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konnt, die Entschädigungen aus Anlaß der Erfüllung von Pflichten solcher Art künftig höher zu bemessen. Im all­gemeinen wird daran sestgehalten, daß die Ablegung von Zeugnis vor Gericht zu den staatsbürgerlichen Pflichten zählt; der einzelne hat sie aus sich zu nehmen, auch wenn ihm kein voller Ersatz insbesondere der eigenen ZeitversäumniS gewährt werden kann. Die Mühewaltung des Sachverständigen stellt sich hingegen schon ursächlich anders dar; sür sie erschien eine angemessene Vergütung dringlicher. DaS kommt auch in der Höhe der Entschädigung sür Sachverständige besonders zum Ausdruck. Aber auch die ZeitversäumniS und der notwendige Aufwand des Zeugen wird künftig angemessener bewertet, als eS nach der alten Fassung deS GesetzeS möglich war. Ferner sucht der Entwurf gewisse Schwierigkeiten bei der Anwendung der Vorschriften über die an öffentliche Beamte zu gewährende Vergütung auS dem Wege zu räumen. Endlich will er durch eine einfachere Gestaltung des Verfahrens bei Festsetzung der Gebühren die Abfertigung der gebührenberechtigten Zeugen und Sachverständigen erleichtern und beschleunigen. Mit diesen Abänderungen dürfte daS Gesetz nunmehr allen den Wünschen und Forderungen entsprechen, die billigerweise erhoben werden können.

AlSein völliger Zusammenbruch Bulgariens stellt sich nun mit aller Deutlichkeit daS Ergebnis des zweiten BalkankriegeS dar. Die Fehler der Danewschen Lustschloß- politik waren auch von einem neuen Ministerium militärisch nicht mehr gut zu machen, und so hat Bulgarien aus allen Schlachtfeldern besiegt, aus allen Seiten von Feinden eingekreist, in seiner Hauptstadt schon stark bedroht, nach Erschöpsung aller seiner Hilfsquellen, die so lange ängstlich vermiedenen direkten Verhandlungen mit seinen Gegnern nun doch an» bahnen müssen. Den letzten Druck übte hierbei wohl die Türkei auS, die trotz aller Mahnungen zur Mäßigung immer weiter vorrückte und sogar Adrianope! wieder besetzte, in der schwachen Hoffnung, damit eine Grundlage für Milderung seiner FriedenSbedingungen zu gewinnen. Bei normalem Ver­lauf der angeknüpften Verhandlungen« könnte binnen kurzem endlich der Friede auf dem Balkan einziehen, aber eS drohen bereits wieder neue Verwicklungen, denn schon kriselt es zwischen Serbien und Griechenland, und eS wäre ein blutiger Treppen­witz der Weltgeschichte, wenn unter den ehemaligen Ver- bündeten nach dem zweiten ein d.itter Balkankrieg ausbräche.

Bei der A u s st e l l u n g d e S englischenFlotten- e t a t S trat die wachsende Freundlichkeit der englisch-deutschen Beziehungen in erfreulichster Weise zu Tage. Marineminister Churchill rückte bei der Behandlung des Schiffbauprogramms die überseeische Verantwortung zum Unterschied von der Frage der Sicherheit in den heimischen Gewässern in den Vordergrund, nachdem er betont hatte, daß er keinen Grund habe, seine zu Ansang der Session gegebenen AuSjührungen über die deutsch- englischen Beziehungen irgendwie zu modifizieren. Bezüglich der MittelmeerS lehnt er jede Aenderung des englischen Flotten» Programms ab. Auch bezüglich der wegen der kanadischen Flottenvorlage vielfach geäußerten Besorgnisse wieS der Minister alle übereilten Folgerungen zurück. Im nächsten Jahre werde die Admiralität beurteilen können, ob eine weitere Beschleunigung oder eine Erweiterung deS Programms nötig sein werde.

