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wünschte gute Nachbarschaft sein. Sie würde die Türkei zu unablässigen militärischen Anstrengungen in Thrazien und, für solche Zwecke, zum Verbrauch von Mitteln zwingen, die das OSmanische Reich, mit mehr Nutzen für seine Zukunft, anderen Aufgaben zuwenden könnte. DieS ist die Ansicht ausrichtiger Freunde der Türkei, und sie deckt sich mit dem Urteil türkischer Patrioten, die über die gegenwärtigen Um­stände hinaus die innere Erstärkung ihres Vaterlandes inS Auge fassen.

Ein griechischer Bericht.

Berlin, 3. August. Die griechische Gesandtschaft teilt in folgendem ihr heute auS dem Hauptquartier in Liwunowo zugegangenen zusammenfassenden Bericht über die letzten Kämpfe bei Djumaja, Peschtowo usw. mit: Die Bulgaren zogen ihre Streitkräfte von den serbischen Grenzen ab und beorderten sie gegen unsere Front bei Djuma, gegen unseren linken Flügel bei Peschtowo, und dirigierten auch Truppen von Mahomria gegen unseren linken Flügel bei Predelhan. Die griechische Armee ergriff die Initiative zum Kampf. DaS griechische Zentrum griff am 26. Juli den Feind bei Simitli an und wars ihn gegen die Linie PapaS—Basi—TreSkovo zurück. Am 27. Juli griffen wir die Bulgaren aus dieser Linie von neuem an. Der Kampf war überaus blutig, da in diesem Augenblick die auS Küstendil geschickten bulgarischen Ver­stärkungen über Djumaja herankamen. Der Feind wurde völlig geschlagen und floh über Djumaja in der Richtung auf die alte bulgarische Grenze zu. Die Verluste der Bulgaren waren sehr bedeutend; ganze Bataillone wurden aus etwa 30 Mann reduziert. Die griechische Armee verfolgte die Fliehenden am 28. bis Djuma. Am 27. Juli fand ein feindlicher Angriff in der Richtung auf Peschtowo statt. Die Verstärkungen deS Feindes zogen durch daS Tal der Bregalnitza heran. Der linke Flügel der Griechen zog seine Streitkräfte von den vorgeschobenen Posten aus die Hauptstellung von Peschtowo zurück. Am 28. Juli griff der Feind diese Stellung energisch aber ohne Erfolg an und wiederholte diese Angriffe ohne Ersolg am 29. Juli. Am 28. und 29. Juli entsandte das griechische Zentrum beträchtliche Truppenmassen von KaraSmoi gegen Haffan Pascha und Lenka. Diese Truppen griffen die erwähnten Stellungen am 30. an und warfen den Feind über den Hausen. Am Abend deS 30. waren unsere Linien etwa 300—400 Meter von den Höhen von LeSka und Hassan Pascha entfernt. Am 31. marschierten sie nach Par.carevo vor und schnitten dadurch die Verbindung der bulgarischen Truppen vor Peschtowo ab. Die hier stehenden bulgarischen Truppen griffen am 30. Juli erneut die griechischen Stellungen bei Peschtowo an, erlitten surchtbare Verluste und mußten kämpsend den Rückzug antreten, verfolgt vom Feuer der griechischen Artillerie, AlS am Morgen deS 31. Juli der Waffenstillstand die Kämpfe unterbrach, war die Lage der bulgarischen Armee aus der Linie Punkt 1450 Peschtowo- Panoricc-Gonoya-LeSka außerordentlich kritisch, da sie durch die griechischen Streitkräfte bei Peschlow geschlagen war und andere griechische Etreitkräste LeSka und Hassan-Pascha angriffen. Paschtowv ist entgegen den bulgarischen Be­hauptungen in unseren Händen. Während dieser Zeit, und zwar am 29., hatte der Feind unS bei Mahonia, wo nur ein einziges Bataillon stand, angegriffen. Dieses Bataillon zog sich gegen Predcl Han zurück. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli griffen griechische Truppen, die von unserem rechten Flügel abgesandt waren, den Feind bei Kapatnik und Murova an, warfen ihn über den Hausen und verfolgten ihn gegen Mahomia. Die Verfolgung wurde am 31. bis Mittag fortgesetzt. In der Mittagstunde hißten die Bulgaren die weiße Fahne, die den Waffenstillstand anzeigte. Wir haben weder eine Kanone noch ein sonstiges Geschütz in diesen hier wahrheitsgemäß geschilderten, schweren, aber siegreichen Kämpfen verloren.

Ein serbischer Bericht.

