er 820 Mark und ein Fahrrad. Der Polizei ist eS bis jetzt nicht gelungen, deS Burschen habhaft zu werden. Wahrscheinlich ist der junge Taugenichts ein Opser der Schundliteratur geworden.
DT. Cassel, 21. Juli. Der Personenzug 255 der Strecke Waldkappel-Casiel, der kurz nach 7 Uhr in Cassel eintreffen muß, entgleiste, als er eben die Eisenbahnbrücke über die Fulda passiert hatte. Die Lokomotive stürzte um und liegt neben dem Bahnkörper. Die folgenden drei Wagen entgleisten ebenfalls und schoben sich ineinander, wobei erhebliche Materialschäden angerichtet wurden. Glücklicherweise befanden sich im ersten Wagen keine Passagiere. Von den übrigen Passagieren wurden 3 leicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist bisher noch unbekannt, dürste aber wahrscheinlich in dem neu ausgeschütteten Bahnkörper zu suchen sein, der infolge deS RegenS der letzten Tage Senkungen aufwieS. Der Verkehr erlitt eine zwölsstündige Verspätung, kann aber durch Umsteigen aufrecht erhalten werden.
Wanfried, 18. Juli. Daß das Geschäst der Wunder- doktoren ein glänzendes ist, beweist die Tatsache, daß Schäfer Ast, der schon der Besitzer mehrere Höfe ist, neuerdings ein Gut iür 95 000 Mark erworben hat.
Wehrda, 20. Juli. Hier wurde heute mittag um 1 Uhr 9 Min. ein 5 Sekunden dauernde? wellenförmige? Erdbeben verspürt. DaS Beben lief von Süden nach Norden. Schaden ist nicht angerichtet worden.
Fulda, 20. Juli. In der ganzen Stadt wurde hier heute mittag um 1 Uhr 8 Minuten ein leichtes Erdbeben wahrgenommen.
Frankfurt a. M., 20. Juli. Kurz nach 1 Uhr wurde hier ein leichter Erdstoß verspürt. Die Uhren blieben stehen und Tische und Stühle gerieten inS Wanken. In der Altstadt flüchteten ängstliche Leute aus die Straße.
Marburg, 17. Juli. Ein Oberjäger deS hiesigen BatailonS rannte, als er gestern abend nach Einbruch der Dunkelheit mit seinem Fahrrad die von der Caffeler Straße nach den Schießständen abzweigende Wegeunterführung passieren wollte, derart gegen da? Mauerwerk deS Tunnels daß er eine schwere Schädelverletzung erlitt.
Hanau, 17. Juli. Durch Urteil de- Oberverwaltung?. gerichtS wu de die Ordnung betreffend die Kosten der Grund- stückSentwäsierung der Stadt Hanau für ungültig erklärt, war eine Rückzahlung der bereits erhobenen Kanalgebühren und Beiträge in Höhe von 560 000 Mark zur Folge hat. Diese- Defizit soll durch Steuerzuschläge aufgebracht werden, die in der heutigen Stadtverordnetenversammlung folgendermaßen festgesetzt wurden: Die Einkommensteuer wurde von 151 auf 165, die Gewerbesteuer von 171 auf 180 und die Grundsteuer von 171 auf 213 Prozent jür da- Rechnungsjahr 1913 erhöht. In einer früheren Sitzung war beschlossen worden, die Erhebung der Grundsteuerzuschläge aus drei Jahre zu verteilen. Gegen diese Verteilung waren vom Bezirksausschuß Bedenken erhoben worden. Für den Bau einer weiteren achtzehnklassigen Volksschule bewilligten die Stadtverordneten in geheimer Sitzung 447 000 Mark.
Gießen, 16. Juli. Ein Doppelselbstmord wurde heute von dem 23 Jahre alten Kaufmann Georg Hermann von hier und der 20jährigen Anna Tenner von Eschwege versucht. Der junge Mann hat zuerst dem Mädchen in der Gegend d r Schläfe eine lebensgefährliche Wunde beigebracht und dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet, wobei er sich jedoch eine minder schwere Verletzung beibrachte. DaS Motiv der Tat soll Liebeskummer bilden.
Hanau, 19. Juli. Heute stürzte sich ein Liebespaar, der Dreher Wagner und die 18jährige Eva Martin, bei Offenbach in den Main. Beide ertranken.
Alsfeld, 18. Juli. Aus der Bleidenroder Gemarkung erschlug der Blitz den Bitfelder Schäfer. Ein Junge, der mit dem alten Mann unter dem gleichen Baume Schutz gesucht hatte, wurde betäubt.
