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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Snschlutz Nr. 8

Nr. 83.

Donnerstag, den 17. Juli

1913.

Amtlicher teil.

Der Saateuftand Anfang Juli 1913.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

BegutachtungSziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 ----- sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt, schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. I.)

Fruchtarten usw.

Dur noten

chschnittS- für den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab gegebenen Noten

Staat

7

m

7

C0

T

V!

Winterweizen . Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen. Wintergerste Sommergerste .

Hafer .... Erbsen

Acker- (Sau-) bohnen Wicken

Kartoffeln . Zuckerrüben Futterrüben WimerrapS u. -Rübsen Flachs (Lein) .

Klee ...

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung

Andere Wiesen .

2,6 2,8

2,5 2,7 3,1 2,6 2,7 2,9 3,2 2,8 3,1 2,9 2,7 2,9 3,3 2,7

2,8 2,6

2,4 2,8

2,3 2,6

2,4 2,5

2,6 2,4

2,6 3,3 2,8

2,8 2,6 2,7

2,8 3,2

2,4 2,2

2,4

2,1 2,1

1

1 1

6 3

5

2 5

2

1

1 2

1 1

4

3

2

6

2

1

1

1

1

1

1

1

1

1

3

1

3

3

3

3

4

1

3

2

1

1

1

1

2

1

1

f

L

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident.

Prämiiernng von Bereins-, Genossenschafts«, Kreis- und Privathengften belgischen und rheinisch-bel­gischen Schlages.

Die LandwirtschaftSkammer sucht die Ausstellung von Verein--, Genossenschaft--, KreiS- und Privathengsten belgischen und rheinisch-belgischen Schlages durch die Verleihung von StaatSplämien zu unterstützen, welche für Hengste im Besitze von Vereinen, Genossenschaften, Kreisen und Privatleuten vergeben werden.

Für einen angekörten und zum Decken fremder Stuten zur Verfügung gestellten Hengst, welcher von der Plämiierunge- kommission als zur Zucht besonders geeignet befunden wird, kann eine Prämie bis zu 300 Mark vergeben werden.

Der Hengstbefitzer muß sich bei Empfang der Prämie verpflichten:

1. den Hengst mindestens 1 Jahr zum Decken fremder Stuten zur Verfügung zu stellen;

2. ein Deckregister nach Vorschrift der LandwirtschastSkammcr zu führen und Abschrift davon am Jahresschluß an die LandwirtschaftSkammer einzureichen;

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.

(Fortsetzung.)

In trüber Stimmung ritt der Stab dahin. Er hatte jetzt eine waldlose Höhe erreicht, da hielt der Fürst plötzlich sein Pferd an. Ein dumpfe-, schweres Geräusch, daS sich in kurzen Zwischenräumen wiederholte, wurde vernommen.

Kanonendonner," sagte er.

Ja, eS war Kanonendonner, sie hörten eS alle.

Wer ist ortskundig genug, um an,ugeben, auS welcher Gegend der Geschützdonner kommt?" fragte Hohenlohe.

Aus der Gegend von Saatfeld, Durchlaucht/ antwortete Wilhelmi.

Sind Sie sicher?"

Ja, Durchlaucht. Ich kenne die Gegend."

Was kann «S bedeuten?" wandte der Fürst sich an Maffenbach.

Ich würde sagen, eS ist der Prinz LouiS Ferdinand, Durchlaucht, wenn wir nicht annehmen müßten, daß er nach Euer Durchlaucht Befehl in Rudolstadt wäre."

Niemand wußte sich den Kanonendonner zu erklären.

Der Fürst gab feinem Pferde die Sporen und damit dar Zeichen für seine Begleitung zu einem beschleunigten Tempo. Höchste Spannung beherrschte alle.

AlS sich der Wald endlich öffnete, den sie durchritten hatten, blitzten Bajonette vor ihnen auf.

WaS steht man dort? fragte Hohenlohe. Er war in hohem Grade kurzsichtig, suchte dieS aber unerklärlicherweise zu verheimlichen und brauchte nie ein Fernrohr.

Sächsische Infanterie," sagte Maffenbach überrascht.

Wie kommt die hierher?" fragte der Fürst nicht weniger erstaunt. , , , ,

Er winkte einige Offiziere der Sachsen herbe» und erfuhr nun von ihnen das Nähere. Sie waren versprengte Teile deS Bataillon-, das auf der Seite TauentzienS an dem Kampfe

3. die Hengststationen der Kontrolle durch den zuständigen Königlichen Gestütdirektor und den Tierzuchtbeamten der LandwirtschaftSkammer bezw. deren Stellvertreter zu unter­stellen ;

4. nach dem 1. Jahre und später regelmäßig den Nachweis zu liesern, daß der Hengst in einer Deckperiode mindestens 15 Fohlen gezeugt hat.

Die Plämienverteilung für Hengste soll in diesem Jahre gleichzeitig mit der Erteilung von Zuchtmaterial-ErhaltungS-- prämien an Kaltblutfohlen erfolgen. Die Fohlen- und Hengst­schau für den KreiS HerSfeld findet am Freitag, den 18. Juli vormittags 10% Uhr in HerSfeld auf dem Viehmarktplatz statt.