Belgrad, 3. August. DaS Pressebureau tritt den von bulgarischer Seite verbreiteten Nachrichten über angebliche Grau­samkeiten der Serben entgegen indem eS meldet: ES muß hervorgehoben werden, daß die Bulgaren in ihren ver­leumderischen Berichten über angebliche serbische Grausamkeiten sich niemals aus wirkliche Tatsachen oder Untersuchungen und Berichte von Kommissionen berufen konnten, wie dieS von serbischer Seite geschehen ist. Die ebenso unwahren Nach­richten über serbische Offensivaktionen verfolgen offenbar den Zweck, angesichts deS abzujchließcndcn Friedens und während der Friedensverhandlungen Serbien als Störenfried und als diejenige Macht hinzustellen, die bestrebt ist, die FriedenS- Verhandlungen zu stören, während doch die Bulgaren als stets angreifender Teil alles tun, um noch im letzten Augenblicke

„Ich habe dein glänzendes Französisch bewundert," sagte Marie. Die kleine Szene hatte sie erfrischt.

„Ich spreche nie besseres Französisch, als wenn ich einen Gegner vor mir sehe," versetzte Eugen. ES ist eine Wohltat, sein Mütchen an einem Franzosen zu kühlen, selbst wenn er harmlos ist. So groß ist die Wut in mir."

„Wer energisch austritt, verschafft sich schnell Achtung. Du hast aber auch kein anderer Mittel zur Verfügung."

DaS Gehen wurde immer schwieriger. Sehnsüchtig zählten sie die Meilensteine bis Brandenburg.

Bei Döberitz mußten sie über den Fluß setzten. AlS sieden Fährmann eben herbeigerufen hatten, erschien eine französische Patrouille. Der berittene Offizier jagte heran und fragte, wohin die Herren wollten.

Eugen richtete sich hoch aus und nahm eine strenge Haltung an.

„Die Frage stände wohl eher mir zu, Monsieur," sagte er erhaben. „Eben habe ich mit Ihrem Vorgesetzten gesprochen, der Sie viel weiter südlich vermutet. Er wird Sie nicht freundlich begrüßen, wenn er Sie nicht findet, wo er er wünscht."

„Wer ist denn mein Vorgesetzter?" fragte der Offizier verdutzt.

»DaS fragen Sie mich?" rief Eugen heftig. „Wahr- hastig. Ihr Vorgesetzter hat recht, wenn er Sie mir gegen- über anklagte. AuS dem Grunde, weil er mit Ihnen unzu- neden ist, hat er wahrscheinlich mich beauftragt, Sie in seinem Namen aus einen anderen Posten zu schicken.

- 'S6™ ®ie En schriftlichen Befehl?" fragte der Franzose emgeschüchtert.

„Der mündliche genügt in KriegSzeiten," antwortete Eugen trocken. „Dieser Uebergang ist meiner Bewachung anvertraut."

Der Offizier zögerte noch.

Eugen richtete einen vernichtenden Blick auf ihn.

„Ich werde eine Strafe beantragen, Monsieur," sagte er hochmütig. „Einstweilen — bitte."

Er streckte befehlend den Arm aus, und — der Fran- »vse ging.

irgendwelche Erfolge zu erringen und damit den Beweis zu erbringen, daß die militärische Lage Bulgariens sich gebessert und daS KriegSglück sich gewendet habe. Daraus ist die bul­garische Meldung über den Durchbruch der serbischen Stellungen bei Egri Palanka zurückzusühren. Daß an allen diesen Berichten kein wahres Wort ist, erhellt aus der allgemein bekannten Lage am Kriegsschauplatz der ganzen Linie von Widin bis Kotschana und Zarewo Ejelo, die von den serbischen Truppen tapfer und mit Erfolg verteidigt wurde. Er wurden bei dieser Gelegenheit sogar beträchtliche Vorstöße gemacht und früher von den Bulgaren besetzte Punkte genommen. An der erst jüngst von Sofia verbreiteten Nachricht, daß die Serben im Bezirk Egri Palanka dreizehn Makedorumäncn oder Kutzo- walachen getötet und ihnen 6000 Schafe, 600 Ziegen und 300 Pferde weggenommen hätten, fällt, abgesehen von der Unwahrheit der Nachricht, die auf Grund jedenfalls erpreßter Aussagen zweier nach Sofia beförderten Schafhirten für die weite O^ffentlichkeit zugestutzt worden ist, schon auf den ersten Blick auf, daß man diesmal Kutzowalachen als Objekt des serbischen VandaliSmuS ausgesucht hat, jedenfalls in der Ab­sicht, zwischen Serben und Rumänen Zwietracht zu säen, weil die Kutzowalachen alS Stammesbrüder in Rumänien sich großer Sympathien erfreuen und in den von den Serben besetzten mazedonischen Gebieten einen bedeutenden Bruchteil der dortigen Bevölkerung auSmachen. Gerade die kutzowalachische Be­völkerung erfreut sich nicht nur in den neuen Gebieten, sondern auch innerhalb der alten Grenzen SerbienS bei Volk und Behörden größter Beliebtheit alS ein ruhiger, seiner Arbeit und seinem Verdienst nachgehender Volksstamm, dessen nationaler Haß sich bisher ausschließlich gegen die bulgarischen Bedrücker gewandt hat.

