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Der neue Ballanlrieg.

England warnt die Türkei.

Der englische Premierminister hielt in Birmingham eine Rede, in der er einen Rückblick aus die Ereignisse warf, die zu dem beklagenswerten neuen Blutvergießen auf dem Balkan gesührt haben, und im besonderen eine Mahnung an die Türkei richtete, nicht Fragen wieder auszurollen, die nicht in ihrem Interesse lägen.

Asquith erklärte bei dem zur Jahrhundertfeier der Handels­kammern in Birmingham gegebenen Festessen, die Mächte be- mühten sich, eine Konferenz der Balkanländer zustande zu bringen. ES sei wahrscheinlich, daß dieS gelingen werde. Ein sofortiger Waffenstillstand und ein baldiger friedlicher Uebereinkommen dürften deren Folge fein. Die Mächte würden sich ihr eigenes Urteil über -die FriedenSbedingungen Vor­behalten. Soweit Großbritannien in Betracht kommt, haben wir, die wir keine eigenen speziellen Interessen im Orient haben, unermüdlich und nicht ohne Erfolg daran gearbeitet, eine ge­meinsame Aktion der Großmächte zu fördern und zu erhalten. Ihr Konzert ist loyal aufrechterhalten worden, und ich sage mit voller Gewißheit, daß es niemals weniger in Gesahr war alS jetzt. Asquith erwähnte die Ergebnisse dieser gemeinsamen Politik der Mächte: die Bestimmung der Grenzen Albaniens und die Bestimmungen über die ägäischen Inseln und den Friedensschluß von London. Asquith fuhr dann fort:WaS die Türkei betrifft, so wären wir selbst, und ich glaube alle Mächte, geneigt, auf der Grundlage deS kürzlich geschlossenen Vertrages als anerkannte Tatsache zu betrachten, daß die Türkei ihr europäisches Gebiet innerhalb der sestgelegten Grenze be­hielte und daß bei billigen Bürgschaften für gute Regierung die Integrität ihres asiatischen Reiche- erhalten bleiben würde, und wir waren bereits eisrig bestrebt, ihr bei Versolgung der schwierigen Ausgaben, die vor ihr liegen, allen möglichen Beistand zu gewähren. Wenn die Türkei, und ich will mich ganz rückhaltlos aussprechen, so schlecht beraten ist, daß sie sich über die Bestimmungen deS Vertrages hinwegsetzt, so muß sie daraus gesaßt sein, daß Fragen aufgerollt werden, von denen es keineswegs in ihrem Interesse liegt, daß sie zur Erörterung gestellt werden. Mehr will ich jetzt nicht sagen, aber ich konnte in einem solchen Augenblick nicht umhin, eS nicht nur hier, sondern vor ganz Europa völlig deutlich zu machen, wie die Stellung der Regierung und ich glaube deS ganzen König­reichs ist."

Der türkische Vormarsch.

Die von Ansang an bezweiselte Nachricht von dem Einzug der Türken in Adrianopel hat sich alS versrüht erwiesen. Der türkische Vormarsch setzt sich nach der Besetzung von Lüle- BurgaS weiter in der Richtung auf Adrianopcl fort. Die bulgarische Regierung hat den geflohenen Behörden besohlen, ihre Posten wieder einzunehmen. Die gleiche Weisung ist den Beamten in anderen Orten Thraziens erteilt worden, die auS Furcht vor dem Vormarsch der Türken geflohen waren.

Eine amtliche Meldung aus Konstantinopel berichtet: Die Türken hatten bei der Besetzung einiger strategischer Punkte mit den Bulgaren, welche Widerstand leisteten, einen Kamps zu bestehen. Ein bulgarischer Offizier und 135 bulgarische Soldaten wurden gesangen genommen. Hierauf wurden der Bahnhof von Lüle-BurgaS und die große Brücke über den Ergene-Fluß genommen. Die türkische Armee hat Lüle-BurgaS, Usunköprü, und Baba°ESki besetzt.

Wie weiter aus Konstantinopel gemeldet wird, fanden die am Montag gemeldeten Kämpfe bei Kumsaid zwischen Radly und Lüle-BurgaS statt. Einem Blatte zufolge wurden neun bulgarische Offiziere und 600 Mann bei Kabakdje gesungen. Zwei Kompagnien, die Tscherkesköj verteidigten, wurden ge­langen. Die Bulgaren sollen im Vilajet Adrianopel über 25 000 Mann verfügen, die von zahlreichen Banden unter­stützt werden.

