i >Mwa,J n trgB—aasgssssijW’.L Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: »Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. »2.
Donnerstag, den 7. August
ISIS.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 1. August 1913.
Da nunmehr die Ausstellung von Ziegenböcken nach Maß« gäbe der Bestimmungen der ZiegenbockhaltungSgesetzeS vom 12. Juni 1909, Gesetz-Sammlung Seite 675, und der Ziegenbockkörordnung vom 20. Oktober 1910, Amtsblatt Nr. 43, in den meisten Gemeinden deS Kreise- seitens deS Krei-« auSschuffe- geregelt worden ist, weise ich die Herren Bürgermeister und Gendarmen deS hiesigen Kreise- an, streng darauf zu achten, daß keine ungekörten Böcke zum Decken verwandt werden.
Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Ziegenbock- körordnung sind sofort zur Anzeige zu bringen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusies:
I. A. Nr. 5935. von Gru,neliuS.
Her-feld, den 1. August 1913.
Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 12. September 1912, Kreisblatt 111, J. A. Nr. 5614 betreffend Einreichung der BestandSnachweifung an deckfähigen Ziegen und angekörten Ziegenböcken, ordne ich an, daß mir dieselbe bereit- zum 20. August d. JS. einzureichen ist.
Der Vorsitzende des Kreisausfchuffes:
I. A. Nr. 5934. von GruneliuS.
Her-feld, den 1. August 1913.
DaS Proviantamt Fulda wird mit Beginn der Roggenernte den Ankauf von neuem Stroh ausnehmen. Roggenangebote zur Lieferung in Wagenladungen für daS Proviantamt Ersurt werden vermittelt. Gekauft wird Roggenstroh, daS in folgenden Arten eingeliesert werden darf:
a) flegelgedroscheneS Richtstroh mit Strohseilen gebunden,
b) Maschinenglattstroh mit Strohseilen oder Bindsaden so ausgebunden, daß sich die Aehren möglichst auf einer Seite befinden und
c) Preßlangstroh mit Bindfaden gebunden.
In daS Stroh dürfen keine kurzgedroschenen Strohteile oder Spreu eingebunden sein.
Der Ankauf von Heu wird fortgesetzt.
I. 8931. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSfekretär.
Her-feld, den 1. August 1913.
An die sämtlichen OrtSpolizeibehörden deS Kreises.
In letzter Zeit find wiederholt Fälle vorgekommen, in denen zu den Anzeigen über ansteckende Krankheiten nicht immer da-roteKqrtenbrief-Formular benutzt worden ist.
Ich nehme daher von neuem Veranlassung auf § 6 der AuSführungS-Bestimmungen zum Gesetz, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, Sonderbeilage zum Amts
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. T r o m m r r S h a u s e n.
(Fortsetzung.)
Er lächelte stolz. Sie sah eS durch die Dunkelheit, und er streichelte ihre Hand.
„Du bist eine echte Patriotin, die den Geliebten lieber tot als fahnenflüchtig weiß," sagte er. „Ich bin verwundet und war gefangen, mein Kamerad."
„Bist du aus der Flucht?"
„Ja, und mit mir Marie Werder. Erinnerst du dich ihrer?"
„Deine Verwandte. Wir haben schon alS Kinder zusammen gespielt."
Lydia streckte im Dunkeln ihre Hand auS. ES fiel ihr ein, daß sie vorhin zwei Gestalten gesehen hatte.
Marie kam näher und ergriff die dargebotene Hand. Sie hatte die- Wiedersehen nicht stören wollen.
„Ein armer Flüchtling bittet um Obdach und Brot," sagte sie mit ihrer frischen Stimme. „Bor allem aber bedarf Eugen sorgsamster Pflege, wenn seine Wunde nicht ernste Sorge machen soll."