/I« > itiid ÄMtland.

AuS Bergen, 3. August, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser kehrte gestern nachmittag 4 Uhr vom Konsul Mohr zurück und blieb den Tag über an Bord. Heute vormittag findet Gottesdienst statt. DaS Wetter ist kalt und neblig. An Bord alles wohl.

Prinz Joachim von Preußen, der jüngste Sohn deS Kaisers, hat nach Abschluß eines dreisemestrigen Studiums an der Straßburger Universität Straßburg verlaffen, zunächst um sich nach Homburg v. d. H. zu begeben. Prinz Joachim, der in der Armee den Rang eines Oberleutnants bekleidet, wird nach mehrwöchigem Urlaub, den er größten Teils in England zubringen wird, am 1. Oktober d. I. wieder beim ersten Garderegiment z. F. in Potsdam eintreten, nachdem er vorher noch an den Kaiserparaden in Posen und BreSlau teilgenommen hat.

Die Militärluftschiffe „Z IV“ und „Z V" werden, wie auS Gotha geschrieben wird, in den nächsten Tagen ihre Standorte wechseln. „Z IV", daS feit dem 9. Mai im Luftjchiffhafen zu Gotha stationiert ist, wird diesen am 4. August verlassen und nach Königsberg fahren; die Gothaer Halle wird sofort nach ihrer Räumung vom „ZV", der augenblicklich in Frankfurt liegt, bezogen werden. Er bleibt hier bis zum 1. Oktober 1914 stationiert, weil bis da­hin die Gothaer Halle von der Militärverwaltung gepachtet wurde.

DaS 30. BundeSfest deS Deutschen Rad­fahrerb undeS, daS am Sonnabend Abend in der Jahr- Hunderthalle der BreSlauer Ausstellung durch einen Begrüßung-- abend eröffnet wurde, fand gestern durch einen wohlgelungenen Festzug von ungefähr iVs Stunden Dauer feine Fortsetzung. Der Nachmittag war sportlichen Veranstaltungen gewidmet. Am Abend fand ein Saal-Sportscst in der Jahrhunderthalle statt. Die nächste Tagung deS Deutschen RadfahrerbundeS findet im Jahre 1914 in Augsburg statt.

Die großen englischen Flottenmanöver find nach mehrtägiger Pause am Freitag wieder ausgenommen worden. Die bisherigen Flottenübungen hatten bekanntlich dazu geführt, daß die den Feind repräsentierende rote Flotte an mehreren Punkten der Südküste Englands Truppen zu landen vermochte, auch sonst konnte die rote Flotte Erfolge verzeichnen. Im weiteren Verlaufe der Flottenmanöver soll nun von neuen LandungSversuchen abgesehen werden, sie sollen vielmehr nur markiert werden. Im übrigen verursacht dieser „Krieg im Frieden" Albion immerhin nicht ganz un­beträchtliche Kosten; so betragen die während der ersten Manöverwochen verursachten Kosten allein an Kohlen- und Oelfeuerung über fünf Millionen Mk.

Rußland steht vor gewaltig en Aufgaben. Seine Pläne in der Mongolei, die durch die chinesische Revolution neuerdings Unterstützung erhalten haben, die Ziele,

„Jetzt schnell hinüber," gebot Eugen dem Fährmann.

Sie stießen ab.

„Der Kapitän wird schnell zurückkommen, wenn er hört, daß ich ihn getäuscht habe," sagte Eugen zu dem Fährmann, „Grüßen Sie ihn von mir, und zwei flüchtige Preußen dankten ihm für sein Entgegenkommen."

„Preußen sind Sie?" rief der Mann freudig. „Ich hatte so eine Ahnung, als ich Sie sprechen hörte."

Strahlend hingen seine Augen an den Flüchtigen.

