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verlangt z B. die Kaiser-Klasse einen Personal-Bestand von 1073 Köpfen. Die Neigung zur Größensteigerung der Schiffe und ihren Folgen erkennt man am besten aus einem Blick aus die MarineetatS der einzelnen Seemächte im neuen Etatsjahr. Die Flotten werden nach ihrer Stärke ausgtführt.

In England beziffert sich der Etat aus 926 Millionen Mark. Gegen daS Vorjahr ist er um 27 Millionen ange­wachsen. Aller Voraussicht nach wird jedoch vom ersten Lord der Admiralität noch eine NachtragSforderung eingebracht, weil Kanada anfangs dieses Jahres drei Schiffe zu schenken beabsichtigte, dies nun aber unterbleibt. Die Mittel zum Bau von fünf Großkampfschiffen wurden bewilligt. Ueber ihre Größe wurde noch nichts veröffentlicht. Die Bauten deS vorigen JahreS sind 27 000 t groß. Sie erhalten als schwere Armierung 38,1 cm Geschütze. England hat jetzt 26 Groß- kampffchiffe dienstbereit, d. h. 17 Linienschiffe und 9 Schlacht­kreuzer. Gebaut werden 11 Schiffe, d. h. 9 Linienschiffe und 2 Schlachtkreuzer. Hinzu kommen die nun bewilligten 5 und ferner die voraussichtlich geforderten 3 an Stelle der Kanada-Schiffe.

Der deutsche Flottenetat stand im vergangenen Jahr aus 462 Millionen Mark. Jetzt beläust er sich auf 467,4 Mill. Mark. ES werden neu gebaut zwei Linienschiffe und ein Schlachtkreuzer, abgesehen von kleinen geschützten Kreuzern, Torpedo- und Unterseebooten usw. Auch eine erste Rate für eine neue Kaiserliche Jacht, als Ersatz für die nun bald 20 Jahre in Betrieb befindliche „Hohenzollern" wurde in den Etat eingestellt (5 Millionen Mack). Wir besitzen jetzt an front- bereitem Großkampfschiffsmaterial 13 Linienschiffe — eS sind die nun Probefahrten abhaltenden Schiffe, König Albert, Prinz-Regent Luitpold und Kaiserin mitgerechnet, — sowie vier Schlachtkreuzer — unter Mitrechnung deS gleichfalls die Probefahrten erledigenden „Seydlitz". Im Bau befinden sich 6 Linienschiffe und 3 Schlachtkreuzer.

Die Flotte der Vereinigten Staaten, die bis vor wenigen Jahren gewaltig emporstrebte, verstärkt sich in letzter Zeit wenig. Von der demokratischen Volksvertretung werden die nötigen Mittel nicht mehr bewilligt. < So wird jetzt alljährlich nur ein einziges Schlachtschiff gebaut. Der Marineetat ist im Verhältnis zu den nnfrigen trotzdem recht hoch. Der Grund hierfür liegt vornehmlich in den höheren Preisen, die in Nordamerika üblich sind und ferner in dem sehr großen Deplacement der Schiffe. Die Amerikaner haben den Ehr­geiz die größten Schiffe aus der Welt zu besitzen. Der diesjährige Etat beträgt 591,4 Mill. Mark. Es wird nur ein Schiff auf Stapel gelegt, das 30 000 Tonnen überschreiten wird. Die im vergangenen Jahr in Angriff genommene „Pensylvania" verdrängt bereits 31 500 t. ES sind bis jetzt erst acht Großkampsschiffe dienstbereit. Gebaut werden sünf.

Der französische Marineetat überschreitet zum ersten Mal die Summe von 400 Millionen Mark. Er beläust sich auf 412,2 Mill. Mark. In Frankreich werden entsprechend dem im vorigen Jahre zur Annahme gelangten Flottengesetz alljährlich die Kiele zu zwei Linienschiffen gestreckt, Frankreich hat erst zwei Großkampsschiffe von Dreadnought-Typ frontbereit. Im Bau befinden sich 7 Schiffe.

