dieser aller Menschenwürde und aller Menschlichkeit Hohn- sprechenden Vorgänge. Kann eS wirklich Deutsche geben, die ihr Heil und ihren Seelensrieden in der Fremdenlegion zu finden wähnen, wo man, sobald daS Opfer zur Strecke gebracht ist, die MaSke rücksichtslos fallen läßt? Hier in Deutschland sollten solche Vorgänge wie der vorstehende — die meisten werden unS ja verborgen bleiben — hinauSgerusen werden inS Land, daß eS bis inS letzte Dorf, bis in die letzte Hütte schallt, wo Deutsche wohnen I Endlich muß doch einmal der Schimmer von Romantik, der unbegreiflicherweise für manche Köpfe die französische Fremdenlegion noch immer zu umweben scheint, der vollen Klarheit weichen und die wahre Sachlage in ihrer ganzen Schändlichkeit hervortreten.
Jie men MmrMmt.
Der mit fanatischer Wut entbrannte Krieg der ehemaligen Bundesgenossen aus der Balkanhalbinscl, ferner die drohende Einmischung Rumäniens in den Streit um die Besitzverteilung aus der Balkanhalbinsel und nicht zuletzt die offenbar wieder stark in Aktion tretende heimliche Wühlarbeit Rußlands haben der politischen Welt wieder ganz neue Balkanprobleme gebracht. Da sich noch immer alle kämpsenden Parteien den Sieg zuschreiben, und man auch noch nicht deutlich erkennen kann, wie daS diplomatische Duell zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland um den Einfluß aus die Balkanstaaten und besonders auch aus Rumänien abläust, so kann man aber auS den täglich einlausenden neuen Nachrichten von der Balkanhalbinsel durchaus keinen sicheren Schluß auf den Stand der Dinge ziehen. Man irrt aber wohl nicht, wenn man eine ganze Reihe im schroffsten Gegensatze zueinander stehende Bestrebungen alS die Ursache deS neuen BalkankriegeS und den Grund jür drohende Konflikte zwischen dem Dreibund und der Triple-Entente erklärt. Sicher ist zunächst, daß Bulgarien aus Grund seiner bedeutenden kriegerischen Erfolge gegen die Türkei und im Grunde genommen auch im Einklänge mit seinem Bündnisverträge mit Serbien und Griechenland eine Art VormachtSstellung auf der Balkanhalbinsel erstrebt. Bis zu einem gewissen Grade ist dieses Bestreben Bulgariens alS deS mächtigsten BalkanstaateS wohl auch berechtigt. Aber Rußland, daS unter dem famosen Deckmantel der gemeinsamen „slavischen Sache" nur die Ziele seiner Weltmachtstellung verfolgt und in den Balkanstaaten weiter nichts als Schachfiguren auf dem politischen Echachbrette erblickt, will offenbar verhindern, daß Bulgarien eine überwiegende Machtstellung auf der Balkanhalbinsel erhält, denn ein sehr stark werdende? Bulgarien könnte eine? TagcS ein Gegner der russischen Weltmachtpolitik werden. Deshalb hat offenbar Rußland heimlich die Serben und die Griechen und wohl auch die Montenegriner gegen Bulgarien aufgestachelt, und sicher ist Rußland auch mit der drohenden Haltung Rumäniens gegen Bulgarien heimlich einverstanden, denn sonst könnte daS von zwei Seiten von Rußland umgebene und von vier russischen Armeekorps leicht bedrohte Rumänien eS nicht wagen, fein Heer mobil zu machen und mit einer erhöhten Forderung inbezug auf Gebietsabtretung an Bulgarien heranzutreten. Bisher hat man geglaubt, daß Rumänien bei feinen guten Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn und zu Deutschland als eine Art