Marie bot ihm Geld. Er wehrte empört ab.

„Von zwei flüchtigen Soldaten? Keinen Groschen. Gehen Sie mit Gott, und glückliche Reise!"

Endlich nach langen, mühseligen Tagen langten sie an den Ufern der Havel an.

Eugen standen Tränen der Zorn- in den Augen. So kam er zurück — zerlumpt, elend, sein Vaterland in Unehren, niedergedrückt von der Hand deS verhaßten Korsen, der auS seiner Siegerhöhe herab dem willenlosen Preußen seine demü­tigenden Bedingungen diktierte!

Aber gerade auS der Tiefe seines OhnmachtSgesühlS heraus strömten ihm neue Lebenskräfte zu. Eugen war fester denn je entschloffen, mit aller Kraft sich der Vernichtung deS Feindes zu widmen. Nur erst die Wunde auSheilen, und Lydia Wiedersehen; dann hinaus in den neuen Kampf!

Achtes Kapitel.

Lydia.

Im Pfarrgarten stand Lydia Pfeiffer wie täglich um diese Zeit und wartete auf die Post. Sie mußte doch endlich etwas bringen. Wie lange schon wartete sie vergebens auf ein Wort von Eugen! Seit der unglücklichen Schlacht bei Jena hatte er nicht geschrieben. Die letzte Nachricht von ihm brächte General von Hirschfeld, der nach der Kapitulation bei Prenzlau in tiefer Niedergeschlagenheit und schweigendem Ingrimm nach Brandenburg zurückgekehrt war. Er hatte Eugen in Magdeburg zuletzt gesehen.

Daß nur zwingende Umstände Eugen am Schreiben hinderten, darüber bestand bei Lydia kein Zweifel. Um so 1 mehr war sie in Sorge.

die er am Schwarzen Meere verfolgt, und in deren Mittel­punkt Konstantinopel steht, verlangen eine kräftige Hand. In Adrianopel und Thrazien befinden sich heute 300 900 Mann, und die oSmanische Regierung denkt gar nicht daran, die wiedereroberte Stadt zu verlaffen. Die armenische Frage ferner hat heute wieder mehr denn je Aussichten, aufgerollt zu werden und den Frieden zu bedrohen. Endlich ist Rußland der französischen Republik verpflichtet, und diese sorgt in hin- reichender Weise, daß Rußlands Armee auf der Höhe steht, um wirklich verläßliche Freundschaft zu bieten. In Pari- verfolgt man mit Aufmerksamkeit die russischen Rüstungen. Auch den diesjährigen großen Manövern in Finnland wohnt eine französische Militärmission bei. In der Hauptsache wird die russische Armee jetzt um drei Armeekorps vermehrt werden, dazu sind noch 1—2 Kavalleriedivisionen in Aussicht ge­nommen ; von diesen drei neuen Korps kommen voraussichtlich zwei an die deutsche Grenze, sodaß sich nunmehr die gegenüber den preußischen Provinzen vereinigten Streitkräfte' auf 11 Armeekorps belaufen werden. Von diesen Truppen soll jebeS Infanterieregiment mit acht Maschinengewehren auSgestattet werden. Die Regimenter an der Grenze haben einen erhöhten Stand, für die übrigen Truppenteile müssen, um sie marsch­bereit zu machen, starke Reserven herangezogen werden. Da aber die Bahnverbindungen teilweise noch sehr zu wünschen übrig lassen, geht man jetzt auch daran, das strategische Eisen- bahnnetz auSzugestalten und durch Verlegung der Garnisonen dem Grundsatz der Mobilisierung nach vorwärts in erhöhtem Grade Rechnung zu tragen. Beachtenswert ist der Eifer, den man dem Ausbau einer Luftflotte widmet. Sie soll in großem Maßstabe vermehrt werden. Auch erhält in nächster Zeit jedes ArmeekoipS seine Fliegerabteilung. Entspricht dieser Aufschwung im russischen Militärwesen und die von der Duma gewährten Mittel tatsächlich der inneren Kraft zur Durchsührung aller Pläne, so ist Rußland für seine Aus­gaben durchaus gerüstet.

