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persfelter Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 81. IW Statt]
Sonnabend, den 12. Juli
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Amtlicher teil.
BlehseuchenpolizeMche Anordnung.
Meine viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 11. März d. I. — A. III. 1438 — (Amtsblatt S. 103), betreffend amtStierärztliche Untersuchung und polizeiliche Beobachtung deS aus den Königreichen Bayern und Württemberg und aul Elsaß-Lothringen eingeführten KlauenviehS, wird mit Rücksicht auf den jetzigen Stand der Maul- und Klauenseuche aus. gehoben.
Diese Anordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.
Caffel, den 11. Juni 1913.
Der Regierungspräsident. gez.: Graf von B e r n st o r f f.
* * *
HerSfeld, den 25. Juni 1913.
Wird im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 26. März d. Js. I. 3767 — KreiSblatt Nr. 38 — veröffentlicht.
1. 7117. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die Monarchenbegegnung in Kiel ist unter den besten Eindrücken verlausen. Bot der Besuch deS italienischen KönigSpaareS unserm Kaiser persönlich die erwünschte Gelegenheit, dem befreundeten Herrscherhause die liebenswürdige Gast- freundschast zu erwidern, die er deS öftern an Italiens Küsten gefunden hat, so bewies andererseits die Zusammenkunft vor aller Welt ausS neue die völlige Uebereinstimmung beider Regierungen in allen wichtigen und namentlich augenblicklichen Fragen der Politik. Diese innige Gemeinschaft aller politischen Ziele und Wege, deren eingehendste Erörterung die gleichzeitige Anwesenheit der leitenden Staatsmänner beider Länder diente, kam auch in den von ausrichtigster Herzlichkeit getragenen Trinksprüchen der beiden Monarchen zu erfreulichem Ausdruck. Hiermit ist, wenn auch Oesterreich-Ungarn an dieser Begegnung nur im Geiste teilnehmen konnte, zugleich eine erneute Stärkung im Ansehen deS ganzen Dreibundes bei allen Großmächten erzielt worden. Denn ausS neue ist die unerschütterliche BündniStreue Deutschlands, Oesterreichs und Italiens vor der ganzen Welt kundgemacht. In diesem festen Zusammenschluß der Dreibundstaaten aber liegt, wie die Presse aller 3 Länder bei dieser Gelegenheit wieder freudig seststellt, die beste Möglichkeit sür die Durchführung einer klaren, würdigen Politik und die sicherste Gewähr für einen dauernden Frieden.
Der Wechsel im KriegSministerium hängt
Der andere.
Skizze von Else Krasst.
Sie sah eS schließlich selber ein. Und sie war mürbe geworden von dem Gerede der Mutter und Brüder. Vater war noch der einzige, der nichts davon wissen wollte, daß sie ihr Verlöbnis mit Walter löste. Immer wieder hatte er gejagt: „Prüfe dich ernsthaft, Ktnd, höre nicht auf die anderen, nur waS du selber willst nnd vor dir verantworten kannst, das tue.“
Und sie hatte, blaß und elend von den monatelangen Kämpfen, den Kopf geschüttelt.
„Mama hat recht und die Brüder auch, Papa. ES ist keine Partie für mich. Eine Jugendtorheit eine Kinderei war die ganze Sache. Mama jagt, so ein Lehrer bleibt sein Leben lang auf dem Lande, wenn er einmal an einer Dorfschule unterrichtet hat. Und sage doch selbst Papa . . waS soll ich da?"
„Ja . . waS sollst du da?" hatte der Geheimrat wiederholt und daS feine, schlanke Großstadtkind angesehen, daS seinS war. „DaS mußt du sreilich selber wissen, ob du zur Lehrer- frau taugst. Nur" . .
Er stockte vor ihren angstvollen Augen.
„Nur?" fragte Anne-Marie.
„Nu<, daS wußtest du doch schon, alS du dich mit Walter versprachest, waS deiner harrte. ES wird ihn schwer packen."
Da lächelte Anne-Marie. Die festen weißen Zähne gruben sich tief in die Unterlippe ein.
