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herrjel-er Kreisblatt

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Fernsprech-^nschlutz Nr. 8

Nr. 85, Dienstag, den 22, Juli 1913,

Amtlicher teil.

Hess.'Nass. landw.

Berussgenossenschaft

Sektton Hersfeld.

3. 3. Nr. 1037.

Herrfeld, den 18. Juli 1913.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreise?.

Nach § 37 deS StatutS der Hesfen-Nasiauifchen-lanb- wirtschastlichen Berussgenossenschaft vom 23. November 1912 hat jeder landwirtschaftliche Betrieb-unternehmer die Ver­pflichtung, Unfälle in seinem Betriebe, durch den ein im Be­triebe Beschäftigter getötet oder so verletzt ist, daß er stirbt oder für mehr alS drei Tage völlig oder teilweise arbeits­unfähig wird, außer der OrtSpolizeibehörde dem SektionS- Vorstände schriftlich oder zu Protokoll anzuzeigen. Die Be­stimmungen des StatutS find bisher noch von keinem Betriebs- Unternehmer beachtet worden.

Ich ersuche, auf diese Bestimmung in ortsüblicher Weise hinzuweisen, sowie auch selbst darüber zu wachen, daß sie von den Beteiligten in gehöriger Weise beachtet werden. Nicht­beachtungen dieser Vorschrift können mit Geldstrase bis zu 300 Mark geahndet werden. (§ 1556 der ReichSversicherungS- Ordnung.)

Zu den Anzeigen ist daS vom ReichSversicherungSamt vor­geschriebenen (gelbe) Formular zu verwmden.

von GruneliuS.

HerSfeld, den 18. Juli 1913.

An die Herren Bürgermeister und Gu^vorsteherbeS KreifeS.

In letzter Zeit ist eS wiederholt vorgekommen, daß mir vom AuSbruche eines größeren Brandes nicht sofort telephonisch Anzeige erstattet worden ist. Nach § 5 Absatz 2 der Polizei-Verordnung vom 1. September 1906 Amtsblatt Seite 295/6, betreffend die Verpflichtung zur Hilfe­leistung bei Bränden in der Umgegend, hat die OrtSpolizei- behörde außer dem Be^irkSbrandmeistrr auch dem Landrate sofort Anzeige zu erstatten, wenn der Brand einen größeren Umfang annimmt und sobald die Löschung durch die OrtS- seuerwehr nicht allein bewirkt werden kann.

Ich nehme Veranlassung, die Vorschrift in Erinnerung zu bringen. Ich werde in Zukunst die OrtSpolizeibehörden ver­antwortlich machen, wenn sie eS versäumen, mir diese Anzeigen zu erstatten.

Während der Dienststunden hat die telephonische Anzeige nach dem LandratSamte zu erfolgen,

I. 8299. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 18. Juli 1913.

Der Bürgermeister Valentin Nutzn in Rotterterode ist am

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.

(Fortsetzung.)

Gehen? Von einem Gehen konnte kaum die Rede sein. Sie stiegen hinweg über Leichen, sie kletterten über tote Pferde» leiber, über Kanonen und zerbrochene Wagen. Sie umschritten vorsichtig dir Verwundeten und Sterbenden, um sie nicht zu verletzen. Peinigend drangen ihre SchmerzenSschreie an ihr Ohr. Wohin sie kamen, ertönten die Wehruse der Unglück­lichen, ohne Pause, so daß eS war wie eine ununterbrochene Kette von Qualen, die zu ihnen Hinaufschrie. Weit offene Augen starrten sie gläsern an, Finger streckten sich aus, um sie sestzuhalten.

Zuletzt kam eS dem jungen Husaren vor, alS brauste ein ganzes Meer von Jammertönen und Hülferufen um ihn her. Er schauderte und klammerte sich an SaherS Arm.

Sie rufen um Hülfe, die Toten schreien unS nach," sagte er entsetzt.