DaS italienische Marinebudget beziffert sich auf 207,6 Mill. Mark. Im verflossenen Jahr betrug eS 173,5 Mill. Mark. Die Flotte verfügt erst über einen fertigen Dreadnought. Gebaut werden 7 Schiffe. Die italienischen Neubauten gehören zu den größten ihrer Gattung. Sie werden aber 30 000 t groß und erhalten als Armierung 10 38,1 cm Geschütze.

Auch Oesterreich-Ungarn erhöht in letzter Zeit ständig seine MarinebudgetS. 1912/13 belief sich der Etat auf 118 8- jetzt steht er auf 155,3 Mill. Mark. Zwei Dreadnoughts sind frontbereit, die von mäßiger Größe sind 21400 t. Zwei weitere von gleichen Abmessungen befinden sich im Bau.

Eine außerordentliche Steigerung weist der russische Marineetat auf. Im letzten Jahr betrug er 354,7, jetzt ist er aus 497,6 Millionen Mark angewachsen. DaS Bestreben, die Flotte neu zu schaffen, die im Krieg mit Japan zu Grunde gerichtet wurde, verlangt ungeheuere Summen. Allerdings ist trotz der hohen Bewilligungen durch die Volksvertretung kaum damit zu rechnen, daß die russische Flotte so bald wieder eine achtunggebietende Stärke erlangt. ES fehlt in Rußland, an allem, was hierzu Vorbedingung ist. Es fehlen die Werften, auf denen die Schiffe gebaut werden sollen, die Baumeister usw. Bisher hat die russische Flotte noch kein modernes Linienschiff frontbereit. Verschiedene Schiffe befinden sich seit langem im Bau. Aber ein bemerkbarer Fortschritt ist an ihnen nicht zu spüren. L. P.

Der neue Ballanlrieg.

® e r I i n, 13. Juli. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung Ererbt in ihrer Wochenrundschau: Auch die abgelaufene Woche war aus dem Balkan durch Kämpse auSgefüllt, die noch jetzt nicht zum Stillstand gekommen sind. Ohne in ein vielleicht voreiliges Urteil über eine völlige Niederlaae Bul­gariens einstimmen zu wollen, kann der unparteiische Be­obachter nicht übersehen, daß bisher das Glück den bulgarischen Waffen ferngeblieben ist, während die Griechen und die Serben auf die abermals abgelegten Beweise ihrer militärischen Tüchtigkeit mit Stolz Hinweisen dürfen. Der baldige Abschluß des kriegerischen Zwischenspiels liegt wohl im Interesse aller Balkanstaaten. Auch müssen fii alle daS Bedürfnis haben, die Abgrenzung der zu verteilenden Gebiete zu einer endgültigen Einigung zu gelangen, durch die neuen Feind­seligkeiten m der Zukunft möglichst vorgebeugt wird.

Be, der Bestimmung der veränderten Grenzen aus dem !?'14?u$. ^umänien im Interesse der Herstellung deS Gleichgewichts musprechen. Die- bedeutet der Einmarsch de- in Bulgarien. Das Vorgehen Rumäniens j t J^y6 des den Großmächten wie der Balkanstaaten vorher bekannt gewordenen Rahmens.

«JfflJr 1" 3?V Während deS gestrigen TageS her SS “^m” 9aniet1 Front von Zajetzar (an der serbisch-bulgarischen Grenze) bis Radovijchte (in Mare- bomen) verfolgt. Bei Kotschana wurden schwache bulgarische AngrNse zurückgewiesen. Bei Tzer wurde eine bulgarische ÄX"M Flucht biS Tzarevo Sselo ^chuch ^erfolgt. Bei Tirantza erbeuteten die Serben 14 ^htfrbMereien^ 150 Tonnen Mehl und 5 Tonnen Reis. lerbtsche Kavallerie verfolgt den Feind in der Richtung auf PeNchevo, alles zum Rückzug zwingend. Bei Egri Palanka haben die Bulgaren schwache Angriffsversuche unternommen, £ W^\ °b« Ä großen Verlusten zurückgeschlagen Gegenüber den energischen Vorstößen der serbischen Kavallerie sind die Bulgaren außerstande, einen Stützpunkt zu finden. Sie lassen ihre Toten und Verwundeten zurück. Die serbische und die griechische Armee sind aus der Linie Radovischte— Strumnitza in Fühlung getreten. DaS hatte zur Folge, daß Mazedonien von den regulären feindlichen Truppen geräumt

ist. Die auf dem Rückzug befindlichen Bulgaren haben den Zusammenhang miteinander verloren, und ihre Verproviantierung gestaltete sich von Tag zu Tag schwieriger.