G o s i a, 22. Juli. BiS Mitternacht war die telegraphische Verbindung mit Adrkanopel intakt. Die letzten Nachrichten besagten, daß der türkische Kommandant der vor Adrianopel flehenden Truppen die Bulgaren ausgefordert habe, die Stadt zu übergeben. Heute vormittag wurde die bulgarische Regie­rung verständigt, daß die Besatzung Adrianopel ohne Wider­stand geräumt habe. Die türkischen Gesangenen waren schon früher auS Adrianopel nach Bulgarien gesandt worden.

Friedensliebe Bulgariens.

Wien, 22. Juli. Die bulgarische Regierung hat an ihre Vertreter bei den Großmächten eine Zirkulardepesche gerichtet, in der sie mitteilt, daß sie, um ihre Loyalität und ihre Friedensliebe zu bezeugen, entschlossen sei, sosort zu demobilisieren

Ja, sie halte um ihn gesorgt und für seine Sicherheit gebetet. Gewiß, sie war erhört worden.

ES klopfte.

Darf ich kommen?" sragte Marien- frische Stimme.

Selbstverständlich. Ist etwa- vorgesallen? Du siehst ernst aus."

Marie lachte.

Und wenn ich ernst aussehe, muß etwas vorgefallen sein? Aber du hast eS ziemlich getroffen. ES wird nämlich etwas vorfallen."

Ermentrud sah beunruhigt aus. Marie setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand.

Wir gehen fort, Max und ich."

In den Krieg, nicht wahr?"

Ermentrud begriff daS sofort.

Ja. Wir halten er nicht mehr aus, still zuzusehen, wie daS Vaterland blutet, sich verblutet. Wir konnten bisher nicht fort. DaS Gut brauchte unS. Jetzt ist die meiste Herbstarbeit getan, und wir fühlen unS frei für deS KönigS Dienst."

Ermentrud schwieg. Ihre Lippen zitterten.

Willst du mit, Ermentrud?" fragte Marie und um­schlang sie.

Sie schüttelte den Kops.

Nein, daS kann ich nicht. Ich würde zugrunde gehen und niemand etwas nützen."

So bleibe und sei unsere Stellvertreterin. Zu dir sollen die Leute kommen und ihre Aufträge holen. Und" Marie sprach dicht an Ermentrud- Ohrdu sollst die Türen offen halten für jeden tapferen Preußen, ob Offizier oder Gemeiner, für jeden Flüchtling, jeden Verwundeten, jeden in Not. Du kennst die Geheimnisse des HauseS, wo du die Unserigen vor Spähern verstecken kannst, weißt auch, wie mancher da in diesen Wochen schon eine Zuflucht gesunden hat. Ja, bleib. Du hast ganz recht, und du ersüllst eine Pflicht damit. Wir können nicht alle die Waffen nehmen."

Ich verspreche dir, treu die Pflichten zu erfüllen, die ihr mir zuweist," antwortete Ermentrud.Aber du, Marie, bangt dir nicht?"

Nein, nein, ich fürchte mich nicht. Mein ganzes Herz

und dcn Waffenstillstand zu unterzeichnen. Gleichzeitig beauftragte die bulgarische Regierung ihre Gesandten, die Kabinette davon zu verständigen, daß Schritte eingeleitet werden, um die Einstellung der Feindseligkeiten aus dem gesamten Kriegsschauplatz zu bewirken.

Bukarest, 22. Juli. Die rumänische Armee hat den Besehl erhalten, ihren Vormarsch einzustellen. Gleichzeitig ist der rumänische Generalstab mit der Prüfung der Frage be­auftragt worden, aus welche Weise der Bevölkerung von Sofia und den bulgarischen Truppen, die von der Hungersnot be­droht sind, Lebensmittel zugeführt werden können.

An$ > Mild Ausland.

Berlin, den 22. Juli.

Der Kaiser unternahm, wie aus Balestrand (Norwegen) gemeldet wird, gestern vormittag einen Spaziergang in die Umgebung BalholmS; nachmittags fand Wettrudern der Marinemannschaften statt. Nach Ankunft deS Feldjägers ar­beitete der Monarch allein. DaS Wetter ist schön.

Die Zahl der Gnadenanträge, die dem Kaiser auS Anlaß seines RegierungSjubiläumS von dem Justizminister unterbreitet worden sind, ist schon jetzt aus ungesähr 12 000 gestiegen. Zum größten Teil haben sie auch bereits Ge­nehmigung gesunden. Die Arbeiten sind indessen noch bei weitem nicht abgeschlossen, und eS darf damit gerechnet werden, daß die Zahl der Anträge sich noch erheblich erhöhen wird. Zur Zeit unterliegen insbesondere auch die schwereren Fälle der Prüfung deS JustizministerS, in denen eS sich um längere, in zahlreichen Fällen übrigen- alsbald nach dem Allerhöchsten Erlaß vorläufig unterbrochene Freiheitsstrafen handelt.

