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Hersselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlub Nr. 8
Nr. 90. lErstes Statt] Sonnabend, den 2. August 1913.
Amtlicher teil.
Nach amtlichen Nachlichten ist sowohl unter den bulgarischen als auch unter den griechischen Truppen in der Gegend von Saloniki die Cholera auSgebrochen. Zeitungsnachrichten melden das Auftreten der Cholera auch in anderen Teilen der Balkanhalbinsel.
Die Polizeibehörden des Bezirks werden deshalb angewiesen, die aus den Balkanländern einschließlich Rumänien zureisenden Personen bis auf weiteres gemäß § 8 der Anweisung deS BundeSratS zur Bekämpfung der Cholera vom 28. Januar 1904 einer Beobachtung zu unterwerfen.
Castel, am 23. Juli 1913.
Der RegierungS-Präsident. gez.: Graf von Bernstorfj. * *
Herrfeld, den 29. Juli 1913.
Vorstehendes teile ich den Ort-polizeibehörden zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.
I. 8744. Der Landrat.
I. «.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Jagdverordnung.
Für den Umfang des Regierungsbezirks Castel wird für daS Jahr 1913 aus Grund der §§ 39 und 40 der Jagd- ordnung vom 15. Juli 1907 die
Eröffnung der Jagd auf Rebhühner auf Montag, den 25. August
festgesetzt. (I. B, A. Nr. 1400 a/13.)
Castel, den 18. Juli 1913.
(8. S.)
Der Bezirksausschuß zu Castel. gez.: Graf v. B e r n st o r s f. * *
HerSfeld, den 29. Juli 1913.
Wird veröffentlicht!
I. 8878. Der Landrat.
I. «.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Einstellung von Freiwilligen bei der Kaiserlichen Marine.
Die 2. Abteilung II. Torpedodivision in Wil- Helmshaven stellt am 1. April und 1. Oktober eines jeden Jahres 4jährig-Freiwillige als Torpedomaschinistenanwärter ein und zwar:
Maschinisten und Maschinistenastistenten von Dampfern und im Betrieb befindlichen Dampfmaschinen, sowie junge Leute, die eine 3jährige Lehr- oder Arbeitszeit als Maschinenbauer, Schlosser, Kupserschmied, Elektrotechniker, Mechaniker, Klempner, Kesselschmied oder in ähnlichen Handwerken nachweisen. Von dieser Zeit darf ein Jahr alS Maschinist oder Gehilfe zugebracht sein.
Bewerber wollen sich umgehend unter Vorlegen einer vom Zivilvorfitzendrn der Ersatzkommission deS AuShebungSbezirkS ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Dienst auf 4 Jahre lautend, eines felbstverfaßten und selbstgeschriebenen LebenSlauseS und sämtlicher Schul- und Arbeit-zeugnisse evtl. SeesohrtSpapiere an das oben genannte Kommando wenden.
Zur Erlangung deS Meldeschein- sind dem Zivilvorfitzenden der Geburtsschein, die väterliche Einwilligung für eine 4jährige Dienstzeit und ein polizeiliche- Führungszeugnis vorzulegen.
Bemerkung: Die Aufnahmeprüfung zum Maschinistenanwärter umfaßt:
1) Im Deutschen: Einige Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Wiedergeben der Gedanken.
2) Im Rechnen: Die Grundrechnungsarten mit gewöhnlichen und Dezimalbrüchen.
3) Im Zeichnen: Einige Kenntnisse im Unfertigen von Skizzen einfacher Maschinenteile.
DaS 4. Dienstjahr gilt alS Kapitulation-jahr und ist bestimmungsgemäß für den Besuch einer 6 monatigen unentgeltlichen Majchinistenmaaten-Schule (Unteroffizierschule). Die mit Erfolg abgelegte Prüfung und die erwiesene Brauchbarkeit zum Torpedo-Maschinistenmaat berechtigt zum Besitz deS GeedampsschiffSmaschinistcn-PatcnteS III. Klasse.
ES wird noch darauf hingewiesen, daß auch solche junge Handwerker eingestellt werden können, die ihre Lehrzeit erst zum oben genannten EinstellungStermin beenden und dann mindestens 17 Jahre alt find. Prospekte werden auf Wunsch kostenlos zugesandt.
