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AmteS, Gesandten v. Treutler, und des Chefs des Militär- kabinettS, Generals der Infanterie Freiherrn V. Lyncker. Die Ankunft des Kaisers in Bad Homburg wird am Mittwoch, 13. d. M., abends 7 Uhr, erwartet. Der Kaiser, der am Vormittag dieses Tages der Truppenparade in Mainz und dann der DenkmalScinweihung im Soonwald bei Stromberg im HunSrück briwohnt, wird sich nach Beendigung der Feier­lichkeiten im Auto nach Schloß FriedrichShof bei Cronberg begeben, wo die Ankunft um 4 Uhr nachmittags erfolgen soll. Der Monarch trifft hier mit der Kaiserin zusammen. DaS Koiserpaar wird mit dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen gemeinsam den Tee einnehmen und dann nach Bad Homburg v. d. H. zurückfahren. Die Abreise deS Prinzen OSkar soll am 16. d. M. erfolgen. Die Kinder deS Kron- prinzenpaareS werden einige Tage später in Bad Homburg v. d. H. eintreffen.

Bei der I a h r h u n d e r t s e i e r d e r b a y r i j ch e n Jngenieurtruppen in Jngolstadt hielt der Prinz­regent Ludwig von Bayern eine Ansprache, in der er ankündigte, daß an dem Geburt-« und Namenstage des ErrichterS der BefreiungShalle (deS KönigS Ludwig I.) eine Gedenkfeier der Befreiungskriege veranstaltet werden soll. Dazu habe er, als er jüngst bei bem Kaiser zu Gaste war, den Kaiser persönlich eingeladen. Der Kaiser habe die Einladung sehr gern ange­nommen, und auch die deutschen Bundesfürsten und der Senat der Freien Städte hätten ihr mit Freuden entsprochen. Sodann kam der Prinzregent aus den Wert der technischen Truppen und aus ihr Zusammenwirken mit dem übrigen Heere zu sprechen. Die Hauptsache sei in einem Kriege der Mensch, und zwar der tüchtige Mensch als Soldat. Es mag alles noch so gut auSgedacht sein, wenn der Mensch, der im Waffen- rock steckt, nicht- taugt, so wird die Armee von weit zurück- stehenden Völkern geschlagen. „Darum sage ich," schloß der Prinzregent, „eS ist selbstverständlich, daß man die Erfindungen der Technik soweit als möglich auSnutzt, vor allem aber trachte jeder, ein Edelmann im besten Sinne deS Wortes zu fein und zu bleiben. DaS muß vom ersten bis zum letzten Soldaten gelten. Keiner soll sich über den anderen erheben, es muß jeder wissen, daß wenn er sein Leben zum Opfer bringt und die großen Strapazen deS Militärdienstes in Krieg und Frieden aus sich nimmt, er die- nicht sür sich, sondern für daS Vater­land tut. Möge diese Gesinnung immer und überall im Heere erhalten bleiben I"

DaS neue Marineluftschiff „L Z 2" ist wie auS Friedrichshafen mitgeteilt wird, auf der Zeppelinwerft fertig und soll in der nächsten Woche flugbereit sein. Ende dieses Monats erfolgt die Ablieferung an die Marineverwaltung. Die Besatzung deS neuen Luftschiffes wird sich aus 19 Mann zufammensetzen. Der Raumgehalt wurde um 4000 Kubikmeter von 23,000 auf 27,000 Kubikmeter erhöht. DaS Luftschiff wird zunächst in JohanniSthal bei Berlin stationiert werden. Im Frühjahr sollen dann die beiden Marineluftschiffe nach der bis dahin zu vollendenden Doppeldrehhalle bei Cuxhaven gebracht werden und dort den ständigen Hasen erhalten.