DieMilitär.-pol. Korresp." in Berlin hatte die Nachricht gebracht, daß im preußischen KriegSministerium Vorbereitungen für eine Neu - undUmbewasfnung der Artillerie getroffen würden. Wie eine Korrespondenz, die stets gute Informationen auS dem KriegSministerium besitzt, indes ver­sichert, denkt letzteres garnicht daran, schon wieder mit neuen militärischen Forderungen vor den Reichstag zu treten, zumal durch die jüngsten militärischen Bewilligungen deS Reichstage- die Leistungsfähigkeit der deutschen Artillerie für den Ernstsall sehr erhöht worden ist.

ImReich-anzeiger" bringt der Kriegsminister v. F a l k e n h a y n folgendes zur allgemeinen Kenntnis: ES ist den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee dienstlich verboten, innerhalb ihrer eigenen oder sremden Truppe oder Behörde Zivilpersonen oder den Handwerks­meistern der Truppen und der militärischen Anstalten usw. zur Ausübung ihres Gewerbebetriebe- Beihilse zu leisten, ins­besondere durch Vermittelung oder Erleichterung deS Abschlusses von Tauschgeschäften, Versicherungsverträgen oder dergl. Den Unteroffizieren und Mannschaften ist besohlen, von jeder an sie ergehenden Aufforderung ihren Vorgesetzten Meldung zu machen.

DaS Zeppelin-LuftschiffL Z 20" unternahm von Frankfurt a. M. eine Fahrt nach Baden-Oos. ES trat die Reise um 4 Uhr morgen- an und kam um 7 Uhr in Baden-Oo- an, wo nach Vorschrift der Militärverwaltung eine SchnelligkeitSprüsung unternommen wurde. Diese verlief durchaus zusriedenstellend, so daß da- Luftschiff, da- jetzt den NamenZ V" führen wird, in den Besitz der Militär­verwaltung überging, DaS Luftschiff wird vorerst in Baden- OoS stationiert bleiben und unter dem Kommando deS Haupt­manns Lange stehen.

Wie in Kreisen der Automobilindustrie mitgeteilt wird, plant die preußische Regierung eine Sonder st euer auf K r a s t f a h r z e u g e. Der Minister deS Innern und der öffentlichen Arbeiten haben an die Oberpräsidenten eine ge­meinsame Versügung gerichtet, in welcher diese um Beant­wortung einer Reihe von Fragen und um Vorschläge ersucht werden. Die Oberpräsidenten haben biS zum 9. September d. Js. zu berichten.

Der eigenartige Streik der Werftarbeiter, der immer mehr auf alle deutschen Werften Überzugreifen droht, spitzt sich immer mehr auf einen scharfen Gegensatz zwischen den Leitern der gewerkschaftlichen Verbände, die bekanntlich von vornherein gegen die Inszenierung deS Streikes Stellung nahmen, und den streikenden Gewerkschaftlern zu. Während die Leiter auch heute noch es energisch ablehnen, den Streik zu unterstützen, und insbesondere auch die Gewährung von Streikgeldern au- den Zentralkaflen verweigern, scheint sich der Streik immer mehr auSzudehnen, ohne daß die organisierte Arbeiterschaft aus die Warnungen der Führer hört. Also eine offene Revolution in den Gewerkschaften, die die sozialdemo-

sehnt sich danach, meine schwachen Kräfte für da- Vaterland in den Kamps zu stellen," rief Marie in überquellender Be­geisterung.Mit Max an meiner Seite wird mir nicht- zu schwer werden."

In der Stille wurden alle Vorbereitungen getroffen. Schon lange hatten Werders angefangen, sich zu rüsten, ohne daß jemand etwas davon gewahr wurde. Jetzt war es schnell geschehen.

Die Abreise war auf den Abend sestgesetzt.Nach Berlin," so hieß eS vor der Dienerschaft. Ermentrud wußte, daß Werders sich den Trümmern deS Hohenloheschen HeereS an­schließen wollten. Sie war über alle Verhältnisse in Buchwald ausreichend unterrichtet. Eine Wirtschafterin und ein tüchtiger Inspektor standen ihr zur Seite.