UeSküb, 12. Juli. DaS serbische Pressebureau meldet unter dem gestrigen Datum Einzelheiten über die von den Bulgaren bei dem Einfall in Knjazewatz verübten Grausam­keiten. An der ganzen Einfall-linie entlang sind die Dörfer in Brand gesteckt worden. Knjazewatz ist geplündert und zum Teil eingeäschert. Die bei der Verteidigung der Stadt verwundeten Soldaten sind maffakriert worden. Bei Vratarnitza fand man vor einer Hütte 7 durch Bajonettstiche grausam verstümmelte Leichen von Greisen, die von den serbischen Be­hörden^ photographiert wurden. Eine bulgarische Abteilung von 15 000 Mann ersten Aufgebots hatte die Aufgabe, durch Verübung von Grausamkeiten eine Panik hervorzurusen, um den bulgarischen Einfall aus den anderen Punkten der serbischen Grenze zu erleichtern.

Athen, 12. Juli. König Konstantin hat an den Minister deS Acußern folgendes Telegramm gerichtet. Der Stab der 6. Division berichtet, daß bulgarische Soldaten auf Befehl ihre HauptmannS aus einem Schulhof in Demirhissar den Metropolitan, 2 Geistliche und mehr als 100 Notabeln zusammenschleppten und sie dann umbrachten. Der Kommandeur der Division befahl, die Leichen wieder auSzugraben. Auf diese Weise wurde daS Verbrechen bestätigt. Zur selben Zeit schändeten die Soldaten junge Mädchen. Eine, die Widerstand leistete, wurde in Stücke gehauen. Protestieren sie in meinem Namen bei den Vertretern der zivilisierten Mächte gegen diese Ungeheuer in Menschengestalt. Protestieren sie auch bei der ganzen zivilisierten Welt und erklären sie, daß ich mich zu meinem Bedauern gezwungen sehe, mich zu rächen, um Schrecken einzuflösen und um diese Ungeheuer zur Vernunft zu bringen, bevor sie weitere derartige Verbrechen begehen. Die Bulgaren verüben alle Greueltaten vergangener barbarischer Zeiten und beweisen, daß sie nicht daS Recht haben, sich zu den zivilisierten Völkern zu zählen. Konstantin.

Die Depesche deS KönigS erregte in Athen Zorn und tiefe Entrüstung gegen die Bulgaren. Ministerpräsident VenizeloS wird sich heute abend auf den Kriegsschauplatz begeben, um mit dem König die Lage zu besprechen.

Athen, 12. Juli. Der Kommandant der 7. Division meldet dem Generalquartier telegraphisch, daß die Stadt SerreS gänzlich, mit Ausnahme der mufelmanijchcn Stadt­viertel eingeäschert worden ist. Der jüdische Bazar ist voll­ständig verbrannt. Unzählige Frauen und Kinder sind er­mordet oder verbrannt in den Häusern ausgefunden worden. In der Stadt herrscht Mangel am notwendigsten Brot. Die dringendsten Maßnahmen für die obdachlosen 20 000 Ein­wohner sind getroffen worden. — Ein auSsührliche- Comuniqus des KriegSministeriums berichtet Einzelheiten über die schreck­lichen Verbrechen, die die bulgarischen Truppen aus der Flucht vor der griechischen Armee begangen haben. Priester, Greise, Frauen und Kinder sind zu Tode gemartert worden. Nach den letzten Niederlagen haben sich die Bulgaren sengend, brennend und raubend zurückgezogen und selbst Kirchen nicht verschont. Die von den bulgarischen Offizieren und Soldaten geraubten Wertstücke konnten bisher nicht sestgestellt werden. In Strumitza waren schon 16 Mohammedaner ermordet, als die Griechen eintrafen und den Rest der Einwohner retteten.

