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herrselder Ureieblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 89. Donnerstag, den 31. Juli 1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld. den 24. Juli 1913.

Der KreiSauSschuß hält gemäß § 5 der Regulativs zur Ordnung deS Geschäftsganges und deS Verfahrens bei den KreiSauSschüffen vom 28. Februar 1884 während der Zeit vom 21. Juli bis zum 1. September d. IS. Ferien.

Während dieser Zeit dürfen Termine zur mündlichen Ver­handlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abge. halten werden.

Auf den Laus der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 5492. von GruneliuS.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 7. Januar 1913, Amtsblatt Nr. 4, wird hierdurch erneut bekannt ge­macht, daß der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe deS HufbeschlaggewerbeS hier- selbst am Sonnabend, den 6. September d. JS., vormittag- 9 Uhr, in der Lehrschmiede, Wörthstraße 5, abgehalten werden wird.

Caffel, den 7. Juli 1913.

Der Vorsitzende der Prüfungskommission: gez.: O e l l e r i ch, Regierung-- und Veterinärrat, Querallee 47.

* *

HerSfeld, den 14. Juli 1913.

Wird veröffentlicht.

I. 8278. Der Landrat.

3. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

HerSfeld, den 25. Juli 1913.

An die Schulvorstände deS Kreises.

Mit der Einreichung der Schul rechnung für das Rechnungsjahr 1912 zur Prüfung ist noch eine Anzahl Schul- verbände im Rückstände.

Ich bringe daher meine Verfügung vom 26. März 1909 I. 3229 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 37 von 1909 in Erinnerung und erwarte, daß die in Betracht kommenden Herren VerbandSvorsteher bezw. Bürgermeister und Gemeinde- ältesten deS Kreises die Rechnung nunmehr bis zum 10. August d. I S. mir vorlegen.

I. 7917. Der Landrat.

3. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

HerSfeld, den 27. Juli 1913.

Der Verband der deutschen gemeinnützigen und unpar- teiischen RechtSauSkunftstellen hat eine Zentralstelle zur Be­kämpfung der Schwindelfirmen errichtet. Die Wirksamkeit der

Zentralstelle berührt sich mit den Aufgaben der Polizeibehörden. Die Zentralstelle ist daher auf Grund deS von ihr gesammelten Material- in der Lage, den Polizeibehörden wertvolle Aus­künfte zu erteilen. Umgekehrt ist die Zentralstelle zur wirksamen Erfüllung ihrer Ausgaben aus die Unterstützung der Polizeibehörden durch Erteilung von Auskünften angewiesen. Der gegenseitige Austausch der gesammelten Erfahrungen liegt also im beiderseitigen Interesse.

Ich empfehle in geeigneten Fällen die Hülse der Zentral­stelle in Anspruch zu nehmen und ersuche auch der Zentralstelle die von ihr gewünschten Auskünfte zu erteilen, soweit nicht einer Mitteilung der zur Kenntnis der Polizeibehörden gekommenen Tatsachen im Einzelsall Bedenken entgegenstehen. Die Auskunfterteilung erfolgt gebührenfrei.

I. 8420. Der Landrat

von GruneliuS.

Gefundene Gegenstände:

Ein Mantel. Meldung deS Eigentümers bei dem OrtS- vorstand in Sorga.

nichtamtlicher Cen.

Zu Bismarüs Todestage.

(30. Juli.)

Fünfzehn Jahre sind feit dem Tage verflossen, da der Schöpfer und erste Kanzler deS neuen deutschen Reiches von unS ging, fünfzehn Jahre, seit man ihm im Mausoleum deS SachsenwaldeS von FriedrichSruh zum letzten Schlummer die Stätte bereitete. Damals am 3Q Juli 1898 ging ein Auf- zucken deS Schmerzes und der Trauer durch alle deutschen Lande; denn in BiSmarck verkörperte sich jedem guten Deutschen nicht nur der Gedanke der wiedergewonnenen deutschen Einheit, sondern dieser echtdeutfche Recke galt unS allen auch als der Hüter und Wahrer deutscher Ehre und deS wiedererwachten Bewußtseins deutscher Kraft, und eS waren viele, die damals bange und mit Sorgen in die Zukunft schauten, in der uns der Rat und die Mitarbeit besten fehlen sollte, der so viel für Deutschland getan hatte.

Wenn wir heute Bi-marckS gedenken, so geschieht da­mit einer Trauer, die gemildert ist durch den Laus der Zeit. Gewiß ist daS Andenken an ihn und daS Bewußtsein destcn, waS er schuf, auch heute noch in unS so kräftig wie je und wird eS bleiben, solange er ein Deutschland und Deutsche gibt; und die Grabstätte in FriedrichSruh wird ein Wallfahrts­ort der Deutschen sein, an der sie bis in die fernsten Zeiten der Erinnerung'deS größten und deutschesten aller Deutschen leben werden. Aber wir sollen und dürfen nicht dabei stehen bleiben, nur dem Gedächtnis selbst eine- Großen wie BiSmarck- zu leben. Die neuen Zeiten stellen unS neue Aufgaben, und