Nun also, in Gottes Namen I" rief Max und sprang Marie nach in den kleinen Jagdwagen, der sie bis Sagan bringen sollte.Halte gut HauS, Ermentrud."

DaS junge Mädchen sah dem Gefährte nach, bis eS ihren Augen entschwunden war. Dann kehrte sie langsam ins HauS zurück. Zentnerschwer lag die Sorge um die Zukunft auf ihr: daS gefahrvolle Unternehmen Werders, daS ungewisse Schicksal Hilda-; vor allem aber bekümmerte die demütigende Lage Preußen- sie tief. Um ihre eigene nicht leichte Lage sorgte sie wenig. Sie vertraute, daß Gott sie schützen werde.

Prüsend ging sie durchs HauS, sah nach allem, ließ die Türen abschließen und schickte die Dienerschaft zur Ruhe. Der alte Diener Heinrich schlief in dieser Zeit in dem Arbeit-zimmer deS Hausherrn, da- vorne heraus zu ebener Erde lag.

Ermentrud begab sich in ihr Zimmer. ES sah aus den Garten hin. Jetzt, nachdem alles Nötige besorgt war und sie sich der großen Stille um sie her bewußt wurde, konnte sie nicht leugnen, daß sie ein Gesühl der Vereinsamung be- schlich. Sie mochte nicht inS Bett gehen, sondern setzte sich angekleidet in einen Sessel. Dort überließ sie sich einem un­ruhigen Schlummer.

Plötzlich schrak sie auf. Wovon war sie erwacht? Irgendein Geräusch mußte er gewesen sein.

Sie stützte die Arme auf den Schoß und horchte vor-

kratischen Leiter dieser Gewerkschaften in die verzweifelte Lage bringt, mit allen Mitteln eine Bewegung niederzukämpsen, die sie selbst durch ihre ständige Hetzarbeit großzüchteten.

Die K a m e r u n e r K a k a o e r n t e deS JahreS 1912 zeigt diesmal wieder ein erfreuliches Anwachsen im Vergleich mit der durch sehr ungünstige WitterungSverhältnisse ge­schädigten Ernte deS Vorjahres. Die GesamtauSfuhr an Kakao betrug nach den vorläufigen Berichten der Zollstellen berechnet 4 772 6Ö0 Kg. gegen 3 582 533 Kg. im Jahre 1911 und 3 055 399 Kg. im Jahre 1910. DaS ist eine Zunahme von über 30 Prozent. Die Zunahme der AuSfuhr an Pflanzung-kakao betrug nahezu 40 Prozent, die Zunahme der Ernte von Eingeborenenkakao noch nicht einmal 18 Prozent!

Nach der Zählung vom 1. Januar 1913 belief sich die weiße Bevölkerungvon Deutsch-Neuguinea (altes Schutzgebiet) auf 968 Seelen, waS gegenüber dem Vor­jahr eine Zunahme um 115 bedeutet. Darunter befinden sich 265 Frauen und 94 Kinder unter 15 Jahren. Zum ersten Male wird in diesem Jahre auch eine Statistik der dort vor­handenen Mischlinge veröffentlicht, deren Zahl sich am 1. Januar 1913 auf 92 belief.

Tie Aufrührerischen in Mexiko haben, wie über New Aork telegraphiert wird, am Sonnabend abend Tuxpan nach heftigem Kamps besetzt. Aus daS Ersuchen deS englischen Konsulate- hat das amerikanische LinienschiffLouisiana" Verccruz unter Volldampf verlassen, um sich nach Tuxpan zu begeben.

Aus Provinz m. Naeddargediet.

* (Schonende Beh andlung der Pakete.) Eine Versügung deS ReichSpoflamteS macht den Postanstalten von neuem die schonende Behandlung aller Pakete mit Obst, Eiern, lebenden Tieren, Zigarren usw. dringend zur Pflicht, damit ihr Inhalt nicht beschädigt wird. ES soll darüber ge­wacht werden, daß die Pakete nicht geworfen, sondern von Hand zu Hand gegeben und stet- so verladen und gelagert werden, daß sie nicht zur Erde fallen können und keinem Druck au-gesetzt sind.

* (Zählung der Obst bäume im Deutschen Reiche.) Nach einem Beschlusse des BundeSrateS findet im September d. I. in allen Bundesstaaten eine Zählung der Obstbäume statt. Die Zählung erstreckt sich auf Aepsel, Birnen, Zwetschen, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche und Walnüsie und umsaßt auch Zwergobst und Spalierbäume.