Konstantinopel, 12. Juli. Da- Blatt TaSwir i Eskiar erfährt, daß die Pforte sich noch nicht entschieden habe, ob sie neutral bleiben werde. Der endgültige Entschluß dürfte morgen gefaßt werden. Bulgarien habe zwar einige Vorteile angeboten; jedoch würden die von dem bulgarischen Unter­händler Natschewitsch bis gestern abend gemachten Vorschläge als unzureichend angesehen. Die Hoffnung auf Annahme bet selben durch die Türkei fei aber noch nicht geschwunden. Die thrazische Frage bilde die Grundlage der Verhandlungen. Die Unterhandlungen mit Griechenland dauerten fort; eS sei jedoch unwahrscheinlich, daß sie ein positives Ergebnis zeitigten, weil Griechenland ohne Opfer seinerseits den Beistand der Türkei verlange.

K u m a n o w o, 12. Juli. Unerhörte, gegen jedes Völker­recht verstoßende Vergehen haben sich die Bulgaren zuschulden kommen lassen. Irreguläre Truppen steckten sich in serbische Uniformen, andere zogen Weiberkittel an und übet fielen die serbischen Verwundeten in den Lazaretten und ermordeten sie. Zwei alS serbische Soldaten verkleidete Bulgaren versuchten inS Hauptquartier zu schleichen, in der Absicht, den Stab zu ermorden. Dank der Wachsamkeit der Posten wurden sie fest­genommen. Vielsach werden auch Uebersälle im Rücken der Armee von solchen Banden unternommen. In der Nähe von Jstip fand man nach dem Abzüge der Bulgaren die Brunnen und Flüsse mit Cholerabazillen verseucht.

-I« 3n- und Ausland.

Berlin, 13. Juli 1913.

AuS Balholm, 13. Juli, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser hatte beabsichtigt, Balholm wegen Ausstellung der Statue deS KönigS Bele und VangSnaeS wegen der Arbeiten für daS Fridtjof-Denkmal einen kurzen Be­such abzustatten, dann aber nach Molde weiter zu fahren. DaS seit vier Wochen unverändert schöne Wetter in Balholm war die Ursache, hier zu bleiben. An beiden Stellen waren die Arbeiten an den Statuen zu allerhöchster Zufriedenheit. Wenn daS gute Wetter anhält, ist der Ausenthalt hier auf Wochen anzunehmen. An Bord alles wohl.

Bei der Rei chStagSersatzwahl (Stichwahl) im Wahlkreise PotSdam 9 am 11. Juli wurden bei 40768 Wahlberechtigten 33 467 giftige Stimmen abgegeben. Stadt­verordneter Ewald-Berlin (Soz.) erhielt 17151, Ober- regierungSrat a. D. v. Oertzen-Remlin (ReichSpartei) 16 316 Stimmen. Ewald ist somit gewählt.

Prinz Heinrich wird sich zu der CoweS-Woche nach England begeben. Der Prinz fährt schon einige Tage vor Beginn der Wettfahrten, an dem sich auch die Schonerjacht „Meteor" deS Kaisers beteiligen wird, nach London zum Be- such am KönigShose. Die Dienstjacht „Camen" deS Prinzen, die am 25. Juli nach England abgeht, ist zur Instandsetzung in die Kaiserliche Werft gegangen.

D a S M il i tSrlusts ch ifs „2. III", daS vor einigen Tagen auf der Fahrt von Metz nach Frankfurt eine leichte Beschädigung erlitt, hat nach vollendeter Reparatur am Sonnabend früh 5Vs Uhr die Fahrt von Frankfurt nach Metz angetreten. Die Führung lag in den Händen von Hauptmann von Müller.

