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herrsel-er Kreisblatt

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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8 i

Nr. 88. Dienstag, den 29. Juli 1913.

nichtamtlicher teil.

Friedensverhandlungen auf dem Balkan.

Berlin, 27. Juli. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in der Wochenrundschau: Wenn auch nicht alle Ungewißheit über die Entwicklung der Balkandinge ge­schwunden ist, so besteht doch kein wesentliches Hindernis mehr dagegen, daß noch im Laufe dieser Woche FriedenSverhand- lungen in Bukarest beginnen können. Ob vorher erst in Nisch militärpolitische Besprechungen über den Eintritt der Waffen­ruhe abzuhalten find, erscheint noch zweifelhast.

Inzwischen hat, trotz allseitiger Abmahnungen, die Türkei ihre Truppen über die bereits angenommene Vertrag-grenze Hinausrücken und Adrianopel und Mustapha Pascha besetzen lassen. Die Stellung der Mächte zu diesem Vorgehen ist in der Londoner Botschasterversammlung erörtert worden. ES herrscht Einmütigkeit darüber, daß die Mächte die neuesten Besitzveränderungen in Thrazien nicht anerkennen. Auch wenn Europa nicht sofort Gewalt gegen Gewalt sitzt, wird die Psorte im Widerspruch zu allen Großmächten die gegenwärtig von ihren Truppen gehaltenen Stellungen dauernd nicht be­haupten können. Ein weiteres Eindringen in die benachbarten, von Verteidigern zurzeit entblößten bulgarischen Gebiete würde die Aussichten der Türkei für die Erfüllung ihres Wunsche- nach günstigerer Abgrenzung in Europa nicht verbessern, sondern Schwierigkeiten nach sich ziehen, die darum nicht weniger groß find, weil sie nicht sogleich im vollen_Umjang hervortreten. Ohne in Verwicklungen untereinander zu geraten, werden die Mächte neue Hindernisse, die sich einem haltbaren Friedens­schluß auf dem Balkan entgegenstellen, gemeinsam zu beseitigen wissen.

Sosio, 27. Juli. DaS Blatt Echo de Bulgarie schreibt in einet Besprechung der Haltung Griechenlands in der Frage der WaffenstillstandSverhandlungen: Griechenland, daS wie schon im Kriege gegen die Türkei mit geringen Anstrengungen leichte Erfolge erlangte, macht wie bei Tschataldscha hinsichtlich der Einstellung der Feindseligkeiten Schwierigkeiten, um daS mit ihm verbündete Serbien, daS die Last deS KriegeS zu tragen hat, zu entkräften, und um ihm fo bei der Teilung der Eroberungen die größten Zugeständnisse abzunötigen. DaS Blatt will Nachrichten darüber haben, daß der Besitz von Ghewgeli bereit- Anlaß zu ernsten Streitigkeiten zwischen Serben und Griechen gegeben habe.

Konstantinopel, 27.Juli. In der Antwort, welche der Großwesir aus da- erste Telegramm deS bulgarischen Minister- des Aeußern erteilt hat, erklärt er. daß er die darin enthaltenen Ansichten über die beiden Staaten gemeinsame Notwendigkeit, normale und dauernde Beziehungen unter­einander herzustellen, teile. In voller Würdigung der Be­

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman au- der Zeit vor hundert Jahren von M. T r o m m e r - h a u s e n.

(Fortsetzung.)

Hohenlohe war wie «drückt von der Schwere der Ver­antwortung, zumal sein Vertrauen zu Massenbach gelitten hatte, feit deS QuartiermeisterS Rat sich vor Jena so schlecht be­währt hatte. Trotzdem besprach er sich mit ihm über die Lage deS Heeres.

Wenn der Feind vor Prenzlau steht, womöglich die Stadt schon genommen hat, wäre eS gewissenlos, meine Truppen dahin zu sühren," meinte er.

Wir sollten unS durch einen kühnen Handstreich den Ein­gang erzwingen," schlug Hauptmann von Blumenstein vor.

UndenkbarI" rief Maffenbach,völlig unmöglich mit unseren abgematteten Truppen l"

Undenkbar!" wiederholte auch der Fürst.Ich bin an­gewiesen, den Kampf zu vermeiden. Wissen Sie eine Straße, Die unS aus einem Umwege nach Prenzlau führt, damit wir die große Masse deS Feindes umgehen?" fragte er die Grenz- jäger, die die Nachricht von dem Gefechte bei WichmannSdorf gebracht hatten.