Heiligenftadt, 19. Juli. Die Nachricht auS Siemerode bei Heiligenstadt über freche Viehdiebstähle in Weißenborn und Beienrode (Kr. Göttingen) hat eine sensationelle Wendung erfahren durch die Mitteilungen, die einer der Beteiligten, Landwirt Bernhard Knoch auS Küllstedt schriftlich der Redaktion einer Zeitung gemacht hat. Danach stellt sich heraus, daß Knoch durch Bedrohung mit dem Tode durch vor- gehaltenen Revolver gezwungen worden ist, die Diebe und ihre Beute zu fahren. Nach KS. Angaben waren der Schlächter Ferdinand Martin auS Grebendorf bei Eschwege und der Viehhändler Karl Meyer auS Marburg zu ihm gekommen. Martin sagte, er habe vier Schweine und ein Rind gekauft und bat Knoche, daS betr. Vieh abzuholen. Von Siemerode auS, wo beim Gastwirt Arand eingekehrt wurde, Martin aber die Zeche schuldig blieb, ging eS mitten in der Nacht nach Beienrode. Der Fuhrmann mußte am Ende deS Dorfes anhalten. Martin und Meyer verschwanden in der Dunkelheit, kamen nach 5 Minuten zurück und schleppten ein Rind mit sich, daS sie von der Weide geholt hatten. Knoch merkte jetzt, daß er es mit Spitzbuben zu tun hatte und weigerte sich, daS Tier aufladen zu lassen. Da sprang Martin, der über Riesenkräfte verfügt, auf ihn zu, packte ihn bei der Schulter und sagte: „Du bist Fuhrmann, — daS Weitere geht Dich nichts an. Wenn Du nicht aufladen willst, jage ich Dir eine Kugel in den Kopf." Mit vorgehaltenem Revolver zwang er den Knoch, den Dingen ihren Lauf zu lasten. In Weißenborn stiegen die beiden Männer wieder vom Wagen ab und brachten bald, je einen Sack tragend, vier Ferkel h ran, die lebhaft quiekten, sodaß der Fuhrmann sich wunderte, daß die Leute im Dorfe nicht wach wurden. Nachdem die Tiere aufgeladen waren, ging die Fahrt durch Siemerode über Heiligenstadt nach Flinsberg. In Heiligenstadt wollte der Fuhrmann Lärm schlagen, doch Martin drohte ihm wieder mit dem Revolver, nahm selbst die Zügel und fuhr im Trab durch die Stadt. In Flinsberg wollte Martin da- Rind an Gastwirt Fromm verkaufen. Als Knoche ihm sagte, daß eS sich um gestohlene Tiere handle, wollte Fromm von dem Kauf nichts wissen. Während da- Rind in Flinsberg stehen blieb, wurden die Ferkel nach Wachstedt gefahren und dort untergestellt. Unterwegs drohte Martin dem Knoch mit dem Tode, wenn er ihm Ungelegenheiten mache. Er solle sagen, er habe unbekannte Händler gefahren und kein Vieh auf dem Wagen gehabt. In Küllstedt entfernten sich die beiden. Der Gendarmerie, die durch ein verlorene- Notizbuch Martin- aus besten Spur gekommen war, ist eS gelungen, den angeblichen Viehhändler Meyer und Martin zu verhaften. Letzterer riß sich jedoch loS und entkam.
Mühlhaufen i. Th., 18. Juli. Ein schweres Auto- mobilunglück ereignet! sich gestern aus der Landstraße von Echönstedt nach Großengottern. Der mit seinem Kraftwagen aus der Heimfahrt von Langensalza her begiiffeneMühlenbesitzer Riebel von hier wollte unterwegs in rascher Fahrt einem Bierwagen auSweichen. Hierbei geriet ein Hinterrad der AutoS an den Bierwagen und wurde abgeriffen. Der Kraftwageu kam dadurch inS Schleudern und aus der Fahrbahn. Mit
voller Wucht fuhr er dann gegen einen Apfelbaum und wurde vollständig zertrümmert. Riebel wurde herauSgeschleudert und erlitt schwere lebensgefährliche innere Verletzungen. Im bewußtlosem Zustande wurde er dem hiesigen Krankenhause zugeführt, sein Zustand gilt als hoffnungslos.
