Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, to
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsv»«*»
hersMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-^nschlutz Nr. 8 1
Nr. 83. Dienstag, den 15. Juli 1918.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Im November d. 38. finden die Neuwahlen der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder der Apothekerkammer für die Provinz Hessen-Nassau für die Wahlperiode 1914/16 statt.
Die Liste der im Regierungsbezirk Cafiel wohnhaften wahlberechtigten Apotheker liegt auf dem Königlichen LandratSamt in HerSfeld in der Zeit vom 16. bis einfchl. 31. Juli d. 38. öffentlich aus.
Einwendungen gegen die Liste find innerhalb 14 Tagen nach beendeter Auslegung bei dem Vorstände der Apotheker- kammer in Cafiel anzubringen.
Cafiel, den 7. Juli 1913.
Der Vorstand der Apothekerkammer: Nagell, Königlicher Hofapotheker, Vorsitzender.
♦ *
HerSfeld, den 11. Juli 1913.
Wird veröffentlicht.
I. 8180. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Eupernumerar.
Prämiierung von Bereins-, Genossenschafts-, Kreis- und Privathengften belgischen und rheinisch-belgischen Schlages.
Die LandwirtschaftSkammer sucht die Aufstellung von VereinS-, Genossenschaft--, KreiS- und Privathengsten belgischen und rheinisch-belgischen Schlages durch die Verleihung von StagtSprämien zu unterstützen, welche für Hengste im Besitze von Vereinen, Genossenschaften, Kreisen und Privatleuten vergeben werden.
Für einen angekörten und zum Decken fremder Stuten zur Verfügung gestellten Hengst, welcher von der PrämiierungS- kommission als zur Zucht besonders geeignet befunden wird, kann eine Prämie bis zu 300 Mark vergeben werden.
Der Hengstbesitzer muß sich bei Empfang der Prämie verpflichten:
1. den Hengst mindestens 1 Jahr zum Decken fremder Stuten zur Verfügung zu stellen;
2. ein Deckregister nach Vorschrift der LandwirtschaftSkammer zu sühren und Abschrift davon am Jahresschluß an die LandwirtschaftSkammer einzureichen;
3. die Hengststationen der Kontrolle durch den zuständigen Königlichen Gestütdirektor und den Tierzuchtbeamten der LandwirtschaftSkammer bezw. deren Stellvertreter zu unterstellen ;
4. nach dem 1. Jahre und später regelmäßig den Nachweis zu liesern, daß der Hengst in einer Deckperiode mindestens 15 Fohlen gezeugt hat.
Die Prämienverteilung für Hengste soll in diesem Jahre gleichzeitig mit der Erteilung von Zuchtmaterial-ErhaltungS-
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren
von M. T r o m m e r S h a u s e n.
(Fortsetzung.)
„Herr Gott, ja, unsere unselige Pedanterie, die hatte ich nicht in Betracht gezogen," murrte Saher ingrimmig.
„Die Befehle stammen aus MaffenbachS Kopf," sagte Wilhelmi ruhig.
„Und der versteht nicht, ruhig zu überlegen," ergänzte Eugen. „Zudem ist die Selbstüberschätzung sein größter Fehler."
„Er macht nicht allein Fehler. Größere alS er tun desgleichen," sagte Wilhelm«. „Man denke an die Dreiteilung der Armee. 126 000 Mann haben wir nur. Daß der Feind bedeutend stärker ist, unterliegt keinem Zweifel. ES sollen 160 000 Mann vor unS stehen. Trotzdem find wir in.langer Linie zerstreut, statt daß wir fest geschlossen den Feind mit einem kräftigen Vorstoß überraschten. Ferner: wer befehligt daS Hauptquartier? Der König oder der Herzog?"
„Keiner von beiden," sagte Saher lachend. „Sie begegnen sich mit Höflichkeiten. Ich hörte, daß der Herzog sich nicht genugtun könne in Unterwüifigkeit. Seine unmaßgeblichen Meinungen und ehrerbietigen Anfragen seien ohne Ende."
„Und daS gegenüber einem Könige, der nichts nötiger braucht alS feste und entschiedene Ratgeber," sagte Eugen.
Wilhelmi stand auf und trat aus die Straße. Die Nacht war fast herum. Der Tag dämmerte grau am Horizont aus. ES rührte sich in dem kleinen Ort. Aller bereitete sich zum Aufbruch. „
Er kam zu den anderen zurück. „Laßt daS Kritisieren, <8 führt zu nichts. Wir wollen handeln," sagte er kräftig.
Um fünf Uhr standen die Truppen unter Gewehr. DaS Grenadierregiment, bei dem Wilhelmi und Saher standen, erhielt im letzten Augenblick Befehl, zurückzubleiben. Nur Eugen rückte mit aus. Die Freunde blieben in der Stadt.
Prämien an Kaltblutfohlen erfolgen. Die Fohlen- und Hengstschau für den Kreis HerSfeld findet am Freitag, den 18. Juli vormittags 103A Uhr in HerSfeld auf dem Viehmarktplatz statt.