Diese Worte riefen Lydia in die Wirklichkeit zurück. Ohne eine weitere Frage ergriff sie Eugen- Hand und bat Marie sie zu begleiten. In der Tat schleppte Eugen sich mit Mühe fort. Die Folgen der langen Anspannung zeigten sich. Kaum in dem freundlichen Wohnzimmer deS Prediger- angelangt, vom Lampenlicht und wohltuender Wärme umfangen, fiel er in eine tiefe Ohnmacht.
ES dauerte mehrere Tage, bis man ihn inS Elternhaus hinüberschaffen konnte. Dann aber raffte er sich aus. Er wollte genesen. Er wollte so rasch wie möglich dem Vater- lande wieder feine jugendliche Kraft zur Verfügung stellen.
Nach einigen Tagen verabschiedete sich Marie. Im Herren- Hause fand sie die Nachricht vor, von Ermentrud, daß sowohl Hilda wie Max in Buchwald angelangt seien. So ließ sich
blatt Nr. 47/06 und meine Verfügung vom 12. November 1908, I. 11245 a, KreiSblatt Nr. 135, hinzuweisen und spreche die bestimmte Erwartung auS, daß in Zukunft genau nach diesen Vorschriften verfahren wird. Die Formulare werden in der WaisenhauSbuchdruckerei in Cassel vorrätig gehalten.
I. 8985. Der Landrat,
Wessel, KreiSfekretär,
Gefundene Gegenstände:
Ein Regenschirm, Meldung deS Eigentümer- bei dem Bürgermeister in Wüstfeld.
nichtamtlicher teil.
Die neue Adrianopelsrage.
Der kecke Vorstoß, durch welchen fich die Türkei, die militärische Notlage BulgarienS auSnützend, vorläufig wieder in den Besitz der ihr seinerzeit durch die bulgarischen Waffen- erfolge entrissenen Provinz Thrazien und vor allem der wichtigen Stadt Adrianopel selbst gesetzt hat, läßt sich in seinem AuSgange und in seinen Folgen zunächst noch nicht bestimmt beurteilen. Vielfach ist die Meinung verbreitet, daß eS der Pforte bei dieser ihrer überraschenden Aktion nur aus einen „Bluff" gegenüber den Großmächten ankomme, um hierbei noch etwa- bessere Bedingungen für sich bei der endgültigen Regelung der Balkansragen herauSzupressen. Die Haltung der Pforte in der Frage einer Wiederräumung Adrianopel- erscheint inbeffen nicht geeignet, eine solche optimistische Auffassung zu bekräftigen. Ist doch soeben erst vom türkischen Minister deS Innern Talaat Bey namen- aller KabinettSmitglieder in seierlicher Form nochmals erklärt worden, daß die Tückei freiwillig niemals auf Adrianopel Verzicht leisten werde. In dieser seiner Erklärung betont Talaat Bey, daß die Pforte nicht daran denke, Adrianopel gegen irgendwelche politische oder finanzielle Zugeständnisse wieder preis- zugeben, vielmehr könne der Platz ihr nur um den Preis deS BluteS weggenommen werden, welcher die ganze tapfere türkische Armee bereit sei, für die Verteidigung Adrianopel- zu vergießen. In Uebereinstimmung hiermit missen Konstantinopeler Nachrichten zu melden, daß die Türkei eifrigst damit beschäftigt sei, die Werke von Adrianopel auSzubauen und zu einem kräftigen Widerstand gegen einen feindlichen Angriff fähig zu machen; ferner werde die türkische Besatzung von Adrianopel stetig verstärkt und große Mengen von Munition, Kriegsmaterial und Proviant würden daselbst ausgehäust. Wenn man schließlich die glühenden Aufforderungen in der jung- türkischen Treffe an den PatriotiSmuS deS OttomanenvolkeS in Betracht zieht, Adrianopel unter keiner Bedingung freiwillig
Marie von den Verwandten mit weiblicher Kleidung und Geld auSstatten und nahm Abschied.
„Wirst du wieder kämpsen?" fragte Lydia.
„Ich glaube wohl. Ich werde nicht ander- können. Ich kann nicht aus unserem Gute sitzen und die Hände in den Schoß legen. Ich muß Mitarbeiten. Ja, wenn ich Kinder hätte! Aber so treibt'S mich fort, und wenn Max geht, ziehe ich mit."