* *
HerSfeld, den 28. Juli 1913.
Ich ersuche die Herrn Bürgermeister deS Kreises die vorstehenden Bedingungen etwaigen Interessenten mitzuteilen.
I. M. Nr. 1794. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 31. Juli 1913.
AuS Anlaß deS Bauer der Grubenanjchlußbahn der Gewerkschaften Herfa-Neurode wird der Landweg WölserShausen- Heringen infolge der Tieserlegung der Wegestrecke für den öffentlichen Verkehr auf die Dauer von 2 Wochen bis ein- schließlich 16. August gesperrt. Der Verkehr von WölserS-
Hausen auS hat über LengerS nach Heringen zu erfolgen. Die Ortseingesessenen von Bengendorf müssen für diese Zeit den Planweg entlang der Ringosenziegelei und der Wegeverlegung deS WegeS 17 durch die Grubenbahnverwaltung nach WölserShausen benutzen.
I. 8959. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil Politische? Wochenbericht.
Der WerstarbeiterauS st and bietet in mehr als einer Hinsicht Anlaß, sich etwas näher mit ihm zu beschäftigen. Abgesehen von der Tatsache, daß die Streikenden von den VeibandSleitungen säst allenthalben zunächst im Stich gelassen worden sind, ist organisatorisch bemerkenswert, daß bei dieser Gelegenheit zum ersten Male die Streikenden auf die in der Sozialdemokratie sonst so viel gerühmte Solidarität mit dürren Worten verzichteten. Ander- läßt sich nämlich die Eiklärung der Stettiner Organisation-leitung nicht auffassen, wenn sie ib en Ausständigen im Gegensatz zu den Hamburger Genossen korrekte- Vorgehen attestiert und daher die UnterstützungS- gelder sichern will, die den Hamburgern versagt bleiben. Ferner aber hat der Streik mit aller Deutlichkeit offenbart, daß die Fabel von der guten Disziplinierung der Sozialdemokraten eben nur eine Fabel ist. Im Gegenteil hat die OrganisationSleitung, wie der allen unerwartete AuSbruch deS Streiks in Hamburg gezeigt hat, die Arbeitermassen ganz und gar nicht in der Hand. Ja, nicht einmal auf ausdrückliche Aufforderung hin waren die Ausständigen zu bewegen, den Weisungen der Verbandsleitung Folge zu leisten. Freilich, von ihrem Standpunkt auS mit Recht: denn noch der oorc.ngegangcnen planmäßigen Aufreizung und Verhetzung war für die Arbeiter der Ausstand einfach eine notwendige Schlußfolgerung. Gerade bei dieser Disziplinlosigkeit der Massen ist aber die Verantwortung der OrganisationSleitungen um so schwerer, und schon daS Werben neuer Mitglieder für sozialdemokratische Organisationen ist fortan alS ein unverantwortlicher Frevel zu bezeichnen, für den keine Form der Mißbilligung mehr scharf genug ist.
DieFriedenSverhandlungenaufdemBalkan haben mit dem Kongreß von Bukarest nunmehr ihren Ansang genommen. Wie und wann sie endigen werden, läßt sich nicht im geringsten vorausbestimmen, da die politische Lage auf dem Balkan außerordentlich verwickelt ist, und vorläufig in fast allen Hauptfragen bei allen Beteiligten (und dazu rechnen sehr stark die Großmächte) vollkommene Meinungsverschiedenheit herrscht. Sicher scheint nur zu sein, daß Bulgarien, wenn eS auch manchen Gebietsverlust erleiden wird, im Interesse deS politischen Gleichgewichts auf dem Balkan als immerhin starker Staat nach dem Willen der Großmächte erhalten bleiben soll. Erschwert werden die Verhandlungen beträchtlich durch daS Verhalten der Türkei, die trotz aller Abmahnungen Europas fast bis in daS Herz Bulgariens vorgerückt ist. Erleichtern soll den Frieden-abschluß ein vorläufiger Waffenstillstand, der auf Wunsch Bulgarien- bewilligt worden ist.