In den Kämpfen zwischen den chinesischen RegierungStruppen und den Rebellen ist eine Pause eingetreten. Sie hängt wohl damit zusammen, daß Verhandlungen über eine Uebergabe der von den Rebellen besetzten WusungsortS im Gange find. Im allgemeinen geht eS mit der aufständischen Sache immer mehr rückwärts zumal, da auch Nanking, der Sitz der revolutionären Gegenregierung, wieder zur Regierung übergegangen ist. Die Hauptführer der Rebellen, HuangSing und Tschentschimei, sollen nach Japan geflüchtet sein. — AuS Schanghai wird denn auch gemeldet, daß die Kraft der Revolution gebrochen zu sein scheint. DieS wird dann durch eine Pekinger Meldung bestätigt, in welcher eS heißt, daß Nanking wieder loyal fei, daß sich die Rebellen zerstreuten und daß ihre Führer nach Kanton und Japan flüchteten. Demnach kann wohl der Versuch einer LoSreißung SüdchinaS von Nordchina als gescheitert betrachtet werden.

Ami Provinz n. vaebdargedlet.

* (Oeffentliche Märkte für den Ankauf von Militärdienstpferden.) Zum Ankaus warm­blütiger volljähriger Reit und Zugpferde für Truppendienst- zwecke sollen im Herbst 1913 im Regierungsbezirk Caffel die nachstehenden öffentlichen Märkte abgehalten werden. In Elm (Kreis Schlächtern) am 17. Oktober dS. JS., vormittags 8 Uhr; in Bebra (KreiS Rotenburg) am 18. Okt., vorm. 8 Uhr. Die Pferde sind nur im geringen Umfange für Kavallerie, in der Hauptsache für Feldartillerie und zum Teil auch für Maschinengewehr-Kompagnien bestimmt. ES werden nur Pferde angekauft im Alter von 5 bis zu 10 Jahren und in einer Größe von 1,52 bis 1,66 Meter Stockmast, ohne Eifcn gemessen. Bei Ankauf der Pferde werden die Anforderungen zu Grunde gelegt, die für Remonteankauf maßgebend sind. Zugpferde für Majchinengewehrkompagnicn müssen in Sielen gehen, sind paarweise mit 1000 Klgr. Last im tiefen Boden vom Bock vorzufahren und dürfen keine Schimmel sein.

* Der militärische Ern t eurlaub wird in diesem Jahre so umsangreich wie nie zuvor gewährt. Der Mangel an Landarbeitern ist augenblicklich sehr groß. Da nun aus kriegSministerielle Anordnung hin so viel Mannschaften wie nur irgend möglich zur Leistung von Erntearbeit beurlaubt werden sollen, so ist eS keine Seltenheit, daß einzelne Truppen­teile bis 300 Mann zur Erntearbeit beurlaubt haben. Der Ernte- urlaub einer Mannes dauert im allgemeinen zehn Tage, dann wird Ablösung entsandt. Nicht nur zur Kornernte werden militärische Ernteurlauber gestellt, sondern auf Antrag auch zum Einernten von Rüben usw., soweit eS der Dienst gestattet.

Schon eine Stunde wartete sie. Der Bliefbote konnte jetzt nicht mehr kommen. Zögernd wandte sie sich dem Hause zu.

Da ! — hinten, von der kleinen Gartenpforte her, bewegte sich da nicht etwa-, geräuschlos, schattenhaft? Zwei dunkle Gestalten lösten sich auS dem Dunkel der Hintergrundes und schlichen behende heran.

Lydia blieb lautlos stehen. Sie dachte nicht daran zu entfliehen, aber ihre Hand griff in die Falten ihres Kleides und umklammerte fest eine Pistole. So wartete sie.

Auf einmal ließen die Finger die kalte Waffe los. Ein Pfiff kam aus der Gegend, wo sie die Gestalten herangleiten sah. Ein Pfiff —! Jetzt zitterte Lydia. Sie kannte den Pfiff. Nur sie und noch einer kannten ihn, sonst niemand.

Noch einmal der Pfiff. War eS denn möglich? Schlaff, ohne sich zu rühren, stand das Mädchen da, als hätte alle Krast sie verlassen.

Da waren die Gestalten bei ihr.

„Lpia!"

Zwei Hände schloffen sich um die ihrigen, zwei Augen suchten ihr Gesicht.

Und dann noch einmal mit unterdrückter Stimme: „Mein Kamerad!"

Da löste sich die Spannung. Ein langes, trockener Aufschluchzen befreite den beengten Atem und erleichterte die Brust.

„Du bist da, du bist da," murmelte sie. Sie legte den Kops an seine Schulter. Da war Ruhe nach dem angst­vollen Sehnen und Warten.

Aus einmal hob sie den Kopf. Ein beängstigender Ge­danke kam ihr.

„Warum bist du hier, Eugen? Bist du krank? Ein Eugen Hirschseld weicht nicht von seinem Posten vor dem Feinde, solange er fechten kann."

(Fortsetzung folgt.)