Du hast recht. ES ist surchtbar anzuhören, Kamerad, aber wir müssen unS stark machen. Wir müssen vorwärts."

Ich kann dies nicht anhören," murmelte der Rekrut.

So weichmütig, Kamerad? Dann bist du nicht zum Soldaten geboren."

Der Husar zuckte zusammen. Er ließ SaherS Arm loS. Seine Gestalt straffte sich.

Sie irren, Herr Leutnant. Ich bin Soldat und werde meinen Mann stehen."

Desto besser. Bald ist'S auch Überständer». Wir nähern uns dem Ende deS Schlachtfeldes."

ES war eine erbärmliche Schlacht für unS Preußen," sagte der Rekrut verächtlich.

War sie dar?" rief Saher zornig.Dann Schande über uns! DaS ist nie wieder auSzulöfcheu; denn die Ge­schichte wird ihren Verlauf ausbewahren, unS zu schmachvollem Gedächtnis. Halt, war ist daS? Reiter? Hörst du nicht» ?"

27. Juni dS. JS. alS solcher für einen am 20. dS. MtS. beginnenden, weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden.

Ich habe die Wahl bestätigt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 5190. von GruneliuS.

HerSfeld, den 16. Juli 1913.

Die Fleischbeschau- und Trichinenschaubezirke in PhilipPS­thal werden wie folgt neu abgegrenzt.

1. Zum Bezirk I B» schauer Beck gehören sämtliche Häuser einschließlich deS Schlosses, die am rechten Ufer der Werra belegen sind, ferner Weidenhain und Hof Tal- hausen.

2. Zum Bezirk II Beschauer Niebeling gehören sämtliche Häuser aus dem linken Ufer der Werra.

Die Anordnung tritt sofort in Krast.

I. 8188. Der Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher CeiL

Der neue Ballanlrieg.

Berlin, 20. Juli. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: In der letzten Woche ist eS auf dem Balkan zu größeren Kämpfen zwischen Bulgaren und seinen früheren Verbündeten nicht mehr gekommen, und auch der Vormarsch RumänienS hat bisher keine Gefechte im Gesolge gehabt. Mit nachahmenswerter Mäßigung hat die rumänische Regierung sich das Ziel ihrer Politik gesteckt und durch eine schriftliche Mitteilung die Mächte darüber unterrichtet, daß sie sich mit der Linie Turtukhaja-Ballschik unter Ausgestaltung zu einer strategisch brauchbaren Grenze begnüge. Auch zu der türkischen Regierung möchte man daS Vertrauen haben, sie werde sich auch sernerhin durch eine mehr scheinbare alS wirkliche Gunst der Umstände und durch daS Drängen der öffentlichen Meinung nicht zu verhängnisvollen Schritten fortreißen lassen, sondern, getreu ihrem bisherigen Standpunkt, daran festhalten, daß die endgültige Bestimmung der Grenze des oSmanifcheu Reiches gegen feine Feinde im letzten Feldzug Sache der Großmächte ist. In UeSküb haben die Ministerpräsidenten Griechenlands und Serbiens eine Besprechung gehabt, in der für die gemeinsame Richtung der Politik ihrer Länder gegenüber Bulgarien eine Einigung fest­gestellt wurde. In Sofia dürste daS neue Ministerium RadoSlawow-Chenadiew durch sofortige Entsendung deS früheren Ministerpräsidenten Geschow zu Unterhandlungen nach Bukarest einen nützlichen Schritt getan haben. ES scheint dieS daS Vorzeichen zu einem diplomatischen Einlenken zu sein. Jedenfalls kommt Bulgarien damit dem Wunsch

Der Feind, der Feind ist'S".

Nieder, nieder, Kamerad! Wir sind Tote, wie die anderen."