Ich fordere Vereine, Genossenschaften, Kreise und Privatleute im ganzen Bezirk der LandwirtschaftSkammer auf, ihre Hengste an dem vorbezeichneten Orte der von der LandwirtschaftSkammer ernannten PrämiierungSkommifiion vorsühren zu wollen.
Der Vorsitzende der LandwirtschaftSkammer für den Regierungsbezirk Cafiel: gez. MaertenS.
* * ♦
HerSseld, den 12. Juli 1913.
Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, den Pferdezüchtern von der Veranstaltung Kenntnis zu geben und sie zu veranlassen, Fohlen und Hengste für die Prämiierung vorzusühren.
I. 8229. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 4. Juli 1913.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des Kreises werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Urlisten für die Auswahl der Schöffen und Geschworenen alsbald aufzustellen, offen zu legen und nach Abschließung dem zuständigen Königlichen Amtsgericht, spätestens bis zum 1. September dS. 38. einzusenden find.
Ich weise noch besonder- darauf hin, daß in die Liste alle Personen aufzunehmen sind, die noch Alter und Stand überhaupt berufen werden können. Die Bestimmungen der §§ 32—35 deS GerichtSverfassung-gesetzeS in der Fassung vom 20. Mai 1898 (ReichSgejetzblatt Seite 369 ff.), sind hierbei genau zu beachten.
Insbesondere wollen eS die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher nicht unterlaffen, sich auch selbst in die Liste einzutragen.
I. 7918. Der Landrat.
I. «.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
HerSfeld, den 14. Juli 1913.
Der Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule hierselbst wird im Austrage deS Kreises alljährlich eine zweimalige Kontrolle der im Kreise vorhandenen Zuchttiere (Bullen, Eber und Ziegenböcke) vornehmen. Die Kontrolle erstreckt sich hauptsächlich aus die Haltung, Pflege und Fütterung der Zuchttiere, sowie aus die Einrichtung der Ställe. Sie soll ferner mit einer Belehrung der Zuchttierhalter verbunden sein. Den besten Bullen- und Ziegenbockhaltern sollen Prämien zuerkannt werden und zwar:
a. Für die Bullenhalter.
2 erste Preise ä 30 Mark,
3 zweite Preise & 26 Mark,
5 dritte Preise ä 20 Mark.
Die ersten Morgenstunden vergingen in Untätigkeit. Die Führer schienen nicht zu wiffen, womit sie die Truppen be- schäftigen sollten, und Saher verzehrte sich vor Ungeduld. Gegen zehn Uhr meldete sich ein Unteroffizier.
„WaS gibt eS?" frogte Saher.
„Wir haben kein Brot mehr, Herr Leutnant!"
„Kein Brot, Mensch? Wie ist daS möglich?"
„Da- Brot war zu früh verladen und ist schimmlig geworden, Herr Leutnant."
„Und ihr hungert?"
„Ja, Herr Leutnant."
„Dem muß abgeholsen werden," rief Saher ungestüm. „Ich frage, ob ich Brot auS den umliegenden Dörsern holen darf."
Ohne WilhelmiS Antwort abzuwarten, stürmte er davon und kehrte nach kurzer Zeit mit der Erlaubnis zurück. Mü etwa zwölf Reitern machte er sich auf den Weg. Er fühlte sich wie befreit, daß er handeln konnte. Nach stundenlangem Umherreiten kehrte er mit geringer Beute zurück. Die Umgegend war bereit- auSgeplündert. Schon zu lange lastete die Einquartierung auf den Ortschaften rings umher.
Saher berichtete jedoch, daß er bis Neustadt herangeritten sei. In diesem Orte habe er aber einzelne feindliche Reiter gefunden und sei mit knapper Not der Gefangenschaft entgangen.
AlS Saher dies im Quartier Hohenlohe- anzeigte, stutzte Maffenbach. Tauentzien hatte nach Neustadt ausbrechen wollen. Es mußte also etwa- geschehen sein, waS ihn daran gehindert hatte.
In der Tat trafen im Laufe deS Nachmittag- rasch hinter- einander Boten ein, die den unglücklichen AuSgang eine- ZusammenstoßeS von Tauentzien mit Bernadotte und Murat bei Schleiz meldeten.
Bald stellten sich von allen Seiten versprengte Flüchtlinge ein. Sie wurden sofort von einer Schar Neugieriger umringt, denen sie über daS Geschehene berichteten.
Preußische Husaren und sächsische Reiter hatten anfänglich den Feind geworfen; später jedoch waren sie vor den überlegenen französischen Truppen geflohen. BiS in den Wald
b. Für die Ziegenbockhalter.
1 ersten PreiS ä 25 Mark,
2 zweite Preise K 20 Mark,
3 dritte Preise & 15 Mark,
4 vierte Preise ti 10 Mark.
Die Gewährung von Prämien an Ziegenbockhalter setzt daS Vorhandensein eine- guten Tummelplatzes voraus.