Eckturm deS Dreibundes angesehen werden könne, denn wenn Rumänien nicht vollständig eine Puppe in Rußlands Händen werden will, so mußte eS sich an den Drei- bund halten, der allein imstande ist, Rumänien gegen die russische Uebermacht zu schützen. Nun scheint aber daS Versprechen Rußlands, Rumänien zu einem größeren GebietS- vorteile zu verhelfen, die rumänische Regierung veranlaßt zu haben, die Verlockungen Rußlands anzunehmen. Bis zu einem gewissen Grade wird ja niemand in Europa, abgesehen von Bulgarien, eine Einwendung gegen eine Vergrößerung Rumäniens aus Kosten Bulgariens zu machen haben, und man kann eS auch der rumänischen Regierung nicht ganz verdenken, wenn sie ihren Streit mit Bulgarien jetzt mit russischer Hilse zu beendigen hofft. Bulgarien hat aber offenbar einen sehr großen Fehler gemacht, daß eS sich nicht gleich bei Beginn der hartnäckigen Streitigkeiten mit Serbien und Griechenland wegen der Verteilung der tückischen Beute mit Rumänien voll und ganz verständigt und aus guten Fuß gestellt hat. Dieser Fehler kann Bulgarien die VormachtSstellung aus der Balkanhalbinsel kosten, auch wenn eS im Kriege gegen Serbien und Griechenland Sieger bleiben sollte. Schließlich ist auch anzunehmen, daß der AuSgang deS neuen blutigen KriegeS an der Lage der Dinge gar nicht so viel ändern wird, denn bis zu einem gewissen Grade muß auch Rußland wieder Bulgarien in Schutz nehmen, um sich nicht in Widerspruch mit seiner Orientpolitik zu setzen und sich die Bulgaren für immer zum Feinde zu machen.
„Nicht? Ich glaube fest an ihre Unüberwindlichkeit," versetzte Hilda zuversichtlich.
„Dem Mut und der Tapferkeit folgt nicht immer Gelingen. Und selbst im Falle deS Sieges hält der Tod blutige Ernte."
Lydia war eS, die diese Worte sprach.
Hilda drehte sich rasch zu ihr um.
„O schweig, Lydia, schweig davon," versetzte sie ungeduldig. „Daran wollen wir jetzt nicht denken. Die Unglücksraben werden schon frühe genug um unsere Häupter fliegen."
„Ihr habt beide recht," vermittelte Frau v. Hirschfeld. „Ohne freudige Begeisterung wird kein Sieg erfochten. Aber trotzdem muß man die Augen offen halten für den Ernst der Lage."
„Und nicht vergessen, daß wir einen mächtigen BundeS- genossen haben droben, dessen Hilfe wir im Glück und im Unglück brauchen," fügte Pfeiffer hinzu. „Mit Gott für König und Vaterland. DaS soll die Losung sein. Nun komm, Lydia, wir wollen heim."
Lydia wäre gern geblieben. Aber sie widersprach nicht. Wenn Eugen Abschied von ihr nehmen wollte, würde er schon Gelegenheit finden.
Auch die Zurückgebliebenen zerstreuten sich. Die Abreise deS Generals und Eugens erforderte eine Menge Vorbereitungen, und da Frau v. Hirjchfeld zu leidend war, um die Anordnungen selber zu leiten, wurden sie von ihrer Schwägerin und ihren Nichten in die Hand genommen.
Bald war sie allein und ihren sorgenden Gedanken überlassen.
Auf einmal fuhr ein Kopf durch die Tür.
„Mutter, bist du allein?" fragte Moritz halblaut.
„Ja, komm nur."
Der Junge stürzte an ihre Seite. „Mutter, hilf mir doch, daß ich mitgehen darf," flehte er.
„In den Krieg, Moritz? Du bist ja kaum sechzehn Jahre alt."
„Eugen war acht, alS er den Vater begleitete im Rhein- seldzuge, Mutter."
„Du stehst gerade dicht vor dem Junker, Moritz."
Der neue Ballankrieg.
