Kubikmeter faßt, aber nur eine Stauhöhe von 19 Metern hat und nur 4 333 000 Mk. kostet. Endlich ist noch eine Werra- sperre bei Wasungen geplant, die bei einer Stauhöhe von nur 8 Metern 11500 000 Kubikmeter faßt und 4 760 000 Mk. kostet. Diese letztere ist als AuSgleich-weiher gedacht, welche die Abgabe der anderen 5 Talsperren gleichmäßig verteilen soll. Alle 6 Sperren speichern zusammen 110 000 000 Kubikmeter Wasser aus und kosten zusammen 34 415 000 Mk. An jeder dieser Sperren soll ein Kraftwerk errichtet werden, die zusammen 19 450 000 Kilowattstunden liefern. Von den Triebwerken der Werra von Themar bis Münden werden durch die Aufbesserung deS Betriebswassers, bewirkt durch die Talsperren- und Wehranlagen in den Sommermonaten weitere 19 Millionen Kilowattstunden erzeugt. Diese bringen zusammen eine Summe von jährlich 1350 000 Mk. ein, sodaß für Verzinsung deS Anlagekapitals nur jährlich 150 000 Mk. auszubringen sind, welche durch die Schiffahrt leicht gelöst werden können. Der Vortrag sand lebhaften Beisall und einhellige Zustimmung. Die vorgelegten Pläne sollen durch Druck vervielfältigt und weiteren Kreisen zugängig gemacht werden.
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):( Hersfeld, 18. Juli. Die Feuerwehren von KerSpenHausen, ASbach und Niederaula haben für rechtzeitige- Eintreffen und hervorragende Tätigkeit bei Bekämpsung deS kürzlich in Beiershausen auSgebrochenen Brandes von der Hessischen BrandversicherungSanstalt in Cassel je eine Prämie von 15 Mark erhalten.
Hersfeld, 16. Juli. Im nahen Herfa, Amt Friedewald, ereignete sich heute vormittag im Kalibergwerk „Hersa" ein bedauerlicher UnglückSfall. Beim Heben einer Drehscheibe schlug der schwere Hebel zurück und verletzte den Aufseher Kiehm auS Friedewald derart am Bein, daß er sofort nach dem Land- krankenhause in HerSseld befördert werden mußte. Nach Feststellung deS ArzteS erlitt der Unglückliche einen doppelten Knochenbruch.
Fulda, 17. Juli. ES steht nun fest, daß der Durchschlag deS Tistelrasen-TunnelS (3,5 Kilometer) so zeitig erfolgen wird, daß die Eimer Umgehung-bahn Schlüchtern-Flieden am 1. Mai 1914 eröffnet werden kann. Der Distelrasen- Tunnel ist dann der zweitgrößte im Deutschen Reiche und kürzt die direkte Entfernung Frankfurt-Bebra um 12 Kilometer ab. Von Elm nach Schlüchtern und Flieden werden ab 1. Mai 1914 nur noch Lokal- oder Pendelzüge verkehren, lediglich um den Verkehr der Elm-Gemündener Bahn ausrecht zu erhalten. Nur vereinzelte direkte Züge Flieden-Elm-Gcmünden und umgekehrt werden mit Rücksicht auf die direkten Wagen von Nord- und Süddeutschland über Elm und umgekehrt eingerichtet. Dagegen werden enorme Betriebskosten erspart, indem eine große Menge von Vorspann- und Schiebemaschinen zwischen Elm und Flieden wegsällt.
Treysa, 16. Juli. Im benachbarten Wiera erlitt heute der Forstausseher Gonthec einen bedauerlichen Unsall, der ihn in große Lebensgefahr brächte. Beim Kleeholen waren die Kühe unruhig geworden und versuchten durchzugehen. Hierbei geriet Gonther, der die Tiere aufzuhalten suchte, unter den Wagen, sodaß daS Rad ihm über Kopf und Arm hinwegsuhr. Mit schweren Verletzungen im Genick und Gesicht blieb der Verunglückte liegen und wurde von Bauern, die auf dem Felde beschäftigt waren, in bedenklichem Zustande in seine Wohnung geschafft.
-h- Marburg, 17. Juli. Aus eigenartige Weise verunglückte ein Landwirt auS Salzböden an der Station Fronhausen a. Lahn. Derselbe hielt mit seinem Fuhrwerk am Güterschuppen. Da nahte ein Schnellzug, vor dem daS Ochsengespann deS Landwirts die Flucht ergriff. Der Bedauernswerte kam unter seinen Wagen und wurde eine Strecke geschleift und mußte in schwerverletztem Zustande in die Marburger Klinik gebracht werden. An seinem Auskommen wird gezweiselt.
