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yemeW Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" . Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 87. lErstes Blattt Sonnabend, den »6. Juli 1913.

flmtlicbtr teil.

Hefs.-Nass. landw.

Berufsgenoffenschast

Sektton Hersseld.

Her-feld, den 21. Juli 1913.

Diejenigen Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreise-, welche meine Verfügung vom 17. Juni d. Js. I, 8. No. 887 betreffend Ausstellung und Einreichung der BetriebSunternehmerverzeichnisse noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. MtS erinnert.

I. 8. Nr. 887. von GruneliuS.

Ich weife darauf hin, daß alle Anträge auf Gestaltung von Haussammlungen sür daS Jahr 1914 mit dem vorge­schriebenen KollektenorganisationSplan spätesten- bis zum 1. August d. I. unmittelbar an den Herrn Oberpräfidenten hier einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk auch auf den RegierungS-Bezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge (an die Herrn Oberpräfidenten) einzureichen.

Anträge, die nach dem 1. August d. I. eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Beseitigung eine- Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht werden konnten.

Cassel, den 10. Juli 1913.

Der RegierungS-Präsident. I. A.: gez. B o s s a r t.

Her-seld, den 18. Juli 1913.

Wird veröffentlicht.

I. 8479. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Cassel, den 14. Juli 1913.

Die Zustellung der KriegSbeorderungen (Paßnotizen) und Gestellung-befehle an die Mannschaften der Beurlaubtenstandes ersolgt nach kriegSministerieller Bestimmung fortan seitens der Bezirk-kommando- mittelst einsachen BriescS durch die Post.

Die Inanspruchnahme der OrtSbehörden (Polizei, Magistrat, Gemeindevorsteher usw.) zu diesem Zwecke auf Grund deS § 70 deS ReichS-Militär-GefetzeS vom 2. Mai 1874 bleibt auf die Fälle beschränkt, in denen die Adressen der Mann­schaften den BezirkSkommandos nicht bekannt sind oder die Postsendung alS unbestellbar zurückkommt.

Die OrtSbehörden pp. find hiernach mit Weisung zu versehen. (M. M. 461.)

Der Oberpräsident. I. B.: (Unterschrift).

An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräte der Provinz im Bereiche deS XI. Armeekorps.

*

HnSfeld, den 19. Juli 1913.

Wird den OrtSbehörden deS Kreises zur Kenntnis mit­geteilt.

Etwaigen diesbezüglichen Ersuchen der BezirkSkommandos ist in allen Fällen sofort zu entsprechen.

M. 1747. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermine am

Mittwoch den 20. August d. 3s.

vormittags 10 Uhr

im Sitzungszimmer der Königlichen LandratSamt» hier auch im Falle deS Ausbleibens deS Unternehmers oder der Wider­sprechenden erörtert werden.

Zeichnungen und Beschreibungen können auf dem Land- ratSamte Zimmer Nr. 3 während der Dienststunden eingesehen werden.

I. 8600. Der Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Nachweis»«- über die Ergebnisse

HerSfeld, den 19. Juli 1913.

In Abänderung meiner Verfügung vom 29. Juli 1880 L 7650 Kleisblatt No. 52 bestimme ich, daß zu der Berichterstattung über die von Privathengsten abstammenden Füllen in Zukunft das hierunter abgedruckte Formular zu verwenden ist.

I. I. No. 8211. Der Landrat

von GruneliuS.

der Privatbeschälftationen.

Lfde.

Nr.

Eigentümer des Hengstes

Des Hengstes

Name

GeburtS- Grund

jahr

farbe

Schlag

Rasse

Des Stutenbesitzers

Name Wohnort

Deckergebnir. (Hat die Stute ein Fohlen gebracht? männlich od. weiblich?

Datum der Geburt, Farbe, Abzeichen, versohlt, tragend gefallen, tragend ver. kauft, güst geblieben?)

HerSfeld, den 22. Juli 1913.

An die Herrn Bürgermeister deS Kreises.

ES ist wiederholt vorgekommen, daß bei Anträgen aus Ge­nehmigung zu öffentlichen Tanzbclustigungen meine Bersügung vom 2. Oktober 1889 I. 9114 (KreiSblatt Nr. 119) nicht beachtet worden ist.

Ich bringe sie deshalb in Erinnerung und erwarte in Zukunft bestimmt genaueste Beachtung.

Die Anträge aus Genehmigung öffentlicher Tanzlustbarkeiten, bei welchen die Verfügung nicht beachtet ist, werden zur Ver­vollständigung zurück geschickt. Entstehen dadurch Verzögerungen, so trifft die Herren Bürgermeister dasür daS Verschulden.

I. 8590. Der Landrat von GruneliuS.

HerSfeld, den 21. Juli 1913.

Der Gastwirt Ludwig Eydt in Kirchheim beab­sichtigt in seinem Gebäude, Gemarkung Kirchheim, Kartenblatt 16, Parzelle 60, eine

Schlächterei

einzurichten.

