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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8 !

Nr. 84. Sonnabend, den 19. Juli 1913.

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 16. Juli 1913.

Zur weiteren Hebung und Förderung der Obstbaues im Kreise will der vom Kreis angestellte Gartenbaumeister O. Sonnenberg aus Witzenhausen am:

a) Montag, den 21. Juli d. JS., in Kirchheim,

b) Dienstag, den 22. Juli d. Jr., in Friedewald je einen Sommerschnitt-KursuS abhalten.

DaS Programm ist folgendes:

Der Sommerschnitt an den Formobstbäumen und Wein­stöcken, die Sommerveredelung (Okulation) der Obstbäume, sowie die Bekämpfung von Obstbaumschädlingen."

Die Teilnehmer müssen sich morgen- um 10 Uhr ein» finden.

Die Herren Bürgermeister der Kreise- ersuche ich die Kurse wiederholt in ortsüblicher Weise zur Kenntnis zu bringen und aus ein zahlreiche- Besuchen derselben hinzuwirken.

ES ist besonders daraus aufmerksam zu machen, daß Jeder­mann freien Zutritt hat, den Teilnehmern also keinerlei Rosten entstehen.

I. 8041. Der Landrat.

I. A.:

Trost, RegierungS-Supernumerar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der AuSfall der Reichstag-ersatzwahlen in Salzwedel-Gardelegen und Zauch-Belzig hat den Parteien der Rechten bedauerlicherweise nicht die Hoffnungen «füllt, die man um so mehr hegen konnte, als in den unterlegenen Kandidaten selbst die Gegner wahrhaft vornehm und human gesinnte Persönlichkeiten schätzen. Der Bauernbündler Dr. Böhme, der in Salzwedel-Gardelegen gegen den konservativen Herrn v. Kröcher durchkam, hat seinen Sieg in letzter Linie sozialdemokratischer Wahlhülfe zu danken, nachdem er sich dazu hergegeben hatte, die Stichwahlbedingungen der Sozialdemokraten ausdrücklich anzuerkennen. In Zauch-Belzig entriß der Sozial- demokrat Ewald das Mandat dem ReichSparteiler von Oertzen, teils infolge grober Irreführung fortschrittlicher Wähler, teils durch die allzustark denGenossen" zuneigende Etichwahlparol« der Fortschrittlichen Volkspartei. Die hiermit erfolgte weitere Vermehrung der sozialdemokratischen ReichStagSabgeordneten (auf 111) ist tief beklagenswert, und den fortschrittlichen Wählern hätte eS um so leichter sein müssen und um so besser angestanden, mannhaft für den bürgerlichen Kandidaten einzu- treten, als ja eben erst im Reichstage bei der Annahme der Wehrvorlage alle bürgerlichen Parteien geschloffen gegen die vaterländische Umsturzparteien zusammengehalten hatten. Ein

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.

(Fortsetzung.)

Die Armee urteilte anders. Sie fing an, über die Führer zu murren. Sie hatte daS Vertrauen zu ihnen verloren. ES liefen dunkle Gerüchte um, daß Napoleon die preußische Armee zu umzingeln suche. Dazu kam der Mangel an LebenSmitteln bei den Truppen. Die Soldaten mußten wahrhaft Hunger leiden, weil der Teig von 20 000 Broten in dem Durchein- ander inS Wasser geworfen war und die Bäckerei auS Mangel an Mehl stillstand. Dabei war eS den Mannschaften ausS schärfste untersagt, ihren Hunger mit dem zu stillen, waS aus den Feldern wuchs.

Unter solchen Umständen war eS begreiflich, wenn einzelne tatkräftige Persönlichkeiten energisch die Mißstände abzustellen suchten, ohne daß dazu von oben ein Befehl erteilt worden wäre.

So auch Wilhelmi und Saher. Sie setzten ihre volle Kraft ein, um den hungernden Soldaten Nahrung zu ver­schaffen.

Saher war wütend, daß el den Truppen verboten war, sich selber zu helfen.