Eisenach, 18. Juli. Auf dem hiesigen Bahnhose wurde gestern nachmittag der HilsSweichensteller Löber von dem D- Zuge Frankfurt-Berlin überfahren und sofort getötet. Löber wollte einen Passagier einer PersonenzugeS, der an der verkehrten Seite auSgestiegen war und die Gleise überschreiten wollte, zurückhalten und bemerkte dabei selbst den heranbrausenden D-Zug nicht, der ihn zermalmte.
Frankfurt, 19. Juli. DaS Militärluftschiff „8. ß. 20“, daS Freitag vormittag 9 Uhr von hier auS eine Dauerreise angetreten hatte, ist heute srüh 4Va Uhr nach nahezu 20- stündiger Fahrt im Franksurter Lustschiffhasen wieder eingetroffen. Nach den Berichten deS FührerS Dr. Dürr war die Fahrt eine der schwierigsten, die je mit einem Zeppelin-Lustschiff auSgeführt worden ist. Stundenlang wurde daS Fahrzeug von strömendem Regen gepeitscht, dazu gesellte sich über dem Bodensee ein Gegenwind, der 20 Sckundenmeter erreichte und daS Luftschiff über eine Stunde aus einen Fleck sesthielt. Bei der Landung in Frankfurt war daS Luftschiff so vom Regen beschwert, daß zu seiner Entlastung alles Entbehrliche über Bord geworfen werden mußte, um einem umfansten Ausstößen aus dem Erdboden vorzubeugen. Die Reife ging zunächst östlich über Würzburg, AnSbach nach Augsburg. Dann nahm daS Schiff südlichen KurS zum Bodensee, der in den ersten Abendstunden erreicht wurde. Ueber dem Wasser wurde eine Höhensahrt unternommen, die bis 1800 Meter emporführte. Um 8 Uhr abends hatte da- Fahrzeug Friedrich-Hasen erreicht und kam in ein schwere- Wetter. Die ganze Nacht hindurch strömte der Regen nieder. Dazu gesellte sich scharfer Gegenwind. Am Bodensee nahm daS Schiff nördlichen KurS und kam gegen 1 Uhr nacht- nach Stuttgart. Bei Eintritt der Morgendämmerung schwebte „8. Z. 20" über Frankfurt, um 4V2 Uhr früh erfolgte endlich die Landung.
Wichdorf, 18. Juli. Wie nötig er ist, junge Leute beim Gebrauche von Waffen immer wieder zur Vorsicht zu mahnen, beweist der Umstand, daß ein hiesiger junger Mann seinem Vetter eine Teschingladung Schrot in die Wade jagte. Der Getroffene ein Seminarist, liegt im Roten Kreuz zu Cassel. Obgleich eine Gefahr nicht vorhanden ist, zeigt eS sich wieder, mit welcher Gleichgültigkeit mit Waffen um- gegangen wird.
Zeitz, 17. Juli. Eine schwere Verwundung erlitt daS 7V2 Jahre alte Mädchen Lisbeth Karthe, indem eS sich beim Fallen eine Stricknadel durch daS linke Auge in da- Gehirn stach. DaS bedauernswerte Mädchen wurde in da- Krankenhaus gebracht, wo eS leider verstarb.
Weitzenfels, 18. Juli. Am Mittwoch morgen wurden zwei junge Mädchen in der Nähe von Leine, an den Händen zusammengebunden, als Leichen in der Saale ausgefunden. ES handelt sich, wie daS „Weißenselser Tageblatt" meldet, um die 18jährige Beyer auS Kauschberg und die 17jährige Elfriede Eberhardt auS Leipzig, deren Herrschaft sich augenblicklich in Bad Dürrenberg befindet. Die Lebensmüden waren noch am Abend zuvor im Gasthaus zu Craßkau gewesen. War die beiden jungen Mädchen in den Tod getrieben hat, ist noch nicht bekannt.