Er geht ein Weg über Schönermark, aber er ist schwierig," war die Antwort.

Wir schlagen ihn ein," bestimmte der Fürst.

Ja, der Weg war schwierig, Erst mußte ein Flüßchen durchwatet werden. Dann war ein Berg zu ersteigen, der auf der anderen Seite so steil abfiel, daß die Geschütze mit Stricken hinabgelassen werden mußten.

Viele Soldaten benutzten die Dunkelheit, um sich heimlich davonzumachen und in den umliegenden Dörsern ihren nagenden Hunger zu stillen. Andere blieben «schöpft liegen.

Endlich, nach unsäglichen Mühen, erreichten die ersten Schönermorck.

Es war Mitternacht. Stundenlang aber noch währt« bat Marschieren, bi- die letzten eingetroffen waren.

deutung dieser Notwendigkeit, heißt eS in der Antwort weiter, habe ich dem Delegierten der Königlichen Regierung erklärt, daß eS behufs künftiger Hintanhaltung jedes Streitpunktes und aller Mißverständnisse zwischen beiden Nachbarstaaten notwendig sei, unverzüglich die Grenzlinie, wie sie in unserer Mitteilung an die Mächte vom 19. d. MtS. festgestellt ist, anzunehmen. Infolgedessen hatte ich in Erwartung einer günstigen Antwort Ihren Delegierten gebeten, der Königlichen Regierung die Anschauungen und Absichten der Kaiserlichen Regierung bekannt zu geben. Da ich daraus keine Antwort erhielt und da unsere Truppen täglich Zeugen der Ver­wüstungen und Ausschreitungen jeglicher Art find, welche die versöhnlichen Dispositionen der Kaiserlichen Regierung illusorisch machen, stellte sich die sofortige Besetzung der Maritzalinie als notwendig heraus. Im übrigen muß die von uns gegenüber den Mächten übernommene Verpflichtung, die in unserem oben angeführten Schreiben bezeichnete Grenzlinie nicht zu über­schreiten, einen hinlänglichen Beweis der Absichten der Pforte und ihre- aufrichtigen Wunsches darstellen, zwischen beiden Staaten ein Einvernehmen aus dauernder Grundlage herzu« stellen. Ich hoffe, daß Ew. Exzellenz in Würdigung der Gefühle, welche unS leiten, Ihre Bemühungen mit den unsrigen vereinen werden, damit wir zu einer Lösung der unS gegen­wärtig drängenden Differenzen gelangen.

Rom, 26. Juli. In einer Besprechung der politischen Lage schreibt die Tribuna: Die Lage hat sich in den letzten Stunden in ziemlich befriedigender Weise aufgeklärt. Folgende neue Tatsachen liegen heute vor: Sehr wichtige Erklärungen des russischen Ministerpräsidenten Kokowtzow gegenüber dem Petersburger Korrespondenten der Tribuna. Diese Erklärungen versichern, daß die Schwarzmeerflotte keine Sonderkundgebung vor Konstantinopel unternehmen wird und daß Rußland keineswegs gesonnen sei, in Armenien einzurücken, ferner daß die russische Regierung an dem Gedanken festhält, daß eventuelle Aktionen gegen die Türkei von allen Mächten gemeinsam be­schlossen und ausgeführt werden müssen. Eine andere sehr wichtige neue Tatsache ist der bestimmte Befehl der Regierung in Bukarest an die Armee, den Vormarsch einzustellen. Außerdem wird am Montag in Bukarest die Konferenz zu- sammentreten. Wenn der Druck, den Italien und Oesterreich. Ungarn auf die Regierungen in Belgrad und Athen auSüben, zum Ziele führt, und wenn Serbien sich entschließt, seine Ver- tretet zu der Konferenz zu senden, so kann man hoffen, daß dieser Krieg unter den Balkanstaaten endlich endgültig geschlossen werden wird zur allgemeinen Befriedigung und zur Erleichterung für Europa.

Die Geretteten von Serres.