Cassel, 16. Juli. Die schlechten Obsternteaussichten im größten Teile deS Regierungsbezirks Cassel haben den Obstbauverein für den Regierungsbezirk zu dem Beschlusse bestimmt, auf die Abhaltung der BezirkSobstbauauSstellung, für die HosgeiSmar in AuSsicht genommen war, im lausenden Jahre zu verzichten.
Cassel, 18. Juli. Der Casseler Flieger Referendar Caspar erreichte bei der Kieler Flugwoche gestern mit seiner Gotha-Taube eine Höhe von über 3500 Metern und zwar mit Fluggast. Damit stellte er eine neue deutsche Höchst- leistung auf.
Cassel, 17. Juli. Ein schwerer Unsall ereignete sich gestern in dem benachbarten Besse. AIS der Landwirt Hellmut einen Bullen aus den Hof führte, wandte sich daS Tier gegen seinen Herrn und brächte ihn zu Fall. Dabei drang diesem eine Mistgabel in die Seite. Nur mit großer Mühe gelang eS, den wütenden Bullen dahin zu bringen, daß er von seinem Herrn abließ. Der schwer Verletzte wurde im Automobil nach Cassel inS Krankenhaus gebracht.
Fritzlar, 16. Juli. Seit einigen Tagen hat sich der im ersten Jahre dienende Kanonier Heß der 2. reit. Batterie Artillerie-RegimentS Nr. 11 von seinem Truppenteil entfernt. Da er vor kurzem wegen Urlaub-überschreitung bestraft worden war und außerdem ein Verfahren wegen KameradendiebstahlS gegen ihn schwebt, nimmt man an, daß er fahnenflüchtig geworden ist. Zu gleicher Zeit wurde in Fritzlar eine Baubude erbrochen und daraus ein Fahrrad und mehrere Kleidungsstücke gestohlen. ES liegt deshalb die Vermutung nahe, daß Heß die Zwilkleider angelegt hat und auf dem Fahrrad davon- gefahren ist.
Eisenach, 15. Juli. In einem Anfall geistiger Umnachtung nahm am Sonntag abend die Frau des Tierarztes E. Zyankali in größter Menge ein, sodaß trotz verabreichter Gegenmittel bald daraus der Tod eintrat. Die Verstorbene war 22 Jahre alt und Mutter eines KindeS von 3 Jahren.
Marburg, 15. Juli. Der Zimmermeister Schäser auS Buchenau stürzte dort gestern von einem Wagen und erlitt eine schwere Schädelverletzung. Er starb aus dem Transport in die hiesige Klinik.
Alt Wildungen, 16. Juli. Vor einigen Tagen zog sich ein hiesiger junger Mann eine geringfügige Verletzung an der Nase zu. Diese Wunde verschlimmerte sich aber so, daß sich der Verletzte in- Wildunger Krankenhaus Helenenheim begeben mußte. Dort ist der Bedauernswerte an Blutvergiftung gestorben.
Göttingen, 16. Juli. In der Bahnhosstraße wurde heute morgen die Leiche der Witwe deS im vorigen Jahre verstorbenen HauptmannS F. auS der Leine gelandet. Vermutlich wird Schwermut die Ursache deS Selbstmordes fein.
Frankfurt a. M., 16. Juli. DaS Zeppelinluftschiff „8. Z. 20", daS heute vormittag 11 Uhr 35 Minuten mit sechzehn Personen an Bord unter Fühmng von Direktor Dürr
in FriedrichShafen ausgestiegrn war und um 4 Uhr nachmittags in Franksurt glatt landete, ist ein Militärlustschiff. ES hat den Typ der „Sachsen" und deS „Z. 1", besitzt drei Motoren von je 170 Pserdekräften und ist 140 Meter lang. Voraussichtlich wird daS Schiff bereits morgen eine 16- bis 18stündige Dauersahrt antreten.
Frankfurt a. M., 16. Juli. Aus Anordnung der Staatsanwaltschaft sind die Leichen deS 1895 verstorbenen VaterS und der 1908 gestorbenen zweiten Frau der Fecht- lehrerS Hopf exhumiert worden, da der Verdacht besteht, daß Hopf diese beiden vergiftet hat.