Die neue Prüfungsordnung sür die preu­ßisch e n 3 u r i st e n ist am 1. August d. JS. in Kraft getreten. Wesentliche Aenderungen gegen früher hat nur die große Staatsprüfung erfahren. Die zweite häusliche Arbeit (praktische Arbeit) ist durch Wegfall deS SachberichtS verein­facht, dir Bearbeitung von zwei RechtSjällen unter Aufsicht (Klausurarbeiten) kommt neu hinzu, aber nur für Referendare, die vom 1. Oktober d. 3. ab in die Prüfungen eintreten.

Ein deutsch-norwegischer Zwischensall, der angesichts der wachsenden guten Beziehungen zwischen Deutschland und Norwegen recht bedauerlich erscheint, ist zu verzeichnen. Eine Anzahl Mannschaften von der Besatzung deS deutschen TouristendampferS „Großer Kurfürst", der eine Tour nach Norwegen unternommen hat, unternahmen einen Ausflug an Land, wobei sie Steine ins Rollen gebracht haben sollen, die den Tod einer MädchenS herbeiführten. Die Be­schuldigten wurden verhaftet, dann wieder freigelassen und hieraus abermals verhaftet; am Montag nachmittag wurden sie aus Befehl deS PolizeimeisterS von Sogn nach dem Vyker DistriktSgefängnis gebracht. Die Verhafteten beteuern ihre Unschuld.

Nach3V2stündigerBeratung wurde im Krupp-Prozeß gestern nachmittag 4% Uhr das Urteil verkündet. ES erhielten: Tilian zwei Monate GesängniS und Dienstentlassung, Schleuder 4 Monate GesängniS und Dienstentlassung, Hingst 4 Monate Gefängnis und Dienstentlassung, Schmidt 2V< Monate Ge­fängnis und Degradation, Dröfe 3 Wochen gelinden Arrest, Hoge 43 Tage Gefängnis, Pfeiffer 6 Monate Gefängnis und Unfähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen AmteS für ein Jahr.

Prinzen, Generalen und Staatsmännern in Graudenz befand, und Napoleon. War eS glaubhaft, daß überhaupt so uner­hörte Forderungen an Preußen gestellt werden konnten: die Abtretung des linken RheinuferS, dazu die Einräumung von neun preußischen Festungen? 3a, der Kaiser, der seine Be­dingungen von Berlin auS diktierte, steigerte angesichts feiner Erfolge feine Ansprüche so maßlos, daß er verlangte, die Russen, die schon preußische- Gebiet betreten hatten, sollten veranlaßt werden umzukehren? DaS alles durfte er fordern und dafür nichts als einen Waffenstillstand zubilligen?

Und noch schlimmer: konnte es sein, daß der König so etwas unterzeichnete?

„Napoleon erwartet daS mit Bestimmtheit," sagte der General. „Er zweifelt so wenig daran, daß er den Waffen­stillstand schon in seinem Bulletins veröffentlicht hat. Da steht eS."

Er schlug heftig mit der flachen Hand aus ein ZeitungS- blatt zwischen seinen Fingern. „Er tut, als brauche er nur zu besehlen, und der Friede, wie er ihn wünscht, ist da. Wenn daS der König unterschreibt, Ist Preußen verloren."

„Und unsere Schmach besiegelt," fügte Eugen hinzu. „Wird er unterschreiben?"

Sie warteten. Ganz Preußen sah aus den König und seine Ratgeber, sah auf das Ringen in der Seele Friedrich- Wilhelms mit seinem Entschluffe, mit den Ratschlägen und Einflüsterungen seiner Umgebung, mit den verschiedenen An­sichten seiner wechselnden Minister.

Welcher Geist wird siegen? Der kleinmütige, schwache? Oder der hochgesinnte, königliche?

Als die Entscheidung kam, als wie ein Sturm die Kunde durchbrauste: der König hat den Waffenstillstand verworfen, der Krieg wird fortgesetzt, da hielt es Eugen nicht länger.

„Hurra, das gibt neue Lebenskraft. Fetzt habe ich wieder Hoffnung. Jetzt gilt es den Kamps für die Erhaltung alle- dessen, waS der Nation ehrwürdig und heilig ist. Dies Wort des KönigS will ich mir merken. Was meinst du, mein Kamerad?"