Sie warfen sich auf den Boden. Der Husar fühlte eine weiche Masse unter sich. Ein Toter? Oder ein Sterbender? Mit einem unterdrückten Schrei wollte er sich auf die andere Seite wälzen. Aber Saher drückte ihn mit aller Kraft nieder, so daß er sich nicht rühren konnte.

Da waren die Reiter heran. Würden sie von den Husen der Pferde zertreten werden? Nein, sie wurden bewahrt. Gerade über den Hausen hinweg, auf dem sie lagen, setzten die Pferde, ohne sie zu berühren, und in der Ferne verklang ihr Husschlag.

Gerettet!" sagte Saher.Man wird daS Seltsame ebenso gewöhnt wie daS Unglück und die Schande. Hast du noch etwas zu trinken, Kamerad? Wir haben noch einen tüchtigen Weg vor uns."

Sie teilten den letzten Schluck aus der Flasche. Auch etwas Brot fand sich noch in dem Beutel der Husaren.

Nun weiter besah! Saher.Wenn die Sonne ausgeht, müssen wir in Sicherheit fein. UnS muß die Dunkelheit schützen."

Sie gingen schweigend weiter. AlS sie die letzten Toten hinter sich ließen und die SchmerzenStöne ihnen schwächer nachklangen, atmete der Rekrut aus. Aber mit einiger Sorge betrachtete er den Himmel. Machte sich nicht schon der fahle Morgen bemerkbar? Er holte weiter auS.

Du hast einen schnellen Schritt an dir, Kamerad."

Ich bin daS Gehen gewöhnt."

Wo ist dein Pferd geblieben?"

ES wurde mir unter dem Leibe erschossen Herr Leutnant."

Wir müssen suchen, wieder Pferde zu bekommen," meinte Saher.vielleicht in Weimar."

Sollte daS möglich sein?" rief der Husar erfreut.

Saher blieb stehen und suchte dar Gesicht deS jungen Menschen zu betrachten.

Deine Stimme kommt wir bekannt vor, Kamerad. Ich muß sie schon irgendwo gehört haben."

Der Rekrut wich ein wenig von Saher zurück.

RumänienS, Griechenlands und SerbienS nach Eröffnung unmittelbarer und selbständiger Verhandlungen zwischen den Balkanstaaten über Friedenspräliminarien entgegen. Die Haltung der Großmächte ist nach wie vor die gleiche geblieben in der Vermeidung von Sonderunternehmungen und in der Bewahrung der Einigkeit, über deren Wert Sir Edward Grey in den Sitzungen deS Unterhauses vom 14, und 15. Juli wie im Namen deS europäischen Gewissens eindringlich gesprochen hat.

Bukarest, 19. Juli. (Amtliche Meldung.) Eine fliegende Kolonne Kavallerie und reitende Artillerie stieß gestern bei Ferdinandovo zwischen Lompalanka und Sofia mit einer Brigade der 9. bulgarischen Division zusammen, die den Rückzug der Division deS Generals Kutintscheff decken wollte. Nach kurzem Kämpfe ergab sich die bulgarische Brigade mit dem General und 12 Geschützen. Die rumänischen Truppen auf dem östlichen Kriegsschauplatz, welche die Linie Turtukai« Baltschik besetzten, schicken ErkundigungSabteilungen nach Süden und Südosten vor. Offiziöse Blätter dementieren aus­drücklich die Meldung von einer Intervention Oesterreich» UngarnS zum Zweck der Einstellung der militärischen Aktion RumänienS.

B u k a r e st, 20. Juli. L'Jnd6pendance Roumaine erfährt daß Rumänien, Serbien und Griechenland sich über die Grundlagen der FriedenSbedingungen geeinigt hätten und eine Konferenz aller Kriegführenden einberujen werden solle. AlS Konserenzort schlagen Serbien und Griechenland Sinai« vor.

