsetzung.)
In einem kleinem Ort an der Oder stiegen sie ab und stellten den Wagen in einem Gasthos ein. ES war jetzt Abend, und die Dunkelheit mußte benutzt werden.
Im Laufe deS Nachmittags hatte sich ein heftiger Wind erhoben. Er war immer ungestümer geworden und zuletzt zu einem orkanartigen Unwetter angeschwollen. DaS war für daS Entkommen günstig, aber für die Ueberfahrt gefährlich. Der Fährmann schüttelte auch bedenklich den Kopf.
„Ich weiß nicht, meine Herrschaften, — ich glaube nicht, daß wir eS bei diesem Unwetter wagen können. Ich bin ja auch nur ein einsacher Ackerbürger und sahre nur so gelegentlich einmal jemand hinüber, weil ich einmal die Kähne habe. Muß eS denn gerade heute sein? Morgen srüh fahre ich Sie gern.“
Eugen zuckte ungeduldig die Achseln. Da drüben lag daS gelobte Land, und er sollte die kostbare Zeit verlieren? Vielleicht gar dem Feinde in die Hände fallen?
Er wandte sich ab.
„Wer hat hier sonst noch Kähne?"
„Niemand. Ich bin der einzige."
Lydia blieb stehen und legte ihre Hand auf den Arm deS Fährmanns.
„Ueberlaffen Sie unS den Kahn. Sie bekommen ihn morgen zurück."
„Und wenn der Kahn verloren geht? W« ersetzt ihn mir?"
„Ich zahle Ihnen eine Summe für diesen Fall."
Lydia zeigte ihm ein Goldstück.
Der Mann besann sich. Er hatte lange fern Goldstück gesehen.
„Abgemacht. Sie bekommen den Kahn."
Die Flüchtlinge atmeten aus. Schweigend gingen sie «um Fluss, hinunter, »in paarmal. kam eS Lydia so vor, all
Bor diesem Kriege gingen die Ansprüche der Sofiaer Regierung mit dem großspurigen Dancw an der Spitze, weit über daS Wardartal hinaus bis Monastir, nach dem Bukarester Frieden reicht ihr künftiger Gebiet nicht einmal bis zum Wardarfluffe heran, sondern die Grenze verläuft mit der Wasserscheide zwischen Wardar und Etrum, sodaß also die Serben allein Herren im Wardartale bis zur neuen griechischen Grenze bei Gewgeli bleiben. Ebenso haben die Bulgaren, die Saloniki zu erlangen hofften, aus den zweitbesten Hasen, Kawala, verzichten und sich mit einer Grenze an der Aegäischen Küste begnügen müssen, die zwischen Kawala und der LagoSbucht liegt. Daß eS dem russischen Einfluß, der im Türkenkriege dem siegreichen bulgarischen Heere vor Konstantinopel Halt gebot, nicht gelungen ist, den Bulgaren bessere Grenzen in Mazedonien zu verschaffen, wird in den Petersburger Blättern hauptsächlich der Haltung deS französischen Verbündeten zuge- jchriebcn, der sich in der Kawallafrage ganz aus die griechische Seite gestellt habe.
Wie Rußland, so hat auch Oesterreich-Ungarn in Bukarest bei den Friedensverhandlungen erklären lassen, daß den Großmächten eine Revision der neuen Länderverteilung vorbehalten bleiben müsse. Diese Erklärung, die mit in daS FriedenS- Protokoll ausgenommen wird, hat eS Bulgarien erleichtert, auf die harten Bedingungen einzugehen. ES wird aber schwer sein, dem Vorbehalt Rußlands und Oesterreich-Ungarn- eine praktische Folge zu geben. Daß die Signatarmächte deS Berliner Vertrag- daS Recht haben, die engetretene Ver- schiebung der Grenzen nachzuprüfen, wird nirgends bestritten, und eS könnte daher der Frieden von Bukarest, ebenso wie auf den Frieden von San Stefano der Berliner Vertrag folgte, noch ein Nachspiel aus einer europäischen Konferenz haben. Indessen ist Europa so gründlich balkanmüde, daß man sich lieber mit dem Vergleich beruhigen und nicht noch in die Revision geht. Deutschland wenigstens hat kein eigenes unmittelbares Interesse daran, ob Bulgarien zu dem, was eS bekommt, noch ein Stück dazu erhält, oder nicht. Wir find nun einmal nach dem Ausdruck BiSmarckS nicht Primolozisten in Balkanangelegenheiten.