Die Revolution in China hat die gewaltige Republik in einen erbitterten Bürgerkrieg gestürzt. Angezettelt ist sie nach Ueberzeugung der Pekinger Zentralregierung von der Kuomintangpartei, und zwar sollen Huanghsing und Suyatsen auS persönlichen Gründen die Spaltung zwischen Nord und Süd herbeigeführt H^n. Die Blätter der ge­nannten Partei bezeichnen ihrerseits das Vorgehen deS Südens als Strafexpedition gegen Juanschikai, weil er seine Voll­machten überschritten und eine Gewaltherrschaft anstelle der republikanischen Verwaltung gesetzt habe. Bisher ist eS trotz Abfalls mehrerer Provinzen der Regierung gelungen, jeden wesentlichen Erfolg der Revolutionäre zu vereiteln, und eS ist sehr zu wünschen, daß sie bald der ganzen Bewegung Herr werde, nicht zu mindesten auch wegen der starken HandelS- und kulturellen Interessen, die Deutschland in China hat.

Der neue Ballaulrieg.

Die Einmischung der Türkei in die Abrechnung der fünf Balkanmächte untereinander wird von ihrer Gesamtheit, nun sie ihren Zweck einer weiteren Demütigung Bulgariens erfüllt hat, doch als recht störend für ihre eigenen Interessen empfunden. Rumänien gibt jetzt daS Signal, eS nunmehr deS grausamen Spiels mit Bulgarien genug sein zu lassen und zu einem baldigen Friedensschlüsse zu kommen. Serbien und Griechen­land, deren Haltung anfänglich wohl die Türkei zu ihrem Vorgehen ermutigte, rücken j tzt auch von ihr ab. Sie wollen

Von der GepäckabfertigungSstelle her kam raschen Schrittes ein hochgewachsener Mann. Und nun blieb er flehen, und wie ein Zucken durchflog eS seinen Körper.

Anne-Marie konnte eS deutlich sehen, aber sie stand fest.

Da kam er näher und zog den Hut.

„Onkel, sieh mal, Tante Anne-Marie ist da!" jauchzten ihm die Kinder entgegen.

Er hob jäh den gesenkten Kopf.

„Walter!" schrie Anne-Marie fassungslos auf, alS sie fein Gesicht sah. Schmal war eS geworden und hager. Die sonst so guten, schönen Augen lagen tief, sprachen von Leid, daS langsam an der Gesundheit zehrt. . .

„Ich habe ja gar nichts von dir gewußt, Walter," sagte Anne-Marie und streckte ihm die Hand entgegen.

Und alS er sie nicht gleich nahm, setzte sie erschüttert hinzu: „Ich bin vor Sehnsucht nach vier rein umgekommen."

Nun griff er doch zu.

„ES war ein harter Brief damals, Anne-Marie. Aber ich wäre eher gestorben, ehe ich vor euch klein geworden und noch einmal gekommen wäre." . . .

„DaS kannst du ja gar nicht, klein werden," flüsterte Anne-Marie, indem sie sich wie hilfesuchend an seiner Hand sesthirlt, „Ich bin eS gewesen, wir alle mit unserm Größen­wahn. Und ich bitte dich, Walter, vergiß und vergib. Ich möchte dich wieder Orgel spielen hören, möchte Gott durch dich wiederfinden, den ich da draußen aus dem Lande sand, und den ich fast verloren hatte."

Ihre Stimme brach. Aber eS war ein großes Glück in ihrem Herzen. Sie fühlte, daß sie sich ehrlich durchgerungen hatte durch alle Kämpse.

Er hielt sie fest im Arm. Einen Augenblick nur. Es fiel auch garnicht auf unter den vielen Abschied nehmenden Menschen.

„So sei wieder mein, Anne-Marie!"

Sie nickte. Sie wnßte Plötzlich, daß sie nie etwas anderer gewesen war als sein. Und wußte, daß so eine Jugendliebelei wie Mutter gesagt hatte, doch fester hielt, als alle Vernunft der Welt. Sie nahm die Kinder bei der Hand und küßte die blonden Köpfe,

namentlich Thrazien nicht wieder in ihre Gewalt fallen lasten.