Bukarest, 20. Juli. Der Vertreter deS Wiener K. K. Telegr.-Korr.-BureauS erfährt aus unterrichteten nichtamtlichen Kreisen, daß die bulgarische Regierung durch Vermittlung deS italienischen Gesandten der rumänischen Regierung mitgeteilt habe, Bulgarien fei bereit, daS Gebiet bis Turtukhai-Dobrifch» Baltschik abzutreterr. wenn Rumänien sein Heer zurückziehe. Die rumänische Regierung habe geantwortet, daß sie auf Einzelabmachungen nicht eingehe, und daß der Friedensschluß mit allen Kriegführenden zusammen erfolgen müsse.

Belgrad, 20. Juli. Der gestrige Tag ging ohne Kämpfe von größerer Bedeutung vorüber. Gegen 1 Uhr früh versuchte der Feind auf dem rechten Ufer der Nischava bei Pirot unsere Grenzlinien anzugreisen, wurde aber energisch zurückgewiesen. Bei St. Nicola drangen unsere Truppen aus bulgarisches Gebiet vor und kamen bis Tschipren. Der Feind zog sich nach Bjelogradjik und nach Ferdinandovo zurück. Auf Befehl der Bulgaren mußten alle Bewohner der Gegend ihr Land verlassen. Beim Rückzug steckten die Bulgaren einige kleine, alte Häuser in Brand. Bei Egri-Palanka griff der Feind gegen 3 Uhr früh an, wurde aber schnell und energisch zurückgetrieben. Am oberen Bregalnitza und in der Richtung auf Zarevo Selo griffen unsere Truppen erfolgreich an. Der Feind versuchte mit einer ganzen Division einen Gegenangriff von der Grenze auS, wurde aber energisch zurückgewiesen.

Stimmen ähneln sich oft," versetzte er kurz.

Sie eilten weiter. Doch bald kam eS Saher so vor, alS ob die Kraft seines Begleiter» nachließe. Er stolperte zuweilen und ging langsamer.

Gib mir deine Hand, Kamerad," sagte Saher plötzlich. Der Husar stutzte.

Warum?"

Saher nahm die Hand deS jungen Manne» ohne weitere Umstände.

Gehorche, du bist müde."

Der Soldat schwieg. Saher war sein Vorgesetzter und hatte zu befehlen, aber die Hand deS Rekruten zitterte etwa».

Befremdet bemerkte eS Saher und sah darauf nieder. Da zuckten auch seine Finger. Er öffnete die Lippen zu einem schnellen Wort, aber er drängte eS zurück und schwieg.

Sagten Sie etwa», Herr Leutnant?" fragte der Husar zögernd.

Nein, Kamerad. Mir fiel nur ein, an wen mich deine Stimme erinnert hat," entgegnete Saher trocken.Nämlich an die Stimme einer jungen Dame. Nicht wahr, da» ist spaßhaft? Aber Aehnlichkeiten kommen vor, wie du schon treffend bemerkt hast."

Mißtrauisch sah der junge Husar Saher von der Seite an. Aber er konnte in dessen Zügen nichts entdecken, wa» ihn zu seinem Mißtrauen berechtigte.

Der bleiche Morgenschein am Himmel wurde immer breiter, der Himmel heller, die Gegenstände ringsumher er­kennbar, auch die Gesichter der Flüchtlinge.

Argwöhnisch sah der Rekrut aus seinen Begleiter, aber Saher begegnete feinem scheuen Blick in aller Ruhe, ohne Staunen oder Zweifel darin auSzudrücken.

Gegen 6 Uhr morgen» am 15. Oktober näherten sie sich Weimar. Sie mußten Umwege machen und sich mehrmals verstecken, um der feindlichen Verfolgung zu entgehen. Je näher sie der Stadt kamen, desto vorsichtiger mußten sie fein. ES gelang ihnen jedoch, glücklich hineinzukommen, ohne auf- zufallen oder bemerkt zu werden.

Hier begaben sie sich in da- zunächstliegende Haus.Wir haben bei dm Bürgern Weimars nichts zu fürchten. All«