Der Vorsitzende des Kreisausschusies:
I. A. Nr. 5360. von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Sie Weil her ^anDtftemaditt im WAr 191344.
Die MarinebudgetS der Hauptseemächte für daS neue EtatSjahr stehen jetzt fest, und man gewinnt einen Ueberblick wie sich die Entwicklung deS FlottenmaterialS und Personalin nächster Zeit vollziehen wird. Bei allen Seemächten ohne Ausnahme findet in diesem Jahr eine weitere Steigerung der BudgetS statt. Der Grund hierfür ist einmal ganz allgemein in dem zwischen allen Staaten mehr oder minder eingetretenen Wettrüsten zu suchen, und ferner ist auf allen Gebieten eine Preissteigerung eingetreten, die vornehmlich im Schiffbau ihren Ausdruck findet. Endlich ist daS Bestreben unverkennbar, noch immer größere Schiffe zu bauen. Nicht nur daS Linienschiff und der Schlachtkreuzer, auch alle andern Schiffstypen herunter bis zum Unterseeboot weisen eine größere Wasserverdrängung auf. Verfolgt man die Bauten der letzten zehn Jahre, so vermag man ein Erstaunen über die gewaltige Größensteigerung nicht zu unterdrücken. Vor einem Jahrzehnt baute man Schiffe von höchsten- 16 000 t, heut liegen 30 000 t-Schiffe — z. B. in den Vereinigten Staaten und in Italien — auf Stapel. Daß bei der wachsenden Größe der stärkeren Armierung usw. die Kosten der einzelnen Schiffe sich erhöhen müssen, ist selbstverständlich. Wie erheblich diese Kostensteigerung war, und wie rasch sie sich vollzog, daS sei an einem Beispiel klar gemacht. Im Jahre 1902 stellten wir unser Linienschiff „Kaiser Karl der Große" in Dienst. DaS Schiff war 11150 t groß, und der ErbauungkpreiS belies sich aus 24 Millionen Mark. Im verflossenen Herbst wurde „Friedrich der Große", ebenfalls ein Linienschiff, front- bereit. DaS Deplacement deS Schiffes ist 24 700 t, und der Bau kostete 47,56 Millionen Mark. Abgesehen von den Baukosten schwellen auch naturgemäß die JndiensthaltungSkosten an. Je größer daS Schiff ist, umsomehr Heizmaterial verbrauchen die Maschinen, die eS sortbcwegen. Die größeren Geschütze benötigen mehr Munition, als die früher üblichen kleinen. Endlich müssen auch auf die größeren Schiffe mehr Mannschaften kommandiert werden. Am Anfang diese-Jahrhunderts waren an Bord unserer Linienschiffe 628 Mann; jetzt
hinein wurden sie versolgt. Schon glaubten sie sich gesichert, da fielen Schüsse. In der Dunkelheit war nicht sestzustellen, ob vom Feind oder vom Freund. Jedenfalls ergriff sie ein panischer Schrecken, und sie sprengten in regelloser Flucht auseinander.
Mit verbissenem Grimm hörten eS Wilhelmi und Saher. Mit Soldaten, die ihre Fassung verlieren, wenn unvermutet Schöffe sollen, konnte keine Schlacht gewonnen werden.
„Preußen ist verloren," sagte Georg vor sich hin. Er wandte sich ab, er wollte nicht- mehr hören.
Hohenlohe besand sich in großer Unruhe. Hatte er doch verk hrt gehandelt? Er selbst hatte ja Tauentzien den Befehl erteilt, vorzurücken. Wäre Gras Tauentzien aus diese Weise nicht von dem Fürsten entfernt gewesen, hätte dieser ihm zu Hilfe kommen können.
Auch Maffenbach sorgte sich. Nur verbarg er c8 unter einem zuversichtlichen Wesen. Er riet dem Fürsten, den Leutnant v. Egidy mit dem Befehl an den Prinzen Louis Ferdinand, der die Hohenlohesche Avantgarde befehligte, zu senden, daß er in Rudolstadt bleibe, kcinensallS aber den Uebergang über die Saale wage.
Vom Hauptquartier kam die dringende Aufforderung, Hohenlohe möge nicht allein vorgehen, sondern aus die Hauptarm« warten. Trotzdem beschloß er aus MaffenbachS Rat am nächsten Morgen, dem 10. Oktober, daS Quartier von Jena nach Kahla zu verlegen.
Schon um drei Uhr früh brachen die Truppen auf. Um neun Uhr kam der Fürst in Kahla an. Nachdem einige Meldungen abgemacht waren, machte er sich sogleich mit seinen Offizieren auf den Weg nach Neustadt, wo er mit der.sächsischen Generalität zusammentreffen wollte. Leutnant v. Wilhelmi und Leutnant v. Saher waren zur Aufklärung nach Neustadt geschickt worden und mit der Meldung zurückgekehrt, daß der Ort frei vom Feinde sei. Beide Offiziere wurden nun angewiesen, den Fürsten mit seinem Stäbe nach Neustadt zu begleiten.
Unterwegs erhielt Hohenlohe weitere Nachrichten über den rmglücklichen AuSgang deS Kampfe- deS Tauentztenschen Korps. Sie vermehrten feine Unruhe erheblich. (Forts. folgt.)