Der LandeSbankrottBöhmenSin finanzieller wie politischer Beziehung hat seinen offiziellen Ausdruck darin gefunden, daß der Kaiser von Oesterreich nach Vortrag deS Oberstlandmarschalls von Böhmen, deS Prinzen Lobkowitz, die Selbstverwaltung deS Landes vorläufig aufgehoben hat. Um die LandeSfinanzen wieder auf die Höhe zu bringen, wird nunmehr eine VerwaltungSkommiffion aus Staatsbeamten zunächst zur Erhebung einer LandeSumloge und zur Ein- sührung einer LandeSbierauflage von vier Kronen auf daS Hektoliter ermächtigt. Der LandeSauSschuß löst sich auf; seine konservativen Mitglieder haben ihre MandatSniederlegung bereit- erklärt.
Die Revolution in China ist von der tatkräftigen Regierung Juanschikais bereits so weit glücklich bekämpft, daß man mit berechtigter Zuversicht die völlige Unterdrückung deS AusstandeS in Bälde erwarten darf. Wiederholt sind die Truppen der Pekinger Zentralregierung gegen die Rebellen siegreich vorgedrungen, woran öfters die regierungstreu gebliebene Flotte ehrenvollen Anteil hatte. Die zeitweise durch die Aufständischen gefährdeten Fremdenniederlaffungen in Schanghai wurden durch gelandete Marine- und FreiwilligenkorpS rechtzeitig und hinreichend geschützt, so daß hoffentlich an daS Ende der Wirren sich keine europäische Intervention wird anschließen brauchen.
WaffenktWand auf dem Balkan.
In Bukarest ist am Mittwoch die Friedenskonferenz der Delegierten Rumänien-, SerbirnS, Griechenland-, Montenegro- und Bulgarien- unter dem Vorsitz deS rumänischen Ministerpräsidenten MajoreScu zujammengetreten. Die Konferenz- verhandlungen begannen verheißungsvoll, denn an diesem ersten Konferenztage wurde eine fünftägige Waffenruhe zwischen den kriegführenden Parteien vereinbart, sodaß mit einem endlichen Aufhören der Feindseligkeiten zwischen den Serben und Griechen einerseits, den Bulgaren andererseits gerechnet werden I darf, welche Feindseligkeiten noch bis in die letzten Tage hinein I
sougedauert haben. König Carol empfing im Lause de- Mittwoch den griechischen Ministerpräsidenten VenizeloS sowie den türkischen Gesandten in Bukarest. Letzterer überreichte in der Audienz die Antwort deS Sultan- aus daS ihm zugegangene Telegramm König CarolS. Der Sultan weist in seiner Antwort darauf hin, daß der Besitz Adrianopel- für die Türkei zum Schutze Konstantinopels und der Dardanellen unerläßlich sei. Im übrigen harrt die Adrianopelsrage noch immer ihrer Lösung. TürkischerseitS wird fortgesetzt' erklärt, man denke nicht daran, Adrianopel und Thrazien freiwillig wieder zu räumen. Der in Adrianopel eingetroffene und von der dortigen mufelmännischen Bevölkerung begeistert empfangene türkische Thronfolger betonte in einer dem Adrianopel» Sonderberichterstatter deS Pariser „Matin" gewährten Audienz, Adrianopel fei für die Türken heute heiliger denn je, seine Rückeroberung bedeute für die Türken die Hoffnung auf ihre nationale Wiedergeburt. Gegenüber dieser Stimmung würde vermutlich ein bloßer diplomatischer oder selbst auch finanzieller Druck der Mächte aus die Pforte schwerlich genügen, sie zum Wiederverzicht auf Adrianopel zu bestimmen, darüber jedoch, ob Gewaltmittel gegen die Pforte angewendet werden sollen, um sie zur definitiven Ausgabe Adrianopel- zu zwingen, und welcher Art diese Gewaltmittel zu sein hätten, herrscht offenbar noch keine Uebereinstimmung unter den Großmächten. Wie er heißt, sollen direkte Verhandlungen zwischen den Kabinetten der Großmächte unmittelbar nach dem Abschlüsse der Londoner Botschafter-Konferenz einsetzen. Die Verhandlungen dieser Konserenz dürsten zurstunde beendet sein, nachdem sie alS letzte Arbeit zuvor noch eine Reihe Beschlüsse betreffs der Lösung der albanischen Frage gefaßt hatte.