Da stehen die Gärten voll der schönsten Kohlköpfe, und statt sich einfach einen nehmen zu dürfen, mögen die armen Burschen Hungerpsoten saugen," schalt er.ES ist sogar schon das denkwürdige Wort gefallen:Meine Leute können in Kohlgärten stehen: aber Sie können nachsehen, eS fehlt kein einziger Kohlkops." Diese verflixte Ordnung bei unS! Statt dessen werden den Leuten doppelte Portionen Branntwein verabfolgt. Ist eS zu verwundern, wenn sie körperlich ver­sagen und moralisch verwildern?"

Ohne Erlaubnis zu holen, requirierten die beiden Offiziere Mehl von allen Windmühlen der Umgegend und ließen eS nach Weimar schaffen, wo die Bäckerei stand. Sie spornten die Leute zum Backen an, halfen selber mit und hatten die

Trost, der für die Zukunft neue Hoffnung schöpfen lassen kann mag in der Tatsache liegen, daß eine große Anzahl fortschritt­licher Wähler trotz der Wahlparole ihrer Partei soviel Selbst­achtung und Selbstbesinnung bewahrten, doch gegen den Sozial- demokraten für den ReichSparteiler zu stimmen.

Die Lage am Balkan hat auch weiterhin ihre Ent­wickelung im Sinne einer gänzlichen Mißlingen? der bulgarischen Pläne und Absichten genommen. Serben und Griechen sind langsam aber stetig vorgerückt und haben die bulgarischen Stellungen auf der ganzen Linie zurückgedrängt. Dem Vor­marsch der bis Rodosto vorgedrungenen Türken und selbst der Besetzung Eilistria? durch die Rumänen hat Bulgarien unter diesen Umständen überhaupt keinen Widerstand entgegengesetzt. Sein einziger Heil im Frieden sehend, hat e? Vielmehr die Vermittlung Rußlands angrrusen, die aber von Serbien und Griechenland in aller Form abgelehnt worden ist. Ob nun direkte Verhandlungen zu dem allerdings höchst erwünschten Frieden führen werden, oder ob die geplante Ersetzung des Kabinett- Danew, dem man die Schuld an dem unglücklichen Feldzuge zuschreibt, durch ein glücklicheres Ministerium einen plötzlichen Umschwung der Dinge zu Gunsten Bulgarien- herbeiführen kann, sind Fragen, aus deren Lösung man gespannt sein kann.

Die Neubildung de- niederländischen Kabinett-, da- nach der Wahlniederlage der christlichen Koalition-parteien an die Stelle deS früheren Kabinetts HeemSkerk treten soll, stößt aus außerordentliche Schwierigkeiten. Seit 3 Wochen ist die Königin der Niederlande mit der Lösung dieser Aufgabe beschäftigt und hat zahlreiche Beratungen mit Staatsmännern und Parteiführern deshalb gehabt. Es scheint jetzt, als sollte tatsächlich ein Ministerium unter Be­teiligung der Sozialdemokraten zustande kommen, da die Regierung wie die Dinge nun einmal liegen bei keinem anderen Kabinett auch nur die Möglichkeit einer Mehrheit-bildung hätte. Ob aber die Sozialdemokratie nicht selbst hier, wo sie doch positiv mitarbeiten müßte, sich zeigen wird alsder Geist, der stets verneint" ?

Die finanzielle und politische Lage Böhmens bildete in der BerichtSwoche den Gegenstand ernster Erörterungen in dem Präger Klub der verfassungs­treuen böhmischen Großgrundbesitzer. In Bezug auf die LandeSfinanzen und den durch da? Defizit hervorgerusenen Zustand der Landesverwaltung wurden die Mittel und Wege erörtert, durch die dem Notstand des Landes abzuhelfen sei. WaS den politischen Frieden zwischen den beiden Nationalitäten in Böhmen anlangt, so wieS man in nachdrücklichster Weise daraus hin, daß die Deutschen in Böhmen mit berechtigten und erfüllbaren Wünschen Jahre lang hingehalten wurden, und daß eS nicht angängig ist, jenen, die immer in uner­schütterlicher Treue den Rückhalt deS StaateS gebildet haben, die Stellung vorzuenthalten, die ihnen nach ihrer Zahl und Bedeutung gebührt.

Genugtuung, daß die Ausgehungerten sich am folgenden Morgen an frischgebackenem Brot laben konnten.