Frankfurt, 16. Juli. Ein Leser teilt dem „Frks. G.-A." folgender Trambahnerlebnis mit: Im Trambahnwagen fuhren zwei Frauen von auswärts mit, die sicherlich noch wenig „elektrisch" durchs Leben gefahren waren. Mit großer Neugierde musterten sie daS Ab- und Zugehen deS Tram- bahnjchaffner?, der die geheimnisvollen Riffe in den Fahrschein machte und daS Innere deS Wagens. Alles konnten sie sich erklären, nur nicht den Zweck der Lederriemen, die von der Decke deS Wagens herunterbaumeltcn. Und da sie beide daS „lederne" Rätsel gar nicht zu lösen wußten, fragten sie mit einem mutigen Anlauf den Schaffner, wozu die Dinger da oben wären. „Zum Festhalte" erwiderte der Schaffner und fuhr an der Haltestelle am Hohenzollernplatz weiter. Ahnungslos rief er dann die nächste Haltestelle aus: „Fcsthalle!" „Fest Halle" verstanden die beiden Frauen natürlich und im Nu sprangen sie von den Sitzen auf und hingen schwebend an den Lederriemen. Sie hatten eben die Haltestelle draußen mit der Halte—stelle drinnen verwechselt und daS Wort deS Schaffners alS einen dringenden Befehl aufgefaßt.
Weilburg a. d. L., 18. Juli. Eine unbekannte Frau bat einen auswärtigen Reisenden, sie in den benachbarten Wald zu begleiten, um ihr Kind zu befreien, daS durch einen Holzstoß verschüttet sei. AlS der Reisende die Frau begleitete, wurde er von drei Männern Überfällen, geknebelt und völlig auSgeraubt.
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Auf dem Balkan liegt noch immer — aller wüst sich in den Haaren — und von Tag zu Tage schlimmer — wird die AuSsicht der Bulgaren, — alles hat sich sitzt verschworen — gegen dieS geschwächte Land, — daß eS jetzt schon säst verloren — liegt für jeden auf der Hand. — Allerdings hat der Bulgare — selbst verschuldet dieS Malheur, — hätte er zur rechten Stunde — auf Rumäniens Begehr — sich verständig eingelassen — wär ihm diese böse Zeit — sicherlich erspart geblieben, — aber auS Begehrlichkeit — war Bulgarien nicht fähig — deS Rumänen ernsten Willen — auf ein Stückchen Balkanvorteil — ohne weit're- zu erfüllen. — Jetzt verläßt von allen Seiten — König Ferdinand daS Glück, — ohne Schwertstreich ist Rumänien — in Bulgarien eingerückt, — Griechenland hat mit den Türken — sich verständnisvoll geeint, — beide richten jetzt zusammen — ihre Wehrmacht aus den Feind. — Auch die Serben unverdrossen — rücken vor in Feindesland, — während sich für den Bulgaren — nicht ein einiger Helfer sand. — Rußland, dem Bulgarien ständig — liebedienernd nachgetragen, — läßt er dafür schnöde fitzen — jetzt in seinen UnglückStagen, — tun mit Oesterreich zu gehen — hat den Zeitpunkt man verpaßt — und die Oesterreichs danken — jetzt für solchen Unglück-gast. — Auch Europas große Mächte — sehen stumm den Dingen zu, — keiner sagt in diesem Falle — die Vermittlerrolle zu. — Sollte nicht für den Bulgaren — noch ein Wunder jetzt gescheht — dann muß er für alle Zeiten — jeden Vorteil schwinden seh'n, — den er sich im Balkankriege — mühevoll errungen hat — und an seiner Ernte essen — dann die anderen sich satt. — Und eS lehrt ein altes Sprichwort — wieder dann die Weltgeschicht — uns in diesem Fall aufs neue: — „Unrecht Gut gedeihet nicht!" W a l t er - W a l t e r.
Den Satten und Vater erschlagen!