„Er hat jetzt eine ganze Schule voll Dorskinder, sür die er lebt, er hat seine geliebte Orgel, Hühner, Tauben und Kaninchen, er lebt in einer ganz anderen Welt alS ich, Papa. ES wird ihm darum zu schwer nicht sein, mich zu vergessen." ... . „ , _
Sie schwieg, und eS war einen Augenblick, als ob sie vom Vater einen lebhaften Protest erwarte. ,
Der alte Herr aber schüttelte nur verständnislos den Kops,
insosern mit der Verabschiedung der Militärvorlage zusammen, alS der Kriegsminister von Heeringen schon seit langem den Wunsch hegte, auS dem halb parlamentarischen Leben wieder in eine rein militärische Stellung überzutreten. Diesem Wunsche hat nun der Kaiser entsprochen und den bisherigen Kriegsminister unter allerhöchsten Gnadenbeweisen in ausdrücklicher Anerkennung der großen Verdienste, die er sich in vierjähriger Amtstätigkeit und namentlich durch seine erfolgreiche Vertretung der Wehrvorlage erworben hat, zum Generalinspekteur der zweiten Armee-Inspektion (Berlin) ernannt. Gerade diese Ernennung schus gleichzeitig die erwünschte Möglichkeit, daS schon wiederholt eingereichte Abschiedsgesuch deS bisherigen Inhaber- dieses PostenS zu bewilligen, deS namentlich durch seine organisatorische Tätigkeit bekannten GeneralseldmarschallS Freiherr» von der Goltz. AlS neuer preußischer Kriegsminister wird der zum Generalleutnant beförderte Generalmajor von Falkenhayn die schwere, aber höchst ehrenvolle Ausgabe haben, zunächst die auS der Annahme der Heeresvorlagen sich ergebenden Vermehrungen und Verbesserungen durchzuführen und damit den großen Gedanken den Allgemeinen Wehrpflicht deS deutschen Volkes erst in Wahrheit zu verwirklichen.
Der Krieg unter den Balkanverbündeten wird mit einer Erbitterung geführt, die deutlich erkennen läßt, wie sehr jeder der beteiligten Staaten in einem glücklichen und möglichst baldigen Ende deS FeldzugeS ihr höchstes Ziel sehen. In blutigen, tagelangen Schlachten werden Opfer an Menschen und Material gebracht, alS ob die Staaten an Gut und Blut nicht fast erschöpft sein müßten durch den kaum beendeten halbjährigen Türkenkrieg. Bulgarien, dessen Etreitkräfte gegen Griechen, Serben und Montenegriner zugleich kämpfen müssen, hat die Gunst deS SchlachtengottS bisher am wenigsten erfahren und jcheint vorläufig die geringste Aussicht auf einen glücklichen AuSgang deS Kr^geS zu haben. Sollte gar Rumänien, dessen mobilgemachteS Heer kampfbereit an den Grenzen steht, nicht durch gütige Verhandlungen, d. h. Abtretung eines Landstriches, in ungefährlicher Neutralität gehalten werden können, so dürfte Bulgariens Lage bald gänzlich aussichtslos sein. Zum Ueberfluß droht an der Tjchataldscha- linie die Türkei mit frischen Truppen vorzugehen, ein Plan, der allerdings bei der offenkundigen Schwäche deS besiegten Gegners nur den Sinn haben kann, die günstige Gelegenheit zur Erleichterrng der Londoner FriedenSbedingungen nach Möglichkeit auSzunutzen.
Die Annahme der dreijährigen Dienst zeit in Frankreich hat kurz nach der Verabschiedung der deutschen Wehrvorlage auch der französischen Regierung die von ihr geforderte Verstärkung der HeereSmacht gewährleistet. Allerdings kann sich die Regierung der Republik noch keiner ungemischten Freude über diesen Ersolg hingeben, denn erhebliche Schwierigkeiten stemmen sich vorläufig der endgültigen Erledigung deS Gesetzes entgegen. So wird eS z. B. sehr schwer fein, einen bereit- angenommenen Zusatzantrag über die uneingeschränkte Dienstpflicht aller tauglichen Rekruten in
„Macht, waS ihr wollt!" —
Und er ging aus dem Zimmer, wie einer, der machtlos ist.