Bukarest, 24. Juli. König Carol hat gestern an die Könige von Griechenland, Serbien und Montenegro Telegramme gesandt, in denen mit Rücksicht aus die bedrängte Lage in Sofia sowie aus den Wunsch Europa-, eine weitere Schädigung Bulgariens nicht zu dulden, die Annahme deS Vorschlages der rumänischen Regierung empfohlen wird, daß die Einstellung des Vormarsches der Armeen sowie der Feindseligkeiten vor Beginn der Verhandlungen in Bukarest über einen Waffen­stillstand und dir Friedenspräliminarien möglichst bald erfolge. Daher ist eS möglich, daß noch vor Unterzeichnung der Waffenstillstandes selbst vorläufige Maßregeln zur Vermeidung neuen Blutvergießens ergriffen werden.

Die Auffassung, daß Adrianopel nicht im Besitz der Türkei verbleiben könne, scheint von allen Großmächten einstimmig geteilt zu werden, nur ist man sich noch nicht über die Modalitäten, wie die Pforte zu einem Rückzüge zu veranlassen sei, einig. Daß ein gewaltsamer Schritt der Mächte gegen die Türkei unternommen wird, dürfte kaum anzunehmen sein. Ob ein Eingreifen Rußlands in Armenien oder an der türkischen Schwarzmeer-Küste den Beifall aller Kabinette findet, erscheint noch weniger wahrscheinlich, wenn auch aus russischer Quelle eine solche Absicht in französischen Blättern angekündigt wird. Die Situation fängt daher an, problematisch zu werden. Nachfolgende Meldung zeigt, wie sie gegenwärtig in der französischen Hauptstadt angesehen wird.

In seinen Unterhandlungen mit den Botschaftern der Großmächte gelangte Herr Pichon zu der Feststellung, daß alle Großmächte in dem Punkte einig seien, daß Adrianopel nicht im Besitz der Türkei bleiben könnte. Bis zur Stunde ist noch kein Verfahren, wie man die Pforte zur Respektierung der internationalen Beschlüsse bringen könnte, in Vorschlag gebracht worden. Die sranzösische Regierung ist bereit, sich jeder einmütig gefaßten Entscheidung der Großmächte anzu- schließen. Auf der heutigen Londoner Botschafterkonserenz wird über die Modalitäten einer KollektivschritteS in Kon­stantinopel und über alle auS einer Weigerung der Pforte sich ergebenden Folgen Beschluß gefaßt werden. Wie bereits gemeldet, beabsichtigt Rußland, mit einem Antrag hervorzutreten. Eine Demonstration der russischen Schwarzmeerflotte dürfte beantragt werden. Man glaubt jedoch nicht an einen Erfolg dieser Maßregel, selbst wenn diese Flottcndemonstration unter Mit­wirkung aller Mächte stattfinden würde. Die Möglichkeit eines Einmarsches russischer Truppen wird skeptisch ausge­nommen, trotz der aus der Umgebung JSwolSkiS stammenden Versicherung, daß Rußland diese militärische Operation nur alS eine notwendige Zwangsmaßnahme betrachte und keineswegs eine dauernde Besetzung beabsichtigt, befürchtet man nicht nur eine Gegenmaßregel Oesterreich-UngarnS, sondern auch die Ausrollung der kleinasiatischen Fragen, deren ernster Charakter auS der letzten Rede ASquithS deutlich hervorgeht. AuS diesen in der Umgebung PichonS geäußerten Bedenken geht hervor, wie schwierig sich ein Protest der Großmächte gegen die türkische Wiedereroberung Adrianopels gestaltet.