„Jeder muß seiner Eigenart folgen," jagte Lydia.
„Gewiß. Für deine Natur paßt nicht der Kampf auf dem Schlachtselde. UebrigenS gehört wohl mehr Mut und Kaltblütigkeit dazu, mit Geschick Flüchtlinge zu verbergen und zu befördern, wie du eS tust, und wie Ermentrud eS tut, alS im Gefecht zu stehen, wo einen der Strom unaufhaltsam sortreißt un) man den sausenden Kugelregen gar nicht mehr bemerkt. Man hat keinen Blick mehr für da-, waS recht- und link- geschieht. Nur ein einzige- Empfinden beherrscht den Kämpfenden: vorwärts, gleichviel ob durch Blut und über Leichen!"
Lydia- Hauptbeschäftigung in dieser Zeit war, zahlreichen flüchtigen Offizieren und Soldaten einen Unterschlupf im Pfarrhause zu verschaffen. Sobald Gefahr drohte, wurden sie weiterbrfördert. DaS geschah mit Hülfe von Bürgern auS Brandenburg. Eine ganze Reihe von tapferen Soldaten war aus diese Weise dem König erhalten worden und stand wieder unter den Waffen.
General von Hirschseld wußte um die- Geheimnis deS Pfarrhauses, wechselte aber kein Wort darüber mit seinen Bewohnern. AuS Vorsicht. Er wollte frei sein, einem Franzosen antworten zu können: ich kümmere mich nicht um daS, war da vorgeht. Auch seine Gemahlin hielt sich zurück. Aber Fräulein Luise von Hirschseld ließ sich nicht zurückhalten, Lydia in jeder Weise zu unterstützen, Geld, LebenSmittel, Kleidungsstücke wanderten Tag für Tag vom Herrenhaus in die Pfarre, von treuen Leuten beförbert. Nie war ein Verräter darunter.
General von Hirschseld war ties niedergeschlagen. Der Ingrimm zehrte an ihm darüber, daß schlechte Führung, Ungeschick und Schwäche dem preußischen Heere zum Verhängnis
wieder auszugeben, sondern eS bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, jo möchte man aus all' dem den Schluß ziehen, daß eS der Pforte wirklich ernst ist, mit dem ihr zugeschriebenen Entschlüsse, ihre Truppen auS Adrianopel und weiter auS Thrazien nicht wieder abzuberufen. Ob sie aus diesem schwer- wiegenden Entschlüsse bestehen bleiben wird, die- muß sich wohl schon in den nächsten Tagen zeigen. Denn vielleicht ist zur Stunde der signalisierte gemeinsame diplomatische Schritt der Großmächte am Goldenen Horn erfolgt, durch welchen die Pforte zur Wiederräumung Adrianopel- aufgefordert und zugleich auf die ernsten Folgen aufmerksam gemacht werden soll, die eine Ablehnung dieses Verlangens der Mächte für die Türkei nach sich ziehen müßte. Sollte die Pforte trotzdem auch dann noch halsstarrig bleiben, so wäre für die Mächte der Augenblick zum tatkräftigen Handeln gegen die Türkei gekommen, um diese zur Anerkennung der Londoner Friedenspräliminarien zu zwingen. Aber eS kann kaum einem Zweisel unterliegen, daß betreffs einer etwaigen bewaffneten Intervention bei der widerspenstigen Türkei noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten bei den Mächten bestehen, schon de-halb, weil hierbei immer wieder die europäischen Interessengegensätze auf der Balkanhalbinsel und betreffs Türkisch-kleinasienS ausflammen würden. ES stellt demnach die neue Adrianopelsrage ein schwierige- Problem dar, von dem man nur wünschen kann, daß seine Lösung doch noch aus diplomatischem Wege erfolgen möge, ohne neue blutige Auseinandersetzungen.