Ich fordere Vereine, Genossenschaften, Kreise und Privat- leute im ganzen Bezirk der LandwirtschaftSkammer aus, ihre Hengste an dem vorbezeichneten Orte der von der Landwirtschaft-« kammer ernannten PrämiierungSkommiffion vorfahren zu wollen.

Der Vorsitzende der Landwirtschaft-kammer für den Regierungs­bezirk Gaffel: gez. MacrtenS.

*

HerSfeld, den 12. Juli 1913.

Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, den Pferdezüchtern von der Veranstaltung Kenntnis zu geben und sie zu veranlassen, Fohlen und Hengste für die Prämierung vorzusühren.

I. 8229. Der Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Der neue Ballaulrieg.

Rußland hat seine Bemühungen, die Widersacher BulgarienS zu einem schnellen Friedensschluß zu bewegen, nachdrücklich fortgesetzt und Serbien und Griechenland eine bestimmte Frist zur Beantwortung seines neuen Vorschlages gesetzt, die heute abläuft.

E o f i a, 15. Juli. Heute läust die 48stündige Frist ab, die von Rußland für die Annahme der FriedenSbedingungen des antibulgarischen Blocks gestellt wurde. Da Bulgarien noch gestern erklärt hat, daß eS feine Interessen Rußland anvertraue, so ist die baldige Unterzeichnung deS Präliminar- friedenS zu erwarten. Die Rumänen erklären die in bulgarischen Hospitälern angetroffenen kranken Soldaten für gefangen.

PeterSburg, 15. Juli. In einer außerordentlichen Sitzung deS MinisterratS über die Balkanvorgänge, der Kokowzew präsidierte, erklärte Ssajanow, Rußlands Rolle :e vorläufig die sein, einen Waffenstillstand zu veranlassen, sowie annehm­bare FriedenSbedingungen auSzuarbeiten. Die Unterhandlungen, die Ssasanow in dieser Richtung mit dem serbischen und dem bulgarischen Gesandten geführt hat, lassen eine günstige

teilgenommen hatte, Die Offiziere sagten, daß die Tauentzienschen Truppen sehr erschöpft bei Mittel-Pöllnitz angelangt feien. Der Feind rücke bis Pößneck vor, auch bei TriptiS zeigten sich feindliche Patrouillen.

Hohenlohe und Maffenbach wechselten Blicke. Offenbar stand der Feind da, wo sie ihn hatten erwarten wollen. Er war schneller gewesen, al- sie, viel schneller.

Der sächsische kommandierende General von Zzschwitz, der bisher den Fürsten Hohenlohe vergeblich zu der festgesetzten Unterredung erwartet hatte, wurde vor diesen beschieden und bestätigte alles Gehörte.

Der Kanonendonner in der Richtung auf Saalfeld dauerte fort. Allmählich fing man an, ein Gefecht des Prinzen LouiS Ferdinand für wahrscheinlich zu halten. Auch trafen unauf­hörlich Meldungen vom Vordringen deS Feindes ein.

Hohenlohe erschien die eigene Lage immer weniger günstig. Besonders hielt er die vorgeschobene Stellung der Sachsen für bedenklich. Er erteilte daher dem General Zezschwitz den Befehl, mit seinem und dem Tauentzienschen KorpS zurück- zugehen. Er selber gab nun alle weiteren Erkundigungen auf und kehrte mit dem Stäbe um.

Dicht vor Kahla erreichte ihn ein Husarenoffizier, den Prinz LouiS Ferdinand abgesandt hatte, mit der Meldung, der Prinz sei bei Saatfeld im Gefecht.

Daher also der Kanonendonner.

Sollten wir dem Prinzen nicht Hülse senden?" fragte Hohenlohe seinen Quartiermeister.

Die Entfernung von hier bis zum Schlachtfeld ist zu groß, Durchlaucht."

Ich fürchte eS auch."

Saher unterdrückte einen Fluch.

Sei ruhig," mahnte Wilhelmi.Er hat recht. Bis wir hinkommen, ist die Schlacht entschieden."

Als der Fürst mit dem Stäbe in Kahla einritt, hatte in der Tat die Kanonade auf Saalfeld aufgehört, Wie war der AuSgang deS Gefecht-?

Die Zeit rückte vor, die Offiziere waren erschöpft von dem langen Ritt. So setzte man sich zu Tisch, obgleich die

Lösung erhoffen. SsasonowS Ansichten über die internationale Lage veranlaßten einen regen Meinungsaustausch der Mitglieder deS MinisterratS. Wahrscheinlich wird über daS Ergebnis der Sitzung ein RegierungSkommuniqus erscheinen.

Belgrad, 15. Juli. Zwei bulgarische Unterhändler sind in Belgrad angelangt. Nach Rücksprache mit Paschitsch fuhr dieser sofort nach Saloniki, um dort mit VenizeloS und dem hinberufenen Wukotitsch über die FriedenSbedingungen mit Bulgarien zu sprechen. Die Kriegführung soll infolge diese- bulgarischen Schritte- heute wieder eingestellt werden. Man hofft, in 2 Tagen sei auch der Friede hergestellt.