S a l o n i k i, 24. Juli. DaS Pressebureau deS Ministerium- deS Aeußern meldet: Die Untersuchung der Grausamkeiten der Bulgaren in Doksat ergab, daß die bulgarischen Truppen die Stadt verlassen hatten, ehe die Stadt vollständig zerstört wurde. Die Einwohner bildeten daraus eine Bürgermiliz, um die An­griffe der Komitatschis zurückzuschlagen. Nach vergeblichen Angriffen fuhren die Bulgaren in der Nacht vier Feldgeschütze aus. Während von den Einwohnern viele nach Kavalla und in die Berge flohen, schloß sich ein Teil in die Häuser ein. Plötzlich erschien bulgarische Kavallerie und von der anderen Seite drangen 400 Soldaten in die Stadt und nun begann daS Gemetzel. Frauen, Kinder und Greise wurden unbarm­herzig hingeschlachtet. Alle Frauen, die in Doksat zurück­geblieben waren, wurden von den Bulgaren geschändet. Mütter mußten mit ansehen, wie ihre Kinder aus den Fenstern aus die Bajonette der Soldaten geworfen wurden. Die Metzelei dauerte den ganzen Tag an. Mehrere Offiziere beteiligten sich daran, ebenso mehrere Zivilbeamte, darunter der FlüdenSrichter und der Chef der Polizei. Am Abend verließen die bulgarischen Soldaten mit Beute beladen die Stadt. Soldaten, die aus ihren Bajonetten 6 Monate alte Kinder trugen, schritten dem Zuge voran. Unter den Ermordeten sind auch zwei Priester, die in der Kirche niedergemetzelt wurden.

H« 31- Wü Ausland.

AuS Balestrand, 24. Juli wird gemeldet: Der Kaiser sah gestern zur Abendtasel Sir Max und Lady Maechter von der Jacht „RovenSka." ES fällt warmer Regen.

„Verschiebt eure Reise aus ein paar Stunden, ja? Ihr kommt noch früh genug zu eurer Feriensreude. Onkel soll mal erst mit der Tante und euch nach HauS gehen zu mir . . ja?"

Die Kinder schauten fragend den Onkel an.

Der nickte ihnen ermunternd zu.

„Wir fahren am Abend dafür, mit dem Schnellzug, da sind wir noch einmal fo rasch in Groß-Dietendorf. Und . . fo Gott will, dürst ihr bald Blumen streuen zur Hochzeit... noch Sommerblumen . . . Anne-Marie ... ja?"

„Ja," flüsterte sie.

An seiner und der Kinder Seite ging sie den Weg zurück, den sie gekommen war, um sich ihr schwer erkämpsteS Glück kraft ihrer Liebe zu fordern, daS tausendmal mehr wert war, als die sogenannte gute Partie. Und sie ging stolz wie eine Königin.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

Durch regnerischer Wetter hat in der am 22. Juli ab- gelaufenen BerichtSwoche die Roggenernte eine Unterbrechung erfahren. Die mangelnde Zufuhr an neuer Ware hat die Preise für greisbaren Roggen und für Julilieferung bedeutend gesteigert, zumal viele Verkäufer per laufenden Monat gehofft hatten, sich auS neuer Ernte decken zu können und nun zur Anschaffung alten Materials zu sehr viel höheren Preisen sich gezwungen sehen. Namentlich vom Rhein ist die Nachfrage nach greifbarem Roggen dringend, und eS wird viel russische Ware zu außerordentlich hohen Preisen gekauft. Ob die Qualität der Ernte durch die nasse Witterung eine Schädigung erleidet, hängt von der weiteren Gestaltung der Wetterverhält­nisse ab. Jetzt eingetretene Aussichten auf Trockenheit und Wärme lasten hoffen, daß Befürchtungen in dieser Hinsicht sich alS gegenstandslos erweisen werden. Die Preise, sür spätere Lieferfristen haben auch sür Roggen neue mäßige Besserungen erfahren, zumal man in Rußland ein sehr bedeutendes Er­trägnis erwartet und damit eine Minderung unserer AuSfuhr wahrscheinlich wird. Für die übrigen noch im Felde stehenden

Prinz Heinrich von Preußen begibt sich laut Kieler Ztg. am Sonnabend über Vliffingen nach London, macht am englischen Hofe einen kurzen Besuch und fährt dann zur Woche nach CoweS. Die prinzliche Jacht verläßt am Freitag den Kieler Hasen und steuert nach CoweS.