* *
Wie die „Agence Bulgare" mitteilt, hat der Kommandant der zweiten bulgarischen Armee telegraphiert:
Die griechische Armee, die im Strumatale operiert, weicht seit Sonnabend unaushörlich zurück, indem sie aus der Demarkationslinie nur stäche Truppenabteilungen zurückläßt und an manchen Orten sogar die Vorposten zurückzieht. Auf diese Weise bemühen sich die Griechen, aus dem Waffenstillstand Nutzen zu ziehen, um sich auS ihrer kritischen Lage zu befreien, welche, wenn die Operationen noch einen oder zwei Tage fortgesetzt worden wären, den Untergang deS Kern- der griechischen Armee, der dann vollständig umzingelt worden wäre, herbeigeführt hätte. Alle griechischen Truppen wenden sich jetzt dem Südeingange deS KreSnapasieS zu.
Aus In- und Ausland.
Ein Funkspruch von der Kaiserlichen Jacht „Hohen« z o l l e r n" meldet: Nach einigen kurzen Schwankungen gestern abend trat ruhige Fahrt ein, die bis zum Augenblick (11 Uhr vormittags) anhält. DaS Wetter ist klar und kühl. Die Herren der Nordlandreife, mit Ausnahme des Generals der Jnsanterie von Moltke, verlassen die „Hohenzollern" von Swinemünde aus morgen (Mittwoch), den 6. b. M., um 3 Uhr 20 Minuten nachmittags. Heute vormittag hörte ber Kaiser auf der Fahrt der Jacht „Hohenzollern" von Bergen nach Swinemünde die Vorträge deS Vertreters deS Auswärtigen
geworden waren. Wie ein Löwe in seinem Käfig, so verbrachte er seine Tage in ohnmächtigem Zorn und wartete aus die Stunde der Vergeltung.
„Daß diese Stunde kommen muß, ist klar," jagte er zu seinem Lohne. „Aber wann? Wie lange müssen wir die Schmach ertragen und sind dabei zur Untätigkeit verdammt? Fast lieber will ich noch einmal unterliegen, al- hier müßig sitzen." ,
Und nun kamen die HiobSposten, eine schlimmer als die andere. Stettin hatte kapituliert, obgleich die Stadt mit Proviant, Munition und Truppen genügend versehen war. Küstrin solgte. Mit Tränen deS Zornes laS der General die Einzelheiten dieser schimpflichen Kap tulation. Auch da hatte eS nicht an dem Notwendigsten gefehlt, um die Festung zu halten. Aber sobald die Franzosen drohten, die Stadt mit Bomben zu bewerfen, gab der Kommandant, Oberst von JngerSleben, nach und unterschrieb die Urkunde der Uebergabe.
„Selbst die einzig krästige Tat, die in biffer Zeit von Küstrin geleistet wurde, daß man die Oderbrücke in Brand steckte, mußte die Schande vermehren," höhnte General von Hirschseld. „Denn damit die französischen Herren in die über« gebene Festung hineinkönnen, müssen die Preußen ihnen fein höflich ihre Kähne hinüberschicken. O Feigheit, o Leid! Zu- sammenschießen sollte man diese Memmen."
„Denke erst an Magdeburg," sagte Lugen achselzuckend. „Schien daS nicht ein Bollwerk, an dessen Pscilern sich dir Macht deS FeindeS brechen müßte? Und doch übergeben nach dem ersten Kanonenschuß."
Eugen- Unwille über die Feigheit der preußischen Besatzungen steigerte sich von Tag zu Tag. Er konnte die Nachrichten nicht mehr anhören und hieß die Seinigen davon schweigen. Aber nach einer Stunde verlangte er alle- zu missen. * „ ,
Kaum fühlte er sich kräftiger, so kehrte sein alter Unternehmungsgeist zurück.
„Sobald die Wunde geheilt ist, breche ich aus," sagte er und seine Eltern wußten, daß sie ihn nicht halten durften.
Mit atemloser Spannung verfolgte die Familie H<rfchf«o die Verhandlungen zwischen dem Könige, der sich mit den