DaS Gemetzel von SerreS wird in der Geschichte als eine der furchtbarsten Greueltaten deS jetzigen KriegeS um Makedonien fortleben; neben ihm erscheinen die Greuel von Nigrita nur wie ein dürftiges Vorspiel, die ganze Stadt, in der noch vor

Sofort nach der Ankunft im Schlosse schickte der Fürst eine Patrouille nach Prenzlau, um zu erforschen, ob der Feind in der Stadt liege. In seiner Aufregung aber konnte er ihre Rückkehr nicht abwarten, sondern schickte noch den Leutnant von Nostiz mit 50 Husaren dahin ab.

Im Schlöffe deS Grafen Schlippenbach fanden sich die berufenen Offiziere zur Beratung ein. Alle waren von der Ueberzeugung durchdrungen, daß eS bei Prenzlau zu einer Entscheidung kommen werde. Im Grunde verlangten sie alle danach, denn unerträglich war es, fortbauernb wie ein ge­hetztes Wild durchs Land getrieben zu werden.

Auch General von Hirschseld nahm an der Beratung teil. Mit finster zusammengezogenen Brauen hörte er zu, ohne ein Wort zu sagen.

Maffenbach sprach wie immer am meisten.

Ich halte eS für daS richtigste, wenn wir über Rieden gehen und an Prenzlau vorbeizukommcn suchen. Denn wenn bet Feind Prenzlau besetzt hat, meine Herren, werden wir kapitulieren müssen," sagte er.

Ich bitte Sie, Herr Oberst, von Kapitulation kann doch keine Rede sein!" rief Blumenstein.DaS ist doch auch Euer Durchlaucht Meinung?"

Der Fürst zuckte die Achseln.

Ich höre, daß Blücher ins Mecklenburgische zieht, und rate, daß wir seinem Beispiel folgen," sagte er.

General von Hirschseld war außer sich. Besand er sich unter Männern oder Schwächlingen?

Jedenfalls müssen wir zu einem Entschlüsse kommen," fuhr Hohenlohe fort.Die Zeit vergeht zum Nutzen deS FeindeS. Drei Stunden allein haben wir vor Schönermark gehalten und unS erst recht durch den mühseligen Marsch hierher geschwächt."

Er warf einen sragenden Blick auf Hirschseld.

Vielleicht ist eS doch am besten, wir rasten hier und warten daS Weitere ab," bemerkte Maffenbach.

Hirschseld erhob sich mit einem hörbaren Ruck und einem Fluche zwischen den Zähnen.

Ich empsehle mich Euer Durchlaucht," sagte er rauh. Die Pflicht ruft mich zu meinen Truppen."

zwei Wochen 50 000 Menschen lebten und arbeiteten, ist nur noch ein Trümmerhaufen und ein Leichenfeld. ES genügt zu sagen", so berichtet ein an die Stätte deS Grauen- geeilt« englischer Korrespondent,daß eS vollkommen unmöglich ist, die Zahl der Opfer oder die Martern ihre- Todes zu über­treiben." Von dem Vorgehen der durch ihre Mißerfolge zu leidenschaftlicher Wut und Rachgier entflammten Bulgaren ab« gibt eine Episode aus der Tragödie von SerreS ein be­zeichnendes Bild; eS ist die Geschichte von den 200 Geretteten von SerreS, die nur dem listigen Einfall eines Sprachlehrer- und dem Aberglauben der Bulgaren ihre Rettung verdanken. Nach den ersten Niederlagen der Bulgaren und den griechischen Siegen räumte die bulgarische Besatzung am 4. und 5. Juli die Stadt, und die griechischen und mohammedanischen Be­wohner bildeten eine Art Miliz, um die Stadt vor den An­griffen der Komitatschis zu schützen. Aber am 10. Juli erhielten diese Banden unerwartet die Hilfe bulgarischer Soldaten und Geschütze und zogen wieder in die unglückliche Stadt ein. Der Krieg-korrespondent deSDaily Telegraph", der die Ruinen von Serres besucht hat, sprach mit jenem Lehrer, der zu den 200 Gerett.ten gehört. Der Mann hatte sich am Abend schlafen gelegt und war von den Aufregungen der letzten Tage so erschöpft, daß er erst am Freitag morgen durch den Lärm an seiner Zimmertür geweckt wurde. AlS er sich aufrichtete, sah er bulgarische Soldaten und KomitatfchiS in das Zimmer dringen. Sie forderten ihn auf, unbekleidet auf die Straße zu gehen, aber der Lehrer, der davon überzeugt war, daß fein Schicksal nun ohnehin besiegelt sei, weigerte sich. Wenn Ihr mich ermorden wollt, tut eS hier, aber unbekleidet verlasse ich nicht daS Hau-." Unter Bewachung mußte er sich anziehen. Als er bi<* Straße betrat stand die ganze Stadt in Flammen, die Läden waren geplündert, überall lagen die Waren umher und auf dem Straßenpflaster türmten sich die Leichen. Als der Gefangene einen Laib Brot fand und ihn aufhob, erklärte fein Wächter lachend:In 10 Minuten bist Du doch eine Leiche, warum noch schöner Brot verschwenden." Durch einige List gelang eS dem Lehrer, in die Nähe des österreichischen Konsulate- zu kommen, die Tür stand offen und mit einem Sprunge entfloh er seiner Eskorte. Aber im Inneren des KonsulatSgebäudeS waren bereit- bulgarische Soldaten, deren Offizier dem Konsul befahl, ihnen zu folgen. Der Konsul, der seine Abzeichen und Orden angelegt hatte, weigerte sich, bis man ihn überzeugte, daß das HauS in wenigen Minuten Feuer sangen mußte. So gab er denn Besehl, daS Hostor zu öffnen. AuS dem Innern deS Hofe- führte man einen traurigen Zug von 200 Kindern, Mädchen und Frauen heraus, darunter auch 10 oder 12 Männer; sie alle hatten vergeblich unter den Schwingen deS österreichischen Doppeladlers Schutz gesucht. Soldaten mit ausgeflanzten Seitengewehren führten unter der Leitung eines Sergeanten die hilflose Schar durch die brennende Stadt zu den Bergen.