Von günstiger Vorbedeutung könnte wohl sein, daß Oesterreich-Ungarn und Rußland, die wirklich Primolozisten sind, zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Hand in Hand zu gehen scheinen. Beide wünschen eine Verstärkung Bulgariens aber doch auf verschiedene Weise. Oesterreich-Ungarn will am Wardar auf Kosten SerbienS revidieren, Rußland an der Aegäischen Küste auf Kosten Griechenlands. Solange nicht die beiden Nächstbeteiligten unter sich vollständig einig sind, wird bei den anderen Großmächten kein Eifer sein, die Revision vorzunehmen. Ist doch sogar auch in der Frage Adrianopel die anfängliche Entschiedenheit der Großmächte beträchtlich erlahmt, weil eben bei jedem Versuch, in die tatsächlichen Ergebnisse der beiden Kriege mit Zwangsmitteln einzugreisen, die Einigkeit aus eine mehr oder weniger harte Probe gestellt wird.
höre sie daS Geräusch von brechenden Zweigen, von leisen Schritten. ES konnte aber auch eine Täuschung sein bei dem tobenden Sturme.
Jetzt kamen sie an einem Weidengebüsch an. Da, tief in den Zweigen versteckt, lag ein Kahn. Der Fährmann machte schmunzelnd auf den guten Platz aufmerksam.
„ES ist besser alS ein Bootshaus. Da nehmen einem die Franzosen jedes Boot fort. Ich habe noch ein zweites ebensogut verwahrt."
Er zog den Kahn heran und legte die Ruder hinein. Fritz setzte sich anS Steuer.
In diesem Augenblick sprangen rechts und links aus dem Gebüsch Gestalten hervor nnb rannten auf die am Ufer Stehenden zu.
„Da ist er, da ist etl* rufen laute Stimmen in sronzösischer Sprache, „Stillgestanden oder wir schießen!"
Ohne sich nur eine Sekunde zu besinnen, sprangen Eugen und Lydia mit beiden Füßen zugleich in den Kahn. Eugen stieß mit dem Ruder gegen daS User. ES blieb im Sande stecken, aber der Kahn flog durch die Gewalt deS Stoßes in den Fluß hinein.
„Vorwärts!" flüsterte Eugen.
„Vorwärts!" wiederholte Lydia.
„Verdammt!" tief der eine der Männer. „Aber warte, jetzt bist du doppelt verloren, ein sicherer Mann deS Todes."
Ein Schuß knallte, wieder einer, noch einer.
„Willst du zurückkommen? Ich schenke dir daS Leben," rief einer.
„Vorwärts!" rief Lydia leise. Eugen gebrauchte mit aller Macht daS einzige Ruder. Lydia hatte Fritz daS Steuer ab- genommen. Mit kundiger Hand lenkte sie den Kahn durch die stürmischen Wellen.
Ein Kugelregen folgte ihnen. Rechts und links schlugen die Kugeln inS Wasser, daß eS aufzischte. Sie bohrten Löcher in den Kahn. Die Insassen achteten nicht darauf. Ihr Blick suchte daS jenseitige Ufer. Eben tauchten die Umrisse riesenhaft auS dem Dunkel auf. Bald waren sie drüben. Von der anderen Seite wurde immer noch heftig geschossen. Einmal meinte Lydia einen Aufschrei von Fritz vernommen m haben.
Die russisch-französische Verstimmung.
PariS, 9. August. Der französische Minister deS Auswärtigen Pichon zeigte sich, wie dem TempS berichtet wird, durch die von dem russischen Gesandte»» in Bukarest abgegebenen Erklärungen aus- höchste überrascht, da die Petersburger Regierung eS nicht für zweckmäßig erachtet hatte, sich mit PariS darüber inS Einvernehmen zu setzen, durch welche Mittel die russische Regierung eine Abänderung herbrizusühren gedenke. Von dem mittlerweile erfolgten ausdrücklichen Verzicht Bulgariens auf Kawala erwartet man hier die Wiederherstellung des europäischen Konzerts. Europa werde sich, so meint daS Journal deS DvbatS, daran gewöhnen müssen, daß Frankreich in der neuen Aera auS bem Balkanbunde wirtschaftlichen Nutzen ziehen und seine eigenen AuSsuhrinterefsen in den Vordergrund stellen wird. Den allerjüngsten russischen Flirt mit Italien brauche man in PariS nicht aflgu ernst zu nehmen; man werde an der Newa in sehr kurzer Zeit zu bet Einsicht der gesunden Allianz, zu der französisch-russischen zurückkehren. Die bon russischer Seite an der Erneuerung deS Beitrages zwischen der bulgarischen Tabaksgesellschaft und der Pforte geübte Kritik wird von der Pariser RegierungSpresse alS haltlos bezeichnet. Jene Erneuerung fei im wohlverstandenen Interesse der internationalen Kapital-gruppen durchaus notwendig gewesen. Der russische Vorwurs, daß die Pariser Kapitalsgruppen ermutigt würden, der Pjort« nam« haste Summen für militärische Zwecke vorzustrecken, fei Völlig unberechtigt. Man ist hier sehr begierig, ob Rußland und Deutschland dem Beispiel Großbritanniens folgen werden, ba8 eine offizielle Glückwunschadresse an MajoreScu anläßlich bei Abschlusses der FriedenSverhandlungen gesandt hat. DaS Bukarester diplomatische KorpS ist für morgen zu einem Dankgottesdienst geladen, bei welchem daS Tedeum der Reihe nach in rumänischer, griechischer und bulgarischer Sprache gesungen werden wird.