KarlSruhe, 15. Juli. Eine in ihren Einzelheiten kaum glaubliche Mordtat fand vor dem hiesigen Schwurgericht nunmehr wenigstens ihre teilweise Sühne. Unter der Anklage des Mordes und Mordversuchs standen vor den Geschworenen die 59 Jahre alte Landwirt-witwe Wilhelmine Sattler, geb. Wagner, deren verehelichter Sohn Emil Wagner und die Arbeitersfrau Elise Trapp; die ersteren beiden waren deS Morde- bezw. Mordversuchs an dem Manne der Wilhelmine Sattler, dem 63jährigen ehemaligen Bäcker und^ Landwirt Karl Sattler in Wössingen bei Breiten beschuldigt, die Angeklagte Trapp der Anstiftung hierzu, desgleichen die 55 Jahre alte Elise Zitsch. geb. Simon, au- Breiten. — Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Grunde. Am 4. Dezember v. I. war der Landwirt und ehemalige Gemeindebäcker Karl Sattler in seiner Scheune erhängt ausgefunden worden. Da man an den Händen der Leiche, sowie in der Wohnung deS Erhängten Blutspuren sand, wurde der Verdacht rege, der Mann könnte möglicherweise eine- unnatürlichen TodeS gestorben sein und schließlich wurde die Ehesrau Sattler- und seine beiden Söhne verhaftet. Der älteste Sohn mußte indessen bald wieder auS der Hast entlassen werden. Im Lause der Untersuchung stellte sich weiter heraus, daß die Sattler ihrem Manne schon lange nach dem Leben trachtete und schon zweimal den Versuch gemacht hatte, ihn durch Mittel, welche sie von der Trapp und der Zitzsch erhielt, auS dem Leben zu schaffen. Sie soll im Sommer 1912 ihm in Fleischkücheln zerriebenes GlaS und im September desselben Jahres im Wein Schwefelsäure vorgesetzt haben, außerdem zwei Tage vor dem Auffinden deS Toten in Gemeinschaft mit ihrem Mitangeklagten Sohn Emil in der Wohnung der Eheleute solange auf ihren Mann bezw. den Stiefvater eingeschlagen zu haben, bis dieser tot war. Die beiden angeklagten Frauen — die Zitsch ist nicht erschienen, da sie erkrankt ist, — sehen sehr unscheinbar und schwächlich auS, so daß man sie einer solchen Tat nicht für fähig halten möchte. Während die Angeklagte in der Voruntersuchung zugegeben hatte, daß sie die Absicht gehabt habe, ihren Mann zu vergiften bezw. sonst irgendwie zu beseitigen, behauptete sie in der Hauptverhandlung, sie hätte etwas derartiges niemals beabsichtigt. Die Schwefel- fäure und da- GlaSpulver hätte sie ihrem Mann lediglich alS Beruhigungsmittel gegeben. Von der Zitzsch habe sie lediglich ein Mittel gegen die Trunksucht ihre- Mannes haben wollen; ebenso auch von der Frau Trapp. Die Angeklagte Trapp befaßte sich vielfach mit sog. Wunderheilungen und Kartenlegerei. Der vermutlich ermordete Sattler galt allgemein alS ein nüchterner und arbeit-samer Mensch, dessen erste Ehe eine sehr glückliche gewesen sein soll. Auch die sämtlichen anderen Angeklagten bestreiken energisch ihre Schuld. DaS Urteil deS Schwurgericht- lautete gegen Wilhelmine Sattler auf sechs Jahre Zuchthau-, gegen Emil Wagner
auf acht Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust, gegen die Elise Trapp wegen Beihilfe auf 14 Monate Gefängniß.
Vermischtes.
— Iüterbog, 16. Juli. Der Flugzeugführer Leutnant Stoll vom Regiment 112 ist gestern abend 8V* Uhr beim Landen, wobei sein Apparat die Baumkronen streifte, auß 15 Meter Höhe abgestürzt. Der Verunglückte wurde inS Garnisonlazarett nach Jüterbog gebracht, wo er heute nacht seinen Verletzungen erlegen ist. — Der begleitende Unteroffizier von der Fußartillerie-Schießschule, welcher zur Fliegerabteilung kommandiert ist, wurde nicht verletzt.
— (Prinz Heinrich im A ero pla n.) Auf der Kieler Flugwoche unternahm Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder deS Kaisers, unter Führung deS Leutnants Canter, aus einem Rumpler-Aeroplan einen Ausstieg, der eine Stunde dauerte. Flug und Landung verliefen glatt. Leutnant Canter, einer der besten Offizierflieger, erzielte außerdem aus der Kieler Flugwoche die beste Zeit im Ueberlandflug.
— (Ein Schulkuriosum in der Rheinpsalz.) In Bayern gibt eS überflüssigerweise heute noch sieben Lateinschulen, von denen die Pfalz allein fünf zählt. Die Lateinschule in BlieSkastel hat im abgelaufenen Schuljahr in der fünften, der höchsten Klasse, einen einzigen Schüler gehabt, um den sich der Subrektor als Klassenlehrer, zwei Studienlehrer, ein Gymnasialasslstcnt und vier Fachlehrer mit dem Erfolg abmühten, daß er, waS gerade noch gefehlt hätte, nicht durch- gefallen ist, sondern die Prüfung alS bester seiner Klasse bestanden hat.