Die Mutter, die am Fenster vor ihrem Nähtisch saß, hatte kurz ausgelacht. „Papa ist ein Bureaukrat, mach dir nicht- daraus. Er denkt nur an daS gegebene Wort, und da warst du ja noch ein halbe- Kind! ... Ein Glück, daß du endlich zur Einsicht gekommen bist und eure Verlobung noch nicht veröffentlicht war. Du hast daS wahrhaftig nicht nötig, einen Lehrer zu heiraten. Noch dazu jetzt, wo Papa Geheimrat geworden ist und unS ganz andere Gesellschaftskreise offen stehen. WaS hätten die Leute wohl über so eine Verlobung geredet! Heinz ist Fähnrich, dent' mal . . . und Herbert kurz vor dem Doktor . . . nein, Kind, der Walter mag ja ein ganz guter Mensch sein, aber alS deinen Mann kann ich ihn mir niemals denken. Eine Lehrersfrau aus dem Lande, einer besseren Bäuerin kommt daS gleich, daß du dir daS nie gesagt hast I"
Anne-Marie brach daS Blatt der Zimmerlinde, daS ihre Finger gestreichelt hatten, mitten durch.
„Ich habe nicht darüber nachgedacht, Mama. Erst seitdem Walter fest angestellt ist und ihr ihn immer mit anderen verglichen habt, fiel mir der Unterschied aus. Heinz meint Walter ist mit seinen Ansichten gut um hundert Jahre zurück."
„Ganz daS Gegenteil von Affeffor Lamprecht," warf die Mutter ein.
Anne-Marie wurde sehr rot.
„Der ist eben in jeder Beziehung modern, Mama."
„Und elegant und tonangebend. UebrigenS eine sehr gute Partie, Kind." —
Anne-Marie bog schwer den Kopf zur Mutt« hin.
„Ach laß doch . . ich heirate überhaupt nicht. Heute noch schreibe ich an Walter, morgen weiß er eS und dann bin ich s ei." ...
„Gott sei Dank," jagte dre Mutter.
Eine Stunde später war der Brief geschrieben. AlS er im Postkasten lag, hätte ihn Anne-Marie gerne noch einmal wieder gehabt. ES war doch wohl sehr hart gewesen, waS sie geschrieben hatte, ... „ich fühle, daß wir nicht mehr
Einklang zu bringen mit der zwingenden Notwendigkeit einer Begünstigung der Studierenden und — mit dem unzulänglichen Betrage der vorgesehenen finanziellen Deckung. AngesichtS diejer Schwierigkeiten dürste mancher Politiker Frankreichs mit neidvollem Eeuszer aus Deutschland blicken, besten Volksvertretung durch glatte Bewilligung der Regierungsvorlage sich der Größe deS Augenblickes würdig gezeigt hat.
Durch Ausschreitungen südafrikanischer M i n e n a r b e i t e r, die in einen Streik eingetreten waren, ist eS in JohanniSburg zu blutigen Straßenkämpfen, Brandstiftungen uud anderen Gewalttätigkeiten gekommen. Erst nachdem der Aufruhr durch daS bewaffnete Eingreifen der englischen Truppen entschlossen unterdrückt worden war, vermochten Unterhandlungen deS Generals Botha, General- SmuthS und Sir George Farrar mit den Führern der Aufständischen den ganzen Streik zu beendigen. Recht bemerkenswert und bezeichnend für die KampfeSweise der Sozialdemokratie ist el, daß die sozialdemokratischen Führer der Bewegung den Streik zwar anzettelten, also verschuldeten, aber dann, alS er in blutige Ausschreitungen überging, feige von den Streikenden abrückten und einfach erklärten, daS geht sie nichts mehr an, denn daS fei nicht mehr Generalstreik, das fei Revolution.
Bulgarien lenkt ein.