Petersburg, 9. August. Die Verstimmung über Frankreich wegen der Differenzen in der Kawalafrage hält an. Sie wirkt auch entschieden abkühlend auf daS Interesse für den Besuch deS französischen Generalstabschefs Joffrr. Zum erstenmal fehlte der übliche allgemeine Enthusiasmus bei einem offiziellen sranzösijchen Besuch. Ein hiesiger französischer Diplomat sprach seinerseits die Hoffnung auS, daß zwischen Rußland und Frankreich bald die alte Harmonie wieder hergestellt sein werde, da die mometane Solidarität zwischen Rußland und Oesterreich bloß vorübergehend sei; Rußland werde einsehen, daß eS sonst auf eine gesährliche Bahn geleitet werde.
Reue Preise der Rutionalslugluende.
Der VerwaltungSauSschuß der National-Flugspende hat beschlossen, für Fernflüge, die in der Zeit vom 15. September bis 31. Oktober 1913 alS Tagesleistung, d. h. in der Z it von Mitternacht bis zur Mitternacht deS folgenden Tage-,
Sie schrie ihm zu und suchte daS Brausen deS WindeS zu übertönen. Aber er faß vornübergebeugt da und antwortete nicht.
Jetzt «.eichten die Kugeln sie nicht mehr.
Wütend riß einer der Soldaten daS Ruder aus dem Sande und schleuderte eS dem Kahne nach, daß die Wellen hoch aufjpritztrn. Sein ganzer Zorn wandte sich gegen den Fährmann. _ , ,
„Ihr habt unS den sicheren Fang entzogen. DaS sollt Ihr büßen!" schrie er ihn an.
„Ich, Herr?" rief der Fährmann gekränkt. „Im Gegenteil, ich habe mich geweigert. Die Herren sehen doch, daß die Leute mir meinen Kahn entrissen haben mit Gewalt, wie die Räuber. Zudem, wie kann ich wissen, daß dem Kaiser an irgendeinem alten Bauersmann etwas liegt?"
„Einen preußischen Offizier habt Ihr befördert, Mann I Wo ist Euer anderes Boot? Schnell heraus damit. Wir wollen nach und ihn drüben fangen."
„Ach, Monsieur, ich habe doch kein zweiter Boot," beteuerte der Fährmann. Ihm ging eine Ahnung auf, daß er dem König einen Dienst geleistet habe.
„Lügner du, wo ist daS Boot?" donnerte der Franzose.
„Ach, MuSjöh, daS haben mit ja die Franzosen längst weggenommen," jammerte der Mann und rannte trostlos hin und her.
Der Franzose brummte Verwünschungen. Da flog daS Boot hin mit der kostbaren Beute und er mußte zufthen.
Die Flüchtlinge waren dem Auge kaum noch sichtbar auf der dunklen Wafferfläche.
„Der Kahn leckt," rief Lydia plötzlich. „Die Kugel hat in den Boden eingeschlagen."
„Laß ihn lecken," antwortete Eugen mit zusammengebissenen Zähnen. „Kommen wir um, so kommen wir um. Lieber in die Hände GotteS sollen, alS in die Gewalt unserer Feinde, nicht wahr, mein Kamerad?"
„Ja, ja, Eugen." _ x , ,,
Schnell drang daS Wasser ein. Kaum einen Meter brächte Eugen den Kahn mit aller Kraftanstrengung vorwärts. Er