Unter wüsten Drohungen und Beschimpfungen trieb man die Wehrlosen unter der glühenden Sonne die steilen Berg-

Auch bet Füist erhob sich.

Die Pflicht erfordert Ihr Bleiben, General," antwortete er eindringlich.Ich wünsche Ihren Rat."

Beide Herren traten in die Halle hinaus.

Ich habe keinen Rat zu geben, Durchlaucht. Halten Sie sich an den Ratgeber, dessen Rat Sie, Gott sei'- geklagt, zu Ihrem und unserm Verderben bisher allein gefolgt find."

Sie meinen Maffenbach? Er hat keinen Einfluß auf meine Entschlüsse," versicherte der Fürst mit einem verlegenen Lächeln.Ich lasse ihn reden, wie er will, und kümmere mich nicht darum."

Hirschseld streifte den Fürsten mit einem langen Blick. Er lag etwas wie Mitleid darin mit dem Manne, dem die Umstände über den Kops gewachsen waren, und der nun unter ihrer Wucht zusammenknickte.

Leben Sie wohl, Durchlaucht, und Gott mit Ihnen," sagte er.Ich kann hier nicht- tun."

Hohenlohe kehrte in den Kreis der Ratgeber zurück, daS Herz zentnerschwer belastet. Maffenbach sprach aufgeregt und eifrig. Er hatte schon wieder neue Ratschläge. Aber bet KriegSrat kam zu keinem Entschlüsse.

So verging die Nacht.

Gegen sechs Uhr morgens sprengte ein Reiter in den Hof. Alle stürzten an die Fenster.

Unten hielt Leutnant von Nostitz. Er winkte sreudig hinaus.

Prenzlau ist vom Feinde frei 1" jubelte er.

Wie befreit atmeten die Offiziere auf. Selbst daS gram­volle Antlitz deS Fürsten zeigte Freude über diese Botschaft.

Schnell in den Sattel!" befahl er.Nun hoffe ich zu Gott, daß wir trotz allem die Oder erreichen werden."

Nostitz hat seine fünfzig Husaren zur Besetzung Prenzlau- zurückgelaffen. Die Hauptmasse deS HeereS wurde zum Ab­marsch beordert und setzte sich eilig in Bewegung.

Hohenlohe ritt an der Spitze der Kolonne. Er hatte Wilhelmi und Sah«, deren Eis« und Tüchtigkeit er längst bemerkt hatte, voraufgeschickt, um sefizustellen, ob der Weg

Diesmal wird el unS gelingen, über die Oder zu kommen,"