Saher freute sich wie ein Kind an dem wohlgelungenen Streich; die Soldaten waren voll Dankbarkeit.

Wilhelmi blieb ernst. Er fühlte, daß da- Netz de- FeindeS sich enger um sie zog, und sah keinen AuSweg. WaS hätte er darum gegeben sich dreißig Jahre seines Lebens zusetzen zu können, um daS Recht zu haben, Rat zu erteilen und seine eigene Ansicht auSzusprechen I

Hohenlohe schien sich der drohenden Gefahr nicht im ge­ringsten bewußt zu sein. Zwar wurde er auS seiner Ruhe geschreckt durch die Nachricht, daß französische Reiter sich auf den Höhen von Jena gezeigt hätten und man sie deutlich hätte rufen hören:Gut Sox, preußischer Kujon."

An eine ernste Gefahr glaube ich denn doch nicht," sagte er.ES sind nicht genug feindliche Truppen in der Nähe."

Sie können aber herangezogen werden," erwiderte Massenbach.

DaS ist richtig, mein Freund."

Ich rate deshalb, daß wir unS nach Kapellendorf be- geben," fuhr Massenbach fort.

Und feinem Rate folgte wie immer der Befehl zur Aus­führung. Am 13. Oktober brach Hohenlohe von Jena auf.

Hast du ei gehört? Wir müssen zurück," sagte Saher zu Wilhelmi.DaS Vertrauen unsere- Alten in den ver­dammten Quartiermacher ist unerschütterlich."

Dieser Rückzug vor der Schlacht wird verhängnisvoll für uns werden," entgegnete Wilhelmi. Eine tiefe Falte stand zwischen seinen Brauen.

Kaum hatten sie Jena verlassen, so rückten die Franzosen ein. Nachmittags um vier Uhr erschien auch Napoleon. Er ritt durch die Stadt und hielt auf der jenseitigen Höhe. Dort betrachtete er ernsten Blicks die Gefecht-lage. Und er mußte sie als günstig erkannt haben, denn ein befriedigtes Lächeln lag um feine Lippen, als er den Rückweg einschlug.

Rasche Befehle folgten. Der Kaiser wollte den Land- grafenberg besetzen. Aber zu dem Zwecke mußte erst ein Weg gebaut werden, um die Kanonen hinauszuschaffen. Die ganze Nacht wurde bei Fackelschein gearbeitet.

Der neue Ballanlrieg.

Die ottomanische Regierung hat die Absicht, ihre Truppen über die Linie MidiaEnoS nach Westen vorzuschieben und, wenn möglich, auf Adrianopel vorzustoßen, zum Teil schon verwirklicht. Sie sichert die genannte Grenzlinie durch Wieder­einsetzung türkischer Gouverneure, um sie von nun ab all Stützpunkt weiterer Operationen benutzen zu können. Ein hervorragendes Mitglied der Regierung äußert sich über die Absichten der Türkei folgendermaßen:Unsere Truppen sind seit sechs Tagen in der Stärke von ungefähr 70- bis 80,000 Mann auf dem Vormärsche begriffen. Die Kavalleriedivision steht heute in der Linie Lüle BurgaSBunarhissar, die Infanterie mit der Artillerie etwa 30 Kilometer rückwärts. Gleichzeitig haben sich auch die Truppen von Bulair aus in Bewegung gesetzt. Wie weit sie gehen werden, darüber läßt sich heute natürlich noch nicht sprechen. Jedenfalls wird die Türkei ihre Absichten durchführen, und die Großmächte werden ihr das nach dem Vorgesallenen schwerlich verwehren können. WaS will man denn tun? Die Drohung mit Armenien schreckt unS wenig. DaS ist nicht Sache einer einzigen Macht. Da haben alle mitzureden; und die Armenier sind, da sie jetzt wirklich an den Ernst der Reformen, mit denen bereit- be­gonnen wurde, glauben, bessere Türken alS je. Will man vielleicht ein zweite? Ekutari schaffen? DaS werden sich die Mächte wohl überlegen. Womit sollen wir also geschreckt werden? Man könnte allensallS finanzielle Maßregeln gegen unS ergreifen. Vorläufig liegt ja aber noch gar kein Anlaß dazu vor. Vorläufig allerdings!"