Die Waffenpause, die nach den lebhaften Kämpfen der ersten KriegSwoche eingetreten zu sein scheint, wird hier und da zu Ausstreuungen benutzt, die leicht die Wirkung haben könnten, die Schwierigkeiten der Lage zu erhöhen. Von den Gerüchten, daß Rußland mit partiellen Mobilmachungen vorgehen wolle, darf man wohl ohne weiteres sagen, daß sie sensationelle Machenschaften sind. Sowohl die russische alS auch die österreichisch-ungarische Regierung sind sich bewußt, daß bei der augenblicklichen Lage jede militärische Maßregel eine immense Beunruhigung ganz Europas zur Folge haben müßte, und sie werden sich daher solcher Maßregeln streng enthalten, solange sie nicht durch außergewöhnliche Ereignisse notwendig gemacht werden. ES wird in maßgebenden Kreisen zugegeben, daß die Lokalisierung deS neuen BalkanbrandeS unter Umständen noch größere Schwierigkeiten machen kann, als eS beim Kampf deS Balkanbundes gegen die Türkei der Fall war. Aber eS liegen nicht die mindesten Anzeichen vor, als könne irgendeine der Großmächte sich von dem schon so oft betonten festen Entschluß abbringen lassen, sich aus keinen Fall und unter gar keiner Bedingung in die Balkanwirren hineinziehen zu lassen. Der beste Beweis dafür, wie ruhig die Lage ausgefaßt wird, liegt in dem unmittelbar bevorstehenden Antritt der Nordlandreise durch den Kaiser, zu dessen Gefolge diesmal auch der Chef deS Großen Generalstabes Graf Molike gehört.
Vom Kriegsschauplatz liegen heute Meldungen von Belang nicht vor. Ueber die Truppenbewegungen auf bulgarischer Seite wird gemeldet:
Wien, 8. Juli. Die Neue Freie Presse meldet auS Sofia: Zwei großen bulgarischen Armeen, von denen eine um Egripalanka-Kratowo, die andere gegen Kotschana operiert, gelang die Vereinigung bei dem Dorfe Stacin zwischen Egri- palanka und Kumanowo. Die serbische Merawa-Division ist somit endgültig verloren. Nun erscheint eine dritte bulgarische Armee, von Norden kommend. Man sagt, daß zwischen UeSküb und Nisch die Eisenbahnlinien an mehreren Stellen von den Bulgaren unbenutzbar gemacht wurden. — Die ReichSpost meldet auS Sofia: Die Operationen der bulgarischen Nordarmee haben bereits zur Einnahme von Kujazevac an der serbischen Grenze geführt.
Belgrad, 8. Juli. DaS amtliche serbische Preßbureau erhielt heute die amtlichen Details über den Kampf bei der Wiedereinnahme von Krivolac durch die serbischen Truppen. Der Angriff fand am 6. Juli von Jslam-Tschifiik auS bis zum Bahnhöfe von Krivolac statt und zog sich über die Höhe 213 hinüber. Er begann mittags mit einem energischen Vorstoß, und um 5 Uhr nachmittags war der Feind, der 3 Bataillone stark war, zerstreut und über die Wardarbrücke geworfen. Er zog sich in größter Unordnung in der Richtung auf Pepelichte zurück und ließ drei vollständige Lazarette mit einem Arzt und rund 50 Verwundeten, darunter ein Offizier im Stich, die anderen Offiziere der VerteidigungSmannschaften von Krivolac flohen in großer Eile und ließen ihr persönliches Gepäck zurück. Zwei GebirgSgeschütze und eine große Menge von Gewehren und Munition, die in gar keinem Verhältnis zu der Zahl der Besatzung stand, wurden erbeutet; eS wird vermutet, daß hierunter auch die Gewehre der auf dem linken bulgarischen Flügel getöteten und verwundeten Soldaten sich befinden. Die Verluste der Serben sind durchaus unbedeutend, da der Feind sich infolge deS überraschenden AngrfffS nicht entwickeln konnte. Die bulgarischen Verluste sind sehr bedeutend. Viele bulgarische Soldaten ertranken auf der Flucht in den Fluten deS Wardar. Die Eisenbahnverbindung über die Wardarbrücke ist intakt, die Verbindung mit Negotine und Kawadar ist wiederhergestellt worden.