„Du mußt mitgehen," antwortete Lydia ruhig.

Sie war im Herrenhause bei den Hirschfeld-, um mit

Die Schmückung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz findet in diesem Fahre am 10. und 15. August und zwar am 10. August aus dem Schlachtfeld der Ostseite: Borny, Colombay, Noisseville, Nouilly, Ser- Vigny u. o. und am 15. August auf den Schlachtfeldern der Westseite: Amanweiler, St. Privat, St. Marie avx ChöneS, Verneville, Gravelotte, Gorze, Vionville und MarS-la-Tour statt. Nach der Schmückung am 15. August wird in der Gedenkhalle in Gravelotte die allgemeine Gedenkfeier für die gefallenen Krieger mit Gedächtnisrede, Gesang- und Musik- Vorträgen abgehalten werden. Im ganzen werden rund 3000 grüne Kränze und 150 Denkmalskränze niedergelegt.

Verschiedene Kreise deS Handels und der Industrie und besonders die Organisationen deS Hansa-BundeS in den Hansa-Städten hatten sich an den Hansa-Bund mit dem Er­suchen gewandt, ihre Wünsche aus Einführung von Bar- frankierung von Mafsensendungen an maß­geblicher Stelle geltend zu machen. DaS ReichSpostamt hatte darauf mitgeteilt, daß zunächst fünf Maschinen ausgestellt seien, und daß weitere Versuche gemacht würden. Nunmehr teilt daS ReichSpostamt mit, daß die bis jetzt ausgestellten Maschinen sich gut bewährt hätten, sodaß sich die Postverwaltung ver­anlaßt gesehen habe, neue Lieferung-Verträge, auch anderen Systems abzuschließen. Wenn die Versuche ebenso zufrieden­stellend wie die bisherigen auSsallen, dürste die Barfrankierung von Mafsensendungen bald überall zugelassen werden.

Die Gesahr einer Arbeitslosigkeit sucht die Deutsche Gesellschaft zur Milderung der Arbeitslosigkeit beizeiten zu begegnen. Sie hat an die größten BundeSstaaten laut „Voff. Ztg." ein Schreiben gerichtet, worin sie darauf hinweist, daß bei früheren Krisen die Notstand-aktion und Vorbeugung-maßregeln, welche längere Zeit in Anspruch nehmen, erst längere Zeit später eingereicht wurden, nachdem die Depres­sion ihren Tiefstand erreicht hatte. Es empfehle sich daher, rechtzeitig die erforderlichen Schritte einzuleiten, damit gegebenen­falls genügend Arbeiten zur Milderung der BtschästigungS- losigkeiten zur Verfügung stehen. Die Gesellschaft bittet daher, eine möglichst große Anzahl geplanter Arbeiten und Aufträge schon jetzt sür den kommenden Winter bereitzustellen, damit der bevorstehenden Arbeitslosigkeit in hinreichendem Umfange Rechnung getragen werden kann.

Ein höherer französischer Offizier fordert in einem offenen Brief die Schaffung eines Kavallerieregiments bei der Fremdenlegion. Tie Legion sei zwar die beste Kolonialtruppe Frankreichs, eS fehle ihr jedoch an den nötigen Aufklärungsabteilungen. Bei seinem Vorschläge rechnet der Offizier vor allem auf ehemalige deutsche Kavalleristen, denn er schreibt: „Wenn ich mich an der Ostgrenze mit deutschen Deserteuren unterhielt, habe ich zahlrriche Leute getroffen, die bedauerten, nicht in die Legion eintreten zu können, weil sie Ulanen oder Husaren waren, deshalb keinen Tornister tragen könnten und die gern wieder Kavallerist werden würden. Dadurch gehen Frankreich zahlreiche Soldaten verloren, die sich gern anwerben ließen, aber auf deren Dienste wir verzichten müssen, weil wir keine berittenen Truppen bei der Fremden­legion haben." Hierzu schreibt der „L. A." Wenn wir auch die angeführte Tatjache der Unterhaltung mit zahlreichen Deserteuren deutscher Kavalleric-Regimenter für unrichtig halten, so veröffentlichen wir den Inhalt der Nachricht zur „Warnung" der auf falsche Wege geratenen jungen Deutschen!