— (Eine ganze Familie freiwillig in d en T o d g e g a n g e n.) Eine Familientragödie, der vier Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hat sich in Heidelberg abgespielt. Der 68jährige Großkaufmann GernSheimer war von einem unheilbaren Leiden befallen, auS welchem Grunde anscheinend die gesamte Familie beschlossen hatte, gemeinsam zu sterben. Gestern srüh fand man den Hausherrn, seine 64jährige Frau, die Tochter und eine verwandte Dame tot in den von Leuchtgas erfüllten Räumen auf. Aus dem Tisch lagen Ab- schied-briefe an Verwandte.
— (Eine wohlhabende Frau vor Hunger gestorben.) In Saarburg lebte in größter Dürftigkeit eine Witwe Ernst, der man überall wegen ihrer vermeintlichen Armut daS größte Mitgefühl entgegenbrachte. Sie empfing auch wiederholt von ihren Nachbarn Unterstützungen. Gleichwohl starb sie jetzt vor Entbehrung. Bei der Verteilung ihre- NachlaffeS sand man zum größten Erstaunen aller Anwesendm 10,000 M. in Gold und 30,000 M. in Wertpapieren.
Letzte nacbricbten.
Belgrad, 18. Juli. Eine unserer Abteilungen, welche 21 Kilometer weit in bulgarisches Gebiet hinein vorgedrungen ist, hat die Stadt Jzvor eingenommen und die bulgarischen Truppen bei Bozilewgrad zurückgeworsen. Der Kamps begann am Morgen und dauerte den ganzen Tag. Die Unsrigen hielten daS Gefecht gegen 3 Fronten aufrecht. Endlich um 5 Uhr abends erhielten sie Verstärkung und zersprengten die feindlichen Truppen. Der Feind wurde unter großen Verlusten zurückgeworsen.
London, 17. Juli. Wie daS Reutersche Bureau mitteilt, find ihm folgende Informationen zugegangen: Die Mächte sind im Begriffe, Schritte in Sofia, Konstantinopel und Bukarest zu unternehmen, in Sofia, um Bulgarien zu veranlassen, daß eS einen Vertreter zur Konferenz mit den Ministerpräsidenten SerbienS und Griechenlands entsendet, in Konstantinopel, um daraus zu dringen, daß sie nicht über die Linie EnoS-Media vorrücken, in Bukarest, um Rumänien den Rat zu erteilen, daß eS Sofia nicht besetzen möge. In diplomatischen Kreisen herrscht starke Unsicherheit bezüglich der gemeldeten Aktionen der Türkei und RumänienS. ES macht sich eine bemerkenswerte Ueberraschung geltend über den Umstand, daß, während den Mächten von der Türkei mitgeteilt wurde, sie beabsichtige nicht, über die genannte Grenze hinaus vorzu- rücken, nunmehr von Konstantinopel ausgegangene Mitteilungen ein Vorrücken auf Adrianopel ankündigen. Die Nachrichten geben in diplomatischen Kreisen keinen Anlaß zur Beunruhigung da man eS für sicher hält, daß die Mächte die- nicht zugeben werden. ___________
Berlin, 18. Juli. Der Termin der Reichstag-ersatzwahl in Ragnit-Pilkallen ist aus den 23. August angesetzt worden. Konservativer Kandidat ist der Landtag-abgeordnete Gottschalk. Die Ausstellung deS nationalliberalen Kandidaten erfolgt am Sonnabend. DaS ReichStagSmandat deS verstorbenen ZentrumSmitgliedeS Kohl sollte angeblich Dr. Heim übernehmen. Laut dem Berliner Tageblatt mußte Dr. Heim wegen seiner Herzkrankheit ablehnen.
Berlin, 18. Juli. Der Konstrukteur der Luftschiffe- Schütte-Lanz, Prosessor Schütte, der gegenwärtig in Wester- land auf Sylt weilt, sprach nach Empfang der UnglückSnach- richt die Meinung auS, daß die Katastrophe ein Beweis bafür fei, wie notwendig Bergehallen an den großen Verkehrswegen erschienen. Der Mangel an solchen habe schon Millionen ge- kostet. _______________
Altona, 18. Juli. In einer von über taufend Personen besuchten Versammlung beschlossen nach dem „Berliner Tageblatt" die Angestellten und Arbeiter der Hamburg-Amerika Linie, die materielle Unterstützung der streikenden Werftarbeiter unter schroffer Verurteilung der Haltung der OrganisationS- leitung. _____________
Hamburg, 18. Juli. Im Regierungsbezirk Stade ging ein schwerer Wolkenbruch nieder und richtete ungeheuren Schaden an dem Vieh und den Erntebeständen an.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdi/nststelle Frankfurt a. M- Wetteraussichten für Sonnabend den 1». Juli. Wolkig, zeitweise Regensälle, Temperatur wenig geändert, westliche Winde.