Aus Z» «xS Ausland.
Berlin, den 31. Juli.
In VangSnaeS ist heute, wie schon angekündigt, in Gegenwart deS Kaisers und deS KönigS Haakon von Norwegen die seierliche Enthüllung der vom Kaiser den Norwegern gestifteten Frithjofstatue vollzogen worden unter Teilnahme auch der Gäste deS Kaiser-, der Spitzen der norwegischen Zivil- und Militärbehörden und einer sehr zahlreichen Volks- und Touristenmenge. Der Geschützdonner der deutschen und der norwegischen Kriegsschiffe begrüßte den festlichen Akt. Die WidmungSrede deS Kmser- lautete: Euere Majestät I Um Ruhe und Erholung von schwerer, verantwortung-reicher Arbeit zu finden, wandte ich mein Schiff nach Norden. Mit echter, altgermanischer Gastlichkeit nahm mich daS norwegische Volk auf, so daß meine Reisen ihren Zweck vollkommen erfüllen konnten. ES drängte mich, meiner warmen Dankbarkeit dafür ein sichtbare- Zeichen zu verleihen. DaS fand ich in dem herrlichen Sagenkreis deS Nordens; zwei Gestalten taugten mir besonders gut dafür: der Beherrscher von Balestrand, König Bele, JngeborgS Vater, und Fridtjof, der tapfere, seebejahrene Held. Beide stehen nun vollendet. Bele, von deS Grafen Goerz kundiger Hand geformt, thront auf seinem Grabhügel, Fridtjof, ein Meisterwerk deS Professor- Unger, ragt auf Vang-nae- empor, über dem Grab seiner angebeteten Jngeborg und dem seinigen. Norweger türmten die Felsen zu mächtigem Unterbau, wie auch norwegischer Gärtneikunst der Blumenschmuck entstammt, während deutsche Matrosen meine- Schiffe- „WittelSbach" gemeinsam mit GladenbeckS kundigen Monteuren daS Standbild fügten. Aber nicht nur ein Zeichen meine- DankeS an Norwegen allein soll dieser ragende Recke sein! Nein, eine größere, allgemeinere Bedeutung kommt ihm zu. Er soll ein Wahrzeichen für Skandinavier, Deutsche, Angelsachsen und alle diejenigen Stämme sein, die mit Stolz sich zu der gewaltigen Gruppe der indogermanischen Völker zählen! Wie er so da- steht, schwertfroh und schwertgewohnt auf die vornehmste und Lieblingswaffe der Germanen, aus sein gute- Schwert „Angurwadel" gestützt, „daS stets BöjeS schlug, litt Unrecht nie." In männlicher Zuversicht und unerschrockenem Selbstgefühl, so soll er alle Jndogermanen daran erinnern, daß fie eines Stammes, eines BluteS sind, daß ihnen durch Gottes Gnade vergönnt gewesen ist, in der Vergangenheit Große- für die Entwicklung der Welt und ihrer Kultur zu leisten, und daß sie treu und fest zusammenhalten sollen, um auch in Zukunft die großen Ausgaben, die Gott ihnen stellen wird, zum Segen der ganzen Menschheit gemeinsam zu lösen. Da- will ich, daß Fridjof allen sagt, die ihn betrachten werden. DaS walte Gott! Geruhen Euere Majestät nunmehr diese- Denkmal, da- Zeichen meine- kaiserlichen DankeS an Norwegen, in Gnaden übernehmen zu wollen! Achtung, präsentiert 1 Drei Hurra für Seine Majestät den König Haakon VIL Nach der Rede deS Kaiser- spielte die Musikkapelle der „Hohen- zollern" daS norwegische Nationallied, daS von allen mit entblößten Häuptern angehört wurde, während die deutschen Kriegsschiffe, die unten auf dem Sognesjord vor Anker lagen, Salut gaben. König Haakon startete bei der Enthüllung an Kaiser Wilhelm seinen Dank ab.
Ein Dementi falscher Pressegerüchte ver- breitet die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung," '»dem st« schreibt: „vor^rinigen Tagen hat der „Messm" die Nachruht