Nach den neuesten Nachrichten steht eS um die Bulgaren schlecht. Zunächst militärisch. Die Erwartung, daß die bulgarische Armee den serbischen Gegner in kürzester Frist über den Haufen rennen werde, hat sich nicht erfüllt. Offenbar ist in Sofia die Schwächung durch die langen, blutigen und verlustreichen Kämpfe um Adrianopcl stark unterschätzt worden. Wie jetzt bekannt wird, sollte nach dem Plane deS Generals Sawow, deS obersten Befehlshabers im türkischen Kriege, so schnell alS möglich der Hauptstoß auf dem nördlichen Kriegsschauplatz, gegen Nijch, also inS Herz von Serbien, geführt werden, waS jedoch durch Einmischung deS Ministerpräsidenten Danew auS Rücksicht auf russische Empfindlichkeiten verhindert wurde. Mehrere Tage bestand deshalb eine Minister- krisiS in Sofia, die damit endigte, daß Danew blieb und Sawow matt gesetzt wurde. Ein weiterer grober Fehler scheint gewesen zu sein, daß der im Süden gegen die Griechen operierende General Iwanow aus Besehl von Sofia seinen rechten Flügel zur Unterstützung auf dem mittleren Kriegsschauplatz bei Krivolatsch-Jstib-Kotschana abgeben mußte. Infolgedessen konnte er daS Vordringen der Griechen nicht mehr aufhalten, die schon SerreS besetzt und die Engpässe der Etrumitza, eines Nebenflüsse- der Struma, erobert haben. Dadurch ist die Bahn im Wardartale nach Norden frei geworden. Wahrscheinlich ist der linke griechische Flügel schon in Fühlung mit den serbischen Truppen bei Jstib.
Nun haben ja die Bulgaren im türkischen Kriege mit sehr richtig angebrachter Strenge auf größte Geheimhaltung der Bewegungen ihrer Truppen gehalten und gelegentlich bei der
zusammen passen, und darum bitte ich dich, nicht mehr zu kommen und auch nicht mehr zu schreiben. So leicht, wie wir unS fanden, wollen wir auch wieder voneinander gehen. Meine Briefe darfst Du behalten, ich finde da- immer lächerlich, wenn man Vergangenes ungeschehen machen will, und jede Erinnerung verwischen. Wie an einen verlorenen Freund werde ich an Dich denken, denn ich bin ein zu moderner Mensch, um auch noch über daS KindeSalter hinaus Deinen Grundsätzen unbedingt folgen zu können, wie Du verlangst."
Hatte er daS eigentlich verlangt? War sie nicht immer von selber eins mit feiner natürlichen Weltanschauung gewesen, hatte Gott da gesucht, wo Schönheit war und Liebe, und alle Menschen angesehen wie Brüder und Schwestern in ihrer jungen Glückseligkeit? Wo war die nun, waS hatte man au» ihr gemacht, daß sie Plötzlich so ganz anders dachte und fühlte wie Walter?
Hatte sie hart geschrieben, würde eS ihn wirklich schwer packen, wie Vater gemeint?
Drei Tage ging Anne-Marie wie im Fieber umher.
Dann kam ein Päckchen mit der Post, daS Helene Burkhard, Walters in Berlin verheiratete Schwester, adressiert hatte. In dem Päckchen lag der dünne, goldene Kinderring, den Anne-Marie vor fünf Jahren dem Spielgefährten geschenkt hatte, und der gerade an seinen kleinen Finger paßte. Der blaue Stein war noch Heller geworden und daS Gold noch blasser.
„Walter hat ihn mir heute für Dich geschickt," schrieb die Freundin, „ich verstehe Dich nicht Anne-Marie, wie Du so etwas tun konntest. Und ich nehme an, daß auch unsere Wege von jetzt ab getrennt find, und wünsche Dir alle- Gute sür Deine Zukunft." . . .
Zuerst wollte Anne-Marie lachen, alS sie daS laS. Diese kleine Assistentenfrau war rührend. Wünschte ihr trotzdem alle- Gute . . . trotzdem! Aber die Finger, die daS Briesblatt hielten, zitterten so sehr, und dar blasse Gold bei alten Ringes tat ihren Augen beinahe weh. Den trug Walter nun nicht mehr. Der war nun nicht mehr bei ihm wie ein letzteS kleineS Brücklcin zu altem Kinderglück und junger Liebe. Und kein Wort von ihm, keine Bitte, kein Vorwurf, nicht-. WaS