Bei den großen Flottenmanövern in Eng­land wurde, wie aus Marinekreisen geschrieben wird, der erste Beweis von dem bedeutenden Dienst, den die Wasser­flugzeuge in einem Seekriege zu leisten berufen sind, gegeben; denn es gelang einem Wasserflugzeug, unter schwierigen Ber- Hältnissen die Gefangennahme eines Unterseebootes herbeizuführen. Der denkwürdige Vorgang spielte sich folgendermaßen ab: Bei Cromorty lag die „Blaue Flotte" vor Anker. Zur Ver­teidigung waren hier drei Wasserflugzeuge untergebracht, welche die Bewegungen der „Roten Flotte" bewachen sollte. Ein Unterseeboot der roten Flotte hatte den Auftrag erhol en, die blaue Flotte, die vor Cormary vor Anker lag, heimlich anzu- greifen. DaS Unterseeboot fuhr so, daß eS vom Schiff auS trotz größter Wachsamkeit nicht g sehen werden konnte. In­zwischen hatte sich daS Wasserflugzeug erhoben, um einen Auf- klärungSflug zu unternehmen. Plötzlich entdeckte der Be- obachtungSoffizier das ties fahrende Unterseeboot und konnte erkennen, daß eS zur roten Flotte gehörte. ES gelang dem Flieger, die blaue Flotte rechtzeitig zu benachrichtigen, sodaß hier Gegenmaßregeln ergriffen werden konnten und daS Unter­seeboot in kurzer Zeit unfähig gemacht werden konnte. Dieser hervorragende Erjolg deS Wasserflugzeuges gegen ein Unter­seeboot, läßt englische Marinekreise bereits von dem „Ende deS UnterseebootSschreckenS" sprechen. Man wird dieses Urteil

ihnen die Freude an der Ansprache des KönigS zu teilen. Da erschien ein Diener in der Tür mit bestürzten Mienen.

„Fritz Vahl ist draußen, und —*

Da drängte sich schon ein Knabe an ihm vorbei und stürzte auf Eugen zu.

„Die Franzosen kommen!" schrie er aufgeregt. „Sie suchen den Herrn Leutnant. Ich hab- gehört, wie sie in der Stadt nach ihm fragten, in zehn Minuten sind sie hier."

Frau von Hirschfeld erblich. Aber kein AuSrus deS Schreckens ward hörbar. Man war die unerwarteten Ereignisse gewöhnt.

„WaS tun?" fragte der General. Sein suchender Blick traf Lydia.

„Lebendig bekommen Sie mich nicht," knirschte Eugen und lockerte die Pistolen im Gürtel.

Lydia wechselte einen Blick mit Fräulein Luise von Hirfch- scld; sie flüsterte ein paar hastige Worte, — dann erhoben sich beide.

„Komm mit, Eugen schnell," sagte Lydia.

Niemand hielt die drei zurück, al- sie eilig das Zimmer verließen.

Wenige Minuten darauf sprengte eine Trupp französischer Reiter in den Hof.

Der Führer sprang ab.

„Alle Au-gänge werden besetzt, die Tore und die Park- psorten. Niemand wird bei strengster Strafe herein- oder hinau-gelassen," befahl er.

Die Anordnung wurde sofort befolgt. Der Offizier ging inS Haus und ließ sich zum General führen.

Die Familie saß noch beisammen Fräulein v. Hirschfeld und Lydia waren bei ihnen. Keine- zeigte da- geringste Zeichen von Unruhe. Von Eugen nicht- zu erblicken.

Der feindliche Offizier ließ einen schnellen Blick durch den saalartigen Raum schweifen. Er grüßt« militärisch und trat zu dem General.

„Kapitän HugueS," stellte er sich vor.