Wien, 16. Juli. DerNeuen Freien Presse" wird von besonderer Seite gemeldet, daß die türkische Armee die Orte Bunar Hissar, Lüle BurgaS und Wisa besetzt und den Vor­marsch auf Kirk-Kilisse angetreten habe. Wie dieAgence Bulgare" meldet, teilte Ministerpräsident Danew den Ver­tretern der Mächte mit, daß ein Telegramm deS Gouverneur- von Kirk-Kilisse meldet, die Türken hätten sich deS Bahnhofes von Lüle BurgaS bemächtigt und rückten aus Uzum Koprü vor. Danew bat die Mächte, in Konstantinopel dringende Schritte zu unternehmen, um den Marsch der Truppen auf- zuhalten, da der Londoner FriedenSvertrag zwischen der Türkei und Bulgarien endgültig sei.

Die rumänischen Operationen drängen mit vollem Nach­druck daraufhin, der bulgarischen Diplomatie jede- weitere Ausweichen zur Unmöglichkeit zu machen und sie vor Tat­sachen zu stellen, durch die sie einfach zur Erfüllung der rumänischen Forderungen gezwungen wird. DieAgence Roumaine" meldet:

Rumänische Kavallerie erschien am Mittwoch aus der Station Tscherwenbreg und brächte den Bahnverkehr auf der Strecke SofiaVarna, der einzigen für die Verproviantierung der bulgarischen Armee au- dem Auslande verfügbaren Linie, zum Stillstand. Auch der Bahnhof und das Telegraphenamt von Varna find am Dienstag von den Rumänen besetzt

Immer wieder erschien Napoleon und feuerte die Leute an. Sein Zelt war auf der Höhe deS LandgrasenbergeS ausge- schlagen. Aber er schlies nicht. Von Windlichtern begleitet, trat er zu den Truppen, die ihn mit Jubel begrüßten. Und nicht eher ruhte er, alS bis daS Werk vollendet war. Hohen­lohe wachte nicht. Er glaubte nicht, daß der Feind ihn jetzt schon angreifen werde. So blieb er ruhig in Kapellendorf. Massenbach bestärkte ihn in seiner Ruhe.

Wilhelmi aber litt eS nicht im Lager. Leise schlich er sich durch die Vorposten, die ihre Pflicht ziemlich sorglos nahmen und näherte sich schleichend dem Landgrasenberge. Denn da vermutete er den Feind. Er wußte, wie wichtig diese Höhe war, er wußte, daß die Preußen sie eigentlich hätten besetzen müssen, und ingrimmig schüttelte er die Fäuste.

Richtig, Fackellicht I Gestalten in eifriger Arbeit. Geschütze bewegten sich die Anhöhe hinauf.

RegungSloS verharrte Wilhelmi in seinem Versteck. Grau dämmerte der Morgen. Die Luft war trübe und schwer. Dichte Nebel zogen in weichen, feuchten Schleiern über die Landschaft. Mit Mühe nur entdeckten seine Augen, daß eine schwerfällige Masse sich vorsichtig in dem Nebel sortbewegte.

Der Feind rüstete zum Angriff.

Wilhelmi sprang auf und flog inS Hauptquartier Hohen- loheS. Ohne Umstände drang er bis zum Fürsten vor.

Der Feind greift an."

Viertes Kapitel.

Nach der Schlacht.

Die Schlacht bei Jena und Auerstedt war verloren, eine Armee vernichtet.

Mit flatternden Fahnen, mit klingendem Spiel, wie zur Parade war die Hauptstärke HohenloheS am 14. Oktober gegen Vierzehnheiligen vorgegangen. Zersetzt, blutend, in wilder Flucht stürzten sie zurück, auseinandergetrieben wie eine Herde Schafe, die vom Wolf ausgescheucht ist.

WaS nützte die Tapferkeit einzelner, wo keine Einheit herrschte? WaS nützte e-, daß Hohenlohe selber kämpste wie ein Löwe, daß er sich unvorsichtig der Gefahr auSsetzte, so daß die seindliche Kavallerie $n schon all Gefangenen betrachtete?