Von der griechischen Gesandtschaft in Berlin wird dem L. A. daS nachstehende, bei ihr eingetroffcne Telegramm zur Verfügung gestellt:
Nach der dreitägigen Schlacht von Kilkitsch verfolgte die unerschöpfte Armee den Feind ohne Zeitverlust. Gestern, am 7. d. M„ hat der rechte Flügel nach stürmischem Kampfe die Bulgaren weit über den Strymonfluß zurückgeschlagen. Die Bulgaren sprengten die großen Brücken bei Orliako und Komariani und fliehen gegen SerreS, wohin sie unser rechter Flügel verfolgt. Die Schlacht hat den ganzen Tag gedauert, da der Feind sehr starke Stellungen innehatte, die er sehr tapfer verteidigte. Außerdem bekam er Hilfe von zwei Divisionen. Unsere Kavallerie hat den Feind verfolgt und in große Unordnung gebracht. Viele Gefangene machten wir und erbeuteten Gewehre, Geschütze (zwölf Kanonen) und Proviant. Unser linker Flügel nahm nach zehnstündigem Kampf Doiran ein und verfolgte die Bulgaren am Doiransee entlang nach Strumnitza hinauf. DaS treffliche Feuer der
„Ach Mutter, was macht daS in solch einer Zeit? Im Kriege werd' ich'S um so eher."
„Oder du kommst um, ehe du eS geworden bist, meine Junge."
Moritz warf ungeduldig den Kopf zurück. „Wer denkt daran? Ich kann ja Glück haben. Versprich mir, Mutter, daß du beim Vater ein gutes Wort für mich einlegen willst, versprich mir daS Mutter," bettelte er.
„Soll ich dich auch noch hergeben? Meinen Jüngsten?"
„Aber Mutter, solch ein Krieg wie dieser ist doch noch gar nicht dagewefen in der Welt. Denke doch, gegen Napoleon!" DaS Gesicht deS Knaben glühte vor zornigem Eifer. Plötzlich legte sich eine Hand schwer auf seinen Kopf. Erschrocken bog er sich herum. Der Vater stand da.
„WaS tust du hier, Moritz? Habe ich dir nicht Aufträge gegeben?" fragte er streng. „Ein schlechter Soldat, der feinen Posten verläßt."
Moritz zuckte zusammen. „Ich möchte mit in den Krieg, Vater," stammelte er.
„In einem Kriege wie dieser werden große Opfer gefordert, Opfer von jedermann. Auch von dir fordere ich ein Opfer, mein Sohn," sagte der General unerbittlich.
Atemlos, in tödlicher Angst sah Moritz zu ihm aus.
„DaS Opfer, daS ich verlange, ist, daß du hier bleibst."
Moritz, an pünktlichen Gehorsam im Elternhause gewöhnt, wagte kein Wort deS Widerspruchs. Auch die Mutter sagte nichts. Sie streichelte nur sanft die braune zuckende Hand deS Knaben. „Du gehst inS KadettenkorpS zurück, bis du Fahnenjunker bist," fuhr der General milder fort. „Tann wollen wir weiter sehen. Der Krieg wird, leider Gottes, lange dauern; auch für dich bleibt zu tun übrig. Und nun finde dich ab. Beiß die Zähne zusammen und bringe daS Opfer, daS von dir verlangt wird, mein Sohn."
Noch einmal berührte die Hand deS Generals feinen Scheitel. Dann hieß er Moritz daS Zimmer verlassen. Und Moritz biß die Zähne zusammen und brächte daS Opfer. Ein paar zornige Tränen wischte er ab. Dann war er fertig.
Meine Zeit kommt noch," dachte er trotzig und lief fort, um die Aufträge auSzurichten, die ihm geheißen waren.
Artillerie und der mutige Bajonettkampf zwangen die Bulgaren die starken Verschanzungen bei Doiran auszugeben. Ihre Verluste sind groß, wie auS der Zahl der Toten zu ersehen ist.
Der Saatenftml- in Brechen.