Der General beantwortete den Gruß mit äußerstem Ernst.

„Ich kenne Sie, Herr Kapitän," versetzte er gemessen. „Sie führten sich bei Prenzlau al- Parlamentär ein."

vielleicht etwas übereilt finden können, darf sich aber doch der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Wasserflugzeuge ein ge­fährlicher Feind der Unterseeboote zu werden berufen find; denn die günstigen Ergebnisse die vor einigen Wochen bei einer friedlichen Uebung der englischen Wasserflugzeuge mit dem Auffinden von tief fahrenden Unterseebooten gezeitigt wurden, haben sich auch in den ernsthaften Manövern bestätigt. Damals mußten Wasserflugzeuge zu allen Tageszeiten Er- kundigungSflüge zur Auifindung von Unterseebooten machen, und eS gelang ihnen in allen Fällen — bis auf einen — nicht nur die Unterseeboote zu entdecken, sondern auch recht­zeitig Meldung abzustatten. Wie sich auch jetzt in den großen Flottenmanövern ergab, dürsten die Unterseeboote durch die AusklärungSarbeit der Wasserflugzeuge viel an Gesährlichkeit verlieren.

Im chinesischen Bürgerkriege hat ein neuer heftiger Kamps zwischen den Regierung-truppen und den Auf­ständischen stattgesunden. Einzelheiten über den Kamps sind noch nicht bekannt, auch über seinen AuSgang liegen noch keine Nachrichten vor. Tie RegierungSlruppen säuberten die Um­gebung von Schanghai von den dort befindlichen Rebellm- streitkrästen. Mit den letzten 1500 Rebellen, die sich in der Chinesenstadt von Schanghai verschanzt haben, wird wegen ihrer Uebergabe verhandelt.

In verschiedenen Städten Indiens haben Protest­kundgebungen der Mohammedaner gegen die Behörde in Cawpur stattgesunden, weil sie behuss einer Stroßen- erweiterung eine Moschee teilweise niederreißen ließ. Hierbei ist eS in Cawpur selbst zu blutigen Unruhen gekommen, die gegen die Demonstranten vorgehenden Polizeimannschaften sahen sich genötigt, schars zu feuern, wobei 13 Demonstranten getötet und 30 verwundet wurden. Auf Seiten der Polizei gab eS einen Toten und etwa 40 Verwundete.

Mn mit such dieses M 6ehn feiern?

Unser Jahr ist ein an Festen überreiche- Jubeljahr, und das könnte leicht dazu verführen, unter Hinweis auf die Ucberfülle der vaterländischen Feiern die Frage zu stellen, ob wir auch dieses Jahr noch Sedan feiern sollen. Wer sich bewußt bleibt, was Sedan für unser nationaler Dasein bedeutet und fernerhin bedeuten soll, wird mit einem Ja antworten und die- Ja noch unterstreichen.

Vor hundert Jahren haben unsere Vorfahren die Freiheit mit Gut und Blut erstritten, die verloren gegangene nationale Selbstständigkeit wiederhergestellt. DaS Joch der Fremd­herrschaft wurde damals zwar abgeworfen, Deutschland aber blieb ein bloß geographischer Begriff, eine Vielheit einzelner Staaten, die sich befehdeten, weil sie der festgeschlossenen Einheit entbehrten. Erst 1870 hat unS diese Einheit gebracht. Auch sie mußte mit Gut und Blut erkämpft werden, und Sedan gab die Gewißheit, daß da- Einheit-ziel, daS sich 1813 bereits die Edelsten gesteckt hatten, das dann allmählich säst deS ganzen deutschen Volke- Hoffen und Streben wurde, erreicht war. Sedan ist die Ergänzung, die Vollendung von 1813. Die Jahrhundertfeier und die Sedar.feier gehören recht eigentlich zusammen. Indem wir Sedan feiern, erlangen wir erst das volle Bewußtsein dessen, waS für unS die FreiheitS- Helden von 1813 wirklich gewesen und geworden sind, Eis waren die Vorkämpfer von Sedan. Napoleon I. hatte unS die deutsche Freiheit geraubt und Napelon III, wollte unS— den Weg zur deutschen Einigung versperren. Zu Boden mußten beide geworfen werden, wenn die Bahn frei werden sollte, auf der sich daS deutsche Volk zu der ihm gebührenden Größe und Macht entfalten konnte.