Gestern hat in BreSlau der VerbandStag deS Deutschen KriegerbundeS und deS Preußischen LandeSkriegerverbandeS begonnen. Die umfangreichen Be­ratungen werden bis Dienstag fortgesetzt. Am Montag nach­mittag wird daS Mausoleum Blüchers bei Canth, Dienstag nachmittag die Kirche in Rogau, in der vor hundert Jahren die Lützowsche Freischar zum Kampfe geweiht worden ist, und

am Mittwoch daS Schlachtfeld an der Katzbach besucht. — Wie mitgeteilt wird, ist zu den eigentlichen Verhandlungen die Presse nicht zugelassen worden. DaS Generalsekretariat erklärte, über diese einen offiziellen Bericht selbst herstellen und den Blättern zngehen lassen zu wollen; dagegen sei die Presse zu dem Begrüßung-abend, dem Festessen und dem AuSfluge eingeladen. Da dieser Ankündigung entsprechend bei Beginn der Beratungen versahren wurde, gaben eine Reihe von Bericht- erstattern im Einverständnis mit ihren Blättern die Erklärung ab, daß sie aus den offiziellen Bericht verzichteten und damit jede Berichterstattung über die Tagung ablehnten.

Zum 12. Deutsch en Turnfest sind Turner und Gäste auS allen Teilen deS Reiches und aus dem Auslande in Leipzig ein getroffen. Um 8 Uhr früh am Sonntag fanden in der ThomaSkirche, in der Reformierten Kirche und in der Katholischen Kirche Festgottesdienste statt. Um HV2 Uhr fetzten sich die Festzüge in Bewegung, voran Herolde und die Turnvereine deS Ausländer. Insgesamt waren in beiden Festzügen, in denen sich auch die beiden Vorsitzenden der Deutschen Turnerschast, Geh. Sanität-rat Dr. Götz-Leipzig und Prof. Dr. Rühl-Stettin, besanden, etwa 9000 Turn­vereine mit 70000 Turnern vertreten. Die Züge marschierten durch die Stadt, wo sie sich am alten Rathause zunächst vereinigten, bis zur Mitte deS MarkteS. Dort wurden sie von dem Rat der Stadt Leipzig begrüßt. Auf dem Balkon deS Rathauses hatte auch Herzog Karl Eduard von Coburg und Gotha Platz genommen. Nach der Begrüßung wurde der Marsch nach dem Festplotze fortgesetzt, wo die Züge nach 3 Uhr ankamen. Auf dem Hauptbahnhose war um 2 Uhr 50 Min. König Friedrich August eingettoffen und hatte sich sofort nach dem Festplatz begeben.

Die Auseinandersetzungen über die Art, wie die D e ck u n g S Vorlagen für unsere RüstungSvermehrung zustande kamen, und über die Haltung der Regierung dabei, insbe­sondere zur Frage der Erbschaftssteuer, sind in den letzten Tagen von den politischen Parteien mit großer Lebhaftigkeit geführt worden. In diese Erörterung wird nun halbamtlich mit einer Erklärung eingegriffen, in der eS u. a. heißt: „Wenn die Regierung die im Jahre 1909 von ihr vertretene reine Erbschaftssteuer nicht eingebracht hat, obwohl sie sich dadurch manche Schwierigkeiten im BundeSrat erspart hätte, so war dafür der Wunsch mitbestimmend, den Parteien der Rechten die Mitarbeit an der Deckung zu ermöglichen und eine Ent­wicklung zu verhindern, bei der die Sozialdemokratie für die DeckungSgesetze eine ausschlaggebende Rolle hätte spielen können. Dieser Wunsch ist erfüllt worden. Der größere Teil der Rechten hat die Brücke, welche die Regierung bot, betreten. Daß eS gelang, die Erledigung der DeckungSgesetze durch eine bürgerliche Mehrheit zu erreichen, ist der Regierung, die den Weg gezeigt, und den Kompromißparteien, die ihn be­treten haben, zu danken. Wenn die Regierung dem Verlangen der Rechten, jeder reinen ErbschastSsteuer von vornherein ein Unannehmbar entgegenzusetzen und im Falle ihrer Annahme daS Scheitern deS ganzen Werkes in AuSsicht zu stellen nicht nachgegeben hat, so wird man logischerweise darin einen Be­weis der Schwäche nicht erblicken können. Die Frage, ob eine vom Reichstag beschlossene Erbanfallsteuer vom BundeSrat anzunehmen oder abzulehnen gewesen wäre, würde erst akut geworden sein, wenn der andere Teil der rechten Parteien der Haltung der Konseivativen gefolgt und ein Kompromiß auf der Grundlage der Regierungsvorlage nicht zustande gekommen wäre. Da eine solche Entwicklung dank der Einsicht der bürgerlichen Parteien und der Bemühungen der Regierung vermieden wurde, scheinen uns die in dieser Richtung erhobenen Vorwürse unangebracht zu sein."