Einer soeben bekanntgegebenen Mitteilung zufolge soll daS Großlinienschiff „König Albert" am 31. Juli in Kiel zum ersten Mal unter die Flagge treten. Nach dieser Indienst­stellung wird Deutschland über daS erste Dutzend schwimmend er Gro ßlin ie n s ch i s fe verfügen. Von diesem Dutzend gehören die acht ältesten, die sämtlich noch mit Kolbenmaschinen versehen find, dem Nordseegeschwader an und befinden sich augenblicklich aus der Sommerreise nach Norwegen. Die nächstfolgenden vier: „Kaiser", „Friedrich der Große", „Kaiserin" und „König Albert" bilden die 5. LinienschiffS-Division und damit den Grundstock sür daS 3. Geschwader, daS noch in diesem Herbst formiert werden soll. Diese 5. Division wird unsere neuesten Schlachtschiffe erhalten. Sie sind die ersten deutschen Großlinienschiffe, die Turbinen- antrieb erhalten haben. Auch sonst sind manche Neuerungen gegenüber den ersten Großkampsschiffen eingetrcten. Indessen ist daS Kaliber der schweren Artillerie unverändert geblieben. Um Gewicht zu sparen und dadurch einen Gewinn an Fahr­geschwindigkeit zu erzielen, hat man auf den Turbinen- linienjchiffen vier Geschütze weniger ausgestellt alS aus den UeberdreadnoughtS der „Oldenburg"-Klasse. Während „Olden­burg" noch 40 Geschütze (außer Maschinengewehren und Torpedorohren) auswies, sind auf „König Albert" nur 36 aufgestellt. Die Veränderung erstreckt sich auf vier Geschütze, 2 schwere und zwei Torpedo-Abwehrkanonen. Hingegen ist die Mittelartillerie unverändert geblieben. „König Albert" wurde auf der Schichauwerft in Danzig vor drei Jahren auf Stapel gelegt und hat diesen am 27. April 1912 verlassen. Die Indienststellung war ursprünglich aus den 15. Juli f<R» gesetzt, hat sich aber, da noch einige Neuerungen der Berück­sichtigung harrten, um 14 Tage verschoben. DaS Kommando des neuen GroßlinienschiffeS wird Kapitän zur See Thorbcke erhalten, dem als 1. Offizier Korv.-Kapitän Schröder (Paul) zur Stile steht. Stab und Besatzung entnimmt „König Albert" dem Linienschiff „Braunschweig", da- am 30. Juli zur Außerdienststellung gelangt, um in der Reservedioision der Ostsee eingestellt zu werden.

Ueber die Teilnahme von Militär an der 6.0 l Y m p i a d e wird im „Armee-VerordnungSblatt" folgender kaiserlicher Erlaß veröffentlicht: „Ich genehmige die Teilnahme der Offiziere, SanitätS- und Veterinär-Offiziere, der Unter­offiziere und Mannschaften deS HeereS an den im Jahre 1916 in Meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin abzuhaltenden Internationalen Olympischen Wettkämpfern DaS KriegS- Ministerium trifft die näheren Anordnungen für die Vorbe­reitung und den Umfang der Beteiligung. ES ist anzunehmen, daß der Sport im Heere in den nächsten Jahren auf Grund dieses ErlaffeS einen noch größeren Umfang als bisher ein­nehmen wird.

Wegen Spionage und anderer Verbrechen hatte sich vor dem Thorner Kriegsgericht der frühere Unter­offizier Otto Theodor Emil Tietz vom 21. Infanterieregiment zu verantworten. DaS Kriegsgericht verurteilte ihn nach drei­tägiger Verhandlung wegen vollendeten und versuchten Ver­brechens gegen daS ReichSgesetz über den Verrat militärischer Geheimnisse, wegen Fahnenflucht, militärischen DiebstahleS, Betruges, Preisgabe von Dienstgegenständen und wegen vor­schriftswidriger Behandlung Untergebener zu acht Jahren Zuchthaus, sechs Jahren Ehrverlust, Ausstoßung auS dem Heere, Zuläffigkeit der Polizeiaussicht, Degradation und Ver­setzung in die zweite Klasse deS SoldatenstandeS.