Gerade in diesem Jahre, daS daS Andenken der Siege von 1813, der Völkerschlacht von Leipzig ehrt, von einer Sedanseier abstehen, daS hieße ja beinahe soviel alS sagen: Wir wollen unS nunmehr nur noch sür die abgeschlossene Vergangenheit vor 100 Jahren, aber nicht mehr für die Gegenwart, mit der die Zeit vor 43 Jahren noch im lebendigen Zusammenhänge steht, dazu bekennen, daß ein große- Volk sich die sieghafte Stärke seiner Waffen sichern muß. Durch Blut und Eisen hat 1813 daS Volksheer die schmählich geraubte und unterdrückte nationale Unabhängigkeit zurückerobert. Durch Blut und Eisen hat auch 1870 daß BolkSheer ein gleich hohes nationales Gut gewonnen und die politijchstaatliche Einheit geschmiedet. Wollen wir in ein und demselben Jahre das Andenken an daS Eine, daS in der Vergangenheit weiter zurückliegt, in festlicher Freude und mit stolzer Genugtuung festhalten, um daS Andere, von dem unS nur 43 Jahre trennen, zurückzustellen und der alljährlichen festlichen Würdigung und Gedächtnisweihe nicht mehr wert zu halten, in ein und

Der Kapitän errötete ärgerlich. Es war ihm peinlich, an eine Stunde erinnert zu werden, in der er eine recht zweideutige Rolle gefpielt und seine Befugnisse weit überschritten hatte.

Er lächelte gezwungen. Sie haben gutes Gedächtnis, Herr General. Leider ist der Zweck meine- Kommen- kein angenehmer. Ich bin beauftragt, Ihren Sohn Eugen, der am 6. November mit einem falschen Paß aus feiner Gefangen­schaft in Lübeck entwichen ist, zu suchen. Soviel uns bekannt ist, hält er sich im Elternhause verborgen."

Er zog seine Beglaubigung hervor und zeigte sie dem General. Dann sandte er nochmals feine Blicke durch den Raum und trat anS Fenster. Mit Befriedigung gewahrte er, daß seine Befehle betreffs der Bewachung deS Hauses befolgt waren.

„Gin Entkommen ist ausgeschlossen," sagte er nachdrücklich. „Die AuSgänge find besetzt. Ich habe eine Durchsuchung deS Hause- anordnen müssen und bitte um Entschuldigung sür diese Störung."

„Sie gehorchen Ihren Vorgesetzten," antwortete der General gemessen.

„Man hat kurz vor unserer Ankunft einen Knaben in verdächtiger Eile inS Hau- laufen sehen," fuhr der Offizier fort. „Ich nehme an, daß er eine Warnung erteilen wollte."

Der General veränderte seine Miene.

„Wenn mein Sohn hier versteckt ist, werden Sie ihn zu finden wissen," antwortete er kalt.

Der Kapitän lächelte bo-hast.

„Sie haben recht, ich werde ihn finden."

Er stellte sich mit dem Rücken gegen daS Fenster und schlug die Arme übereinander.

Tiefes Schweigen herrschte. Der Kapitän beobachtete die Anwesenden scharf; aber er konnte nicht die geringste Bewegung bei einem unter ihnen wahrnehmen.

Draußen hörte man die schweren Tritte der Soldaten über, unter, neben ihnen. Rufen, Fragen, das Kreischen der Mägde, die die Fremden nicht verstehen konnten oder sich gegen ihre Umarmungen wehren mußten. Dazwischen Fluchen und Verwünschungen über da- erfolglose Suchen.

; (Fortsetzung folgt.) . _ ■