Ich bringe daS Unternehmen zur öffentlichen Kenntnis. Einwendungen können binnen 14 Tagen bei mir schriftlich in zweifacher Ausfertigung oder zu Protokoll aus dem Land- ratSamte Zimmer Nr. 3 während der Dienststunden angebracht werden. Nach Ablauf dieser Zeit können Ein­wendungen in dies m Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Politischer Wochenbericht.

DerAuSstand d c r W e r f t a r b e i t e r hat von Ham­burg auS mit großer Schnelligkeit übergegriffen auf beinahe alle Wersten unseres Vaterlandes. Der Streik zeigt erschreckend deutlich, mit welch sträflichem Leichtsinn heutzutage Arbeiter, wenn sie erst einmal verhetzt sind, Machtproben gegen ihre Arbeitgeber anstelle«. In dem ewigen Kamps um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit hatten die Arbeiter soeben erst eine Lohnerhöhung zugebilligt erhalten, mit der sie wohl hätten zusrieden sein können. Nach dem sozialdemokratischen Grund­satz: «AlleS oder nichts!" traten sie jedoch besinnungslos im selben Augenblick in den AuSstand, wo die Werstleitungen weitergehende Forderungen ablehnten. Anscheinend kam (S ihnen daraus an, durch rinr ötzl.'chrn Streik die Arbeitgeber zu überraschen; noch mehr überrascht haben sie zevoch ihre eigene Gewerkschaftsleitung, die zwar andauernd die Streiklust geschärt, den Streik selbst aber noch nicht genügend vorbereitet hatte. Die Gewerkschaftsleitung hat denn auch fast allent­halben die Schuld an dem Streik von sich auf die Arbeiter abgewälzt, den Streik, der ohne ihre Genehmigung begonnen sei, nicht anerkannt und jede Zahlung einer Streikunterstützung abgelehnt. DaS ist für sie natürlich äußerst bequem, bedeutet aber einen feigen Treubruch den Arbeitern gegenüber, denn wer glimmende- Feuer schürt, dars sich eben nicht wundern, wenn eS plötzlich in Helle Flammen auSschlägt; auch dieser Streik einer maßlos verhetzten Arbeiterschaft kommt daher mit Recht auf daS Sündenkonto der Sozialdemokratie. Die so schnöde von ihren Führern verlassenen und dadurch in bittere Not geratenen Arbeiter aber sollten doch nun endlich durch Schaden klug werden und erkennen, daß sie bei der Sozial- demokratie ihr Heil nicht finden, sondern nur politisch auS- genutzt werden.

Die neue Gebührenordnung sür Zeugen und Sachverständige ist nunmehr auch vom BundeSrat an­genommen worden. Man hat damit die Notwendigkeit er.

Der andere.

Skizze von Elfe Krasst.

(Schluß.)

'Aber nein, Kind! Papa meint, ihr müßt schon mit­einander gesprochen haben, daß er zu ihm kommt und um deine Hand anhält."

Anne-Marie erhob sich-langsam auS ihrer gebückten Stellung. Ihr zu Füßen lag ein Stück angesengteS Papier, daS durch Zugluft wieder auS dem Ösen geflattert war.

LiebeS" stand darauf, weiter nicht-.

LiebeS," . . .

Walter hatte sie so genannt.

Und der andere, der Assessor, ging zuerst zum Vater in- Amt, ehe er sie selber fragte. DaS war gewiß modern so oder vielleicht feiner. Sie wußte eS nicht. Jedenfalls sehr korrekt..

Er hat Papa seine ganzen Familienverhältnisse klar gelegt, da ist nicht dran zu rühren, Kind. Ich gratuliere zu dem Glück." . . .

Anne-Marie ließ sich küssen, und ihre Augen kamen nicht lo- von dem Stück angesengten Papiers, daS da vor ihr auf dem Boden lag.

WaS ist denn?" fragte die Mutter.Warum sprichst du nichts? Ich denke, du wirst mir jubelnd um den Hals fallen und stehst nun da wie ein Stock. Der Assessor kommt heute abend. Ich muß eine bessere Speisenfolge noch zu- lammen stellen. Du kannst unterdessen schnell mal zu Groß­mama hingehen und zu Taute Fränzchen. Tie müssen doch auch bei so einem Familiensest dabei sein. Sag' ihnen, so ungefähr gegen acht Uhr sollen sie heute abend kommen. WaS meinft du zu frischem Hummer? Den ißt, der Assessor so gern."

Ach laß doch," sagte Anne-Marie wie müde,Trinken und Essen ist ja so gleichgültig."

Ihr Fuß zertrat plötzlich daS Stückchen angekohlte- Papier. Da- WörtchenLiebeS" war fort, mitten durchgeplatzt.