Die riesenhaften englischen Flotten­manöver die nunmehr begonnen haben, interessieren alle Nationen. Bekanntlich soll durch die Manöver, an denen fast 400 Schiffe beteiligt sind, bewiesen werden, daß eine Invasion fremder Landtruppen möglich ist. Der erste LandungS- Versuch nach einem glücklich verlausenen Durchbruch der „feindlichen" Flotte mißglückte, weil die See zu unruhig war und jede Landung vereitelte. Die Verteidigung-werke an der englischen Ostküste befinden sich im MobilisationSzustand. Motorradfahrer kontrollieren die Küste, und Abteilungen der regulären Landarmee werden überall bereit gehalten, um die JnvasionStruppen abzuschlagen.

AuS Schanghai wurde gestern über die Kämpse in der Stadt vom Direktor des Arsenals und dem Admiral an den Präsidenten der Republik folgendes telegraphiert: „Die Rebellen haben gestern abend daS Arsenal mit 3000 Mann angegriffen. Unsere Leute sümpften mit großer Tapferkeit und zwangen die Rebellen heute morgen gegen 8 Uhr zum

Früchte wurde die Witterung nicht alS unvorteilhaft angesehen. Namentlich die Kartoffeln haben dadurch eine wesentliche För­derung ersahren, wa- aus die Getreidepreise vielleicht auch zu ein r späteren Zeit einen abschwächenden Einfluß auSüben dürfte. Weizen ist nur wenig teurer geworden. Nordamerika bringt große Mengen Weizen angesichts seiner reichen Winterweizen- ernte zum Export, und Rußland dürfte gleichfalls viel Ueber- schuß ernten. Bezüglich Hafer- werden die heimischen Er- trag-au-sichten nach wie vor vorwiegend ungünstig beurteilt, und die Preise haben demgemäß für alle Sichten um mehrere Ma k angezogen. Mais ist aus nahe Lieserung etwa- niedriger, dagegen für spätere Sichten unverändert gewesen. Am letzten Tage der BerichtSwoche stellten sich die Preise für Lieferung im September wie folgt: Weizen 204, Roggen 172, Hafer 168, MaiS 145,60.

— (Eine blutige Statistik.) Der französische Gelehrte Gaston Bodart hat über die Kriege zwischen 1618 bis 1905 eine Statistik aufgestellt, die sehr interessante Angaben enthält und sich aus gute- Quellenmaterial stützt. Bodart hat festgestellt, daß in dieser Zeit von 287 Jahren 1044 Schlachten aus dem Lande und 122 Seeschlachten geschlagen wurden. Der längste Krieg war der Krieg zwischen Venedig und den Türken, der 55 Jahre lang, von 1644 bi- 1699, währte. Der kürzeste Feldzug war der sechstägige Waffengang zwischen Oesterreich und Italien im Jahre 1849. Sehr interessant find auch die Angaben, die Bodart über die Teil­nahme der einzelnen Staaten an dem KriegSsPiel macht. Die kriegslustigste Nation ist Frankreich mit 1079 Schlachten. Dann folgen Oesterreich, England, Rußland, Preußen und Spanien. Auch über die Siege und Niederlagen gibt die Statistik Auskunft. Die französischen Truppen errangen 584 Siege und wurden 445 mal geschlagen. Am ungünstigsten waren die Kämpfe gegen deutsche Truppen. Hier errangen die Franzosen 152 Siege und erlitten 155 Niederlagen. Die verlustreichsten Schlachten waren bei Mugden, wo von 624 000 Kämpfern 138 000 tot und verwundet aus dem Platze blieben, dann bei Sedan mit 122 000, bei Borodino mit 80 000 und bei Warschau mit 45 000 Toten und Verletzten.