Anfang Juli 1913 ist, wenn 2 gut und 3 Mittel bedeutet : Winterweizen 2,2 (gegen 2,3 Anfang Juni 1913 und 1,9 Anfang Juli 1912), Sommerweizen 2,4 (gegen 3 bezw. 2,2), Winterroggen 2,5 (gegen 3 bezw. 2), Sommerroggen 2,5 (gegen 3 bezw. —), Wintergerste 2,6 (gegen 3,3 bezw. —), Sommergerste 2,2 (gegen 2,2 bezw. 2,4), Hafer 2,6 (gegen 3 bezw. 2,8), Erbsen 2,5 (gegen 2,8 bezw. 2,4), Ackerbohnen 2,5 (gegen 3 bezw. 2,3) Wicken 2,5 (gegen 3 bezw. 2,5) Kartoffeln 2,6 (gegen 3 bezw. 2,3) Zuckerrüben 2,3 (gegen 2,8 bezw. 2,4), Futterrüben 2,5 (gegen 3,3 bez-v. 2,4), WinterrapS und -Rübsen 3 (gegen 3,5 bezw. 2,8), Flachs 2,3 (gegen 2,3 bezw. 2,2), Klee 2,0 (gegen 2,7 bezw. 3,3), Luzerne 2,4 (gegen 3,0 bezw. 2,2), Rieselwiesen 2,0 (gegen 2,0 bezw. 1,6), andere Wiesen 2,1 (gegen 2.3 bezw. 1,9).
In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz zum Saatenstand in Preußen Anfang Juli 1913 heißt eS: Außer der Beeinträchtigung durch viele Arten von Infekten wird über tierische Schädlinge nicht geklagt. Besser als die Nutzpflanzen haben sich allerhand Unkräuter entwickelt. Die Weiterentwicklung der Saaten im BerichtSmonate war infolge der ungleichmäßig verteilten Niederschlagsmengen und der Kälterückschläge naturgemäß auch in den einzelnen Gegenden sehr verschieden. Am schlimmsten betroffen sind von dem unfruchtbaren Wetter die Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Brandenburg.
Von den Winterhalmfrüchten hatte der Winterweizen nach der günstigen Durchwinterung bereits in den Vormonaten einen Vorsprung den anderen Wintersaaten gegenüber erreicht, den er sich im ganzen auch jetzt noch gewahrt hat. Der Winterroggen gab zumeist nur in den von der Witterung ungünstig beeinflußten Gegenden zu mancherlei Ausstellungen Anlaß. Ueber die Wintergerste sind so gut wie gar keine nachteiligen Bemerkungen gemacht worden.
Die Sommerhalmfrüchte waren vielfach noch beim Schloffen, selten schon beim Blühen; die sich zeitiger entwickelnde Sommergerste stand jedoch zumeist in Blüte. Am schwersten sind der Sommerroggen und der Hafer in der östlichen LandeShälfte grschädigt worden. Ebenso haben die Hülsen- früchte mit Ausnahme der Ackerbohnen verloren.
Die Hacksrüchte lassen vielfach, am meisten wiederum in der östlichen LandeShälfte, viel zu wünschen übrig. Gleich ungünstige Nachrichten liegen teilweise über die Rüben vor, sowie über die Oelsrüchte, WinterrapS und Rübsen.
Die Futter pflanzen, Klee und Luzerne, haben fast in der ganzen westlichen LandeShälfte, in der östlichen nur teilweise, einen recht zufriedenstellenden Schnitt geliefert. Mit der Heuernte von den Wiesen war man gerade beim Einsetzen der Regenperiode beschäftigt.
Aas Jn- und Ausland.