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Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 15. Juli abgeschlossenen BerichtSwoche waren für den Getreidehandel hauptsächlich die Frage eine- rumänischen GctreideauSfuhiverboteS und die Verspätung der heimischen Roggenernte von Bedeutung. Die Meldung von dem Erlaß eine- allgemeinen Getreideausfuhrverbote- seitens Rumänien- wurde alsbald amtlich in Abrede gestellt, aber eS wurde keine Klarheit darüber geschaffen, ob eine ähnliche Maßnahme im beschränkten Umfange getroffen worden ist. UebrigenS verlor schließlich die Angelegenheit durch den Verlauf deS neuen Balkankrieges wesentlich an Wert, da nunmehr die tatsächliche Einstellung der Feindseligkeiten sehr bald erfolgen dürfte, und damit eine befestigende Einwirkung der Balkanwirren aus den Getreidemarkt nicht mehr in Aussicht zu nehmen ist. Die durch die Witterung verursachte Verzögerung deS Reifens des Roggen- in Deutschland hat gleichfalls einen erheblichen Einfluß auf die Preisgestaltung nicht gewinnen können. Einesteils scheint sich ein Mangel bei den noch in zweiter Hand befindlichen Vorräten nicht geltend zu machen, und andernteil? üben die im allgemeinen befriedigenden Ernteausfichten auf spätere Termine einen Druck auS. Hierbei wirkt auch der Umstand mit, daß Rußland nach den vorliegenden Berichten aus eine große Ernte an dieser Frucht zu rechnen hat. Der preußische Ernteertag an Roggen wird allerdings um 55 000 Tonnen geringer gegenüber dem vorjährigen Ergebnis geschätzt. Die Weizenpreise neigten sich zur Abschwächung, da sowohl die Hoffnung auf eine gute inländische Ernte als auch daS andauernd starke Angebot Nordamerika- Verkauf-lust hervor- rief. Hafer hatte an der Befürchtung einer wenig befriedigenden Ernte eine Stütze, der Stand der Felder soll sich jedoch infolge der jüngsten Niederschläge gebessert haben. Für Mai- lauteten die argentinischen Forderungen wegen der Frachtensteigerungen höher. Am letzten Tage der BerichtSwoche stellten sich die Preise für September, wie folgt: Weizen 203,25 Mk., Roggen 170,50 Mk., Haser 166,75 Mk., Mai- 145,50 Mk.
vemkcftttr.
— (Kinderbesuch an Bord der „Hohen- tollern".) Ein reizende- Intermezzo von der Nordlandreise der Kaiser- wird auS Balholm mitgeteilt. Als die „Hohen- zollern", gefolgt von dem Depefchenboot „Sleipner", vor Balholm erschien, machte ein mit reichem Schnitzwerk versehene- Nordlandboot, in dem ein kleiner Knabe mit seinem in Nationaltracht gekleideten Kindermädchen saß, vom User loS und nahm seinen KurS direkt auf daS Kaiserschiff zu. Der kleine Insasse, der einen mächtigen Rosenstrauß in den Händen hielt, war da- Söhnchen de- in Balholm wohnenden bekannten nor«
wegischen MalerS Normann. Kaiser Wilhelm hatte bei seiner vorjährigen Anwesenheit in Balholm an dem munteren Knaben derart Gefallen gefunden, daß er ihm von Berlin auS ein prächtige- Miniatur-Krieg-schiff zusenden ließ. Dieser Beweis kaiserlicher Huld hatte auf den kleinen Adelsteen so tiefen Eindruck gemacht, daß er seine Eltern mit Bitten bestürmte, ihm zu erlauben, dem Kaiser bei seiner Ankunft in Balholm einen Blumenstrauß al- Dank für daS wertvolle Geschenk zu überreichen. Kaiser Wilhelm nahm den Kleinen auch diesmal in liebenswürdigster Weise aus, ließ ihn auf dem Schiff herumführen und bewirtete ihn mit Kuchen. Erst nach längerem Aufenthalt an Bord der „Hohenzollern" durfte sich der klein« Gast deS Kaiser- verabschieden und in daS HauS seiner Eltern zurückkehren.
— S t a d e (Hannover), 19. Juli. In dem Dorfe Hemmoor a. Oste ereignete sich, wie daS „Stab. Tagebl." berichtet, ein schwerer Unglück-jall. In der dortigen Portland- Zement-Fabrik brach infolge starker Regenfälle die Betonmauer einer mit Zementrohschlomm gefüllten Bassins, wobei der Schlamm in die Baugrube der Fabrik drang. Vier in der Grube beschäftigte Arbeiter konnten trotz energischer RettungS- arbeiten nicht befreit werden. Alle vier Leichen wurden geborgen.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 21. Juli. Eine seit sechs Jahren schwer nerven- leidende Frau geriet mit Hausgenossen in Streit und regte sich darüber aus, daß ihr Mann gelassen blieb. Gestern nachmittag kam sie inS Kinderkrankenhaus, in dem sich einer ihrer Söhne befindet. Auch der Ehemann machte dem Knaben einen Besuch. Als die Frau ihren Mann kommen sah, eilte sie davon und saßte den Entschluß, sich mit ihren zu Hause gebliebenen Kindern zu vergiften. Die beiden jüngsten Kinder setzte sie in eine Sofaecke und versuchte den ältesten Sohn an daS Bett zu binden. DaS ließ dieser sich aber nicht gefallen, sondern eilte davon und schrie um Hilse. Unterdessen schnitt die Frau ihre Schürze entzwei und suchte sich zu erhängen, während daS Ga- den geöffneten Hähnen entströmte und den Kleinen daS Bewußtsein raubte. Nachbarn, die aus daS Geschrei herbeieilten, schnitten die Frau ab und schloffen die Hähne ab. Die Kinder konnten wieder inS Bewußtsein zurückgerufen werden, während die Frau schwer krank dar- niederliegt.