Athen, 17. Juli. GeneralstabSchef Dumanir telegraphierte heute an den Kriegsminister:

Aus dem linken Flügel und im Zentrum unserer Front rückten unsere Truppen ohne Widerstand zu finden, vor. Auf dem rechten Flügel schlugen unsere Streitkräfte den Feind nach einem erbitterten Kampfe in die Flucht und besetzten Drama. Der Metropolit von Drama, sowie die christlichen, mohammedanischen und jüdischen Einwohner empfingen unsere Truppen mit Freuden als Erlöser, die sie noch zur rechten Zeit vor einer Katastrophe bewahrt hatten. ES kam zu ergreifende»» Szenen, wobei die dankbaren Einwohner den Offizieren und Soldaten die Hand küßten. Der gleiche Empfang wurde uns in allen von unS besetzten Ortschaften zu teil. Der fliehende Feind ließ 70 Wagen mit Material und gestohlenen Gegenständen zurück. Letztere wurde»» in Doksas und den anderen Ortschaften dem Metropoliten über­geben, damit er sie den betreffenden Besitzern wieder zustelle. Angesicht- der wilden Metzeleien, die die Bulgaren bei Doksas verübten, drückte der bulgarische Archimandrit von Drama seine Verachtung gegenüber den unerhörter» Brutalitäten der bulgarischen Armee auS.

Semlin, 14. Juli. Gestern fanden große Kämpfe bei Tru und Bosilgrad statt, wobei die bulgarische Kavallerie zersprengt wurde. Beide Städte fielen in die Hände der Serben. Südöstlich von Küstendil ist ein andauernd heißer Artilleriekamps im Gonge. Bei Krivapalanka wurde ein erneuter bulgarischer Gegenangriff unter riesigen Verlusten zurückgeschlagen. Der Feind wurde verfolgt und zersplittert. Bei Betanica, Konapnitza, Svoljana und Bozica findet die Sammlung serbischer Truppen statt zur Vorbereitung eines energischen Vorstoßes aus Sofia. Von der Einstellung der Feindseligkeiten ist keine Rede. Der Friede wird im Ein­vernehmen mit Griechenland nur am Schlachtselde geschlossen. Ein türkischer Freischärler hat Tausende von Muselmanen Mazedoniens gegen Bulgarien geworben.

Ueber angeblich von den Bulgaren verübte weitere Grausam« kcite»» wird berichtet:

Belgrad, 15. Juli. Der verwundete Soldat Kaba- jewitsch erzählte, er sei mit vierundvierzig Kameraden auf einsamem Posten von einer starken bulgarischen Uebermacht angegriffen worden. Sie ergaben sich, trotzdem ließ der bulgarische Offizier alle töten. Er und drei andere Soldaten

Stimmung gedrückt war und keine rechte Unterhaltung aus­kommen wollte.

Nach Beendigung deS Mahle- blieben die Offiziere sitzen. Keiner halte Lust, sich zu erheben. Wie nahende- Unheil lag eS in der Lust.

Die Sonne war seit geraumer Zeit hinter den Bergen verschwunden. Da entstand eine Bewegung unter der Diener­schaft an der Tür. Ein Mann drängte sich hindurch.

Maffenbach erbleichte. Er kannte den Mann. ES war der Büchsenspanner deS Prinzen LouiS Ferdinand.

Hohenlohe winkte in heran und nahm ihm die Schreib- tasel ab, die jener ihm reichte. Die Finger der Fürsten bebten während er laS.

Er war tot, der ritterliche Jüngling, erstochen im Kampf um fein Leben, alS er an der Spitze deS Regiments die Flucht der Eeinigen decken wollte.

Wenn auch der Schmerz um den Tod deS Prinzen tief war, so war doch die Niedergeschlagenheit über den AuSgang deS Kampfe- noch weit tiefer.

Maffenbach, der erst eine übertriebene Zuversicht zur Schau getragen hatte, verfiel nun in das Gegenteil. Seine Be« stürzung war so groß, daß er übereilte Befehle gab, die er im nächsten Augenblick zurückziehen mußte. Er fand eS dann aber zu spät, sie rückgängig zu machen. So groß war die Verwirrung, daß man am Abend deS 10. Oktober im Hohen« loheschen Hauptquartier von den wenigsten Truppen den augenblicklichen Standort wußte. Weder Hohenlohe noch Maffenbach konnten angeben, waS jetzt geschehen sollte, denn sie befanden sich in völliger Unkenntnis über die Stellung beS Feindes.

ES war daher alS ein Glück anzusehen, daß vom Haupt­quartier die Weisung eintras, die Hohenlohesche Armee solle nach Jena zurückgehen.

Hohenlohe fühlt« sich schuldig an dem Unglück. Aber Maffenbach setzte sich aus- hohe Pferd.

Unser Plan war vorzüglich. Hätten die Befehlshaber und Soldaten unS bei jener Au-führung nicht im Stich ge­lassen, ständen wir jetzt als Sieger da," sagte er selbstbewußt.

(Fortsetzung folgt.)