§ Hersfeld, 23. Juli. Die Direktion Herrmann, welche durch ihr 2. Gastspiel bewiesen hat, daß sie auch Operetten gut zu geben versteht, gibt am kommenden Sonn­abend die beliebte Operette von Zeller:Der Vogelhändler," dessen reizende, volkstümliche Melodien, wie da- Ahnderl-Lied längst Allgemeinheit geworden. Dazu kommen ein interessanter Dialog und herrliche Kostüme. Um vielen Wünschen, ent- gegenzukommen, hat die Direktion sich entschlossen, um einem jedem Gelegenheit zu geben, die Vorstellungen zu besuchen, die Preise zu ermäßigen und zwar kostet 1. Platz im Vorver­kauf 1 Mk. an der Abendkasse 1.25 Mk., 2. Platz im Vor­verkauf 60 Psg. an der Abendkasse 75 Psg., Galerie und Stehplatz 40 Psg. Hoffentlich ist der Besuch dasür umso stärker. .

-m- Hersfeld, 23. Juli. In der Generalver- sammlung der HerLselder Spar- und Dar <b-- lehnSkasse am 21. d. MtS. gedachte der Vorsitzende, Herr Fabrikbesitzer Sexauer, in ehrenden und anerkennenden Worten der Verdienste des vor kurzem verstorbenen Vorstands­mitgliedes und stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Buchdruckerei- besitzerS Friedrich Funk und die Versammlung ehrte das An­denken deS Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Die darauf vorgenommenen Wahlen hatten daS Ergebnis, daß Dekorateur Friedrich Richter zum stellvertretenden Vorsitzenden, Buchhalter Jean Brandau als Vorstandsmitglied und Buch- druckereibefitzer Franz Funk als Mitglied deS Aussicht-rateS einstimmig gewählt wurden.

-o- Friedewald, 22. Juli. In dem benachbarten M o tz s e l d wurde gestern der 72 Jahre alte Einwohner Joh. R. aus dem Boden deS HauseS erhängt ausgefunden. AlS Grund zu der Tat ist Tiefsinnigkeit anzunehmen, da der alte Mann stet- glaubte, er solle wegen einer unrechtmäßigen Tat geholt werden.

Fnlda, 21. Juli. Die Zigeuner Ebender treiben sich wieder in unserer Gegend herum. Bewohner von Giesel, einem alten Zigeunerstrich, haben einen der gesuchten Brüder mit Bestimmtheit wieder erkannt. ES gehört schon eine Ebendersche Frechheit dazu, sich in einer Gegend auszuhalten, wo man

gebeugt, ob eS sich wiederhole. Richtig, unten im Garten klang eS wie Gesang. Leise Töne wurden angeschlagen.

Ermentrud erhob sich. Ihre Knie bebten etwas, aber fie fürchtete sich nicht. Auf den Zehen schlich sie zum Fenster und blickte vorsichtig in den Garten.

Wieder drangen Töne zu ihr. Sie unterschied die weichen Laute eines Volksliedes:

Zu Straßburg aus der Schanz, Da fing mein Trauern an.

Dann stockten die Töne wieder.

Mein Gott, dar war ja eine Frauenstimme, daS war ja Ermentrud riß daS Fenster auf.

Hilda I"

Ja, ich bin eS. Laß mich ein, aber du allein, die Dienerschaft braucht meine Kleidung nicht zu sehen."

Warte."

Ermentrud lies hinunter. Im Nu wußte sie, 'war sie zu tun hatte. Sie klopste an die Tür deS alten Heinrich.

Ja, ja, gnädiges Fräulein, ich komme schon."

Ist nicht nötig, Heinrich. Ich gehe in den Garten, meine Schwester zu holen, die unerwartet gekommen ist."

Soll ich gnädiges Fräulein nicht begleiten? Ich bin gleich angekleidet."

Bleiben Sie nur, Heinrich. Ich bin im Augenblick zurück."

Sie nahm die Schlüssel vom Brett, schloß die Gartentür auf und lag in den Armen ihrer Schwester.

Ohne ein Wort zog sie Hilda herein, schloß die Tür und brächte sie in ihr Zimmer. Erst als sie sie sicher wußte, ging sie zurück und ordnete an, daß Heinrich Feuer machen und für einen warmen Imbiß sorgen möge.

Inzwischen hatte Hilda sich ihrer Uniform entledigt, die von Ermentrud sofort beseitigt wurde, und sich inS Bett gelegt. Erst als sie erwärmt, erquickt und behaglich in den Kiffen ruhte, fragte sie:Ist ein neues Unglück geschehen, Hilda?"

Diese schüttelte heftig den Kopf.

(Fortsetzung folgt.)