DaS Kriegsgericht der AusklärungSschiffe hatte seinerzeit den Kapitänleutnant Loewe vom Kreuzer „Aorck" von der Anklagefreigesprochen, denZusamenstoßdeSKreuzerS „N 0 r ck" mit dem Torpedoboot „S. 178" am 5. März bei Helgoland verschuldet zu haben. Gegen dieser Urteil hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt, welche aber vom Ober- kriegSgericht der Hochseeflotte verworsen wurde.

Welche eigenartigen Blüten die Phantasie fran­zösischer Militärkreise treibt zeigt nachstehende Aur- laffung über den Wechsel in unserem KriegSministerium. Zur Ernennung deS Generals von Falkenhayn zum Nachfolger deS Kriegsministers von Heeringen schreibt die militärische Wochen­schrift Tofense nationale: „Die Ernennung der Generals von Falkenhayn zum Nachfolger des Herrn von Heeringen bedeutet einen weiteren Beweis jür die aggressive Stimmung, die in den höheren militärischen Kreisen Deutschlands herrscht. Bekanntlich verlangt Wilhelm II. von einem Kriegsminister, daß er die strategischen Aussichten seines kaiserlichen Herrn getreulich zum Ausdruck bringt. Man errinnert sich daran, daß v. Falkenhoyn, der frühere GeneralstabSschesS deS 16. KorpS in Metz über» Sengtet Anhänger einer frühen Offensive ist. Einen besseren Fingerzeig hätten wir über die Pläne der deutschen Heeres­leitung nicht erhalten können, wenn dar überhaupt noch nötig wäre". Man geht wohl nicht fehl, in dem Artikel lediglich daS Bestreben zu sehen, die sranzösische Armeevorlage zu fördern.

Aus Provinz u. Datbbargebiet.

Für Briefmarkensammler dürste eS von Interesse sein, zu erfahren, daß während deS Deutschen Turn­festes in Leipzig alle aus dem dortigen Turnfestpostamt auf- gelieferten Postkarten und gewöhnlichen Briese mit einem Stempelabdruck versehen sind, der bisher noch aus keinem deutschen Turnfest oder bei irgendeiner anderen Gelegenheit in Anwendung kam. Der Stempel enthält nämlich neben der Inschrift: „Leipzig, 12. Deutsches Turnfest" links und rechts noch ein Markenbild, das einen Kranz mit dem Turnerzeichen, dem vierfachen F, darstellt. Die aus dem Turnplatz auf- gelieferten Briese und Postkarten erhalten aus dem Postamt durch eine Stempelmaschine, die stündlich 16,000 Briese und Postkarten stempelt, den hübschen Aufdruck, den daS Reichs- Postamt ausnahmsweise genehmigt hat.

§ Hersfeld, 14. Juli. Herr Fabrikant Friedrich Rechberg stistete auS Anlaß seiner Ernennung zum Kommerzienrat 20000 Mark sür WohlfahrtSzwecke.

-h- Jesberg, 11. Juli. Heute morgen elf Uhr hat sich in der Nähe von Kerstenhausen ein gräßlicher Unglücksfall ereignet. Ein der Straße daherkommender Mann wurde von einem Auto überfahren und direkt durch Zertrümmerung der Schädeldecke getötet. Den Chauffeur trifft nicht die geringste Schuld. Drei Autos fuhren hintereinander her und eS wurde eine solche Staubmenge erzeugt, daß der Ueberfahrene daS letzte Auto nicht gewahrte und infolgedessen nichtSahnend seinen Kurs kreuzte. DaS UnglückSauto fuhr nach Betzigerode zu» Bürgermeisteramt, um dort den Fall zu melden. Der Ueberfahrene wurde daraus an der Unglück-stätte abgeholt.

Fritzlar, 10. Juli. Ein Unglücksfall passierte gestern abend aus dem Pferdemarkt bei der venetianischen Schaukel.