Aber was hast du denn bloß?" fragte die Mutter. DaS sieht ja gerade so aus, als ob dir Gott weiß waS Unan­

genehme- bevorsteht. Und wirst doch nun eine moderne, elegante Frau werden, die tonangebend in der Gesellschaft ist, ganz waS anderes, als wenn du da draußen auf dem Lande fitzen müßtest, in der Woche deinen Kohl bauen und des Sonntag- in die Kirche gehen, weil dein Mann die Orgel spielt."

Weil dein Mann die Orgel spielt!" hatte die Mutter gesagt.

Wie lange war daS her, seit sie Walter nicht mehr Orgel spielen gehört hatte! DaS letzte Mal im vorigen Jahre zu Ostern, alS die kleine Kirche in Groß-Dietendors voll gläubiger Menschen war, die jauchzend wie die Kinder ihre AuferstehungS- lieder fangen.

Dazu spielte Walter die Orgel. Wie ein Brausen und Frohlocken war daS gewesen, man glaubte, den Frühling durch die geschlossenen Kirchenfenster zu sehen und den klingenden Sturm zu hören, der Blüten auS der schwarzen Erde treibt..

Ob er noch ebensogut spielte. Ob er ihren Treubruch leicht genommen, daß er kein Wort gesandt, keine Bitte, keinen Vorwurs . . . nicht- ? Wenn sie doch loSkommen könnte von diesen quälenden Gedanken, abschütteln daS heimliche Sehnen! . . .

Willst du hingehen zu Großmama?" fragte die Mutter in da- tiefe Sinnen hinein.Dann beeile dich, daß du zu Tisch wieder hier bist."

Ja, Mama," sagte Anne-Marie.

Die Mutter war jetzt ganz beruhigt. Zärtlich strich sie der Tochter über daS heiße Gesicht.

Sollst sehen, Kind, erst jetzt wirst du dich ganz frei fühlen von der alten Kindertorheit. So eine Jugendliebelei hat keinen festen Boden zum Gedeihen. Vernunft muß am meisten mit­sprechen, wenn man sich für- ganze Leben bindet. Geh den nächsten Weg am Bahnhof vorbei, dann kannst du tn einer Stunde schon wieder hier sein."

Anne-Marie nickte, wie au- schweren Träumen erwachend. Sie vertauschte daS dunkle Hauskleid hastig mit einem helleren, setzte fich den Strohhut auf und lief au» dem Hause, als käme da draußen von irgendwo eine Erlösung von allen Zweiseln.

ES war sehr warm. Die Schulserien hatten begonnen, und die Straßen vor dem Bahnhöfe waren überfüllt von großen und kleinen Menschen, die verreisen wollten.

Wer da mitkönnte," dachte Anne-Marie, mit brennenden Blicken um sich sehend. Die Eltern würden erst nach den großen Ferien mit ihr reisen, und der Assessor hatte auch schon davon gesprochen, sich anzuschließen. ES war alle- so natürlich und selbstverständlich, wie eS kam . . .

Anne-Marie, die soeben schnell die Straße, die am Bahn­höfe vorbeiführte, entlang gelaufen war, blieb plötzlich stehen. Wie Schreck und rasende Freude zugleich durchzuckte eS sie.

Da drüben, in dem großen Portal vor dem Fahrkarten­schalter und der Gepäckabfertigung-stelle, standen zwei Kinder. Sie hielten sich bei der Hand, der Knabe trug einen kleinen Rucksack über der Schulter und daS Mädchen eine kleine Ledertasche.

Helene- Kinder . . . HanS und Grete, mutterseelenallein in der Fülle der Reisenden.

Anne-Marie wußte gar nicht, wie daS so schnell geschehen konnte, aber sie stand plötzlich vor den überraschten Kindern und streckte ihnen die Hände entgegen.

HanS, Gleichen . . . war macht ihr denn hier?"

Sie sahen zuerst schüchtern in da- vertraute Gesicht, dann lachten sie.

Tante Anne-Marie. . . wahrhaftig!" sagte der Junge glückselig. Und dann wanderte sein Blick suchend nach der GepäckabfertigungSstelle, wo sich die Menschen drängten.

Da ist wohl deine Mama?" forschte Anne-Marie.

Die Kinder schüttelten die Köpfe.

Nein . . . Mama ist krank, wir haben nämlich noch einen kleinen Bruder bekommen, Tante. Deshalb dürfen wir auch ganz allein in den Ferien in Groß-Dietendorf bleiben .. Denk mal anI Onkel hat uns heut geholt, und Papa will.."

Er sprach nicht weiter. Denn eS hatte geradeso auS- gesehen, alS ob die Tante plötzlich wieder fortlaufen wollte. Grete hielt sie aber sest an der Hand, da konnte sie eS ge­wiß nicht.

Da kommt ja schon Onkel," sagte HanS sehr vergnügt und erleichtert.