eS würde sicher nicht im Sinne BiSmarck- gehandelt sein, wollte man über dem Rückwärt-blicken daS VorwärtSschauen vergessen. Jene große Zeit muß unS zugleich eine Lehre sein, und waS wir auS ihr lernen können und lernen sollen, ist daS Bewußtsein der Krast, da-, an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit zur Geltung gebracht, immer zum Ziele führen muß, ist ferner daS Gesühl, dessen Fehlen gerade unser Volk Jahrhunderte gehindert hat, die Rolle zu spielen, die ihm gebührt. Nicht jede Zeit kann Taten schaffen, wie sie die Zeit BiSmarck- geschaffen hat, aber wir können weiterbauen auf den Grund­mauern, die unS jene Zeit hinterließ, und wir können da- tun mit dem stolzen Geiste, der sie beseelte. Wenn wir daS tun, dienen wir am besten dem Andenken BiSmarck-.

Aus dem marmornen Sarkophage, der die sterbliche Hülle deS Unvergeßlichen birgt, rhen als einzige Inschrift die Worte: Ein treuer Diener seiner Herrn." Mit vollem RechtI Denn Otto von BiSmarck hat, wie Kaiser Wilhelm l. selbst, seine ganze Lebensarbeit alS einen Dienst für die Einigung und Festigung unser- Vaterlandes ausgesaßt. DaS möge unS mahnen, daß auch wir festhalten an der treuen, arbeitsamen Pflicht­erfüllung im Dienste deS Vaterlandes und an der Liebe zum Vaterlande. Und daS können wir alle, ein jeder in feinem Kreise, in den ihn Gott gestellt hat, mit treuer Pflichterfüllung im Beruf, mit selbstloser Hingabe und Ausopferung im Amt, vor allem im begeisterten Kampfe gegen alle- Undeutsche und Schlechte, gegen alle Volk-verführer und VolkSverderber, gegen alle, die den herrlichen Bau unsere- durch BiSmarck geeinten, teuren Vaterlandes zu unterwühlen und zu zertrümmern trachten. Wenn wir so recht biSmarckisch und darum echt deutjch fühlen und empfinden, dann stehen wir auch unseren Mannallezeit treu bereit für deS Reiches Herrlichkeit", dann kann uns nimmer schrecken weder der äußere noch der innere Feind.

Das LaMifsahttsMommen zwischen Deutschland und Frankreich

wird jetzt in seinem Wortlaut von derNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht. Die wichtigsten Bestimmungen sind danach die folgenden: AuS Teutschland kommende Luftfahrzeuge, die der Militärverwaltung gehören, dürfen nur auf Einladung der französischen Regierung französischer Gebiet überfliegen, oder dort landen. Doch wird diesen Luftfahrzeugen im Falle der Not der Aufenthalt auf französischem Gebiet nicht untersagt werden. Sollte ein Luftfahrzeug über französisches Gebiet verschlagen werden, so hat eS daS Notsignal zu geben und sobald alS möglich zu landen. Unmittelbar nach der Landung hat der Führer die nächste französische Zivil- oder Militär­behörde zu benachrichtigen. Die mit der Angelegenheit befaßte Behörde hat die nötigen UebcrwachungSmaßnahmen zu veran- lassen, um jede Veränderung oder Vernichtung der Gegenstände oder Urkunden zu verhindern, die sich an Bord befinden, oder

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. T r o m m e r S h a u f e n.

(Fortsetzung.)

Die Tore, bis auf das Stettiner Tor, waren geschloffen. Dahin marschierten die hereingeströmten Truppen und schloffen sich denen an, die sich unten dem Grasen Schwerin schon an der Straße nach Pasewalk aufgestellt hatten.

Der Feind fuhr fort, die Stadt zu beschießen. Da kam Massenbach in der Begleitung eines Parlamentärs zurück, und der Kanonade wurde Stillstand geboten.

Maffenbach besand sich in surchtbarer Erregung.

Wir sind völlig vom Feinde umzingelt," berichtete er dem Fürsten und dem aufhorchenden Stäbe.Kein Gedanke an Rettung. Die einzige Möglichkeit ist Kapitulation."

Nein!" schrie Hirschfeld grimmig auf.

Maffenbach blinzelte unruhig zu ihm hinüber.

Wissen Sie etwas Besseres, General?"

Ja wohl, Herr Quartiermeister. Wir find eine Armee von mehr als zehntausend Mann. Wir find wohl imstande, die Festung zu verteidigen und den Feind zu wersen."

Der Feind ist hunderttausend Mann stark, General," versetzte Maffenbach hartnäckig.Er kann mit unS machen, was er will. ES sind genug Opfer gefallen. DaS Nieder- metzeln von noch mehr Truppen kann den Staat nicht retten, vielmehr wollen wir ihm den Rest zu erhalten suchen. Wir sind außerdem bereits von der Stettiner Straße abgeschnitten."

Hirschfeld unterdrückte einen Fluch.

WaS gedenken Euer Durchlaucht zu tun?" fragte er laut.

Hohenlohe sah verzweifelt um sich. Er wußte nicht, was antworten.