Berlin, 21. Juli. Im Walde bei Oberschöneweide sind gestern zwei Kaufleute auS Berlin Überfällen worden. Diese fuhren aus ihren Zweirädern ahnungslos die Chauffee entlang, als plötzlich zwei Strolche, die sich im Chausieegraben verborgen gehalten hatten, aus sie zustürzten und sie von den Rädern herunterriffen. Die Wegelagerer versuchten den Radiern die Maschinen zu entreißen. ES entstand ein erbitterte- Ringen, dem erst die Dazwischenkunst eines mit mehreren Personen besetzten Automobils ein Ende machte. Als der Chauffeur bremste, ergriffen die Strolche die Flucht und entkamen in den Wald.
Lissa, 21. Juli. In einem Abteil vierter Klasse im Personenzug Posen-Lissa stach ein Arbeiter plötzlich ohne sichtbare Ursache aus seine Mitreisenden ein, von denen vier, darunter ein Briefträger auS Birnbaum und ein Soldat aus Berlin, der auf Urlaub fuhr, schwer verletzt wurden. Als die Mitreisenden die Notleine zogen, sprang der Attentäter au- dem Zuge und suchte zu entkommen, konnte aber verhaftet werden. __________
Mülheim a. R H., 21. Juli. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern abend auf der Mülheimer Straßenbahn. Ein Triebwagen entgleiste und fuhr in den Vorgarten einer Gastwirtschaft hinein. Ein Soldat, der sich durch Abspringen in Sicherheit bringen wollte, geriet unter die Räder und wurde tödlich verletzt. 5 andere Fahrgäste erhielten schwere V.rwundungen.
Berlin, 21. Juli. Aus der Weichsel ist erneut Hochwasser eingetreten. Im Bistum Münster (Westfalen) wurden infolge des schlechten Wetters besondere Gottesdienste angeordnet.
K 0 n st a n t i n 0 p e l, 20. Juli. Ueber die Beschlüsse deS gestern abend abgehaltenen Ministerrates ist keine offizielle Mitteilung erschienen. Der General'ssimuS Jzzet Pascha, der am Ministerrat teilnahm, ist am Abend nach Tschorlu abgereist. Wie verlautet, hat der Ministerrat eine Zirkulardepesche versaßt, in der den Mächten die Gründe dargelegt werden, die die Türkei zwangen, ihre HandlungSsreiheit wieder auszu- nehmen. __________
London, 21. Juli. Eine äußerst interessante Mitteilung veröffentlicht der „Daily Telegraph" au- Belgrad. General Putnick hat seiner Regierung mitgeteilt, daß Bulgarien von ihm sür 2 Parlamentäre freie- Geleit verlangt hat, um die Frieden-verhandlungen zu eröffnen. Paschitsch hat dem General Putnick sofort Befehl erteilt, die bulgarischen Parlamentäre mit aller Rücksicht zu behandeln und sie nach Nisch zu führen, wenn ihre Vollmachten in Ordnung seien. Andern- sallS sollen sie sofort zurückgeschickt werden. VenizeloS» Paschitsch und ein rumänischer Bevollmächtigter, dessen Name noch nicht bekannt ist, werden sofort eine Konferenz mit den Bulgaren in Nisch abhalten, sodaß die Friedenspräliminarien noch vör Ablauf von 3 Tagen gezeitigt sein können. Die bulgarischen Bevollmächtigten haben gestern abend 5 Uhr Zaribrod in der Richtung nach Nisch verlassen. ES sind der Krieg-minister Paprikow, der HandelSminister Jwantschew und der GeneralstabSoffizier Pananew.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a. M.
Wetteraussichten für Dienstag den SS. Juli.
Wolkig, zeitweise Regenfälle, etwaS wärmer, westliche bis südwestliche Winde.