Berlin, 8. Juli 1913,
AuS Cuxhaven, 8. Juli, wird gemeldet: Aus dem festlich beflaggten Riesendampser „Imperator", der neben dem Begleitkreuzer „Stralsund" auf der Altenbruch-Rede liegt, ist heute morgen daS Gefolge deS Kaisers angekommen. Der Kaiser selbst begab sich vormittags 10 Uhr, geleitet vom Generaldirektor BaMn, auf dem Dampfer „Cobra" von BrunSbüttelkoog zum „Imperator". Um 1 Uhr 20 Min. verließ der „Imperator" die Reede von Altenbruch und passierte um 7*2 Uhr die „Alte Liebe". Die Zuschauermenge begrüßte daS Kaiserschiff, daS in nächster Nähe passierte, mit brausendem Hurra. Der „Imperator" hatte seine Flaggengala eingezogen; nur am Achtermast flatterte stolz die Kaiserstandarte. Dem „Imperator" folgte der Kreuzer „Stralsund" mit dem Admiral deS 1. Geschwaders an Bord. Die Batterie GrimmerShoern feuerte einen Kaisersalut von 33 Schuß. Die Rückkehr deS „Imperator" erfolgte morgen früh gegen 4 Uhr.
Zum neuen Preußischen Kriegsminister hat der König den Generalmajor von Falkenhoyn, Chef deS Generalstabes deS vierten Armeekorps, unter Besörderung zum Generalleutnant ohne Patent, ernannt. General von Falken- Hayn begann seine Laufbahn im oldenburgischen Infanterieregiment Nr. 91, in dem er am 17. April 1880 Sekonde- leutnant wurde. Am 21 September 1889 zum Premier- leutnant befördert, kam er als Hauptmann in den Generalstab, dem er in den verschiedensten Stellungen angehörte. Am 25. März 1899 zum Major befördert, wurde er bei der Chinaexpedition dem Gencralstabe deS Oberkommandierenden, Feld-
Am Abendtisch erwarteten die Hirschfeldschen Damen die Off ziere auS Berlin. Als sie der Generalin ihre Aufwartung gemacht hatten, glitten ihre Blicke zu den beiden jüngeren Damen hinüber.
Sie stutzten. Wahrhaftig, die beiden Nymphen von der Parkmauer. Und jede von ihnen trug eine Blume an der Brust, die eine eine Rose, die andere eine Aster.
Erst gegen Ende deS Mahles erschien der General mit seinen Söhnen. Er war heiter und gesprächig, wenn auch ein gehaltener Ernst auf seiner Stirn lag.
Eugen sprudelte über von Geist und Leben. Sein ganzes Wesen atmete Befreiung und verborgenen Jubel.
„Wie hätten wir unS am Vorabend unseres AuSmarscheS noch daS Glück einer solchen Begegnung träumen lassen, gnädiges Fräulein I" sagte Friedrich von Saher zu Hilda, und seine Augen sprachen so unverhohlen die Wahrheit dieser Worte, daß Hilda die ihrigen senkte.
Aber sie hob sie sofort wieder.
„Ein kurzes Glück jedenfalls, wenn Sie eS denn Glück nennen wollen, Herr Leutnant," versetzte sie. „Wahrscheinlich marschieren Sie doch morgen mit dem Onkel auS?"
„Jawohl. Ich dürste nach dem Siege."
„Nach dem Siege?" wiederholte Eugen, der neben Saher saß. „Siegen möchte ich auch um Preußen- willen. Im übrigen — ich persönlich stelle die Tat an sich höher alS den Erfolg. Handeln allein ist Leben, Untätigkeit der Tod."
„Denken sie ebenso, Herr Leutnant?" wandte sich Ermentrud an ihren Nachbar, Georg von Wilhelmi.
„Genau, gnädiges Fräulein. Nur im Tun liegt Kraft. Und welcher Preuße, der sein Vaterland liebt, könnte in dieser Zeit einen anderen Wunsch haben, alS zu handeln? Glauben Sie mir, dies müßige Zusehen während andere glänzende Taten vollführen, zehrt an unserem Mark."
„Und wir Frauen können nicht- tun."
„Sie können nicht- tun? Wie sind Sie im Irrtum, gnädige- Fräulein! Daß wir wissen, Sie begleiten unS mit Ihrer Anteilnahme, mit Ihrem Beifall und mit Ihrer Zustimmung, daS spornt un- an, daS verdoppelt unsere Kräste," erwiderte Wilhelmi. (Fortsetzung folgt.)