In diesem Augenblicke völligster Ratlosigkeit erschien Murat selber und bat um eine Unterredung mit dem Fürsten.

Beide Herren hielten sich etwa- abseits; aber dennoch verstand Hirschseld deutlich, daß Murat mehrma» auf Ehren­

Wort versicherte, Prenzlau fei von hunderttausend Mann ein- geschlossen.

WaS soll ich tun? dachte Hohenlohe ratlos.

Er versammelte seine Offiziere um sich und legte ihnen die Frage der Kapitulation vor.

Die Franzosen lügen," sagte Hirschseld mit unterdrückter Stimme.Sie haben nicht die Hälfte der Truppen hier, von denen sie reden."

Aber General, der Quartiermeister selber hat gesehen, waS sür eine starke feindliche Macht dasteht," antwortete Hohen­lohe.Trotzdem will ich mich gern bescheiden, wenn einer unter den Herren noch ein Mittel weiß, daS unS vor der Kapitulation retten kann."

Kampf!" rief Hirschfeld empört.

Ist noch jemand der Ansicht deS Generals Hirschseld?" Alle anderen schwiegen.

Wieder fragte der Fürst. Er blickte aus Mastenbach, auf Gilsa, aus jeden einzelnen. Allein, sie schwiegen alle. Sie hoben die Schultern und schwiegen.

Verächtlich wandte sich Hirschseld ab. Mit solchen Führern war jeder Kamps von vornherein verloren.

Meine Herren," begann Hohenlohe,meinem pe sönlichen Empfinden nach würde ich gern mit den Waffen in der Hand sterben, tausendmal lieber, alS eine ruhmreiche Laufbahn mit der Schande der Kapitulation abschließen. Aber eS scheint mir nicht edel, an mich und meinen Ruhm zu denken. Edler ist eS und selbstloser, daS Leben so vieler braver Leute dem Vaterland« zu erhalten. Da nun keine weiteren Einwendungen von Ihnen gemacht werden, so bitte ich die Herren, zu ihren Truppen zu reiten und ihnen die Bedingungen der Kapitulation mitzuteilen. Unsere Offiziere werden Degen, Pferde und Wagen behalten, der gemeine Mann den Tornister. Die Offiziere werden auf Ehrenwort, bi- zur Auswechslung nicht zu dienen, entlasten und können sich am rechten Oderufer be- geben, wohin sie wollen. Ebenso die Gefreiten, Korporale, Feldwebel und Wachtmeister."

Da- Drama bei Prenzlau vollendete sich. Die Offiziere tobten innerlich, aber fie gehorchten. Sie befahlen den Soldaten, die Gewehre zusammenzufrtzen.

Die wollten ihren Augen nicht trauen. Kapitulieren? Ohne vorher vernichtet, völlig kampfunfähig gemacht zu sein? DaS war doch unmöglich!

Eine wilde Wut bemächtigte sich ihrer. Statt, wie be­fohlen die Gewehre zusammenzusetzen, warfen sie sie von sich, rissen die Patronen auS den Taschen und streuten sie aus den Boden.

Die Offiziere versuchten, sie zur Disziplin zurückzusühren. Aber ganz vergeblich. Die Leute fluchten und schimpften und schlugen mit den Fäusten sich in- Gesicht. Viele warfen sich auf die Erde und weinten. . ,

Mit ingrimmiger Freude beobachtete Friedrich von Saher, der mit Wilhelmi zur Seite stand, die- Gebaren.

Ein Labfal sür den brennenden Zorn im Innern," stöhnte er.Ja, rast, flucht, haut um euch. Von mit werdet ihr fein Wort deS Tadel- hören. Mehr, mehr, nur mehr. Wollt ihr wohl schreien, ihr Leute? Wir kapitulieren, hört ihr eS ? Wir kapitulieren I Wir können nicht mehr kämpfen, nein, wir dürfen nicht mehr kämpfen, ho, ha, ha! Ist'- nicht zum Lachen? Zum Tollwerden? Zum Weinen?"

Nimm dich zusammen, Friedrich," sagte Georg finster. WaS nützt dein Toben?"

Mein Zorn ist grenzenlos, er muß sich Luft machen, Georg. ES sieht doch wenigsten- so auS, als würfe man die Schande ab, wenn man seinen Zorn rasen läßt, obgleich abwaschen läßt sich ja nicht-, nicht-, niemals. O, o, Georg, ich gäbe meine rechte Hand darum, wenn ich hätte mit Ehren fallen können. Heulen möchte ich und die Erde mit den Nägeln auskratzen, nur um irgendwo einen AuSweg zu schaffen für den Zorn."

Wilhelmi schüttelte den Kopf. Sein Blick ging in die Ferne.

Junge, waS find wir? Wir einzelne, kleine Menschen? Aber der König, die Reste der Armee, waS sagen die? Hat Prenzlau unter solchen Verhältnissen kapituliert, welche Festung wird sich dann noch halten? WaS nützen überhaupt Fest­ungen, wenn kein Heer mehr da ist? Aller Äugen waren mit höchster Spannung hierher gerichtet: wird jetzt ein «er­spiel von Mut und Aufopferung, von Vaterlandsliebe und